2025 Archiv Quartal 2

27.06.2025 - 03.07.2025

Hürden für Kunststoffverpackungen

In einem gemeinsamen Positionspapier warnt laut Euwid eine Allianz von 70 europäischen Branchenverbänden vor Markthemmnissen durch die von der EU-Kommission geplanten Leitlinien zur einheitlichen Trennkennzeichnung auf Verpackungen. Die FAZ berichtet in einem Beitrag zum Reinigungsmittelhersteller Werner & Mertz über dessen Strategie zur Beschaffung geeigneter Rezyklate. Die vielfältigen aktuellen Herausforderungen für die Branche waren Thema beim „Forum Verpackung und Umwelt“ der Allianz Verpackung und Umwelt (AVU), wie das Recyclingmagazin berichtet.

 
Die von der EU-Kommission vorgeschlagene Herangehensweise zur Harmonisierung der Kennzeichnung für die Trennung von Verpackungen, die farbige textbasierte Anweisungen vorsehe, drohe den Binnenmarkt zu fragmentieren, den betrieblichen Aufwand für Unternehmen zu erhöhen und die Verbraucher zu verwirren, zitiert Euwid aus dem Positionspapier einer Allianz aus europäischen und nationalen Verbänden, darunter aus Deutschland die Allianz Verpackung und Umwelt (AVU). Der Ansatz widerspreche den Zielen der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) sowie der Binnenmarktstrategie der EU, die unterschiedliche Verpackungskennzeichnungen als eine der zehn größten Handelsbarrieren identifiziere. Auch die verpflichtende Verwendung von Text in mehreren Landessprachen würde nach Ansicht der Unterzeichner zentrale Ziele der PPWR wie zum Beispiel, Verbrauchern klarere Sortieranweisungen zu geben, untergraben. Die Allianz spreche sich laut Euwid für ein einfaches und harmonisiertes System aus, das Recycelbarkeit unterstützt, die Kosten für die Einhaltung reduziert und in allen Mitgliedstaaten funktioniert.
 
Der Reinigungsmittelhersteller Werner & Mertz setzt bei seinen Verpackungen fast ausschließlich auf Rezyklat, berichtet die FAZ, obwohl dies in Deutschland weiterhin teurer sei als Neuware. Für die Flaschenkörper sämtlicher Frosch-Produkte werde nach Angaben von Werner & Mertz seit Jahren nur noch Rezyklat verwendet. Seinen Zugriff auf hochwertiges Recyclingmaterial sichere sich das Unternehmen seit 2012 durch eine Partnerschaft mit dem Verpackungshersteller Alpla, was Investitionen in leistungsstarke Sortieranlagen für Kunststoffabfälle ermöglicht habe. Die Preisbildung bei Rezyklat beruhe nahezu ausschließlich auf den Prozesskosten für die Aufbereitung, bei höheren Stückzahlen werde das Recycling günstiger, wird Werner-&-Mertz-Chef Reinhard Schneider in der FAZ zitiert. Schneider kritisiere, dass die Gründe für die Preisunterschiede zwischen Rezyklat und Neuware politisch seien. Die bei der Kunststoffproduktion entstehenden Treibhausgasemissionen würden nicht hinreichend bepreist. Auch der bvse Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung fordere seit Jahren eine „angemessene CO2-Bepreisung“ von Neuware, schreibt die FAZ.
 
In Berlin diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Umweltorganisationen bei der AVU-Fachkonferenz „Forum Verpackung und Umwelt“ am 25. Juni aktuelle Entwicklungen und notwendige Weichenstellungen, berichtet das Recyclingmagazin. Zu den vielschichtigen aktuellen Herausforderungen in der Kreislaufwirtschaft gehörten EU-Vorgaben aus Brüssel, Verpackungsabgaben in deutschen Kommunen und eine schwierige wirtschaftliche Lage, schreibt das Magazin. Bundestagsmitglied Florian Bilic (CDU) habe die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft für das Gesamtsystem als entscheidenden Baustein für eine nachhaltige Zukunft hervorgehoben und eine stärkere Aufmerksamkeit gefordert. Dr. Silke Karcher, Leiterin der Unterabteilung Kreislaufwirtschaft im Bundesumweltministerium, betonte laut Recyclingmagazin in ihrer Keynote die anstehenden Legislativen wie unter anderem zur NKWS (Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie) und zur Umsetzung der PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation), die man jeweils zeitnah angehen wolle.
 
Quellen:

  • FAZ (27.6.2025)
  • Recyclingmagazin (30.6.2025)
  • Euwid Recycling und Entsorgung (2.7.2025)
Dialog zu Herausforderungen und Strategien in der Kunststoffindustrie

Beim Branchendialog am 26. Juni des pro-K Industrieverband langlebige Kunststoffprodukte und Mehrwegsysteme diskutierte die Kunststoffindustrie unter dem Motto „Zukunft gestalten in herausfordernden Zeiten“ über Geopolitik und Fachkräftemangel, berichtet die K-Zeitung. Die wirtschaftliche Lage der Branche hat sich laut ifo-Geschäftsklima-Index im Juni verschlechtert, wie aus Berichten der Fachpresse hervorgeht.

 
Zukunftsfragen, Fachkräfte und Vernetzung seien beim pro-K Branchendialog in Frankfurt am Main die treibenden Themen gewesen, schreibt die K-Zeitung. Prof. Dr. Alexander Sandkamp vom Ifw – Kiel Institut für Weltwirtschaft habe in seiner Keynote aktuelle geoökonomische Herausforderungen, darunter protektionistische Tendenzen in den USA, eine zunehmende Handelsabhängigkeit Europas von China sowie die Bedeutung resilienter Lieferketten thematisiert und betont, wie sehr auch die Kunststoffindustrie durch politische Entscheidungen in Washington oder Peking beeinflusst werde. In einer anschließenden Podiumsdiskussion erörterten Dr. Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin von Plastics Europe Deutschland, Thorsten Kühmann, Geschäftsführer des Fachverbands Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA, sowie Dominik Lemken vom pro-K Mitgliedsunternehmen Walther Faltsysteme Lösungsansätze sowie die Rolle der europäischen Industriepolitik, ökonomische Diversifizierungsstrategien und den Fach- und Arbeitskräftemangel, wie die K-Zeitung berichtet.
 
Der Geschäftsklima-Index bei den Herstellern von Gummi- und Kunststoffwaren hat sich laut Ifo Institut im Juni gegen den allgemeinen Trend verschlechtert, berichtet etwa k-online. So seien die Erwartungen an die Geschäftslage gesunken und auch die aktuelle Geschäftslage schlechter bewertet worden als im Mai.
 
Quellen:

  • K-Zeitung (1.7.2025)
  • k-online.de, kunststoffweb.de (2.7.2025)
Vorschau auf die K 2025: „Ein Werkstoff mit Wandelkraft“

Das Fachmagazin Kunststoffe berichtet über die offizielle K-Preview, die vom 16. bis 18. Juni in Düsseldorf stattfand, und bei der der Zustand und die Zukunft der Kunststoffindustrie diskutiert sowie ein Ausblick auf die K 2025 gegeben wurde. In einem weiteren Beitrag fasst Kunststoffe die Präsentationen der Messebeiträge einer Reihe von Unternehmen anlässlich der K-Preview zusammen.

 
Zum Auftakt der K-Preview, bei der sich rund 75 internationale Fachjournalisten und viele Aussteller trafen, seien im Rahmen eines Round Tables die Rolle des Werkstoffs Kunststoff, wirtschaftliche Herausforderungen und Chancen diskutiert worden, schreibt Kunststoffe. Für Ulrich Reifenhäuser, CSO der Reifenhäuser Group und Vorsitzender des K-Ausstellerbeirats, biete die K Messe eine Bühne für die Vorteile des Werkstoffs – Funktionalität, geringes Gewicht, Haltbarkeit und geringer CO2-Fußabdruck. Er blicke trotz schwieriger Vorjahre für die Industrie optimistisch nach vorn. 2025 werde das Jahr der Wiederbelebung. Die K werde zum Auftakt zu einem starken Zyklus. Die Power von Kunststoff zeige sich in seiner Wandlungsfähigkeit, habe Dr. Christine Bunte von Plastics Europe Deutschland (PED) betont. Das Material erfinde sich ständig neu – sei es durch neue Anwendungen oder durch den Umstieg auf alternative Rohstoffe, so Bunte. PED werde auf der K 2025 erneut das Sonderformat „Plastics shape the Future“ anbieten, das aktuelle Innovationen etwa bei Thementagen wie „Circular Thursday“ oder „Visionary Tuesday“ präsentiere. Auf die besonderen Schwerpunkte der K 2025, nämlich Recyclingtechnologien, digitale Lösungen und neue Materialien, habe Petra Cullmann, Executive Director bei der Messe Düsseldorf, hingewiesen. Die Hallen 9 und 10 seien speziell dem Bereich Kreislaufwirtschaft gewidmet.
 
Zur offiziellen K-Preview zeigten laut Kunststoffe über ein Dutzend Unternehmen, darunter etwa BASF, Covestro, KraussMaffei, Kuraray und Domo Chemicals, wohin sich die Kunststoffbranche bewege. Die Themenvielfalt, die von innovativer Extrusion, über zirkuläre Materialentwicklung, Prozessautomatisierung bis hin zu KI reiche, spiegle den technischen Wandel – und den klaren Willen zur Transformation.
 
Quellen:

  • zwei Beiträge von Kunststoffe (30.6.2025)

13.06.2025 - 26.06.2025

Altfahrzeugverordnung (ELVR): Stimmen zur schrittweisen Einführung von Mindestrezyklatquoten

Die Umweltministerinnen und -minister der Europäischen Union haben sich vergangene Woche auf eine Position für die EU-Verordnung zu End-of-life-Vehicles (ELVR) geeinigt. Ihre Vorschläge sehen laut Berichten von Fach- und Wochenmedien unter anderem eine schrittweise Einführung des Mindestanteils für recycelte Kunststoffe in Neuwagen vor. Die Ratsposition wird von Verbänden der Kunststoff- und Entsorgungsindustrie grundsätzlich begrüßt, Kritik gibt es aber insbesondere an den vorgesehenen Fristen und dem langsameren Vorgehen.

 
Sechs Jahre nach Inkrafttreten der Verordnung soll der Anteil an Kunststoffrezyklaten 15 Prozent betragen und in den folgenden vier Jahren auf 25 Prozent steigen, berichtet etwa der Spiegel. Die Position der EU-Länder falle damit schwächer aus als die ursprünglichen Vorschläge der EU-Kommission. Nach Vorstellung der EU-Staaten solle die Kommission zudem „vorübergehende Abweichungen“ von den Vorgaben erlauben, „wenn ein Mangel an recyceltem Kunststoff besteht oder die Preise übermäßig hoch sind“, zitiert der Spiegel den EU-Rat. Je nachdem, wie rasch sich Rat, Parlament und EU-Kommission einigen, könnte die ELVR in 2026 verabschiedet werden, schreibt Euwid. Der vom Rat vorgeschlagene dreistufige Ansatz mit 15 Prozent Rezyklatgehalt nach sechs Jahren, 20 Prozent nach acht Jahren und 25 Prozent nach zehn Jahren solle vermeiden, dass es in den ersten Jahren zu Materialengpässen komme, zitiert der Fachdienst Paulina Hennig-Kloska, die polnische Umwelt- und Klimaschutzministerin des aktuellen EU-Ratsvorsitzes. Plastics Europe, der europäische Verband der Kunststofferzeuger, sieht in dem langsameren Vorgehen hingegen eine „Verwässerung“, wird Dr. Katharina Schlegel, Direktorin für Kreislaufwirtschaft, etwa in der K-Zeitung wiedergegeben. Man begrüße, dass das Rezyklateinsatzziel von 25 Prozent beibehalten wurde, plädiere aber für den Vorschlag der Kommission, das Ziel bereits in sechs und nicht erst nach zehn Jahren umzusetzen. Diese Zielvorgabe sei unter Einbeziehung aller Recyclingtechnologien und mit bis zu fünf Prozent Materialien aus zirkulären Quellen, wie etwa biobasierten Rohstoffen, die dazu allerdings in die Verordnung aufgenommen werden sollten, realistisch und erreichbar, habe Schlegel erklärt. Doch die Zeit dränge und die Industrie brauche jetzt einen klaren Rechtsrahmen, um Recycling und Kreislauftechnologien voranzutreiben, betont Plastics Europe laut eines weiteren Berichts von Euwid. Ohne klare rechtliche Anreize sei nach Einschätzung des Verbandes zu befürchten, dass die vorhandenen Potenziale und Ressourcen, beispielsweise aus dem Haushalts- und Gewerbeabfall, zu langsam gehoben würden. Auch der europäische Verband für Abfallwirtschaft (FEAD) kritisiert eine „Verwässerung“ der Rezyklatanteilziele und sieht im Vorschlag des EU-Rats eine erhebliche Schwächung der Anreize, in hochwertiges Kunststoffrecycling zu investieren, wie Euwid an anderer Stelle berichtet. Anders als Plastics Europe begrüße der FEAD allerdings, dass eine Anrechnung von Produktionsabfällen und biobasierten Kunststoffen auf den Rezyklatanteil vom Rat bisher nicht vorgesehen sei. Das Ziel der ELVR, die Wiederverwendbarkeit und Recyclingfähigkeit von Fahrzeugen bereits im Entwicklungsprozess zu verankern, ist laut eines weiteren Berichts von Euwid ein Schritt, den der bvse Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung ausdrücklich begrüßt. Ein ökologisches Design sei der Schlüssel für effizientes Recycling und den Schutz der Umwelt, wird darin Johannes Hanke, bvse-Experte für Altfahrzeugverwertung zitiert.
 
Quellen:

  • Spiegel (17.6.2025)
  • K-Zeitung (18.6.2025)
  • Circular Technology (19,6,2025)
  • mehrere Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 26/2025 (24.6.2025)
BKV-Studie zeigt Rezyklatmangel bis 2030 auf

Eine neue Studie im Auftrag der BKV GmbH prognostiziert laut Berichten von Fachmedien eine deutliche Unterversorgung mit Post-Consumer-Rezyklaten (PCR) bis zum Jahr 2030 – sowohl in Deutschland als auch europaweit. Um Recyclingpotenziale schneller zu erschließen, fordert der Verband der Kunststoffhersteller Plastics Europe vor dem Hintergrund neuer EU-Vorgaben wie der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) und der Altfahrzeugverordnung (ELVR) mehr Tempo bei der regulatorischen Umsetzung.

 
Die im Auftrag der BKV GmbH durchgeführte Studie der Conversio Market & Strategy GmbH zum Status Quo und der Prognose der Verfügbarkeit von Kunststoffrezyklaten bis zum Jahr 2030 zeigt Versorgungslücken auf, selbst bei einem Ausbau der Recyclingkapazitäten, berichtet etwa das Fachmagazin Plastxnow. Für das Jahr 2030 ergibt sich laut Studie ein Gesamtbedarf an PCR-Rezyklaten von 13,1 Millionen Tonnen in der EU-27+3, ist im Bericht von Plastxnow zu lesen. In einem „Business-as-usual“-Szenario würde demnach eine Versorgungslücke von 3,5 Millionen Tonnen entstehen und selbst in einem ambitionierteren „Advanced“-Szenario eine Differenz von 788.000 Tonnen. In Deutschland laufe es im ungünstigeren Fall auf eine Lücke von 861.000 Tonnen Kunststoffrezyklate hinaus, im günstigeren Szenario würden immer noch rund 310.000 Tonnen fehlen.
 
Im Rahmen einer Serie zur PPWR berichtet das Fachportal Haufe nicht nur über die Vorgaben der Verordnung, sondern auch – mit dem Verweis auf die Ergebnisse der oben erwähnten BKV-Studie – über verfügbare Recyclingtechnologien und die erheblichen Hürden bei der PCR-Rezyklatbeschaffung zur Erfüllung der Vorgaben. Um die Versorgung mit hochwertigem PCR-Material sicherzustellen, seien gezielte Investitionen in Recyclingtechnologien, der Ausbau von Sammel- und Sortiersystemen sowie klare regulatorische Rahmenbedingungen erforderlich, ist dort zu lesen. Laut eines Beitrags des Portals „Dein Kunststoff“ sei der drohende Engpass mit der BKV-Studie frühzeitig erkannt worden und noch Zeit gegenzusteuern. Industrieverbände der Kunststoffindustrie würden vier Maßnahmen empfehlen, die sofort helfen könnten: Produkte recyclingfähig gestalten, Abfallströme etwa auch aus dem Haushaltsrest- und Gewerbemüll besser nutzen, mehr Recyclingverfahren (auch chemische) zulassen sowie Vorgaben europaweit einheitlich gestalten. Auch im Rahmen eines Workshops beim ersten Tag des Internationalen Altkunststofftags in Dresden am 24. Juni war die laut BKV-Studie zu erwartende Rezyklatversorgungslücke Thema, wie aus einem Post bei LinkedIn hervorgeht. Dr. Ingo Sartorius, Geschäftsführer der BKV GmbH, hält demnach die bis 2030 geforderte PCR-Quote für kaum erreichbar. Im besten Fall wird es seiner Ansicht nach unter den derzeitigen Randbedingungen eine Versorgungslücke von 6 Prozent geben und das chemische Recycling zur Rezyklatherstellung bis dahin nur wenig beitragen können.
 
Quellen:

  • deinkunststoff.de (17.6.2025)
  • haufe.de (18.6.2025)
  • Plastxnow (20.6.2025)
  • LinkedIn (24.6.2025)
Forderungen nach Kurswechsel bei der Umweltregulierung

Laut Euwid haben neun Fachverbände der Verpackungswirtschaft und das Deutsche Verpackungsinstitut (dvi) anlässlich des 10. Tags der Verpackung ein gemeinsames Positionspapier vorgelegt und darin nachdrücklich weniger Regulierung und mehr Wirkungskontrolle gefordert.

 
In dem gemeinsam veröffentlichten Positionspapier beklagen laut Euwid mehrere Verbände der Verpackungsindustrie, darunter Flexible Packaging Europe (FPE), der Industrieverband Papier- und Folienverpackung (IPV) und die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, nicht nur strukturelle Überregulierung, sondern auch zunehmende Zielkonflikte zwischen gesetzgeberischer Absicht und praktischer Umsetzbarkeit. Im Zentrum der Kritik steht ein wachsender Regulierungsdruck wie etwa durch das Einwegkunststofffonds-Gesetz (EWKFondsG), das nach Einschätzung der Branche Fehlanreize setze und zu erheblichen bürokratischen Belastungen führe, ebenso wie die redundanten Berichtspflichten für nationale Register sowie im Zuge der Umsetzung der EU-Verpackungsverordnung (PPWR). Darüber hinaus sprächen sich die beteiligten Verbände – von der Papier- über die Kunststoff- bis zur Glas- und Aluminiumverpackung – geschlossen für eine technologieoffene Ausgestaltung der Kreislaufwirtschaft aus.
 
Unterdessen stößt die im Dezember 2024 verabschiedete PPWR zunehmend auch auf juristischen Widerstand aus der Industrie, wie Euwid an anderer Stelle berichtet. Insgesamt 24 Unternehmen der Branche aus acht Ländern, drei davon aus Deutschland, haben demnach Mitte April Klagen beim Europäischen Gericht (EuG) eingereicht, um die vollständige oder teilweise Aufhebung zentraler Bestimmungen der Verordnung, insbesondere der Artikel 25 und 29, zu erreichen. Diese betreffen das Verbot bestimmter Einwegverpackungen wie etwa Obst- und Gemüseschalen unter 1,5 kg sowie Quotenregelungen für Mehrwegverpackungen und eine umstrittene Rezyklateinsatz-Ausnahme für Verpackungen mit geringen Kunststoffanteilen wie etwa beschichtete Pappbecher oder Take-away-Schalen. Die Kläger kritisierten am Vorgehen der EU, ohne ausreichende Folgenabschätzung oder sachgerechte Begründung tief in bestehende und bewährte Verpackungssysteme einzugreifen. Mit Urteilen sei laut Experten allerdings frühestens Ende 2026 zu rechnen, schreibt Euwid.
 
Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 25/2025 (17.6.2025)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 26/2025 (24.6.2025)

06.06.2025 - 12.06.2025

Strategien zur Kunststoffkreislaufwirtschaft

Im Tagesspiegel Background erläutert Georg Pescher, Präsident der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, wie die Politik die Industrie unterstützen und die bislang erreichten Erfolge in der Kreislaufwirtschaft für Kunststoffverpackungen weiter voranbringen kann. In einem Post auf LinkedIn mit Bezug zu einem Interview in der Süddeutschen Zeitung (SZ) weist Pescher auf die Nachhaltigkeit des Kunststoffrecyclings hin: „Rezyklateinsatz kann CO2-Emissionen in der Herstellung von Kunststoffen um bis zu 90 Prozent senken“. Ein Überblick über internationale Strategien zur Kunststoffkreislaufwirtschaft findet sich in der aktuellen Ausgabe der Kunststoffe.

 
Innovation und Nachhaltigkeit gingen in der Verpackungsindustrie Hand in Hand, schreibt Pescher in seinem Beitrag im Tagesspiegel. Die Branche entwickle nachhaltige Verpackungslösungen, investiere in Recyclingtechnologien und setze auf Qualität. Das Recycling von Kunststoffverpackungen habe sich in Deutschland in den letzten Jahren erheblich verbessert und die Recyclingquote nun mit 68 Prozent einen Spitzenwert in Europa erreicht. Auch seien mittlerweile 82 Prozent der Verpackungen für Endverbraucher recycling- oder mehrwegfähig, über 17 Prozent bestünden aus recyceltem oder biobasiertem Material. Entscheidend für weitere Fortschritte sei aber, dass die Politik konkrete Anreize setze, auf faire Marktbedingungen achte und so Innovationen fördere. Nur so ließen sich die ambitionierten Ziele für Kreislaufwirtschaft und Recycling erreichen. Konkrete Forderungen der Industrie umfassten abgesehen von dem dringend notwendigen Bürokratieabbau, dass unter anderem der Paragraf 21 des Verpackungsgesetzes in Richtung einer materialneutralen ökologischen Bewertung mit echter Lenkungswirkung umgestaltet werde. Das mechanische Recycling sollte etwa durch ein Zertifikatsystem für mechanische Rezyklate analog zum Massebilanzverfahren bei chemischen Rezyklaten gestärkt und die werkstoffliche Recyclingquote in Deutschland auf 75 Prozent ab 2030 erhöht werden. Auf die Frage, welches Potenzial der Einsatz von Rezyklaten für Unternehmen habe, verweist Pescher laut LinkedIn in einem Interview mit der SZ auf deren großes CO2-Einsparpotenzial (90 Prozent) und die Aussicht, dass auch aufgrund zunehmender regulatorischer Maßnahmen wie der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten wachsen werde. In einem Bericht in Kunststoffe über internationale Strategien und die großen globalen Unterschiede beim Stand der Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe betont Ulrich Reifenhäuser, Vorsitzender des Ausstellerbeirats der K-Messe und Vorstandsvorsitzender des VDMA Fachverbands Kunststoff- und Gummimaschinen, dass der Schritt in die Kreislaufwirtschaft mit Kosten verbunden sei und daher nicht ohne ordnungspolitische Vorgaben auskommen werde. Jedes Kreislaufwirtschaftsmodell habe seine Tücken, heißt es in Kunststoffe: Regulierung wie es sie etwa in Europa gebe, schaffe zwar klare Regeln, könne aber zu Überbürokratisierung und ausbleibenden Investitionen führen. Um eine Verlangsamung der Transformation zu vermeiden, würden dringend investitionsfördernde Maßnahmen und Bürokratieabbau für ein „Level-Playing-Field“ benötigt, wird Virginia Janssens, Geschäftsführerin vom Verband der europäischen Kunststoffhersteller Plastics Europe, in Kunststoffe zitiert.
 
Quellen:

  • LinkedIn: Post der IK (6.6.2025)
  • zwei Artikel in Kunststoffe 6/2025
  • Background Tagesspiegel (10.6.2025)
Mehr Einsatz von Kunststoffrezyklaten

Der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) hat eine Orientierungshilfe veröffentlicht, die Branchenunternehmen beim Einsatz von Kunststoffrezyklaten unterstützen soll, berichtet Euwid. Dass das Recycling von Kunststoffen und der Einsatz von Rezyklaten signifikant zugenommen hat und damit die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft in Deutschland unterstreicht, ist in einem Fachbeitrag der BKV-Projektmanagerin Stephanie Cieplik in Kunststoffe zu lesen.

 
Die Nutzung von Rezyklaten sei auch nach Einschätzung von ZVEI ein wichtiger Baustein zirkulärer Wertschöpfung. Diese müsse „realistisch, differenziert und produktbezogen“ erfolgen, zitiert Euwid den Fachverband. Die Orientierungshilfe des Verbands biete anhand von Beispielen praxisnahe Informationen mit Fokus auf die verschiedenen regulatorischen Anforderungen, die sich etwa aus der Ökodesign-Verordnung, der Verpackungsverordnung sowie künftigen Regularien zur Altfahrzeugverwertung ergäben. Typische Anwendungsfelder würden beleuchtet und Herausforderungen bei Qualität, Stoffrecht und Materialverfügbarkeit aufgezeigt. Das Paper biete Unternehmen außerdem Ansätze für Strategien etwa durch Pilotprojekte, Normungsbeteiligung und den Dialog entlang der Wertschöpfungskette. (Anmerkung der Redaktion: Die Orientierungshilfe nutzt unter Punkt 2: „Überblick zu Kunststoffrezyklaten“ Daten aus den Studien der BKVStoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 2023“ und „Status quo und Prognose des Bedarfs und der Verfügbarkeit von Post-Consumer-Rezyklaten im Jahr 2030“).
 
In Kunststoffe ist ein Fachbeitrag von Projektmanagerin Stephanie Cieplik zur BKV-Studie „Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 2023“ erschienen, wonach der Anteil an eingesetztem Kunststoffrezyklat an der Verarbeitungsmenge in Deutschland 2023 fast 15 Prozent betrug. Die Studie dokumentiert und veröffentlicht alle zwei Jahre Produktions-, Verarbeitungs- und Verwertungsdaten von Kunststoffen. Für das Jahr 2023 ist demnach ein Rückgang der Herstellungs- und Verarbeitungsmengen von Kunststoffen zu verzeichnen, während das Recycling und der Einsatz von Rezyklaten dagegen signifikant zugenommen hat. Rezyklate werden der Erhebung zufolge vor allem in den Bereichen Bau, Verpackung und Landwirtschaft eingesetzt, kommen aber auch in der Herstellung von Elektro- und Elektronikgeräten sowie Fahrzeugen (insgesamt 13,2 Prozent der Verarbeitungsmenge) zum Einsatz. Bei elektrischen und elektronischen Anwendungen sind laut Studie die Bereiche Kabel und Installationstechnik sowie Weiße Ware relevant.
 
Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 24/2026, Plasticker (10.6.2025)
  • Kunststoffe 6/2025
Skalierung des chemischen Recyclings braucht politische Unterstützung

Ein neuer Bericht des Beratungsunternehmens Bain hat laut Euwid die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Ausbau des chemischen Recyclings von Kunststoffen analysiert. Dr. Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin von Plastics Europe Deutschland, erläutert im Interview des Fachmagazins Kunststoffe über die ersten Monate ihrer Amtszeit mit der Bundestagswahl, der anhaltende Nachfragekrise und dem Zollchaos von Donald Trump, inwiefern fehlende politische Anreize den Ausbau des chemischen Recyclings bislang gebremst haben.

 
Die Studie von Bain beziffere den notwendige Investitionsbedarf, um in den nächsten 20 bis 30 Jahren Kostenparität der Rezyklate aus chemischem Recycling mit der Produktion von Neuwarekunststoffen zu erreichen, auf über 400 Milliarden Euro. Laut der Analyse würden Marktkräfte allein nicht ausreichen, um die Investitionstätigkeit in Gang zu bringen und die bislang noch nicht wirtschaftlich tragfähige Skalierung der chemischen Recyclingtechnologien voranzubringen, laute die Prognose der Studienautoren. So lägen die Kosten für das Recycling von Polyolefinen über Pyrolyse in Europa derzeit mehr als doppelt so hoch wie bei der Herstellung von Neuware, zitiert Euwid aus dem Bericht. Eine politische Unterstützung sei für den Ausbau der Kapazitäten unabdingbar. So könnten etwa stufenweise Vorgaben für den Rezyklateinsatz mögliche politische Instrumente auf Länder- oder Regionalebene sein. Die in der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) angesetzten Quoten für den Rezyklatanteil könnten nach Einschätzung der Autoren zu ambitioniert sein. Regulatorische Anreize allein könnten das chemische Recycling allerdings nach Ansicht der Autoren nicht tragfähig machen, heiße es weiter. Erst mit wachsendem Marktvolumen und technologischem Fortschritt könne ein Übergang zu einem nachfragegetriebenen Markt erfolgen.
 
Dr. Christine Bunte begrüßt im Interview mit Kunststoffe, dass das chemische Recycling laut Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung unterstützt und anerkannt werden soll. Demnach sollen die Recyclingmengen durch technologieoffenes Recycling, einschließlich chemischem, erhöht werden, so Bunte. Zu den noch vagen Formulierung des Koalitionsvertrags könne die Industrie konkrete Vorschläge für eine Umsetzung liefern. Auch stehe noch die Frage im Raum, wie chemisches Recycling in der Abfallhierarchie eingeordnet werden soll. Dazu werde es wohl noch einige Diskussionen geben und es seien viele Detailfragen zu klären, sagt Bunte. Dass 2025 mit einer Menge von rund 120.000 Tonnen Rezyklat aus chemischen Recyclingverfahren deutlich zu wenig erreicht worden sei, liege auch an bislang fehlenden politischen Anreizen. Die Unternehmen hätten derzeit keine Rechtssicherheit darüber, ob durch chemisches Recycling hergestellte Produkte auf Rezyklateinsatzquoten angerechnet werden könnten.
 
Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 24/2026 (10.6.2025)
  • Kunststoffe 6/2025

23.05.2025 - 05.06.2025

Bundesregierung kündigt Sofortprogramm für die Kreislaufwirtschaft an

Wie Euwid berichtet, sollen mit einem Sofortprogramm neue Impulse für die Kreislaufwirtschaft gesetzt werden. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) habe dies im Rahmen des vom BDE organisierten Tags der Kreislaufwirtschaft in Berlin angekündigt. Dass Start-ups der Branche trotz Krisen florieren, berichten Fachmedien unter Bezugnahme auf eine aktuelle Start-up-Landkarte der Plattform UnternehmerTUM. Wie aus einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) hervorgeht, könnte die Transformation energieintensiver Industrien hin zur Kreislaufwirtschaft laut einer Studie des Beratungsunternehmens Systemiq im Auftrag des WWF nicht nur die Klimakosten drastisch senken.

 
Bundesumweltminister Schneider wird in Euwid mit den Worten zitiert, die nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) sei für die Regierung nicht nur eine Arbeitsgrundlage, sondern ein Umsetzungsauftrag. Die Transformation von der linearen zur zirkulären Wirtschaftsweise zähle zu den zentralen Aufgaben der laufenden Legislaturperiode. Im Rahmen des Sofortprogramms seien laut Schneider insbesondere eine neue Plattform für Kreislaufwirtschaft sowie eine Digitalisierungsinitiative zur Schließung von Stoffkreisläufen geplant. Vorgesehen seien hier unter anderem der Einsatz von digitalen Produktpässen, neue Datenräume zur Analyse von Stoff- und Warenströmen sowie die Nutzung von Künstlicher Intelligenz, um Ressourceneffizienz und Zirkularität zu fördern. Auch die Umsetzung der neuen EU-Verpackungsverordnung habe hohe Priorität, so Schneider laut Euwid. Die EU-Vorgaben sollen in Deutschland unter Nutzung nationaler Spielräume möglichst rasch umgesetzt werden. Darüber hinaus sei eine stärkere Ausrichtung der öffentlichen Beschaffung an Kreislaufwirtschaftskriterien geplant und ein entsprechendes Gesetz in Vorbereitung. Die Transformation zur Kreislaufwirtschaft sei ähnlich komplex wie die Energiewende, sage Schneider, aber „notwendig, lohnenswert und machbar“.
 
Deutschland liege zusammen mit Großbritannien und Frankreich bei Investitionen in Europas Circular-Economy-Start-ups bereits weit vorne. Das zeige laut Fachmedien die aktuelle Ausgabe der sogenannten „Start-up Landscape“, auf der etwa Neugründungen wie Traceless, Recup, Resourcify oder Radical Dot abgebildet würden. Die Landkarte gehe erstmals über Deutschland hinaus und biete mit über 2.500 erfassten Unternehmen eine umfassende datenbasierte Analyse europäischer Start-ups im Bereich Circular Economy, zitiert etwa Euwid den Münchner Start-up-Hub UnternehmerTUM. Laut Analyse von Circular Republic, einem Zusammenschluss von Kreislaufwirtschaftsexperten unter dem Dach von UnternehmerTUM, sei seit 2015 ungeachtet weltweiter Krisen ein kontinuierliches Wachstum der Investitionen in diesem Bereich zu beobachten, das nun mit über 9 Milliarden US-Dollar einen neuen Höchststand erreicht habe. Die Circular Economy werde als wichtiger Garant für resiliente Lieferketten erkannt, wird Matthias Ballweg, Mitgründer und Director von Circular Republic, auch in einem Bericht von Kunststoffe zitiert.
 
Die SZ berichtet über die Ergebnisse einer Systemiq-Studie im Auftrag des WWF, wonach die Umstellung auf Kreislaufwirtschaftstechnologien in der deutschen Stahl-, Zement- und Chemieindustrie die Kosten für eine „klimaneutrale Grundstoffindustrie“ um bis zu 45 Prozent senken könne. Im Rahmen der Untersuchung habe Systemiq zehn marktreife Technologien mit hohem Potenzial zur CO2- und Materialeinsparung von digitaler Rückverfolgbarkeit von Verpackungen bis hin zu modularen Baukonzepten analysiert. Die betrachteten Lösungen seien in der Industrie sofort einsetzbar, würden aber bisher nicht ausreichend genutzt, heiße es in der Studie. Würden Kreislaufwirtschaft und CO2-Minderung zusammengedacht, entstehe ein Win-win-win für Klima, Ressourcen und Unternehmen, wird Viviane Raddatz, Klimachefin beim WWF Deutschland, in der SZ zitiert. Der Effekt reiche dabei über den Klimaschutz hinaus: Weniger Primärmaterialbedarf bedeute geringere Abhängigkeit von instabilen Lieferketten – und verringere laut Studie zudem die Energieabhängigkeit um bis zu 20 Prozent.
 
Quellen:

  • Kunststoffe (23.5.2025)
  • Süddeutsche Zeitung (28.5.2025)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 23/2025 (3.6.2025)
  • euwid-recycling.de (5.6.2025)
Chancen für das chemische Recycling in Europa

Die Beratungsfirma Roland Berger sieht für das chemische Recycling gute Chancen, vor allem in Europa, wo laut eines Berichts von Euwid das größte Wachstumspotenzial ausgemacht wird. Hohe Boni für Rezyklate aus dem chemischen Recycling in EPR-Systemen plane Frankreich. Das berichtet der Fachdienst an anderer Stelle sowie in einem weiteren Beitrag über ein Joint-Venture aus der Schweiz für Kunststoffabfälle aus dem Baubereich. Eine ReOil-Anlage des Chemiekonzerns OMV hat laut ORF im österreichischen Schwechat Ende Mai den Vollbetrieb aufgenommen.

 
Bis 2030 werde für Europa trotz der aktuellen regulatorischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten laut Roland Berger ein jährlicher Anstieg der Pyrolysekapazitäten um gut 60 Prozent vorhergesagt, ist in Euwid zu lesen. 2023 habe Europa mit einer Kapazität von 100.000 Tonnen noch das Schlusslicht gebildet, so Ruirui Zong-Ruehe, Partnerin der Unternehmensberatung im Team für Material- und Prozessindustrien, beim Chemical Recycling Innovation Summit 2025 Ende Mai in Frankfurt. Nach Schätzung der Experten, die auf öffentlich bekannt gegebenen Projekten basiere, würden voraussichtlich vor allem in Deutschland, Belgien, Österreich, den Niederlanden, Finnland und Großbritannien Pyrolysekapazitäten entstehen. In den USA wolle das Unternehmen Brightmark bis 2030 Pyrolyseanlagen mit einer Kapazität von 900.000 Jahrestonnen in Betrieb nehmen, und in Asien seien verschiedene Projekte für insgesamt 1,8 Millionen Tonnen angekündigt. Die global installierten Kapazitäten könnten nach den Erhebungen von Roland Berger von 1,2 Millionen Tonnen im Jahr 2023 auf 9,9 Millionen Tonnen in 2030 wachsen. Ebenfalls in Frankfurt habe laut eines weiteren Beitrags von Euwid Martin Foe, Director of Regulatory Affairs bei Carbios, aktuelle Pläne der französischen Regierung für eine Differenzierung der Gebühren nach Rezyklatgehalt und Recyclingfähigkeit von Produkten innerhalb von Systemen der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) vorgestellt. Der Gesetzesentwurf sehe gestaffelte EPR-Gebühren vor, die durch Boni für den Einsatz von Recyclingmaterial reduziert werden können. Ein pauschaler Bonus für den Einsatz von Rezyklaten aus dem chemischen Recycling von 1.000 Euro pro Tonne könne für alle genutzten Rezyklatmengen angerechnet werden, sofern eine geographische Nähe der beteiligten Unternehmen von der Abfallsammlung bis zur Weiterverarbeitung gegeben sei. Über den in enger Abstimmung mit der Industrie entwickelten Entwurf solle noch im Laufe des Sommers entschieden werden, wird Foe in dem Bericht zitiert.
 
Über ein geplantes Joint-Venture der beiden schweizerischen Unternehmen Sulzer und Sika zum chemischen Recycling von Kunststoffabfällen aus dem Baubereich berichtet Euwid in einem weiteren Beitrag. Der Baustoffkonzern Sika und die Industriegruppe Sulzer, die an dem Joint Venture je zur Hälfte beteiligt seien, wollen laut Euwid gemeinsam ein System zur Sammlung, Aufbereitung und Wiederverwendung von Baukunststoffen mithilfe chemischer und mechanischer Verfahren entwickeln. Die Wiederverwertung der komplexen Materialien sei bislang „stark fragmentiert, technisch anspruchsvoll und oft wenig effizient“, werden die beiden Unternehmen zitiert. Das Joint Venture schließe bestehende Lücken in der Wertschöpfungskette der Bauindustrie. Der Beginn der operativen Tätigkeit sei für das zweite Halbjahr 2025 vorgesehen und werde erste Pilotprojekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz umfassen.
 
Im österreichischen Schwechat ist laut eines Berichts des ORF Ende Mai eine Anlage zum chemischen Kunststoffrecycling der OMV in Betrieb gegangen. Mit der in der Recyclinganlage eingesetzten unternehmenseigenen ReOil-Technologie könnten 16.000 Tonnen Kunststoffabfällen pro Jahr zu Pyrolyseöl verarbeitet werden, ohne dass dabei die Qualität daraus erzeugter Produkte wie Ethylen oder Propylen leide. Aufgrund der mit Neuware vergleichbaren Qualität seien die aus vermischten oder stark verunreinigten Abfällen gewonnenen Polymere selbst für anspruchsvolle Anwendungen wie Lebensmittel- und Medizinverpackungen nutzbar, wird Standortleiter Otmar Schneider vom ORF zitiert.
 
Quellen:

  • ORF (31.5.2025)
  • zwei Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 23/2025 (3.6.2025)
  • euwid-recycling.de (3.6.2025)

16.05.2025 - 22.05.2025

Bundeswirtschaftsministerin Reiche plant schnelle Entlastung für Unternehmen

Die neue Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat Anfang der Woche auf dem ostdeutschen Wirtschaftsforum in Brandenburg laut Medienberichten bis Juli ein erstes Entlastungspaket für Unternehmen angekündigt. Ob auch der angekündigte Industriestrompreis kommen wird, scheint allerdings fraglich, berichtet das Handelsblatt. Im Interview mit der Augsburger Allgemeinen schildert VCI-Chef Wolfgang Große Entrup die Sicht der Industrie und empfiehlt der Regierung, für den angestrebten Aufschwung eine klare Roadmap mit konkreten Maßnahmen zu verfolgen.

 
Reiche habe angekündigt, einen Gesetzentwurf zur Absenkung der Stromsteuer auf das EU-Minimum noch vor der Sommerpause ins Bundeskabinett einzubringen, berichtet etwa das ZDF. Wie im Koalitionsvertrag festgeschrieben prüfe das Wirtschaftsministerium zudem eine Senkung der Netzentgelte. Nach diesem sogenannten Investitionsbooster, der auch vorsehe, Abschreibungsmöglichkeiten deutlich zu verbessern, wolle Reiche in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode zudem die Unternehmenssteuer reformieren, wird die Ministerin in der Wirtschaftswoche zitiert. Auch einen Industriestrompreis von fünf Cent pro Kilowattstunde wolle man prüfen, schreibt der Spiegel. Laut einer als „Verschlusssache“ eingestuften Leitungsvorlage für Reiches Ministerium, die dem Handelsblatt vorliegt, sähen Experten allerdings die Gefahr, dass die EU diese Subvention nicht genehmigen könnte. Die Umsetzung des Industriestrompreises berge beihilferechtlich erhebliche Herausforderungen, zitiert das Handelsblatt aus dem Dokument. In Brüssel seien „die Vorbehalte erheblich und die Aussichten auf eine Genehmigung höchst unsicher“. Im Interview mit der Augsburger Allgemeinen mit dem Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), Wolfgang Große Entrup, bewertet er die Ankündigungen der Regierung zur Senkung der Strompreise beziehungsweise der Energiekosten als das A und O. Doch müssten danach auch die strukturellen Fehlentwicklungen der Energiewende korrigiert werden, da sich etwa die Netzentgelte zu einem enormen Kostenfaktor entwickelt hätten. Diese seien ein wichtiger Hebel für wettbewerbsfähige Strompreise, so Große Entrup. Entscheidend für den von der Regierung angestrebten wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands sei, dass es eine klare Roadmap gebe, die mit Tempo und mit konkreten Maßnahmen unterlegt werde, sagt Große Entrup. Unternehmen müssten sich darauf verlassen können, dass etwas passiert. Dann könne der Glaube an den Standort Deutschland zurückkehren.
 
Quellen:

  • Augsburger Allgemeine (17.5.2025)
  • Wirtschaftswoche, Spiegel, Rheinische Post (19.5.2025)
  • Handelsblatt (20.5.2025)
BMUKN: Eckpunkte zur Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) noch in 2025

Carsten Träger, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium (BMUKN), skizzierte in Berlin auf dem VKU-Abfallwirtschaftskongress laut Euwid die Schwerpunkte des Ministeriums im Bereich der Abfall- und Kreislaufwirtschaft. Die Kreislaufwirtschaft werde auch für die neue Bundesregierung weiterhin Priorität haben, und an dem Ziel der Transformation zu einer zirkulären Wirtschaft halte das ganze Haus fest, wird Träger vom Fachdienst zitiert.

 
Das zur Umsetzung der zirkulären Transformation zentrale Instrument, die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS), wolle das BMUKN nun zügig in die Praxis überführen und dazu noch in diesem Jahr ein erstes Eckpunktepapier für kurzfristig realisierbare Maßnahmen vorlegen, habe Träger erklärt. Außerdem habe er eine „Digitalisierungsinitiative“ zur Schließung verbleibender Stoffstromlücken angekündigt. Zu den weiteren prioritären Vorhaben im Bereich Abfall- und Kreislaufwirtschaft des BMUKN zählten Gesetzesinitiativen wie die Novellen der Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV) sowie zum Elektrogesetz (ElektroG). Ziel sei es vor allem, die zu niedrigen Sammelquoten bei Altgeräten zu steigern. Mit Blick auf Verpackungsabfälle und den Kampf gegen Littering habe sich Träger gegen eine nationale Verpackungssteuer ausgesprochen. Statt einer nationalen Steuer setze die Bundesregierung auf den neuen Einwegkunststofffonds.
 
Quelle:

  • euwid-recycling.de (21.5.2025)
Vorbereitung der Industrie auf die EU-Verpackungsverordnung

Wie sich Unternehmen auf die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) vorbereiten können, ist Thema eines Interviews im CheManager mit Carolina Gregorio, Sustainability Director für den Geschäftsbereich Packaging & Specialty Plastics bei Dow. Neue Verpackung berichtet über die Brancheninitiative „Loop that“, die zum Ziel hat, einen geschlossenen Kreislauf für das Transportverpackungsmaterial Umreifungsband zu schaffen.

 
Angesichts der Verordnung mit neuen Vorschriften für die Kunststoffindustrie, höheren Compliance-Anforderungen und steigenden Rezyklateinsatzquoten bis 2030 auf zehn bis 35 Prozent und ab 2040 auf bis zu 65 Prozent empfiehlt Carolina Gregorio im Interview mit CheManager den Unternehmen, interne Prozesse darauf abzustimmen und mit Lieferanten daran zu arbeiten, notwendige Materialien zu sichern und Produktionsmethoden anzupassen. Zur Erreichung der Quoten müsse mechanisches und chemisches Recycling kombiniert, kontinuierlich verbessert und ausgebaut werden, sagt die Dow-Managerin. Durch komplementäre Nutzung beider Technologien könne genügend hochwertiges Rezyklat erzeugt werden – auch für Lebensmittelverpackungen. Zur Frage nach Best Practices sagt Gregorio, dass diese beim Produktdesign anzusetzen seien zum Beispiel durch Verwendung von Monomaterialien oder die Reduzierung von Komponenten, die das Recycling behindern. Dazu müssten Forschungsabteilungen und Produktdesigner eng zusammenarbeiten. Für eine gute Strategie halte sie zudem, etwa frühzeitig Post-Consumer-Rezyklat aus mechanischem Recycling in nicht lebensmittelgeeignete Verpackungen zu integrieren und gleichzeitig recycelte Kunststoffe aus chemischem Recycling für sensible Anwendungen zu testen. Zudem seien langfristig die Zusammenarbeit mit Recyclern, Investitionen in Rohstoffpartnerschaften und die Erforschung biobasierter Materialien entscheidend. Mit Blick auf Dokumentations- und Berichtspflichten halte Gregorio ein zuverlässiges Datensystem für notwendig, um Materialflüsse nachverfolgen zu können. Zudem sollte ihrer Ansicht nach intern und extern mehr kommuniziert sowie abteilungsübergreifend und mit externen Partnern kooperiert werden, um das Verständnis für die bevorstehende Kreislaufwirtschaft kontinuierlich zu verbessern und zu fördern.
 
Im Projekt „Loop that!“ kooperiert der Spezialist für die Produktion von Umreifungsmaschinen Mosca mit dem Kreislaufwirtschaftsdienstleister Interzero, berichtet Neue Verpackung. Ziel sei es, einen geschlossenen Materialkreislauf für Umreifungsbänder zu etablieren. Im Zentrum stehe die Rückführung gebrauchter Bänder in den Produktionsprozess. Die Initiative verstehe sich als Einladung an alle Hersteller von Umreifungsbändern, gemeinsam einen standardisierten, industrieweiten Kreislauf zu schaffen. Das Projekt solle als Referenzmodell für die gesamte Branche etabliert werden, um so einen signifikanten Beitrag zur zirkulären Wirtschaft im Bereich der Transportverpackungen zu leisten. Zum Ablauf gehöre dann, dass Unternehmen gebrauchtes Umreifungsband sortenrein sammeln, häckseln oder pressen und das Material in Big Bags oder Gitterboxen verpacken. Interzero hole das Material gegen eine Gebühr ab, vergüte es und führ es dem Recycling zu.
 
Quellen:

  • CheManager 5/2025
  • Neue Verpackung (19.5.2025)

09.05.2025 - 15.05.2025

UBA-Bevölkerungsumfrage: Hohe Priorität für Verringerung von Kunststoffabfällen und Förderung der Kreislaufwirtschaft

Laut Berichten von Tages- und Fachmedien geht aus einer aktuellen Publikation des Umweltbundesamtes (UBA) zum Umweltbewusstsein und der Wahrnehmung von Umweltproblemen in Deutschland hervor, dass die Aufgabenbereiche Verringerung der Kunststoffabfälle und Förderung der Kreislaufwirtschaft für besonders wichtig gehalten werden.

 
Die Bedeutung von Klimaschutz hat für die Menschen in Deutschland laut dem aktuellen Bericht „Umweltbewusstsein in Deutschland 2024“ des UBA, den das Amt alle zwei Jahre erstellen lässt, zwar abgenommen, berichtet etwa der Tagesspiegel. Die Anzahl der Menschen, die Umwelt und Klimaschutz für „sehr wichtig“ halten, sei demnach zwischen 2020 und 2024 von 65 auf 54 Prozent gesunken. Zähle man aber noch die Menschen hinzu, die das Thema für „wichtig“ erachten, komme man auf nahezu 90 Prozent. Die Zahlen der Studie, für die im Jahr 2024 über 2.500 Menschen ab 18 Jahren aus dem gesamten Bundesgebiet befragt worden seien, sprächen gegen die These, dass Umwelt- und Klimaschutz polarisierende Fragen in der Bevölkerung seien und es starken Gegenwind für eine ambitionierte Klimapolitik gebe. Angesichts von Kriegen und neuer Krisen hielten zwar weniger Menschen Umwelt- und Klimaschutz für vorrangig, dennoch räume eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger diesem Thema Priorität ein, ist in der taz zu lesen. Ein Anstieg sei laut der Studie beim Problembewusstsein unter anderem in Bezug auf Plastikmüll zu verzeichnen, schreibt die taz. So hielten vier Fünftel der Befragten die Reduzierung von Plastikmüll und mehr als zwei Drittel die Förderung der Kreislaufwirtschaft für „sehr wichtig“. Am wichtigsten sei es den Befragten, „Plastikmüll und Plastikmülleinträge in die Natur zu verringern“, berichtet der Fachdienst Euwid. Für fast alle Befragten sei der Themenbereich „sehr wichtig“ (79 Prozent) oder „eher wichtig“ (17 Prozent). Auf Platz zwei der wichtigen Aufgabenbereiche folge die sichere Entsorgung von Atommüll und an dritter Stelle sähen die Befragten die Förderung der Kreislaufwirtschaft, die 70 Prozent für „sehr wichtig“ hielten.
 
Quellen:

  • Tagesspiegel, taz, Recyclingmagazin (12.5.2025)
  • euwid-recycling.de (13.5.2025)
Dynamische Entwicklung der Kunststoffkreislaufwirtschaft

Innovationen zur Kreislaufführung von Kunststoffabfällen und „zur Bekämpfung der globalen Plastikflut“ nehmen rasant zu. Das geht laut Euwid aus einem aktuellen Bericht des Europäischen Patentamts (EPA) hervor.

 
Der Bereich Kunststoffrecycling wachse gemessen an der Zahl der Patente deutlich schneller als andere vom Patentamt beobachtete Innovationsfelder, zitiert Euwid aus dem Bericht des EPA. Demnach habe sich die Patentaktivität in dem Bereich zwischen 1990 und 2023 um das 18-fache erhöht. Seit 2015 seien insbesondere neue Patente zum chemischen und biologischen Recycling stark gestiegen, und seit 2020 werde die Zahl der Patente für mechanische Recyclingtechnologien von denen für Pyrolyseverfahren übertroffen. Zuvor habe das mechanische Recycling die Patententwicklung dominiert, doch nun zeige sich laut der Studie ein anderes Bild: Neue Verfahren wie Pyrolyse, Chemolyse und enzymatische Depolymerisation würden an Bedeutung gewinnen. Patentanmeldungen für sektorspezifische Anwendungen wie etwa in der Automobilindustrie würden laut EPA ebenfalls stark zunehmen und nur noch überholt von solchen aus dem Verpackungssektor. Das starke Wachstum im Verpackungsbereich sei auch auf politische und regulatorische Faktoren zurückzuführen, zitiert Euwid aus dem EPA-Bericht. Vor dem Hintergrund globaler Umweltprobleme durch unsachgemäß entsorgte Kunststoffabfälle unterstreiche der Bericht die Bedeutung des Übergangs von einem linearen zu einem vollständig zirkulären Modell. Einen entscheidenden Hebel für den Erfolg zirkulärer Geschäftsmodelle identifiziert laut dem Informationsdienst Solarify eine Bertelsmann-Studie in sogenannten „Champions“. Gut vernetzte Change-Treiber mit hoher fachlicher Expertise könnten in Unternehmen durch klar definierte, mit Entscheidungsbefugnissen ausgestattete Schlüsselrollen und als starke interne Fürsprecher den Wandel der Industrie vorantreiben, heiße es in der Studie. Ohne eine „kritische Masse“ an solchen gut vernetzten Champions bleibe die Circular Economy nach Einschätzung der Studienautoren Stückwerk.
 
Quellen:

  • Solarify.eu (10.5.2025)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 20/2025 (13.5.2025)
Kunststoff(rezyklate) in der Automobilindustrie

Im Interview mit dem Fachmagazin Plastx Now spricht die Hauptgeschäftsführerin von Plastics Europe Deutschland, Dr. Christine Bunte, über die Rolle von Kunststoffen im Kontext der EU-Altfahrzeugverordnung (End-of-Life Vehicles Directive, ELV). Das Recyclingportal berichtet über eine Unternehmenskooperation im Bereich PCR-Kunststoffrezyklate für Automobilanwendungen. Und laut EU-Recycling Magazin wurde das BMBF-Projekt „CirProTech“ gestartet, in dessen Rahmen unter anderem Lösungen für Closed-Loops von Kunststoffen im Automobilbau entwickelt werden sollen.

 
Im Interview mit Plastx Now betont Dr. Christine Bunte die Unverzichtbarkeit von Kunststoffen in der Automobilindustrie: Vorteile wie geringes Gewicht, hohe Festigkeit und Flexibilität in der Gestaltung. trügen zur Reduzierung des Fahrzeuggewichts und damit zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs und der CO2-Emissionen bei. Die kunststoffbezogenen Rezyklateinsatzziele für Neufahrzeuge in der ELV in Höhe von 25 Prozent würden die Branche vor große Herausforderungen stellen, aber auch die Chance bieten, die Kreislaufwirtschaft in der Automobilindustrie maßgeblich voranzutreiben, so Bunte. Um langfristig den Bedarf an Kunststoffen auf kreislaufwirtschaftlicher Basis decken zu können, sehe Plastics Europe allerdings die Notwendigkeit, auch den Einsatz weiterer zirkulärer Rohstoffe, wie Biomasse und Kohlendioxid anzureizen. Von daher befürworten die Kunststofferzeuger in der ELV eher ein Mindestrezyklateinsatzziel in Höhe von 20 Prozent sowie eine zusätzliche Fünf-Prozent-Zielquote für den Einsatz von Rezyklat, Biomasse und CO2. Zudem sei die komplementäre Nutzung von Verfahren des mechanischen, lösemittelbasierten und chemischen Recyclings erforderlich. Dafür würden allerdings geeignete regulatorische Rahmenbedingungen, wie etwa die Anerkennung des chemischen Recyclings zur Quotenerfüllung und geeignete Massenbilanzansätze benötigt, so Bunte zur Frage von Plastx Now, wie die Zielquoten der ELV erreicht werden können. Darüber hinaus brauche es die Zusammenarbeit der Kreislaufwirtschaftspartner, betone Bunte.
 
Über die Intensivierung der Zusammenarbeit zum Einsatz von Post Consumer Rezyklaten (PCR) für Automobilanwendungen der TechnoCompound GmbH, Bad Sobernheim, und der RE Plano GmbH, eine Tochtergesellschaft der Remondis Recycling aus Lünen, berichtet das Recyclingportal. Beide Unternehmen hätten in den letzten Jahren hierzu jeweils umfangreiche Entwicklungen und Investitionen getätigt. So setze RE Plano in einer neuen Sortieranlage in Bochum eine KI-gestützte Sortierung ein, mit der das Unternehmen Qualitäten erreiche, die für den späteren Einsatz auch für anspruchsvolle Anwendungen auch im Fahrzeuginnenraum geeignet seien. TechnoCompound bereite das Material weiter zu emissionsgeprüften Kunststofftypen auf, mit denen das Unternehmen bereits in zahlreichen automobilen Serienanwendungen vertreten sei.
 
Noch am Anfang stehen laut EU-Recycling Magazin vom BMBF über fünf Jahre mit zehn Millionen Euro geförderte Forschungsprojekte für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft in der Automobilbranche. Gemeinsam mit Volkswagen, der Technischen Universität Braunschweig, dem Fraunhofer-Zentrum Circular Economy für Mobilität CCEM, der Ostfalia Hochschule und 35 weiteren Partnern sollen am Forschungscampus Open Hybrid LabFactory (OHLF) im Rahmen dieser Förderphase praxisnahe und effiziente Lösungen dazu entwickelt werden, ist im EU-Recycling Magazin zu lesen. Zum zentralen Projekt „CirProTech“ habe Ende März in Wolfsburg ein Kick-off-Treffen stattgefunden. Ziel des Projektes sei unter anderem, technologische Lösungen für Closed-Loops von Bauteilen aus Kunststoffen für den Bau neuer Automobilteile zu entwickeln. Eine besondere Herausforderung bestehe in der Trennung der Materialien, die häufig verklebt, verpresst oder mit anderen Stoffen verschmolzen seien. Durch die Entwicklung neuer Verfahren solle es möglich werden, hochwertige Recyclingmaterialien zu gewinnen, die sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch eine tragfähige Alternative zu Primärmaterialien bieten.
 
Quellen:

  • Plastx Now 2/2025
  • Recyclingportal (14.5.2025)
  • EU-Recycling Magazin (5/2025)

11.04.2025 - 08.05.2025

Kreislaufwirtschaft in Europa und in Deutschland: Politik muss schnell handeln

Laut Berichten von Fachmedien fordern Unternehmen und Verbände auf europäischer wie auch auf nationaler Ebene die Politik zur Unterstützung und zu schnellem Handeln in Sachen Kreislaufwirtschaft auf. So berichtet etwa Euwid über ein Schreiben einer breiten Koalition an die EU-Kommission mit der Forderung, zirkuläres Wirtschaften im aktuellen Entwurf des Rahmens für staatliche Beihilfen unter dem Clean Industrial Deal (CID) einzubeziehen. Die grade angetretene neue deutsche Bundesregierung fordern der BDE, bvse und VBS laut Fachmedien zu raschem Handeln auf, um in den kommenden vier Jahren durch eine konsequente Kreislaufwirtschaft hierzulande die Wettbewerbsfähigkeit und Rohstoffversorgung zu sichern.

 
In einem offenen Brief an die EU-Kommission unter der Federführung des Sortiertechnologie-Anbieters Tomra haben sich laut Euwid über 30 Verbände und Unternehmen aus den Bereichen Recycling und Kreislaufwirtschaft sowie NGOs aus ganz Europa besorgt geäußert über das Fehlen finanzieller Unterstützung für zirkuläres Wirtschaften im aktuellen Kommissionsentwurf des Clean Industrial State Aid Framework (Cisaf), der laut Planung der EU-Kommission im Juni verabschiedet werden soll. Obwohl Zirkularität als eine der vier Säulen des Clean Industrial Deal (CID) verankert sei, bleibe sie im aktuellen Entwurf des Rahmens für staatliche Beihilfen bislang unberücksichtigt. Recycling und Kreislaufwirtschaft würden darin nicht explizit erwähnt, kritisierten die Unterzeichner, zu denen Unternehmen wie Borealis und Suez sowie unter anderem Verbände wie Plastics Europe, European Recycling Industries' Confederation (Euric), die Föderation der Europäischen Entsorgungswirtschaft (FEAD) und Plastic Recyclers Europe (PRE) gehören. Das Ziel der EU, durch den CID bis 2030 zum Weltmarktführer in der Kreislaufwirtschaft zu werden, könne nach Einschätzung der Verbände und Unternehmen nicht ohne angemessene finanzielle Unterstützung für den Ausbau der notwendigen Infrastruktur verwirklicht werden. Staatliche Beihilfen für Projekte, die die Kreislaufwirtschaft vorantreiben, seien auch entscheidend, um die im CID geplante Steigerung der Kreislaufwirtschaftsquote auf 24 Prozent bis 2030 zu erreichen, heiße es laut Euwid in dem Schreiben.
 
Fachmedien wie etwa das Recyclingmagazin berichten, dass in Deutschland der BDE Bundesverband der Deutschen Wasser-, Entsorgungs- und Kreislaufwirtschaft die neue Bundesregierung auffordere, ausreichende finanzielle Mittel bereitzustellen, um den Hochlauf der Kreislaufwirtschaft zu unterstützen. Gemeinsam mit dem bvse Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung und dem VBS Verband der Bayerischen Entsorgungsunternehmen habe der Verband einen Forderungskatalog mit einem 10-Punkte-Plan für die ersten 100 Tage der neuen Bundesregierung vorgelegt. Darin forderten die Verbände die neue Bundesregierung auf, Investitionssicherheit zu schaffen, Bürokratie abzubauen und Planungsprozesse zu beschleunigen sowie unverzüglich einen Bundeshaushalt aufzustellen, der Verlässlichkeit und Planbarkeit herstelle. Zu den zehn zentralen Forderungen der Verbände zählen laut Recyclingmagazin unter anderem Vorgaben für recycelbare Produkte (Design for Recycling) sowie die Einführung von Mindestquoten für den Einsatz von Rezyklaten in einzelnen Stoffströmen, insbesondere im Kunststoffbereich.
 
Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 19/2025 (6.5.2025)
  • Recyclingmagazin, Recyclingportal (7.5.2025)
Diskussionen zur Umsetzung der EU-Verpackungsverordnung und Bilanz zum VerpackG

Für die Umsetzung der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) braucht es laut Berichten in Fachmedien aus Sicht von Verbänden wie dem BDE, der DGAW sowie dem Staatssekretär Michael Hauer vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität des Landes Rheinland-Pfalz eine praxisnahe Ausgestaltung sowie klare und rechtssichere Rahmenbedingungen. Für das deutsche Verpackungsgesetz (VerpackG), das in der kommenden Legislatur auch zur Umsetzung der PPWR novelliert werden muss, gibt es laut Berichten von Fachmedien von der früheren Bundesregierung eine gemischte Bilanz.

 
Bei einer Podiumsdiskussion in der Landesvertretung von Rheinland-Pfalz in Brüssel, an der Vertreterinnen und Vertreter der Verpackungsindustrie sowie aus dem EU-Parlament und der EU-Kommission teilnahmen, sei es laut Fachmedien auch um die Frage gegangen, was die PPWR für die Wirtschaft bedeutet. Staatssekretär Hauer begrüße zwar den Ansatz, einheitliche Standards für ganz Europa durchzusetzen, die PPWR müsse aber je nach Branche und verwendeten Stoffen noch präziser und praxisnäher werden. Insbesondere auch für die Wiederverwendungssysteme im gewerblichen Bereich müsse eine standardisierte und an der praktischen Umsetzung orientierte europäische Lösung etabliert werden, so Hauer. Wie sich die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) in der Praxis umsetzen lässt, war auch Thema einer Veranstaltung des BDE Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft und der Deutschen Gesellschaft für Abfallwirtschaft (DGAW). Die Fachverbände hätten mit Fokus auf Rechtsklarheit, Rezyklateinsatz und praktikable Anreize klare Forderungen an Politik, Wirtschaft und Gesetzgeber gestellt, berichtet unter anderen das Packaging Journal. So werde etwa für die geplante Fondsregelung in § 21 des deutschen Verpackungsgesetzes, mit der finanzielle Anreize für recyclingfreundliches Verpackungsdesign über einen zentralen Fonds gesteuert werden sollen, eine bürokratiearme Lösung gefordert. Designstandards halte Gunda Rachut von der Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) für zentral, diese müssten dann aber mit einem europaweit einheitlichen Standard für recyclingfreundliches Verpackungsdesign einhergehen. Ende April hat die damals noch amtierende Bundesregierung dem Bundestag ihren Evaluationsbericht zum Verpackungsgesetz (VerpackG) sowie zur Arbeitsweise und Wirksamkeit der ZSVR vorgelegt, berichtet der Fachdienst Euwid. Dieser komme zu einem gemischten Ergebnis: Die Regelungen zur kommunalen Steuerung der Sammlung von Verpackungsabfällen würden in der Praxis bislang nur eingeschränkt greifen. Die Arbeit der ZSVR werde hingegen weitgehend positiv bewertet. So habe etwa die Herstellerregistrierung von rund 55.000 im Jahr 2017 auf nun mehr als 1,2 Millionen registrierte Unternehmen in LUCID zugenommen, und die Beteiligungsmengen bei dualen Systemen seien zwischen 2018 und 2021 um rund 14 Prozent angestiegen. Diese und weitere Erkenntnisse des Berichts sollen laut Euwid in den kommenden Jahren in die umfassende Reform des Verpackungsrechts einfließen, die infolge der PPWR erforderlich werde.
 
Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung  17/2025 (23.4.2025)
  • MKUEM.RPL (29.4.2025)
  • Packaging Journal, Recyclingportal, (5.5.2025)
Wo kommen Steuern auf To-Go-Verpackungen a la Tübingen?

Kaum eine Stadt wolle das Tübinger Modell für Verpackungssteuern auf To-Go-Einwegverpackungen aus Kunststoff übernehmen, berichtet die Welt. In Starnberg hänge die Einführung der Steuer laut Süddeutscher Zeitung von der Zustimmung des Bayerischen Innenministeriums ab. Freiburg werde die Steuer laut Euwid ab 2026 erheben.

 
Obwohl das Bundesverfassungsgericht Tübingen eine Verpackungssteuer auf To-Go-Einwegbehälter erlaubt habe, würden nur wenige Städte eine kommunalen Verpackungssteuer einführen, ist in der Welt zu lesen. Dass viele Städte zögerten, liege unter anderem an der Frage, ob der Verwaltungsaufwand „in einem angemessenen Verhältnis zum gewünschten Ergebnis der Abfallreduzierung steht“ wird Henning Wilts vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie in der Welt zitiert. Der Reduktionseffekt seit der Einführung der Steuer in Tübingen sei nicht klar, schreibt die Welt. Laut einer Untersuchung des Wirtschaftswissenschaftlers Stephan Moderau habe sich das Gewicht des Abfalls in öffentlichen Mülleimern der Stadt nach der Einführung der Steuer nicht verringert. Erfolg habe Tübingen der Auswertung zufolge allerdings mit der parallel zur Steuer praktizierten Förderung von Mehrwegangeboten beim Außer-Haus-Verkauf. Eine flächendeckende Übernahme des Tübinger Modells, wie sie viele Kommunen forderten, weise zudem große Schnittmengen mit dem Einwegkunststofffonds auf, schreibt die Welt weiter. In den vom Bundesumweltamt verwalteten Fonds müssen die Hersteller bestimmter Kunststoff-Einwegmaterialien eine Sonderabgabe zahlen. Zusätzlich zu dem Fonds nun flächendeckend noch kommunale Verpackungssteuern hinzuzufügen, wäre der herstellenden Industrie sowie großen Anbieterketten oder Lieferdiensten nur schwer zu vermitteln, heißt es in der Welt. Doch könnte die Stadt Starnberg in Bayern die erste Kommune werden, die analog dem Tübinger Modell eine Verpackungssteuer erhebt – sofern neben dem Starnberger Landratsamt auch das Innenministerium des Freistaats zustimme, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Die Starnberger Stadtverwaltung gehe von jährlichen Einnahmen über 250.000 Euro und Investitionen in überschaubaren Grenzen aus. Die Stadt Freiburg will laut Euwid zum 1. Januar kommenden Jahres eine Steuer auf Einwegverpackungen für Speisen und Getränke einführen und rechne mit Einnahmen für das kommende Jahr in Höhe von 2,2 Millionen Euro. Die mit der Einführung der Steuer verbundenen Personalkosten schätze man auf rund 200.000 Euro jährlich.
 
Quellen:

  • Welt (29.4.2025)
  • Süddeutsche Zeitung (1.5.2025)
  • euwid-recycling.de (7.5.2025)

04.04.2025 - 10.04.2025

Stimmen zum Koalitionsvertrag der Bundesregierung

Zum gerade abgeschlossenen Koalitionsvertrag der künftigen Bundesregierung und deren Pläne für eine Belebung der deutschen Wirtschaft kommen laut Berichten von Tages- und Fachmedien überwiegend erleichterte und positive Stimmen, allerdings auch die Forderung nach mehr Tempo bei der Umsetzung. Verbände der Kunststoffindustrie begrüßen die Einigung ebenfalls, sehen neben Licht aber auch Schatten, wie Fachmedien berichten.

 
Vorgesehen sei laut Koalitionsvertrag unter anderem, zur Entlastung von Unternehmen zunächst steuerliche Abschreibungsregeln anzupassen, das deutsche Lieferkettengesetz abzuschaffen sowie einen Industriestrompreis für energieintensive Unternehmen einzuführen, berichtet etwa die Tagesschau. Wirtschaftsverbände würden die zügigen Verhandlungen der Parteien loben und die künftige Regierung auffordern, Reformen rasch umzusetzen. Positiv würden sich die DIHK, der Arbeitgeberverband BDA, der Industrieverband BDI und die Autolobby VDA zu den Vorhaben hinsichtlich der Entlastung bei Energiekosten, Investitionen in die Infrastruktur und zum Bürokratieabbau äußern. Zustimmung kommt laut Berichten von Fachmedien auch aus der Kunststoffindustrie. So habe sich etwa Dr. Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes der Kunststofferzeuger PlasticsEurope Deutschland e.V., positiv zum Koalitionsvertrag geäußert und gelobt, es seien viele wichtige Forderungen der Industrie aufgegriffen worden. Der Vertrag sei ein Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Deutschland und ein guter Startpunkt für die Zusammenarbeit mit der neuen Bundesregierung, wird Bunte im Plasticker zitiert. Besonders erfreut sei sie über das klare Bekenntnis zu vereinfachten Genehmigungsverfahren und einer 1:1-Umsetzung europäischer Gesetze. Auch für eine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft, etwa durch verbindliche Marktanreize für Rezyklate, würden die Parteien wichtige Signale senden, so Bunte. So werde etwa chemisches Recycling unterstützt und eine Revision des Paragrafen 21 des Verpackungsgesetzes sowie eine praktikable Umsetzung der EU-Verpackungsverordnung angestrebt. Verbesserungsbedarf sehe Plastics Europe Deutschland noch bei der Forschungsförderung. Es stehe im Koalitionsvertrag nichts zu Förderprogrammen, etwa für Pilotanlagen und Demonstrationsprojekte. Aus Sicht des GKV Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie enthalte die Koalitionsvereinbarung Licht und Schatten. Laut einer Stellungnahme bei LinkedIn müsse der angekündigte Industriestrompreis unbedingt auch für den energieintensiven Mittelstand gelten und vor allem beim Bürokratieabbau mehr Tempo gemacht werden, fordere der GKV. Dass das chemische Recycling laut Koalitionsvertrag Teil der bestehenden Abfallhierarchie werden soll und dass auf Grundlage der NKWS ein Eckpunktepapier mit kurzfristig realisierbaren Maßnahmen folgen werde, geht auch aus weiteren Berichten der Fachpresse hervor. Außerdem seien Strategien zur Abfallvermeidung, zum Einsatz von Rezyklaten und zur Shared Economy geplant. Darüber hinaus würden die Koalitionäre neben der Vereinfachung von Genehmigungsverfahren in Deutschland auf europäischer Ebene eine Initiative zur Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung ankündigen.
 
Quellen:

  • Tagesschau (9.4.2025)
  • Tagesschau, Plasticker, LinkedIn, Neue Verpackung, Euwid Recycling und Entsorgung (10.4.2025)
Plastics Recycling Show Europe: Innovationen und Herausforderungen

Laut Berichten von Fachmedien standen bei der diesjährigen Plastics Recycling Show Europe (PRSE) vom 1. bis 2. April in Amsterdam neben neuen Technologien vor allem die Herausforderungen der EU-Verpackungsverordnung (PPWR), die wirtschaftlich angespannte Lage der europäischen Kunststoffrecycler sowie das Wechselspiel zwischen mechanischem und chemischem Recycling im Vordergrund. Außerdem wurden die Gewinner des Plastics Recycling Award Europe 2025 vorgestellt.

 
Die Kombination aus Ausstellung und Konferenz habe erneut mehr als 10.000 Besucher angezogen, berichtet Kunststoffe. Das Fachmagazin beschreibt von den in Amsterdam präsentierten Innovationen unter anderem eine neue Lösung für Verpackungshersteller von Borealis. Demnach hat das Unternehmen die Muster eines rezyklierten, linearen Polyethylens niedriger Dichte (rLLDPE) präsentiert, das auf der Basis der mechanischen Borcycle-Recyclingtechnologie von Borealis hergestellt werde und 85 Prozent Post-Consumer-Rezyklat (PCR) enthält. Der Maschinenhersteller Erema hat laut Kunststoffe die Neuauflage einer Kunststoffrecyclingmaschine präsentiert, die sich auch für stärker verunreinigte Inputströme eignen soll und sich an Unternehmen richtet, die im Post Consumer Recycling tätig sind. Und der Sortieranlagenhersteller Tomra Recycling wolle durch seine Sortierlösungen etwa mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) und Cloud-Technologien Unternehmen dabei unterstützen, die Recyclingquoten der PPWR wie auch Vorschriften für lebensmitteltaugliche Materialien zu erreichen. Im Rahmen des Konferenzprogramms hat laut Euwid Ton Emans, Präsident des Verbandes Plastic Recylers Europe (PRE), über die wirtschaftlich angespannte Lage der europäischen Kunststoffrecycler berichtet. In den vergangenen zwölf Monaten sei es laut Emans noch einmal zu einer deutlichen Verschärfung der Situation gekommen. Der Ausbau der Kunststoffrecyclingkapazitäten habe sich bereits 2023 deutlich verlangsamt, wird Emans in Euwid zitiert. In 2024 stagnierten die europäischen Recyclingkapazitäten Schätzungen des Verbands zufolge bei rund 13,5 Millionen Tonnen, die Inbetriebnahme neuer Kapazitäten sei fast vollständig durch Stilllegungen ausgeglichen worden. Um die Kunststoffrecyclingbranche zu unterstützen, fordert PRE laut Euwid kurz- und langfristige Maßnahmen auf politischer Ebene wie etwa strengere Kontrollen bei Importen von Kunststoffen und Kunststoffrezyklaten, finanzielle Unterstützung der Recycler, Anreize, verstärkt Rezyklate einzusetzen, sowie die Anerkennung der Kunststoffrecycler als Schlüsselindustrie in der Kreislaufwirtschaft. Man sei sich der Bedeutung des Kunststoffrecyclings bewusst und suche nach Wegen, die Industrie zu unterstützen, habe EU-Kommissarin Teresa Ribera Rodríguez in einer Videobotschaft zu Beginn der Messe erklärt. Zum Thema Recyclingfähigkeit bzw. Design-for-Recycling von Verpackungen hat Wolfgang Trunk von der Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission Euwid zufolge die Veröffentlichung von Leitlinien für alle Materialarten für Anfang 2028 angekündigt. Der delegierte Rechtsakt werde auch den Umgang mit bedenklichen Stoffen und technisch-wirtschaftliche Aspekte der angewendeten Recyclingtechnologien regeln, wird Trunk in Euwid zitiert. In einem weiteren Beitrag berichtet der Fachdienst über die Preisträger des während der PRSE verliehenen „Plastics Recycling Awards Europe“. Unter den Ausgezeichneten sind Unternehmen wie Berry Global, Tomra Recycling, Klöckner Pentaplast, Ford Otomotiv Sanayi, Pretty Plastic und Lamy zusammen mit Holypoly. Zum „Plastics Recycling Ambassador“ ist laut Euwid Olivier Vilcot, ehemaliger Geschäftsführer des französischen Verbands der Kunststoffrecycler SRP, ernannt worden.
 
Quellen:

  • Kunststoffe (4.4.2025)
  • Euwid Recycling und Entsorgung (7.4.2025, 8.4.2025)
Leichte Belebung in den Märkten für Kunststoffverpackungen und Altkunststoffe

Die Kunststoffverpackungsindustrie blickt laut Berichten in Fachmedien optimistischer auf das zweite Quartal 2025 als auf das Vorquartal. Auch der Markt für Altkunststoffe scheint sich laut Euwid aktuell etwas erholt zu haben.

 
Laut einer aktuellen Konjunkturumfrage der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, über deren Ergebnisse Fachmedien berichten, würden sich die deutschen Kunststoffverpackungs- und Folienhersteller derzeit hinsichtlich einer wirtschaftlichen Stabilisierung optimistischer zeigen. Es seien deutliche Verbesserungstendenzen im Vergleich zum Vorquartal erkennbar. Indikatoren wie die Ertragslage seien demnach für das zweite Quartal 2025 besser ausgefallen, wobei die allgemeine Wirtschaftslage weiterhin als herausfordernd gelte. So würden zwar weiterhin 57 Prozent der Unternehmen die allgemeine Wirtschaftslage als schlecht bewerten, doch im ersten Quartal hätten noch 70 Prozent diese Einschätzung geteilt, 42 Prozent würden sie nun als befriedigend einstufen und ein Prozent als gut. Stabilität würde die Mehrheit der Unternehmen den Berichten zufolge beim Export (66 Prozent) und der Beschäftigungsentwicklung (68 Prozent) erwarten. Hinsichtlich der in der Umfrage erstmals erhobenen Absatzerwartungen würden 59 Prozent von gleichbleibenden Absätzen ausgehen, 21 Prozent eine Verbesserung und 20 Prozent einen Rückgang gegenüber dem ersten Quartal 2025 erwarten. Besonders positiv würden die Absatzerwartungen bei industriellen Verpackungen sowie Lebensmittelfolien und Flaschen bewertet. Eine leichte Belebung zeichnet sich im März laut Euwid auch bei der Nachfrage nach Regranulaten ab. Doch trotz dieser Entwicklung hätten sich die Margen der Recycler laut Marktteilnehmern nicht verbessert, auch würden viele Anlagen weiterhin nur mit reduzierter Auslastung laufen. Insgesamt bleibe die Marktlage stark angespannt. Auch sei immer häufiger von Betriebsschließungen zu hören, schreibt Euwid.
 
Quellen:

  • Neue Verpackung, Plasticker (2.4.2025)
  • chemie.de (4.4.2025)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 15/2025, kunststoffweb (8.4.2025)

28.03.2025 - 03.04.2025

Koalitionsverhandlungen: Chemisches Recycling soll Teil der Abfallhierarchie werden

Wie aus Berichten von Fachmedien hervorgeht, haben sich Union und SPD laut geleakten Dokumenten aus den Koalitionsverhandlungen unter anderem darauf geeinigt, das chemische Recycling in die Abfallhierarchie aufzunehmen. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) begrüße dies wie weitgehend auch generell den bisherigen Stand. Auch von der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen komme Zustimmung zu den Plänen der Koalitionäre. Die IK fordere aber auch ambitioniertere verbindliche Leitlinien für Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft im Koalitionsvertrag.

 
Eine Integration des chemischen Recyclings von Kunststoffabfällen in die bestehende Abfallhierarchie, auf die sich Union und SPD laut den geleakten Papieren der Arbeitsgruppe ländliche Räume, Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt bereits geeinigt haben, würde die Technologie mit werk- und rohstofflichen Recyclingverfahren gleichstellen und rechtlich stärken, schreibt der Fachdienst Euwid. Ein weiteres Thema, zu dem die neue Koalition auf Grundlage der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) ein Eckpunktepapier mit kurzfristig realisierbaren Maßnahmen erarbeiten wolle, beträfe die Reform des § 21 Verpackungsgesetz, die eine ökologische Gestaltung der Lizenzentgelte vorsehe. Auch die neue EU-Verpackungsverordnung würden die Koalitionäre laut aktuellem Verhandlungsstand praxisnah umsetzen wollen. Die Union plädiere zudem dafür, das Umweltgenehmigungsrecht grundlegend zu reformieren und den Umfang der Umweltverträglichkeitsprüfung auf ein „praxisgerechtes Niveau“ abzusenken. Darüber hinaus wolle die voraussichtliche Koalition zu Technologien zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CCU/CCS) umgehend ein Gesetzespaket beschließen, das die Verfahren insbesondere für schwer vermeidbare Emissionen des Industriesektors ermöglichen soll, zitiert Euwid aus einem weiteren Dokument zum Stand der Verhandlungen in der Arbeitsgruppe Klima und Energie. Demzufolge würden die Koalitionäre unter anderem planen, als Sofortmaßnahme die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß zu senken, Umlagen und Netzentgelte zu reduzieren sowie für die energieintensiven Unternehmen einen Industriestrompreis einzuführen, berichtet Kunststoffe. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) sehe in den bekannt gewordenen Informationen „gute und wichtige Fortschritte“ und bewerte die meisten Vorhaben positiv. Im Bereich Energie- und Klimapolitik seien nach Ansicht des Verbands aber noch zahlreiche Details offen. Die IK halte vor allem die Zielsetzungen im Hinblick auf die Verbindung von Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz nach aktuellem Stand der Verhandlungen für nicht ausreichend, berichtet Euwid an anderer Stelle. Deutschland habe die reale Chance, sich als führender Standort für eine innovative Kreislaufwirtschaft zu etablieren, wird IK-Präsident Georg Pescher dort zitiert. Zur Ergänzung des bislang entworfenen Koalitionsvertrags fordere die IK weiterführende Leitlinien mit den Zielen, Deutschland zum innovativsten Standort der Kreislaufwirtschaft zu entwickeln, Investitionen in die Recyclingindustrie zu fördern, den Aufbau einer klimaschonenden Circular Economy für Kunststoffe voranzutreiben und faire Spielregeln für Produkte aller Materialien zu schaffen, basierend auf ihrer Klimabilanz. Nach Ansicht des Verbands würden zudem wichtige Aspekte wie das mechanische Recycling sowie einheitliche Wettbewerbsbedingungen für verschiedene Verpackungsmaterialien im aktuellen Entwurf des Koalitionsvertrags fehlen. Um das volle Potenzial der Kreislaufwirtschaft zu nutzen, seien klare politische Rahmenbedingungen und gezielte Investitionsanreize erforderlich, zitiert Euwid die IK.
 
Quellen:

  • mehrere Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 14/2025 (01.04.2025)
  • Kunststoffe (02.04.2025)
Verbände kritisieren neuen Vorschlag der EU-Kommission zur Massenbilanzierung

In einem Entwurf für einen Durchführungsbeschluss zur Einwegkunststoffrichtlinie (SUPD), der die Anrechnung von chemisch recycelten Kunststoffen auf den Rezyklatgehalt von Einwegflaschen regeln soll, schlage die EU-Kommission eine Berechnungsmethode vor, die laut Euwid die Entsorger- und Recyclerverbände BDE, VOEB und bvse ablehnen.

 
Der Entwurf, der die vorgeschlagene Berechnungsmethode beinhalte, sei Ende Februar in einem Gremium aus Vertretern der EU-Mitgliedstaaten unter Vorsitz der EU-Kommission diskutiert worden, schreibt Euwid. Der Vorschlag sehe die Massenbilanzierung nach der „Fuel-Use-Exempt“-Methode für sogenannte „Dual-Use-Outputs“, also Zwischenprodukte aus dem chemischen Recycling wie etwa Pyrolyseöle, anzuwenden. Dagegen würden sich die deutschen Verbände der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft BDE, bvse und der österreichische VOEB aussprechen. Ihre Befürchtung sei, dass in der Folge Anteile aus dem chemischen Recycling als Kunststoffrezyklate ausgewiesen werden könnten, die nicht zu Brennstoffen, aber etwa zu Kraftstoffen (Fuels) und eben nicht zu Kunststoffprodukten umgewandelt würden. Die Mitgliedsstaaten sollten sich stattdessen zur „Polymers-Only“-Methode bekennen, wird Eric Rehbock, Hauptgeschäftsführer des bvse, von Euwid zitiert. Aus der Berechnungsformel müsse die anrechenbare Kunststoffrezyklatmenge klar hervorgehen und der spezifische Berechnungspunkt deutlich werden, fordere die Verbändeallianz. Weitere Kritikpunkte würden die Verbände unter anderem darin sehen, dass der Vorschlag lediglich einen Teil der gesamten Prozesskette abdecke und die Durchführung nachgelagerter Verfahrensschritte offen lasse. Schließlich würden sie die Gefahr sehen, dass die geplanten Regelungen zu Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten des mechanischen Recyclings könnten.
 
Quelle:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 14/2025 (01.04.2025)
Maßnahmen gegen Kunststoff in der Biotonne

Die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet, dass für Bürgerinnen und Bürger ab Mai 2025 strengere Regeln bei der Abfalltrennung und Befüllung der Biotonne gelten und wie ein KI-gestütztes System in Reutlingen dabei helfen soll, Plastik und andere Fremdstoffe aus dem Biomüll fernzuhalten. Auch die Entsorgung der meisten Kunststofftüten mit dem Etikett „kompostierbar“ über die Biotonne ist laut Bundesgütegemeinschaft Kompost (BGK) „rechtlich nicht zulässig und fachlich nicht erwünscht“, wie aus einem Bericht von Euwid hervorgeht.

 
In Reutlingen habe man die Abfallsammelfahrzeuge außen und innen mit Kameras und Sensoren ausgestattet, die Fremdstoffe teilweise bereits vor, spätestens jedoch während des Schüttvorganges erkennen würden, schreibt die SZ. Das Ergebnis der KI-Analyse würden Mitarbeiter der Technischen Betriebsdienste Reutlingen (TBR) den Bürgern zurzeit noch über an der Biotonne angebrachte Aufhänger mitteilen, ab Mai aber würden falsch befüllte Tonnen ungeleert stehen gelassen. Auch Bußgelder seien dann bei Verstößen möglich. Es gebe allerdings bei dem, was in die Biotonne gehöre, einige Verwirrung, wird Sascha Roth vom BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft in der SZ in einem weiteren Beitrag zitiert. So würden etwa Plastikbeutel mit dem Etikett „kompostierbar“ zwar nahelegen, dass man sie in der Biotonne entsorgen könne, seien aber eine ungeeignete Lösung. Sie würden zwar verrotten, aber der Prozess dauere laut Roth zu lange. Die BGK habe anlässlich der ab Mai greifenden Regelungen der Bioabfallverordnung (BioAbfV) ihre Information „Kompostierung von Biokunststoffen ist ein Irrweg“ auf den neuesten Stand gebracht und ihre Position zur Entsorgung von Sammelbeuteln aus biologisch abbaubaren Kunststoffen (BAK) über die Biotonne unterstrichen, schreibt Euwid. Der Verband lehne demnach eine Verwertung von Produkten aus Biokunststoffen über die Kompostierung „grundsätzlich und nachdrücklich ab“. Einzige Ausnahme seien genau definierte BAK-Sammelbeutel, wenn diese von den örtlichen Entsorgern zugelassen seien.
 
Quellen:

  • Süddeutsche Zeitung (28.3.2025)
  • Süddeutsche Zeitung, Euwid Recycling und Entsorgung 14/2025 (1.4.2025)

17.05.2024 - 23.05.2024

Chemie in Deutschland: „tiefrot“

In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau (FR) spricht Markus Steilemann, Chef des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) und des Chemiekonzerns Covestro, über die Kunststoffkrise, die Chancen der Kreislaufwirtschaft und die Perspektiven der Branche. Unterdessen droht Medienberichten zufolge ein Handelsstreit mit China zu eskalieren, durch den sich die schwierige Lage der Branche in Deutschland für manche Unternehmen weiter verschärfen könnte. Denn das Land habe angekündigt, Strafzölle auf die Einfuhr von Kunststoffen (POM-Copolymere) zu prüfen, die im Automobilbau, bei der Herstellung von Mobiltelefonen und Medizinprodukten zum Einsatz kommen.

 

Zu viel Bürokratie, marode Verkehrsinfrastruktur, zu hohe Energiekosten – darunter leide die Chemiebranche hierzulande, sagt Markus Steilemann im Interview mit der FR. Deutschland sei für die meisten Firmen nach eigenem Bekunden „tiefrot“, so der Präsident des VCI. Doch gebe es Anzeichen, dass die Talsohle durchschritten scheine und es im ersten Quartal bei den Unternehmen positive Signale sowie eine Steigerung der Produktion gebe. Für eine Entwarnung sei es aber noch zu früh, die Kapazitäten seien nicht ausgelastet, der Umsatz liege unter dem des Vorjahres. Auch würden die Gewinne deutscher Unternehmen überwiegend im Ausland erwirtschaftet. Die strukturellen Probleme hierzulande müssten endlich gelöst werden. In der Kreislaufwirtschaft sehe Steilemann große Chancen für Kunststoffe. Um sie anzukurbeln, brauche es etwa Einsatzquoten für die Nutzung von Rezyklaten wie auch den Ausbau von Pfandsystemen, damit weniger Rohstoffe verloren gingen. Zur Frage nach dem schlechten Image der Kunststoff- und Chemieindustrie verweist Steilemann auf die wichtige Rolle von Kunststoffen für ein nachhaltiges und gesundes Leben und führt als Beispiele etwa Windräder, Photovoltaikanlagen, E-Auto-Batterien sowie Verpackungen für Lebensmittel an. Probleme wie die Umweltbelastung etwa durch unsachgemäß entsorgte Kunststoffabfälle und das Littering von To-go-Produkten könnten nach Überzeugung der Industrie durch die Weiterentwicklung des Recyclings und ein konsequentes Design for Recycling der Produkte gelöst werden. Zu den Verhandlungen über ein UN-Plastikabkommen in Ottawa erklärt Steilemann, dass überzogene Forderungen einiger Interessengruppen wie etwa, den Einsatz von Kunststoffen und Vorprodukten faktisch zu verbieten, das Zustandekommen des Abkommens gefährdeten beziehungsweise deren Umsetzung die Kunststoffindustrie massiv in Gefahr bringen sowie die Transformation hin zur Kreislaufwirtschaft verhindern würden. Produktionsbeschränkungen, die zudem in der Folge besonders arme Länder und Bevölkerungsschichten treffen würden, halte Steilemann nicht für das richtige Instrument.
 
Laut weiteren Medienberichten verschärft sich der Handelsstreit zwischen China und dem Westen. So habe das chinesische Handelsministerium die Prüfung von Strafzöllen auf die Einfuhr thermoplastischer Kunststoffe angekündigt, die unter anderem bei der Herstellung von Handys, Autos und medizinischer Ausrüstung zum Einsatz kommen. Der Schritt stelle wohl eine Reaktion auf jüngste Maßnahmen der USA und der EU dar, nachdem die USA kürzlich Zölle auf Elektroautos, Batterien und Solarzellen aus China erhöht habe und die EU Anti-Dumping-Zölle auf chinesische E-Autos prüfe.
 
Quellen:

  • Tagesschau, Zeit, Handelsblatt, FAZ, RND (19.5.2024)
  • FR (23.5.2024)
Potenziale des chemischen Recyclings

Zu Möglichkeiten und Herausforderungen des chemischen Recyclings von Kunststoffabfällen hat der Fachdienst Euwid die beiden Professoren Manfred Renner und Matthias Franke vom Institut Fraunhofer Umsicht während der IFAT in München in einem Interview befragt. Die Experten sähen in Verfahren wie der Pyrolyse, Solvolyse und Gasifizierung eine Ergänzung des mechanischen Recyclings. Dabei gebe es nicht die eine Lösung, sondern viele Varianten für die verschiedenen Stoffströme.

 

Chemisches Recycling sei aufgrund der damit verbundenen Kosten und des hohen Energieaufwands in der Branche nicht unumstritten, schreibt Euwid. Auch würde es als mögliche Konkurrenz zu etablierten mechanischen Recyclingverfahren gesehen, das deren Weiterentwicklung hemmen könnte. Franke sehe zwar Überschneidungen zwischen chemischen und mechanischen Verfahren, vor allem aber nutzbare Synergien. Mechanisches und chemisches Recycling ergänzten einander, wenn bislang mechanisch recycelbare Kunststoffabfälle weiterhin mechanisch und alle anderen chemisch recycelt würden. Die Ausbeuten zu steigern, hohe und konstante Produktqualitäten zu gewährleisten sowie Prozesse in den industriellen Maßstab zu skalieren, zählten zu den technischen Herausforderungen bei den verschiedenen Verfahren des chemischen Recyclings, so Franke weiter. Laut Renner eigneten sich diese vor allem für nicht mechanisch recycelbare Kunststoffabfälle wie etwa glas- und kohlefaserverstärkte Kunststoffe, schadstoffbelastete Kunststoffe, Multilayer-Kunststoffe, Sortierreste und Mischkunststoffe sowie Shredderrückstände etwa aus der Altfahrzeug- oder Elektroaltgeräteverwertung. Verfahren wie die Pyrolyse, Solvolyse und Gasifizierung, die die Polymere in molekulare Bestandteile zerlegen und so Materialverbunde auflösen als auch unerwünschte Bestandteile abscheiden können, könnten die Zirkularität solcher Kunststoffe steigern. Chemisches Recycling sei als Erweiterung des mechanischen Recyclings zu sehen, nicht als Ersatz, so Renner. Man stehe aber noch am Anfang. Wie Franke betont, erfordere die Etablierung des chemischen Recyclings erhebliche Investitionen in Behandlungskapazitäten und setze voraus, dass die bestehende petrochemische Infrastruktur für fossile Kohlenwasserstoffe mitbenutzt sowie Massenbilanzverfahren als Grundlage für die Berechnung des Rezyklatanteils von Endprodukten angewandt werden könnten.
 
Quelle:

  • euwid-recycling.de (22.5.2024)
UBA-Studie zur Ökobilanz des chemischen Recyclings

Der kumulierte Energieverbrauch und der Ausstoß von Kohlendioxid, der mit mechanischem Recycling verbunden ist, liegen laut einer bislang unveröffentlichten Studie der RWTH Aachen im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) deutlich niedriger als beim chemischen Recycling, berichtet Euwid. Chemisches Recycling könne laut Studie dennoch eine sinnvolle Ergänzung zum mechanischen Recycling darstellen, insbesondere wenn zukünftig vermehrt Wasserstoff und erneuerbare Energien zur Verfügung stünden. Laut eines weiteren Berichts in Euwid hat die Renewable Carbon Initiative (RCI) ein neues Positionspapier zu chemischen und physikalischen Recyclingtechnologien vorgelegt.

 

Bei einer vom BDE organisierten Paneldiskussion auf der IFAT in München wurden laut Euwid vorläufige Ergebnisse der Studie der RWTH Aachen präsentiert und diskutiert. Die ökologische Bewertung der Recyclingverfahren sei in der Untersuchung über eine Methode erfolgt, die eine vergleichende Bewertung der werkstofflichen, chemischen und energetischen Nutzung von Kunststoffabfällen ermögliche. Der Analyse zufolge verursache chemisches Recycling durch Pyrolyse ähnlich hohe Treibhausgasemissionen und einen Energieverbrauch, wie sie bei der Primärproduktion von Kunststoffen anfielen. Die Ausbeute an Rohstoffen aus den Verfahren habe nach der Weiterverarbeitung bei der Verölung bei bis zu 50 Prozent, bei Pyrolyse bei bis zu 45 Prozent und bei Gasifizierung bei etwa 30 Prozent gelegen. Chemisches Recycling habe trotz ökonomischer Nachteile aufgrund des hohen Aufwands in der Produktaufbereitung den Vorteil, dass damit die Detoxifizierung des Inputmaterials möglich sei, zitiert Euwid Julia Vogel vom UBA. Darüber hinaus könne es einen Beitrag zur Kohlenstoffautarkie leisten. Außerdem sei die thermische Verwertung von Kunststoffabfällen in Kraftwerken laut Studie jedenfalls mit höheren Emissionen als das chemische Recycling verbunden. Zur Förderung des Kunststoffrecyclings gegenüber dem Einsatz von Primärmaterialien habe Alexander Kronimus, Geschäftsführer von Plastics Europe Deutschland, eine Erhöhung der Recyclingquote für Kunststoffverpackungen von 70 auf 75 Prozent vorgeschlagen. Diese solle über das mechanische Recycling abgedeckt werden. Parallel dazu solle eine zusätzliche Quote von etwa zehn Prozent einführt werden, die über chemisches Recycling abgedeckt werden könne. Marieke Hoffmann, Kreislaufwirtschaftsexpertin bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH), habe die Diskussion um eine mögliche Doppelquote als falsche Prioritätensetzung kritisiert und fordere entsprechend der Abfallhierarchie, zuerst andere Bereiche und Potenziale wie Abfallvermeidung, Design-for-Recycling, Mehrweg, verbesserte Sortiertechniken und das mechanische Recycling auszuschöpfen.
 
An anderer Stelle berichtet Euwid über ein Positionspapier der Renewable Carbon Initiative (RCI) zu chemischen und physikalischen Recyclingtechnologien. Die RCI betone darin den Bedarf an Innovation und politischer Unterstützung, um diese als „Schlüsseltechnologien“ für die Umsetzung des Green Deal und den Aufbau einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft zu entwickeln. Die Notwendigkeit, den in Kunststoff eingebetteten Kohlenstoff durch eine breitere Palette von Recyclingverfahren im Kreislauf zu halten, stehe im Mittelpunkt der RCI-Argumentation. Um eine sichere Nachfrage zu schaffen und Investitionen in diese Technologien zu fördern, fordere die Initiative umfassende politische Rahmenbedingungen. Insbesondere die EU-Mitgliedsstaaten seien aufgefordert, das chemisch-physische Recycling durch den Massenbilanzansatz „Fuel Exempt“ und spezifische Regelungen wie etwa Mindestrecyclingquoten zu fördern.
 
Quellen:

  • euwid-recycling.de (21.5.2024)
  • euwid-recycling.de (22.5.2024)