2023 Archiv Quartal 4

08.12.2023 - 14.12.2023

„Aufstand gegen den Green Deal“

So titelt die Welt am Sonntag (Wams), die über wachsende Widerstände von Wirtschaftsverbänden und Unternehmen sowie aus der Politik gegen das wichtigste Projekt der deutschen EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen (CDU), den Green Deal, berichtet. Im Zuge dessen sei seit 2019 ein Klimagesetz nach dem anderen verabschiedet worden. Verbände und Unternehmen warnten nun vor noch mehr Bürokratie und höheren Kosten. Auch der französische Präsident Emmanuel Macron habe kürzlich „eine regulatorische Pause“ gefordert. Widerstand, Diskussionen und viele offene Fragen gibt es laut Berichten der Tages- und Fachpresse auch zu der geplanten EU-Verpackungsverordnung sowie Kritik an einem Vorschlag der EU-Kommission zur Vermeidung von Pelletverlusten.

 

Im Zentrum des Widerstands gegen den Green Deal stehe die Frage nach der Balance, nach Maß und Mitte, ist in der Wams zu lesen. Viele sähen durch die zahlreichen Regelungen, die auf den Umbau der Wirtschaft weg von Öl, Gas und Kohle und den Schutz von Natur und Umwelt zielten, die Wettbewerbsfähigkeit der Staatengemeinschaft in Gefahr. Nicht nur Weltkonzerne, Mittelständler und Landwirte klagten über zu viele Öko-Regeln aus Brüssel. Auch EU-Abgeordnete und nationale Regierungen wendeten sich vom Green Deal ab, stellten sich zusehends an die Seite der Wirtschaft, schreibt die Wams. Den Europäern werde mit der aktuellen Flut an Gesetzen zu viel zugemutet, wird der Klimaexperte Götz Reichert von der Denkfabrik Centrum für Europäische Politik (CEP) in der Wams zitiert. Die Wirtschaft sei ohnehin schon unter Druck, nicht zuletzt wegen des Kriegs in der Ukraine und der hohen Energiepreise. Und nun kämen all die Umweltgesetze aus Brüssel hinzu, sage Reichert. Nach all den Jahren des Regulierens herrsche auch eine gewisse Ermüdung. Reichert denke wie Macron, dass eine kurze Atempause Europa gut täte.

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet, zählten zu den kontroversesten Themen der EU-Verpackungsverordnung, die Anfang kommender Woche auf der Agenda des EU-Rates stehe, die geplanten Mehrwegpflichten. Umstritten sei vor allem die Frage nach dem ökologischen Mehrwert im Vergleich zu Einwegverpackungen. Die für die EU-Verpackungsverordnung geplanten Mehrwegvorgaben sowie Regelungen, die in einem von Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) vorgelegten Entwurf für ein „Gesetz für weniger Verpackungsmüll“ für Deutschland vorgesehen seien, würden auch deshalb von der Wirtschaft, der CDU/CSU- sowie FDP-Bundestagsfraktion kritisiert. Lemke habe sich zudem bislang nicht mit ihren Ressortkollegen auf eine Position für die Verhandlungen über die EU-Verpackungsverordnung im EU-Rat einigen können, schreibt die FAZ. Darüber hinaus sei für Montag kommender Woche geplant, einen diesbezüglichen neuen Vorschlag der spanischen Ratspräsidentschaft zu diskutieren. Daran sei jedoch schon im Vorfeld deutliche Kritik laut geworden, etwa von der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen. So enthielten etwa die Mehrwegvorgaben und Verbote im Vorschlag der spanischen Ratspräsidentschaft viele Schlupflöcher, die dem Ziel einer Verpackungsreduktion durch Mehrweg und weniger unnötige Verpackungen eindeutig widersprächen, wird die Kritik von IK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Engelmann wiedergegeben. Weitere umstrittene Themen beträfen Sonderregeln für Verpackungsmaterialien aus Kunststoff und die Mindestquoten für den Einsatz von Rezyklaten. Hierzu fordere die Kunststoffindustrie mithilfe eines Gutschriftensystems Flexibilität zu schaffen, berichtet die FAZ. Kritik gab es auch zu einem weiteren Vorschlag der Europäischen Kommission für eine Verordnung im Rahmen des Green Deals zur Vermeidung der Freisetzung von Kunststoffgranulat, der verschiedene Regelungen für den Umgang mit Kunststoffgranulat, dem Ausgangsmaterial für die Herstellung vieler Kunststoffprodukte enthalte. Dazu habe sich die Präsidentin des GKV Gesamtverband der Kunststoffverarbeitenden Industrie (GKV) laut einem Bericht in Plasticker kürzlich sehr kritisch geäußert und darauf verwiesen, dass viele Unternehmen der Kunststoff verarbeitenden Industrie in den vergangenen Jahren freiwillige Maßnahmen ergriffen hätten, um die unbeabsichtigte Freisetzung von Kunststoffgranulaten zu vermindern oder gänzlich zu unterbinden. Neben Zweifeln an der Belastbarkeit der Daten, auf die sich der Verordnungsentwurf der Europäischen Kommission beziehe, moniere Fürst, dass von Granulatverlusten der Kunststoff verarbeitenden Industrie aktuell keine erkennbare Umweltgefährdung ausgehe und „für zusätzliches Mikromanagement und Bürokratie um ihrer selbst willen in Zeiten der Rezession kein Spielraum“ sei.

Quellen:

  • Welt am Sonntag (10.12.2023), Plasticker (11.12.2023)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 50/2023, newsroom.kunststoffverpackungen.de (12.12.2023)
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung (14.12.2023)
Chemisches Recycling im Fokus

„Chemisches Recycling: Gamechanger für Kunststoffe?“ titelt die aktuelle Ausgabe des Fachmagazins ENTSORGA, die sich in mehreren Beiträgen und zwei Interviews mit den Perspektiven, Verfahren, Rahmenbedingungen, offenen Fragen sowie dem Stand der Technologie befasst. Die Verfasser eines gemeinsamen Berichts des Biopolymerherstellers Beyond Plastic und der europäischen NGO-Dachorganisation IPEN (International Pollutants Elimination Network) sehen im chemischen Recycling laut eines Beitrags im Recyclingmagazin „keine Lösung des Kunststoffproblems“.

 

Die Industrie betrachte das chemische Recycling als den missing link in der Verwertung von Kunststoffabfällen, ist im Titelbericht der ENTSORGA zu lesen. Auf Technologien wie der Pyrolyse, der Vergasung oder der Verölung ruhe die Hoffnung, aus einem „Problemstoff“ einen Kohlenstoffrohstoff zu generieren, der eine klimaneutrale Wertschöpfung ermögliche. Die Industrie versichere, dafür nur die nicht mechanisch recycelbaren Kunststoffabfälle einsetzen zu wollen. Doch trotz eines gemeinsamen Leitbildes zur Schließung von Kunststoffkreisläufen, das die Verbände VCI, BDE und Plastics Europe Ende August 2023 vorstellten, blieben Kunststoffrecycler skeptisch, ob die chemische Industrie ihnen nicht doch das Inputmaterial streitig machen werde. Nicht recycelbare Mischkunststoffe rein, Pyrolyseölraus – so einfach sei das in der Realität nicht, schreibt ENTSORGA. Ohne eine vorherige Sortierung und Aufbereitung funktioniere auch das chemische Recycling nicht. Seine Notwendigkeit für eine zirkuläre Kunststoffindustrie sei zudem unter Fachleuten umstritten. Die große Frage sei auch, wie der Rezyklatanteil neuer Kunststoffe aus dem chemischen Recycling zukünftig bestimmt werden soll. Die chemische Industrie werbe diesbezüglich dafür, das Massenbilanzverfahren gesetzlich anzuerkennen, Kritiker befürchteten Greenwashing. In einem Interview in ENTSORGA antwortet Tara Nitz, Circular Economy Manager beim Chemiekonzern Covestro, auf die Frage nach geeigneten Rahmenbedingungen für Investitionen in das chemische Recycling in Deutschland und Europa, dass die Industrie Recycling- und Rezyklateinsatzquoten für ganz entscheidend halte. Nitz verweist diesbezüglich auch auf das gemeinsame Leitbild von BDE, PED und VCI und die darin enthaltene Forderung, die Verwertungsquote beim mechanischen Recycling auf 75 Prozent zu erhöhen sowie eine separate Quote für das chemische Recycling von 10 Prozent einzuführen. Zu den Potenzialen des chemischen Recyclings sagt Dr. Alexander Hofmann, Head of Department Advanced Carbon Conversion Technologies bei Fraunhofer UMSICHT, in einem weiteren Interview in ENTSORGA, dass es im Bereich der Kunststoffabfälle, die mechanisch nicht recycelt werden können, mit über 50 Prozent ein beträchtliches Potenzial gebe. Die Pyrolyse hält Hofmann für eine Option, die besonders für stark vermischte oder schwer zu trennende Materialien in Frage komme. Einen wesentlichen Vorteil der chemischen Verfahren sieht Hofmann darin, dass durch sie Produkte in Neuware-Qualität immer wieder hergestellt werden könnten, was mit mechanischen Recyclingverfahren nur begrenzt möglich sei. Das stelle eine attraktive Perspektive dar und eröffne Anwendungsmöglichkeiten, die besonders für lebensmittelbezogene oder hygienische medizinische Produkte relevant seien.

Zu den Stimmen, die die Verfahren des chemischen Recyclings erheblich kritischer sähen, gehören laut Recyclingmagazin auch der Biokunststoffhersteller Beyond Plastic und die NGO IPEN, die eine Reihe von Kritikpunkten in einem gemeinsamen Bericht aufgeführt hätten. Demzufolge seien elf bestehende Anlagen für chemisches Recycling mit unterschiedlichen Ansätzen in den USA untersucht worden, die alle nicht funktioniert hätten. Insgesamt stünde dort mit einer Jahreskapazität von knapp 460.000 Tonnen eine viel zu geringe Menge zur Verfügung. Auch stelle sich die Frage nach den Umweltauswirkungen der energieintensiven Verfahren sowie nach der Toxizität der Ausgangsmaterialien und Produkte aus dem chemischen Recycling. Die Behandlung von Kunststoffabfällen in einer Pyrolyse-, Vergasungs- oder Lösemittelanlage könne auch nicht mit Recycling gleichgesetzt werden, zitiert das Recyclingmagazin weiter aus dem Bericht. Auch die Produktion in solchen Anlagen könne nicht grundsätzlich als Recycling angesehen werden, da es darauf ankomme, wie das Produkt verwendet werde. Nur Produkte, die direkt zur Herstellung neuer chemischer Grundstoffe oder Kunststoffrohstoffe verwendet werden, dürften aus Sicht der Berichtsverfasser als Recycling betrachtet werden.

Quellen:

  • ENTSORGA 6/2023 (Dezember 2023)
  • Recyclingmagazin 12/2023 (13.12.2023)

01.12.2023 - 07.12.2023

Kunststoffrecycling auf Rekordniveau

Bei der Präsentation der aktuellen Verpackungsrecyclingbilanz in Berlin meldeten das Umweltbundesamt (UBA) und die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) laut Berichten von Tages- und Fachmedien für das Jahr 2022 eine werkstoffliche Recyclingquote für Kunststoffverpackungen von 67,5 Prozent. Damit liege die Quote deutlich über der seit 2022 geltenden gesetzlichen Recyclingvorgabe von 63 Prozent. Die Behörden hätten allerdings über die Erfolge beim Recycling von Kunststoffverpackungen und anderen Materialien hinaus auch von Problemen etwa bei Glas, Verbundverpackungen, Biokunststoffen und als Alternative zu Kunststoff geltenden Verpackungen, etwa solchen aus Bambus oder Holz, berichtet.

Die gesetzlichen Recyclingziele für Verpackungen aus Papier, Pappe und Kartonagen (PPK) sowie Weißblech und Aluminium hätten die für Verwertung von Verpackungen zuständigen dualen Systeme ebenfalls erreicht oder überschritten, ist etwa in der Frankfurter Rundschau (FR) zu lesen. „Erhebliche Mengen“ dieser Materialien würden einem Recycling zugeführt, zitiert die FR aus der gemeinsamen Presseinformation des UBA und der ZSVR. Laut den Zahlen für 2022 habe sich die Lage im Vergleich zum Jahr 2018 insbesondere hinsichtlich des werkstofflichen Recyclings von Kunststoffverpackungen verbessert: Im Jahr 2022 sei das Soll von 63 mit einer erreichten Quote von 67,5 Prozent sogar um 4,5 Prozent überschritten worden. Vor Einführung des Verpackungsgesetzes im Jahr 2019 habe die werkstoffliche Quote noch weit unter 50 Prozent gelegen, berichtet die FR. Laut Newsroom Kunststoffverpackungen habe die Quote im Jahr 2018 noch bei 42 Prozent betragen, womit das werkstoffliche Recycling von Kunststoffverpackungen also mittlerweile um 25 Prozentpunkte gestiegen sei. Dabei habe die Verwertung von Kunststoffverpackungen im vergangenen Jahr fast ausschließlich im Inland (84,4 Prozent) und in weiteren EU-Staaten (15,5 Prozent) stattgefunden. Ins Nicht-EU-Ausland seien 0,1 Prozent (vor allem in die Türkei, Schweiz und nach Serbien) exportiert worden. Wie bereits früher hätten die ZSVR und das UBA erneut die deutliche Zunahme von papierbasierten Verbundverpackungen am Markt bemängelt, berichtet das Fachmagazin Neue Verpackung. Verbundverpackungen seien oft nicht gut zu recyceln, wie auch eine Studie des UBA zeige. Trotzdem ersetzten Verbundverpackungen zunehmend Verpackungen aus Kunststoff. Diesen unerwünschten Trend könnten Sonderregelungen für Kunststoffverpackungen, wie sie für die EU-Verpackungsverordnung gefordert würden, sowie Ausnahmen für nichtpolymere Verpackungen von den Rezyklateinsatzquoten weiter verstärken. Das befürchte die Kunststoffverpackungsindustrie, berichtet Neue Verpackung. Bei Getränkekartonverpackungen und sonstigen Verbundverpackungen sei ein größerer Teil der Verwertungskapazitäten im Jahr 2022 wegen der hohen Energiepreise weggefallen, ist in einem Bericht des Recyclingmagazins zu lesen. Hier bestehe aus Sicht des UBA und der ZSVR akuter Handlungsbedarf. Voraussetzung für ein hochwertiges Recycling von Verpackungen sei eine gute Recyclingfähigkeit, betone die ZSVR mit Hinweis auf ihren jährlich aktualisierten Mindeststandard zur Bemessung der Recyclingfähigkeit von Verpackungen. Sorgen bereiteten den beiden Behörden auch die aktuell unzureichenden Sammelmengen bei Glasverpackungen. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Recyclingquote bei Glas um 3,4 Prozentpunkte gesunken, ist dem Bericht des Recyclingmagazins zu entnehmen. Auch tauchten am Markt immer noch Verpackungen auf, deren Material oder Gestaltung ein Recycling nicht ermöglichten, wie etwa Verpackungen aus Biokunststoff, Bambus, Holz, Jute, Keramik oder Kork.

Quellen:

  • Handelsblatt, logistik-heute.de, recyclingmagazin.de, Euwid Recycling und Entsorgung 49/2023, newsroom-kunststoffverpackungen.de (4.12.2023)
  • Frankfurter Rundschau, plastverarbeiter.de, Kunststoff Information (5.12.2023)
Möglichkeiten der Massenbilanzierung

In einem Autorenbeitrag im Plastverarbeiter stellt Dr. Alexander Kronimus, Leiter des Geschäftsbereichs Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft beim Kunststofferzeugerverband Plastics Europe Deutschland (PED), verschiedene Ansätze zur Massenbilanzierung für die Berechnung von Rezyklatanteilen aus dem chemischen Recycling von Kunststoffabfällen vor. Europäische Verbände der Recycling- und Abfallwirtschaft fordern laut eines Berichts von Euwid ein Gutschriftensystem zur Berechnung chemisch recycelter Anteile in Kunststoffprodukten.

Transparente, standardisierte und auditierfähige Massenbilanzen seien erforderlich, um etwa den vergleichsweise noch geringen Anteil von chemisch recycelten Rohstoffen vor dem Hintergrund der in der EU-Verpackungsverordnung vorgesehenen Rezyklateinsatzquoten möglichst schnell zu erhöhen, ist im Autorenbeitrag im Plastverarbeiter zu lesen. Bei der Methode, schreibt Kronimus, handle es sich um einen bilanziellen Ansatz, „mit dem eine Stoffeigenschaft eines Rohstoffs (zum Beispiel Rezyklateigenschaft) in der vorliegenden Menge einem Endprodukt innerhalb einer Organisation nach definierten Regeln zugeordnet wird, wenn der Stoff einen fossilbasierten Rohstoff bei der Herstellung ersetzt.“ Möglich sei zum Beispiel ein proportionaler Ansatz, bei dem jedem entstehenden Produkt der jeweilige Anteil an rezykliertem Rohstoff in einem Verhältnis zugeordnet wird, das dem Verhältnis des eingehenden Rohstoffmixes entspricht. Damit chemisches Recycling möglichst bald zur Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen beitragen und in den nächsten Jahren ausgebaut werden könne, sei jedoch ein Massenbilanzansatz mit sogenannter „freier Allokation“ notwendig, bei dem eingesetzte rezyklierte Rohstoffe den daraus erzeugten Produkten frei zugeordnet werden können. Allerdings müssten dabei Anteile rezyklierter Rohstoffe, die in den chemischen Industrieanlagen in die Herstellung nichtpolymerer Produkte wie zum Beispiel in die Brennstofferzeugung fließen, wieder herausgerechnet und diese dann proportional zugeordnet werden. Würden die Anteile rezyklierter Rohstoffe in der Kunststoffproduktion „Fuel Use Exempt“ (also unter Ausschluss der Brennstoffnutzung) zugeordnet, trügen Massenbilanzen aus Sicht des PED maßgeblich dazu bei, die Nachfrage nach Produkten auf der Grundlage recycelter Rohstoffe zielgenau im Markt zu bedienen.

Anders sehen das die europäischen Verbände der Recycling- und Abfallwirtschaft, wie aus einem Bericht in der aktuellen Ausgabe von Euwid hervorgeht. Fead, Euric und MWE sprächen sich in einer Stellungnahme gegenüber der Europäischen Kommission für einen technologieneutralen Ansatz und gegen den Massenbilanzansatz „Fuel Use Exempt“ aus. Letzterer würde aus Sicht der Verbände unter anderem das werkstoffliche Recycling von Kunststoffabfällen benachteiligen, etablierte Lösungen mit geringerem CO2-Fußabdruck in den Hintergrund drängen und den Wettbewerb um Ausgangsstoffe antreiben. Die Verbände plädierten im Hinblick auf die Massenbilanzierung für ein mehrstufiges Gutschriftensystem: So dürften für den recycelten Anteil in Kunststoffprodukten ausschließlich Kunststoffabfälle verwendet werden, um Gutschriften zu generieren. Gutschriften aus Reifen und Altölen (zum Beispiel Speiseöl oder Motoröl) seien auszunehmen. Berechnungsmethoden, die Gutschriften von zusätzlichen Materialien der Kunststoffausbeute zuweisen, wie die „Fuel-Use-Exempt“-Methode, die sich auf Kunststoffe-zu-Chemikalien konzentriere, sollten nach Ansicht der Verbände nicht zur Berechnung des recycelten Kunststoffanteils herangezogen werden dürfen. Auch müsse die Gesetzgebung klare Grenzen für eine Massenbilanzierung mit Gutschriften festlegen wie etwa den Ausschluss von Gutschriftübertragungen zwischen verschiedenen Anlagenstandorten und eine verpflichtende Zertifizierung durch Dritte.

Quellen:

  • plastverarbeiter.de (4.12.2023)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 49/2023 (5.12.2023)

24.11.2023 - 30.11.2023

Wie die Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe funktionieren kann

Kunststoffe berichtet über die Jahressitzung des TecPart Verband Technische Kunststoff-Produkte, in deren Fokus die Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe gestanden und bei der Professor Henning Wilts, Abteilungsleiter Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut, mehr Tempo bei der Transformation der Industrie gefordert habe. Im Interview mit der K-Zeitung erläutert Philipp Lehner, CEO des Verpackungsherstellers Alpla, wie aus seiner Sicht auch ohne Regulierung und aufwändige Sammelsysteme ein Kreislauf mit Kunststoffen funktionieren kann und worin die Ursachen der Umweltverschmutzung durch Kunststoffabfälle liegen.

 

Die Transformation der gesamten deutschen Wirtschaft zur Kreislaufwirtschaft sei unverzichtbar, weil sie der Industrie bis zum Jahr 2050 ein Drittel der für den Klimaschutz notwendigen Emissionsreduktionen ermögliche und diese sich so auch unabhängiger von Rohstoffimporten machen könne, wird Wilts im Bericht zur Jahressitzung des TecPart der Zeitschrift Kunststoffe zitiert. Um die Ziele des Green Deal der EU zu erreichen, müsste die Transformationsgeschwindigkeit in Deutschland laut Wilts allerdings um den Faktor 5 erhöht werden. Dafür müssten Investitionen schneller aus der linearen in die zirkuläre Wirtschaft umgelenkt werden, sage Wilts. Als Verstärker empfehle er, wie Kunststoffe schreibt, zirkuläre Innovationslabore zum Testen, Optimieren und Skalieren von Innovationen, die heute noch viel zu langsam in die Umsetzung kämen. Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Kunststoffhersteller Plastics Europe Deutschland, habe hinsichtlich der Transformation seiner Branche dagegen unterstrichen, dass es dafür Zeit, Innovation, viel Geld brauche – und Vertrauen, wovon die chemische Industrie in den letzten Jahren viel verspielt habe. Klar sei, wird Bühler im Bericht von Kunststoffe zitiert: „Wenn wir es nicht schaffen, unseren Planeten weniger zu belasten, wird die Politik unser Wachstum begrenzen.“ Eine komplette Umstellung auf Biomasse statt Erdöl halte Bühler jedoch kaum für möglich und Kunststoffabfälle sowie CO2 für logische Alternativen als Rohstoffquelle.

Im Interview mit der K-Zeitung, antwortet der CEO von Alpla, Philipp Lehner, auf die Frage nach dem schlechten Image von Kunststoff vor dem Hintergrund von Marine Litter, dass der These, Verursacher von Marine Litter müssten die Konsumgüterindustrie und die Verpackung sein, Ergebnisse mehrerer Studien und Schätzungen entgegenstünden. Diesen zufolge stammten bis zu 70 Prozent der Kunststoffabfälle im Meer von der Fischerei und ein Großteil der Verschmutzung der Gewässer durch Verpackungsabfälle aus nur zehn Flüssen. Analysen von Alpla hinsichtlich Gegenmaßnahmen haben laut Lehner ergeben, dass es zwei Märkte für das Recycling oder die Wiederverwendung von Verpackungsmaterial gebe: die strukturierten wie in Deutschland sowie in anderen Industrieländern und die unstrukturierten Märkte wie zum Beispiel in Ländern wie Indien. Unstrukturierte Märkte, in denen sich Sammler, Abnehmer und Verwerter selbst organisierten, könnten wie in Indien hohe Sammel- und Recyclingraten erzielen, erklärt Lehner. So habe Indien bei festen Verpackungen aus PET, wie Flaschen oder Schalen, eine Recyclingrate von rund 90 Prozent und bei HDPE nur geringfügig weniger erreicht. Die effektive Sammlung hängt laut Lehner davon ab, ob es einen Zweitmarkt gibt, der aus dem Abfall Wertschöpfung generieren kann. Wenn das gegeben sei, finde sich der Markt von ganz alleine und eine Regulierung sei nicht notwendig. Entscheidend sei, dass die Abfälle einen Wert bekommen und sich der Markt nach Mechanismen wie stabiler Abnahme sowie relativ transparenter und nachvollziehbarer Preise ausrichten könne, sagt Lehner.

Quellen:

  • Kunststoffe 11/2023
  • K-Zeitung (29.11.2023)
PPWR: AGVU begrüßt Votum des EU-Parlaments

Weitgehend zufrieden sei die Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt (AGVU) mit der Positionierung des Europaparlaments zur EU-Verpackungsverordnung (PPWR), berichtet der Fachdienst Euwid. Begrüßt werde insbesondere, dass gegenüber dem Entwurf des Umweltausschusses weniger Verpackungsverbote vorgesehen seien, etwa für Obst und Gemüse. Der VKU Verband kommunaler Unternehmen habe sich allerdings mehr Ambition des EU-Parlaments hinsichtlich der Vermeidung von Verpackungen erhofft, ist bei Euwid an anderer Stelle zu lesen.

Die Entschärfung nicht fundierter Verpackungsverbote durch das Europaparlament sei zu begrüßen, wird AGVU-Vorstandsvorsitzender Carl Dominik Klepper bei Euwid zitiert. Richtig sei, dass ein Schwerpunkt auf die Verpackungsreduktion gelegt werde, nun jedoch mit geeigneteren Instrumenten wie verpflichtenden Minimierungsvorgaben und nationalen Reduktionszielen für Verpackungsabfälle, so Klepper. Auch habe das Europaparlament die von der EU-Kommission vorgeschlagene verpflichtende Recyclingfähigkeit für jede Verpackung zwar bestätigt, das Zieljahr 2030 aber aufgegeben. Was allerdings darunter zu verstehen sei, dass eine Verpackung nicht nur theoretisch recycelbar sein, sondern auch in der Praxis recycelt werden solle, und dazu als Kriterium das Vorhandensein einer „ausreichenden Kapazität“ von Recyclinganlagen heranzuziehen sei, bleibe nach Ansicht der AGVU unklar. Der Rat, der seine Verhandlungsposition Mitte Dezember verabschieden wolle, streite noch über diesen Punkt und strebe eine Orientierung an EU-weiten festen Recyclingquoten an. Aus Sicht der AGVU dürfe es durch solche Regelungen jedoch nicht dazu kommen, dass Verpackungen vom Markt genommen werden müssten, weil sie in einigen wenigen Mitgliedstaaten nicht zufriedenstellend recycelt würden.

Dass das EU-Parlament das Pro-Kopf-Aufkommen an Verpackungsmüll bis 2040 schrittweise um 15 Prozent gegenüber dem Niveau von 2018 senken wolle, begrüße der VKU, ist bei Euwid an anderer Stelle zu lesen. VKU-Vizepräsident Patrick Hasenkamp halte aber vor dem Hintergrund eines historischen Hochs bei Verpackungsabfällen ambitioniertere Vorgaben für notwendig, um die Abfallvermeidung stärker voranzubringen. Auch habe Hasenkamp darauf hingewiesen, dass kompostierbare Verpackungen keine Probleme in den Entsorgungsprozessen verursachen dürften und sogenannter „Bio-Kunststoff“, der in Produkten wie Einkaufsbeuteln und Kaffeekapseln eingesetzt werde, nicht in den Biomüll gehöre. Er empfehle daher, Biokunststoffe getrennt zu sammeln und zu recyceln oder zur Gewinnung erneuerbarer Energie zu verbrennen.

Quellen:

  • zwei Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 48/2023 (28.11.2023)
Mehr Altfahrzeuge in Europa – weniger in Deutschland

In der Europäischen Union ist nach Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat im Jahr 2021 die Zahl der „End-of-life vehicles“ gegenüber 2020 um rund 300.000 Fahrzeuge bzw. sechs Prozent gestiegen, berichtet Euwid. Insbesondere in Italien und Polen seien sehr viel mehr Fahrzeuge zur Verschrottung angefallen, während die Anzahl der Altautos - in Deutschland gegen den Trend weiter zurück gegangen sei.

Die gesamte Menge an Altfahrzeugen liege bei 5,67 Millionen. Mit 1,35 Millionen und 1,17 Millionen seien wie in den Jahren zuvor die meisten in Frankreich und Italien angefallen. Dahinter folgten Spanien mit 727.000, Polen mit 446.000 und Deutschland mit 397.000 Altfahrzeugen. Mit einem Rückgang um 9.000 Altfahrzeuge seien die Mengen in Deutschland bereits das dritte Jahr in Folge gesunken, und im Vergleich zu 2018 habe sich hierzulande die Altfahrzeugmenge um knapp ein Drittel reduziert. Bei den Recycling- und Verwertungsquoten verzeichne Eurostat das zweite Jahr in Folge leicht gesunkene Zahlen. Im Schnitt seien 88 Prozent der Altfahrzeuge recycelt bzw. 94 Prozent verwertet worden. Die in der derzeit gültigen europäischen Altfahrzeugrichtlinie geforderten Zielquoten, die sich auf das Fahrzeuggewicht bezögen, seien damit von den meisten EU-Mitgliedstaaten erfüllt worden. Laut Eurostat hätten im Jahr 2021 insgesamt 20 der 27 EU-Staaten die geforderte Recyclingquote sowie 18 Länder die Verwertungsquote erfüllt, ist bei Euwid zu lesen. Spitzenreiter mit einer Recycling- bzw. Verwertungsquote von jeweils über 100 Prozent sei Tschechien. In Deutschland seien 90 Prozent (Vorjahr: 87 Prozent) der Entsorgungsmenge recycelt bzw. 97,5 Prozent (Vorjahr: 94 Prozent) verwertet worden. In Dänemark, Finnland, Italien und Malta habe der Recyclinganteil im Jahr 2021 jeweils knapp unter der von der EU-geforderten Zielmarke von 85 Prozent gelegen. Die sechs Länder Dänemark, Estland, Italien, Litauen, Malta und Spanien hätten auch das 95-Prozent-Verwertungsziel nicht erreicht.

Quelle: Euwid Recycling und Entsorgung 48/2023 (28.11.2023)

17.11.2023 - 23.11.2023

Kaum Fortschritte beim UN-Plastikabkommen

Die erhoffte Einigung über nächste Schritte zur Ausarbeitung eines weltweit verbindlichen Abkommens zur Eindämmung von Plastikmüll kam während der dritten Verhandlungsrunde in Kenia laut Berichten von Tages-, Wochen- und Fachmedien nicht zustande. Es gebe kein Mandat, um bis zur nächsten Verhandlungsrunde im April 2024 politisch und wissenschaftlich am Text des in Nairobi verhandelten Entwurfs weiterzuarbeiten. Gescheitert sei man am Widerstand einiger erdölfördernder Länder wie Saudi-Arabien, Iran und Russland, die sich insbesondere gegen eine Einschränkung der Kunststoffherstellung sperrten.

 

Rund 60 Staaten forderten ein ambitioniertes Vertragswerk, das Regeln zur Einschränkung des Plastikverbrauchs enthalten sollte und in dem kurzlebige Plastikprodukte durch Verbote aus dem Markt genommen würden, berichtet etwa ZDF heute. Doch Saudi-Arabien, Iran, Russland sowie eine kleine Anzahl an weiteren Erdölförderstaaten verhinderten nach Angaben aus Verhandlungskreisen Fortschritte durch eine Vielzahl neuer Vorschläge, schreibt die Zeit. Dadurch sei der Vertragstext enorm angewachsen und die Bearbeitung der einzelnen Punkte erheblich verlangsamt worden. Immerhin seien sich die Staaten einig gewesen, dass das Abkommen den gesamten Lebenszyklus von Kunststoff umfassen müsse und nicht nur Fragen der Abfallentsorgung und -aufbereitung, berichtet die FAZ. Einen Wandel zu einer globalen Kreislaufwirtschaft forderten auch der Verband der Chemischen Industrie und Plastics Europe Deutschland, die Bestrebungen zur Beschränkung der Plastikproduktion jedoch kritisch sähen, schreibt die FAZ. Trotz der Blockadehaltung der erdölfördernden Länder halte etwa der WWF World Wide Fund For Nature ein Abkommen bis 2025 weiterhin für möglich. Doch dazu müsse die deutsche Bundesregierung aus Sicht des WWF „jede Möglichkeit für weiteren Fortschritt ergreifen“. Auch das Präsidium der UN-Umweltorganisation UNEP habe sich zuversichtlich geäußert, ist einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) zu entnehmen. Es gebe zwar weiter viele offene Fragen und bleibe noch viel zu tun, um die Differenzen einzugrenzen und technische Grundlagen für die Verhandlungen zu entwickeln, wird der scheidende Vorsitzende des Internationalen Verhandlungskomitees, Gustavo Meza-Cuadra Velásquez, zitiert. Man habe sich aber auf einen Ausgangspunkt für die vierte Verhandlungsrunde im April 2024 in Ottawa geeinigt und „wesentliche“ Fortschritte im Umgang mit Plastikmüll erzielt, ist in einem Bericht der taz zu lesen. Die Verhandlungen hätten einen „unzureichenden“ Entwurf verbessert, der jetzige Textentwurf berücksichtige die „Bandbreite der Ideen“ viel stärker, zitiert die taz den internationalen Chemieindustrie-Verband ICCA.

Quellen:

  • SZ, ZDF, Zeit, Spektrum der Wissenschaft, taz (20.11.2023)
  • FAZ (21.11.2023)
PPWR: Verpackungshersteller enttäuscht über Votum des EU-Parlaments

Die Hersteller von Kunststoffverpackungen reagierten laut Berichten der Fachpresse mit Enttäuschung auf das Votum des Europäischen Parlaments zu Änderungen an der EU-Verpackungsverordnung (PPWR). Die Parlamentarier hatten unter anderem für das vom Umweltausschuss des Parlaments vorgeschlagene Vermeidungsziel für Kunststoffverpackungen gestimmt, wie aus einem Bericht von Euwid hervorgeht. Noch vor der Abstimmung im EU-Parlament über die Änderungen habe der Verband der Kunststoffhersteller Plastics Europe Deutschland (PED) vor einem „Bärendienst für die Kreislaufwirtschaft“ gewarnt, berichtet das Fachmagazin Neue Verpackung.

Die Pro-Kopf-Menge an Verpackungsabfall aus Kunststoff solle laut einem vom EU-Parlament angenommenen Änderungsvorschlag des Umweltausschusses gegenüber dem Jahr 2018 bis 2030 um zehn Prozent reduziert werden, bis 2035 um 15 Prozent und bis 2040 um 20 Prozent, schreibt Euwid in einem Bericht über den Ausgang der Abstimmung im EU-Parlament, das nun bereit sei für Trilog-Verhandlungen mit dem Rat der EU. Das Parlament habe außerdem dafür gestimmt, eine Zielvorgabe für die Getrenntsammlung von Verpackungsabfällen in die Verordnung aufzunehmen. Demnach sollen die Mitgliedstaaten verpflichtet werden, spätestens im Jahr 2029 für Kunststoff, Holz, Glas, Aluminium, Fe-Metall sowie Papier, Pappe und Karton (PPK) eine Sammelquote von 90 Prozent zu erreichen. Des Weiteren hätten die Abgeordneten laut Euwid für Verbote bestimmter Kunststoffeinwegprodukte wie zum Beispiel sehr leichter Plastiktragetaschen mit einer Wandstärke unter 15 Mikrometer gestimmt. Die Forderung des Umweltausschusses, den Einsatz von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) und Bisphenol A (BPA) in Verpackungen mit Lebensmittelkontakt zu verbieten, sei vom Plenum ebenfalls bestätigt worden. Die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen kritisiere das Parlamentsvotum, berichtet das Recyclingportal. Die Kritik der IK richte sich insbesondere gegen die Sonder-Reduktionsziele für Kunststoffverpackungen, Ausnahmen für Verbundverpackungen von den Rezyklateinsatzquoten sowie Mehrwegquoten und Verbote von Einwegverpackungen, die nur für Verpackungen aus Kunststoff gelten sollen und somit laut IK ein Ausweichen auf andere Einwegverpackungen förderten. Die nunmehr ausgeweiteten Sonderregeln für Kunststoffverpackungen gefährdeten die Transformation hin zu weniger Verpackungsabfällen, besser recycelbaren Verpackungen und mehr Rezyklateinsatz, wird Dr. Martin Engelmann, Hauptgeschäftsführer der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, im Bericht des Recyclingportals zitiert. Einige Verbesserungen gegenüber dem ursprünglichen Vorschlag der Kommission sehe PED in der vom Umweltausschuss zur Abstimmung vorgelegten Fassung der Verordnung, geht aus einem Bericht von Neue Verpackung hervor. Doch kritisiere der Verband an dem überarbeiteten Entwurf wie die IK Verbote für recycelbare Einwegkunststoffverpackungen. Diese würden weder durch eine Folgenabschätzung noch einen Nachweis des Umweltnutzens gestützt. Eine derartige Materialdiskriminierung könne zu ökologisch nachteiligen Ausweichbewegungen auf andere Verpackungsmaterialien führen, was im Widerspruch zu den Klima- und Kreislaufwirtschaftszielen stehe, zitiert das Magazin aus einer Stellungnahme von PED. Statt auf Verbote zu setzen, solle die EU-Verpackungsverordnung nach Ansicht des Verbands Investitionsanreize schaffen, um die Klima- und Kreislaufwirtschaftsziele in Europa zu erreichen.

Quellen:

  • neue-verpackung.de (21.11.2023)
  • euwid-recycling.de (22.11.2023)
  • recyclingportal.eu (23.11.2023)
BDE kritisiert Exportverbot für Kunststoffabfälle

Die EU hat sich laut Berichten von Tages-, Wochen und Fachmedien auf ein Ausfuhrverbot für Kunststoffabfälle in Länder außerhalb der Industriestaatenorganisation OECD geeinigt. Damit seien Plastikmüllexporte nach Afrika oder weite Teile Asiens zunächst untersagt, schreibt etwa der Spiegel. Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft sehe in dem Exportverbot, das auch sortenreine Kunststoffabfälle betreffe, unnötige Hürden für die weltweite Etablierung der Kreislaufwirtschaft, berichtet das Recyclingmagazin.

 

Das Verbot für Exporte von Kunststoffabfällen ziele vor allem darauf ab, die Umweltzerstörung in Drittländern zu verhindern, die durch die Ausfuhren und den unsachgemäßen Umgang mit Plastikmüll verursacht werde, zitiert der Spiegel aus einer Mitteilung der EU-Kommission. Mehr als 32 Millionen Tonnen Abfall habe die Europäische Union zuletzt jährlich in Drittstaaten exportiert, schreibt die FAZ. Insbesondere die Ausfuhr von Plastikmüll in Länder wie Malaysia oder die Türkei führe laut Umweltschützern zu Umweltproblemen und der Vermüllung der Weltmeere. Das nun verabschiedete Exportverbot für Plastikmüll, dem Parlament und EU-Staaten noch formell zustimmen müssten, trete nach einer Übergangsfrist von zweieinhalb Jahren in Kraft, schreibt unter anderem die Wirtschaftswoche, die auch auf eine vorgesehene Ausnahme hinweist: Demnach könnten Nicht-OECD-Staaten fünf Jahre nach Inkrafttreten der EU-Verordnung einen Antrag stellen, dass sie Plastikmüll aus der EU einführen wollen. Dafür müssten sie dann gegenüber der Europäischen Kommission belegen können, dass sie strikte Umweltbedingungen erfüllen. Als einen Rückschlag für die Bemühungen zur Schaffung einer globalen Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe betrachte der BDE das Exportverbot, das auch sortenreine Kunststoffabfälle einschließe, schreibt das Recyclingmagazin. Die Einigung auf strengere Regeln für die Ausfuhr von Kunststoffabfällen in Drittländer enthalte auch ein Verbot der Ausfuhr von nicht gefährlichen Kunststoffabfällen (B3011) in Nicht-OECD-Länder. BDE-Präsident Peter Kurth halte nun die Schaffung eines „Schengenraums“ für Abfälle innerhalb der EU umso wichtiger, ist in einem Bericht von Euwid zu lesen. Man könne nur hoffen, dass die neuen Regeln für die Abfallverbringung, die noch nicht alle bekannt seien, innerhalb der EU die für die Kreislaufwirtschaft nötige Flexibilität bieten, damit Abfälle dorthin verbracht werden können, wo sie am besten zu recyceln seien, wird Kurth bei Euwid zitiert.

Quellen:

  • FAZ, spiegel.de, wiwo.de, recyclingmagazin.de (17.11.2023)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 47/2023 (21.11.2023)

10.11.2023 - 16.11.2023

Kenia: Ringen um Regeln gegen Plastikmüll

Berichte der Tages-, Wochen- und Fachmedien befassen sich mit dem UN-Plastikabkommen, über das noch bis zum 19. November im afrikanischen Kenia beraten wird. So fragt etwa das Nachrichtenmagazin N-TV, ob eine Welt ohne Plastik überhaupt möglich sei, und die TAZ schreibt, dass die Einigung der über 170 beteiligten Staaten über einen in Kenia vorgelegten konkreten Abkommensentwurf schwierig werden dürfte. Viele grundsätzliche Fragen seien noch zu klären, ist auch in anderen Berichten zu lesen.

Unterhändler betonten, dass es nicht darum gehe, Plastik zu verteufeln oder zu verbieten, ist etwa in der Süddeutschen Zeitung zu lesen. Das Abkommen solle vielmehr bestimmen, ob und wie stark die Herstellung von verschiedenen Kunststoffen beschränkt und mit welchen Mitteln eine Reduktion erreicht werden solle. Außerdem gehe es um den Umgang mit Plastikmüll sowohl in den einzelnen Staaten als auch über Landesgrenzen hinweg sowie um die Wertstoffsammlung und Wiederverwendung. Daneben müssten auch die Finanzierungsfragen geklärt werden. Die Kunststoffindustrie halte das Plastikabkommen für wichtig, ist in einem Bericht der TAZ zu lesen. Sie lege den Fokus auf die Kreislaufwirtschaft, wird Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands Plastics Europe in der TAZ zitiert. Bühler halte zwei Maßnahmen für dringend notwendig: ein globales Deponieverbot von Kunststoffabfällen und eine Pflicht zum Recycling. Die Branche habe in den vergangenen Jahren enorme technische Fortschritte gemacht, sowohl was die Kreislauffähigkeit von Kunststoffen als auch alternative Rohstoffquellen betreffe. Rezyklate sowie Biomasse und Kohlendioxid bildeten eine nachhaltige Rohstoffbasis, die die Kunststoffproduktion unabhängig vom Erdöl ermöglichen werde, sage Bühler. Das Abkommen sei ein guter Rahmen, um Standards zu schaffen, berücksichtige bislang aber nicht diese Fortschritte der Industrie. Auch der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV) begrüße die Bemühungen der Staaten für ein rechtlich verbindliches Rahmenwerk, das die Chance biete, den Eintrag von Kunststoffabfällen in die Meere wirksam an den Quellen zu reduzieren, wird GKV-Hauptgeschäftsführer Dr. Oliver Möllenstädt in einem Bericht der K-Zeitung zitiert. Aus Sicht der Kunststoff verarbeitenden Industrie solle das Abkommen nach Ansicht des GKV die Priorität auf Maßnahmen legen, die sich auch in ärmeren Ländern wirksam implementieren lassen, und die Industrieländer sollten beim Aufbau effektiver Systeme und Infrastruktur zur Verwertung von Kunststoffabfällen stärker als bisher unterstützen. Die Rolle des Recyclings betone auch der Verband der Chemischen Industrie (VCI), berichtet Euwid. Entscheidend sei es, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um Kunststoffe aus nicht-fossilen Rohstoffen herzustellen und sie am Ende ihrer Nutzung konsequent im Kreis zu führen, betone der Hauptgeschäftsführer des VCI, Wolfgang Große Entrup. Aus Sicht von Umweltorganisationen wie dem WWF und Greenpeace müssten mit den globalen Regeln die Verursacher stärker in die Pflicht genommen und vor allem die Produktion von Neukunststoff reduziert sowie Einwegplastikprodukte abgeschafft werden, ist in einem Bericht des Handelsblatts zu lesen. Auch Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen wie etwa Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, plädierten für eine Beschränkung der Plastikproduktion auf das unbedingt notwendige Maß sowie für nachgewiesen harmlose Chemikalien zur Kunststoffherstellung.

Quellen:

  • taz.de (11.11.2023)
  • n-tv.de, merkur.de, wiwo.de, sueddeutsche.de, handelsblatt.com, (13.11.2023)
  • geo.de, K-Zeitung, Euwid Recycling und Entsorgung 46/2023 (14.11.2023)
BKV-Symposium: Experten kritisieren Rezyklateinsatzquoten für Lebensmittelverpackungen

Vor der Abstimmung des Europäischen Parlaments über die EU-Verpackungsverordnung kritisierten führende Verpackungsexperten in Deutschland im Rahmen des diesjährigen BKV-Symposiu ms „Zukunft Kunststoff Kreislaufführung“ in Berlin die vorgeschlagenen verbindlichen EU-Rezyklateinsatzquoten für Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff wie Berichten der Fachpresse zu entnehmen ist. Verpackungshersteller und Recycler plädierten zur Abmilderung des erwarteten Rezyklatmangels für ein Gutschriftenmodell auch für mechanisches Recycling.

Die geplanten EU-Rezyklateinsatzquoten würden zu einem ökologischen und ökonomischen Desaster führen, wird die Kritik von Kurt Schüler, Geschäftsführer der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung, beim BKV-Symposium etwa im Recyclingmagazin zitiert. Da bereits jetzt absehbar sei, dass es nicht genügend zugelassene Kunststoffrezyklate für kontaktempfindliche Verpackungen, wie für Lebensmittel, geben werde, wirkten die Regelungen wie ein Verbot. Auch sei ein Ausweichen auf andere Verpackungsmaterialien zu erwarten. Der Vorschlag, Verbundverpackungen mit weniger als 5 Prozent Kunststoffanteil von den Quoten auszunehmen, befeuere massiv den Trend hin zu schwer recycelbaren beschichteten Papierverbunden, habe Schüler in Berlin gewarnt. Während die Verpackungsmengen von Papier, Kunststoff, Glas und Metall seit 2021 in Deutschland zurückgingen, stiegen die Mengen von solchen Papierverbunden nach Angaben der GVM weiter an. Dies sei mit Nachteilen für die Umwelt verbunden, so Schüler mit Verweis auf eine aktuelle Untersuchung von GVM und ifeu, wonach eine Reduktion von Kunststoffverpackungen um 10 Prozent bis 2030 – sofern sie durch andere Materialien ersetzt würden – die Menge an Haushaltsverpackungen um etwa 10 bis 20 Prozent und die Treibhausgasemissionen um 10 bis 14 Prozent erhöhe. Dr. Joachim Christiani, Geschäftsführer der Institut cyclos-HTP GmbH und der Ingenieurgesellschaft HTP, habe laut Bericht des Recyclingmagazins ergänzt, dass es ein Irrglaube sei, Recyclingfähigkeit von Kunststoffverpackungen und Rezyklateinsatz für die Kehrseiten ein und derselben Medaille zu halten. Wissenschaftlich sei klar, dass verbindliche Rezyklateinsatzquoten für Kunststoffprodukte den ökologischen Zielen der Kreislaufwirtschaft in hohem Maße zuwiderliefen, wird Christiani in dem Bericht zitiert. Um die negativen Folgen des drohenden Rezyklatmangels für die Lieferketten abzumildern, forderten Hersteller von Kunststoffverpackungen und Kunststoffrecycler ein Gutschriftensystem, in dem Hersteller, die mehr recycelte Kunststoffe in ihren Produkten verwenden als die Quoten vorgeben, Gutschriften erhalten, die sie an andere Hersteller, die die Quote noch nicht erfüllen, verkaufen können.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, newsroom.kunststoffverpackgen.de (14.11.2023)
Arbeit an der nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie

Auf dem Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung (SZ) in Berlin habe Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) betont, dass in Deutschland durch eines ihrer Kernprojekte, die nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS), Kreislaufwirtschaft zum Standortvorteil und Innovationsmotor gemacht werden solle. Doch manche Teilnehmer der Vorbereitungstreffen an den runden Tischen sähen Lemkes Konzept und das Prozedere für die Erarbeitung der NKWS kritisch, schreibt die SZ.

Nach einem Auftakttreffen hätten acht runde Tische zu Themenbereichen wie „Bekleidung und Textilien“ und „Kunststoffe“ getagt. Derzeit könnten Verbände und Organisationen in einem Online-Dialog erste Entwürfe noch bis zum 17. November bewerten. Im ersten Quartal 2024 wolle man die Strategie im Kabinett verabschieden, so Lemke. Es gebe aber auch Zweifel und kritische Stimmen, berichtet die SZ. So finde einer der Teilnehmer der runden Tische, Christian Schiller, der mit seinem Start-up Cirplus für den Handel mit recyceltem Plastik eingeladen gewesen sei, den Ansatz Lemkes zwar gut, rechne aber nicht mit einem Paradigmenwechsel durch die NKWS. Es seien sehr viele Menschen vom Fach bei den Treffen gewesen, deren Forderungen hinlänglich bekannt seien, wird Schiller in der SZ zitiert. Zweifel an der Durchschlagskraft der NKWS habe auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) geäußert. So sehe DUH-Kreislaufwirtschaftsexperte Thomas Fischer die Gefahr, dass die NKWS am Ende keine konkreten Werte oder verbindlichen Ziele enthalten werde. Fischer fordere zum Start der Strategie die Aufnahme konkreter Ansatzpunkte wie Mindeststandards wie etwa Mindestquoten für Rezyklatanteile. Auch sehe er den Staat als Auftraggeber in der Pflicht, zirkuläres Wirtschaften zur Bedingung zu machen, heißt in der SZ weiter. Die Strategie werde selbstverständlich in konkrete Gesetze und Verordnungen münden, habe Ministerin Lemke auf dem SZ-Wirtschaftsgipfel erklärt. Auch neue Vorgaben für Staatsaufträge seien in Planung, so Lemke. Doch habe sie in Berlin auch betont, man könne die Wirtschaft nicht von heute auf morgen umstellen.

Weitere Information: Details zur Online-Beteiligung auf der Webseite des BMUV zur NKWS

Quelle:

  • Süddeutsche Zeitung (13.11.2023)

03.11.2023 - 09.11.2023

Dritte Verhandlungsrunde über globales Plastikabkommen

Der zwischenstaatliche Verhandlungsausschuss zur Ausarbeitung eines internationalen rechtsverbindlichen Instruments zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung (INC-3) soll auf seiner nächsten Sitzung vom 13. bis 19. November 2023 in Kenia über einen ersten Entwurf verhandeln. Im Vorfeld berichten Tages-, Wochen- und Fachmedien über Stellungnahmen von Umweltverbänden sowie der Chemie- und der Kunststoffindustrie. So warnten etwa der Verband der Chemischen Industrie (VCI) und Plastics Europe Deutschland (PED) eindringlich davor, den Fokus des Abkommens zu sehr auf die Reduktion von Kunststoff zu legen und dabei das wichtigste Ziel aus dem Blick zu verlieren: die Kreislaufwirtschaft.

Kritisch sähen die Verbände vor allem Vorstöße zu einer pauschalen Beschränkung der globalen Kunststoffproduktion, berichtet die K-Zeitung. Kunststoffprodukte seien in vielen Bereichen unverzichtbar für Nachhaltigkeit und Klimaschutz wie etwa in Windkraft- und Solaranlagen. Entscheidend sei vielmehr, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um Kunststoffe aus nicht-fossilen Rohstoffen herzustellen und sie am Ende ihrer Nutzung konsequent im Kreis zu führen, wird Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des VCI, zitiert. Dazu brauche es aus Sicht der Verbände eine Förderung der gesamten Bandbreite an Recyclingtechnologien und einen Wandel zur globalen Kreislaufwirtschaft, wofür der weltweite Ausbau von Abfallverwertungssystemen die Grundvoraussetzung sei. Das wiederum erfordere massive Investitionsanreize. Ambitionierte Quoten für den Rezyklateinsatz, verbindliche Vorgaben für reparierbare, wiederverwertbare und recycelbare Produkte sowie Maßnahmen zur finanziellen Beteiligung von Herstellern an der Abfallentsorgung seien geeignete Mittel, um die Umweltverschmutzung durch unsachgemäß entsorgte Kunststoffabfälle einzudämmen. Abfälle müssten weitestgehend vermieden werden, doch Kunststoffe in Produkten durch andere Materialien zu ersetzen, führe oft zu nachteiligen Umwelteffekten, so der VCI und PED.

Umweltgruppen wie die NGOs OceanCare und Environmental Investigation Agency (EIR) drängten dagegen auf eine Reduzierung der Herstellung und des Verbrauchs von Kunststoffen, ist etwa in der Süddeutschen Zeitung zu lesen. Schwerpunkt der Verhandlungen über das Plastikabkommen müsse aus Sicht der Umweltaktivisten sein, Plastikverschmutzung grundsätzlich zu vermeiden und lokale Lösungen zu unterstützen. Darüber hinaus warnten Ocean Care und EIR unter Berufung auf die Ergebnisse einer Studie vor den Folgen von Clean-Up Projekten, bei denen Kunststoffabfälle aus den Weltmeeren entfernt werden. Die Reinigungstechnologien könnten teuer sein und unbeabsichtigte Konsequenzen für die Umwelt haben. Die Autorinnen und Autoren des Berichts, für den Studien und Recherchen über den Einsatz von Aufräumtechnologien ausgewertet worden seien, hätten daher gefordert, diese nur in Fällen von stark verschmutzten Ökosystemen in Betracht zu ziehen. Maßnahmen zur Sanierung der Umwelt müssten darüber hinaus laut des Berichts mit Kunststoff-Reduktionszielen sowie globalen Designkriterien zur Förderung eines sicheren und nachhaltigen Designs von Kunststoffprodukten gekoppelt werden.

Einen entschiedeneren Kampf gegen die Plastikverschmutzung habe Bundesumweltministerin Lemke zuletzt beim 7. deutsch-chinesischen Umweltforum in Taicang von China – einem der größten Kunststoffproduzenten der Welt – gefordert und hoffe auf Unterstützung ihres chinesischen Amtskollegen Huang Runqiu für das globale Plastikabkommen, berichtet der Fachdienst Euwid. Auch Lemke halte vor allem eine Begrenzung der globalen Kunststoffproduktion für notwendig. Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China zur Förderung der Kreislaufwirtschaft sei ein weiteres Ziel des Treffens in China gewesen.

Quellen:

  • FAZ, Süddeutsche, Merkur, RND, K-Zeitung (6.11.2023)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 45/2023, euwid-recycling.de, plastverarbeiter.de (7.11.2023)
EU-Verpackungsverordnung: Kritik und Lob für die Position des Umweltausschusses

Für die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen gebe der aktuelle Entwurf der EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfall (PPWR) vor allem Grund zur Sorge hinsichtlich eines drohenden Rezyklatmangels sowie Kunststoff diskriminierender Regelungen, ist im Newsroom Kunststoffverpackungen zu lesen. Lob, aber auch Kritik an der Position des Umweltausschusses komme vom BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft sowie dem Dachverband der europäischen Recyclingwirtschaft EuRic, berichtet Euwid.

Als ein zentrales Element sehe der Entwurf der Verpackungsverordnung laut einer Stellungnahme der IK im Newsroom Kunststoffverpackungen verbindliche Ziele zum Einsatz von Post-Consumer-Rezyklaten (PCR) vor. Zwar begrüße die IK die Maßnahme zur Förderung von Investitionen in das Recycling, warne jedoch mit Nachdruck vor den Risiken eines Rezyklatmangels. Der Vorschlag des Umweltausschusses enthalte darüber hinaus Wiederverwendungsquoten sowie Verbote nur für Verpackungen aus Kunststoff, so dass diese gegenüber Verpackungen aus anderen Materialien ohne Grund benachteiligt würden. Die IK warne – wie bereits auch Umweltverbände warnten – vor negativen Folgen des Ausweichens auf andere Materialien. Besorgnis errege auch der Vorschlag, ein Reduktionsziel für Kunststoffe in Höhe von minus 10 Prozent bis 2030 und minus 20 Prozent bis 2040 einzuführen. Diese Maßnahme sehe die IK unter Verweis auf eine Untersuchung der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung im klaren Widerspruch zum Ziel, das Verpackungsaufkommen insgesamt zu reduzieren. Unklarheiten und fehlende Folgenabschätzungen hinsichtlich der Regelungen für Industrieverpackungen aus Kunststoff sowie die Verlagerung der Definition des Design-for-Recycling auf delegierte Rechtsakte sorgten zudem für investitionshemmende Unsicherheiten. Angesichts der geplanten Regelungen bleibe nicht nur in der Verpackungsindustrie kein Stein mehr auf dem anderen, konstatiere die IK. Verschiedensten Sektoren der Industrie, des produzierenden Gewerbes und der Landwirtschaft sei klar, wie grundlegend der Verordnungsentwurf die gesamte Wirtschaft betreffe. In einem kritischen Überblick über geplante sowie verabschiedete Gesetze auf globaler und europäischer Ebene sowie in Deutschland sehe die IK die Verpackungsindustrie insgesamt von einer „Welle der Verpackungsregulierung“ betroffen, berichtet das Fachmagazin Kunststoffe. Ungeachtet aller aktuellen Schwierigkeiten der Industrie unter anderem aufgrund hoher Energiekosten und des Fachkräftemangels laufe diese Welle weiter, erfasse mittlerweile sämtliche Ebenen staatlichen Handelns und betreffe Gesetze und Gesetzesvorhaben wie etwa das globale Abkommen gegen Plastikmüll, die EU-Verpackungsverordnung als Teil des Europäischen Green Deals, die laufende Novellierung des deutschen Verpackungsgesetzes, die rechtliche Zulassung kommunaler Steuern auf Einweg-To-Go-Verpackungen sowie das beschlossene Einwegkunststofffonds-Gesetz (EWKFondsG).

Der BDE habe dagegen den Bericht des EU-Umweltausschusses zur Verpackungsverordnung als sachgerechte und pragmatische Positionierung der Ausschussmitglieder bezeichnet, berichtet Euwid. Der Verband begrüße insbesondere die Priorisierung des mechanischen Recyclings sowie, dass sich der Umweltausschuss gegen ein ausdrückliches Erstzugriffsrecht der Verpackungshersteller auf Rezyklate ausgesprochen habe. Kritisch sehe der Verband jedoch die vom Umweltausschuss aufgenommene Forderung nach einem „sicheren und gleichberechtigten Zugang“ zu Rezyklaten sowie die aus Sicht des Verbandes fehlende Zulassung der Verwendung gut recyclebarer Einwegverpackungen, die sich auf Grundlage einer Lebenszyklusanalyse als die ökologisch bessere Option erweisen. EuRic, der Dachverband der Europäischen Recyclingwirtschaft, hoffe dagegen, dass einige der Änderungen in der Plenarsitzung wieder rückgängig gemacht werden, ist bei Euwid an anderer Stelle zu lesen. Zwar sehe EuRic einige positive Änderungen an der geplanten EU-Verordnung, erkenne jedoch insgesamt eine widersprüchliche Position, die die Zirkularität von Verpackungsabfall und die europäische Recyclingindustrie gefährde, zitiert Euwid aus einer Stellungnahme des Verbands. Zu den Bestimmungen, die der Verband als besonders besorgniserregend werte, zähle der Vorrang bestimmter Hersteller beim Zugang zu Recyclingmaterial, der den Wettbewerb strangulieren und Innovation behindern und dabei gleichzeitig gegen EU-Recht verstoßen würde.

Quellen:

  • kunststoffe.de (3.11.2023)
  • recyclingmagazin.de (6.11.2023)
  • newsroom.kunststoffverpackungen.de, mehrere Beiträge in Euwid Recycling und Entsorgung 45/2023 (7.11.2023)

 

27.10.2023 - 02.11.2023

Plastics Europe präsentiert Roadmap zu einer defossilisierten Kreislaufwirtschaft

Tages-, Wochen- und Fachmedien berichten über eine „Plastics Transition Roadmap“ des Verbands der europäischen Kunststoffhersteller Plastics Europe, in der aufgezeigt werde, mit welchen Maßnahmen die Kunststoffindustrie bis 2050 in eine klimaneutrale Kreislaufwirtschaft überführt werden könne. Der Verband fordere zur Defossilisierung der Kunststoffindustrie geeignete Rahmenbedingungen wie etwa die Anerkennung des chemischen Recyclings sowie finanzielle Unterstützung, schreibt unter anderen die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ).

Europas Kunststoffhersteller planen, den Anteil an fossilen Rohstoffen bei der Kunststoffproduktion bis ins Jahr 2050 auf 35 Prozent zu reduzieren, berichtet die FAZ. Das Gros der Kunststoffe könne laut der Roadmap von Plastics Europe dann mit zirkulären Rohstoffen aus dem Recycling oder Biomasse erzeugt werden. Die zusätzlich notwendigen Investitionen und Kosten für das Großprojekt beliefen sich laut Plastics Europe bis dahin europaweit auf 235 Milliarden Euro. Der Verband sei sich der Größe und Komplexität dieses Vorhabens sehr bewusst, heiße es. Es umfasse ganze Lieferketten, tausende Unternehmen und Produkte. Plastics Europe und die mit der Studie beauftragte Beratungsgesellschaft Deloitte hielten es für eine erfolgreiche Transformation für nötig, sämtliche Hebel entlang der Wertschöpfungskette in Bewegung zu setzen. Dies umfasse Mehrweg zu fördern, Einweganwendungen zu reduzieren sowie die Produkte im Voraus kreislauffähig zu planen und zu gestalten. Zudem müsse in mechanisches und chemisches Recycling investiert werden. Das chemische Recycling sei auf dem Weg hin zur einer höheren Wiederverwertungsquote von besonderer Bedeutung, betonten die Verfasser der Roadmap und forderten dazu geeignete gesetzliche Regelungen, schreibt die FAZ weiter. Die Verfahren des umstrittenen chemischen Recyclings befänden sich noch in der Pilotphase und würden zum Beispiel von Umweltverbänden etwa aufgrund des vergleichsweise hohen Energieverbrauchs kritisiert. Beim Fachdienstes Euwid ist zu lesen, der von Plastics Europe vorgelegte Plan zur Neugestaltung des europäischen Kunststoffsektors sei eine Einladung an politische Entscheidungsträger und Mitglieder der Wertschöpfungskette, zusammenzuarbeiten und schneller voranzukommen. Die nächsten zwei bis vier Jahre seien entscheidend dafür, wie die Kunststoffindustrie im Jahr 2050 aussehen werde, wird Virginia Janssens, Geschäftsführerin von Plastics Europe zitiert. Kurzfristig (2026 - 2027) empfehle die Roadmap abgesehen von der Umstellung auf zirkuläre Praktiken wie Recycling und biomassebasierte Produktion – auch die Kohlenstoffabscheidung sowie Investitionen in eine gemeinsame Infrastruktur für Wasserstoff, erneuerbare Energien und Carbon Capture Storage (CCS), berichtet Euwid. Zu den Maßnahmen, die mittelfristig (2028 - 2030) empfohlen würden, gehöre die groß angelegte Inbetriebnahme des chemischen Recyclings durch Investitionen in Kapazitäten und Partnerschaften mit Technologieanbietern. Würden die vorgeschlagenen Maßnahmen von der Bundesregierung und der Europäischen Kommission unterstützt, könnten die europäischen Kunststoffhersteller den Anteil von zirkulären Rohstoffen in der Kunststoffproduktion bis 2030 auf 25 Prozent erhöhen und bis 2050 auf 65 Prozent steigern, wird Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer von Plastics Europe Deutschland, in einem Bericht der K-Zeitung zitiert. Alexander Kronimus, Geschäftsführer Klima- und Kreislaufwirtschaft bei Plastics Europe Deutschland, habe ausgeführt, dass auch verbindliche Quoten für den Rezyklateinsatz sowie ein EU-weites Deponierungsverbot und eine Ausdehnung der erweiterten Herstellerverantwortung zu den Maßnahmen zählten, mit denen die Bundesregierung und die Europäische Kommission die Transformation unterstützen könnten.

Quellen:

  • K-Zeitung, recyclingmagazin.de, packaging-journal.de (27.10.2023)
  • FAZ, kunststoffe.de (30.10.2023)
  • Plasticker, Euwid Recycling und Entsorgung 44/2023, (31.10.2023)
„Digital zum Kreislauf“

Das Recyclingmagazin berichtet in seiner aktuellen Ausgabe über einen Report im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung und der NGO Cradle-to-Cradle, der die Bedeutung der Digitalisierung für eine zirkuläre Wertschöpfung anhand von möglichen Auswirkungen für die vier Sektoren Gebäude, Automobil, Elektro- und Elektronik sowie Textilien beleuchte. Im Interview mit dem Plastverarbeiter erläutert Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer von Plastics Europe Deutschland, welche Rolle die Digitalisierung in der Kunststofferzeugung bereits heute spielt.

Laut Bericht „Die digitale Circular Economy – Zirkuläre Daten-Governance für eine Ressourcennutzung von der Wiege zur Wiege“ erfordere die Kreislaufwirtschaft, die sich in den vergangenen Jahren als Leitparadigma für nachhaltiges Wirtschaften entwickelt habe, ein komplexes Management von Material- und Stoffströmen, ist im Recyclingmagazin zu lesen. Dafür könne die Digitalisierung die notwendigen Werkzeuge bereitstellen. Digitale Technologien könnten Wissenslücken überbrücken, Verbindungen zwischen verschiedenen Akteuren herstellen, das Verständnis zwischen Akteuren verbessern und so dazu beitragen, Wertschöpfungsprozesse insgesamt offener, transparenter und teilhabefördernder zu gestalten, zitiert das Recyclingmagazin aus dem Bericht. Produktdaten sollten nach Ansicht der Berichtsautoren künftig mit den Produkten in einem digitalen Produktpass zirkulieren und so als eine Art „ökologische Gebrauchsanweisung“ alle Beteiligten darüber informieren, welche Werte im Produkt stecken und wie diese am besten erhalten werden können. Dafür müssten jedoch institutionalisierte Praktiken und Entscheidungsstrukturen geschaffen werden. Zwischen den vier betrachteten Branchen Gebäude, Automobil, Elektro- und Elektronik sowie Textilien gebe es viele Gemeinsamkeiten. Durch den Einsatz digitaler Technologien könne in allen Sektoren eine nachhaltige Beschaffung und Produktgestaltung durch ökologische Transparenz entlang der Lieferkette, eine verbesserte Zweitverwertung von Produkten, eine längere Produktlebensdauer und höhere Recyclingquoten erreicht werden. Doch sei der Gesetzgeber gefragt, sektorspezifische Basisstandards einzuführen, in denen inhaltliche und technische Mindeststandards für die Erfassung und Weitergabe von Produktdaten vereinheitlicht werden, um so Nachteile durch Einzellösungen zu vermeiden. Der Bericht verweise dazu auf das europäische Projekt des digitalen Produktpasses, an dessen Ende eine umfassende Transparenzpflicht mit sektorspezifischen Mindeststandards stehen müsse. Darüber hinaus solle der digitale Produktpass als zentrales Dokument zum bürokratiearmen Nachweis aller Informationspflichten dienen.

Der Plastverarbeiter sprach mit Ingemar Bühler über die Digitalisierung als Ermöglicher und Treiber für die Transformation hin zu einer Kunststoffkreislaufwirtschaft. Zur Frage, wie weit die Digitalisierung bereits heute alle Schritte der Wertschöpfungskette in der Chemie- und Kunststoffindustrie verändert, erklärt Bühler, dass die Themen Transparenz und Nachverfolgbarkeit für alle Akteure von großer Bedeutung seien und digitale Produkt- sowie Materialpässe vom Einkauf der Materialien bis hin zur Wiedergewinnung der Rohstoffe eine entscheidende Rolle spielen. Gerade bei Rohstoff- und Recyclingfragen am Ende der Wertschöpfungskette kommt der Digitalisierung laut Bühler entscheidende Bedeutung zu. Die Herausforderungen sieht er bei der besseren und effizienteren Organisation von Abfallströmen. So würden Sammlung, Erkennung und Sortierung mit digitalen Technologien wie moderner Sensortechnik, Lasern, digitalen Abdrücken oder Kontrastverfahren optimiert. Gleichzeitig spielten digitale Handelsplätze eine sehr wichtige Rolle, um Rezyklate anzubieten und in den Markt zu bringen, so Bühler. Im Maschinenbau befassten sich die Innovationstreiber bereits seit langem mit der Digitalisierung. Heute gehe es dort um lernende Steuereinheiten und Algorithmen sowie die digitale Maschinensprache. Der Mehrwert für die Verarbeiter bestehe darin, dass sie Maschinen präziser kalibrieren und die Steuerung beispielsweise zur Fehlervermeidung etwa beim Spritzgießen einsetzen können. Sorgen, dass im Zuge der Digitalisierung die Kontrolle über Prozesse oder Arbeitsplätze verloren gehen könnten, teilt Bühler nicht. Digitalisierung ermögliche mehr und bessere Kontrolle und Beherrschbarkeit von Komplexität, stärke Innovations- und Leistungsfähigkeit der Branche und schone dabei zugleich Kapital, Ressourcen und die Umwelt. Dabei habe die Digitalisierung bislang in allen Branchen zu mehr Wertschöpfung und Arbeitsplätzen geführt.

Quellen:

  • Recyclingmagazin 10/2023
  • plastverarbeiter.de (31.10.2023)

13.10.2023 - 26.10.2023

Abstimmung über die PPWR im EP-Umweltausschuss

Berichte der Tages-, Wochen- und Fachmedien befassen sich mit der Abstimmung im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments (ENVI) über die EU-Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR), mit der die EU-Kommission die Umweltverschmutzung durch Verpackungsmaterialien reduzieren und eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft für Verpackungen fördern will. Mehrere Verbände der Verpackungs-, Kunststoff- und Recyclingindustrie sowie Umweltorganisationen hätten die Reformvorschläge – aus unterschiedlichen Gründen – kritisiert.
 

Der Umweltausschuss im Europaparlament habe sich nun für strengere Regeln für Verpackungen ausgesprochen, berichtet etwa die Süddeutsche Zeitung. Demnach solle der Kunststoffanteil in Verpackungen gemäß Entwurf, der noch im EU-Parlament und -rat abgestimmt werden müsse, künftig bis zu einem bestimmten Grad aus recyceltem Material bestehen. Der Verkauf von sehr leichten Kunststofftragetaschen solle verboten werden, sofern sie nicht aus hygienischen Gründen nötig seien. Außerdem solle mit den Regelungen Mehrweg gestärkt werden, etwa indem Verbraucherinnen und Verbraucher in Lokalen zukünftig ihre eigenen Behälter mitbringen könnten. Auch solle der Einsatz von per- und polyfluorierten Chemikalien (PFAS) in Lebensmittelverpackungen untersagt werden. Der zur Abstimmung vorgelegte Entwurf von Berichterstatterin Frédérique Ries sei mit 56 Ja-Stimmen bei 23 Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen angenommen worden, berichtet der Fachdienst Euwid, der auf weitere Änderungen und Ergänzungen gegenüber dem ursprünglichen Verordnungsvorschlag der EU-Kommission eingeht wie etwa Regelungen für den Zugang zu Recyclingmaterial. Aus der Wirtschaft komme laut Medienberichten Kritik am Vorschlag der EU-Kommission und den nun abgestimmten Änderungsvorschlägen des ENVI, namentlich von der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, dem Verband der Kunststoffhersteller Plastics Europe, der AGVU Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt, der BDI-Initiative Circular Economy, PRE Plastics Recycler Europe, dem Dachverband der europäischen Recyclingindustrie EURIC und dem europäischen Verband der Abfallwirtschaft FEAD. Die Kritik von PRE, EURIC und FEAD richte sich insbesondere gegen die Einführung eines Vorkaufsrechts für PET-Rezyklat in der Gesetzgebung, schreibt die K-Zeitung. Nach Überzeugung der Verbände würde dies eine monopolistische Kontrolle über recycelte Polymere fördern und den Prinzipien der freien Marktwirtschaft zuwiderlaufen. Plastics Europe sehe in dem Votum des Umweltausschusses „eine verpasste Chance, die notwendigen Investitionen zu fördern“, berichtet Euwid. Die Entwicklung des Marktes für recycelte Kunststoffverpackungen in Europa werde damit untergraben. Die BDI-Initiative Circular Economy betrachte die geplante Einführung von gesetzlichen Vorgaben zum Mindestrezyklatgehalt bei der Herstellung neuer Produkte mit großer Skepsis, ist einem weiteren Bericht von Euwid zu entnehmen. Zweifel an der Umsetzbarkeit der geplanten Quoten vor allem im Bereich der Lebensmittelverpackungen habe auch die AGVU, wie Euwid an anderer Stelle schreibt. Um Folgen der voraussichtlichen Rezyklatlücke ab dem Jahr 2030, wenn die geplanten Rezyklateinsatzquoten greifen sollen, abzumildern, fordere die IK, ein Gutschriftensystem einzuführen, ist einem Bericht in neue-verpackung.de zu entnehmen. Die IK habe vor der Abstimmung im Umweltausschuss gewarnt, dass die geplanten Sonderregelungen für Verpackungen aus Kunststoff ein „ökologischer Irrweg“ seien. Die IK kritisiere insbesondere, dass das geplante Sonder-Reduktionsziel nur für Kunststoffverpackungen zu einem Ausweichen auf andere Materialien führen werde, und verweise dazu auf eine aktuelle Studie der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung. Derzufolge erhöhe eine Reduktion von Kunststoffverpackungen um 10 Prozent bis 2030 – sofern sie durch andere Materialien ersetzt werden – die Menge an Haushaltsverpackungen um etwa 10 bis 20 Prozent und die Treibhausgasemissionen um 10 bis 14 Prozent. Dass es nicht zu ökologischen Fehllenkungen durch ein Ausweichverhalten weg von reglementierten Kunststoffeinwegverpackungen hin zu nicht reglementierten Einwegverpackungen aus anderen, für die Umwelt nachteiligen Materialien kommen dürfe, mahne auch die CDU/CSU-Fraktion im deutschen Bundestag laut einem aktuellen Antrag an. Darin werde laut einem weiteren Bericht von Euwid die Verpackungspolitik der Ampelkoalition kritisiert. Mit Blick auf die PPWR sei aus Sicht der CDU/CSU für die Verhandlungen im Rat „eine einheitliche, konsistente, technologieoffene und auf die Planbarkeit für die Wirtschaft ausgerichtete Haltung der Bundesregierung von entscheidender Bedeutung“. In ihrem Antrag habe die Union darüber hinaus auch kritisiert, dass die zwischen den Ampel-Parteien vereinbarte Förderung des chemischen Recyclings im Verpackungsgesetz weiter auf sich warten lasse.
 
Die ENVI-Mitglieder befassten sich laut einer Meldung des Ausschusses bei ihrem Treffen am 24. Oktober 2023 auch mit einer der PPWR übergeordneten Rahmenrichtlinie: dem Entwurf eines Berichts zur Überarbeitung der Abfallrahmenrichtlinie (WRRL) mit Schwerpunkt auf den Sektoren Lebensmittel und Textilien. Der Berichtsentwurf schlage unter anderem Änderungen an den neuen Bestimmungen über Lebensmittel- und Textilabfälle vor und betone die Notwendigkeit, die Verschwendung von Lebensmitteln zu bekämpfen, wozu laut der Meldung ein neues Konzept eingeführt werden solle.
 
Quellen:

  • k-zeitung (23.10.2023)
  • tagesschau.de, sueddeutsche.de, spiegel.de, euwid-recycling.de, mehrere Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 43/2023, neue-verpackung.de (24.10.2023)
  • europarl.europa.eu (25.10.2023)

 

Mikroplastik: EU-Kommission legt Entwurf für Verordnung gegen Pelletverluste vor

Die EU-Kommission will laut Medienberichten mit einer Verordnung strengere Regeln für den Umgang mit Kunststoffgranulat einführen. Damit solle verhindert werden, dass Mensch und Umwelt Schaden durch Mikroplastik entstehe. Durch die vorgeschlagenen neuen Vorgaben könne die Freisetzung um bis zu 74 Prozent reduziert werden, so die Kommission.
 

Kunststoffpellets, das Rohmaterial für die Herstellung aller Kunststoffe, sei laut Kommission meistens Mikroplastik von bis zu fünf Millimetern Größe, das etwa durch teilweise Verluste beim Transport in die Umwelt gelange, ist in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zu lesen. Derzeit landeten nach Angaben der Kommission jährlich zwischen 52.000 und 184.000 Tonnen Kunststoffpellets wegen falscher Handhabung in die Umwelt, berichtet auch der Spiegel. Dagegen wolle die EU-Kommission nun strenger vorgehen – und dazu Hersteller in die Pflicht nehmen. Mit dem Gesetz gehe die EU ein schwerwiegendes Problem für Umwelt und Gesundheit an, wird der EU-Beauftragte für das Klimaschutzpaket Green Deal, Maroš Šefčovič, im Spiegel zitiert. Laut Verordnungsentwurf müssten Hersteller künftig sicherstellen, dass kein Kunststoffgranulat aus der Produktion in die Umwelt gelangt und ihre Vorsichtsmaßnahmen entsprechend ausweiten. So müssten sie dann Risikogutachten erstellen und darin Maßnahmen aufführen und umsetzen, wie sich Einträge von Pellets in die Umwelt vermeiden lassen. Andernfalls würden die Unternehmen für die Aufräumarbeiten zuständig sein, schreibt der Spiegel. Große Konzerne müssten ihre Maßnahmen zur Vermeidung von Pelletverlusten dem Vorschlag zufolge von unabhängigen Zertifizierern bestätigen lassen, bei kleinen Unternehmen solle eine Selbstauskunft reichen. Die Verordnung stelle an Kleinst- und Kleinunternehmen geringere Anforderungen, da in der Pelletlieferkette ein großer Anteil von KMU vertreten sei, schreibt Euwid. In den Geltungsbereich des Vorschlags fielen laut Kommission alle Anlagen, die mehr als fünf Tonnen Kunststoffpellets pro Jahr befördern, sowie Speditionen, die Pellets transportieren. Alle mit Pellets verbundenen Vorgänge wie Produktion, Masterbatchierung und Compoundierung, Umwandlung, Abfallmanagement einschließlich Recycling, Vertrieb, Umpacken, Transport, Lagerung und Reinigung seien in den Verordnungsvorschlag einbezogen. Zu der geplanten Verordnung müssten das EU-Parlament und die EU-Staaten allerdings erst noch einen Kompromiss aushandeln.
 
Quellen:

  • sueddeutsche.de, zeit.de (16.10.2023)
  • spiegel.de, wiwo.de (17.10.2023)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 43/2023 (24.10.2023)

 

06.10.2023 - 12.10.2023

Änderungsvorschlag zur PPWR: Gutschriftensystem für Rezyklateinsatzquoten

Der Fachdienst Euwid berichtet in seiner aktuellen Ausgabe über Verzögerungen bei der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) aufgrund zahlreicher Änderungsvorschläge, die noch zu bearbeiten seien. Einer davon betreffe die geplanten Einsatzquoten für Kunststoffrezyklate, für die von der Wirtschaft ein Gutschriftensystem vorgeschlagen werde. Wie sich Verpackungshersteller, Kunststoff- und Recyclingindustrie ein solches System vorstellen, geht aus einer gemeinsamen Stellungnahme von Verbänden hervor, die im Newsroom der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen veröffentlicht ist.
 

Im Europäischen Parlament werde die EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR - Packaging and Packaging Waste Regulation) weiter beraten, schreibt Euwid. Die Abstimmung im Umweltausschuss des EU-Parlaments über die EU-Verordnung sei von September auf die vierte Oktoberwoche verschoben worden, da die Berichterstatterin Frédérique Ries und die Schattenberichterstatter der Fraktionen im Ausschuss wohl noch die Zeit bräuchten, die mehr als 2.000 Änderungsanträge zu Kompromissen zusammenzufassen. Zu den zuletzt vorgeschlagenen Änderungen gehöre die Möglichkeit für Hersteller von Kunststoffverpackungen, die Vorgaben für den Mindestgehalt an Recyclingmaterial durch den Ankauf von „Credits“ zu erfüllen, berichtet Euwid unter Berufung auf Informationen des französischen Nachrichtendiensts Contexte. Verpackungshersteller würden nach diesem Modell von Herstellern, die in ihren Produkten aus dem gleichen Polymer einen höheren Rezyklatgehalt als gefordert hätten, Gutschriften für diese überschüssigen Anteile erwerben und auf ihre eigenen Produkte anrechnen können. Alternativ sollten die Verpflichtungen über den Einsatz biobasierter Kunststoffe erfüllt werden können, ist in Euwid weiter zu lesen. Für eine solche Gutschriftenlösung plädiere die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI), der International Confederation of Plastics Packaging Manufacturers (ICPP), dem Wuppertal Institut, der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, dem Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV), dem Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse), dem französischen Kunststoffverband Elipso, dem Fachverband der europäischen Kunststoffverarbeiter EuPC und dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA), ist im Newsroom Kunststoffverpackungen zu lesen. Ein Gutschriftensystem, bei dem Hersteller Gutschriften erhalten, wenn sie mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen Post-Consumer-Rezyklate (PCR) in ihren Produkten einsetzen, könne die Rezyklateinsatzquote auf dem Gesamtmarkt sicherstellen, so die Verbände. Recyclingfähigkeit als Marktvoraussetzung sei ein guter Ansatz und ein wichtiges Signal seitens der Politik für mehr Investitionen in die Kreislaufwirtschaft, doch seien in der Praxis noch nicht die nötigen Voraussetzungen gegeben. Auch gebe es nicht genug PCR in hoher Qualität, um die Nachfrage am Markt zu decken, weisen sie weiter darauf hin. Dies betreffe insbesondere Lebensmittelverpackungen und andere kontaktsensitive Anwendungen, denen ab 2030 bei Einführung der Rezyklateinsatzquoten ein Vermarktungsverbot drohe. Ein flexiblerer Einsatz von Rezyklaten sei daher dringend geboten. Die Gutschriftenlösung werde zum Schutz der Lieferketten und zur wirtschaftlicheren Nutzung von Rezyklaten führen, das Risiko von Vermarktungsverboten für bestimmte Verpackungen reduzieren, aber auch den Energiebedarf sowie die Kosten der Transformation senken. Zudem steigere die Gutschriftenlösung die Recyclingfähigkeit von Verpackungen, da Gutschriften vor allem für Polymerarten zu erwarten seien, die in größeren Mengen recycelt und am Markt stark nachgefragt sind, so die Verbände laut Newsroom Kunststoffverpackungen.
 
Quellen:

  • newsroom.kunststoffverpackungen.de (6.10.2023)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 41/2023 (10.10.2023)

 

EU-Chemikalienverordnung auf unbestimmte Zeit verschoben

Die EU-Kommission hat laut einem Bericht von Euractiv die Überarbeitung der REACH-Verordnung zur Chemikaliensicherheit auf unbestimmte Zeit verschoben. Das Parlament habe keine Information dazu erhalten, wann der Vorschlag, wenn überhaupt, vorgelegt werden solle. Laut einer Einschätzung des Fachmagazins Kunststoffe zu den Ergebnissen des Chemiegipfels Ende September im deutschen Kanzleramt habe die Politik hierzulande beim geplanten PFAS-Totalverbot eingelenkt und wolle in Brüssel für eine risikobasierte Beschränkung bei per- und polyfluorierten Stoffen werben.
 

Die REACH-Überarbeitung im Rahmen der EU-Chemikalienstrategie, die auf eine giftfreie Umwelt abziele, sei auf Ende 2023 verschoben worden. Hintergrund seien zunehmende Schwierigkeiten der Branche sowie die Ankündigung des deutschen Chemiekonzerns BASF, seine Aktivitäten in Europa aufgrund steigender Energiekosten und der Besorgnis über die Umweltvorschriften dauerhaft zurückzufahren, berichtet das europäische Mediennetzwerk Euractiv. Aus Sicht konservativer Abgeordneter im Europäischen Parlament sei die Überprüfung damit endgültig auf Eis gelegt worden. Die Europäische Kommission habe dies auf Anfrage von Euractiv jedoch nicht bestätigt, und der nun für die Überwachung der EU-Umweltpolitik zuständige neue EU-Kommissionsvize Maroš Šefčovič habe erklärt, dass die „Vorbereitungen“ zu dem Vorschlag fortgesetzt würden. Die Kommission prüfe sorgfältig alle Aspekte der Überarbeitung und werde ihren Entwurf vorlegen, „wenn er fertig ist“, wird Šefčovič bei Euractiv zitiert. Der EVP-Abgeordnete Peter Liese begrüße die Verschiebung der REACH-Revision. Für ihn sei fast klar, dass es in diesem Jahr keine Revision geben werde und wohl auch nicht vor dem Ende der Amtszeit der Kommission. Die EU müsse dem Klima Vorrang einräumen, und einige Chemikalien seien wichtig für den Übergang, wird Liese zitiert.
 
Die EU-Chemikalienpolitik und das aktuelle Beschränkungsverfahren zu PFAS waren auch Thema beim Chemiegipfel der deutschen Bundesregierung mit Vertretern der Länder, Wirtschaft und Gewerkschaften. Kunststoffe bringt dazu eine Einschätzung der Ergebnisse. In einer Pressemitteilung des Kanzleramts zum Gipfel habe sich die Bundesregierung gegen die pauschale „One fits all“-Verbotspolitik der Europäischen Chemikalienbehörde (ECHA) ausgesprochen. Herauslesen lasse sich laut Kunststoffe, dass diese nach Ansicht der Bundesregierung angemessen und verhältnismäßig zu erfolgen habe und bestehende Forschung an Alternativen zu riskanten Stoffen weiter forciert werden solle. Pauschale, undifferenzierte Verbote ganzer Stoffklassen seien nicht vom bestehenden europäischen Rechtsrahmen gedeckt und nach dem aktuellen Vorschlag der deutschen und weiterer Fachbehörden auch nicht vorgesehen, zitiert Kunststoffe aus der Mitteilung. Ein Totalverbot von PFAS sei insofern nicht geplant und würde von der Bundesregierung auch nicht unterstützt, heiße es darin weiter. Dabei solle es nach Auffassung der Bundesregierung dauerhaft bleiben, insbesondere im Rahmen der Diskussionen um die europäische Chemikalienstrategie und REACH.
 
Der pro-K Industrieverband der Hersteller von Halbzeugen und Konsumprodukten aus Kunststoff begrüße diese Ankündigung der Bundesregierung, ist in dem Beitrag von Kunststoffe weiter zu lesen. Von den geplanten Regulierungen und dem aktuellen Beschränkungsverfahren der ECHA zu PFAS seien mit Fluorkunststoffen auch Polymers of low concern (PLC) betroffen, die als sicher und unbedenklich gälten – und zudem für die Energiewende oder den Bau sicherer und prozessoptimierter Industrieanlagen gebraucht würden, so der Verband. Ein Verbot hätte nach Ansicht des pro-K weitreichende Folgen für den Industriestandort Deutschland und die Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung, etwa weil sich die Abhängigkeit von anderen Ländern weiter erhöhen würde.
 
Quellen:

  • euractiv.de (9.10.2023)
  • kunststoffe.de (11.10.2023)

 

29.09.10.2023 - 05.10.2023

Kreislaufwirtschaft: „Es geht voran“

Die designierte Präsidentin des BDE-Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft, Anja Siegesmund, die im Juni 2024 die Nachfolge von Präsident Peter Kurth antreten wird, und der noch amtierende BDE-Präsident sprechen im Interview mit der WELT über die Kreislaufwirtschaft und das Recycling. Im Podcast „Kunststoff DIALOG“ der Zeitschrift Kunststoffe und des Kunststoff-Zentrums SKZ erklärt Bettina Dempewolf, die neue Kommunikationschefin des Kunststofferzeugerverbands Plastics Europe Deutschland (PED), warum das vor Kurzem gemeinsam mit dem BDE und dem Verband der chemischen Industrie (VCI) vorgelegte Leitbild zur Kreislaufwirtschaft ein großer Fortschritt ist.
 

BDE-Präsident Peter Kurth verweist im Interview mit der WELT ebenfalls auf das gemeinsame Leitbild mit Positionen zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) von BDE, PED und VCI, in dem sich die Industrie sowohl zur Priorität des mechanischen Recyclings bekennt als auch für angemessene Rahmenbedingungen für das chemische Recycling von Kunststoffabfällen ausspricht. Zur Frage von der WELT, wie weit Deutschland beim Ziel einer zirkulären Wirtschaft ist, antwortet Kurth, dass die zwölf Prozent aktuell in Deutschland genutzten Recycling-Rohstoffe sich etwa im Baubereich schnell und einfach mindestens verdoppeln ließen, wenn die Politik zum Beispiel Abbruchreste künftig als Baumaterial und nicht wie bislang als Abfall deklarieren würde. Handlungsbedarf sieht Kurth auch bei Kunststoffen. Gut funktioniere das Recycling bei Verpackungen, insbesondere bei Einweg-Getränkeflaschen. Um mehr zu erreichen, braucht es aus seiner Sicht unter anderem Mindesteinsatzquoten für Recyclingmaterial und Vorgaben für das Design von Produkten. Eine Umweltwirtschaft, in der der Abfall des einen zum Rohstoff oder Nutzen des anderen wird, müsse politisch angestoßen werden und brauche kluge Regulatorik, so Kurth. Zur zukünftigen Verbandsausrichtung und Themensetzung des BDE erklärt Kurths Nachfolgerin Siegesmund, die langjährige grüne Umweltministerin des Landes Thüringen, im Interview mit der WELT, dass Deutschland seine Rohstoffsouveränität ausbauen, die grüne Transformation entschieden vorantreiben und unabhängiger von fossilen Importen werden müsse. Die Abfallwirtschaft von heute werde dabei die Rohstoffwirtschaft von morgen sein, wenn man es klug anstelle, so Siegesmund. Viele Unternehmen aus der Branche sind auf diesem Weg schon sehr viel weiter, als die Politik manchmal meint, sagt Siegesmund. Das wolle sie zeigen und herausstellen, dabei in der Verbandsarbeit an Bewährtes anknüpfen. Bei der Kreislaufwirtschaft sieht Siegesmund noch viel Luft nach oben. Sie werde sich dafür einsetzen, sowohl das Tempo zu erhöhen als auch eine breitere Beteiligung zu erreichen. Dass die grüne Transformation nicht alleine über die Energiepolitik erreicht werden kann, sondern auch einer ausgeprägten Kreislaufwirtschaft bedarf, scheine aber zunehmend anzukommen, so Siegesmund.
 
In der aktuellen Folge des Podcast „Kunststoff DIALOG“ betont die neue Kommunikationschefin von PED, Bettina Dempewolf, dass es mit dem gemeinsamen Leitbild von BDE, VCI und PED nun ein einheitliches Verständnis der Kreisläufe bei Kunststoffen gebe: Man müsse runter von den Abfallmengen, Material gezielter einsetzen, wo immer möglich reduzieren, der Abfallhierarchie besser folgen und Haltbarkeit, Reparierbarkeit sowie Recycling von Produkten von Anfang an mitdenken. Die gut etablierten mechanischen Recyclingverfahren müssten deutlich gestärkt und die chemischen Verfahren gesetzlich anerkannt werden. Die Industrie wolle so die Recyclinglücke schließen, Rohstoffe so gut wie möglich wiedergewinnen und im Kreislauf führen. Mit dem Leitbild sei es gelungen, die zwei Enden einer linearen Wertschöpfungskette zu verbinden. Zur Frage nach der aktuellen Diskussion um chemisches versus mechanisches Recycling sagt Dempewolf, dass chemische Verfahren bei stark vermischten, verschmutzen Abfallfraktionen ins Spiel kämen. Mit diesen könne man Rohstoffe wiedergewinnen, die heute noch in die Verbrennung und damit verloren gingen. Chemische Verfahren seien das fehlende Puzzlestück im Schließen der Kreisläufe von Kunststoffen, und mit der erzielten Einigung in dem Positionspapier als Basis für die NKWS sei ein wirklich „großes Ding“ gelungen. Nun gehe es an die harte politische Arbeit hinsichtlich der wichtigen Entscheidungen zur Anerkennung des chemischen Recyclings.
 
Quellen:

  • kunststoffe.de 28.9.2023
  • welt.de (2.10.2023)

 

Tiefseeenzym zersetzt PET

Tagesmedien berichten über einen wissenschaftlichen Durchbruch in der Erforschung von Enzymen, mit deren Hilfe Kunststoffe abgebaut werden könnten. Forscherinnen und Forscher der Universitäten Kiel, Hamburg und Düsseldorf fanden den Berichten zufolge mit Hilfe komplexer Analysemethoden in einer Datenbank mit Proben aus aller Welt ein Enzym, das aus Urzeitbakterien (Archaeen) in der Tiefsee vor Venezuela stamme. Dieses Enzym aus uralten Bakterien könne einen Kunststoff zersetzen, den es erst seit wenigen Jahrzehnten gibt.
 

Das Ziel der Forschung sei es, neue Enzyme zu finden, die am Ende industriell PET recyceln können, wird Dr. Pablo Perez-Garcia, Mikrobiologe an der Universität Hamburg und Erstautor der Studie, zitiert. Das neu entdeckte Enzym PET46 aus der Tiefsee vor Venezuela könne anders als die bisher bekannten Biokatalysatoren mit der Fähigkeit, Kunststoff abzubauen, warme Temperaturen aushalten und PET daher schneller aufspalten. Darüber hinaus könne das Enzym sowohl sehr langkettige PET-Moleküle, sogenannte Polymere, als auch kurzkettigere PET-Moleküle, sogenannte Oligomere, aufspalten. Die Eigenschaften von PET46 sollen nun noch verbessert werden, um PET noch effizienter abbauen zu können. Nach heutigem Forschungsstand werde allein PET in der Natur abgebaut, aber noch kein anderes Plastik, wird Professor Wolfgang Streit von der Universität Hamburg zitiert. Doch am Ende hätten die Forscher das Ziel, ein Enzym oder eine Kombination aus mehreren Enzymen zu finden, mit dessen Hilfe Mikroplastik im Meer abgebaut werden kann.
 
Quellen:

  • br.de (29.9.2023)
  • ndr.de, tagesschau.de (30.9.2023)

 

Folgen der Beschränkung von Mikroplastik: hohe Kosten für Sportvereine

Mehrere Berichte in Tagesmedien beschäftigen sich mit den finanziellen Folgen der EU-Beschränkung von bewusst zugesetztem Mikroplastik für deutsche Vereine, Städte und Gemeinden. Für den Umbau von Kunstrasenplätzen, auf denen Kunststoffgranulat als Füllmaterial eingesetzt wird, müsse hierzulande mit Mehrkosten von insgesamt einer Milliarde Euro gerechnet werden.
 

Es gehe der europäischen Chemikalienagentur ECHA und der EU nicht um ein Verbot von Kunstrasenplätzen, wird Rolf Haas, der stellvertretender Vorsitzende der Internationalen Vereinigung für Sport- und Freizeiteinrichtungen in Deutschland (IAKS) etwa in einem Bericht des Deutschlandfunks (DLF) zitiert. Die Verordnung bedeute nicht das Ende für die knapp 7.000 Kunstrasenplätze in Deutschland. Es gebe genügend Alternativen zum Kunststoffgranulat, wie etwa Kork oder auch gemahlene Olivenkerne oder Füllungen auf Maisbasis, ist in dem Bericht des DLF zu lesen. Bei neugebauten Anlagen habe man in den letzten Jahren schon auf Gummigranulate verzichtet, so Haas. Denn schon seit 2019 sei klar gewesen, dass sie von Seiten der EU verboten werden könnten. Auch der Deutsche Olympische Sportbund DOSB sei auf das Verbot vorbereitet, zitiert DLF den Pressesprecher des DOSB, Michael Schirp. Seit 2020 informiere die Arbeitsgruppe „Mikroplastik durch Sport in der Umwelt“ die Vereine und Verbände und gebe Handlungsempfehlungen. Der umweltgerechte Umbau der Kunstrasensportplätze in Deutschland werde indes teuer, schreibt unter anderem die Neue Westfälische Zeitung in einem Online-Bericht. Laut Bernd Düsterdiek vom Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) sei von Mehrkosten in Höhe von mindestens einer Milliarde Euro auszugehen. Düsterdiek fordere daher Finanzhilfen von Bund und Ländern für die Kommunen und auch die Vereine sowie eine Verlängerung der Übergangsfrist von acht auf zwölf Jahre.
 
Quellen:

  • nw.de (28.9.2023)
  • deutschlandfunk.de, taz.de (30.9.2023)
  • welt.de (2.10.2023)