21.06.2024 - 27.06.2024

Covestro öffnet Bücher für Adnoc

Tages- und Wochenmedien berichten über die Ankündigung des Leverkusener Kunststoffherstellers Covestro, in konkrete Verhandlungen über den Verkauf des Unternehmens an den staatlichen Ölproduzenten Saudi-Arabiens Adnoc einzutreten. Nach Monaten „ergebnisoffener Gespräche“ gewähre Covestro zur Vorbereitung des möglichen Deals dem Interessenten nun Einsicht in seine Bücher.

 

Adnoc habe im Laufe der Verhandlungen sein Angebot an Covestro auf 62 Euro je Aktie erhöht, was ein Gesamtvolumen von zwölf Milliarden Euro bedeuten würde, berichtet etwa die Zeit. In den Gesprächen habe der Ölkonzern auch Zugeständnisse für Arbeitsplatzgarantien über mehrere Jahre sowie Investitionen für etwa 8 Milliarden Dollar angeboten, ist in der FAZ zu lesen. Die bisherigen Gespräche hätten aus Sicht des Covestro-Vorstands „ein gemeinsames Grundverständnis“ mit Adnoc über „wesentliche Kernthemen einer möglichen Transaktion“ gezeigt. Dabei gehe es auch darum, die Wachstumsstrategie von Covestro zu unterstützen, schreibt die FAZ. Der Dax-Konzern richte sich auf Kreislaufwirtschaft aus und verfolge einen ambitionierten Klimaplan. Covestro leide jedoch wie viele andere deutsche Chemiekonzerne unter den hohen Energiepreisen und zu viel Bürokratie hierzulande, wie Covestro-Chef und VCI-Präsident Markus Steilemann als Hemmnisse für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie laut FAZ immer wieder kritisiere. Aus Sicht der WirtschaftsWoche könnte der Verkauf an Adnoc, wenn er denn zustande kommt, nicht nur gut für Covestros Klimaziele sein, sondern auch für die Aktionäre und die deutsche Wirtschaft. Dem Ölkonzern Adnoc dagegen könne die Übernahme von Covestro Zugang zu fortschrittlichen Materialien verhelfen, die in Elektrofahrzeugen, Wärmedämmung für Gebäude sowie Beschichtungen, Klebstoffen und technischen Kunststoffen zum Einsatz kommen, ist in einem Bericht des Wirtschaftsmagazins Capital zu lesen. Unter Vorstandschef Sultan Al Jaber wolle Adnoc in neue Energien, kohlenstoffarme Brennstoffe wie Ammoniak und Wasserstoff sowie Flüssigerdgas und Chemikalien vorstoßen.
 
Quellen:

  • Zeit, FAZ, Capital (24.6.2024)
  • WirtschaftsWoche (25.6.2024)
Kreislaufführung von Kunststoffen im Automobilbau

Die Fachpresse berichtet über zwei Großveranstaltungen, bei denen Kunststoffe im Automobilbau im Fokus standen. Expertinnen und Experten diskutierten unter anderem über gesetzliche Vorgaben, eine künftige Kreislaufwirtschaft in der Automobilindustrie, Rezyklateinsatz und Kunststoffe in Elektrofahrzeugen.

 

Auf dem internationalen Fachkongress PIAE (Plastics in Automotive Engineering) in Mannheim am 19. und 20. Juni 2024 betonte PIAE-Kongressleiter Thomas Drescher, Leiter Vorentwicklung und Fahrzeugbeurteilung bei Volkswagen, die Bedeutung des Werkstoffes, ohne den der Automobilbau nicht vorstellbar sei, berichtet die K-Zeitung. Bei der Kreislaufführung von Kunststoffen stehe die Industrie jedoch noch am Anfang. Benötigt würden weitere Sortier- und Aufbereitungstechniken, um die erforderliche Menge an technischen Kunststoffrezyklaten in gleichbleibender Qualität zu gewährleisten, so Drescher. Der im neuen Entwurf der Europäischen Kommission zur End-of-Life Vehicle (ELV) Verordnung vorgesehene obligatorische Anteil von 25 Prozent recycelten Kunststoffen mit Schwerpunkt auf Post-Consumer-Rezyklaten (PCR), die möglichst aus mechanischen Recyclingverfahren stammen sollen, könne nur erreicht werden, wenn alle großen Kunststoffteile von Fahrzeugen wie etwa Stoßfänger, Schweller oder Blenden aus Rezyklat bzw. mit Rezyklatanteil realisiert würden, wird Application Marketing Manager Interior Mobility bei Borealis, Georg Grestenberger, in der K-Zeitung zitiert. Nach Ansicht von Kai Zies, CEO beim Spezialisten für das Recycling technischer Kunststoffe MKV-Kunststoffgranulate und Teilnehmer eines Fachpressegesprächs bei der PIAE, verkenne die Altauto-Verordnung der EU Marktrealitäten sowohl was die Vielfalt der Kunststoffe angehe als auch die vorhandenen Abfallströme, ist in einem Bericht in Kunststoffe zu lesen. Auch bei einer Gesprächsrunde während der größten US-Kunststoffmesse National Plastics Exposition „NPE2024“ sei es unter anderem um die Fragen gegangen, was sich beim Rezyklat- und Kunststoffeinsatz im PKW tue und wie viel Kunststoff die Elektromobilität brauche, berichtet Kunststoff Information (KI). Zwar gebe es viele Möglichkeiten, in Elektromotoren Metall durch Kunststoffe und auch Rezyklate zu ersetzen, aber die Umsetzung dauere, wird Eric Jaarda, Business Development Manager bei Sabic High Performance, im Bericht des Informationsdienstes zitiert. Die Integration von Rezyklaten sei deutlich teurer und zeitaufwändiger als in anderen Sektoren, so Jaarda. Die Ansichten zum künftigen Kunststoffverbrauch im Automobil seien laut KI durchaus verschieden. Dass die Menge in den nächsten Jahren deutlich steigen werde, sei aber die vorherrschende Meinung. Der Materialgewinner werde wohl Polypropylen (PP) sein, das bereits heute vielfach in Stoßstangen, Tür- und sonstigen Verkleidungen, Kabeln, Batteriegehäusen und Teppichen zum Einsatz komme.
 
Quellen:

  • K-Zeitung, Kunststoff Information (22.6.2024)
  • Kunststoffe (25.6.2024)
Langfristig gute Aussichten für das Kunststoffrecycling

So lauten nach Berichten der Fachpresse die Prognosen von Branchenexperten und einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Roland Berger, die bei der Plastics Recycling Show in Amsterdam vorgestellt wurde.

 

An der von Volatilität, einem niedrigeren Preisniveau und scharfem Wettbewerb geprägten Durststrecke im europäischen Markt für Kunststoffrezyklate werde sich zwar in nächster Zeit wenig ändern, die längerfristige Perspektive sei aber durchaus positiv, wird die Einschätzung von Tom Hesselink, Partner Transaction Services and Private Equity bei der Beratungsfirma Simon Kucher, im Rahmen der Plastic Recycling Show Europe in Amsterdam in einem Bericht von Euwid wiedergegeben. Noch vor 2030 rechne Hesselink damit, dass es einen Nachfrageüberhang und einen Nachfrageanstieg um rund 15 Prozent pro Jahr für hochwertige Post-Consumer-Rezyklate geben könnte. Besonders deutlich werde der Bedarf an hochwertigen PET- und PO-Regranulaten wachsen. Ab 2040 werde sich das Wachstum aufgrund der dann ambitionierteren gesetzlichen Anforderungen nochmals beschleunigen, laute die Prognose des Beraters. Getrieben werde diese Entwicklung vor allem von den in der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) und der Einwegkunststoffrichtlinie (SUPD) festgelegten Anforderungen in Bezug auf den Rezyklateinsatz und die Recyclingfähigkeit von Verpackungen. Auch Ton Emans, Präsident des Verbands Plastics Recyclers Europe (PRE), erwarte eine Erholung der Branche sowie mehr Investitionen in den nächsten Jahren. Bedroht sehe er den Aufschwung jedoch durch günstige Importe sowohl von Primarkunststoffen als auch Rezyklaten in die EU und appelliere dringlich an die Gesetzgeber, die europäischen Unternehmen besser vor unfairem Wettbewerb zu schützen. Bis 2050 werde sich der mit Kunststoffabfällen über die gesamte Wertschöpfungskette generierte Marktwert nach einer Prognose der Unternehmensberatung Roland Berger auf rund 370 Milliarden Euro mehr als verzwölffachen, berichtet Euwid an anderer Stelle. Laut deren Studie „Plastic waste (r)evolution – dynamic sector with growth opportunities“, die im Mai 2024 veröffentlicht und in Amsterdam vorgestellt wurde, würden die aktuell rund 30 Milliarden Euro Marktwert der Bereiche Sammlung und mechanisches Recycling auch 2050 noch für einen Großteil der Wertschöpfung verantwortlich sein. Technologien zum chemischen Recycling von Kunststoffen würden laut Studie künftig an Bedeutung gewinnen, ist in Euwid zu lesen. Die global installierten Kapazitäten für chemisches Recycling könnten demnach deutlich, von aktuell etwa einer Million Tonnen pro Jahr auf etwa 70 Millionen Tonnen pro Jahr wachsen. Vor dem Hintergrund eines zu erwartenden langsameren Wachstums des globalen Plastikmüllaufkommens in den kommenden 25 Jahren und einer zu steigernden Recyclingquote für Siedlungsabfälle auf 50 Prozent bis 2050 bzw. 35 Prozent für industrielle Abfälle sei beim mechanischen Recycling mit jährlichen Wachstumsraten von rund fünf Prozent und beim chemischen Recycling von 14 Prozent zu rechnen, ist dem Bericht von Euwid zu entnehmen.
 
Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 26/2024, euwid-recycling.de (25.6.2024)

14.06.2024 - 20.06.2024

Stimmen zum Entwurf einer Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS)

Ressourcen sparen, die Abhängigkeit von Rohstoffimporten reduzieren und zugleich Klima und Umwelt besser schützen – dazu soll die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) einen entscheidenden Beitrag leisten. Das Bundesumweltministerium (BMUV) hat nun laut Medienberichten einen Entwurf vorgelegt. Dabei gehe es um ein hartes industriepolitisches Thema, schreibt etwa die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Die Reaktionen von Industrie- und Umweltverbänden auf den Entwurf fielen unterschiedlich aus.

 

Der Entwurf befinde sich derzeit in der Ressortabstimmung, der Kabinettsbeschluss zur NKWS werde für den Herbst erwartet, schreibt die FAZ. Mit einem Bündel von Maßnahmen mithilfe etwa von Gesetzesinitiativen, Instrumenten wie dem digitalen Produktpass, Förderprogrammen vor allem für den Mittelstand, Anreizen für nachhaltigen Konsum und die Ausrichtung der öffentlichen Beschaffung auf die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft sollen die Transformation zur Kreislaufwirtschaft vorangetrieben werden und die Wirtschaft einen Orientierungsrahmen für ihre Geschäftsmodelle für die nächsten 10 bis 15 Jahre bekommen. In der Wirtschaft sei der Entwurf der NKWS mit einiger Ungeduld erwartet worden. Kreislaufwirtschaft sei kein Nischenthema und auch kein reines Klimaschutzprojekt, sondern ein hartes industriepolitisches Zukunftsfeld, wird Anja Siegesmund, Präsidentin des BDE Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft, in der FAZ zitiert. Der Weg zu mehr Recycling, der mit der NKWS aufgezeigt werden solle, sei noch weit, schreibt die Süddeutsche Zeitung (SZ). Konkrete Gesetzesvorhaben enthalte der Entwurf für die NKWS noch nicht. Wohl aber Ziele, wie etwa den Pro-Kopf-Verbrauch an Rohstoffen bis 2045 zu halbieren, den Einsatz von Sekundärrohstoffen bis 2030 zu verdoppeln und die Menge an Siedlungsabfällen bis 2030 um zehn Prozent bzw. bis 2045 um 20 Prozent zu reduzieren. Dazu könnten laut Entwurf für die NKWS auch Standards und Normen sowie die Unterstützung nachhaltigen Konsums beitragen. Die öffentliche Beschaffung könne als Hebel genutzt werden, zitiert der Fachdienst Euwid aus einem Informationsblatt des BMUV. Bund, Länder und Kommunen könnten als Vorreiter bei der Nachfrage nach kreislauffähigen Produkten agieren, so steige auch deren Angebot auf dem Markt. Beim Reduktionsziel für den Rohstoffverbrauch habe sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ambitioniertere Ziele als die in der NKWS genannten gewünscht, ebenso wie eine Überarbeitung des rechtlichen Rahmens, berichtet das Recyclingportal. Der BUND fordere, noch in dieser Legislaturperiode gesetzliche Regelungen zum Schutz von Ressourcen auf den Weg zu bringen. Der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie e.V. (GKV) begrüße laut einem Bericht im Newsroom Kunststoffverpackungen, dass der vom BMUV vorgelegte Entwurf innovative Konzepte zur Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen aus dem mehrmonatigen Konsultations- und Dialogprozess, der dem Entwurf vorausgegangen war, aufgreife. Besonders positiv bewerte der Verband der Kunststoffverarbeiter, dass sich die Bundesregierung für die Einführung polymerspezifischer Substitutionsquoten auf EU-Ebene als sinnvolle Ergänzung produktbezogener Rezyklateinsatzquoten einsetzen wolle. Das sieht der Verband der Kunststofferzeuger Plastics Europe Deutschland (PED) deutlich anders, ist im Plastverarbeiter zu lesen. PED begrüße die Zielsetzung der NKWS zu einer umfassenden Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe, die sowohl Abfallvermeidung, zirkuläres Produktdesign sowie komplementäres Recycling und den Einsatz von Biomasse und CO₂ beinhalte. Mit Blick auf die Wirksamkeit der vorgeschlagenen Investitionsanreize seien polymerspezifische Einsatzquoten für Rezyklate jedoch aus Sicht der Kunststoffhersteller gänzlich ungeeignet. Für entscheidend hielten sie Produkt- oder Anwendungsanforderungen, die zum Beispiel Sicherheit, mechanische Eigenschaften oder Kontaktsensitivität für den Rezyklateinsatz betreffen. Investitionsanreize müssten daher zwingend auf der Produktebene erfolgen und nicht auf der Polymerebene, wird PED-Hauptgeschäftsführer Dr. Alexander Kronimus, im Plastverarbeiter zitiert. Die laut NKWS-Entwurf vorgesehene Forschungsförderung etwa für das Recycling von bisher wenig betrachteten Kunststoffströmen bewerte der Verband dagegen sehr positiv.
 
Quellen:

  • FAZ, Süddeutsche Zeitung, euwid-recycling.de, recyclingportal.eu, newsroom.kunststoffverpackungen.de (18.6.2024)
  • recyclingportal.eu (19.6.2024)
  • Plastverarbeiter (20.06.2024)
Verbunde: „Anreize für recyclingfähige Verpackungen schaffen“

Das Fachmagazin Kunststoffe berichtet über eine Stellungnahme der Initiative „Wir sind Kunststoff“ zu der kürzlich geäußerten Sorge der Umweltministerkonferenz (UMK) hinsichtlich des Anstiegs faserbasierter Verbundverpackungen. Mit Blick auf die Recyclingfähigkeit von Verpackungen spricht sich auch Ökodesign-Experte Dr. Wolf Karras vom Dualen System Eko-Punkt laut Recyclingmagazin dafür aus, auf Verpackungen aus faserbasierten Verbunden möglichst zu verzichten.

 

Die Initiative „Wir sind Kunststoff“ unterstütze die Forderung der UMK nach einer Reform des deutschen Verpackungsgesetzes (VerpackG). Recyclingfähigkeit sollte für alle Verpackungsmaterialien ein 'must-have' sein und in Deutschland finanziell gefördert werden, wird Dr. Isabell Schmidt, Geschäftsführerin Kreislaufwirtschaft der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen in Kunststoffe zitiert. Auch die Umweltministerkonferenz (UMK) habe auf ihrer letzten Sitzung Anfang Juni laut Protokoll festgestellt, dass immer häufiger faserbasierte Verbundverpackungen verwendet würden, deren Recyclingfähigkeit häufig kaum bis gar nicht gegeben sei. Die Vertreterinnen und Vertreter der Umweltministerien forderten daher Lösungen für die Defizite bei der Produzentenverantwortung für faserbasierte Verpackungen und die Bundesregierung dazu auf, den § 21 VerpackG zu reformieren, um dem Ausweichtrend am Markt vorzubeugen. Für Marktbeobachter sei der Trend nicht neu, sagt Schmidt mit Verweis auf eine Studie der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung aus dem Jahr 2021. Hier werde Greenwashing betrieben, um Kunststoffverpackungen durch vermeintlich umweltfreundlichere Materialien zu ersetzen. Die fehlende Recyclingfähigkeit solcher Verbundverpackungen sei den Verbrauchern allerdings kaum bekannt. Eine Reform des VerpackG solle aus Sicht der Verbände recyclingfähige und ökologische Verpackungen finanziell bevorzugen, unabhängig vom Material. „Wir sind Kunststoff“ unterstütze die Forderung der UMK nach einer Reform des VerpackG und dränge darauf, diese noch in dieser Legislaturperiode umzusetzen. Die Initiative begrüße den differenzierten Umgang mit gut recycelbaren Kunststoffverpackungen, wie von den Umweltministerinnen und Umweltministern gefordert. Materialneutralität solle als Grundpfeiler aller Regulierungen und Bewertungen dienen, nicht nur beim VerpackG oder der geplanten Plastiksteuer, wird Dr. Alexander Kronimus, Hauptgeschäftsführer von Plastics Europe Deutschland, in Kunststoffe zitiert.
 
Weil Papierverbunde oft schwerer als Kunststoff seien und sich deutlich schlechter wiederaufbereiten ließen sowie vor dem Hintergrund einer sich verschärfenden Gesetzgebung, rate Dr. Wolf Karras, Werkstoffwissenschaftler und Experte für Ökodesign bei Eko-Punkt, dem Dualen System von Remondis, Herstellern dazu, ihre Verpackungsstrategie zu überdenken, berichtet das Recyclingmagazin. Karras verweise dazu auf die Ergebnisse einer aktuellen Studie der GVM, wonach 60 Prozent der Papierverbundverpackungen zu weniger als 90 Prozent recyclingfähig seien und die Recyclingquote für Papierverbunde, die in den Gelben Sack gelangten, nur bei zehn Prozent liege. Aufgrund strengerer EU-Vorgaben für die Recyclingfähigkeit von Verpackungen, die ab 2030 greifen sollen, sollten Inverkehrbringer von Verpackungen schon heute den Grad der Recyclingfähigkeit kennen und bei Bedarf optimieren, so Karras. Papierverbundverpackungen halte Karras dabei für „den falschen Weg.“ Ökologisch betrachtet sei es aus Sicht des Experten deutlich sinnvoller, Verpackungen aus einem Monokunststoff wie Polypropylen (PP) oder Polyethylen (PE) herzustellen.
 
Quellen:

  • Kunststoffe (18.6.2024)
  • Recyclingmagazin (19.6.2024)

07.06.2024 - 13.06.2024

Nach den Europawahlen: Was wird aus dem Green Deal?

Berichte der Tages- und Fachmedien beschäftigen sich mit der Frage, wie es nach den Europawahlen mit dem Green Deal und der begonnenen Transformation Europas hin zu einer Kreislaufwirtschaft wohl weitergehen mag. Nach dem Wahlgewinn des konservativen Parteienbündnisses EVP werde dessen Spitzenkandidatin, die amtierende sowie vermutlich auch zukünftige Präsidentin der EU-Kommission Ursula von der Leyen ihre erweiterte Macht dazu nutzen wollen, den Green Deal weiterzutreiben, schreibt etwa die Zeit. Der Chef des deutschen Umweltbundesamtes (UBA), aber auch Wirtschafts- wie Umweltverbände zeigten sich laut Medienberichten besorgt angesichts des Erstarkens rechter Parteien und drängten darauf, den Green Deal konsequent weiter umzusetzen.

 

Als Gewinnerin der Wahl – die EVP ist mit 186 Sitzen die stärkste Fraktion im neuen EU-Parlament – sei von der Leyen eine Schlüsselfigur, ist in der Zeit zu lesen. In der politischen Hauptfrage der EU, ob Menschen und Politik der Mitgliedsländer bereit seien, künftig sparsamer, nachhaltiger und umweltschonender zu leben, sei von der Leyen selbst zwar klar positioniert, die EVP allerdings tief gespalten. Von der Leyens Strategie ziele zu einem großen Teil auf die Selbstbehauptung des Kontinents ab und beinhalte auch Resilienz gegenüber China, Autonomie gegenüber den USA, Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und eben ökologische Avantgarde inklusive Kreislaufwirtschaft. All jene, die bei der Wahl für nationalistische Parteien und damit gegen den Green Deal gestimmt hätten, bekämen „zur Belohnung“ mit von der Leyen eine gestärkte Transnationalistin an der Spitze der Kommission. Der relative Rechtsruck der Wahl könne in einem Brüsseler Mitte-links-Bündnis aus gemäßigten Konservativen, Sozialdemokraten, Liberalen und auch Grünen enden, mutmaßt die Zeit. Aus Sicht des Präsidenten des Umweltbundesamts (UBA), Dirk Messner, gefährdeten Rechtspopulisten und autokratische Regierungen allerdings den notwendigen systemischen Umbruch, ist in einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zu lesen. Dabei gehe es um den Umbau sektoraler Rahmenbedingungen, um Wirtschaft und Konsummuster in Richtung Nachhaltigkeit auszurichten. In einem weiteren Beitrag zitiert die FAZ zur Frage „Green Deal oder nicht Green Deal“ Aussagen von EU-Parlamentariern wie etwa des CDU-Gruppenvorsitzenden im Europaparlament, Daniel Caspary, für den mit dem Wahlergebnis der grün-rote Kurs in Europa klar abgewählt worden sei. „Vergesst den Green Deal“, habe auch Simon Hix vom Europäischen Hochschulinstitut in Florenz die Wahl kommentiert. Das Erstarken der rechten Ränder im Parlament mache eine Neuausrichtung der Wirtschafts- und Klimapolitik beinahe unausweichlich, schreibt die FAZ. Trotz des Wahlerfolgs der AfD in Deutschland und der Niederlage des französischen Präsidenten Emanuel Macron gegen Marine Le Pen gebe es aber eine handlungsfähige Mitte. Die Frage sei, ob die Koalition der Mitte, die von der Leyen Sonntagnacht ausgerufen habe, am Ende eher auf die Grünen oder die Fratelli d'Italia der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni setze, für die der Green Deal ein „Öko-Wahnsinn“ sei. Auch Frankreich werde wohl beim Green Deal auf die Bremse treten und die EU-Kommission in Reaktion auf das Wahlergebnis in der Wirtschaftspolitik vermutlich weniger auf Vorgaben und Verbote setzen, meint die FAZ. Umwelt- und Industrieverbände in Deutschland forderten dagegen, dass Brüssel den Green Deal weiter vorantreibe, ist in einem Bericht der taz zu lesen. Die Fortsetzung des Deals, der die Klimaneutralität Europas bis 2050 enthalte, sei eine Kernforderung vieler Natur- und Umweltschützer nach der Wahl. Auch deutsche Industrie- und Wirtschaftsverbände hätten die demokratischen Parteien aufgefordert, sich für eine EU-weite Transformation einzusetzen. Europas industrielle Wettbewerbsfähigkeit müsse dabei in der kommenden Legislaturperiode zu einer Priorität werden, fordere der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Und laut einem Bericht des Recyclingmagazins dränge auch der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft darauf, den Green Deal in der EU weiter entschlossen umzusetzen. Für die Transformation zu einer konsequenten Kreislaufwirtschaft, die Rohstoffe sichert und das Klima, die Gesundheit und die Artenvielfalt schützt, brauche es eine kluge Regulatorik für nachhaltiges Wirtschaften, fairen Wettbewerb und Wachstum ohne steigenden Ressourcenverbrauch. Nach Recherchen des Handelsblatts ruderten jedoch viele Unternehmen bei Zielen für die grüne Transformation derzeit zurück. So habe etwa der Konsumgüterriese Unilever seine Ambitionen drastisch gekappt und sein ursprüngliches Ziel, ab nächstem Jahr 50 Prozent weniger Neuplastik für Verpackungen einzusetzen, auf 30 Prozent bis 2026 reduziert. Das Ziel für komplett recycelbare Verpackungen verschiebe der Konzern gar um fünf Jahre nach hinten. Unilever-Chef Hein Schumacher sehe laut Zitat im Handelsblatt in dem Schritt einen „neuen und notwendigen Realismus“.
 
Quellen:

  • FAZ, taz, recyclingmagazin.de (10.6.2024)
  • Zeit (11.6.2024)
  • Handelsblatt (12.6.2024)
Erwartungen an die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS)

Die Verabschiedung der NKWS steht laut einem Bericht des Fachdienstes Euwid unmittelbar bevor. Das habe die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Bettina Hoffmann, (Grüne) bei der „Woche der Umwelt“ am 4. Juni 2024 in Berlin erklärt. Eine baldige Verabschiedung der NKWS, die als entscheidende Rahmenstrategie innerhalb des europäischen Green Deals verlässliche Regeln für die Transformation des wirtschaftlichen Handelns in eine Circular Economy für möglichst viele Branchen und Produkte festlegen soll, werde vom BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft bereits angemahnt, berichtet das Packaging Journal.

 

Laut Bettina Hoffmann, deren Ministerium bei der Erarbeitung der Strategie federführend sei, seien verschiedene Ministerien, Stakeholder, Verbände und Institutionen am Konzept für die NKWS beteiligt gewesen, ist in Euwid zu lesen. Neben einer Roadmap mit konkreten Maßnahmen bis 2045 seien in der NKWS auch Zwischenziele bis 2030 eingeplant, wird Hoffmann zitiert. Sie hoffe darauf, dass es in der finalen Ressortabstimmung gelingen werde, „wirklich Eckpunkte zu formulieren“. Ein Ziel zur Reduktion des Ressourceneinsatzes halte Hoffmann für das Wichtigste. Sie fordere eine deutliche Minderung sowie Schritte dazu. Heike Vesper vom Vorstandsbereich Transformation des WWF Deutschland habe während der Diskussionsrunde in Berlin als konkretes Limit für den maximalen Rohstoffkonsum sieben Tonnen pro Person bis 2045 genannt. Dies könne etwa durch finanzielle Anreize für Unternehmen umgesetzt werden, wird Vesper in Euwid zitiert. Claas Oehlmann, Geschäftsführer der BDI-Initiative Circular Economy, halte beim Umbau von Infrastruktur, Energieversorgung und Mobilität die Aspekte bessere Rohstoffversorgung im Kreislauf, längere Nutzungsdauer und Wiederverwendung von Produkten sowie die Entwicklung neuer zirkulärer Geschäftsmodelle für zentrale Punkte. Melanie Jaeger-Erben, Professorin für Technik und Umweltsoziologie an der BTU Cottbus-Senftenberg, setze sich für eine Einbindung der breiten Bevölkerung in den Umbau des Wirtschaftssystems ein. Sie plädiere für eine breitere Partizipation der Zivilgesellschaft an der Entwicklung der NKWS, etwa durch einen Bürgerrat. Die Präsidentin des BDE, Anja Siegesmund, fordere laut eines Berichts im Packaging Journal bei der Verabschiedung der NKWS mehr Tempo und mehr Engagement bei der Umsetzung. Die Frage der Versorgung mit Rohstoffen sei existenziell für den Wirtschaftsstandort Deutschland, wird Siegesmund im Packaging Journal zitiert. Die Kreislaufwirtschaft könne und wolle hier einen bedeutenden Beitrag leisten, betone Siegesmund. Dafür brauche es aber einen klugen regulatorischen Rahmen, der Ökologie und Ökonomie kombiniere.
 
Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 24/2024, packaging-journal.de (11.6.202)
bvse-Altkunststofftag: Kunststoffrecycling auf dem Prüfstand

Kunststoffrecycling lohne sich wirtschaftlich kaum noch, weil der Absatz für die Rezyklate fehle und diese unter erheblichem Neuwarepreisdruck stünden, berichten Fachmedien von der Pressekonferenz anlässlich der Eröffnung des Internationalen bvse-Altkunststofftages in Dresden. Am diesjährigen Branchentreff des bvse nahmen laut Medienberichten rund 300 Recyclingexpertinnen und -experten teil. Die Recycler befänden sich weiterhin in einer kritischen Situation und unter massivem Druck, erklärten Dirk Textor, Vorsitzender des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling, und bvse-Vizepräsident Herbert Snell im Gespräch mit der Presse.

 

Das Kunststoffrecycling stehe insgesamt auf dem Prüfstand, wird Textor in einem Bericht von Kunststoff Information zitiert. Vor allem der Kostendruck mache den Unternehmen massiv zu schaffen. Auch habe Textor betont, dass neue gesetzliche Vorgaben, insbesondere aus den europäischen Verordnungen für Verpackungen und Altautos, zwar ambitionierte Recycling- und Rezyklateinsatzquoten vorschreiben, die das Recycling fördern könnten. Doch müssten diese sorgfältig gewählt werden, um effektiv zu sein. In den beiden EU-Verordnungen sehe bvse-Fachreferent Thomas Probst zu viel Bürokratie. Mit deren Novellierung würden vorsätzlich Bürokratiemonster für alle Beteiligten geschaffen, wird Probst in einem Bericht von Euwid zitiert. Darüber hinaus halte bvse-Vizepräsident Snell die von der Bundesregierung angekündigte, inzwischen aber auf 2026 verschobene Plastiksteuer bzw. -abgabe für einen völlig falschen Ansatz. Denn die Abgabe sei ein Instrument zur Sanierung des Haushaltes und bleibe ohne Lenkungswirkung für das Recycling. Snell sehe aktuell als Schwierigkeiten für das Kunststoffrecycling negative Trends beim Verpackungsdesign wie insbesondere durch faserbasierte Papier-Kunststoff-Verbunde, die Kunststoffverpackungen vom Markt verdrängten. Faserverbunde seien Greenwashing, so Snell, da sie nicht nur zu mehr Abfall führten, sondern häufig nicht recycelbar seien und sich nur für die thermische Verwertung eigneten. Auch komme es durch die Ausweitung des Pfandes auf Kunststoffflaschen für Milchgetränke zu einer Verschlechterung der Sammelqualitäten. Die Mischung aus verschiedenen Kunststoffen, Metallen und farbigen PET-Flaschen erfordere aufwendigere Sortierungen, die zu Materialverlusten führten und das Recycling erschwerten.
 
Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 24/2024 (11.6.2024)
  • Kunststoff Information (12.6.2024)

24.05.2024 - 06.06.2024

Für und wider eine Kunststoffsteuer

Die Tagesschau berichtet darüber, wie eine ab 2025 von den Herstellern von Kunststoffprodukten zu erhebende Plastiksteuer von Wissenschaftlern und Praktikern eingeschätzt wird. Im Interview mit Kunststoffe erklären Dr. Martin Engelmann von der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen und Dr. Alexander Kronimus von Plastics Europe Deutschland, wieso sich eine Plastiksteuer negativ auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft auswirken könnte. Über die Ergebnisse einer aktuellen Studie der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung im Auftrag der IK zum Thema berichten Fachmedien. Demnach würden durch die Steuer ökologisch nachteilige Papierverbunde bevorteilt und damit die Abfallmengen zu- und die Kreislaufführung von Verpackungen abnehmen.

 

Viele Hersteller nutzten bislang neuen Kunststoff für ihre Produkte, da Neuware im Vergleich zu Rezyklat, das in aufwendigen Verfahren nur aus sortenreinen Abfällen gewonnen werden könne, 20 bis 30 Prozent günstiger zu haben sei, berichtet die Tagesschau online. Gebrauchte Verpackungen aus Kunststoff, insbesondere solche, die aus Gemischen bestünden, stark verschmutzt, miteinander verklebt oder zerdrückt seien, ließen sich selbst mit einer hochmodernen mechanischen Sortieranlage nicht sortenrein trennen, wird Andreas Schelle vom Recycling-Unternehmen PreZero im Bericht der Tagesschau zitiert. Sie würden daher verbrannt und nicht in einen Kreislauf zurückgeführt. Ab Januar 2025 sollen nun die Inverkehrbringer von Kunststoffverpackungen für die 1,4 Milliarden Euro an „Plastiksteuer“ aufkommen, die Deutschland derzeit aus dem Bundeshaushalt an die EU für nicht recycelte Abfälle aus Kunststoff zahle. Rezyklat könne in der Folge günstiger werden, so die Hoffnung laut Tagesschau. Neue Kunststoffe aus Erdöl mit einer Steuer zu belegen, die Einnahmen den Recyclern zugutekommen zu lassen, so dass Rezyklat verbilligt werden könne, halte Michael Nase von der Hochschule Hof laut Tagesschau für sinnvoller als die von der EU laut der neuen Verpackungsverordnung geplanten Rezyklateinsatzquoten.
 
Auf die Frage, warum die Kunststoffindustrie die Steuer auf nicht recycelte Kunststoffverpackungen, die doch auf den ersten Blick einleuchtend klinge, massiv kritisiere, antwortet Dr. Alexander Kronimus im Interview mit dem Fachmagazin Kunststoffe, dass man dadurch ein Ausweichen auf andere Materialien oder Verpackungsformen befürchte. Diese seien oftmals ökologisch nachteilig, etwa schlechter recyclingfähig oder mit einem höheren Materialverbrauch verbunden. Die Industrie sehe bereits einen Trend, von Kunststoff- auf nicht oder schwer recyclebare Verbundverpackungen umzustellen. Dass eine Plastiksteuer nicht zu mehr Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft führen werde, bestätige laut Kronimus auch in ein Zwischenbericht des Umweltbundesamts zur Plastiksteuer, demnach es bei einer einseitigen Belastung eines Materials zu ökologischen Fehlsteuerungen kommen werde (s. auch Bericht der BKV vom 14.9.2023). IK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Engelmann verweist auf die Entstehungsgeschichte der Plastiksteuer: Sie kam als Methode zur Berechnung der erhöhten Beiträge der Mitgliedstaaten für die Kosten des Brexits auf und bleibe deshalb auch dann als deutscher EU-Beitrag insgesamt gleich, wenn in Deutschland gar hundert Prozent der Verpackungsabfälle recycelt würden. Eine Steuer halte Engelmann als Instrument zudem für grundlegend ungeeignet, da Mittel aus Steuereinnahmen im zentralen Haushalt landeten und somit nicht zweckgebunden – wie etwa zur Förderung der Kreislaufwirtschaft – nutzbar seien. Als Abgabe wäre eine Zweckbindung laut Engelmann hingegen möglich. Sinnvoller sei, das Ganze privatwirtschaftlich zu organisieren, etwa als Zuschlag zum Lizenzentgelt gemäß Paragraf 21 des Verpackungsgesetzes, mit dem bereits ein Instrument für eine sinnvolle Steuerungsfunktion existiere und wonach für hochgradig recycelbare Verpackungen geringere Lizenzentgelte fällig werden. Eine weitere Belastung des Werkstoffs Kunststoff wie etwa durch eine Steuer sei zu vermeiden, auch weil bereits eine negative Entwicklung hin zu Papier-Kunststoff-Verbunden, die teilweise Kunststoffverpackungen aus Monomaterial ersetzten, festzustellen sei. Laut einer aktuellen Studie der GVM im Auftrag der IK, über die unter anderem das Recyclingmagazin berichtet, würden durch eine Plastiksteuer Papierverbunde zusätzlich bevorteilt. So könne sich der Jahresverbrauch solcher Papierverpackungen laut Studie durch die Steuer in Deutschland von 241.000 Tonnen im Jahr 2020 bis 2030 auf über 700.000 Tonnen steigern.
 
Quellen:

  • recyclingmagazin.de (27.5.2024)
  • br.de (28.5.2024)
  • kiweb.de (29.5.2024)
  • tagesschau.de (30.5.2024)
  • Kunststoffe 6/2024
„Zweiter Tsunami“ an EU-Umweltvorschriften

Unabhängig vom Ergebnis der Europawahlen und der künftigen Kräfteverteilung in Brüssel seien viele der nächsten Schritte für die EU-Umweltpolitik laut Mattia Pellegrini, Leiter der Einheit „From waste to resources“ der Generaldirektion Umwelt, von der EU-Kommission bereits festgelegt, berichtet Euwid. Auf die Flut von Richtlinien und Verordnungen, die in den letzten Jahren verabschiedet worden seien, werde nun ein „zweiter Tsunami“ von Durchführungsbestimmungen und delegierten Rechtsakten folgen, so Pellegrini bei einer vom europäischen Recyclerdachverband Euric ausgerichteten Podiumsdiskussion während der IFAT in München.

 

So sehe zum Beispiel die künftige EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfall (PPWR) zahlreiche Umsetzungsrechtsakte zur Konkretisierung ihrer Bestimmungen vor, wird Pellegrini in Euwid zitiert. Betroffen sei auch die überarbeitete EU-Verordnung über die Verbringung von Abfällen (VVA). Die Kommission werde unter anderem die Anträge der Nicht-OECD-Staaten prüfen müssen, die in das Verzeichnis der Länder aufgenommen werden wollen, die Abfälle der grünen Liste aus der EU beziehen dürfen. Als ein mögliches Legislativvorhaben für die kommende Legislaturperiode habe Pellegrini eine umfassendere Überarbeitung der EU-Abfallrahmenrichtlinie (ARRL) genannt, die in eine „Ressourcen- und Materialrahmenrichtlinie“ umgewandelt werden könne. Weitere potenzielle Gesetzgebungsprojekte seien „in der Pipeline“, so Pellegrini.
 
Quelle:

  • Euwid Recycling und Enstorgung 22/2024 (04.06.2024)
Altkunststofftag: „Kunststoffverwertung ist Klimaschutz“

Unter dem Motto: „Kunststoffverwertung ist Klimaschutz“ versammeln sich erneut hochkarätige Referenten und erfahrene Praktiker beim diesjährigen Altkunststofftag des bvse Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung vom 11. bis 12. Juni 2024 in Dresden. Sie sollen aktuelle Themen der Branche in Diskussionen und Workshops aufgreifen, gemeinsam potenzielle Lösungsansätze erarbeiten und neue Impulse setzen, wie aus Berichten von Fachmedien hervorgeht. Die BKV GmbH, Kompetenzzentrum und Thinktank der Kunststoffindustrie, ist auch in diesem Jahr wieder mit einem eigenen Workshop vertreten.

 

Zu Beginn der Veranstaltung im Zentralen Forum am Dienstag, dem 11. Juni, wird laut Ankündigung in der K-Zeitung direkt im Anschluss an die Begrüßung durch bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock und ein Grußwort der Staatssekretärin des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Ines Fröhlich, Professorin Dr. rer. nat. Kathrin Greiff von der RWTH Aachen die Grundlagen für Nachhaltigkeitsberechnungen, deren Möglichkeiten und Grenzen herausstellen. Welche teilweise kontrovers diskutierten Lenkungsinstrumente sich eignen, um das Kunststoffrecycling in die gewünschte Richtung zu führen, ist laut K-Zeitung Thema einer zweiten Talkrunde unter der Moderation von Dr. Oliver Möllenstädt, Hauptgeschäftsführer des GKV Gesamtverbands Kunststoffverarbeitende Industrie e.V.. Am Nachmittag ab 16.00 Uhr stehen laut den Medienberichten zwei parallel stattfindende Workshops auf dem Programm: Workshop A wird sich mit der gesetzlichen Neuordnung des Kunststoffrecyclings, der parallel stattfindende Workshop der BKV GmbH in zwei Sessions mit den Fragen der Rezyklatverfügbarkeit beschäftigen. Am Mittwoch, dem 12. Juni, steht dem Bericht zufolge das Ausstellerforum mit Kurzvorträgen der Aussteller und anschließender Fragerunde im besonderen Blickpunkt. Parallel dazu findet der dritte Workshop mit dem Thema „Kunststoffproduktgestaltung im interdisziplinären Dialog zu Verpackung“ statt, ist im Recyclingmagazin zu lesen.
 
Weitere Information: bvse-Altkunststofftag - Programm und Anmeldung
 
Quellen:

  • K-Zeitung, Plasticker (24.5.2024)
  • recyclingmagazin.de (27.5.2024)

03.05.2024 - 16.05.2024

Vor der Europawahl: Industrieverbände positionieren sich

Die europäische Föderation der privaten Entsorgungswirtschaft FEAD fordert laut Euwid im Vorfeld der Europawahl 2024, einen europäischen Industrie-Deal zu schaffen. Verbände der deutschen Entsorgungswirtschaft haben in einem Positionspapier acht politische Handlungsfelder zur Stärkung der Recyclingwirtschaft definiert, und der deutsche Verband der Chemischen Industrie plädiert für die Schaffung eines europäischen Wirtschaftsraums mit stärkerem Fokus auf industriepolitische Themen, damit die Transformation der Industrie gelingt.

 

Die FEAD spricht sich in einem Positionspapier laut Euwid unter anderem für eine Nachfolgeinitiative zum Green Deal, den „Industrial Deal“ aus. Damit solle die Industrie in der EU nachhaltig, wettbewerbsfähig und kreislauffähig gestaltet werden. Dieser solle auch ein Gesetz über die zirkuläre Nutzung von Werkstoffen (Circular Material Use Act, CMUA) beinhalten. Der CMUA solle FEAD zufolge umfassende politische Maßnahmen für „die Bewirtschaftung von Abfällen und die Umwandlung von Abfallmaterial in produktive Ressourcen für die industrielle Produktion“ enthalten und dazu verbindliche Zielvorgaben für Recycling und Materialeinsatz festlegen wie etwa die Schaffung eines EU-Ziels für eine „zirkuläre Materialnutzungsrate“. Die deutschen Branchen- und Recyclingverbände BDSV, bvse und VDM sähen in den bevorstehenden EU-Wahlen einen entscheidenden Moment für die Zukunft der Kreislaufwirtschaft in Europa, berichtet Euwid an anderer Stelle. In einem Positionspapier identifizierten sie laut Recyclingmagazin acht entscheidende politische Handlungsfelder, um die Recyclingwirtschaft zu stärken, und formulierten klare Forderungen an die europäische Politik für die nächsten fünf Jahre. Dazu zählten etwa eine Förderung statt Behinderung des internationalen Handels mit aufbereiteten Rohstoffen oder die Entbürokratisierung auch durch eine einheitliche Umsetzung von EU-Vorgaben in allen Mitgliedsstaaten. Sein klares „Ja zu Europa“ unterstreicht der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in einem LinkedIn-Beitrag, in dem zur Wahlbeteiligung am 9. Juni aufgerufen wird. Europa könne mehr, lautet die Botschaft des Verbandspräsidenten Markus Steilemann in einem mit LinkedIn verknüpften Youtube-Video. Darin fordert Steilemann die EU-Politik dazu auf, einen europäischen Wirtschaftsraum zu schaffen, Wachstum zu stärken und sich wieder mehr industriepolitischen Themen mit Relevanz für die Transformation Europas zuzuwenden.
 
Quellen:

  • VCI bei LinkedIn (9.5.2024)
  • recyclingmagazin.de (13.5.2024)
  • zwei Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 20/2024 (14.5.2024)
Kunststoff: Verzicht ist nicht die Lösung

Der MDR berichtet darüber, dass Treibhausgasemissionen, die bei der Herstellung, Verarbeitung und Entsorgung von Kunststoffen entstehen, laut einer Studie der ETH Zürich vor allem etwa durch den Übergang zu erneuerbaren Energien und die Verbesserung der Energieeffizienz im Herstellungsprozess reduziert werden könnten. Ein Beitrag des TV-Magazins Brisant beschäftigt sich mit vermeintlichen Kunststoffalternativen bei Verpackungen, und eine neue GVM-Studie zeigt laut Euwid nachteilige Auswirkungen einer Verpackungssteuer auf Kunststoffe auf, bei der Papierverbunde ausgenommen wären.

 

Die Energie für die Herstellung von Kunststoffen weltweit, die zu über 99 Prozent aus fossilen Rohstoffen wie Gas und Öl hergestellt würden, komme laut einer Studie der ETH Zürich aus dem Jahr 2021 häufig aus Kohlekraft, ist im Beitrag des MDR zu lesen. Für den Großteil des CO₂-Impacts von Kunststoffen, der von der Wiege bis zur Bahre bis 2030 1,34 Gigatonnen pro Jahr und bis 2050 2,8 Gigatonnen pro Jahr erreichen werde, sei nach Angaben des Plastikatlas der Heinrich-Böll-Stiftung aus dem Jahr 2019 mit 61 Prozent die Herstellung von Kunststoffen verantwortlich, 30 Prozent entfielen auf die Verarbeitung und 9 Prozent auf die Entsorgung von Kunststoffen. Auch das Recycling sei aufwendig und energieintensiv. Doch Kunststoff zu verbieten, sei keine Lösung, denn alternative Materialien hätten laut den Forschenden der ETH Zürich häufig sogar noch größere Umweltauswirkungen. Ihre Empfehlung laute, CO₂-Emissionen von Kunststoffen an jedem Punkt ihres Lebenszyklus zu reduzieren, etwa bei der Herstellung auf grüne Energien zu setzen sowie die Energieeffizienz der Produktion zu verbessern. Das zentrale politische Instrument könne laut Studie eine konsequente CO₂-Bepreisung sein.
 
Was von Biokunststoffen, Papier oder Bambus als alternative Materialien zu Kunststoff für Verpackungen von Produkten zu halten ist, wird in einem Beitrag des TV-Magazins Brisant betrachtet. Die vermeintlichen Alternativen zu herkömmlichen Kunststoffen seien nicht unbedingt umweltfreundlicher und oft nicht einmal recycelbar. Von einem Umstieg von Plastik etwa auf Papier sei laut Brisant abzuraten, da auch Papierverpackungen zum Beispiel wegen langer Abbauzeiten, Druckfarben und Kunststoffbeschichtungen problematisch seien und darüber hinaus der Druck auf die Wälder durch ihren vermehrten Einsatz weltweit erhöht würde. Eine aktuelle Studie der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung im Auftrag der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, über die Euwid berichtet, kommt zu dem Ergebnis, dass in Folge aktuell diskutierter Steuerregelungen, die eine Reduktion von Verpackungsabfällen zum Ziel haben, sich je nach Ausgestaltung das Abfallaufkommen von Papierverbundmaterialien bis zum Jahr 2030 um bis zu 82 Prozent auf 710.000 Tonnen im Jahr steigern und sich damit auch die gesamte Abfallmenge erhöhen würde. Mit einer Verpackungssteuer Papierverbunde auf Kosten von Verpackungen aus Kunststoff lenkungspolitisch zu bevorteilen, hielten die Forscher daher für einen großen Fehler. Die IK fordere erneut, materialneutrale Regulierungen zu finden, um das Aufkommen von schlecht recycelbaren Verpackungen insgesamt zu verringern. Dies sei aus Sicht der IK beispielsweise durch eine Anpassung der Lizenzentgelte für Verpackungen im Dualen System zu erreichen.
 
Quellen:

  • MDR, ARD Brisant (10.5.2024)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 20/2024 (14.5.2024)
F&E zu nachhaltigen, leichter abbaubaren Kunststoffen

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet über ein von einem italienischen Forscherteam entwickeltes Verfahren, mit dem sich Kohlendioxid in biologisch abbaubares Kunststoffgranulat umwandeln lasse. In Forschung und Wissen findet sich ein Beitrag über die Entwicklung eines Biokunststoffs, in den Bakterienstämme eingebaut werden, die das Material nach seiner Nutzung selbst abbauen können.

 

Die italienischen Chemiker Fabiana Fantinel und Alessandro Carfagnini haben laut FAZ ein Verfahren entwickelt, mit dem CO₂ mit Hilfe von Bakterien in das biologisch abbaubare Kunststoffgranulat Polyhydroxyalkanoate (PHA) umgewandelt werden könne. Das Verfahren solle ab Juni in einer Forschungsanlage im Industriepark Höchst angewandt werden. Das Start-up CO2Bioclean habe dafür im Jahr 2023 vom Europäischen Innovationsrat (EIC), der Beteiligungsmanagement-Gesellschaft Hessen und dem österreichischen Unternehmen Ghazan Commodities GmbH insgesamt 3,6 Millionen Euro erhalten. CO2Bioclean habe aus dem PHA bereits ein erstes Produkt entwickelt, berichtet die FAZ weiter.
 
Forschende aus den USA von der University of California in San Diego haben einen neuen Typ von Biokunststoff entwickelt, der sich am Ende seines Lebenszyklus selbst zersetzen könne, berichtet das Fachmagazin Forschung und Wissen. Die Wissenschaftsteam um Jon Pokorski habe dazu in thermoplastisches Polyurethan (TPU) Bakteriensporen des als für Mensch und Tier ungefährlich geltenden Bacillus subtilis eingebaut. Diese würden, wenn sie mit Nährstoffen in Kontakt kämen, den Kunststoff abbauen. Zur Herstellung des Kunststoffs seien die Bakteriensporen zunächst evolutionär angepasst und zu einem Bakterienstamm gezüchtet worden, der durch höhere Temperaturen nicht zerstört werde. Dann seien sie mit TPU-Pellets vermischt, beides bei 135 Grad Celsius geschmolzen und zu dünnen Streifen extrudiert worden. Die Streifen seien dann in mikrobiell aktiven sowie in sterilen Kompostumgebungen platziert worden. Dabei sei eine Keimung der Bakteriensporen ausgelöst und der Kunststoff durch die Bakterien nach fünf Monaten zu 90 Prozent zersetzt worden.
 
Quellen:

  • Forschung und Wissen (4.5.2024)
  • FAZ (14.5.2024)

24.04.2024 - 02.05.2024

UN-Plastikabkommen soll in Arbeitsgruppen weiterentwickelt werden

Das ist laut Medienberichten ein Ergebnis der vierten Verhandlungsrunde über ein weltweit verbindliches Plastikabkommen in Ottawa, die zu Beginn dieser Woche zu Ende ging. Die Leiterin des UN-Umweltprogramms (UNEP), Inger Andersen, sehe das Abkommen „auf einem guten Weg“, mahne aber zur Eile, da für einen kompromissfähigen Vertragsentwurf bis zur vereinbarten Frist am Jahresende nur wenige Monate Zeit blieben. Über eine Reduktion der Kunststoffherstellung – die umstrittenste Maßnahme des Abkommens – habe man sich in Ottawa nicht einigen können.

 

Während der vierten Sitzung des zwischenstaatlichen Verhandlungsausschusses hätten die mehr als 2.500 Delegierten unter anderem über Emissionen, Abfallmanagement und problematische oder vermeidbare Kunststoffe beraten, berichtet etwa der Tagesspiegel. Die Delegierten seien nach Ottawa gekommen, um den Text voranzutreiben, und in der Hoffnung, dass sich die Mitglieder darauf einigen würden, was zwischen den Sitzungen zu bewerkstelligen sei, um vor INC-5 noch größere Fortschritte zu erzielen, wird Andersen im Tagesspiegel zitiert. Das sei zumindest in einem gewissen Umfang erreicht worden, berichtet auch der Fachdienst Euwid: Zum ersten Mal hätten sich die Länder in Ottawa auf technische Arbeitsgruppen einigen können, die bis zur nächsten Verhandlungsrunde im koreanischen Busan Ende November weiter an dem Abkommen arbeiten würden. Der Vertragsentwurf, der nach der Verabschiedung rechtsverbindlich sein soll, sei in Ottawa ebenfalls zumindest etwas weiter vorangebracht worden. Der Verband der europäischen Kunststofferzeuger, Plastics Europe, zeige sich laut Euwid erfreut über die erzielten Fortschritte und begrüße, dass die erweiterte Herstellerverantwortung zunehmend als eines der geeigneten Instrumente anerkannt werde. Plastics Europe wiederhole seinen Aufruf, Kunststoffabfälle als wertvollen Rohstoff zu behandeln, und fordere erneut, sich beim Abkommen auf Maßnahmen zu konzentrieren, „die den Wert von Kunststoffabfällen steigern und die Nachfrage nach zirkulären Kunststoffen erhöhen, beispielsweise durch die Einführung von verbindlichen Rezyklateinsatzquoten“. Umweltschutzorganisationen wie etwa Greenpeace kritisierten die Ergebnisse von Ottawa als „Minimalkompromiss“ und unterstrichen ihre Forderung nach einer Reduktion der Kunststoffproduktion, schreibt Euwid. Unter Berufung auf Informationen des Guardian berichtet Euwid, dass ein von Ruanda und Peru in die Verhandlungen eingebrachter Vorschlag, die Primärkunststoffproduktion bis 2040 gegenüber 2025 um 40 Prozent zu senken, keine Mehrheit gefunden habe. Die Fronten zwischen den Befürwortern und Gegnern einer Beschränkung der Kunststoffherstellung seien nach Informationen aus Verhandlungskreisen weiterhin verhärtet, ist auch in einem Bericht des Standard zu lesen. Zu den Gegnern zählten Staaten, die auch in Zukunft von fossilen Geschäftsmodellen profitieren wollten, darunter etwa China, Saudi-Arabien und Russland.  Die führenden westlichen Industrienationen unterstützten laut weiteren Presseberichten die Bemühungen um ein UN-Plastikabkommen. Bundesumweltministerin Lemke zufolge hätten sich die G7-Staaten bei ihrem Treffen in Turin dazu bekannt, die globale Plastikproduktion und den globalen Plastikkonsum zu reduzieren, berichtet etwa der Bayrische Rundfunk (BR).
 
Quellen:

  • derstandard.at, welt.de, br.de, Euwid Recycling und Entsorgung 18/2024 (30.4.2024)
  • tagesspiegel.de (1.5.2024)
Stimmen zur EU-Verpackungsverordnung

Im Spiegel findet sich in der aktuellen Printausgabe ein längerer Beitrag zur neuen Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR), in dem Wissenschaftler und Vertreter von NGOs zu Wort kommen. So halte etwa der Professor für Ökodesign von der Leuphana Universität Lüneburg, Michael Braungart, die PPWR für „Symbolpolitik“. Dringenden Korrekturbedarf an der aktuell vorliegenden Fassung sieht laut Berichten der Fachpresse die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen bei Mehrwegregelungen für Transportverpackungen.

 

Der ausgehandelte Kompromiss, der noch vom EU-Rat angenommen werden muss, sei kontrovers, die Regelungen kleinschrittig, nur bei PET-Verpackungen, die ab 2040 mehr als 50 Prozent Rezyklat enthalten müssen, klinge die Verordnung nach einem etwas größeren Vorhaben, schreibt der Spiegel. Der Kreislaufwirtschaftsforscher Braungart sehe die Lösung in einem „völlig neuen Ansatz“ wie dem Cradle-to-Cradle-Konzept, und für Henning Wilts, Experte für Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut, sei es unverständlich, dass die EU-Verpackungsverordnung Papierlösungen ausgenommen habe. Diese Ausnahme werde dazu führen, dass Unternehmen sich in mehr Papier flüchteten und den Aufwand für Mehrweg scheuten. Dabei sei Papier keineswegs immer umweltfreundlicher als Mehrweg oder Plastik, schreibt der Spiegel. Bei der Mehrwegquote habe man sich in Brüssel auf zehn Prozent ab 2030 geeinigt. Europaweit wäre das ein Fortschritt, schreibt der Spiegel, da es in einigen EU-Ländern noch gar keine Mehrwegsysteme gebe. Aus Sicht von Thomas Fischer, Leiter Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH), werde die PPWR in Deutschland kaum Veränderung bringen, da die Quoten für Papier- und Kunststoffrecycling hierzulande im europäischen Vergleich bereits sehr hoch lägen. Auf europäischer Ebene aber könne das Gesetz eine Initialzündung sein, weil die Kreislaufwirtschaft in vielen EU-Staaten unterentwickelt sei, so Fischer. Eine Korrektur der PPWR verlangt laut Berichten der Fachpresse die IK. Ihre Kritik richte sich insbesondere gegen eine kurz vor der Abstimmung im EU-Parlament eingebrachte Regelung für Industrie- und Gewerbeverpackungen, die die Vorgabe einer 100prozentigen Wiederverwendung etwa von Palettenumhüllungen ab 2030 betreffe. In der Wirtschaft habe die plötzliche Verschärfung große Sorgen hinsichtlich der Transport- und Lieferkettensicherheit hervorgerufen. Die Verunsicherung in sämtlichen Lieferketten sei enorm, weil niemand wisse, wie ab 2030 Waren in Europa transportiert werden sollen, habe Dr. Martin Engelmann, Hauptgeschäftsführer der IK, gewarnt. Die Kommission wolle nun nach Kritik der Wirtschaft bis Jahresende Ausnahmen prüfen. Erneuert habe die IK auch ihre Kritik, dass viele Regelungen der PPWR nur für Kunststoffverpackungen gelten sollen oder Ausnahmen für andere Verpackungsmaterialien vorsähen, wofür es keine Grundlage gebe und was die Ziele der Verordnung konterkariere.
 
Quellen:

  • Der Spiegel 18/2024 (27.4.2024)
  • k-zeitung.de, packaging-journal.de (29.4.2024)
EU-Verordnung zur Verringerung von Pelletverlusten

Das EU-Parlament hat laut dem Fachdienst Euwid seine Positionierung zum Kommissionsentwurf der geplanten „Verordnung zur Vermeidung der Freisetzung von Kunststoffgranulat zur Verringerung der Umweltverschmutzung durch Mikroplastik“ am 25. April angenommen und habe sie dabei an verschiedenen Stellen verschärft. Vorgeschlagen werde etwa, den Geltungsbereich der Verordnung auch auf kleine Unternehmen auszudehnen, regelmäßige Nachweise durch Zertifizierungen festzulegen und bestehende Verschmutzungen durch Plastikgranulat zu berücksichtigen. Der europäische Verband der Kunststofferzeuger, Plastics Europe, rufe dazu auf, die Verhandlungen zur Verordnung, die laut Plan ab 2030 umgesetzt werden soll, zügig fortzusetzen.

 

Insgesamt würden Firmen durch die geplanten Regeln dazu verpflichtet, mehr Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen und ihre Mitarbeitenden stärker für Risiken zu sensibilisieren, schreibt Euwid. Die betroffenen Unternehmen sollen unter anderem Risikogutachten erstellen und darin Maßnahmen aufführen, wie sich Einträge von Mikroplastik in die Umwelt vermeiden lassen. Zu den im Parlamentsentwurf vorgeschlagenen Maßnahmen für die Sicherheit von Pellet-Transporten zählten beispielsweise wasserdichte, versiegelte sowie reiß- und stoßfeste Verpackungen, Auffangwannen und -vorrichtungen sowie Abflussabdeckungen. Detaillierte zusätzliche Maßnahmen zur Lagerung und Verpackung von Kunststoffpellets schlage der Parlamentsentwurf zudem für die See- und Binnenschifffahrt vor, die mit erheblichen Risiken verbunden sei. Auch solle die Kommission Maßnahmen entwickeln, um bereits verschmutzte Gebiete zu kartieren und zu säubern.
 
Plastics Europe erklärt laut Plasticker zur Abstimmung des EU-Parlaments, dass der Verlust von Kunststoffgranulat in Ökosystemen inakzeptabel und der Verband von der Notwendigkeit einer verbindlichen EU-Verordnung überzeugt sei, um diese Verluste in der Umwelt zu reduzieren. Für wichtig halte Plastics Europe, dass die Verhandlungen zur Verordnung zu Beginn der nächsten Legislaturperiode weitergehen, damit ausreichend Zeit bleibe, um sie wie vorgesehen bis 2030 umzusetzen, wird Alexander Röder, Direktor für Klima und Produktion bei Plastics Europe im Plasticker zitiert.
 
Weitere Information: Briefing Think Tank EU-Parlament, Verordnungsvorschlag der EU-Kommission
 
Quellen:

  • Plasticker (24.4.2024)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 18/2024 (30.4.2024)

19.04.2024 - 25.04.2024

UN-Plastikabkommen: kontroverse Diskussion zu Reduktion und Recycling

Noch in diesem Jahr sollen die Verhandlungen über das Plastikabkommen laut Medienberichten abgeschlossen werden. Ob die derzeit in Ottawa laufenden Gespräche ausreichen werden, um zu einem kompromissfähigen Vertragstext zu kommen, sei fraglich, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Zentrale Punkte beträfen etwa die weiterhin umstrittene Forderung nach einer radikalen Reduktion der Kunststoffproduktion und auch, wie der Umgang mit Chemikalien in Kunststoffen geregelt werden soll.

 

Zu den Befürwortern eines starken Abkommens mit weitreichenden Regelungen gehörten zum Beispiel die afrikanischen Länder, wird Alexandra Caterbow von der NGO Health and Environment Justice Support, die die Verhandlungen in Ottowa begleite, in der FAZ zitiert. Auch asiatische Länder wie Malaysia und die Philippinen befürworteten strenge Regeln, während Indien, China, die Vereinigten Staaten, Russland, Brasilien und Argentinien zu den Bremsern und Skeptikern zählten. Auch Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) poche darauf, Produktion und Verbrauch von „unnötigem und schädlichem Plastik“ zu reduzieren, schreibt die FAZ. Die Kunststoffindustrie, so etwa der Verband der europäischen Kunststoffhersteller, Plastics Europe, warne dagegen vor „unbedachten Entscheidungen“ sowie ungenauen oder kontraproduktiven Verboten und Negativlisten. Sie unterstütze ein Abkommen, das die nachhaltige Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen fördere, ist in der FAZ zu lesen. Eine konsequente Kreislaufwirtschaft sei der Schlüssel zur Lösung der Probleme, betont auch Markus Steilemann, der Vorstandsvorsitzende des Kunststoffherstellers Covestro und Präsident des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), in einem Autorenbeitrag in der Frankfurter Rundschau (FR). Vorstöße verschiedener Akteure, zusätzliche Themen einzubeziehen oder den Einsatz von Kunststoffen de facto weitgehend einzuschränken, seien weltfremd und unnötig, so Steilemann in der FR. Die Verhandlungen sollten sich auf die Einrichtung einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe in möglichst vielen Ländern konzentrieren. Dazu brauche es sehr konkrete Schritte wie unter anderem den Aufbau von Sammel- und Sortiersystemen oder die Weiterentwicklung neuer Technologien wie etwa des chemischen Recyclings. Umweltverbände lehnten das ressourcenintensive Verfahren jedoch ab, schreibt die TAZ. Die Herausforderung in Kanada sei, die unterschiedlichen Vorstellungen und Optionen, die im dort verhandelten Textentwurf diskutiert würden, in einen Einklang zu bringen. Lemke, die in Ottawa mit am Verhandlungstisch sitzt, gibt sich laut Medienberichten zuversichtlich, dass das Abkommen gelingt und die Gespräche in Ottawa zu einer Einigung führen. Ein vorbereitendes Treffen von Umweltministerinnen und Umweltministern sei „mit klaren Leitplanken für ein weitreichendes globales UN-Abkommen gegen Plastikmüll“ zu Ende gegangen, wird Lemke etwa in einem Bericht des Onlinedienstes Unternehmen heute zitiert. Im Interview mit dem Bayrischen Rundfunk sagt Lemke, es gebe einen großen Druck für das Abkommen, viele Länder wollten Regelungen. Auf die Frage, wie sich unser aller Leben verändern würde, wenn die Kunststoffproduktion drastisch runtergefahren würde, antwortet Lemke, dass in einer idealen Welt Plastik nur dort eingesetzt würde, wo es gebraucht werde, so zum Beispiel in der Industrie, im Maschinenbau, der Medizin, im Automobilbau oder dem Bausektor. Dort seien Kunststoffe nicht mehr wegzudenken. Verzichten würde man auf Einwegplastik, den Zusatz von Kunststoffen etwa in Kosmetika, bei Waschmitteln sowie auf toxische Substanzen in Kunststoffen.
 
Quellen:

  • taz.de (19.4.2024)
  • FAZ (22.4.2024)
  • br.de, fr.de, unternehmen-heute.de (23.4.2024)
EU-Parlament stimmt Verpackungsverordnung zu

Am Mittwoch nahm das Europäische Parlament laut Medienberichten die neuen Regeln an, die für nachhaltigere Verpackungen und weniger Verpackungsmüll in der EU sorgen sollen. Die Verordnung mit Fristen für deren Umsetzung gestaffelt ab dem Jahr 2030 legt unter anderem Kriterien des Design for Recycling sowie für die Recyclingfähigkeit und Mindestrezyklatanteile fest. Der Verband der Kunststoffhersteller, Plastics Europe, begrüße vor allem die Festlegung verbindlicher Rezyklateinsatzquoten für Verpackungen, berichtet die K-Zeitung.

 

Plastics Europe sehe im Ergebnis der Abstimmung im Plenum des Europäischen Parlaments einen wichtigen Meilenstein für den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe und ein klares Signal für die Industrie, dass die Nachfrage nach recycelten Kunststoffen steigen werde, ist im Bericht der K-Zeitung zu lesen. Virginia Janssens, Managing Director von Plastics Europe, plädiere nun für ähnliche Maßnahmen auch für andere kunststoffverarbeitende Sektoren wie für den Bau- und Automobilsektor, um die Nachfrage nach zirkulären Rohstoffen zu fördern und ein positives Investitionsklima in Europa zu ermöglichen. Hinsichtlich der in der neuen Verordnung festgelegten Mehrwegquoten sehe Janssens jedoch die Notwendigkeit, sorgfältig zu prüfen, welche Auswirkungen diese haben werden, insbesondere bei Transportverpackungen. Ebenfalls kritisch sehe sie den Fokus des Gesetzes auf Verpackungen aus Kunststoff und damit eine fehlende Materialneutralität. Das ursprüngliche Ziel, Verpackungsabfälle zu reduzieren, werde damit untergraben, so Janssens. EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius habe laut Euwid in einem Redebeitrag vor der Abstimmung Bezug auf Bedenken der Industrie hinsichtlich der Ziele für die Wiederverwendung genommen. Der Kompromisstext fordere, dass bestimmte Transport- und für den Transport von Produkten genutzte Verkaufsverpackungen ab Anfang 2030 zu mindestens 40 Prozent im Rahmen eines Mehrwegsystems wiederverwendbar sein müssen, und sehe für weitere Transportverpackungen sogar 100 Prozent Wiederverwendung vor. Die Pflicht gelte anders als von der EU-Kommission in ihrem ursprünglichen Vorschlag vorgesehen auch für Palettenumhüllungen aus Kunststoff wie Stretchfolie sowie Umreifungsbänder. Die Kommission wolle vor Jahresende eine Bewertung der Folgen einleiten und die Regeln nach dem Inkrafttreten der Verordnung als Priorität behandeln, ist in Euwid zu lesen. Bis zur endgültigen Verabschiedung der neuen Verordnung und ihrem Inkrafttreten stünden noch weitere Verfahrensschritte an, so Euwid. Die Tagesschau berichtet, dass die Verordnung auch Verbote von übermäßig großen Verpackungen sowie von Ketchup-Plastiktüten und kleinen Shampoo-Einheiten vorsehe und neue Grenzwerte für PFAS oder Bisphenol A in Lebensmittelverpackungen. In den neuen Regeln sehe SPD-Europaabgeordnete Delara Burkhardt laut Tagesschau „nicht nur eine gute Nachricht für die Umwelt, sondern auch für Verbraucherinnen und Verbraucher“.
 
Quellen:

  • tagesschau.de, deutschlandfunk.de, euwid-recycling.de, k-zeitung.de (24.4.2024)
Wittstock: Plastiksteuer ist der falsche Ansatz

Im Interview mit dem Fachmagazin CHEManager erläutert BASF Director Industry Affairs und Kunststoffrecyclingexperte Klaus Wittstock, welche Alternativen die Kunststoffindustrie zur geplanten und kürzlich erneut verschobenen Plastiksteuer vorschlägt. So halte die Industrie das im Koalitionsvertrag vorgesehene Fondsmodell für recyclinggerechtes Verpackungsdesign und mehr Einsatz von Rezyklaten für einen unterstützenswerten Ansatz. Sie plädiere für eine Reform des Verpackungsgesetzes, um recyclingfähige Verpackungen und den Einsatz nicht-fossiler Rohstoffe technologieoffen zu fördern. Gerade das chemische Recycling biete die Chance, mechanisch nicht rezyklierbare Abfallströme im Kreislauf zu halten. Auf eine klare rechtliche Anerkennung des chemischen Recyclings drängt laut eines Berichts in Euwid auch die Duales System Holding (DSD).

 

Wittstock nennt im Interview mit dem CHEManager drei wichtige Anreize, die die Politik setzen sollte, um mehr Zirkularität bei Kunststoffen zu fördern: Erstens ein Verpackungsdesign, das Ressourcen schont und Recycling- und Mehrwegfähigkeit in den Fokus rückt, zweitens technologieoffene Anreize für eine höhere Nachfrage nach Rezyklaten und für mehr Rezyklateinsatz sowie drittens, die volle Anerkennung und Förderung aller sekundären Rohstoffe, die als nachhaltig zertifiziert seien. Dazu zählten Produkte auf Basis chemischen und mechanischen Recyclings, Biomasse und CO₂ aus Carbon Capture and Utilization (CCU). Wichtig in diesem Zusammenhang sei die Anerkennung des „Fuel Use Exempt“-Massenbilanzansatzes, der aus geeinter Industriesicht die einzige wirtschaftlich umsetzbare Möglichkeit darstelle. Für das Ziel, weniger CO₂ zu emittieren und weniger fossilen Kohlenstoff zu nutzen, müsste jede alternative Kohlenstoffquelle genutzt werden, so Wittstock.
Auch die Grüner Punkt Gruppe drängt laut eines Berichts in Euwid auf Berechnungsmethoden für den Rezyklatgehalt sowie eine klare rechtliche Anerkennung des chemischen Recyclings. Das Unternehmen habe seine interne Umstrukturierung im Vorfeld der EU-Verpackungsverordnung beschleunigt und werde sich in erster Linie auf Aktivitäten im Bereich der erweiterten Produktverantwortung (EPR), der Sortierung und Rohstoffaufbereitung sowie der Kreislaufführung von Kunststoffen mittels mechanischem wie auch chemischem Recycling konzentrieren. Vom deutschen Gesetzgeber fordere man nun insbesondere geeignete Berechnungsmethoden für den Rezyklatgehalt sowie eine klare rechtliche Anerkennung des chemischen Recyclings als Teil der Lösungen zur Erfüllung der Recyclingquoten, wird DSD-Chef Laurent Auguste in Euwid zitiert. Auf europäischer Ebene wurden grade die Weichen für ein Berechnungsverfahren für chemisches Recycling gestellt, berichtet Euwid an anderer Stelle. Der Entwurf für einen Durchführungsbeschluss zur EU-Einwegplastikrichtlinie (SUPD), der auch als Weichenstellung für die EU-Verpackungsverordnung gelte, sehe für die Berechnung des Rezyklatanteils das Massenbilanzierungsverfahren nach dem „Fuel-Use-Exempt“-Ansatz unter zwei Bedingungen vor, ist in Euwid zu lesen: Die Komplementarität des chemischen Recyclings müsse gegeben sein und die Regelung nach einer „umfassenden Bewertung“ bestimmter Aspekte im Rahmen der PPWR noch einmal überarbeitet werden.
 
Quellen:

  • CHEManager 4/2024, zwei Berichte bei euwid-recycling.de (24.4.2024)

12.04.2024 - 18.04.2024

UN-Plastikabkommen: Kunststoffverbände drängen auf ausgewogenen Ansatz

Das englischsprachige Fachmagazin Sustainable Plastics berichtet online über Positionen der Kunststoffindustrie, Wissenschaft und NGOs im Vorfeld des vierten Treffens der Verhandlungsführer zur Erarbeitung eines internationalen Plastikabkommens (INC-4), das im kanadischen Ottawa vom 23. bis 29. April 2024 stattfinden wird. Der Verband der europäischen Kunststoffhersteller Plastics Europe rufe die Delegierten dazu auf, den Fokus der Verhandlungen auf Maßnahmen zu legen, die den Wert von Kunststoffabfällen steigern, indem sie die Nachfrage nach zirkulären Kunststoffen erhöhen, geht aus einem Bericht im Plasticker hervor.

 

Die Verhandlungen über das Kunststoffabkommen, das maßgeblich dazu beitragen soll, die Meere in Zukunft sauberer zu halten und die Umweltbelastung durch unsachgemäß entsorgte Kunststoffabfälle grundsätzlich zu reduzieren, gehen in eine entscheidende Phase, wie Sustainable Plastics berichtet. Industrieverbände hätten die Länder nun erneut dazu aufgefordert, die Vorteile ihrer Materialien zu berücksichtigen und Maßnahmen wie Kunststoffsteuern oder eine übermäßig strenge Regulierung der chemischen Gesundheitsrisiken abzulehnen. Verbände der Kunststoffindustrie unterstützen das Abkommen. Sie hielten es für wichtig, dass die Länder bei der Kanada-Runde Fortschritte machten und vor der letzten geplanten Verhandlungssitzung in diesem Jahr in Südkorea Bereiche für eine Einigung festlegten. Eine Einigung könne der Industrie signalisieren, in umweltfreundlichere Kunststoffe zu investieren. Auch solle das Abkommen Finanzierungsoptionen fördern, um die Abfallbewirtschaftung weltweit bis in Regionen, die derzeit keinen Zugang dazu haben, auszuweiten und einen breiten Ansatz verfolgen, der Technologien wie chemisches Recycling als Ergänzung zu mechanischen Verfahren einschließe, so die Verbände der betroffenen Industrien. Umweltgruppen sowie Wissenschaftler drängten die Delegierten jedoch zu schärferen Maßnahmen und forderten etwa, Steuern auf Kunststoffe zu erheben und eine Liste bedenklicher Chemikalien aufzunehmen, die schrittweise aus Kunststoffprodukten entfernt werden müssten, schreibt Sustainable Plastics.
 
Damit die Verhandlungen zum UN-Plastikabkommen erfolgreich und im Rahmen der vorgegebenen Zeit abgeschlossen werden können, bitte der Verband Plastics Europe alle Beteiligten noch enger zusammenzuarbeiten und in Ottawa eine gemeinsame Lösung für den Umgang mit Plastikmüll zu finden, berichtet der Plasticker. Die Transformation der Kunststoff-Wertschöpfungskette von einem linearen zu einem zirkulären System sei entscheidend, wird Virginia Janssens, die Geschäftsführerin von Plastics Europe AISBL, im Plasticker zitiert. Der effektivste Weg, um diese Transformation zu beschleunigen, bestehe aus Sicht der Industrie darin, Kunststoffabfälle im UN-Plastikabkommen als wertvollen Rohstoff zu behandeln. Je wertvoller Kunststoffabfälle seien, desto mehr Anreize gebe es, sie wiederzuverwerten und zu recyceln, anstatt sie wegzuwerfen, zu verbrennen oder zu deponieren, so die Argumentation der Kunststofferzeuger.
 
Laut Medienberichten reist Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) bereits am 20. April nach Ottawa, wo sie am darauffolgenden Tag den kanadischen Umweltminister Steven Guilbeault zu Gesprächen treffen werde. Bei den Beratungen zum weltweiten Plastikabkommen werde sie mit am Verhandlungstisch sitzen. Lemke habe diese Woche gleich mehrere hochrangige Termine zum Thema Müllvermeidung und Ressourcenschutz wahrgenommen. Am Mittwoch habe sie in Athen bei der „Our-Ocean-Konferenz“ zu internationalen Maßnahmen zum Schutz der Weltmeere laut eines Berichts des Portals deutschland.de zu einer zügigen Ratifizierung des Hochseeschutzabkommens aufgerufen. Bereits am Dienstag dieser Woche war Lemke laut Medienberichten in Peking, um einen deutsch-chinesischen Aktionsplan zu Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz zu unterzeichnen (s. Bericht unten). Der Spiegel versteht Lemkes Aufenthalt in der chinesischen Hauptstadt auch als Bemühung um eine Umweltallianz mit dem Land, das als einer der Hauptverursacher von Umweltverschmutzung durch Plastik gilt. Sie erhoffe sich davon, die Verhandlungen zum Plastikabkommen, die zuletzt in Nairobi am Widerstand erdölexportierender Länder gescheitert seien, voranbringen zu können, schreibt der Spiegel. In Peking habe sich Lemke mit ihrem chinesischen Kollegen Huang Runqiu bereits über das Plastikabkommen ausgetauscht, berichtet der Fachdienst Euwid.
 
Quellen:

  • spiegel.de (15.4.2024)
  • web.de, rtl.de, euwid-recycling.de (16.4.2024)
  • sustainableplastics.com, deutschland.de (17.4.2024)
  • Plasticker (18.4.2024)
Deutsch-chinesisches Abkommen für Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz

Das von Ministerin Steffi Lemke (Grüne) geführte Bundesumweltministerium (BMUV) und die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission Chinas haben sich laut Medienberichten auf einen Aktionsplan zum Dialog im Bereich Kreislaufwirtschaft verständigt. Demnach will das BMUV sich mit China in den kommenden fünf Jahren intensiver über die nachhaltigere Nutzung bestimmter Materialien, darunter auch Kunststoffe, austauschen.

 

Der Plan sehe nach Angaben des BMUV vor, dass sich die beiden Länder zum Beispiel über die Wiederverwertung und bessere Nutzung von Kunststoffen oder Metallen entlang der gesamten Wertschöpfungskette austauschen. Dabei stünden die Bereiche Verpackung, Bau, Fahrzeuge und Batterien im Fokus. Langlebigere Produkte und besseres Recycling sollen helfen, Müll zu vermeiden, den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen zu senken und die Natur zu schützen, wird Lemke in den Berichten zitiert. Außerdem wolle man über Möglichkeiten sprechen, wie der Staat Maßnahmen der Kreislaufwirtschaft politisch umsetzen und fördern könnte, wie etwa mit Hilfe von Umweltkennzeichen oder auch Ökodesign-Kriterien.
 
Quellen:

  • zeit.de, sueddeutsche.de, welt.de, fr.de, taz.de, recyclingmagazin.de, euwid-recycling.de (16.4.2024)
„Klarer Vorrang des mechanischen Recyclings von Kunststoffabfällen“

Im Interview mit dem Fachmagazin CHEManager spricht Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Kunststofferzeuger Plastics Europe Deutschland (PED), über das von BDE, VCI und PED im September 2023 vorgelegte gemeinsame „Leitbild zu einer Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen“ und den darin gemachten Vorschlag einer „Doppelquote“ für mechanische und chemische Recyclingverfahren.

 

Für eine Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft sollten die Anreize für das Verpackungsrecycling angehoben und technologieoffen ausgestaltet werden, so Bühler im Interview mit dem CHEManager. Zur Frage, ob das gemeinsame Positionspapier zum Kunststoffrecycling der Verbände einen Durchbruch in der Diskussion um Recyclingquoten erbracht habe, sagt Bühler, dass die von BDE, VCI und PED vorgeschlagene Lösung zu einer Komplementarität der Recyclingverfahren führen könne. Klimaneutralität und eine Produktion ohne fossile Rohstoffe könne nur gelingen, wenn man sich aller Technologiepfade bediene, so Bühler. Der konkrete Vorschlag der Verbände beinhalte, dass im Verpackungsgesetz eine klare Vorfahrt für das mechanische Recycling festgeschrieben werde und die chemischen Verfahren nur dann eingesetzt würden, wenn mechanische Verfahren an ihre Grenzen stießen. Zielfraktionen für das chemische Recycling seien Abfälle, die derzeit der thermischen Verwertung zugeführt würden. Mit der klaren Vorfahrt für das mechanische Recycling gäbe es künftig eine wesentlich stärkere Planungs- und Investitionssicherheit sowohl für mechanische als auch für die dann nachgeordneten chemischen Recycler. Zur Frage, wie der Begriff „Doppelquote“ zu verstehen sei, antwortet Bühler, dass die Industrie damit den Ausbau des mechanischen Recyclings anstrebe, welches sie künftig bei einem Anteil von 75 Prozent der Kunststoffverpackungsabfälle in Deutschland sehe. Gleichzeitig könnten zehn Prozent der Verpackungsabfälle durch chemische Verfahren verarbeitet werden. Über die Doppelquote, die nach ein paar Jahren überprüft werden könne, um etwaigen Fehllenkungen entgegenzusteuern, solle dies gesteuert und erreicht werden. Die Industrie halte es für zielführend, diese Doppelquote in der Novelle des Verpackungsgesetzes zu verankern und umzusetzen. Damit bekämen die chemischen Recyclingverfahren die Chance, sich als ergänzende Verfahren am Markt zu etablieren, so Bühler.
 
Quelle:

  • chemanager-online.com (17.4.2024)

22.03.2024 - 11.04.2024

Kreislaufwirtschaft: Bericht der Bundesregierung und ein neuer Forschungscampus

Die Bundesregierung gibt in einem aktuellen Bericht Empfehlungen, wie die Transformation zur „Circular Economy“ in Deutschland gelingen kann, berichtet Euwid. Als übergeordnete Strategie solle die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) die Grundlage für einen strukturierten Transformationsprozess hin zu einer zirkulären Wirtschaft liefern. Eine Forschungsfabrik für eine CO₂-neutrale Kreislaufwirtschaft soll Berichten der Tagesmedien zufolge in Sachsen im Industriepark Schwarze Pumpe im Rahmen des Pilotprojekts mehrerer Hochschulen „Green Circular Economy“ (CircEcon) entstehen.

 

Die grundlegenden Klimaschutzpotenziale einer Kreislaufwirtschaft halte die Bundesregierung bei Weitem für noch nicht ausgeschöpft, weshalb Weichenstellungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft notwendig seien, zitiert Euwid aus dem Bericht, der Ende März 2024 im Kabinett beschlossen worden sei. Damit sollen nicht zuletzt einheimische Industriezweige die notwendige Planungssicherheit erhalten, um zukünftig verstärkt in Zirkularität zu investieren, heiße es in dem vom Bundesumweltministerium (BMUV) federführend erstellten Bericht. Aus Sicht der Regierung fehle es derzeit noch an zirkulär ausgerichteten Geschäftsmodellen sowie an einem stärkeren Produktdesign für Zirkularität. In Verkehr gebrachte Produkte seien häufig auf eine einmalige Nutzung ausgelegt und eigneten sich weder für ein hochwertiges Recycling noch für eine Reparatur. Der Bericht zeige einige mögliche Hebel auf, um die Transformation hin zu zirkulärem Wirtschaften zu unterstützen, darunter etwa ein unterstützendes regulatorisches Marktumfeld, eine Transferförderung für technische Neuentwicklungen und innovative Geschäftsmodelle, eine verstärkte Kooperation von Forschung und Industrie etwa in Reallaboren, sowie die Förderung von zirkulär ausgerichteten Start-ups. Eine zentrale Rolle spiele dabei die Entwicklung geeigneter Governance-Strukturen, die die Veränderungsprozesse koordinieren und verbindliche Ziele sowie übergreifende Maßnahmen liefern sollten, auf die sich alle Akteure berufen können, heiße es in dem Bericht weiter. Aus Sicht der Bundesregierung gebe es auf nationaler und internationaler Ebene bereits eine Vielzahl von Initiativen und Maßnahmen, die „auf den Transformationsbereich Kreislaufwirtschaft einzahlen“. Es fehle aber ein strategisch-konzeptioneller Rahmen, den die Bundesregierung für Deutschland mit der geplanten NKWS bereitstellen wolle. Diese könne noch in 2024 vom Kabinett verabschiedet werden. In deren Zentrum stehe ein Set an verbindlichen und ambitionierten Zielen bis zum Jahr 2045 – sowohl übergeordnet als auch bezogen auf zentrale Massenströme – sowie eine Roadmap, um den Umsetzungsprozess zu begleiten und zu monitoren.
 
Ein Forschungscampus für CO₂-freie Kreislaufwirtschaft siedelt sich laut Medienberichten im Industriepark Schwarze Pumpe im sächsischen Spreetal an. Dort sollen neue Technologien für das Recycling und die Wiederverwendung etwa von Faserverbundwerkstoffen aus Windkraftanlagen erforscht und entwickelt werden. An dem Pilotprojekt „Green Circular Economy“ (CircEcon) sind den Berichten zufolge die Technischen Universitäten in Chemnitz, Dresden und Freiberg sowie die Hochschule Zittau/Görlitz beteiligt. In Versuchs- und Demonstrationsanlagen sollen in dem Zentrum, das Ende 2026 in Betrieb gehen werde, zukunftsweisende Technologien für die Kreislaufwirtschaft im Industriemaßstab abgebildet werden. Der Bund und der Freistaat Sachsen investierten rund 108 Millionen Euro, rund 48 Millionen Euro für den Bau des Zentrums sowie rund 60 Millionen Euro für die Ausstattung mit Geräten und Pilotanlagen.
 
Quellen:

  • zeit.de, ntv.de, merkur.de, faz.net, sueddeutsche.de (5.4.2024)
  • welt.de (6.4.2024)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 15/2024 (9.4.2024)
PPWR: Druck auf Hersteller und die Frage der „richtigen Verpackung“

Vor dem Hintergrund der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) hat das Handelsblatt die Nachhaltigkeitsberichte großer Konsumkonzerne wie etwa Nestlé, Beiersdorf und Henkel analysiert und kommt zu dem Ergebnis, dass die Unternehmen von ihren Zielen zu Recyclingfähigkeit und Rezyklateinsatz teils noch weit entfernt seien. In einem Audiobeitrag des Bayrischen Rundfunks (BR) wird auf die oft nicht beachtete Funktion, CO₂-Ersparnis und Nachhaltigkeit von (Lebensmittel-)Verpackungen hingewiesen und die Lösung in der „richtigen Verpackung“ gesehen. Kritik am geplanten Verbot von Einwegkunststoff für frisches Obst und Gemüse kommt laut Euwid von der europäischen „Alliance for Sustainable Packaging for Foods“ (ASPF).

 

Die neue EU-Verordnung erhöhe den Druck auf Unternehmen, ihre Verpackungen aus Kunststoff nachhaltiger zu gestalten, schreibt das Handelsblatt. Für manche werde es sehr herausfordernd, die geplanten Vorgaben zum Rezyklateinsatz (30 Prozent) und zur Recyclingfähigkeit zu erreichen, wird Verpackungsexpertin Sonja Bähr von der technischen Unternehmensberatung Tilisco im Bericht des Handelsblatts zitiert. Die meisten Unternehmen wollten ihre Verpackungen bis Ende 2025 weltweit zu 30 Prozent aus Rezyklat herstellen, schreibt das Handelsblatt. Beiersdorf etwa sei mit zwölf Prozent weit davon entfernt, sehe sich aber „im Plan“. Henkel gebe seine globale Quote mit 19 Prozent an und sich „sehr zuversichtlich“, bis Ende 2025 bei 30 Prozent zu sein. Die konkreten Anforderungen an Kunststoffverpackungen könnten für viele Konzerne teuer werden, so das Handelsblatt. Henkel spreche etwa von einem „großen Millioneninvestment“, Nahrungsmittelriese Nestlé investiere bis 2025 weltweit gut zwei Milliarden Euro in eine Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe. Die Umstellung sei kompliziert und langwierig, weil Maschinen angepasst werden müssten und Rezyklate andere Eigenschaften als Neuplastik hätten. Auch seien Rezyklate teurer, weil Altkunststoffe umfangreich gereinigt und aufgearbeitet werden müssten.
 
Die Vermeidung von Verpackungen habe lange im Fokus gestanden, meint der Bayerische Rundfunk (BR) in einem Audiobeitrag. Was viele nicht wüssten, sei aber, dass der CO₂-Verbrauch von Lebensmittelverpackungen im Vergleich zu Produktherstellung und Transport kaum ins Gewicht falle. So mache zum Beispiel der CO₂-Verbrauch der Verpackung bei Butter nur 0,4 Prozent, bei Kaffee 1,6 Prozent, bei Schokolade sieben Prozent und bei tiefgefrorenem Gemüse zehn Prozent aus. Auch sei es bei einigen Produkten gar nicht möglich, die Verpackungen einfach wegzulassen. Denn sie schützten das Produkt und machten es länger haltbar. Daher könne die richtige Verpackung eine Lösung sein, so der BR. Bis zum Jahr 2040 wolle die EU mit der neuen Verpackungsverordnung auf 15 Prozent weniger Verpackungsabfälle kommen im Vergleich zu 2018, wofür auch Mehrwegverpackungen gefördert werden sollen. Aber auch nicht jede Mehrwegverpackung sei CO₂-sparender als eine Einwegverpackung. Auch da müsse man genau hinschauen, es hänge vom Gewicht der Verpackung, von den Transportwegen und vom Aufwand der Reinigung ab, wird Professor Sven Sängerlaub, Professor für Verpackungstechnik von der Hochschule München, im Bericht des BR zitiert. So könne etwa ein Joghurt im Einwegbecher eine bessere Ökobilanz aufweisen, als einer im Mehrwegglas, wenn das deutliche schwerere Glas einen weiten Transportweg habe. Die Verpackungsindustrie arbeite bereits an neuen Lösungen, die dafür sorgen könnten, dass Lebensmittel länger haltbar seien und somit einen Beitrag zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung leisteten, so der BR.
 
Das in Anhang 5 der PPWR vorgesehene Verbot von Einwegverpackungen aus Kunststoff für frisches Obst und Gemüse, das ab 2030 greifen soll, kritisieren laut eines Berichts von Euwid mehrere Verbände der Lebensmittel- und Verpackungsindustrie. Der Dachverband ASPF, dem Organisationen aus dem Lebensmittel- und Verpackungssektor auf dem amerikanischen Kontinent und in Südafrika angehörten, warne vor negativen Auswirkungen auf die weltweiten Lieferketten und die Lebensmittelsicherheit. Das Verbot werde die Auswahl für Verbraucher einschränken und die Qualität der Produkte mindern, wird Max Teplistki, der Vorsitzende des ASPF und Chief Science Officer der International Fresh Produce Association mit Sitz in Newark in den USA, in Euwid zitiert.
 
Quellen:

  • handelsblatt.com (28.3.2024)
  • euwid-recycling.de (8.4.2024)
  • br.de (9.4.2024)
Zentrale Stelle: „Reform des Verpackungsrecycling greift“

Das Magazin Circular Economy hat einen Beitrag von Gunda Rachut, Vorstand der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR), zum aktuellen Stand des Verpackungsrecyclings in Deutschland veröffentlicht, wonach der Verbrauch sinkt, Verpackungen zu mehr als zwei Dritteln recyclingfähig sind und der Anteil der verwerteten Verpackungen steigt. Das Register Lucid der ZSVR verzeichnete laut Berichten der Fachmedien mit einer Million Registrierungen einen neuen Höchststand. Dieser Anstieg zeige nach Ansicht der ZSVR die wirksamen Bemühungen der Behörde, den Markt des Verpackungsrecyclings zu reformieren.

 

Insgesamt gebe es gute Nachrichten in Bezug auf Haushaltsverpackungen, schreibt ZSVR-Chefin Rachut in Circular Economy: Der Verbrauch sei rückläufig, was unter anderem auf konjunkturelle Faktoren sowie auf verändertes Verbraucherverhalten zurückzuführen sei. Nach Prognosen der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung werde der Rückgang bei Leichtverpackungen (LVP) von 2022 bis 2024 auf 6,2 Prozent geschätzt. Für das Jahr 2024 prognostiziere die GVM zudem Rückgänge bei Verpackungen für Produkte aus dem Baubereich. Immer mehr Verpackungen seien heute hochgradig recyclingfähig, wie die Verwertungszahlen der Systembetreiber belegten. Im Jahr 2022 seien von den rund 8,1 Millionen Tonnen in Verkehr gebrachten Verpackungen etwa zwei Drittel verwertet worden. Die Vorgabe, dass die Systembetreiber mehr als die Hälfte der gesamten LVP-Sammelmenge verwerten müssen, sei mit 52,3 Prozent übererfüllt worden. Bei LVP seien laut einer Studie des Umweltbundesamtes (UBA) mittlerweile 68 Prozent der Verpackungen zu mehr als 90 Prozent recyclingfähig, die restlichen 32 Prozent entweder nicht oder nur zu einem geringen Grad recyclingfähig, so Rachut. Weitaus problematischer für das Recycling seien Verbundverpackungen. Hier liege die Recyclingfähigkeit laut UBA bei fast jeder zweiten Verpackung unter 90 Prozent. In ihrem Fazit betont Rachut, dass es im Jahr 2024 keine Option mehr sein könne, eine Verpackung nicht hochgradig recyclingfähig zu gestalten.
 
Die Zahl der Registrierungen im Verpackungsregister Lucid ist laut Berichten von Fachmedien seit Ende 2021 und insbesondere im Jahr 2022 signifikant angestiegen. Seit Juli 2022 seien Unternehmen verpflichtet, unabhängig von der Art ihrer Verpackungen, sich in Lucid zu registrieren. Allein seit Januar 2022 hätten sich knapp 750.000 Unternehmen neu registriert, darunter mehr als 400.000 aus China. Diese Zahlen verdeutlichten nach Ansicht der ZSVR die globale Bedeutung und Akzeptanz des Registers, das mittlerweile Registrierungen aus über 160 Ländern verzeichne. Trotz der rasanten Zunahme an Registrierungen seien die bei dualen Systemen registrierten Verpackungsmengen jedoch nicht weiter gewachsen und lägen etwa auf dem Niveau des Jahres 2020.
 
Quellen:

  • Circular Economy April 2024
  • packaging-journal.de, euwid-recycling.de (9.4.2024)