06.12.2024 - 12.12.2024

Stimmen zur NKWS: Verbände sehen Licht und Schatten

Laut Berichten der Fachpresse zu Stellungnahmen von Verbänden der Kunststoffindustrie, des TÜV-Verbands und des Deutschen Instituts für Normung (DIN) wird die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS), die das Bundeskabinett vor Kurzem beschlossen hat, grundsätzlich begrüßt. Dennoch sähen die Verbände auch an unterschiedliche Stellen noch Verbesserungsbedarf.

 
So begrüße der Verband der Kunststofferzeuger, Plastics Europe Deutschland, dass die NKWS neue Recyclingverfahren wie chemisches Recycling als sinnvolle Ergänzung zum mechanischen Recycling anerkenne, und warne vor zu strengen Vorgaben zum Polymereinsatz, berichtet etwa der Fachdienst Euwid. Der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV) unterstütze vor allem das Vorhaben, sich auf EU-Ebene für die Einführung polymerspezifischer Substitutionsquoten als sinnvolle Ergänzung zu produktbezogenen Rezyklateinsatzquoten einzusetzen, und lobe die in der Strategie genannte Prüfung eines Zertifikatehandelssystems für Kunststoffrezyklate auf europäischer Ebene. Zustimmung zu Letzterem komme auch von der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK). Ein Zertifikatehandel könne die Kosten der Transformation erheblich senken und den Ersatz fossiler Rohstoffe beschleunigen, wird Dr. Isabell Schmidt, IK-Geschäftsführerin Kreislaufwirtschaft, in Euwid zitiert. Die IK fordere darüber hinaus eine verbesserte Infrastruktur für die Sammlung und Trennung von Abfällen sowie Unterstützung für Investitionen in Recyclingtechnologien. Man brauche zudem klare und faire Regeln für die Nutzung von recycelten Materialien und Anreize für ökologisch nachhaltige Verpackungen, zitiert Euwid weiter aus der Stellungnahme der IK. Die IK sehe vor allem die Notwendigkeit einer „faktenbasierten“ Regelung zum Einsatz von Polyolefin-Rezyklaten in Verpackungen von kontaktsensitiven Produkten. Aktuell sei die fehlende regulatorische Klarheit ein großer Hemmschuh für die Weiterentwicklung der Rezyklatanteile im Verpackungsbereich, so die IK. Die Initiative Natürliche Kreislaufwirtschaft e. V. (INAK), ein Zusammenschluss von Unternehmen, Entsorgern, Zertifizierern und Wissenschaftlern, hervorgegangen aus dem Verbund kompostierbare Produkte e.V., lobe, dass in der NKWS der Einsatz von biobasierten und biologisch abbaubaren Kunststoffen als wichtiger Hebel zur Reduktion von CO2-Emissionen und fossilen Rohstoffen hervorgehoben werde, berichtet der Plasticker. Erheblichen Nachbesserungsbedarf bei der NKWS sehe dagegen laut Recyclingportal der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung. Es fehlten gezielte Fördermaßnahmen, während Großprojekte bevorzugt würden, bemängele Eric Rehbock, Hauptgeschäftsführer des bvse. Auch das werkstoffliche Recycling werde „sträflich“ vernachlässigt, so Rehbock. Der TÜV-Verband begrüße die Verabschiedung der NKWS noch in dieser Legislaturperiode, berichtet das Recyclingportal an anderer Stelle. Doch sei nun die nächste Bundesregierung gefordert, die angestrebten Ziele mit einem umfassenden Maßnahmenplan zu unterlegen. Der Verband sehe in der NKWS die Chance, ‚Made in Germany‘ auch im Kontext der Kreislaufwirtschaft als Werte- und Qualitätsversprechen zu etablieren, wird Juliane Petrich, Referentin Politik und Nachhaltigkeit beim TÜV-Verband, im Recyclingportal zitiert. Das Deutsche Institut für Normung (DIN) begrüße laut Recyclingmagazin, dass die NKWs in wichtigen Handlungsfeldern wie Design for Circularity, Abfallmanagement, Bereitstellung und Austausch digitaler Daten sowie Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewertungen die Bedeutung der Normung anerkenne. Diese sichere die Qualität und Akzeptanz zirkulärer Produkte und steigere die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Ein wichtiger Grundstein sei mit der Normungsroadmap Circular Economy, die von DIN, DKE und VDI gemeinsam mit Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft entwickelt worden sei, bereits in den vergangenen Jahren für die NKWS gelegt worden. Sie zeige die weiterhin hohe Relevanz dieser Themen auf und diene als Richtungsweiser, wird Alexandra Engelt, Leiterin Strategische Entwicklung Circular Economy bei DIN, im Recyclingportal zitiert. Die in der NKWS formulierten Normungsbedarfe verdeutlichten den Stellenwert der Normung bei der Transformation zu einer Circular Economy.
 
Quellen:

  • Recyclingmagazin, Recylingportal, Plasticker, (6.12.2024)
  • Plasticker (9.12.2024)
  • Euwid Entsorgung und Recycling 50/2024 (10.12.2024)
Schweiz: Bundesrat nimmt PFAS und Mikroplastik ins Visier

Der Schweizer Bundesrat schlägt laut Medienberichten neue Verordnungen vor, die den Umgang mit Mikroplastik sowie per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) regeln und dazu beitragen sollen, europäischen und internationalen Vorgaben nachzukommen.

 
Mit verschärften Regeln zum Umgang mit Mikroplastik und PFAS wolle der Schweizer Bundesrat die Praxis mit EU-Recht harmonisieren, schreibt etwa die Berner Zeitung. So solle die Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) des Landes durch die Übernahme der Regelungen des EU-Rechts zu PFAS und zu Mikroplastik angepasst werden. Ab dem 1. November 2026 sollen dann auch in der Schweiz PFAS-Stoffe in Produkten verboten sein, in denen sich diese leicht ersetzen lassen. Die Beschränkungen bezögen sich gemäß erläuterndem Bericht des Bundesrats auf bestimmte Textil-, Leder-, Pelz- und Schuhwaren, Zubereitungen wie Skiwachse oder Kosmetika sowie Materialien und Gegenstände mit Lebensmittelkontakt. Zudem sollen bestehende Vorschriften unter anderem zu bleihaltigem Polyvinylchlorid (PVC) und Formaldehyd verschärft werden. Damit wolle die Schweiz internationalen Verpflichtungen nachkommen und den aktuellen Stand der Technik abbilden, wird der Bundesrat auch in der Basler Zeitung zitiert. Die Konsultation betroffener Kreise zu den Änderungen ende laut eines Berichts des Schweizer Radio- und Fernsehsenders SRF am 21. März 2025. Ob und wann die Vorschläge in Kraft treten, werde von der Reaktion der beteiligten Akteure abhängen, berichtet der SRF.
 
Quellen:

  • SRF, tagesanzeiger.ch, Basler Zeitung, Berner Zeitung (6.12.2024)
GVM-Studie: Verpackungsverbrauch sinkt, Recyclingquote steigt

Fachmedien berichten über die Ergebnisse einer im Auftrag des Umweltbundesamt (UBA) erstellten Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) zum Aufkommen und der Verwertung von Verpackungsabfällen in Deutschland im Jahr 2022. Demnach sei der Verpackungsverbrauch im Jahr 2022 um 675.000 Tonnen auf rund 19 Millionen Tonnen bzw. um 3,4 Prozent zurückgegangen.

 
Pro Kopf seien laut der Studie mit 227 Kilogramm knapp zehn Kilogramm weniger Verpackungen verbraucht worden als im Jahr 2021. Betrachtet nach Materialien sei im Jahr 2022 der Verbrauch von Holz, Kunststoff, Glas, Eisenmetallen und Papier 2022 gesunken. Bei Aluminium sei dagegen ein Anstieg verbucht worden. Mehr als zwei Drittel aller Verpackungen (68,5 Prozent) und damit 0,6 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr seien in 2022 recycelt worden, stelle die GVM fest. Insbesondere bei Papier, Kunststoff, Aluminium und Weißblech seien die Recyclingquoten angestiegen. 2022 hätten damit alle Verpackungsmaterialien die Zielvorgaben der EU für das Jahr 2025 erreicht, auch für Kunststoffabfälle sei mit 51,1 Prozent die Zielvorgabe von 50 Prozent bereits erreicht worden. Die Zielvorgaben für das Jahr 2030 – für Kunststoffe sieht die EU-Verpackungsverordnung dann eine Recyclingquote von 55 Prozent vor – seien ebenfalls von fast allen Verpackungsmaterialien bereits erreicht worden, jedoch mit Ausnahme von Kunststoff und Holz. Der aktuelle Bericht zeige, dass Deutschland beim Recycling von Verpackungsabfällen auf einem guten Weg sei, wird UBA-Präsident Dirk Messner in den Berichten zitiert. Insbesondere bei Kunststoffverpackungen müssten bis 2030 allerdings noch weitere Anstrengungen unternommen werden. Diesbezüglich sei gemäß EU-Richtlinie noch eine Steigerung um 3,9 Prozentpunkte nötig, so Messner.
 
Quellen:

  • Recyclingportal (6.12.2024)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 50/2024 (10.12.2024)

29.11.2024 - 05.12.2024

Erdölländer verhindern Einigung auf UN-Plastikabkommen in Südkorea

Die fünfte Verhandlungsrunde (INC-5) für ein Abkommen der Vereinten Nationen zur Verringerung von Plastikmüll ist ohne Einigung zu Ende gegangen. Die Staaten konnten sich laut Medienberichten nicht auf verbindliche Maßnahmen verständigen und wollen nun nächstes Jahr weiterverhandeln. Grund sei der Widerstand der Erdölländer gegen ein ambitioniertes Abkommen, dass den gesamten Lebensweg von Kunststoffen umfasst inklusive Vorgaben zur Neuproduktion von Kunststoffen. Die Reaktionen auf das Scheitern des Abkommens fielen unterschiedlich aus.

 
Eine eher kleine Gruppe von erdöl- und erdgasfördernden Ländern, darunter Saudi-Arabien, Iran, Indien und Russland, fordere, dass sich das Abkommen auf eine effiziente Abfallwirtschaft fokussieren solle, während eine Allianz aus mehr als 100 Staaten eine Erklärung für ein ambitioniertes Abkommen unterzeichnet habe, berichtet etwa die Tagesschau. Dieses habe die Formulierung eines konkreten Reduktionsziels für die Produktion von Plastik sowie Regelungen für den Einsatz von gefährlichen Chemikalien vorgesehen. Die Recyclingquote bei Kunststoffen liege derzeit bei etwa neun Prozent, so dass das Problem mit einem Abfallmanagement zu lösen, vielen unmöglich erscheine, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Als Grundlage für die Weiterführung der Verhandlungen im Mai 2025 solle ein während der letzten sieben Tage ausgehandelter Entwurf für das Abkommen dienen, geht aus einem Bericht des ZDF hervor. Dieser voll ausgearbeitete Vertragstext sei ein wesentlicher Schritt nach vorne, wird Hugo Schally, der als hoher Beamter für die EU-Kommission das Abkommen mitverhandelt habe, im Standard zitiert. Die Nichtregierungsorganisation Greenpeace sehe in der Fortsetzung der Verhandlungen den Vorteil, sich nicht unter Zeitdruck auf einen schwachen Abschluss geeinigt zu haben, schreibt der Spiegel. Aus ihrer Sicht bestünde so weiterhin die historische Chance auf ein ambitioniertes Plastikabkommen. Der WWF zeige sich enttäuscht, dass in Busan keine Einigung erzielt werden konnte, und habe vor allem „den anhaltenden Widerstand einer lautstarken Minderheit von Staaten beklagt, die … kein sinnvolles Abkommen anstrebten“, zitiert der Spiegel aus einer Stellungnahme der NGO. Plastics Europe, der Verband der europäischen Kunststofferzeuger, bewerte den bisherigen Verlauf der Gespräche dagegen positiv und appelliere an die Verhandlungsparteien, den eingeschlagenen ambitionierten Kurs fortzuführen, berichten der Plastverarbeiter und Euwid. Der Verband erkenne Fortschritte im jetzt vorliegenden Entwurf, der deutliche Annäherungen bei zentralen Themen wie Produktdesign und Abfallwirtschaft zeige, und fordere, dass das Abkommen Maßnahmen fördern solle, die eine nachhaltige Produktion und Nutzung von Kunststoffen ermöglichen.
 
Quellen:

  • Tagesschau, ZDF, Süddeutsche Zeitung, Handelsblatt, Spiegel (1.12.2024)
  • Standard, Plastverarbeiter (2.12.2024)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 49/2024 (3.12.2024)
Bundeskabinett beschließt Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS)

Am Mittwoch hat das Bundeskabinett laut Medienberichten die NKWS beschlossen. Das Kabinett halte dabei trotz des teilweise sehr großen Widerstands aus der Wirtschaft an den im Referentenentwurf des Bundesumweltministeriums (BMUV) definierten Zielen der NKWS zur Reduzierung von Rohstoffverbrauch und Abfallaufkommen sowie zur Steigerung des Anteils von Sekundärrohstoffen fest, berichtet Euwid. Von Wirtschaftsverbänden komme in ersten Reaktionen Kritik, aber teilweise auch Lob, berichten Fachmedien.

 
Die NKWS habe zum Ziel, weniger Ressourcen zu verbrauchen und Rohstoffe besser zu nutzen, schreibt das Handelsblatt. Bislang verbrauche Deutschland laut BMUV gut 16 Tonnen Rohstoffe pro Kopf und Jahr. Bis 2045 soll dieser Wert „deutlich sinken“. Eine genaue Zahl werde in der NKWS zwar nicht genannt, ein Wert von sechs bis acht Tonnen pro Kopf und Jahr sei aber angestrebt. Die NKWS schaffe die Grundlage für den Übergang zu einer zirkulären Wirtschaftsweise, wird Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) im Handelsblatt zitiert. Auf Unternehmen dürften durch die Vorgaben in der 154-Seiten starken NKWS nun neue Herausforderungen zukommen. Dazu zählten laut Handelsblatt etwa Mindestanforderungen an Produkte wie zum Beispiel ein Mindestmaß an Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit oder Schadstofffreiheit. Das Papier enthalte ein ganzes Bündel von Maßnahmen, darunter auch europäische Gesetzesinitiativen. Beispielhaft würden die Ökodesign-Richtlinie und Ökodesign-Verordnung genannt. Auch der digitale Produktpass, der alle relevanten Informationen zu einem Produkt enthalten soll, gelte als zentral. Nach Einschätzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion handle es sich bei dem Strategiepapier laut Handelsblatt um ein Dokument, „das von Zielkonflikten und Unklarheiten“ geprägt sei. Wie Euwid berichtet, solle der Anteil an Sekundärrohstoffen bis 2030 auf 26 Prozent verdoppelt und bis zum gleichen Jahr ein Viertel des Bedarfs an strategischen Rohstoffen durch das Recycling gedeckt werden. Beim Aufkommen an Abfällen strebe die Regierung weiterhin eine Reduktion der Pro-Kopf-Menge um zehn Prozent bis 2030 und um 20 Prozent bis 2045 an – jeweils im Vergleich zu 2020. Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft vermisse indes einen klaren Umsetzungsplan, wie die ambitionierten Ziele erreicht und die vorgesehenen Maßnahmen flächendeckend wirksam werden sollen, schreibt Euwid an anderer Stelle. Ohne präzise gesetzliche Regelungen, verbindliche Rahmenbedingungen und eine finanzielle Unterlegung bleibe die Strategie ein Papiertiger, wird BDE-Präsidentin Anja Siegesmund dort zitiert. Der GKV Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie begrüße die Verabschiedung der NKWS und lobe eine Reihe unterstützenswerter Vorschläge, berichtet der Plastverarbeiter. Der GKV und einer seiner Trägerverbände, die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, begrüßten die geplante Prüfung eines Zertifikatehandelssystems für Kunststoffrezyklate auf EU-Ebene. Darüber hinaus spreche sich der GKV für die Einführung polymerspezifischer Substitutionsquoten aus, um produktbezogene Rezyklateinsatzquoten sinnvoll zu ergänzen. Plastics Europe Deutschland (PED) begrüßt laut Plastverarbeiter den Beschluss und die klare Anerkennung der Kreislaufwirtschaft als wichtige Säule für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands, sieht aber auch Verbesserungsbedarf. Aus Sicht des Verbands der Kunststofferzeuger müssten insbesondere in Bezug auf die Polymervielfalt die Empfehlungen für zirkuläres Produktdesign konkretisiert werden, wird der kommissarische Hauptgeschäftsführer von PED, Dr. Alexander Kronimus, im Plastverarbeiter zitiert. Wenn die NKWS in den Markt eingreifen und Vorgaben zum Polymereinsatz machen solle, müsse klargestellt werden, dass diese Vorgaben nur auf Produktebene gelten, so Kronimus. Für Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), ist laut eines Berichts bei Frankfurt-Live wichtig, dass die kommende Regierung die positiven Ansätze der Strategie aufgreift, aber auch die Kritikpunkte berücksichtigt. Es gehe um die Zukunft des Industriestandorts Deutschland. Auch neue Verfahren wie chemisches oder biotechnologisches Recycling sollten als sinnvolle Ergänzung zum mechanischen Recycling schnell ermöglicht werden, so Große Entrup.
 
Quellen:

  • Handelsblatt, euwid-recycling.de, recyclingmagazin.de (4.12.2024)
  • Plastverarbeiter, frankfurt-live.com (5.12.2024)
Forderungen der Industrie zur Bundestagswahl 2025

Die Verbände der Kunststoffindustrie bringen sich laut Berichten von Fachmedien im Vorfeld der geplanten Neuwahlen am 23. Februar 2025 in Position und formulieren ihre Forderungen an die neue Bundesregierung.

 
So fordere etwa der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV) im Vorfeld der Bundestagswahl 2025 laut Plastverarbeiter eine Wachstumsagenda für Deutschland, die den Mittelstand stärken und den Weg in eine zirkuläre Wirtschaft ebnen solle. Die Agenda müsse aus Sicht des GKV unter anderem die Sicherung international wettbewerbsfähiger Energiepreise sowie die Vereinfachung bürokratischer Hürden umfassen. Der Verband setze sich für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft ein, die durch Anreize für besser recyclingfähige Materialien und die Förderung von Rezyklaten gestärkt werde. Eine nachhaltige Kunststoffindustrie sei nur mit politischer Unterstützung machbar, betone der GKV. Die Prioritäten der privaten Entsorgungswirtschaft formulierten die Verbände BDE, bvse und VBS in einem Forderungskatalog zur Wahl, berichtet Euwid. Die zehn Punkte beinhalteten dabei „Klassiker“ wie etwa die Forderungen nach einem Recyclinglabel, einem „Level-Playing-Field“ für Kunststoffrezyklate oder einem europaweiten Deponieverbot. Außerdem forderten die Entsorgerverbände die Ansiedlung der Kreislaufwirtschaftspolitik im Wirtschaftsministerium, einfachere und schnellere Genehmigungsverfahren sowie eine Führungsrolle der neuen Bundesregierung bei der Förderung der Kreislaufwirtschaft auf europäischer Ebene.
 
Quellen:

  • Recyclingportal, Recyclingmagazin, Euwid Recycling und Entsorgung 49/2024, Circular Economy (3.12.2024)
  • Plastverarbeiter (4.12.2024)

22.11.2024 - 28.11.2024

UN-Plastikabkommen: fünfte Runde gestartet

Eine Reihe von Medienberichten hat den Start der fünften Verhandlungsrunde über ein weltweites Plastikabkommen im südkoreanischen Busan zu Beginn dieser Woche zum Thema. Die Hoffnungen der Delegierten aus 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen auf eine Einigung über verbindliche Maßnahmen zur Eindämmung der Umweltverschmutzung durch unsachgemäß entsorgte Kunststoffabfälle seien groß, ein Gelingen aber aufgrund konfliktärer Auffassungen über die Ziele und Wege zur Zielerreichung eher fraglich.

 
Im Zentrum stehe die Debatte darüber, ob eher eine Produktionsobergrenze für die Herstellung von Kunststoffen etwa auf den Wert des Jahres 2020 oder doch höhere Recyclingquoten und ein verbessertes Abfallmanagement geeignet seien, um die Menge an Plastikmüll in der Umwelt zu reduzieren, ist etwa in einem Bericht von Euractiv zu lesen. Mehr als 40 Länder und die EU hätten in einem Statement erklärt, mit dem Abkommen als effizientesten und kostengünstigsten Ansatz „die nicht nachhaltige Produktion von primären Kunststoffpolymeren“ angehen zu wollen. Laut Tagesschau lehnten die sogenannten Like-Minded-Staaten - ein Zusammenschluss wichtiger Öl- und Gasförderländer sowie Länder mit bedeutender Plastikproduktion wie Russland, Saudi Arabien, Iran und China - eine Produktionsobergrenze jedoch ab. Ein Abkommen solle nach Ansicht der Befürworter eines ambitionierten Ansatzes mit weitreichenden Regelungen auch Vorgaben zum Produktdesign machen, heißt es in dem Bericht weiter. Um trotz der Differenzen in Busan zu einem Abschluss zu kommen, habe die Verhandlungsführung ein deutlich weicher formuliertes Kompromisspapier mit nur wenigen rechtlich bindenden Verpflichtungen vorgelegt, in dem wichtige Streitpunkte wie die Produktionsobergrenze oder auch ein weitreichendes Chemikalienverbot ausgeklammert seien, berichtet die Tagesschau. Die Industrie werbe in Busan für mehr Plastikrecycling als Lösung für die Krise, unter anderem durch effizienteres chemisches statt mechanisches Recycling, ist in einem Beitrag der Deutschen Welle (DW) zu lesen. Für Manuel Häußler, Polymerchemiker am Max-Planck-Institut in Potsdam, führe kein Weg am chemischen Recycling vorbei, wenn es darum gehe, neue Kunststoffe nicht immer wieder aus fossilen Rohstoffen herzustellen, schreibt die FAZ. Ein heikles Thema bei den Verhandlungen seien auch Finanzierungsfragen, berichtet die FAZ an anderer Stelle. Denn ähnlich wie beim Klimaschutz benötigten die Länder des globalen Südens auch im Kampf gegen Plastikverschmutzung Unterstützung. Auch die Hersteller von Kunststoffen trügen hier Verantwortung, wird Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) in der FAZ zitiert. Die Internationale Handelskammer (ICC) und der Verband der europäischen Kunststoffhersteller Plastics Europe begrüßten ein ehrgeiziges, praktikables, wirksames und umfassendes Abkommen. Der Fokus solle aber auch deren Ansicht nach auf einer verbesserten Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe liegen. Zudem habe Virginia Janssens, Geschäftsführerin von Plastics Europe, laut FAZ erklärt, dass sie einen universellen Ansatz, der für alle Länder gleichermaßen angewendet werden soll, für ungeeignet halte. Das Abkommen müsse ein ausgewogenes Verhältnis zwischen globalen Vorgaben und national angepassten Maßnahmen schaffen, ist in einem Bericht des RND zu lesen. Es sei klar, dass die Verhandlungen schwierig seien, so Janssens, doch müsse die „historische Chance“ genutzt werden. Nachgedacht werde in Busan auch über sogenannte „Plastic Credits“, ähnlich den „Carbon Credits“ zur Kompensation von CO2-Emissionen, berichtet RND weiter. Plastic Credits, die den eigenen „Plastik-Fußabdruck“ ausgleichen sollen, hielten Wissenschaftler wie etwa Meeresökologin Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven vor dem Hintergrund einer Studie, an der sie beteiligt gewesen sei, jedoch für kein geeignetes Instrument. Am Ende der Verhandlungswoche werde nach Einschätzung von Inger Andersen, Chefin des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep), nicht alles so detailliert sein, wie manche es sich wünschten. Aber die groben Konturen und Striche müssten vorhanden sein, so Andersen. Busan wäre selbst dann ein Erfolg, wenn dort noch kein perfekter Vertrag zustande käme, sondern nur eine Verständigung auf gemeinsame Ziele, verbunden mit dem Plan, schnell zu handeln, ist in einem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung zu lesen. Ähnlich lautet die Einschätzung eines Autors in der Frankfurter Rundschau, wonach es schon als Erfolg gelten dürfe, wenn die Staaten sich auf ein Rahmenabkommen einigen, bei dem die konkrete Umsetzung erst in weiteren Verhandlungsrunden entschieden wird.
 
Quellen:

  • Süddeutsche Zeitung (22.11.2024)
  • FAZ (24.11.2024)
  • Tagesschau, RND, Frankfurter Rundschau, Deutsche Welle, Euractiv (25.11.2024)
  • FAZ, Euwid Recycling und Entsorgung 48/2024 (26.11.2024)
EU-Parlament bestätigt von der Leyens Kommission

Laut Medienberichten kann die neue EU-Kommission um Präsidentin Ursula von der Leyen (EVP) am 1. Dezember die Arbeit aufnehmen. Fast sechs Monate nach der Europawahl und Diskussionen um die Besetzung habe das Europaparlament in Straßburg nun für die 26 Kommissarinnen und Kommissare gestimmt.

 
Erwartet werde, dass von der Leyen in ihrer zweiten Amtszeit andere Schwerpunkte setze als bisher, schreibt etwa die Süddeutsche Zeitung (SZ). Im Fokus stehe die Frage, wie die EU wettbewerbsfähig und wehrhaft bleiben könne. Als eine ihrer Prioritäten für die nächsten fünf Jahre habe von der Leyen den Kampf um das Überleben der Autoindustrie in Europa genannt, wozu ein strategischer Dialog geplant sei, berichtet der Tagesspiegel. Im Rahmen der Strategie für mehr Wettbewerbsfähigkeit der Union habe sie zudem weitere Initiativen für niedrigere Energiepreise angekündigt. Von der Leyens Stellvertreter Stéphane Séjourné aus Frankreich und Teresa Ribera aus Spanien sollen ein Gesetzespaket ausarbeiten, um die Industrie in Europa klimafreundlicher zu machen, ist einem Bericht des Bayerischen Rundfunks (BR) zu entnehmen. Das Ziel, in der EU bis 2050 klimaneutral zu werden, bleibe bestehen, berichtet der BR an anderer Stelle. Es werde aber um die Forderung ergänzt, Bevölkerung und Unternehmen stärker einzubinden. Auch den Abbau bürokratischer Hürden und straffere Vorschriften, um Firmen zu entlasten, habe die Kommissionspräsidentin zugesagt. Der von von der Leyen innerhalb der ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit angekündigte „Clean Industrial Deal“ solle laut eines Berichts in Euwid auch einen „Circular Economy Act“ umfassen, ein Kreislaufwirtschaftsgesetz, das die Marktnachfrage nach Sekundärrohstoffen fördern und einen europäischen Binnenmarkt für Abfälle schaffen soll, insbesondere im Hinblick auf die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe. Am Aufbau einer wettbewerbsfähigen Kreislaufwirtschaft werde laut von der Leyen die neue Umweltkommissarin Jessika Roswall arbeiten. Über die große Bedeutung der Kreislaufwirtschaft in der neuen Kommission habe sich der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft in einer Stellungnahme laut Euwid erfreut gezeigt und die Erwartung geäußert, dass der Green Deal weiter zügig umgesetzt und die Unternehmen dabei durch den Clean Industrial Deal unterstützt werden.
 
Quellen:

  • Tagesspiegel, Bayerischer Rundfunk, Süddeutsche Zeitung, euwid-recycling.de (27.11.2024)
Stoffstrombild Kunststoffe 2023: Einblicke in die Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen

Die Fachpresse berichtet über die Ergebnisse der jüngst veröffentlichten Studie „Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 2023“, die die Conversio Market & Strategy GmbH im Auftrag der BKV GmbH mit Unterstützung von 15 Industrieverbänden erstellt hat. Demnach ist der Einsatz von recycelten Kunststoffen in der Kunststoffverarbeitung in Deutschland von 2021 bis 2023 im Durchschnitt jährlich um gut acht Prozent gestiegen. Produktion und Verarbeitung sind dagegen rückläufig.

 
Besonders deutlich, nämlich um zehn Prozent auf 1,54 Millionen Tonnen, konnte der Einsatz von Post-Consumer-Rezyklaten gesteigert werden, berichtet etwa Euwid über die Studie. Der Anteil von Rezyklaten an der Kunststoffverarbeitungsmenge in Deutschland habe rund 15 Prozent bzw. knapp 19 Prozent betragen, werden die Nebenprodukte mit berücksichtigt. Die höheren Rezyklateinsatzquoten in der Herstellung seien der Erhebung zufolge bei einer insgesamt deutlich rückläufigen Kunststoffproduktion in Deutschland erzielt worden, schreibt Euwid weiter. Gegenüber 2021 ging die Kunststoffproduktion 2023 um knapp 18 Prozent auf rund 11,4 Millionen Tonnen zurück. Zudem wurden laut Studie in Deutschland mit 12,9 Millionen Tonnen fast neun Prozent weniger Kunststoffe verarbeitet als im Jahr 2021. Plastics Europe Deutschland, einer der Mitauftraggeber der Studie, führe dies auf eine Kombination aus steigenden Kosten für Energie und Produktion, häufigen Änderungen der politischen Zielvorgaben und steigenden Bürokratielasten zurück. Obwohl sich der Einsatz von recycelten Kunststoffen in der Kunststoffverarbeitung in Deutschland trotz schwieriger Standortbedingungen erhöht hat, zeige die Studie über alle Bereiche hinweg Rückschläge und die deutsche Kunststoffindustrie verliere an Boden, schreibt Kunststoffe. Für eine erfolgreiche Transformation zur Kreislaufwirtschaft forderten die an der Studie beteiligten Verbände daher wettbewerbsfähige Energiekosten, realistische und verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen sowie die mechanische und chemische Aufbereitung von Kunststoffabfällen, wie auch aus einem Bericht des Recyclingportals hervorgeht.
 
Quellen:

  • Kunststoffe (22.11.2024)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 48/2024 (26.11.2024)
  • Recyclingportal (27.11.2024)

15.11.2024 - 21.11.2024

COP 29: deutsch-britische Zusage „zur Unterstützung der industriellen Dekarboniniserung“

Die FAZ berichtet über ein neues deutsch-britisches Instrument zur Unterstützung grüner Industrien, das Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Die Grünen) während der Weltklimakonferenz in Baku vorgestellt habe. Dort sehe es bislang nicht nach einem Durchbruch für die Klimafinanzen in Entwicklungsländern aus, doch gebe es mit dem neuen Förderinstrument zumindest etwas frisches Geld. Laut Handelsblatt sagte EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra in Baku, die Chinesen könnten sich nicht mehr damit herausreden, dass sie ein Entwicklungsland seien, und vor allem China und die Golfstaaten müssten mehr gegen den Klimawandel tun.

 
Insgesamt 1,3 Milliarden Dollar sollen laut FAZ über ein neues Förderinstrument für den Aufbau klimaschonender, sogenannter grüner Industrien in ärmere Regionen der Welt fließen. Deutschland stelle 220 Millionen Dollar bereit, wie Habeck in Baku angekündigt habe. Die Mittel stammten aus dem schon beschlossenen Haushalt der Bundesregierung für 2024 und aus der internationalen Klimafinanzierung. Großbritannien beteilige sich mit 211 Millionen Dollar an dem neuen Programm, wird der britische Staatssekretär für Energiesicherheit, Ed Miliband, in der FAZ zitiert. Auch Kanada habe eine nicht genannte Summe zugesagt. Der deutsch-britische Vorstoß verstehe sich als Aufruf zum Handeln und solle zusätzliche Zusagen mobilisieren. An die deutsche Politik und Wirtschaft gerichtet, warne Habeck davor, die nationalen Klimaziele infrage zu stellen. Dies schade der deutschen und der europäischen Wertschöpfung, deren Zukunft eine klimaneutrale Produktion sei, so Habeck. Die vielen Absagen der wichtigsten Regierungschefs wolle EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra nicht als ein Nein zum Klimaschutz verstanden wissen, berichtet das Handelsblatt. Er hoffe auf konkrete Fortschritte bei der Konferenz und fordere mehr Ehrgeiz von China und den Golfstaaten. Um die globale Erwärmung zu begrenzen, brauche es mehr Antreiber als nur die 27 EU-Staaten, habe Hoekstra in Baku betont. Europa sei nur für sechs Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Die meisten CO2-Emissionen weltweit verursache China, gefolgt von den USA. Hoekstra betone, dass es keine Alternative zum Klimaschutz gebe. Die Klimaschäden kosteten die EU bereits jetzt 50 bis 100 Milliarden Euro pro Jahr, Tendenz steigend. Mit dem von der EU-Kommission angekündigten „Clean Industrial Deal“ sollten die Ziele Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit in Einklang gebracht und künftig mehr Rücksicht auf die Unternehmen bei der grünen Transformation genommen werden, wird Hoekstra im Handelsblatt zitiert.
 
Quellen:

  • Handelsblatt (15.11.2024)
  • FAZ (18.11.2024)
Studie vor UN-Plastikabkommen: Kunststoffabfälle ließen sich drastisch reduzieren

Laut Medienberichten veröffentlichten Wissenschaftler der Universität Berkeley (USA) vor Beginn der geplanten letzten Verhandlungsrunde zu einem globalen UN-Plastikabkommen in Busan Ende November eine Studie, laut der sich mit vier großen Maßnahmen falsch entsorgter Plastikmüll um 91 Prozent reduzieren ließe. Den größten Effekt habe demnach die Einführung einer weltweiten 40-prozentigen Recycling-Quoten.

 
Für eine der aufregendsten Entdeckungen der Forschungsarbeit, die in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht wurde, halte laut der Zeit Mitautor Douglas McCauley, dass es tatsächlich möglich sei, die Plastikverschmutzung mit dem geplanten Plastikabkommen nahezu zu beenden. Allein die Einführung einer 40-prozentigen Recyclingquote könne die Menge des falsch entsorgten Plastikmülls den Modellrechnungen zufolge mehr als halbieren. Aus den KI-gestützten Simulationen der Forschenden ergebe sich allerdings auch, dass ein Business-As-Usual die Menge schlecht gemanagter Kunststoffabfälle bis zum Jahr 2050 fast verdoppeln könne. Der Studie zufolge habe der globale Kunststoffverbrauch im Jahr 2020 insgesamt 547 Millionen Tonnen betragen, wovon 14 Prozent recycelt wurden, schreibt die Zeit. Wie in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) zu lesen ist, wäre es laut der Studie auch wichtig, die Erzeugung von neuem Kunststoff auf das Niveau von 2020 zu begrenzen, außerdem eine hohe Verpackungssteuer sowie Investition von weltweit 50 Milliarden US-Dollar in das Abfallmanagement. Fraglich sei allerdings, wie realistisch die Umsetzung der Maßnahmen und eine Einigung in Busan sei. So werde sich eine Reihe von Ländern wohl gegen eine Höchstmengenregelung stellen, schreibt die SZ. Auch die anderen Steuerungsinstrumente dürften heftig diskutiert werden, genauso wie die Frage, wer die Verbesserungen des Müllmanagements und Recyclings finanzieren soll.
 
Quellen:

  • Zeit, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau, Tagesspiegel (19.11.2024)
Kunststoffrecycling in Europa: Erstmals weniger Rezyklate aus mechanischem Recycling

Wie der Verband der europäischen Kunststofferzeuger Plastics Europe laut Medienberichten Anfang der Woche mitteilte, seien die Produktion von Kunststoffen und das Recycling von Kunststoffabfällen in Europa zurückgegangen. Gründe dafür seien der stark gestiegene Import des Vorprodukts Kunststoffharz und von Fertigprodukten aus Regionen mit weniger strengen Umweltstandards. Die europäische Industrie könne wegen hoher Energie- und Rohstoffpreise nicht mithalten.

 
Laut den von Plastics Europe im Bericht „Plastics – The Facts 2024“ präsentierten Zahlen sei die Menge des aus Abfällen recycelten Kunststoffs im Jahr 2023 um 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf insgesamt 7,1 Millionen Tonnen und damit erstmals überhaupt zurückgegangen. Die Menge an neu produziertem Kunststoff sei in diesem Zeitraum um 8,3 Prozent auf 54 Millionen Tonnen gesunken. Der Marktanteil der europäischen Hersteller habe sich damit auf zwölf Prozent reduziert, wird der Verband in Berichten von Tages- und Fachmedien zitiert. Den Daten zufolge sei Europa in absoluten Zahlen 2022 zum Nettoimporteur von Kunststoffharz und schon 2021 von Fertigprodukten aus Kunststoff geworden. Die europäischen Kunststofferzeuger sähen sich, wie der Großteil der gesamten europäischen Industrie, mit hohen Produktionskosten konfrontiert. Deren Ursachen seien „teure Energie- und Rohstoffpreise, eine überbordende Bürokratie und die begrenzte Verfügbarkeit von zirkulären Rohstoffen“. Plastics Europe warne, dass diese Entwicklung die Umstellung der Industrie in Europa auf die Kreislaufwirtschaft bei Kunststoffen gefährde. Europa laufe Gefahr, „seine Führungsrolle bei nachhaltigen Kunststoffinnovationen und die damit verbundenen wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile zu verlieren“, wird der Verband etwa im Schweizer Tages-Anzeiger zitiert. Mit 14,8 Prozent habe Europa weltweit zwar den höchsten Anteil an zirkulären Kunststoffen an der Gesamtproduktion. Der Trend habe sich seit 2022 aber verlangsamt. Plastics Europe fordere einen „wettbewerbsfähigen Rahmen“ für die Kunststoffindustrie – etwa verbindliche Ziele für den Rezyklatanteil oder die Anerkennung von Technologien wie dem chemischen Recycling sowie steuerliche und wirtschaftliche Maßnahmen. Die Flut billiger Kunststoffe aus dem Ausland setze eben nicht nur Erzeuger unter Druck, sondern auch Recycler, ist in einem Bericht des Onlinemagazins Telepolis zu lesen. Marco ten Bruggencate, Präsident von Plastics Europe und Dow Europa, Mittlerer Osten, Afrika, and Indien (EMEAI), warne etwa laut Euwid, dass sich Europa in eine wachsende Abhängigkeit von importierten Kunststoffen begebe, die nicht immer den EU-Standards entsprächen, während europäische Produktionsstätten bereits geschlossen würden. Die harte Realität sei, dass industrielle Aktivitäten und Investitionen in die zirkuläre Kunststoffproduktion aufgrund des schwierigen Investitionsklimas aus Europa abwanderten, wird ten Bruggencate bei Euwid zitiert.
 
Quellen:

  • tagesanzeiger.ch, Bayerischer Rundfunk, telepolis.de (18.11.2024)
  • neue-verpackung.de, euwid-recycling.de, recyclingmagazin.de, kunststoffe.de (19.11.2024)

08.11.2024 - 14.11.2024

NKWS noch im Dezember?

Wenn es nach Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Die Grünen) gehe, könne die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) der Bundesregierung trotz des Ampel-Aus noch in diesem Jahr verabschiedet werden, berichtet der Fachdienst Euwid. Die Strategie befinde sich in der finalen Ressortabstimmung und würde planmäßig im Dezember im Kabinett beraten. Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft e. V. sieht laut Recyclingmagazin in der jetzigen Situation die Chance für eine zügige Verabschiedung der NKWS.

 
Die Regierung sei handlungsfähig und das BMUV habe noch einiges vor, habe Lemke Anfang der Woche auf der Konferenz des Netzwerks Ressourceneffizienz in Berlin erklärt, schreibt Euwid. Die Kreislaufwirtschaft sei nicht nur im Kampf gegen Umweltbelastungen und für den Schutz der Natur von großer Bedeutung, sondern auch für die wirtschaftliche Entwicklung und für die Unabhängigkeit bei der Rohstoffbeschaffung, wird Lemke bei Euwid zitiert. Man dürfe bei diesem Thema keine Zeit verlieren, so Lemke, die Zeit dränge, damit Deutschland im globalen Wettlauf die Marktmodelle auf seiner Seite habe. BDE-Präsidentin Anja Siegesmund betonte laut Recyclingmagazin den Ernst der Lage. Wichtige Entscheidungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland müssten jetzt getroffen werden. Von der amtierenden Bundesregierung erwarte der BDE zügiges Handeln, die jetzige Koalition könne mit ihren beiden Partnern im Kabinett zügig die Verabschiedung der NKWS vollziehen. Eine Parlamentsabstimmung sei nicht nötig. Auch andere angestoßene Vorhaben wie etwa das Recyclinglabel oder der Digitale Produktpass sollten weitergeführt und zügig verabschiedet werden, fordere der BDE laut Recyclingmagazin.
 
Quellen:

  • Recyclingmagazin (7.11.2024)
  • euwid-recycling.de (13.11.2024)
Grüne Transformation der chemischen Industrie: „ein Ritt im Nebel“

Die schwache Nachfrage aus der Autoindustrie und der Bauwirtschaft sowie hohe Energiekosten machten der Chemischen Industrie zu schaffen, schreibt die FAZ. Fraglich sei, wie viel Produktion am Ende noch in Deutschland bleibe und die Transformation der Branche werde zu einem „Ritt im Nebel“. Dass die schlechten Standortbedingungen die Transformation beeinträchtigen, bestätigten aktuelle Studien, berichtet der CheManager.

 
Um bis 2045 klimaneutral zu produzieren, müsse die Chemische Industrie, die in Deutschland gut zweitausend Chemie- und Pharmabetriebe umfasse und knapp eine halbe Million Menschen beschäftige, ihre gesamten Prozesse erneuern, ist in der FAZ zu lesen. Aufgrund der schwachen Nachfrage aus den wichtigsten Kundenbranchen sei die Produktion hierzulande seit 2021 um mehr als ein Fünftel gesunken. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) gehe in aktuellen Prognosen davon aus, dass die Produktion von Basischemikalien in Deutschland bis 2045 jährlich um ein halbes Prozent schrumpfen und nur der Bereich Spezialchemikalien wachsen werde. Die Produktion basiere heute noch zu 85 Prozent auf fossilen Rohstoffen. Der fossile Anteil, schreibt die FAZ, dürfte laut Prognose der Dechema Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie bis zum Jahr 2050 auf sechs Prozent sinken. Ersetzt werden solle er durch recycelte Kunststoffe, Biomasse und vor allem durch Kohlendioxid, woraus etwa nach Einschätzung des Fraunhofer-Institutes für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik mit „wenigen chemischen oder elektrokatalytischen“ Produktionsschritten Basischemikalien und synthetische Kraftstoffe hergestellt werden könnten. Doch der Umbau werde viel Geld kosten und die Nachfrage nach grünem Strom, Wasserstoff und eben Kohlendioxid in die Höhe treiben, so die FAZ. Laut Bericht des CheManager fordere VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup auch angesichts aktueller Studienergebnisse wirtschaftliches Wachstum und Klimaschutz wieder in Einklang zu bringen. Wo sich der Abschwung zeige und wie die Branche wieder in den Zukunftsmodus komme, hat der Verband laut CheManager in zwei Studien aufarbeiten lassen: In einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) auf Basis einer Mitgliederbefragung sowie in einem Update der Szenarien der Klimaschutzplattform Chemistry4Climate, das vom VCI und vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) initiiert und von der Dechema durchgeführt worden sei. In dem Update sei untersucht worden, wie sich der Rückgang der Produktionsmengen auf die Transformationswege der Chemie auswirkt. Im Ergebnis sänken bei besonders erdgas- und energieintensiven Basischemikalien die Bedarfe der Branche für Strom und Wasserstoff. Der Ersatz fossiler Rohstoffe und die Prozesselektrifizierung blieben als technologische Hebel aber unverändert, wird Studienautor Alexis Bazzanella im CheManager zitiert. Laut Große Entrup sei mit dem Produktionsrückgang hierzulande dem Klima aber nicht geholfen, der Standort werde anfälliger für Lieferkettenprobleme. Die auf der Befragung von Industrieunternehmen beruhende Studie der BCG komme zu dem Ergebnis, dass es vier zentrale Hebel gebe, um den Standort wieder wettbewerbsfähig zu machen: Wirtschaft, Politik und Wissenschaft müssten vor allem die Themen „Innovationskraft stärken“, „Produktionsstandort aufwerten“, „Wertschöpfungsketten absichern“ und „Fachkräfteverfügbarkeit sicherstellen“ adressieren. Deutschland habe nach Ansicht der BCG-Experten das Potenzial, auch in Zukunft als führende Chemie- und Pharmanation erfolgreich zu sein. Der VCI fordere von der Politik jetzt mit Hochdruck eine umfangreiche und langfristige Innovations- und Wachstumsagenda.
 
Quellen:

  • CheManager (9.11.2024)
  • FAZ (11.11.2024)
Chemisches Recycling von Kunststoffabfällen

Euwid berichtet über eine vom Umweltbundesamt (UBA) Anfang November veröffentlichte Studie zum chemischen Kunststoffrecycling, die die Verfahren der Pyrolyse, Verölung und Gasifizierung hinsichtlich der Rezyklatausbeute, des Energieverbrauchs und der freigesetzten Treibhausgasemissionen vergleicht. Demnach könne das chemisches Kunststoffrecycling in entsprechenden Anlagen grundsätzlich einen positiven Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten. Im dritten Teil einer Artikelserie des CheManager zum Konzept „alternatives Naphtha“ erläutern die Autoren vom Nova-Institut, warum sie Pyrolyseöl aus dem chemischen Recycling von Kunststoffabfällen und Reifen als wichtigen Rohstoff für Raffinerien und Steamcracker betrachten.

 
Die Vergleichsstudie zu Verfahren des chemischen Kunststoffrecyclings wurde laut Euwid im Auftrag des UBA von Wissenschaftlern der RWTH Aachen und der Hochschule Merseburg erstellt. Die für die Vergleiche herangezogene Nutzenkorbmethode habe laut UBA klar gezeigt, dass die chemischen Recyclingverfahren dem mechanischen Recycling hinsichtlich des Energieverbrauchs und der freigesetzten Treibhausgasemissionen derzeit deutlich unterlegen seien. Hinsichtlich der energetischen Verwertung von Kunststoffabfällen in MVA und Ersatzbrennstoffkraftwerken zeigten die chemischen Recyclingwege der Studie zufolge dagegen deutliche Vorteile bezüglich der eingesparten Treibhausgasemissionen. Fazit der UBA-Studie sei, dass chemisches Kunststoffrecycling in technisch ausgereiften, energieintegrierten und optimierten Anlagen in Chemieparks oder an Raffineriestandorten nicht nur grundsätzlich einen positiven Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten könnten, sondern auch für die Ziele Treibhausgasneutralität und autarke Kohlenstoffbewirtschaftung unausweichlich sei, zitiert Euwid die Studienautoren.
 
Wie die Autoren Gillian Tweddle und Michael Carus vom Nova-Institut in ihrem Beitrag im CheManager betonen, könne durch Pyrolyse ein breites Spektrum von Kunststoffquellen verarbeitet werden: von Post-Industrial- und Post-Consumer-Kunststoffen und gemischten Abfällen (einschließlich Bioabfall), einschließlich mehrschichtiger Thermoplaste und Duroplaste, biobasierten Kunststoffen bis hin zu Altreifen, woraus eine sehr breite Palette von Produkten hergestellt werden könnten. Die Autoren erwarteten, dass die Pyrolyse eine wichtige Rolle bei der Erreichung der ehrgeizigen Recyclingziele der neuen EU-Gesetzgebung spielen und die Produktion von Pyrolyseöl aus Altkunststoffen und Reifen voraussichtlich stark unterstützt werde. Die geplanten hohen Recyclingquoten und der Lebensmittelkontakt seien anders auch nicht erreichbar, heißt es in dem Beitrag im CheManager. Die Pyrolyse biete große Vorteile insbesondere bei der Erfüllung der Qualitätsstandards, die für Verpackungsmaterialien in kontaktempfindlichen Anwendungen erforderlich seien, sagen Tweddle und Carus. Prozesse für eine Aufbereitung des Pyrolyseöls seien denen sehr ähnlich, die in einer konventionellen Raffinerie für fossile Brennstoffe durchgeführt werden. In Raffinerien mitbehandeltes Pyrolyseöl könne so etwa zu Propylen, einem wichtigen petrochemischen Grundstoff für die Herstellung von neuen Kunststoffen, weiterverarbeitet werden.
 
Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 46/2024 (12.11.2024)
  • Chemanager (13.11.2024)

18.10.2024 - 07.11.2024

Ups und Downs in der Industrie – VCI fordert nach Ampel-Aus schnelle Neuwahlen

In Tages-, Wochen- und Fachmedien finden sich Berichte über eine teils leicht verbesserte, teils weiterhin sehr angespannte Wirtschaftslage der Industrie. Nachdem die Bundesregierung am Mittwochabend das Aus der Ampelkoalition verkündet hat, drängt der Verband der Chemischen Industrie (VCI) laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters nun auf schnelle Neuwahlen und bessere Rahmenbedingungen.

 
Von einer guten Nachricht von BASF und einer schlechten Nachricht vom amerikanischen Konkurrenten Dow berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ). Die gute sei, dass BASF am Stammsitz in Ludwigshafen in die Erweiterung der Produktionskapazität um 50 000 Tonnen pro Jahr für Neopor, ein Ausgangsmaterial für Dämmstoffe für Gebäude, investiere. Konzernchef Markus Kamieth stehe zu Ludwigshafen als „ein starker Pfeiler“, zitiert ihn die SZ, Ludwigshafen werde für lange Zeit der größte und wichtigste Produktionsstandort der BASF bleiben. Revidiert habe BASF laut eines Berichts in der FAZ die Erwartungen an den Automobilbau: Man rechne mit einem Rückgang in der Pkw-Produktion von bis zu 2,5 Prozent weltweit. Die schwache Nachfrage bei den Autobauern mache sich laut Kamieth in der Chemie unmittelbar bemerkbar, ist in der FAZ zu lesen. Der US-Chemiekonzern Dow wolle dagegen laut seiner Quartalsmeldung einige seiner Geschäfte in Europa aufgrund der nur geringen Erholung der Nachfrage und der Regulierungspolitik auf den Prüfstand stellen, schreibt die SZ. Die Überprüfung von Vermögenswerten werde sich in erster Linie auf den Bereich Polyurethan konzentrieren und bis Mitte 2025 abgeschlossen sein, wird Dow-Chef Jim Fitterling in der SZ zitiert. In Deutschland betreffe dies Werke in Stade (Niedersachsen), Schkopau (Sachsen-Anhalt), Böhlen (Sachsen) und Ahlen (Nordrhein-Westfalen), berichtet die Zeit. Hohe Energiekosten, insbesondere hohe Stromkosten, machten der Industrie aktuell große Sorgen. Die Transformation gelinge nur mit mehr Wachstum, betont der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV), Dr. Oliver Möllenstädt, in einem Beitrag auf LinkedIn anlässlich eines Kongresses der CDU-CSU-Fraktion am 5. November 2024. Dort warben die beiden Parteien für ihre neue Energie-Agenda und skizzierten ihre Pläne für ein klimaneutrales Deutschland. Zentrale Punkte seien neben Effizienz und Technologieoffenheit eine „Kostenwende“, die als notwendig erachtet werde, um die Energiewende erfolgreich zu gestalten, berichtet Wallstreet Online. Die Union habe sich wohl auf einen Regierungswechsel vorbereitet, mutmaßt der Merkur. Nach dem Aus der deutschen Ampel-Koalition fordere der VCI schnelle Neuwahlen, meldet Reuters. Denn nur eine starke und tatkräftige Bundesregierung könne für bessere Rahmenbedingungen sorgen. Die anstehenden Aufgaben ließen sich nur mit einem soliden Haushalt und stabilen Staatsfinanzen bewältigen, wird VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup bei Reuters zitiert.
 
In großer Bedrängnis sehe sich auch die Recyclingindustrie in Europa, berichtet Kunststoffe. Plastics Recyclers Europe (PRE), der Verband der europäischen Recyclingindustrie, beklage die sinkende Nachfrage nach in Europa produzierten Rezyklaten, den Rückgang der Investitionen in inländische Recyclingkapazitäten sowie einen Anstieg der Importe von Rezyklaten aus Nicht-EU-Ländern.
 
Quellen:

  • Süddeutsche Zeitung (24.10., 4.11.2024)
  • Kunststoffe (27.10.2024)
  • Zeit, Merkur (5.11.2024)
  • LinkedIn (6.11.2024)
  • Wallstreet Online (7.11.2024)
BDE: „Beitrag von Rezyklaten zum Klimaschutz stärker in den Blick nehmen“

Zum Beginn des nächsten UN-Klimagipfels in der kommenden Woche in Baku in Aserbaidschan fordert der BDE-Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft laut Berichten der Fachpresse, den Klimaschutzbeitrag von Rezyklaten auf der Weltklimakonferenz stärker in den Blick zu nehmen.

 
Die UN-Staaten lägen mit ihren nationalen Klimaplänen weit entfernt von einem Pfad, der sie zu einer Begrenzung des Klimawandels auf 1,5 Grad führe, wird BDE-Präsidentin Anja Siegesmund in den Berichten zitiert. Ohne eine funktionierende Kreislaufwirtschaft werde man die Klimaziele nicht erreichen, so Siegesmund. Deshalb sollten in Baku Wege zum zirkulären Wirtschaften ausgelotet werden. Nachdem die Kreislaufwirtschaft beim letzten UN-Klimagipfel in Dubai („COP 28“) 2023 in der Abschlusserklärung erstmals verankert worden sei, müsse es nun darum gehen, die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft für den internationalen Klimaschutz in konkreten Maßnahmen abzubilden. Das Thema Kreislaufwirtschaft und die damit verbundenen Klimaschutzpotenziale dürften bei keiner Klimakonferenz mehr fehlen, habe Siegesmund betont.
 
Quellen:

  • recyclingmagazin.de (4.11.2024)
  • recyclingportal.eu, Euwid Recycling und Entsorgung 45/2024 (5.11.2024)
Chemisches Recycling: „Technologiemix für komplexe Kunststoffabfälle“

Im CheManager erläutert Dr. Alexander Kronimus, kommissarischer Hauptgeschäftsführer des Verbands der Kunststofferzeuger Plastics Europe Deutschland in einem Autorenbeitrag, wie durch eine Kombination aus mechanischen und chemischen Recyclingverfahren aus komplexen Kunststoffabfällen Rohstoffe zurückgewonnen und recycelt werden können. Die FAZ berichtet über ein an der Technischen Universität Darmstadt entwickeltes Plasmaverfahren, das Kunststoffabfälle zu Wasserstoff und Kohlenstoffnanomaterialien zerlege und weniger Energie brauche als die Pyrolyse.

 
Beim Recycling von Kunststoffabfällen müsse, je mehr in die Polymerstruktur eingegriffen werde, desto mehr Energie aufgewendet werden. Deshalb laute die einfache Faustregel, dass alles, was technisch und ökonomisch sinnvoll mechanisch zu recyceln sei, auch mechanisch recycelt werden sollte, erklärt Kronimus im Beitrag im CheManager. Zusätzlich zu den mechanischen Verfahren stünden vor allem für stark gemischte oder verunreinigte Kunststoffabfälle oder zur Gewinnung hochwertiger Rezyklate etwa für Lebensmittelverpackungen perspektivisch eine ganze Bandbreite an weiteren chemischen und lösungsmittelbasierten Recyclingverfahren zur Verfügung, so Kronimus. Durch komplementär eingesetzte Recyclingverfahren solle also in die Polymerstruktur der Abfälle so viel wie nötig und zugleich so wenig wie möglich eingegriffen werden. Investitionen in chemisches Recycling sollten nach Ansicht von Kronimus in der Regel Hand in Hand mit Investitionen in mechanisches Recycling gehen. Denn mechanisches Recycling sei die ressourceneffizienteste Methode, um Kunststoffabfälle zu recyceln.
 
Wissenschaftler der TU-Darmstadt um die Materialwissenschaftlerin Anke Weidenkaff haben laut FAZ ihr neu entwickeltes und in der Fachzeitschrift „Angewandte Chemie“ vorgestelltes Plasmaverfahren an Verpackungen aus PP, PE, LDPE, PS und PET-Getränkeflaschen untersucht. In dem Verfahren entstünden Gasgemische aus etwa 60 Prozent Wasserstoff, rund zehn Prozent Ethylen und geringen Anteilen von Gasen wie Ethan und Methan sowie Kohlenstoffnanoröhren als Feststoff. Die Ausbeute an Wasserstoff hätten sie in ihren Tests durch den Einsatz von Katalysatoren wie Eisen, Nickel oder Cobalt weiter gesteigert. Das Verfahren funktioniere auch mit Mischungen unterschiedlicher Kunststoffsorten, und die Abfälle müssten dafür weder sortiert noch vorbehandelt werden, ist im Bericht der FAZ zu lesen.
 
Quellen:

  • Chemanager 10/2024
  • FAZ (29.10.2024)
KI-gestützte Verpackungsentwicklung

Der KI-Anwendungshub Kunststoffverpackungen zur nachhaltigen Verpackungsentwicklung durch den Einsatz künstlicher Intelligenz, bestehend aus den beiden Innovationslaboren KIOptiPack zur KI-basierten Optimierung von Kunststoffverpackungen mit Rezyklatanteil und K3I-Cycling (Kreislaufschließung), präsentierte laut Berichten der Fachpresse seit Anfang November in einer deutschlandweiten Aktion an vier verschiedenen Standorten Ergebnisse seiner vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungs- und Entwicklungsarbeit.

 
In Aachen (6.11.2024), Darmstadt (4. bis 7.11.2024) und Nürnberg (6.11.2024) stellten Experten der mehr als 51 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft laut den Berichten unter anderem eine innovative Software zur Verpackungsentwicklung sowie IT-Modelle für die Verknüpfung multipler Akteure der Kunststoffverpackungsindustrie in einem virtuellen Datenraum vor. Die im Rahmen des Innovationslabors KIOptiPack entwickelte branchenübergreifende Software zur Verpackungsentwicklung könne eine ganze Reihe von Anforderungen an eine Kunststoffverpackung berücksichtigen und mit Hilfe von mathematischen Modellen und KI-basierter Methoden zu einer Gesamtschau vereinen, so die Experten. Gefüttert mit möglichst umfassenden Daten schlage die Software dann bestmögliche Verpackungsdesigns für ein bestimmtes Produkt bei gleichzeitigem minimalem Materialaufwand vor. Aktuell fügten führende Akteure aus allen Bereichen der Verpackungswirtschaft bestehende Software-Bausteine zusammen, die verschiedenste Faktoren berücksichtigten, wie beispielsweise die Haltbarkeit des zu verpackenden Produktes, die Ökobilanz einer Verpackung, deren Auswirkungen auf die Umwelt, den Einsatz von Rezyklaten sowie die Konsumentenakzeptanz. Damit werde es den Unternehmen erstmalig ermöglicht, ohne aufwendige Testphasen zu einer optimalen Verpackungslösung im Sinne der Nachhaltigkeit zu kommen. Beim letzten Termin der Präsentationsreihe am 12. November in Dresden wollen die Partner des Innovationslabors KIOptiPack am Beispiel der Herstellung von Kunststoffbechern die Bandbreite der aktuellen Forschung zur Verpackungsentwicklung aus Kunststoffrezyklaten demonstrieren, berichtet das Magazin Neue Verpackung.
 
Quellen:

  • Chemanager 10/2024
  • FAZ (29.10.2024)

11.10.2024 - 17.10.2024

UN-Kunststoffabkommen: EU-Minister ringen um Einigung

Anfang der Woche trafen die EU-Umweltminister laut Euractiv zusammen, um das finale Verhandlungstreffen Ende November in Busan vorzubereiten. Um sich dort endgültig über ein rechtsverbindliches Instrument zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung einig zu werden, sollte nun eine flexible Verhandlungsposition gefunden werden. Die Einigung über das Abkommen in Busan vor allem mit einer kleinen Gruppe von Nicht-EU-Ländern sei allerdings fraglich. Die Diskussionen in den UN-Arbeitsgruppen über das Verfahren und den Geltungsbereich des künftigen Abkommens verliefen bislang sehr kontrovers. Welche politischen Voraussetzungen das Problem der Plastikverschmutzung bis 2040 nahezu lösen könnten, hat laut Euwid die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) analysiert.

 
Das von der EU angetriebene ehrgeizige globale Kunststoffabkommen, das den gesamten Lebenszyklus von Kunststoffen abdecken soll, sehe sich weiterhin starkem Widerstand von Ländern außerhalb der EU ausgesetzt, berichtet Euractiv. Um in Busan eine Einigung zu erzielen, müsse die EU womöglich von ihren Zielen abrücken, wonach der künftige Vertrag die Polymerproduktion, bedenkliche Chemikalien, problematische und vermeidbare Kunststoffe sowie Regeln und Richtlinien für die Gestaltung und Abfallentsorgung abdecken solle. In Europa gehe es bei dem Abkommen nicht nur um die Bekämpfung der Plastikverschmutzung, sondern auch um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, schreibt Euractiv. Dabei seien harmonisierte Mechanismen eine Möglichkeit, für mehr Chancengleichheit zu sorgen, habe Plastics Europe, der Wirtschaftsverband der europäischen Kunststoffhersteller, gegenüber Euractiv erklärt. Gleichzeitig betone der Verband, dass die Umsetzung allgemein gültiger globaler Standards zum Erhalt europäischer Industriestandorte beitragen und die Abhängigkeit von „Kunststoffimporten, die nicht unbedingt den EU-Nachhaltigkeitsstandards entsprechen“, reduzieren könne.
 
Ein neuer Report der OECD, der im Vorfeld und in Vorbereitung für die Gespräche über das globale Plastikabkommen erarbeitet worden sei, komme zu dem Schluss, dass der Eintrag von Kunststoffabfällen in die Umwelt bis 2040 um mehr als 95 Prozent reduziert werden könne, berichtet Euwid. Dazu müssten nach Ansicht der Autoren umfassende politische Instrumente eingeführt werden, die den gesamten Lebenszyklus von Kunststoffen auf globaler Ebene mit einbeziehen. Beispiele seien Kunststoff- und Verpackungssteuern, Ökodesign-Kriterien und Produktstandards, Verbote verschiedener Einwegkunststoffe sowie Systeme der erweiterten Herstellerverantwortung. Solche Maßnahmen müssten konsequent umgesetzt werden und vom Abfallmanagement über das Recycling bis hin zu einer Reduzierung der Produktion und Nutzung von Kunststoffen reichen. Gesetzliche Maßnahmen, die sich auf einzelne Länder und Regionen beschränkten oder die nur eingeschränkt implementiert und durchgesetzt würden, hielten die Autoren für nicht ausreichend, um die Umweltverschmutzung durch Kunststoffabfälle effektiv zu bekämpfen.
 
Quellen:

  • Euractiv (14.10.2024)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 42/2024 (15.10.2024)
PPWR: viel diskutiert - auch auf der Fachpack 2024

Die kurz vor der finalen Abstimmung stehende EU-Verpackungsverordnung (PPWR) sorge für gemischte Gefühle unter Herstellern von Kunststoffverpackungen, fasst der Fachdienst Euwid seine Gespräche mit Herstellern von Folien und flexiblen Kunststoffverpackungen während der Fachpack in Nürnberg Ende September zusammen. Kunststoff Information (KI) berichtet gar von Katerstimmung, der auf der Messe aufgrund der Belastung der Unternehmen durch die schwächelnde Konjunktur und den „regulatorischen Tsunami“ der PPWR geherrscht habe.

 
Ein Pluspunkt der PPWR sei nach Ansicht der Verpackungshersteller, mit denen Euwid in Nürnberg gesprochen habe, dass es sich um einen europaweit einheitlichen Ansatz handele und dass die Nutzung von recyclingfähigen Kunststoffverpackungen vorgeschrieben werde. Dadurch erhofften sich die Unternehmen eine gute Nachfrage nach Monomateriallösungen, die in vielen Fällen schon entwickelt seien und in der Praxis umgesetzt werden könnten. Kritisch sähen sie dagegen die geplanten Rezyklateinsatzquoten, insbesondere für Lebensmittelverpackungen. Im Bereich der Sekundärverpackungen und technischen Folien sei der Einsatz von Rezyklaten bereits möglich und üblich, so die Hersteller. Bei Verpackungen in kontaktsensiblen Anwendungen wie für Lebensmittel hofften viele darauf, dass die Vorgabe von zehn Prozent Recyclingmaterial ab 2030 noch abgesenkt werde. Ein Teil der Unternehmen befürworte dagegen die Einführung eines Zertifikatehandels, da geeignetes Material derzeit nicht vorhanden sei. Für Material aus dem chemischen Recycling fehle bisher die Anerkennung der EU, so dass in Europa noch nicht die benötigten Kapazitäten aufgebaut worden seien. Auf wenig Verständnis unter den von Euwid befragten Unternehmen stießen die geplanten Verbote von Transportverpackungen wie etwa Einweg-Stretchfolien für Paletten und Shrinkfolien für Multipacks.
 
Die schwächelnde Konjunktur belaste die Hersteller von Folien und Verpackungen aus Kunststoff spürbar, schreibt KI. Hinzu komme der wachsende Druck durch die regulatorischen Vorgaben vor allem der PPWR. Die Stimmung bei den Ausstellern und Besuchern der Messe beschreibt der Branchendienst als zweigeteilt: Während die Hersteller von Lebensmittel- und Pharmaverpackungen noch verhalten positiv über ihre aktuelle Auftragslage berichtet hätten, zeichne sich bei den Anbietern von Industrieverpackungen ein düsteres Bild ab. Insbesondere die Nachfrage aus der Automobil- und Chemiebranche sei derzeit schwach. Zu den während der Fackpack diskutierten Verpackungsfragen zählten laut KI vor allem die Anforderungen der PPWR – und darunter insbesondere die geplanten Reyzklateinsatzquoten. Auch KI berichtet von der Sorge der Unternehmen, die Quoten aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit von Rezyklaten, vor allem im Bereich Lebensmittelverpackungen, nicht erfüllen zu können.
 
Quellen:

  • Kunststoff Information (11.10.2024)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 42/2024 (15.10.2024)
BDE-Präsidentin Anja Siegesmund für NKWS noch in dieser Legislatur

Im Interview mit der taz zeigt sich die Präsidentin des BDE Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft, Anja Siegesmund, zuversichtlich, dass die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) noch in dieser Legislatur kommt, und betont die Bedeutung der finanziellen Unterfütterung der Strategie durch die Bundesregierung.

 
Neue Technologien und Investitionen müssten entfesselt werden, um wirtschaftlich stark zu bleiben, antwortet Siegesmund weiter auf die Frage der taz, ob es für die Entsorgungsbranche tragisch wäre, wenn die im Finanzministerium festhängende NKWS in dieser Legislatur nicht käme. Die Diskussion der Herausforderungen begrenzter Ressourcen und unterbrochener Rohstofflieferketten im wirtschaftlich starken und krisenerprobten Deutschland werde viel zu zurückhaltend geführt, so Siegesmund. Es brauche eine intensiv geführte Debatte zu der Frage, wie die Wettbewerbsfähigkeit in der Bundesrepublik gestärkt und zugleich die Themen Ressourcenverbrauch und Rohstoffsicherung von der Produktionsweise entkoppelt werden könnten. Angesichts der Klimakrise und der globalen politischen Entwicklungen sei es auch in der Bauindustrie, nach deren Widerstand gegen die NKWS sich die taz erkundigt, ratsam, stärker in Kreisläufen zu denken. Zielkonflikte zwischen Gewässer- und Bodenschutz und Kreislaufwirtschaft seien in diesem Sektor durch gute Technik und kluge Vorgaben lösbar beziehungsweise längst gelöst. Viel wichtiger sei die Frage, ob die NKWS auch ausfinanziert werde. Auf die Frage der taz, ob die NKWS nicht ein weiteres geduldiges Papier sei, antwortet Siegesmund, dass die Strategie für den Hochlauf der Kreislaufwirtschaft, der eben ein Marathon sei, Hebel benenne, die direkt im Anschluss in Gesetze, Verordnungen, Förderrichtlinien gegossen werden müssten - und das in direkter Verzahnung mit europäischem Recht.
 
Quelle:

  • taz (15.10.2024)

27.09.2024 - 10.10.2024

Covestro einigt sich mit Adnoc

Ein öffentliches Angebot des staatseigenen Ölkonzerns der Vereinigten Arabischen Emirate, Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc), zur Übernahme des Leverkusener Kunststoffkonzerns Covestro wurde von Tages-, Wochen- und Fachmedien aufgegriffen. Den Berichten zufolge will der Ölriese Adnoc bis zu 16 Milliarden Euro investieren, um Covestro, die ehemalige Kunststofftochter von Bayer, zu kaufen. Laut einer zwischen den beiden Unternehmen getroffenen Investitionsvereinbarung habe sich Adnoc dazu verpflichtet, bei Covestro bis 2028 keine wesentlichen Änderungen vorzunehmen. Auch der Vorstand solle im Amt bleiben und der Vorstandsvorsitzende, Dr. Markus Steilemann, das Unternehmen weiter führen.

 

Einvernehmen und genaue Absprachen stünden bei dem Deal im Vordergrund, dem noch die Bundesregierung und die Aktionäre zustimmen müssten, berichtet etwa die Tagesschau. Die Übernahme durch Adnoc sei genau der richtige Schritt, um Covestro nicht nur auf Wachstumskurs zu halten, sondern auf die Überholspur zu bringen, wird Covestro-Chef Steilemann dort zitiert. Laut Manager Magazin habe Steilemann gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärt, dass gemäß der Absprache mit Andoc zudem Betriebsvereinbarungen, Tarifverträge und die Rechte der Betriebsräte bestehen blieben. Die Kultur und Unternehmenswerte seien nicht verhandelbar gewesen. Auch die Strategie sei „eins zu eins reinverhandelt“, wird Steilemann in einem Bericht von ZDFheute zitiert. Bis Ende 2032 seien durch die Vereinbarung die weltweit 17.500 Beschäftigten bei Covestro vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt, damit auch die knapp 7.000 Arbeitsplätze in Deutschland bis dahin gesichert, ist in dem Online-Bericht des ZDF zu lesen. Den Emiratis, die mit der Übernahme von Covestro eines der weltweit führenden fünf größten Chemieunternehmen werden und sich ein noch stärkeres Fundament für nachhaltiges Wachstum in hochattraktiven Branchen sichern wollten, sei nach mehr als einem Jahr Verhandlungen mit der Vereinbarung nun ein geschickter Schachzug gelungen, heißt es dort weiter. Dank des Covestro Know-hows habe Adnoc bald Zugang zu fortschrittlicheren Materialien, die in Elektrofahrzeugen, Wärmedämmungen, Klebstoffen und technischen Kunststoffen eingesetzt werden. Adnoc habe weiterhin die volle Unterstützung für die „Sustainable Future“-Strategie von Covestro zugesichert, ist in einem Bericht der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) zu lesen. Laut Steilemann werde der Deal Covestro bei der Beschleunigung der Wachstumsstrategie und möglichen Zukäufen helfen, schreibt das Handelsblatt. Im Interview mit dem Medium sagt Steilemann, dass es für den deutschen Standort ein gutes Zeichen sei, dass ein ausländisches Unternehmen eine solche Direktinvestition tätige. Man habe mit Adnoc nun einen finanzstarken und langfristig orientierten Partner an der Seite. Das Fundament, auf dem die nachhaltige Strategie von Covestro umgesetzt werden könne, sei jetzt viel größer, erklärt Steilemann im Handelsblatt. Laut dem Fachmagazin Kunststoffe, das aus einer Covestro-Pressemitteilung zur Übernahme zitiert, zeige sich die Covestro-Führung überzeugt, dass die getroffene Vereinbarung mit Adnoc im besten Interesse des Unternehmens, der Mitarbeitenden, der Aktionäre und aller weiteren Stakeholder sei.
 
Quellen:

  • zdf.de, FAZ, NZZ, SZ, Manager Magazin (1.10.2024)
  • tagesschau.de, Handelsblatt, Kunststoffe (2.10.2024)
Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie in der Diskussion

Laut Berichten von Fachmedien wird die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) der Bundesregierung, die noch in diesem Jahr vom Bundeskabinett verabschiedet werden soll, von Politik und Wirtschaft weiterhin intensiv diskutiert. Zur Debatte stünden insbesondere das im Entwurf der NKWS verankerte Ziel zur Halbierung des Rohstoffverbrauchs sowie die Rezyklateinsatzquoten auf EU-Ebene, wie Bettina Hoffmann (Grüne), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium (BMU), auf einer Veranstaltung des BDE-Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft in Berlin in einem Bericht zum aktuellen Stand laut Euwid erklärt habe.

 

Das BMU habe laut Hoffmann zu dem im Juni vorgelegten Strategieentwurf mehr als 200 Stellungnahmen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und den Ländern erhalten, berichtet Euwid. Diese würden nun bei der weiteren Ausarbeitung der Strategie berücksichtigt, so Hoffmann auf einem Parlamentarischen Abend des BDE. Außerdem liefen im Ressortkreis verschiedene Fachgespräche. In einer Paneldiskussion während des Parlamentarischen Abends mit den Bundestagsabgeordneten Judith Skudelny (FDP), Björn Simon (CDU/CSU), Michael Thews (SPD) und Jürgen Kretz (Bündnis 90/Die Grünen) zusammen mit den Wirtschaftsvertretern Dr. Claas Oehlmann (Circular Economy Initiative des BDI) sowie BDE-Vize Herwart Wilms unter der Moderation von BDE-Präsidentin Anja Siegesmund, habe Oehlmann, Leiter der BDI-Initiative „Circular Economy“, die allgemeine Zielmarke zur Reduzierung des Rohstoffverbrauchs als passenden Indikator für Kreislaufwirtschaft an sich in Frage gestellt, berichtet der Fachdienst weiter. Eine solche rein gewichtsbasierte Angabe sage laut Oehlmann zum Beispiel nichts über für die Wirtschaft relevante Materialien wie Technologiemetalle oder Kunststoffe aus. Die angestrebte Verdopplung des Rezyklateinsatzes halte Oehlmann dagegen für eine „richtig gute Zielmarke“. Grundsätzlich sei es auch wichtig, dass es bei der NKWS nun endlich vorangehe, habe der BDI-Vertreter betont. Für Rezyklatmindesteinsatzquoten habe sich auch BDE-Präsidentin Anja Siegesmund laut eines Berichts im Recyclingportal in ihrer Eröffnungsrede des Abends in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin ausgesprochen. Sie habe dort betont, dass eine kluge Regulatorik Märkte schaffe, und für eine zukunftssichere Rohstoffversorgung sowie mehr Klimaschutz klare politische Rahmenbedingungen und ein verbesserter Gesetzesvollzug vonnöten seien.
 
An anderer Stelle berichtet Euwid über einen Antrag zur NKWS, den die CDU/CSU-Fraktion in den Bundestag eingebracht habe und der nun nach kurzer Diskussion im Plenum zur Beratung in die Ausschüsse verwiesen worden sei. Die NKWS müsse auf „Wettbewerb, Kosten- und Ressourceneffizienz, Technologie und Materialoffenheit und zielgerichtete Innovationen“ ausgerichtet sein, heiße es in dem insgesamt 13 Punkte umfassenden Forderungskatalog der Fraktion. Hinsichtlich der geplanten Rezyklateinsatzquoten drängten CDU und CSU darin auf eine Prüfung der Marktauswirkungen. Zudem fordere die Fraktion, dass ein Zertifikatehandel für Rezyklate geprüft sowie transparente Nachweissysteme etabliert werden sollten. Auch die derzeit wieder zur Diskussion stehende Reform der ökologischen Lizenzentgelte im Verpackungsgesetz müsse aus Sicht der CDU/CSU-Abgeordneten unverzüglich umgesetzt werden, um Fehlsteuerungen zu vermeiden und Anreize für ein umweltfreundliches Verpackungsdesign zu schaffen. Beim umstrittenen Thema „Chemisches Recycling“ sollten aus Sicht von CDU und CSU die Verfahren als Ergänzung zum mechanischen Recycling insbesondere bei Abfallströmen zum Einsatz kommen, die sich mechanisch nicht effizient recyceln lassen. Die NKWS solle etwa bei der Skalierbarkeit der Prozesse unterstützen und klare Investitionsregelungen für Unternehmen festlegen. Auch müssten für das chemische Recycling transparente und überprüfbare Standards geschaffen werden, fordere die CDU/CSU-Fraktion.
 
Quellen:

  • recyclingportal.eu (27.9.2024)
  • zwei Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 40/2024 (1.10.2024)