Einleitung
Was schreibt die Presse rund um das Thema Kunststoff und Verwertung? Wir fassen die Berichte wöchentlich zusammen.
27.03.2026 - 16.04.2026
Das Fachmagazin Industrial Explorer berichtet unter der Überschrift: „Der mühsame Weg zum geschlossenen Kreislauf“ über den Leitkongress für Kunststoffe im Automobilbau „Plastics in Automotive Engineering“ (PIAE), bei dem das Thema Rezyklateinsatz vor dem Hintergrund der neuen EU-Regulatorik im Fokus gewesen sei. Kunststoffe sprach im Interview mit Dr. Fabian Nagel, Mitgründer und CEO des Aachener Start-ups Secara, über das unternehmenseigene Depolymerisationsverfahren für Polyamidabfälle (PA 6) aus industriellen Anwendungen.
Die Automobilbranche suche angesichts ambitionierter Recyclingziele der kommenden EU-Altautoverordnung (End-of-Life Vehicles Regulation, ELVR) den Schulterschluss zwischen Design, Prozessstabilität und Recyclingfähigkeit, ist im Bericht des Industrial Explorer über den PIAE-Kongress zu lesen, der am 18. und 19. März 2026 in Baden Baden stattfand. Auf der Veranstaltung präsentierte Projekte von Unternehmen der Kunststoffindustrie wie Borealis oder des Chemiekonzerns Sabic hätten deutlich gemacht, dass die technische Machbarkeit von hochwertigen Rezyklaten in vielen Bereichen gegeben sei. Doch gebe es Warnungen vor massiven Versorgungslücken beim Schlüsselwerkstoff Polypropylen (PP). So komme eine aktuelle BKV-Studie zu dem Ergebnis, dass es bei PP, der bis zu 50 Prozent der Kunststoffe moderner Fahrzeuge ausmache, eng werden könne. Um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, die Rezyklateinsatzquoten von 15 Prozent ab 2032 und 25 Prozent ab 2036 vorsähen, müsse die Automobilindustrie allein rund 45 Prozent der gesamten Marktmenge an PP-Rezyklaten beanspruchen, schreibt Industrial Explorer. Dass ein Fünftel der Rezyklate laut ELVR aus dem Car-to-Car-Recycling stammen sollen, komme erschwerend hinzu. Um das gesamte Ressourcenpotenzial des Altautomobilsektors effektiv zu nutzen, brauche es dringend Investitionen in effiziente Rücknahmesysteme, moderne Sammel- und Sortiertechnologien sowie in den Ausbau innovativer Recyclingverfahren, wird Dr. Aliaksandra Shuliakevich vom Verband der Kunststofferzeuger Plastics Europe Deutschland zitiert. Tobias Epple von Borealis habe betont, dass eine funktionierende Kreislaufwirtschaft nur möglich sei, wenn alle Partner entlang der Wertschöpfungskette intensiv zusammenarbeiten, und dass es neue Kunststofflösungen brauche, um Post-Consumer-Rezyklate auch in technisch und ästhetisch anspruchsvollen Anwendungen einzusetzen. Die Verfügbarkeit von hochwertigem Rezyklat bleibe das Nadelöhr der Branche, schreibt Industrial Explorer in seinem Fazit.
Im Interview des Fachmagazins Kunststoffe mit dem Chef des Startups Secara über Technologie und Marktstrategie des Unternehmens beschreibt Nagel das unternehmenseigene chemische Recyclingverfahren für PA 6. Der Prozess nutze Wasser als Reaktionsmedium und einen Katalysator, der die Polymerketten präzise spalte, so dass Monomere für die Produktion neuer Kunststoffe in Neuwarequalität entstehen. Secara errichte aktuell eine Pilotanlage, um den Prozess im Tonnenmaßstab zu demonstrieren. Ziel sei der Dauerbetrieb über viele Zyklen, um Robustheit, Reproduzierbarkeit und Performance nachweisen zu können. Dabei werde mit realen, stark additivierten Post-Consumer-Abfallströmen und in engem Austausch mit Industriepartnern gearbeitet. Danach sei eine erste großindustrielle Recyclinganlage im mittleren zweistelligen Kilotonnenmaßstab geplant.
Quellen:
- Industrial Explorer (7.4.2026)
- Kunststoffe 4/2026
Zwei Forscherinnen der Universität Hohenheim untersuchten laut Medienberichten in einer Studie in 102 Haushalten in Stuttgart, ob sich die Menschen zu mehr Sorgfalt bei der Mülltrennung bewegen lassen, wenn sie über die Hintergründe der Mülltrennung aufgeklärt statt über die korrekte Entsorgung der Abfälle belehrt werden. Derart informierte Haushalte reduzierten ihre Fehlerquote beim Sortieren laut Studie um 70 Prozent, berichtet etwa die Welt.
Kunststoffverpackungen, Bioabfall und Restmüll landen oft genug zusammen in einer Tonne und das Gerücht, am Ende werde ohnehin alles zusammengeschüttet, halte sich hartnäckig, schreibt die Welt. Für ihre im Fachmagazin „Journal of Environmental Management“ vorgestellte Studie haben die Autorinnen laut Welt zunächst die Mülltrennung der Stuttgarter Haushalte analysiert und innerhalb einer Woche insgesamt 3.791 Sortierfehler gezählt. Danach sei die Hälfte der Haushalte über einen Flyer mit Informationen zu Sinn und Zweck der getrennten Erfassung aufgeklärt worden. Genannt hätten die Forscherinnen etwa, dass aus Bioabfall wertvoller Kompost entstehe, das Recycling von Kunststoffen Energie spare und CO2-Emissionen reduziere. Dass die Flyer-Intervention laut Studie zu einem Rückgang der Sortierfehler um 70 Prozent geführt habe, berichtet auch der Fachdienst Euwid. In den Haushalten mit Flyer sei die Zahl der Fehlwürfe von durchschnittlich 45,5 auf 13,8 gesunken. Schlüssel für eine bessere Mülltrennung sei also, der Bevölkerung die direkten Vorteile für Gesellschaft und Umwelt vor Augen zu führen, wird Studienleiterin Eva Pawelczyk, Doktorandin am Fachgebiet „Verbraucherverhalten in der Bioökonomie“ der Universität Hohenheim, in Euwid zitiert.
Quellen:
- Welt (12.4.2026)
- Euwid Recycling und Entsorgung 16/2026 (14.4.2026)
Die neue EU-Abfallverbringungsverordnung (VVA) sieht vor, dass ab dem 21. Mai 2026 alle Nachweise, Dokumente und Informationen vollständig digital über das neue zentrale elektronische System Diwass (Digital Waste Shipment System) abgewickelt werden. Die EU-Kommission plant nun nach Protesten von Industrieverbänden aufgrund von Verzögerungen bei der Bereitstellung des Systems (s. auch Presseschau vom 30.1. bis 5.2.2026), Papierdokumente bei grenzüberschreitenden Abfallverbringungen vorübergehend weiter zuzulassen, berichtet Euwid.
So habe die EU-Kommission bei einem Arbeitsgruppentreffen mit Vertretern der Mitgliedstaaten und betroffenen Interessengruppen Ende März mitgeteilt, dass die zuständigen Behörden der EU-Länder noch bis Ende 2026 weiterhin die Führung von Anhang-VII-Formularen in Papierform akzeptieren können. Das Formular nach Anhang VII der VVA dient als Begleitdokument für Abfälle der „Grünen Liste“, die zur Verwertung bestimmt sind, darunter auch Kunststoffabfälle (Anmerkung der Redaktion). Nach Ansicht der EU-Kommission ermögliche die weitere Nutzung von Anhang-VII-Formularen im Papierformat mehr Flexibilität bei der Verbringung grün gelisteter Abfällen, ohne dadurch das allgemeine Digitalisierungsziel zu gefährden, berichtet Euwid. Der europäische Dachverband der Entsorgungswirtschaft FEAD begrüße den Vorschlag der EU-Kommission, schreibt Euwid an anderer Stelle. Die Kommission habe sich bei dem Expertentreffen nach Angaben des FEAD zuversichtlich gezeigt, dass das System rechtzeitig einsatzbereit sein werde und Unternehmen sich ab dem 21. April registrieren könnten. Zudem habe die Kommission angekündigt, in den kommenden Wochen Anleitungsvideos zur Nutzung des Systems auf ihrer offiziellen Website zu veröffentlichen. FEAD empfehle allen betroffenen Unternehmen, sich nach Öffnung der Plattform umgehend in Diwass zu registrieren, berichtet Euwid weiter. Da behördliche Prüf- und Genehmigungsprozesse Zeit in Anspruch nehmen könnten, empfehle sich eine frühzeitige Vorbereitung, ist auch in einem Bericht des Recyclingmagazins zu lesen. Denn mit der Einführung von Diwass müssten Unternehmen Rollen, Verantwortlichkeiten und Zugriffsrechte klar definieren und in ihren Systemen abbilden. Voraussetzung für die Teilnahme an Diwass sei zudem die Registrierung aller beteiligten Standorte im System sowie deren Freischaltung durch die zuständigen Behörden.
Quellen:
- Euwid Recycling und Entsorgung 15/2026 (8.4.2026)
- Recyclingmagazin (14.4.2026)
20.03.2026 - 26.03.2026
Laut Medienberichten gibt es Kritik von Verbänden aus Industrie, Handel und Entsorgungswirtschaft an Änderungsvorschlägen, die die Ausschüsse im Bundesrat zum neuen Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG) eingebracht haben. Im Fokus der Kritik stehen laut Euwid vorgesehene Berichtspflichten zu Maßnahmen der Reduzierung von Verpackungen und Verpackungsabfällen sowie zusätzliche Finanzierungsansätze zur Förderung von Mehrweg- und Wiederbefüllungssystemen. Die Schaffung einer neuen Organisation für Abfallvermeidungsmaßnahmen, die eigentlich schon vom Tisch war, lehnen die Verbände laut Table.Briefings insbesondere mit dem Hinweis auf die damit verbundenen hohen Kosten ebenfalls ab.
Laut Euwid sprechen sich der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), der Handelsverband Deutschland (HDE), der Markenverband, der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE) sowie die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK) in einem gemeinsamen Schreiben an die Staatskanzleien der Länder, die Wirtschaftsminister sowie die zuständigen Ausschüsse des Bundesrates gegen einzelne Punkte der Empfehlungen der Ausschüsse zur Sitzung des Bundesrates am 27. März 2026 aus. Die Verbände kritisierten insbesondere die Empfehlungen, dass nach VerpackDG Verpflichtete jährliche Berichte über Maßnahmen zur Abfallvermeidung erstellen und diese zur Prüfung an die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) übermitteln sollen. Auch die vorgesehenen zusätzlichen Finanzierungsansätze der Ausschüsse lehnen sie ab, schreibt Euwid. Diese beinhalten unter anderem eine Fondslösung, bei der Mittel aus Systemen der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) sowie aus Pfand- und Rücknahmesystemen für die Förderung von Mehrweg- und Wiederbefüllungssystemen eingesetzt werden sollen. Die Verbände drängten darauf, den im Februar im Bundeskabinett beschlossenen Gesetzentwurf unverändert zugrundezulegen und weitergehende Regelungen zurückzuweisen, berichtet Euwid. Neue Fondslösungen und die von den Ausschüssen wieder ins Spiel gebrachte Schaffung einer neuen Organisation, die Maßnahmen für die Vermeidung von Verpackungen und Verpackungsabfällen fördern soll, würden aus Sicht der Verbände über die direkte Umsetzung von EU-Recht hinausgehen und die Unternehmen auch unverhältnismäßig belasten, zitiert Table.Briefings aus dem Schreiben an die Staatskanzleien der Länder. Laut einer weiteren Stellungnahme des BDE, über die Euwid an anderer Stelle berichtet, sehe der Verband Handlungsbedarf bei der Übergangsregelung zur neuen Herstellerdefinition. Der BDE empfehle, Änderungen bei der Systembeteiligungspflicht erst zum 1. Januar 2027 wirksam werden zu lassen, um Finanzierungslücken bei den dualen Systemen zu vermeiden.
Quellen:
- Euwid Recycling und Entsorgung 13/2026 (24.3.2026)
- Table.Briefings (25.3.2026)
- euwid-recycling.de (26.3.2026)
Durch die bis auf wenige Ausnahmen für den Frachtverkehr gesperrte Meerenge kommt es laut Medienberichten nicht nur zu spürbaren Auswirkungen auf die internationalen Energie- und Rohstoffmärkte. Die Entwicklung belastet auch zunehmend die europäische Kunststoffwert-schöpfungskette, wie europäische und deutsche Verbände beklagen.
Eine akute Belastungslage meldeten Verarbeiter nach Angaben des europäischen Dachverbands European Plastics Converters (EUPC), berichtet etwa der Plasticker. Als zentrale Probleme würden kurzfristige Preissteigerungen bei Kunststoffrohstoffen, eine instabile Versorgungssituation, steigende Energie- und Logistikkosten sowie eine deutlich erschwerte Produktionsplanung genannt. Die Branche fordere politische Maßnahmen zur Stabilisierung der Lage wie etwa Schritte zur Begrenzung der Energiepreise in Europa sowie verstärkte diplomatische Bemühungen zur Entschärfung der Krise im Nahen Osten. Kunststoffverarbeiter in Deutschland sähen sich kurzfristig mit massiven Preisaufschlägen und fragwürdigen Force-Majeure-Erklärungen von Rohstofflieferanten konfrontiert, berichtet Euwid, bezugnehmend auf eine aktuelle Blitzumfrage des GKV Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie. Einen Überblick über aktuelle Preisentwicklungen und Markttrends gibt die K-Zeitung, wonach es etwa bei Standardkunststoffen wie Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) zu Preisaufschlägen zwischen 40 und 60 Prozent kommt. Nach Einschätzung des deutschen pro-K Industrieverbands langlebige Kunststoffprodukte und Mehrwegsysteme stehe auch die Fluorpolymerindustrie in Europa derzeit unter zusätzlichem Druck, berichtet der Plasticker. Unternehmen entlang der chemischen Wertschöpfungskette seien ebenfalls mit instabilen Lieferketten, steigenden Kosten und wachsender Planungsunsicherheit konfrontiert. Dies wirke sich zunehmend auf Produktion, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit aus. Wie aus Berichten von ntv und Tagesspiegel hervorgeht, warne der Hauptgeschäftsführer des VCI Verband der Chemischen Industrie, Dr. Wolfgang Große Entrup, vor Versorgungsengpässen vor allem bei wichtigen Ausgangsstoffen wie Ammoniak, Phosphat, Helium und Schwefel. Sollte der Konflikt länger dauern, sei laut VDMA auch im Maschinenbau mit negativen Effekten zu rechnen, berichten die beiden Tagesmedien weiter.
Quellen:
- K-Zeitung (20.3.2026)
- ntv (21.3.2026)
- Tagesspiegel (22.3.2026)
- Plasticker, Euwid Recycling und Entsorgung 13/2026 (24.3.2026)
Die FAZ berichtet über einen Besuch von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) der im Bau befindlichen Anlage von LyondellBasell zum chemischen Recycling von Kunststoffabfällen in Wesseling. Laut Berichten der Fachpresse über die anhaltende Krise der Kunststofferzeuger in Deutschland drängt der Verband der Kunststoffhersteller Plastics Europe Deutschland (PED) auf den weiteren Ausbau der Kreislaufwirtschaft und fordert dazu sowie zur Standortsicherung ein pragmatisches Vorgehen und gleichzeitig mehr Tempo.
Schneider habe sich einen Eindruck von der Lage der Kreislaufwirtschaft im Land und in Wesseling beim Besuch der Moretec-Anlage von LyondellBasell vom Baufortschritt eines der Vorzeigeprojekte verschafft, berichtet die FAZ. Der Bau der Anlage koste 250 Millionen Euro, mit 40 Millionen Euro fördere die Europäischen Union das Projekt. Investitionen der Chemieindustrie in diesem Umfang seien derzeit ungewöhnlich, schreibt die FAZ weiter. Die Branche leide unter hohen Energiekosten und steigendem Druck auf ihr Geschäftsmodell. Doch LyondellBasell verfolge sein Anlagenprojekt in Wesseling weiter und beabsichtige dort 50 neue Stellen zu schaffen.
Unter Druck stehen auch die deutschen Kunststoffhersteller, deren Produktion, Umsatz und Exporte 2025 laut Berichten der Fachpresse erneut zurückgingen (s. auch Presseschau vom 13. bis 19. März 2026). Der Verband Plastics Europe Deutschland (PED) verweise auf die schwache Nachfrage, den internationalen Wettbewerbsdruck sowie die anhaltenden Handelskonflikte, wie Fachmagazine berichten. Trotz steigender Nachfrage nach Kunststoffen weltweit summiere sich in Deutschland der Produktionsrückgang der Kunststofferzeuger laut PED seit 2022 auf 26 Prozent. Zur Stabilisierung der Branche und des Industriestandorts in Deutschland halte PED umfassende Reformen sowie den Ausbau der Kreislaufwirtschaft für erforderlich. Um Nachfrage nach Rezyklaten zu schaffen, seien Marktanreize sowie Instrumente wie die öffentliche Beschaffung notwendig. Hier sehe der Verband in letzter Zeit zwar positive Impulse, die jedoch nicht ausreichten. „Pragmatismus vor Perfektion“ und deutlich mehr Tempo fordere PED-Hauptgeschäftsführerin Dr. Christine Bunte.
Quellen:
- FAZ (21.3.2026)
- Kunststoffe, Packaging Journal (23.3.2026)
13.03.2026 - 19.03.2026
Tages- und Fachmedien haben die kürzlich veröffentlichten Jahresbilanzzahlen des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) und des Verbands der Kunststoffhersteller Plastics Europe Deutschland (PED) aufgegriffen, wonach für das Jahr 2025 in allen Bereichen Rückgänge verzeichnet werden. VCI und PED fordern eindringlich kurzfristig wirksame Maßnahmen der Politik in Deutschland und von der EU.
Im Interview mit der Tagesschau spricht VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup von einer dramatischen Lage, insbesondere im Mittelstand. Preise, Umsätze, Produktion, alles sei im roten Bereich, einziger Lichtblick die Pharmaindustrie, betont Große Entrup. Als Gründe für die Entwicklung nennt er die wirtschaftliche Lage der Kundenbranchen wie etwa der Automobil- und Bauindustrie, die die Chemie als Zulieferer besonders treffe, sowie den Wettbewerb auf den Weltmärkten insbesondere mit China. Hinzu kommen die Zolldiskussion in den USA und aktuell die Irankrise, die Gift sei für die deutsche Wirtschaft. Die größten Herausforderungen für die Unternehmen sieht Große Entrup im Energiebereich, wo nun schnell eine deutliche Entlastung kommen müsse, ebenso wie bei der Bürokratie. Große Hoffnungen setze der VCI in den europäischen Wirtschaftsgipfel in dieser Woche und auf konkrete Entlastungsmaßnahmen für die Industrie in Europa. Große Entrup zeigt sich optimistisch, dass die Politik verstehe, dass jetzt sehr schnell operative Maßnahmen kommen müssten, die die Wirtschaft unterstützten. Aufgrund der derzeitigen Unwägbarkeiten habe der VCI erstmals keine Prognose für die Entwicklung in diesem Jahr abgegeben, berichten auch die Fachmagazine Chemanager und Plastxnow. Sie greifen konkrete Zahlen aus der Jahresbilanz des VCI auf, wonach die Produktion der Branche im Jahr 2025 um 0,5 Prozent zurückging, auch wenn der Pharmabereich um 4,5 Prozent zulegte (Chemie –3,3,). Hier sei die Sparte der Polymere mit einem Rückgang von 5,3 Prozent besonders betroffen. Chemie und Pharma verzeichneten nach Angaben des VCI zusammen einen Umsatz von 220 Milliarden Euro und damit ein Minus von 1,4 Prozent (Chemie –3,8, Pharma +5,5 Prozent).
Auch PED veröffentlichte seine Jahresbilanzzahlen 2025 und meldet laut Recyclingmagazin und Chemanager einen Rückgang der Produktion in Deutschland um 4,5 Prozent, ein Umsatzminus von 7,6 Prozent auf 24,6 Milliarden Euro und rückläufige Exporte mit einem Minus von 5,5 Prozent. Als Ursachen nenne PED ebenfalls die schwache Konjunktur und die geringere Nachfrage aus zentralen Abnehmerindustrien sowie Handelskonflikte und den Wettbewerbsdruck aus dem Ausland. Deutschland habe eine lange Tradition in der Kunststoffherstellung, die derzeit in Frage stehe, wird PED-Hauptgeschäftsführerin Christine Bunte in den Berichten zitiert. Nun brauche es schnelle Anpassungen bei den regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Hier nenne der Verband insbesondere den Abbau von Handelshemmnissen im europäischen Binnenmarkt, eine einheitlichere Umsetzung europäischer Vorgaben, Bürokratieabbau sowie spürbare Entlastungen bei Energie- und Strompreisen.
Quellen:
- Tagesschau, ntv.de, Plastxnow (13.3.2026)
- Chemanager (14.3.2026)
- kunststoffweb.de, Recyclingmagazin, Chemanager (17.3.2026)
Bundesumweltminister Schneider hat laut Medienberichten im Rahmen der Circular Valley Convention in Düsseldorf angekündigt, das Aktionsprogramm zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) in Kürze dem Bundeskabinett vorzulegen. Die Bundesregierung habe sich nach Aussage des Ministers weitgehend geeinigt, berichtet Euwid. Für das Aktionsprogramm seien in den nächsten vier Jahren Mittel in Höhe von 260 Millionen Euro vorgesehen.
Die Maßnahmen des Aktionsprogramms sollen bis Ende 2027 umgesetzt sein, berichtet Euwid. Es werde laut Schneider unter anderem eine Umsetzungsplattform eingerichtet, auf der Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft zusammenkommen sollen, so dass aus Strategie Praxis werde. Ein Förderprogramm „Zukunft Kreislaufwirtschaft“ werde zirkuläre Produktionsverfahren, die Wiedergewinnung kritischer Rohstoffe und digitale Anwendungen für die Kreislaufwirtschaft unterstützen, zitiert Euwid den Minister. Kreislaufwirtschaft sei ein zentrales Element der Resilienz und Sicherheit in Deutschland, so Schneider, und Deutschland sei führend bei den Technologien. Er wolle den umweltpolitischen Rahmen so gestalten, dass er Innovation ermögliche und nicht ausbremse. Aber die Regulierung müsse einfacher, wirksamer und kohärenter werden. Der Reformbedarf sei diesbezüglich erkannt und werde angegangen, habe Schneider versprochen. Die Circular Valley Convention markiere einen Kurswechsel in der deutschen Debatte, schreibt das Portal Solarify. Kreislaufwirtschaft werde nicht mehr primär als Umweltthema verhandelt, sondern als Frage industrieller Sicherheit. Die Argumente – weniger Importabhängigkeit, stabilere Lieferketten und eine robustere Versorgung – seien längst bekannt. Nun zeige die Realität mit Gasmangel, umkämpften Mineralien und fragilen Lieferketten die strategische Bedeutung der Kreislaufwirtschaft deutlich auf. Dass Rohstoffsicherheit ein relevantes Thema der nationalen Sicherheit sei, hätten die geopolitischen Verschiebungen der vergangenen Jahre gezeigt, schreibt die FAZ in einem Kommentar des Wirtschaftsressorts. Im vielversprechenden Feld der Kreislaufwirtschaft verschenke Europa jedoch bislang sein Potenzial. Hohe Kosten, fehlende Investoren und mangelnde politische Priorisierung bremsten die Entwicklung. Aber es gebe Unternehmen wie den Chemiekonzern LyondellBasell, der eine Anlage zum chemischen Recycling im Rheinland überwiegend aus eigenen Mitteln aufbaue, merkt der Kommentator an. Interessante Entwicklungen beobachte er nicht nur in der Chemieindustrie, sondern unter anderem auch in der Konsumgüterbranche und im Veranstaltungsmanagement, schreibt er in der FAZ.
Quellen:
- Solarify (14.3.2026)
- Euwid Recycling und Entsorgung 12/2026, FAZ (17.3.2026)
In Europa stehen aktuell und in Zukunft nicht ausreichend recycelte Kunststoffe zur Verfügung, um den auch in Folge der Vorgaben der EU-Altautoverordnung steigenden Bedarf der Automobilindustrie zu decken. Das geht laut Medienberichten aus der aktuellen Studie „End-of-Life Vehicles Regulation (ELVR) – Fulfilment of recycled content target in EU-27+3“ hervor, die die Conversio Market & Strategy GmbH im Auftrag der BKV erstellt hat und die im Vorfeld der Messe Plastics in Automotive Engineering (PIAE) veröffentlicht wurde.
Im Rahmen der Studie wurde die aktuelle Rezyklatverfügbarkeit analysiert und eine Prognose bis zum Jahr 2042 erstellt, berichtet der Fachdienst Euwid. Die Studie zeigt laut dem Nachrichtendienst Heise, dass es in der EU selbst in optimistischen Szenarien bei weitem nicht ausreichend hochwertiges Rezyklat geben könnte, um die Anforderungen der ELVR zu erfüllen. Am knappsten könnten post-consumer-basierte PP-Rezyklate werden, deren Nachfrage im Automobilsektor so stark steige, dass die Industrie langfristig bis zu 45 Prozent der am Markt verfügbaren Mengen benötigen würde, um die Ziele zu erfüllen, zitiert Heise aus der Studie. Die Versorgungslücke könne nur geschlossen werden, wenn die Infrastruktur für hochwertiges Recycling deutlich schneller wachse als bisher, schreibt das Recyclingmagazin. Dazu zählten Investitionen in Rücknahmesysteme, verbesserte Sammel- und Sortiertechnologien sowie die Weiterentwicklung von Verfahren wie chemischem, lösemittelbasiertem und enzymatischem Recycling. Das fordere der Verband der Kunststofferzeuger, Plastics Europe Deutschland, berichtet auch das Fachmagazin Plastxnow. Berlin und Brüssel stünden nun in der Pflicht, die Rahmenbedingungen für zukunftssichere Investitionen zu schaffen, um einen technologischen Vorsprung in Europa aufzubauen.
Quellen:
- Heise Auto, Plastxnow, Recyclingmagazin, euwid-recycling.de (17.3.2026)
06.03.2026 - 12.03.2026
Mit dem Verordnungsvorschlag für den IAA, der laut Berichten der Fachpresse Anfang der Woche vorgestellt wurde, will die Kommission die Industrieproduktion in Europa stärken und Abhängigkeiten verringern. Ziel sei, den Anteil der industriellen Produktion am europäischen Bruttoinlandsprodukt von derzeit 14 Prozent bis 2035 wieder auf 20 Prozent zu steigern. Den Berichten zufolge kritisieren der Verband der europäischen Recyclingwirtschaft Recycling Europe und der deutsche Verband der Chemischen Industrie (VCI) den kürzlich vorgestellten Entwurf der EU-Kommission aus unterschiedlichen Gründen.
Der Verordnungsvorschlag der EU-Kommission umfasst laut Euwid drei Maßnahmenbereiche. Neben öffentlichem Beschaffungswesen und vereinfachten Genehmigungsverfahren für Industrieprojekte betrifft er den Bereich Vorgaben für ausländische Direktinvestitionen in der EU in den als strategisch gewerteten Sektoren Batterien, Elektrofahrzeuge, Photovoltaik sowie den Abbau, die Aufbereitung und das Recycling kritischer Rohstoffe. Recycling Europe begrüße in einer Stellungnahme zwar die Ambition des Kommissionsvorschlags, die Nachfrage nach Produkten mit einem niedrigen CO2-Fußabdruck zu fördern, doch erkenne dieser das Recycling als „eines der effektivsten Werkzeuge zur Dekarbonisierung der Industrie“ nicht an, zitiert Euwid den Verband. Für Recyclingprojekte seien im IAA keine beschleunigten Genehmigungsverfahren vorgesehen. Zudem gehe der Vorschlag kaum auf die Rolle von recycelten Kunststoffen bei der industriellen Dekarbonisierung ein und verschiebe Maßnahmen weitgehend auf das für den Herbst geplante Kreislaufwirtschaftsgesetz. Der VCI sehe im IAA-Entwurf ebenfalls wichtige Ansätze – warne jedoch vor einer Politik, die an den eigentlichen Standortproblemen vorbeigehe, berichtet der VCI-Branchenticker. Der Verband mahne in einer ersten Stellungnahme zur genauen Prüfung der Details. Noch seien wichtige Punkte offen, wie etwa der Umgang mit Handelspartnern oder die praktische Ausgestaltung restriktiver Vorgaben zu „Buy European“ oder zu „kohlenstoffarmen Produkten“.
Quellen:
- VCI-Branchenticker (7.3.2026)
- Euwid Recycling und Entsorgung 11/2026 (10.3.2026)
Zu den möglichen Folgen des Iran-Kriegs für die Chemieindustrie zitiert der Merkur Statements von VCI und BASF. Die K-Zeitung analysiert die Auswirkungen auf die Unternehmen in der Kunststofferzeugung und -verarbeitung. Euwid berichtet im Rahmen eines Marktüberblicks, dass laut Einschätzung von Marktteilnehmern die Krise in Nahost in Europa eine stärkere Nachfrage nach Rezyklaten auslösen könnte.
Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) rechne für Europa in Folge des Nahostkonflikts mit steigender Inflation und einer Wachstumsabschwächung, die bis zur Rezession reichen könnte, schreibt der Merkur. Gleichzeitig verweise VCI-Hauptgeschäftsführer Große Entrup auf die Resilienz der Chemischen Industrie. Die Unternehmen seien krisenerprobt und geübt darin, schnell auf neue Situationen zu reagieren, wird Große Entrup im Merkur zitiert. Der Chemiekonzern BASF sehe seine Rohstoffversorgung laut Merkur kurzfristig gesichert, könne die finanziellen Folgen aber aufgrund der aktuell hohen Volatilität sowie der ungewissen Dauer des Konflikts noch nicht beziffern. Die weltweite Versorgung der kunststoffverarbeitenden Industrie sieht die K-Zeitung durch den Krieg im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus massiv in Bedrängnis, große Exportmengen an Chemikalien und fertigen Kunststoffen würden in der Region festsitzen, elementare Vorprodukte sich auf dem europäischen Markt spürbar verknappen. Für deutsche Unternehmen seien deutlich höhere Einkaufspreise bei Standardkunststoffen die Folge, insbesondere bei Polyethylen und Polypropylen. Um den Mangel in Europa wenigstens in Teilen auszugleichen, rückten amerikanische Hersteller stärker in den Fokus der Beschaffung, berichtet die K-Zeitung weiter. Diese könnten nach Einschätzung von Analysten die Ausfälle aus dem Nahen Osten aber kaum abfedern. So müssten am Ende der Kette die ohnehin belasteten Kunststoffverarbeiter die Rechnung für kriegsbedingte Kostenverschiebungen tragen. Im Markt für Kunststoffrezyklate zeichnet sich laut Euwid für den März zwar eine vorsichtige Belebung der Ordertätigkeit ab, allerdings weiterhin deutlich unter den üblichen saisonalen Erwartungen. Mit Blick vieler Marktteilnehmer auf die geopolitische Lage im Nahen Osten und die Auswirkungen auf die Rohstoff- und Polymermärkte dürften sich nach deren Einschätzung Effekte zunächst kurzfristig über steigende Preise für Primärkunststoffe bemerkbar machen, so dass sich der Preisabstand zwischen Neuware und Rezyklaten verringern und der Absatz von Regranulaten – insbesondere im Polyolefinbereich – gestärkt werde, schreibt Euwid.
Quellen:
- Merkur (9.3.2026)
- K-Zeitung, Euwid Recycling und Entsorgung 11/2026 (10.3.2026)
Der Plastverarbeiter berichtet im Vorfeld des VDI-Fachkongress PIAE (Plastics in Automotive Engineering) über zentrale Kongressthemen, darunter der Einsatz von Post-Consumer-Rezyklaten in anspruchsvollen Anwendungen. Ob sich die laut der neuen Altautoverordnung (End-of-Life Vehicles Regulation, ELVR) vorgesehenen Quoten erfüllen lassen, wie die Erfahrungen mit dem Car-to-Car-Recycling sind und wie gut das chemische Recycling von Sitzschäumen mittlerweile funktioniert, darüber sprach Kunststoffe (3/2026) im Interview mit Frank Tönniges vom Automobilzulieferer Adient.
Bei dem Fachkongress zu Kunststoffen im Automobilbau PIAE am 18. und 19. März 2026 sind laut Plastverarbeiter neue Materialien, um Effizienz, Designfreiheit und Klimaneutralität voranzutreiben eines der Kernthemen. Ein besonderer Fokus liege auf dem Einsatz von Post-Consumer-Rezyklaten. Diese seien gekommen, um zu bleiben, wird Hartmut Häberle, Technische Beratung Kunststoffanwendungen bei der Traton Group R&D Germany, dort zitiert. So zeige das Unternehmen am Beispiel einer Windleitblende auf der PIAE, dass lackierte Bauteile in verschiedenen Farben mit Rezyklaten realisierbar sind. Die BMW Group und LyondellBasell präsentieren laut Plastverarbeiter die Entwicklung von Post-Consumer-Rezyklaten maritimen Ursprungs für Sichtbauteile im Fahrzeuginnenraum und wollen damit zeigen, dass Nachhaltigkeit und Premiumqualität keine Gegensätze mehr darstellen. Vertreten ist laut Plastverarbeiter auch der Tecpart Verband technische Kunststoffe. Den Angaben nach präsentieren die Tecpart-Innovationspreisträger ihre auf der Kunststoffmesse K im Oktober 2025 prämierten Bauteile und wollen praxisnahe Einblicke in aktuelle Entwicklungen geben.
Im Interview mit Kunststoffe sagt Frank Tönniges, Director Sustainable Product Design & BPI bei dem Sitzhersteller Adient, dass das Car-to-Car-Recycling grundsätzlich funktioniere und einige Unternehmen wie Stellantis, Renault und BMW bereits Lieferketten für das Closed-Loop-Recycling von Fahrzeugen aufbauten. Für Stahl und Aluminium existierten solche auch bereits, bei den Kunststoffen sei aber noch viel Arbeit zu leisten. Ein erfolgreicher Business Case sei beim Closed-Loop-Recycling jedoch sehr komplex, weil so viele Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette beteiligt seien, so Tönniges. Sitze von Adient, die einen signifikanten Anteil an Rezyklaten aus Altautos enthalten, gebe es zwar auf der Straße noch nicht, doch werde Mitte des Jahres ein Modell vorgestellt, das circa 40 Prozent an Post-Consumer- und Altfahrzeug-Rezyklaten enthalten werde. Zur Frage von Kunststoffe nach dem Einsatz chemischen Recyclings für die Sitzaufbereitung, verweist Tönniges auf ein gemeinsames Projekt mit Evonik, das sich aktuell noch im Labormaßstab befinde, dessen Ergebnisse aber sehr vielversprechend seien. Bei einem noch weiter gediehenen Projekt mit Jaguar Land Rover und Dow sei ein ELV-Rezyklatanteil von 20 Prozent in den Sitzschäumen erreicht worden. Nach Prüfung der Partner auf Industrialisierung könnten diese laut Tönniges demnächst in einem Fahrzeug in Serie gehen. Die laut ELVR vorgesehenen Quoten halte Tönniges zwar grundsätzlich für erreichbar, sehe es aber kritisch, dass Post-Industrial-Rezyklate nicht für die Quoten berücksichtigt werden sollen.
Quellen:
- Plastverarbeiter (3/2026)
- Kunststoffe (3/2026)
27.02.2026 - 05.03.2026
Der Online-Nachrichtendienst Table.Media und Euwid berichten, dass sich das Aktionsprogramm zur NKWS, das ursprünglich bereits im Dezember 2025 ins Kabinett gebracht werden sollte, verzögert. Grund sei, dass sich die beteiligten Bundesressorts vor allem hinsichtlich der geplanten Instrumente für Sekundärrohstoffe im Vergabewesen bisher nicht einigen konnten. In einem neuen Entwurf seien nun neben abgeschwächten Vorgaben für die öffentliche Beschaffung auch kurzfristige Maßnahmen zur Stärkung des Kunststoffrecyclings enthalten. Diese beziehen sich laut den Berichten auf die Anrechnung von Rezyklaten auf die Zielquoten für Verpackungen im Jahr 2030 und sehen eine „Ansparphase“ bis 2030 vor.
In einem Table.Media und Euwid vorliegenden aktuellen Entwurf für das Aktionsprogramm seien die Maßnahmen im Bereich öffentliche Beschaffung gegenüber der vorherigen Version deutlich entschärft oder ganz gestrichen worden. Im Fokus der Auseinandersetzung zwischen dem federführenden Bundesmweltministerium (BMUKN) und den beteiligten Bundesministerien für Wirtschaft (BMWE) und Verkehr (BMV) steht laut den Berichten, ob die Bevorzugungspflicht für Sekundärrohstoffe bei Ausschreibungen einklagbar ausgestaltet werden soll. Dies sei im Entwurf des BMUKN vorgesehen gewesen, im aktuellen Entwurf nun aber nicht mehr enthalten. Auch die Ausweitung des Anwendungsbereichs der Beschaffungsregeln etwa auf alle öffentlichen Auftraggeber, Sektorenauftraggeber und Konzessionsgeber des Bundes sei strittig, schreibt Euwid. Widerstand komme laut Table.Media sowohl vom Bundeswirtschaftsministerium, das sich grundsätzlich gegen mehr Regulierung ausgesprochen habe, sowie vom Verkehrsministerium mit Bedenken hinsichtlich der Bewirtschaftung des Straßenbaus mit Sekundärrohstoffen. Als neue Maßnahmen zur Stärkung des Kunststoffrecyclings sehe der aktuelle Entwurf des Aktionsprogramms vor, das bereits vor 2030 eingesetztes Rezyklat auf die Quoten für Verpackungen in 2030 angerechnet werden können. Mit dieser so genannten Ansparphase solle auch die angespannte Lage der europäischen Kunststoffrecycler berücksichtigt werden. Hinsichtlich des Zeitplans gehe das BMUKN aktuell davon aus, das Aktionsprogramm Mitte März ins Kabinett einzubringen, berichtet Euwid.
Quellen:
- Table.Media, Euwid Recycling und Entsorgung 10/2026 (3.3.2026)
Das Fachportal Plastxnow beleuchtet in einem Bericht Lage, Herausforderungen und Aussichten der Unternehmen in Kunststofferzeugung, Verarbeitung und Recycling. Die K-Zeitung berichtet über die Ergebnisse einer Liquiditätsumfrage des Mainzer Finanzdienstleisters Close Brothers Factoring unter 200 Kunststoffverarbeitern, wonach rund 62 Prozent der befragten Unternehmen für 2026 von einer schwierigen finanziellen Situation ausgehen.
Deutschland ist für die Kunststoffherstellung trotz Produktionsrückgängen – auch im Jahr 2025 – noch immer einer der führenden Standorte in Europa, mit Schwerpunkt auf Verpackungen, Bau und Automobil, berichtet Plastxnow. Allerdings steht die kunststoffverarbeitende Industrie, die mit über 300.000 Beschäftigten in rund 2.900 Betrieben einen bedeutenden Wirtschaftszweig der Kunststoffindustrie ausmache, wie die Kunststofferzeugung aufgrund steigender Kosten für Energie und Produktion, häufiger Änderungen der politischen Zielvorgaben und steigender Bürokratielasten vor großen Herausforderungen, schreibt das Fachportal. Die schwächelnde Wirtschaft belaste die Nachfrage zusätzlich. Durch die schwierigen Rahmenbedingungen würden die für eine Kreislaufwirtschaft dringend erforderlichen Investitionen in die Modernisierung und den Ausbau von Anlagen in Deutschland ausgebremst, so Plastxnow. Gleichzeitig werde das Kunststoffrecycling in Deutschland immer wichtiger. Das zeige auch der Anstieg des Rezyklateinsatzes in den vergangenen Jahren sowie verstärkte Anstrengungen, die Recyclingquoten zu erhöhen und geschlossene Kreislaufsysteme zu fördern. Hier sei das mechanische Recycling der bevorzugte Weg. Doch auch das chemische Recycling werde laut Plastxnow für die Kunststoffproduktion in Deutschland zukünftig eine immer wichtigere Rolle spielen. Für eine breitere Anwendung der Verfahren im großtechnischen Maßstab seien allerdings noch erhebliche Investitionen notwendig. Die weitere Entwicklung der Kunststoffindustrie und ihrer Teilbereiche sei derzeit schwer abzuschätzen, doch werde die deutsche Kunststoffindustrie bis 2030 verstärkt auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft setzen müssen, um den steigenden Recyclinganforderungen und Umweltnormen gerecht zu werden, so die Einschätzung von Plastxnow.
Aus einem Bericht der K-Zeitung über die Ergebnisse einer Liquiditätsumfrage unter Kunststoffverarbeitern geht hervor, dass 75 Prozent der Betriebe in der Branche bereits im Jahr 2025 kritische Engpässe hinnehmen mussten. Als Gründe nannten die Unternehmen an erster Stelle Umsatzrückgänge in Folge sinkender Nachfrage. Zahlungsverzögerungen seien laut Umfrage der zweitwichtigste finanzielle Belastungsfaktor noch vor hohen Energiekosten, zitiert die K-Zeitung aus der Umfrage. Der Ausblick auf 2026 zeige, dass mit 81,5 Prozent eine große Mehrheit der befragten Kunststoffverarbeiter einen weiterhin hohen Liquiditätsdruck erwarte. 61,5 Prozent würden von einer eher kritischen und 20 Prozent von einer sehr kritischen Liquiditätslage ausgehen. Weitere 18 Prozent rechneten mit einer eher unkritischen Situation.
Quellen:
- K-Zeitung (2.3.2026)
- Plastxnow (3.3.2026)
Ein Forschungsteam der University of Waterloo in Kanada hat laut Focus ein photokatalytisches Verfahren entwickelt, bei dem aus Kunststoffabfällen mit Hilfe eines speziellen Eisenkatalysators und unter Einsatz von Sonnenlicht Essigsäure gewonnen wird. Das Fachmagazin Chemie berichtet über die Entwicklung eines Prototyps für einen neuen Katalysator auf Kohlenstoffbasis an der Universität Bath, der sich zum Abbau von Per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) eigne.
Die Studie des Forschungsteams der University of Waterloo habe gezeigt, dass sich PET-, PE-, PP- und PVC-Abfälle durch Kaskadenphotokatalyse unter Verwendung von Eisenatomen zu Essigsäure umwandeln lassen, berichtet der Focus. Das Verfahren funktioniere auch mit gemischten Kunststoffabfällen. Der Prozess, bei dem ein spezieller auf Sonnenlicht reagierender Eisenkatalysator eingesetzt werde, laufe bei Umgebungstemperatur und in Wasser ab. Es entstünden zunächst hochreaktive Sauerstoffradikale, die dann die langen Polymerketten in kleinere Bestandteile zerlegen. Im nächsten Schritt nutze der Katalysator die entstandenen Kohlendioxid-Zwischenprodukte und wandele sie weiter zu Essigsäure um.
Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter der Leitung der Universität Bath hat laut Chemie einen neuen Photokatalysator auf der Grundlage von Kohlenstoffnitrit in Kombination mit einem starren mikroporösen Polymer entwickelt, der Sonnenlicht nutze, um PFAS abzubauen. In einem in der Fachzeitschrift „RSC Advances“ veröffentlichten Artikel berichtet das Forscherteam laut Chemie über die Entwicklung des Katalysators auf Kohlenstoffbasis, der einfach herzustellen und mit einem Polymer namens PIM-1 kombiniert worden sei. Das Polymer diene dazu, PFAS an den Katalysator zu binden. Dieser spalte die PFAS mithilfe von Licht in Kohlendioxid und Fluorid auf. Noch befinde sich die Forschung im Prototypenstadium, berichtet Chemie. Das Forscherteam sei nun auf der Suche nach Industriepartnern, um die Technologie auszubauen und zu optimieren.
Quellen:
- Focus (28.2.2026)
- Chemie (2.3.2026)
20.02.2026 - 26.02.2026
Laut Berichten der Fachpresse haben am Mittwoch die Mitglieder des Umweltausschusses ENVI- und des Ausschusses für Binnenmarkt und Verbraucherschutz IMCO des europäischen Parlaments für die im Dezember 2025 erzielte vorläufige Trilog-Vereinbarung zur Altfahrzeugverordnung „End-of-Life Vehicles Regulation“ (ELVR) gestimmt. Wie Euwid berichtet, kritisiert der europäische Dachverband Recycling Europe unterschiedliche Fristen und Anforderungen für Fahrzeughersteller und Recycler. Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft begrüßt das Abstimmungsergebnis laut Recyclingportal.
Mit der Abstimmung der Ausschüsse sei der Weg frei für die endgültige Annahme der künftigen Verordnung in Rat und Parlament der EU, schreibt Euwid. Für Kunststoffe aus Altfahrzeugen sehe die künftige Verordnung eine Recyclingquote von 30 Prozent vor, wobei Elastomere und Duroplaste mit Ausnahme von PU-Schaum zur Polsterung von diesem Ziel ausgenommen seien. Nach einer Übergangsfrist von sechs Jahren nach Inkrafttreten der ELVR sollen Neufahrzeuge darüber hinaus in Kunststoffteilen einen Mindestgehalt an Post-Consumer-Rezyklat von 15 Prozent enthalten, berichtet der Fachdienst weiter. Davon sollen wiederum 20 Prozent aus Altfahrzeugen stammen. Zehn Jahre nach Inkrafttreten der Verordnung werde der übergeordnete Mindestrezyklatanteil auf 25 Prozent angehoben. Für Rezyklate, die durch andere Verfahren als das mechanische Recycling gewonnen wurden, seien Massenbilanzierungsverfahren vorgesehen. Aus Sicht von Recycling Europe verlange die Verordnung für Rezyklate eine rasche starke Steigerung des Angebots, zitiert Euwid den Verband. Verwerter müssten demnach innerhalb von fünf Jahren bei Kunststoffen aus Altfahrzeugen eine Recyclingquote von 30 Prozent erzielen, während Fahrzeughersteller dagegen nach sechs Jahren lediglich drei Prozent aus Altautos gewonnenen Recyclingkunststoff einzusetzen hätten, kritisiere Recycling Europe.
Der BDE bewerte den im Trilog erzielten Kompromisstext zur ELVR als wichtigen Schritt für die europäische Kreislaufwirtschaft, schreibt das Recyclingportal. Aus Sicht des Verbands sei besonders positiv, dass sich im Rahmen einer präzisierten Ausgestaltung der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) die Gebühren zur Systembeteiligung an der nachhaltigen Gestaltung von Neufahrzeugen orientieren sollen. Dies sehe man als Grundlage für eine Kreislaufwirtschaft im Fahrzeugbereich und faire Wettbewerbsbedingungen, wird Andreas Bruckschen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BDE, im Recyclingportal zitiert. Die aus Sicht des BDE klare Definition, wann ein Fahrzeug als Abfall gilt, begrüße der Verband ebenfalls. Dies sei ein wesentlicher Baustein zur Eindämmung illegaler Verbringungen von Altfahrzeugen. Die für den Kunststoffbereich nunmehr verbindlichen Quoten für den Mindestrezyklateinsatz sehe der BDE ebenfalls positiv, wie aus dem Bericht des Recyclingportals hervorgeht.
Quellen:
- euwid-recycling.de, Recyclingportal, Recyclingmagazin (26.2.2026)
Die Fachpresse berichtet über eine Stellungnahme des Verbands der Kunststofferzeuger Plastics Europe Deutschland (PED) zum Kabinettsentwurf für das neue Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG). Der Verband kritisiere insbesondere, dass das Gesetz mit fünf Prozent eine zu geringe Quote für andere als werkststoffliche Recyclingverfahren vorsehe, so dass damit kaum Investitionen in Verfahren wie etwa das chemische Recycling angereizt würden. Die Ergebnisse einer Studie der BKV zum Stand und Potenzial des chemischen Recyclings in Deutschland greift das Fachmagazin Kunststoffe auf.
Insgesamt erkenne PED im Kabinettsentwurf für das VerpackDG zwar Fortschritte bei der Reduzierung bürokratischer Belastungen und Kosten, etwa durch den Verzicht auf die ursprünglich vorgesehene Einrichtung einer zusätzlichen Behörde, berichtet die K-Zeitung. Doch verpasse die Bundesregierung aus Sicht des Verbands erneut die Chance, im Verpackungsrecht durch eine Reform des ehemaligen § 21 VerpackG (jetzt § 26) Anreize für umweltfreundliches Verpackungsdesign zu verankern, ist bei Plastxnow zu lesen. Als weiteres Kernproblem sehe PED die zögerliche Anerkennung alternativer Recyclingverfahren und fordere eine investitionsfördernde Doppelquote, schreibt Plastxnow weiter. Dies halte der Verband für einen wesentlicher Baustein, um Rechtssicherheit für Investitionen in neue Recyclingverfahren zu schaffen und die Komplementarität mit den etablierten Technologien zu gewährleisten. PED hoffe laut den Berichten nun darauf, dass im parlamentarischen Verfahren noch entsprechende Anpassungen erfolgen.
Die Erwähnung des chemischen Recyclings im neuen VerpackDG sei ein erster wichtiger Schritt, das Potenzial auch in Deutschland zu heben, wird PED-Hauptgeschäftsführerin Dr. Christine Bunte in einem Bericht des Fachmagazins Kunststoffe über die Ergebnisse der Studie „Chemisches Recycling in Deutschland – Ist-Situation 2024 und Ausblick bis 2030/2035" zitiert. Die von Conversio Market & Strategy im Auftrag der BKV mit Unterstützung von PED, des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) sowie der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen durchgeführte Studie “ analysiert den Stand des chemischen Recyclings von Kunststoffabfällen in Deutschland und die Perspektiven für die kommenden Jahre mit Fokus auf die drei chemischen Recyclingverfahren Pyrolyse, Solvolyse und Gasifizierung. Noch spiele das chemische Recycling laut Studie mit einer Input-Kapazität von rund 30 Kilotonnen pro Jahr praktisch keine Rolle, schreibt Kunststoffe. Die für drei Szenarien „konservativ“, „realistisch“ und „progressiv“ abgeschätzte Entwicklung werde stark von den Investitionsentscheidungen großer Chemieunternehmen abhängen. Dazu verweise Matthias Belitz vom VCI auf die Politik. Solange zentrale Rechtsfragen offenblieben, kämen die notwendigen Investitionen nicht ins Rollen, wird Belitz in Kunststoffe zitiert.
Quellen:
- Plasticker (20.2.2026)
- Plastxnow (21.2.2026)
- K-Zeitung (23.2.2026)
- Kunststoffe 2/2026
Das Packaging Journal thematisiert in einem Bericht über die Tragweite der PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation) für die Verpackungsbranche auch die aktuelle öffentliche Wahrnehmung des Themas. Mit der EU-Verpackungsverordnung kommen auch ambitionierte Ziele zur Wiederverwendung von Verpackungen: Manche könnten nach Einschätzung von Experten unrealistisch sein, berichtet Euwid unter Bezug auf die Ergebnisse einer neuen Studie der BKV zu den Mehrwegzielen für Transportverpackungen.
Die PPWR betreffe mit Rezyklateinsatzquoten, Anforderungen an Design for Recycling bis hin zu strengen Reduktionszielen sämtliche Stakeholder der Wertschöpfungskette, schreibt das Packaging Journal. Unternehmen investierten Millionen in neue Maschinenparks, Materialforschung und alternative Kreislaufkonzepte. Aber außerhalb von Fachkreisen werde die EU-Verordnung nur mit einem sehr spezifischen, verbrauchernahen Fokus wahrgenommen. Thematisiert werde in Publikumsmedien wie dem Stern oder der Bild derzeit ein im Gesamtkontext eher kleines Detail, nämlich das bevorstehende Aus für kleine Verpackungsgrößen ab dem Jahr 2030. Diese Regelung sei für Endverbraucher nur die sichtbare Spitze des Eisbergs einer Verordnung, die die Verpackungsbranche bereits heute fundamental verändere. Entscheider und Entwickler hätten es mit hochkomplexen regulatorischen Vorgaben zu Materialkreisläufen, Leerraumquoten und Nachweispflichten zu tun, so das Packaging Journal.
Mit Wiederverwendungszielen der PPWR hat sich eine kürzlich veröffentlichte Studie der Berndt+Partner Consultants GmbH im Auftrag der BKV beschäftigt, berichtet Euwid. Auf der Grundlage von Sekundärrecherchen sowie Interviews mit Verpackungsexperten aus Industrie, Herstellern und Verbänden befasse sich die Studie mit Transportverpackungen und Verkaufsverpackungen mit Transportfunktion aus Kunststoff mit Fokus auf Eimer, Fässer, Kanister, Intermediate Bulk Container (IBCs) und Flexible Intermediate Bulk Container (FIBCs). Das 40-Prozent-Wiederverwendungsziel der PPWR ab dem Jahr 2030 werde für diese Verpackungen überwiegend als unrealistisch eingeschätzt. Eine gar 100-Prozent-Quote für Transportverpackungen bei Lieferungen innerhalb desselben Mitgliedstaats und bei Transporten zwischen verschiedenen Standorten des gleichen Wirtschaftsakteurs oder Standorten verbundener bzw. Partnerunternehmen halte keiner der befragten Experten für realistisch. Gegen die Erreichung der Mehrwegziele sprächen etwa Hygiene- und Sicherheitsanforderungen, insbesondere bei kontaktsensitiven Füllgütern wie Lebensmitteln und Medizinprodukten.
Quellen:
- Packaging Journal (24.2.2026)
- Euwid Recycling und Entsorgung 9/2026 (24.2.2026)
06.02.2026 - 19.02.2026
Laut Medienberichten hat das Bundeskabinett vergangene Woche das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG) mit einigen Änderungen gegenüber dem Referentenentwurf beschlossen. Die Fachpresse berichtet über Lob aus Industriekreisen, aber auch von einiger Kritik. Verpasst worden sei insbesondere die Chance, Anreize für den Rezyklatmarkt zu setzen.
Vorgesehen seien mit der Neuregelung, die die EU-Verpackungsverordnung umsetzen soll, neben höheren Recyclingquoten für Kunststoffverpackungen von zunächst 75 Prozent ab 2028 auch herstellerfinanzierte Maßnahmen zur Vermeidung von Verpackungsabfällen sowie Mehrwegpflichten, berichtet der Deutschlandfunk. Davon müssen laut Gesetz 70 Prozent werkstofflich recycelt werden, was einer Steigerung um fünf Prozentpunkte gegenüber der bisherigen werkstofflichen Quote entspreche, schreibt das Pakaging Journal. Die erhöhte Gesamtquote könne sowohl durch werkstoffliche als auch durch andere Recyclingverfahren erfüllt werden. Für die Wirtschaft seien die Vorgaben des VerpackDG eine Mammutaufgabe, schreibt Ad hoc News und weist auf den Stichtag August 2026 hin, ab dem alle in der EU in Verkehr gebrachten Verpackungen recyclingfähig sein müssen und Hersteller die Konformität ihrer Verpackungen nachweisen und dokumentieren müssen. Ein zentraler Streitpunkt - die geplante, Präventionsabgabe von fünf Euro pro Tonne Verpackung - sei im Kabinettsentwurf gestrichen worden, ebenso vom Tisch sei eine Ausweitung der Sammelpflicht der dualen Systeme auf den öffentlichen Raum, ist dort weiter zu lesen. Anders als zunächst vorgesehen, werde nun doch eine eigenständige Recyclingquote von 70 Prozent für „sonstige Verbundverpackungen“ eingeführt, berichtet der Fachdienst Euwid. Auch für das haushaltsnahe Sammelgemisch aus Kunststoff-, Metall- und Verbundverpackungen sollen die Anforderungen steigen. Die Mindestquote erhöhe sich von bislang 50 Prozent auf 55 Prozent ab 2028 und 60 Prozent ab 2030. Unverändert bleibt laut Euwid die Behandlung nicht systembeteiligungspflichtiger Verpackungen, insbesondere von Transport-, Industrie- und gewerblichen Verpackungen. Hierzu gebe es im Gesetz weiterhin keine materialbezogenen Mindestquoten. Hersteller sollen jedoch verpflichtet werden, eine geeignete Rücknahme- und Verwertungsstruktur sicherstellen und die zurückgenommenen Verpackungen vorrangig der Wiederverwendung oder dem Recycling zuführen. Die Zentrale Stelle Verpackungsregister erhalte insbesondere im Bereich der Zulassung von Herstellern nicht systembeteiligungspflichtiger Verpackungen und sonstiger Organisationen für Herstellerverantwortung zusätzliche Aufgaben, die dafür auch von diesen Akteuren mit zu finanzieren sei. Zudem solle die ZSVR Registerfunktionen im Sinne der EU-Verordnung übernehmen. Die grundlegende Struktur der Behörde bleibe jedoch erhalten, berichtet Euwid. Die deutliche Ausweitung der Zulassungspflichten mit der sämtliche Organisationen für die erweiterte Herstellerverantwortung sowie individuelle Hersteller, die keine kollektiven Systeme nutzen, eine formelle Zulassung benötigen werden, ist auch Thema eines Berichts im Packagin Journal. Für diese Akteure sehe das neue Gesetz ein möglichst bürokratiearmes, automatisiertes Verfahren vor, heißt es dort.
Bei grundsätzlicher Zustimmung zu einzelnen Korrekturen komme aus der Entsorgungs- und Verpackungswirtschaft auch scharfe Kritik an dem Gesetzesvorhaben, ist in Euwid an anderer Stelle zu lesen. So warnten die Allianz Verpackung und Umwelt (AVU) sowie der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft und der Verband der Bayerischen Entsorgungsunternehmen (VBS) vor Investitionshemmnissen und sähen im Entwurf Versäumnisse bei der Stärkung der Rezyklatmärkte. Mit Blick auf die ab 2030 geltenden Mindestrezyklatanteile der PPWR mahnten die Verbände kurzfristig wirksame Anreizmodelle als notwendig an, um den Standort Deutschland im Recyclingsektor zu sichern. Im Zentrum der Kritik stehe der bisherige § 21 des Verpackungsgesetzes. Die Verbände bemängelten, dass der Entwurf keine Weiterentwicklung der ökologischen Ausgestaltung der Beteiligungsentgelte vorsehe. Auch der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft (BNW) spreche von einer vertanen Chance, weil das Gesetz auf die ökologische Ausgestaltung der Lizenzentgelte erneut verzichte, ist einem weiteren Bericht in Euwid zu entnehmen.
Quellen:
- Deutschlandfunk, Recyclingmagazin (11.2.2026)
- Ad hoc news, Recyclingportal (12.2.2026)
- Packaging Journal (12.2.2026, 13.2.2026)
- mehrere Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 8/2026 (17.2.2026)
Wie Euwid berichtet, verzeichnete die Kunststoffverarbeitung in Deutschland im Jahr 2025 nach Angaben des GKV Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie erneut ein Minus. Der Verband habe Bundesregierung und Europäische Kommission zu tiefgreifenden Wirtschaftsreformen und Bürokratieabbau aufgerufen.
Der Abschwung setze sich nun „im dritten Jahr in Folge“ fort, wird GKV-Präsidentin Dr. Helen Fürst, die die Zahlen bei der jährlichen Wirtschaftspressekonferenz in Frankfurt am Main vorstellte, in Euwid zitiert. Demnach sanken der Umsatz um 1,8 Prozent auf 68,2 Milliarden Euro, die verarbeitete Kunststoffmenge um zwei Prozent auf 11,8 Millionen Tonnen und die Beschäftigtenzahl um 1,8 Prozent auf rund 307.000, so Fürst laut Euwid. Im für die Industrie wichtigen Verpackungssegment sei der Umsatz 2025 mit einem Rückgang von 3,5 Prozent auf 24,8 Milliarden Euro noch stärker gesunken. Dabei sei dort die produzierte Menge mit rund 3,7 Millionen Tonnen nahezu stabil geblieben. Der Branchenverband des Segments, die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, habe 2025 als „ein Übergangsjahr“ mit einer „Stabilisierung auf niedrigem Niveau“ bezeichnet. Stabilisierend habe sich das Exportgeschäft ausgewirkt, das rund 47 Prozent des Umsatzes der Verpackungsbranche ausmachte, schreibt Euwid. Impulse aus dem Außenhandel seien laut GKV insgesamt jedoch begrenzt geblieben, die Exportquote der Gesamtbranche habe 2025 bei 43,1 Prozent gelegen. GKV-Präsidentin Fürst habe in ihrer Rede nicht mit Kritik an der Politik gespart, berichtet Euwid weiter. Insbesondere den Einwegkunststofffonds des Umweltbundesamtes habe sie scharf kritisiert als „eine traurige Posse und Zeugnis von Behördenversagen sondergleichen“. Auch auf europäischer Ebene sehe der Verband zunehmende Belastungen durch neue europäische Gesetze und Vorschriften. Doch trotz der konjunkturellen Schwäche zeige sich laut GKV ein wachsender Trend zum Einsatz von Kunststoffrezyklat. Im Jahr 2025 seien 2,5 Millionen Tonnen Rezyklate inklusive Nebenprodukten verarbeitet worden, was einem Plus von zwei Prozent entspreche, zitiert Euwid die genannten Zahlen. Ein zentrales Problem für den Rezyklatmarkt bleibe jedoch die Preisrelation zwischen Primär- und Sekundärrohstoffen. Für das Jahr 2026 seien die Aussichten laut einer Befragung des GKV gar nicht so düster. Die Hälfte der befragten Unternehmen erwarte steigende Umsätze. Auch bei den Ergebniserwartungen überwiege die Zuversicht.
Quelle:
- euwid-recycling.de (19.2.2026)
Im Industriepark Lausitz am BASF-Standort in Schwarzheide soll laut Medienberichten eine neue Anlage zum Recycling von PET-Kunststoffabfällen des kanadischen Unternehmens Loop Industries entstehen. Das Joint Venture Infinite Loop Europe von Loop Industries und der Investmentfirma Reed – Societe Generale Group plane, einen dreistelligen Millionenbetrag in die neue Anlage zu investieren und 150 Arbeitsplätze zu schaffen. Der Betrieb sei für 2030 vorgesehen.
Die Politik spreche von einem wichtigen Signal, ist etwa in Berichten des Nachrichtensenders nvt und des Portals Niederlausitz Aktuell zu lesen. Mit der Standortwahl des BASF-Geländes in Schwarzheide werde die Transformation der Lausitz gestärkt, wird Brandenburgs Wirtschaftsminister Daniel Keller auch in einem Bericht von Euwid zitiert. Das Projekt solle zügig umgesetzt werden. Die erforderlichen Prozesse würden eng begleitet und im Rahmen der Zuständigkeiten bestmöglich unterstützt, habe Keller laut den Berichten erklärt. Auch die Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB) unterstütze das Vorhaben. Loop Industries setzt laut Euwid auf eine patentierte Technologie zur chemischen Aufbereitung von PET-Abfällen und Polyesterfasern. Das Endprodukt soll ein vollständig recycelter Kunststoff in Neuwarequalität sein, berichtet die K-Zeitung. Für den Standort Schwarzheide habe sich Infinite Loop Europe entschieden, da der Industriepark Zugang zu emissionsarmer Energie biete und qualifizierte Fachkräfte in der Region verfügbar seien.
Quellen:
- ntv.de, Niederlausitz Aktuell (12.2.2026)
- K-Zeitung (16.2.2026)
- Euwid Recycling und Entsorgung 8/2026 (17.2.2026)
30.01.2026 - 05.02.2026
Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) sieht laut Berichten der Fachpresse die Gefahr eines industriellen Abstiegs der europäischen Kunststoffkreislaufwirtschaft und fordert einen politischen Kurswechsel. Die kürzlich vom Umweltbundesamt (UBA) und der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR) für Deutschland vorgelegten Recyclingzahlen für das Jahr 2024 spiegeln aus Sicht des Verbands nicht die tatsächliche Situation der Branche wieder, die aufgrund hoher Energiepreise, eines strukturell unfairen internationalen Wettbewerbs und Defiziten beim Vollzug bestehender EU-Vorgaben massiv unter Druck stehe.
Ohne einen klaren politischen Kurswechsel werde die europäische Kunststoffkreislaufwirtschaft wirtschaftlich nicht überleben, wird bvse-Vizepräsident Herbert Snell in Euwid und im Recyclingmagazin zitiert. Neben Betriebsschließungen drohe auch ein Rückgang von Investitionen beim Kunststoffrecycling, warne der bvse. Ohne eine strukturelle Entlastung könne es zur Abwanderung ganzer Wertschöpfungsketten kommen, so dass Kunststoffabfälle dann außerhalb Europas unter niedrigeren Umweltstandards verarbeitet würden. Von der Bundesregierung fordere der bvse vor diesem Hintergrund, etwa die Energiekosten für den Sektor zu reduzieren, indem die Kunststoffrecycler in die Industriestrompreisregelung einbezögen würden. Darüber hinaus verweise der bvse laut Berichten in der Fachpresse auf ein gemeinsames europäisches Positionspapier mit dem Titel „Strategic Recommendations for a Resilient and Circular Plastic Value Chain in Europe“ aus dem Herbst 2025, das von mehr als 30 europäischen und nationalen Verbänden der Kunststoffwertschöpfungskette vorgelegt wurde. Aus Sicht der Unterzeichner fokussiere die politische Debatte in Brüssel und den Mitgliedstaaten bislang vor allem auf Quoten, Verbote und Berichtspflichten und berücksichtige zu wenig die ökonomische Realität der Unternehmen, die diese Vorgaben umsetzen sollen. Europäische Recycler produzierten unter hohen Umwelt- und Sozialstandards – und damit zu Kosten, die im globalen Wettbewerb zunehmend schwer zu tragen seien. Auf eine sich weiterhin verschärfende Lage vieler Kunststoffrecycler verweise der bvse laut weiteren Berichten der Fachpresse auch in einer Stellungnahme zu den gestiegenen Recyclingquoten für systempflichtige Kunststoffverpackungsabfälle, die das UBA und die ZSVR vergangene Woche präsentierten. Auch wenn demnach formal hohe Recyclingquoten erreicht worden seien, fänden große Mengen Rezyklate derzeit keine Abnehmer, ist etwa in Plastxnow zu lesen. In Deutschland und Europa hätten nach Angaben des bvse in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche Unternehmen aufgegeben oder ihre Kapazitäten erheblich reduziert. Recycling ohne Nachfrage sei eben kein Kreislauf, wird der Vorsitzende des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling, Dirk Textor, im Recyclingmagazin zitiert. Er verweise auch auf die zukünftig mit Wirksamwerden der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) benötigten Rezyklatmengen. Anlagen-, Know-how- und Kapazitätsverluste ließen sich bis zum Wirksamwerden der PPWR mit ihren Rezyklateinsatzquoten nicht einfach wieder aufbauen.
Quellen:
- Plasticker (30.1.2026)
- Plastxnow (2.2.206)
- zwei Berichte in Euwid 6/2026 (3.2.2026)
- Recyclingmagazin (4.2.2026)
Acht europäische Verbände, darunter FEAD, Recycling Europe, Plastics Europe und VinylPlus, sprechen sich laut Euwid für eine Verschiebung des Starts des digitalen Abfallverbringungssystems Diwass (Digital Waste Shipment System) aus. Die Verbände begründen ihre Forderung mit einem zu knappen Umsetzungszeitraum für Unternehmen, erheblichen Unklarheiten bei bestimmten Regelungen und technischen Verzögerungen bei der EU-Plattform sowie strukturellen Risiken. Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft unterstützt laut weiteren Berichten in der Fachpresse das Anliegen der europäischen Verbändeallianz.
Die Dokumentation grenzüberschreitender Abfalltransporte soll laut der letzten Novelle der EU-Verordnung über die Verbringung von Abfällen (VVA) ab dem 21. Mai 2026 digital über die Plattform Diwass abgewickelt werden, schreibt Euwid. Verbände aus den Bereichen Recycling und Entsorgung, Glas, Kupfer und Kunststoff sprechen sich laut dem Fachdienst in einem Schreiben an EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall für eine Zusatzfrist von einem Jahr bis zur EU-weiten Einführung der Plattform aus. Für eine „glatte und effiziente Umsetzung“ der neuen Vorschriften, insbesondere bei Lieferungen innerhalb der Union, sei dies nach Ansicht der Verbände unerlässlich, da etwa zentrale technische Dokumentationen erst Ende Januar 2026 veröffentlicht worden seien. Auch sei die Benutzeroberfläche noch nicht einsatzbereit, und die Registrierung der betroffenen Unternehmen habe noch nicht begonnen, zitiert Euwid aus dem Schreiben. Während der Übergangsfrist könnten die Dokumente für Abfalltransporte aus Sicht der Verbände etwa in Papierform im Fahrzeug bereitgestellt werden. Auch nach Einschätzung des BDE müssten sich Unternehmen und Behörden mit den neuen digitalen Abläufen erst vertraut machen, berichtet das Recyclingportal. Der Verband begrüße daher die Initiative der europäischen Dachverbände und habe ihr Schreiben an die zuständigen Bundesministerien (BMUKN, BMWE) weitergeleitet sowie um Beachtung der Hinweise gebeten, ist auch im Recyclingmagazin zu lesen. Ziel müsse es auch aus Sicht des BDE sein, auf europäischer Ebene zu einer einheitlichen, praxistauglichen Anwendung der neuen Vorgaben beizutragen und Wettbewerbsverzerrungen im Binnenmarkt zu vermeiden.
Quellen:
- Euwid 6/2026 (3.2.2026)
- Recyclingportal, Recyclingmagazin (4.2.2026)
Im Interview mit dem Wissenschaftsmagazin „Welt der Wunder“ sprach Michael Weigelt, Geschäftsführer des TecPart – Verband der Hersteller technischer Kunststoff-Produkte e.V., laut eines Posts bei LinkedIn über die Rolle von Kunststoffen zwischen Klimaschutz, Regulierung und Kreislaufwirtschaft. In einem weiteren Beitrag bei LinkedIn erklärt BKV-Geschäftsführer Dr. Ingo Sartorius mit Hinweis auf Ergebnisse der neuen BKV-Studie „Chemisches Recycling in Deutschland – Ist-Situation 2024 und Ausblick bis 2030/35“ in einem Video, wie das Potenzial des chemischen Recyclings als Ergänzung zum mechanischen Recycling gehoben werden kann.
Im Interview mit „Welt der Wunder“ zeigt TecPart-Geschäftsführer Michael Weigelt die große Bandbreite von Kunststoffprodukten und ihrem Einsatz auf und erläutert, warum sie – sowohl als Verpackung wie auch in langlebigen Anwendungen wie etwa dem Automobilbau – wichtige Beiträge zu Rohstoff- und Energieeinsparung und damit auch zum Klimaschutz leisten. Thema sind unter anderem auch Herausforderungen durch gesetzliche Vorgaben, Rezyklatmarkt und -einsatz und, welche Rolle die Digitalisierung – etwa digitale Produktpässe und Material-Tracking – für die Branche spielt.
Dr. Sartorius hatte Ergebnisse der neuen Studie zum chemischen Recycling beim letzten PVC-Winter-Symposium Mitte Januar vorgestellt. Im Video bei Linkedin erklärt er, dass zur Weiterentwicklung des chemischen Recyclings förderliche Maßnahmen notwendig seien wie etwa ein unterstützender rechtlicher Rahmen, weitere Forschung und Entwicklung sowie Investitionen in die Abfallinfrastruktur. So könnte das Potenzial des chemischen Recyclings gehoben und damit wichtige Bausteine für das Ziel, den, Kohlenstoffkreislauf zu schließen, genutzt werden, um so zur Nachhaltigkeit beizutragen.
Weitere Informationen:
-
Videointerview mit Michael Weigelt in "Welt der Wunder" bei Youtube
-
Video mit Dr. Sartorius zum chemischen Recycling bei Youtube
Quellen:
- LinkedIn-Post VinylPlus (30.1.2026)
- LinkedIn-Post TecPart (2.2.2026)
23.01.2026 - 29.01.2026
Im Jahr 2024 wurden nach einer aktuellen Bilanz zum Verpackungsrecycling, die das Umweltbundesamt (UBA) und die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) laut Medienberichten diese Woche in Dessau präsentiert haben, mit 70 Prozent so viele Kunststoffabfälle werkstofflich verwertet wie nie zuvor. Bettina Rechenberg, Kreislaufwirtschaftsexpertin des UBA, habe betont, dass damit der Irrglauben, es würde nur wenig recycelt und sowieso alles verbrannt, eindrucksvoll widerlegt sei.
Deutschland habe den Recycling-Turbo gezündet, schreibt der Focus und berichtet, dass nach den Zahlen der beiden Überwachungsbehörden die EU-Mindestvorgabe für Kunststoffabfälle von 63 Prozent deutlich übertroffen wurde und die Quote im Vergleich zu 2018 (42 Prozent) sogar um 29 Prozentpunkte gestiegen ist. Als Gründe für den Anstieg nannten das UBA und die ZSVR bessere Technik in Sortier- und Verwertungsanlagen, mehr recyclinggerechtes Design und ein gestiegenes Bewusstsein der Bevölkerung bei der Müllentsorgung, ist Berichten des Deutschlandfunks und des Tagesspiegels zu entnehmen. Deutlich verfehlt worden seien nach der Bilanz laut Deutschlandfunk allerdings die Ziele für Leichtverpackungen (LVP) bei Verbundverpackungen und Getränkekartons. Gründe dafür sähen UBA und ZSVR darin, dass falsch entsorgter Müll in der Gelben Tonne nicht immer aussortiert werden könne. Doch selbst wenn der Verpackungsmüll in der richtigen Tonne lande, bleibe das Recycling vor allem bei Verbundstoffen herausfordernd, wird ZSVR-Vorstand Gunda Rachut in einem Bericht der Tagesschau zitiert. Der entscheidende Hebel – das Design von Verpackungen – liege bei den Herstellern, habe Rachut hervorgehoben.
Die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen betonte in einem Statement zur Bilanz des UBA und der ZSVR ebenfalls die zentrale Bedeutung eines recyclinggerechten Verpackungsdesigns für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft, berichtet der Plasticker. Der Verband verweise hierzu auf die Diskussion finanzieller Anreize für besonders gut recycelbare Verpackungen, wie sie im Verpackungsgesetz vorgesehen seien, bislang jedoch nur begrenzt zur Anwendung kämen. Die bei Kunststoffverpackungsabfällen erreichten Quoten lobe auch der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungwirtschaft. Doch warne der Verband gleichzeitig vor wachsenden strukturellen Grenzen des bestehenden Systems mit Hinweis auf aus seiner Sicht erheblichen Anpassungsbedarf bei der nationalen Umsetzung der EU-Verpackungsverordnung (PPWR), berichtet Euwid.
Quellen:
- Tagesschau, Tagesspiegel, Focus, euwid-recycling.de, recyclingmagazin.de (27.1.2026)
- Deutschlandfunk, recyclingportal.eu (28.1.2026)
In der deutschen Chemieindustrie gibt es laut Medienberichten erste Anzeichen einer Erholung. Eine Trendwende sei laut Verband der Chemischen Industrie (VCI) jedoch noch nicht absehbar. Das vor Kurzem beschlossene Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien begrüße der Verband, wie aus weiteren Medienberichten hervorgeht. Für die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie eröffne das Abkommen bessere Exportchancen, mehr Wertschöpfung und robustere Lieferketten.
Nach einem schwachen Jahresstart sieht die deutsche Chemieindustrie einen ersten Hoffnungsschimmer für eine konjunkturelle Belebung, schreibt etwa die Wirtschaftswoche. Zwar würden die Unternehmen laut VCI ihre aktuelle Geschäftslage weiterhin negativ bewerten, doch hätten sich die Geschäftserwartungen zuletzt leicht aufgehellt und lägen die Exporterwartungen erstmals seit fast einem Jahr wieder im positiven Bereich. Auch aus einzelnen Abnehmerbranchen sowie vom Bau kämen vermehrt Aufträge. Von der Bundesregierung fordere der Verband jedoch weitere mutige Reformen bei Bürokratie und Steuern, wird VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup in der Wirtschaftswoche zitiert.
Im Freihandelsabkommen mit Indien sieht der VCI-Chef einen Meilenstein für Europas Industrie und resilientere Lieferketten, berichtet das Fachmagazin CHEmanager. Für die Chemie- und Pharmabranche werde damit der Zugang zu einem der zentralen Wachstumsmärkte der kommenden Jahrzehnte strategisch gestärkt. Die Kommission habe damit ein wichtiges Zeichen gesetzt, doch nun müssten der Europäische Rat und das Europäische Parlament das Abkommen auch in trockene Tücher bringen. Ein Drama wie zuletzt beim EU-Mercosur-Abkommen dürfe sich nicht wiederholen, so Große Entrup. Der VCI hatte die Entscheidung des EU-Parlaments, das Mercosur-Abkommen vorerst auszusetzen und auf seine Rechtmäßigkeit hin überprüfen zu lassen, scharf kritisiert, berichtet Kunststoffweb. Das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten „in Zeiten von ausufernden Zollkriegen“ zu gefährden, sei „politische Sabotage“, wird Große Entrup dort zitiert. Das Abkommen müsse gegebenenfalls „parallel zur Prüfung des Gerichtes vorläufig in Kraft gesetzt“ werden, fordere Große Entrup.
Quellen:
- Reuters, CHEmanager (27.1.2023)
- Wirtschaftswoche, Kunststoffweb (28.1.2026)
Die Fachpresse berichtet über zwei Paper aus Expertenkreisen mit Konzepten, wie Abfallwirtschaft und Chemiebranche in Richtung einer Kohlenstoff-Kreislaufwirtschaft weiterentwickelt werden könnten.
Ein Grundsatzpapier der BZL Kommunikation und Projektsteuerung und des Nova-Instituts formuliert laut Euwid zehn politische Handlungsfelder als Prioritäten der europäischen Ressourcenpolitik und Abfallwirtschaft zur Unterstützung der Transformation der Branchen in Richtung Kreislaufwirtschaft, erneuerbare Kohlenstoffversorgung und Defossilisierung, um so die Abfallwirtschaft stärker als bislang in die Rohstoff- und Industriepolitik der Europäischen Union einzubinden. Recycling solle den Autoren zufolge, die sich für eine technologieoffene Ausgestaltung aussprechen, dabei eine zentrale Rolle spielen und als industriepolitisch relevanter Rohstoffpfad verstanden werden. Ihr Konzept zur künftigen Kohlenstoffversorgung der Industrie umfasse neben Biomasse und Recycling auch die Nutzung abgeschiedenen Kohlendioxids. Dazu schlagen die Autoren unter anderem die Einführung einer einzigen einheitlichen Kohlenstoffsubstitutionsquote für alle chemischen Produkte vor, die dann verbindlich sein und in ein Handelssystem integriert werden müsse.
Über ein Diskussionspapier der NRW-Initiative IN4climate mit dem Titel „Kohlenstoff – aber nachhaltig!” berichtet das Onlineportal Chemie. Das von Unternehmen, Verbänden und Forschungseinrichtungen unterstützte Diskussionspapier zeige Strategien auf, mit denen Klimaneutralität in Deutschland bis 2045 in der chemischen Industrie erreicht und die Wettbewerbsfähigkeit erhalten werden könne. Laut Paper ließen sich die Kohlenstoffbedarfe der deutschen Chemieindustrie nachhaltig decken: Die Ergebnisse zeigten, dass eine inländische Versorgung grundsätzlich möglich sei, „sofern alle nachhaltigen Kohlenstoffquellen – Kunststoffabfälle, Biomasse und CO2 – konsequent mobilisiert und deren Verarbeitungsprozesse technologisch weiterentwickelt werden“. Allerdings bestehe aktuell dringender politischer Handlungsbedarf. Denn aufgrund langer Vorlaufzeiten für die Einführung neuer Technologien würden schon heute geeignete Rahmenbedingungen benötigt, etwa in Form von politischen Strategien mit gezielt priorisierenden Förderprogrammen und Leitmärkten für defossilisierte Produkte.
Quellen:
- chemie.de (23.1.2026)
- Euwid Recycling und Entsorgung 5/2026 (27.1.2026)
16.01.2026 - 22.01.2026
Wie bereits berichtet (s. Presseschau vom 19.12.2025 - 15.01.2026), hatte die EU-Kommission als Teil eines Winterpakets für die Kreislaufwirtschaft einen Vorschlag für ein Berechnungsverfahren des Rezyklatanteils in Einweg-PET-Getränkeflaschen im Rahmen der EU-Einwegkunststoffrichtlinie (SUPD) vorgelegt. Diesen hält die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen laut Euwid, insbesondere vor dem Hintergrund der zu erwartenden Lücke bei der Rezyklatverfügbarkeit, für „grundsätzlich fragwürdig“. Ein Teil der zur Erfüllung von EU-Vorgaben nötigen Rezyklate könnten zukünftig aus dem chemischen Recycling kommen. Über die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens Conversio im Auftrag der BKV zum Stand und Potenzial der Verfahren berichtet das Fachmagazin Ingenieur.
Der von der IK kritisierte geplante Durchführungsbeschluss für die SUPD sieht laut Euwid unter anderem vor, dass Unternehmen bis zum 21. November 2027 ausschließlich in der EU hergestellte PET-Rezyklate aus Post-Consumer-Abfällen auf die gesetzlichen Quoten anrechnen dürfen. Rezyklate aus Drittstaaten wären zunächst nicht zur Quotenerfüllung zugelassen. Damit würden die Möglichkeiten für Hersteller von Kunststoffverpackungen in Deutschland bei der Auswahl von Rohstoffquellen eingeschränkt, kritisiere die IK. Der Verband verweise dabei auch auf die Mindestquoten für den Rezyklateinsatz der EU-Verpackungsverordnung (PPWR), die ab dem Jahr 2030 zu erfüllen sind, sowie darauf, dass die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage bei Kunststoffrezyklaten in den nächsten Jahren absehbar immer größer werde. Die EU-Kommission solle daher nach Ansicht der IK zunächst eine Folgenabschätzung für die geplante Regelung vornehmen, die die aktuellen sowie die zu erwartenden Mengen an PCR-Importen aus OECD-Ländern und anderen Drittstaaten in die EU berücksichtige. Dies sei nicht nur für recyceltes PET relevant, sondern mit Blick auf die PPWR auch für andere Recyclingkunststoffe, zitiert Euwid aus einer Stellungnahme der IK. Darüber hinaus müssten handelsrechtliche Folgen des Vorschlags sowie die Anforderungen an Rezyklate für Anwendungen mit Lebensmittelkontakt berücksichtigt werden.
Dass in Deutschland deutlich mehr Kunststoffe recycelt werden könnten, zeigt laut Fachmagazin Ingenieur die kürzlich veröffentlichte Studie „Chemisches Recycling in Deutschland – Ist-Situation 2024 und Ausblick bis 2030/2035“, die das Beratungsunternehmen Conversio erstellt hat. Auftraggeber war die BKV mit Unterstützung der IK, des Verbands der deutschen Kunststoffhersteller Plastics Europe und des Verbands der Chemischen Industrie (VCI). Die Nutzung chemischer Verfahren als Ergänzung zum mechanischen Recycling, vor allem für stark vermischte oder verunreinigte Kunststoffabfälle biete demnach großes Potenzial. Die Bestandsaufnahme zeige aber auch, dass das chemische Recycling mit den wichtigsten Verfahren Solvolyse, Pyrolyse und Gasifizierung in Deutschland noch nicht weit genug entwickelt sei. Das Potenzial habe das Bundesumweltministerium (BMUKN) aber erkannt und setze in seinem Referentenentwurf zum neuen Verpackungsdurchführungsgesetz (VerpackDG) auch auf chemisches Recycling, schreibt Ingenieur.
Quellen:
- Ingenieur.de (19.1.2026)
- Euwid Recycling und Entsorgung 4/2026 (20.1.2026)
Die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen sieht laut Berichten der Fachpresse im Entwurf des Bundesumweltministeriums (BMUKN) für ein Verpackungsdurchführungsgesetz (VerpackDG) „Licht und Schatten“. Kritik des bvse Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung an den geplanten Vorgaben für gewerbliche Verpackungen in § 32 des Gesetzes, die aus Sicht des Verbands ein Eingriff in ein bislang „bewährtes und gut funktionierendes“ System sind, hat das BMUKN laut Euwid jüngst zurückgewiesen.
Laut Stellungnahme der IK zum VerpackDG und zur EU-Verpackungsverordnung (PPWR) unterstütze der Verband die Vorschläge zur Anhebung und Neugestaltung der Recyclingquoten für Kunststoffverpackungen, fordere aber auch klare Anreize für den Rezyklatmarkt. Das könnte etwa eine „Ansparphase“ für bereits vor dem Jahr 2030 freiwillig eingesetzte Rezyklate zur späteren Anrechnung auf Pflichtquoten sein, um so die Nachfrage kurzfristig zu steigern, berichten die K-Zeitung und Euwid. Positiv bewerte der Verband die geplante Zulassung von Herstellern nicht-systembeteiligter Verpackungen sowie die geplante Kombination aus mechanischem und chemischem Recycling, die ein wichtiges Signal für die Investitionssicherheit in beide Technologiepfade sei. Mit Blick auf den Vorschlag, eine neue Organisation für Reduktion und Prävention zu schaffen, warne der Verband vor den Kosten und zusätzlicher Bürokratie. Stattdessen könnten für diese Aufgaben bestehende Strukturen wie die Gemeinsame Stelle genutzt werden, so die IK. Kritik übe der Verband auch an der fehlenden Reform des Paragrafen 21 zur Ökomodulierung der Lizenzentgelte, die aus seiner Sicht aktuell keine ausreichenden finanziellen Anreize für recyclinggerechtes Design böten.
Bei der Kritik des bvse gehe es im Kern vor allem um die Wirkung von § 32 des Gesetzentwurfes, durch die der Verband die Gefahr einer marktbeherrschenden Struktur sehe, berichtet Euwid an anderer Stelle. Die geplante Verpflichtung für Hersteller, sich auch für gewerbliche Verpackungen zu einer zentralen Organisation zusammenzuschließen und eine unentgeltliche Rücknahme zu gewährleisten, gefährde aus Sicht des bvse ein bislang bewährtes und gut funktionierendes System. Laut BMUKN bestehe jedoch nach § 32 keine solche Verpflichtung für Hersteller, und das bestehende System bleibe für gewerbliche, nicht systembeteiligungspflichtige Verpackungen grundsätzlich erhalten. Hersteller könnten weiterhin individuelle Vereinbarungen mit Vertreibern, Endabnehmern und Entsorgungsunternehmen treffen. Der bvse halte die ministerielle Einordnung allerdings für unzureichend und fordere eine eindeutige Klarstellung, schreibt Euwid weiter.
Quellen:
- Euwid Recycling und Entsorgung 4/2026 (20.1.2026)
- K-Zeitung (21.1.2026)
Mit Verweis auf den britischen Guardian berichten Tagesmedien, dass die Ergebnisse mehrerer Studien zur Auswirkung von Mikroplastik im menschlichen Körper angezweifelt werden. Demnach hielten Wissenschaftler eine Reihe von Studien für unzuverlässig und methodisch fragwürdig. So seien unter anderem die Resultate einer viel beachteten Studie von Februar 2025, die einen Anstieg von Mikroplastik in menschlichen Gehirnen beschrieben hatte, im November 2025 im Fachjournal „Nature“ in einem offiziellen Beitrag in Frage gestellt worden.
Der Guardian habe sieben Studien identifiziert, über die es in Fachkreisen Diskussionen gebe, ist Berichten von Deutschlandfunk Nova, des SWR und der Welt zu entnehmen. Kritiker und Kritikerinnen hielten die verwendeten Methoden fehleranfällig und die Versuche für nicht ausreichend kontrolliert. Auch die im Februar 2025 veröffentlichte Studie, in der Gewebeproben von Verstorbenen untersucht wurden, soll laut dem Beitrag im Fachmagazin Nature methodische Probleme aufzuweisen, etwa unzureichende Kontaminationskontrollen und fehlende Validierungsschritte, die die Zuverlässigkeit der berichteten Konzentrationen an Mikroplastik beeinträchtigen könnten. Auch andere Arbeiten würden angezweifelt, berichtet die Welt. Darunter etwa eine Untersuchung, die Mikroplastik in Halsschlagadern mit erhöhtem Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko verknüpfe. Auch eine Studie zu Mikroplastik in menschlichen Hoden sei „nicht robust genug, um diese Aussagen zu stützen“, so Kritiker laut Welt. Weitere wissenschaftliche Arbeiten zu Funden in Blut, Arterien und in Flaschenwasser würden ebenfalls angezweifelt. Fehlerhafte Belege zum Mikroplastikgehalt beim Menschen könnten dann auch zu fehlgeleiteten Vorschriften und Richtlinien führen, schreibt Deutschlandfunk Nova.
Quellen:
- Deutschlandfunk Nova, SWR (16.1.2026)
- Welt (17.1.2026)
19.12.2025 - 15.01.2026
Die Europäische Kommission hat laut Berichten der Fachpresse am 23. Dezember 2025 ein „Winterpaket“ mit Plänen zur Stärkung des Kunststoffrecyclings in Europa veröffentlicht. Die darin präsentierten Vorschläge zur Unterstützung der wirtschaftlich stark unter Druck stehenden Branche begrüßten einige Industrieverbände im Grundsatz, kritisierten jedoch, dass das EU-Paket keine kurzfristige Verbesserung der Rezyklatnachfrage sowie Rechtssicherheit für Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit schaffe. Mit einem im Januar 2026 vorgelegten Entwurf für einen Durchführungsrechtsakt zur Einwegkunststoffrichtlinie (SUPD) habe Brüssel dann doch noch einen wirkungsvollen wirtschaftlichen Schutzmechanismus nachgeliefert, schreibt die K-Zeitung.
Die Kombination aus dem Paket "boosting the circularity of plastics“ und den geplanten neuen Regeln für die SUPD markiere eine Zäsur in der europäischen Umweltpolitik, schreibt das Fachmagazin. Das Winterpaket, das Maßnahmen wie die Einführung separater Zollcodes für Kunststoffneuware und recycelte Kunststoffe, strengere Einfuhrkontrollen für Kunststoffe aus Drittstaaten sowie eine Definition von Abfallende-Kriterien vorsehe, liefere das regulatorische Fundament, doch erst die im Januar nachgeschobene „Made in Europe“-Quote im SUPD-Entwurf bringe die wirtschaftliche Wucht, die der BDE Bundesverband der deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft und der Verband der Kunststoffhersteller Plastics Europe gefordert hätten. Die „Made in Europe“-Quote stelle für den BDE die entscheidende Korrektur des Dezember-Pakets dar, schreibt die K-Zeitung (s. auch aktuelle News vom 15.1.2026). Laut SUPD-Entwurf dürften Unternehmen bis zum 21. November 2027 ausschließlich in der EU hergestellte Rezyklate aus Post-Consumer-Abfällen auf die gesetzlichen Quoten anrechnen, während Rezyklate aus Drittstaaten in dieser Phase nicht zur Quotenerfüllung zugelassen wären. Erst nach Ablauf der Frist solle sich der Anrechnungsmechanismus schrittweise für OECD-Staaten und später für Drittländer öffnen, sofern diese die EU-Umweltstandards erfüllen. BDE-Präsidentin Anja Siegesmund bewertet dies laut K-Zeitung als „wichtige und dringend benötigte Soforthilfe“. Zur langfristigen Unterstützung des Rezyklatmarktes schlage der BDE darüber hinaus vor, sich am französischen Modell zu orientieren und finanzielle Boni für Hersteller einzuführen, die die Rezyklatquoten übererfüllen. Plastics Europe habe das Winterpaket dagegen primär unter dem Aspekt der Investitionssicherheit und Technologieoffenheit bewertet, berichtet die K-Zeitung weiter. Die von Brüssel vorgeschlagenen Maßnahmen stellten für Plastics Europe nur einen ersten Schritt dar, ist auch in Euwid zu lesen. Rechtsklarheit und erweiterte politische Maßnahmen seien erforderlich sowie ein technologieoffener Ansatz und ein Umfeld, das Investitionssicherheit für alle Circular-Economy-Technologien schaffe inklusive eines rechtlichen Rahmens für das chemische Recycling. Der bvse Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung bewertet das Winterpaket der EU-Kommission vor allem mit Blick auf die akute wirtschaftliche Lage vieler Betriebe, berichtet Euwid an anderer Stelle. Aus Sicht des Verbands reiche der Ansatz der Kommission nicht aus für eine spürbare und kurzfristige wirtschaftliche Entlastung des Mittelstands, wird bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock dort zitiert. Notwendig seien verlässliche Anreize für den Rezyklateinsatz, praxistaugliche End-of-Waste-Kriterien sowie ein konsequenter Vollzug bestehender Vorgaben.
Quellen:
- Euwid Recycling und Entsorgung 1/2026 (7.1.2026)
- Euwid Recycling und Entsorgung 3/2026, (13.1.2026)
- euwid-recycling.de (12.1.2026)
- K-Zeitung (15.1.2026)
Wie die nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) der Bundesregierung möglichst wirksam umgesetzt werden könnte, ist Thema eines Beitrags des Nachrichtendienstes Table Briefings, der sich auf ein Papier der Bertelsmann Stiftung bezieht. Dort wird eine „missionsorientierte Umsetzung“ durch sektor- und ressortübergreifende Teams vorgeschlagen.
Der von der Bertelmann Stiftung skizzierte Ansatz sehe laut Table Briefings vor, dass Akteure über verschiedene Ressorts und Sektoren hinweg in „Missionsteams“ aus Experten in den Ministerien sowie aus Forschung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten sollten, um die übergreifenden Ziele der NKWS wie die Reduktion des Primärrohstoffverbrauchs bis 2045 um ungefähr 40 Prozent, die Schließung von Stoffkreisläufen und Steigerung der Rohstoffsouveränität zu erreichen. Die NKWS könne sonst nach Ansicht der Verfasser des Papers, Henning Wilts und Daniel Wurm vom Wuppertal Institut, kaum Steuerungswirkung entfalten. Es sei nötig, für jedes der elf Handlungsfelder in der NKWS – etwa für bestimmte Sektoren wie Verpackungen oder den Bau – Maßnahmen zu formulieren. Diese müssten so konkret formuliert sein, dass alle Akteure wissen, wozu die Maßnahmen führen sollen, wird Wilts in Table Briefings zitiert. Zudem brauche es für jedes Handlungsfeld spezifische Ziele. Die Politik solle auf klare problembasierte Missionen sowie „handlungsfähige Missionsteams“ setzen, auch um flexible Prozesse zu ermöglichen. Denn Transformation lasse sich nicht vollständig im Voraus planen, und es brauche Offenheit bei möglichen Lösungswegen. An anderer Stelle gibt Table Briefings einen Überblick über die Vorhaben der Bundesregierung für die Transformation, darunter auch die NKWS, und berichtet, dass das angekündigte Aktionsprogramm zur Umsetzung der NKWS noch im Januar beschlossen werden könnte.
Quellen:
- zwei Berichte von Table Briefings (6.1.2026)
Beiträge der Fachpresse beschäftigen sich mit Erhebungen und Analysen der aktuellen Technologien, Kapazitäten und zukünftigen Entwicklungen des chemischen Recyclings in Deutschland und Europa.
Das Fachmagazin Plastxnow sprach im Interview mit Prof. Matthias Franke, Leiter des Fraunhofer Umsicht Sulzbach-Rosenberg, das im Oktober 2025 eine interaktive Karte über den Stand und geplante Projekte des chemischen Recyclings in Deutschland und Europa veröffentlicht hat. Franke zufolge weise Deutschland im Vergleich zu allen anderen EU-Ländern aktuell die größte Anzahl an geplanten Projekten auf und führe auch bei der geplanten Gesamtkapazität. Die Daten zeigten aber auch, dass das chemische Recycling in Deutschland derzeit noch eine untergeordnete Rolle spiele, schreibt Plastxnow. Das Potenzial für chemisches Recycling sei hoch, so Franke. Doch solange die Herstellung von Kunststoffrezyklaten teurer sei als fossil basierte Neuware, werde chemisches Recycling wie jede andere Recyclingtechnologie auf rechtliche Rahmenbedingungen angewiesen sein, die die Marktnachfrage nach Rezyklaten und die damit verbundenen Investitionen absichern.
Über die Ergebnisse einer neuen Studie der Conversio Market & Strategy GmbH zum chemischen Recycling, die im Auftrag der BKV und mit Unterstützung der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, Plastics Europe Deutschland (PED) sowie des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) erstellt wurde, berichtet das Kunststoffweb. Die jüngst anlässlich einer Presseveranstaltung von PED und VCI veröffentlichte Studie mit dem Titel „Chemisches Recycling in Deutschland – Ist-Situation 2024 und Ausblick bis 2030/35“ liefert eine Bestandsaufnahme und einen Ausblick hinsichtlich Technologien, Kapazitäten, Abfall- bzw. Inputströmen und Output.
Quellen:
- Plastxnow (9.1.2026)
- Kunststoffweb (14.1.2026)
12.12.2025 - 18.12.2025
Die Unterhändler des Europäischen Parlaments und der EU-Staaten haben sich laut Medienberichten auf neue Regeln für die Rücknahme und Verwertung alter Autos geeinigt. Die Änderungen an der EU-Altfahrzeugverordnung (ELVR) sollen dafür sorgen, dass Rohstoffe wie Stahl, Aluminium und Kunststoffe besser zurückgewonnen werden können und Fahrzeuge künftig einfacher zu recyceln sind. Indes warne der TecPart Verband Technische Kunststoff-Produkte laut Berichten der Fachpresse vor einer massiven Versorgungslücke bei technischen Bauteilen, da laut Einigung ausschließlich Post-Consumer-Rezyklaten (PCR) auf die Quoten angerechnet werden sollen.
Für Kunststoffe sieht die Einigung unter anderem vor, dass künftig ein Viertel der in Neufahrzeugen eingesetzten Teile aus Recyclingmaterial bestehen sollen, berichtet etwa die Zeit. Ein Fünftel davon sollen wiederum Kunststoffe sein, die zuvor aus Altfahrzeugen zurückgewonnen wurden, wie auch in der Welt zu lesen ist. Das Portal Ingenieur berichtet, dass die Quote für recycelte Kunststoffe allerdings schrittweise zehn Jahre nach Inkrafttreten der Verordnung auf 25 Prozent im Jahr 2036 angehoben werden und zunächst mit 15 Prozent im Jahr 2032 starten soll. Damit sehe der jetzt erzielte Kompromiss ein langsameres Vorgehen vor als im ursprünglichen Vorschlag der EU-Kommission vorgesehen, schreibt Euwid. Auch der Anteil des Kunststoffrezyklats, der selbst aus Altfahrzeugen stammen muss, sei mit nun 20 Prozent vermindert worden. Die Quoten seien laut Einigung ausschließlich mit Post-Consumer-Rezyklaten (PCR) zu erfüllen, berichtet die K-Zeitung. Daher schlage der Branchenverband Tecpart Alarm. Er warne davor, dass der Ausschluss Post-Industrial-Rezyklaten (PIR) die ohnehin kritische Versorgungslage verschärfen werde. Für Hersteller sicherheitsrelevanter und technischer Bauteile sei PIR oft die einzige Möglichkeit, Rezyklate mit Neuware ähnlichen Eigenschaften einzusetzen. Ihr Ausschluss ignoriere real existierende industrielle Kreisläufe und sei realitätsfern, wird Michael Weigelt, Geschäftsführer von Tecpart, in der K-Zeitung zitiert. Marktanalysen bestätigten die Sicht des Verbands, schreibt Euwid in einem weiteren Bericht. So belegten Studien von Porsche Consulting sowie der BKV und Conversio (2025), dass PCR aus haushaltsnahen Strömen für technische Anwendungen oft ungeeignet sei. Tecpart spreche angesichts der aktuell schwierigen Lage der europäischen Kunststoffrecyclingbranche von einem ökonomisch-ökologischen Paradox: Während der Rezyklatbedarf politisch forciert werde, gerate die industrielle Basis für dessen Bereitstellung zunehmend unter Druck. Um weitere Kapazitätsverluste zu verhindern, fordert der Verband laut Euwid kurzfristig wirksame Entlastungsmaßnahmen wie etwa eine spürbare Strompreisentlastung für energieintensive Recyclingprozesse, staatlich abgesicherte Versicherungsmodelle, CO2-Gutschriften für tatsächlich vermiedene Emissionen sowie verlässliche und beschleunigte Genehmigungsverfahren.
Quellen:
- RND, Zeit, Welt, Stuttgarter Nachrichten, Ingenieur (12.12.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 51/2025 (16.12.2025)
- K-Zeitung, euwid-recycling.de (17.12.2025)
Nach der Übernahme von Covestro durch den arabischen Staatskonzern Adnoc gab Rainer Seele, Leiter des globalen Chemiegeschäfts bei der Adnoc-Tochter XRG, dem Handelsblatt ein Interview, in dem er die Pläne mit Covestro erläutert und das klares Bekenntnis zum Standort Deutschland betont. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche will laut Medienberichten die wirtschaftlich unter hohem Druck stehende Chemieindustrie entlasten und den Standort langfristig mit der „Chemieagenda 2045“ stärken. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) begrüßten den Start der „Chemieagenda 2045“, forderten aber auch starke politische Unterstützung sowie kurzfristige Entlastungen.
Seele werte die Übernahme von Covestro als Meilenstein in der Expansionsstrategie von Adnoc. Gleichzeitig betont er im Interview mit dem Handelsblatt, dass Covestro auch hierzulande seine Zukunft haben werde. Das Engagement werde weit über das Jahr 2028 hinausgehen, da Deutschland und Europa auch aus langfristiger Sicht hochinteressante Märkte seien, sagt Seele, der Branchenkennern zufolge laut Handelsblatt an die Spitze des neuen Aufsichtsrats von Covestro rücken werde. Gerüchten wie über eine etwaige Fusion von Covestro mit dem Joint Venture Borouge, über Pläne für den Aufbau einer „arabischen BASF“ oder auch über eine Änderung von Nachhaltigkeitszielen bei Covestro erteilt Seele in dem Interview klare Absagen. Die XRG Leitung werde mit dem Covestro-Vorstand um CEO Markus Steilemann nun in tiefere Gespräche über die Zukunft einsteigen und wolle den Konzern bei allem unterstützen, was wertsteigernd wirke, so Seele. Steilemann freue sich auf die Zukunft, die man gemeinsam gestalten werde, wird er in einem Bericht von Kunststoffe zitiert. Teil des Geschäfts sei auch eine Kapitalerhöhung für Covestro in Höhe von fast 1,2 Milliarden Euro, die bereits stattgefunden habe. Diese zusätzlichen Mittel flössen nun in die Nachhaltigkeitsbemühungen der Leverkusener, berichtet Kunststoffe.
Laut weiteren Medienberichten will Wirtschaftsministerin Reiche zur Entlastung der deutschen Chemie mit der EU-Kommission über Beihilfen verhandeln. Geplant sei eine Kombination aus Industriestrompreis und Strompreiskompensation, um hohe Energiekosten abzufedern, was die EU-Kommission jedoch beihilferechtlich genehmigen müsse. Kurzfristige Entlastungen seien entscheidend, um Investitionen und Arbeitsplätze zu sichern, so Reiche, die gleichzeitig die „Chemieagenda 2045“ startete, wie etwa das Onlineportal Deutschland berichtet. Markus Steilemann, Präsident des VCI, bewertet den Startschuss laut VCI Branchenticker positiv, erwartet aber auch schnelles Handeln. Die Chemieagenda müsse als Standortentscheidung ein entscheidendes Signal für die Branche und damit für den gesamten Industriestandort Deutschland aussenden. Der VCI setze auf einen effizienten Prozess mit Fokus auf Energie- und Klimapolitik, Innovation und Zukunftstechnologien sowie Regulierung und Wettbewerbsfähigkeit. Der Vorsitzende der Chemiegewerkschaft IGBCE, Michael Vassiliadis, begrüßt die Chemieagenda laut eines Berichts im CHEManager ebenfalls und fordert, Belastungen bei Energiepreisen und Kosten für Emissionen kurzfristig zu senken sowie mit aller Kraft Produktion im Land zu halten.
Quellen:
- Handelsblatt, deutschland.de, VCI Branchenticker, CHEManager (12.12.2025)
- Kunststoffe (16.12.2025)
Die Europäische Kommission hat laut Berichten der Fachpresse vergangene Woche ihr neues Omnibus-Paket mit Vorschlägen zur Vereinfachung des EU-Umweltrechts vorgestellt. Die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen begrüßt zwar den grundsätzlichen Kurs, fordert aber zusätzliche Korrekturen an der EU-Verpackungsverordnung (PPWR). Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft bewertet den Entwurf der EU-Kommission laut Recyclingmagazin als ein Signal, das Investitionen in die Kreislaufwirtschaft erleichtern könnte.
Der Schwerpunkt des geplanten Omnibus-Pakets liege auf der Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und Umweltprüfungen, schreibt Euwid. Als Teil des Pakets wolle die Kommission unter anderem mit Blick auf die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) die Berichtspflichten für bestimmte Produkte wie Batterien, Verpackungen und verpackte Produkte, Elektro- und Elektronikgeräte sowie bestimmte Einwegkunststoffprodukte vereinfachen. Darüber hinaus sei die ersatzlose Abschaffung einer von der EU-Chemikalienagentur ECHA geführten Datenbank (SCIP) geplant. Sie war als Teil der EU-Abfallrahmenrichtlinie zur Bereitstellung von Informationen für Entsorger und Recycler eingeführt worden, um unter anderem die Qualitätssicherung bei Sekundärrohstoffen zu erleichtern. Künftig würden digitale Produktpässe (DPP) und das EU-Chemikalienrecht die Funktion der SCIP-Datenbank übernehmen, zitiert Euwid dazu die EU-Kommissarin Jessika Roswall. Durch alle vorgeschlagenen Änderungen ergäben sich den Angaben der EU-Kommission zufolge Einsparungen für die Unternehmen in Höhe von einer Milliarde Euro.
Die IK halte die Vorschläge der Kommission zum Bürokratieabbau im Umweltrecht sowie zur Stärkung des Binnenmarktes allerdings für unzureichend und sehe insbesondere bei den Regelungen für Industrie- und Gewerbeverpackungen Nachbesserungsbedarf, schreibt Euwid an anderer Stelle. Diese Verpackungen erfüllten die Ziele der Kreislaufwirtschaft bereits weitgehend, da sie meist wiederverwendet oder recycelt würden. Aus Sicht der IK seien daher weitergehende Ausnahmen von Quotenreglungen sowie Berichts- und Kennzeichnungspflichten erforderlich, um die europäischen Lieferketten nicht zusätzlich durch „sinnlose Bürokratie“ zu belasten.
Aus Sicht des BDE böten beschleunigte Genehmigungsverfahren und reduzierte Berichtspflichten der Entsorgungs- und Recyclingbranche tatsächlich die Chance, notwendige Infrastruktur zügiger auszubauen, berichtet das Recyclingmagazin. Gleichzeitig sehe der Verband zentrale Risiken bei den vorgesehenen Erleichterungen im Bereich der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) wie etwa dem Vorschlag der Kommission, die Pflicht zur Benennung eines autorisierten Repräsentanten für Hersteller ohne Sitz im jeweiligen Mitgliedstaat aufzuheben. Die bisherige Verpflichtung sei ein tragender Pfeiler der EPR-Durchsetzung, ohne den erhebliche Vollzugsdefizite entstehen könnten. Kritisch sehe der BDE zudem die geplante Abschaffung der SCIP-Datenbank. Um Materialien sicher und hochwertig zu verwerten, seien Recyclingbetriebe auf verlässliche Stoffinformationen angewiesen. Durch den Umwelt-Omnibus drohe hier aus Sicht des BDE eine „Übergangslücke“ bis zur Einführung des DPP zu entstehen.
Quellen:
- Recyclingmagazin (15.12.2025)
- zwei Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 51/2025 (16.12.2025)
05.12.2025 - 11.12.2025
Eine neue Studie zu Status quo und Potenzial des chemischen Recyclings in Deutschland zeigt laut Berichten in Fachmedien, dass Deutschland unter geeigneten Rahmenbedingungen durch den Einsatz von Verfahren wie Pyrolyse, Solvolyse und Gasifizierung als Ergänzung zu werkstofflichen Verfahren deutlich mehr Kunststoffe recyceln könnte.
Die Studie „Chemisches Recycling in Deutschland – Ist-Situation 2024 und Ausblick bis 2030/2035“ wurde von der Conversio Market & Strategy GmbH im Auftrag der BKV und mit Unterstützung von u.a. Plastics Europe Deutschland und dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) erstellt, berichtet das Fachmagazin Plastxnow. Die Studie zeige, dass chemische Verfahren als Ergänzung zum mechanischen Recycling zusätzliche Möglichkeiten bieten. Sie verdeutliche den aktuellen Stand des chemischen Recyclings in Deutschland und gebe einen Ausblick bis 2030/35. Ihr Fokus liege auf dem Recycling von Post-Consumer-Abfällen mit zusätzlicher Betrachtung der Pyrolyse von Altreifen, schreibt Plastxnow. Laut Studie seien in Deutschland zuletzt fünf Anlagen für chemisches Recycling in Betrieb gewesen – vier kleinere Pilotanlagen für gemischte Polyolefine mit jeweils bis zu 4.000 Tonnen Jahreskapazität sowie eine industrielle Anlage zur Pyrolyse von Altreifen mit 20.000 Tonnen Kapazität pro Jahr, ist bei Plastxnow weiter zu lesen. Zwei industrielle Anlagen für gemischte Polyolefinabfälle mit Kapazitäten von 24.600 und 50.000 Tonnen befänden sich derzeit im Bau, zehn weitere Projekte in Planung. Wie Plasticker schreibt, können die bestehenden Anlagen bislang rund 30.000 Tonnen Abfälle pro Jahr verarbeiten. Sollte der geplante Ausbau vollständig umgesetzt werden, könne die Kapazität bis 2035 auf bis zu 800.000 Tonnen steigen. Realistischer sei jedoch ein Zuwachs auf etwa 300.000 Tonnen, zitiert Plasticker aus der Studie. Zwar seien technologische Lösungen laut Industrievertretern vorhanden, doch würden Investitionen durch offene Rechtsfragen verzögert. Im chemischen Recycling sehe Matthias Belitz (VCI) eine relevante Option zu Treibhausgasreduktion und Rohstoffsicherung. Doch ohne klaren Rechtsrahmen komme der Ausbau nicht voran. Ein Großteil der europäischen Kapazitäten entstehe derzeit außerhalb Deutschlands, wird Dr. Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin des PED, im Bericht des Plasticker zitiert. Die im neuen deutschen Verpackungsdurchführungsgesetz verankerte Anerkennung chemischer Verfahren sei zwar ein Fortschritt, doch fehle auf EU-Ebene weiterhin eine verbindliche Regelung zur Anrechnung chemisch recycelter Anteile auf Rezyklatquoten. Die noch ausstehende Entscheidung zur Massenbilanzierung müsse zügig getroffen werden, so Bunte.
Quellen:
- Plastxnow, Plasticker (11.12.2025)
Die Fachpresse berichtet über die Ergebnisse einer Umfrage der Initiative „Wir sind Kunststoff“, wonach die Unternehmen der Kunststoffwertschöpfungskette den Standort Deutschland im internationalen Vergleich zwar in Gefahr sehen, aber weiterhin auch hier investieren wollen. Entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der Wertschöpfungskette Kunststoff in Deutschland seien die zentralen Standortfaktoren Energiepreise, regulatorische Rahmenbedingungen und Bürokratie.
„Wir sind Kunststoff“ ist eine Initiative des Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie e. V. und seiner vier Trägerverbände sowie von PlasticsEurope Deutschland e. V. und dem VDMA e.V. – Kunststoff- und Gummimaschinen. Laut ihrer Umfrage planten 91 Prozent der befragten Unternehmen auch für das Jahr 2026 Investitionen am Standort Deutschland, zitiert etwa das Packaging Journal aus der Umfrage. Allerdings brauche es nun entschlossenes politisches Handeln, um diese Stärke für Wertschöpfung und Produktion im Land gezielt zu nutzen. Der Standort Deutschland werde laut Umfrage insgesamt aktuell mit der Note 4,1 (ausreichend) bewertet. Im Vergleich zur ersten Auflage im Jahr 2023 habe sich die Bewertung damit zwar leicht verbessert. Energiepreise, Bürokratie und die regulatorischen Rahmenbedingungen bewerteten die Unternehmen allerdings mit „mangelhaft“. Insbesondere der Aufwand für Genehmigungen und Berichtspflichten belaste die Betriebe und hemme die Innovationskraft, ist auch in einem Bericht des Plasticker zu lesen. Daher sähen die Unternehmen einen dringenden Bedarf, Bürokratie abzubauen und Energiekosten dauerhaft zu senken. Als klare Prioritäten nannten die Unternehmen den Abbau von Berichtspflichten, eine 1:1-Umsetzung von EU-Vorschriften, die Fachkräftesicherung und Förderung von Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte. Darüber hinaus fordere die Branche neue, starke internationale Handelsabkommen als Voraussetzung, um den Marktzugang zu sichern, faire Wettbewerbsbedingungen herzustellen und die hohen Qualitätsstandards deutscher Produkte international zu schützen. Eine effiziente und aktive Marktaufsicht sei dabei unerlässlich. Jetzt sei also die Politik gefragt: Sie habe es in der Hand, der Kunststoffindustrie den nötigen Schub zu geben, betonten die Initiatoren der Umfrage.
Quellen:
- Packaging-Journal, Plasticker, Polyform Next (9.12.2025)
- K-Zeitung (10.12.2025)
Auf der Jahreskonferenz zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) in Berlin betonten Umwelt- und Wirtschaftsministerium laut Berichten der Fachpresse die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft als Element der Standort-, Innovations- und Industriepolitik. Mit dem neuen Verpackungsgesetz will das BMUKN das Recycling und die Vermeidung von Verpackungsabfällen verbessern. Was die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, der BDE, die dualen Systeme und der Markenverband an den Plänen kritisieren, haben die Verbände laut weiteren Berichten von Fachmedien in ihren Stellungnahmen vorgebracht.
Bei der Jahreskonferenz in Berlin zur NKWS sei der politische Wille zur Kreislaufwirtschaft deutlich geworden, berichten Fachmedien. Bundesumweltminister Carsten Schneider habe betont, dass die Bundesregierung die Kreislaufwirtschaft vorantreiben und mit ihr „Weltspitze“ werden wolle. Zentrale Anliegen seien mehr Resilienz, Innovation und Ressourceneffizienz. Schneider habe betont, dass die hohen Standards im Klima- und Umweltschutz erhalten bleiben müssten, zugleich aber eine wirksamere und kohärentere Regulierung erforderlich sei. Die Förderung der Kreislaufwirtschaft werde auch von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche unterstützt. Derzeit befinde sich ein Aktionsprogramm in der Ressortabstimmung, das Anfang Januar verabschiedet werden soll. Noch hätten sich die beiden Ministerien aber nicht auf die konkreten Maßnahmen einigen können, schreibt Euwid. Insbesondere die Regelungen zur öffentlichen Beschaffung seien umstritten. Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft und der bvse Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung sehen laut weiteren Berichten von Fachmedien die öffentliche Beschaffung als Schlüssel, um die Kreislaufwirtschaft wirksam voranzubringen. Beide Verbände begrüßten die Aussagen der Ministerien zur NKWS, forderten aber eine rasche Umsetzung.
Am Referentenentwurf des BMUKN für ein Verpackungsrecht-Durchführungsgesetzes (VerpackDG), das der Umsetzung der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) in nationales Rechts dienen soll, kritisiere die IK, dass der aktuelle Entwurf in mehreren Punkten über das EU-rechtlich notwendige Maß hinausgehe und andererseits an wichtigen Stellen zu unpräzise sei, schreibt Euwid. So sei etwa die Zielquote von 70 Prozent für wiederverwendbare Getränkeverpackungen unverändert aus dem Verpackungsgesetz übernommen worden. Die Quote werde nicht begründet und liege deutlich über der Vorgabe der PPWR, die ab 2030 eine Mehrwegquote von zehn Prozent vorsieht. Ein weiterer wichtiger Kritikpunkt betreffe eine nationale Ökomodulierung der Lizenzentgelte in Systemen der Erweiterten Herstellerverantwortung (EPR), die, obwohl bereits seit 2019 im Verpackungsgesetz vorgesehen und in vielen EU-Mitgliedstaaten umgesetzt, im Entwurf des BMUKN unberücksichtigt bleibe. Zudem lehne die IK die im Entwurf vorgesehene Einrichtung einer neuen Organisation für Reduzierungs- und Präventionsmaßnahmen ab. Gegen diese sprechen sich auch der Markenverband, die dualen Systeme und der BDE aus, berichtet Euwid an anderer Stelle. Im Mittelpunkt der Kritik des BDE stehe darüber hinaus der deutliche Anstieg bürokratischer und finanzieller Lasten für gewerbliche und industrielle Verpackungen, die Übernahme neuer Zulassungs- und Sicherheitsverpflichtungen, für überzogen erklärte Recyclingquoten sowie unzureichend definierte Übergangsregelungen, die zu einer Unterfinanzierung der Systeme führen könnten, ist im Recyclingmagazin zu lesen. Deutschland brauche stabile Kreisläufe statt zusätzlicher Komplexität, wird die Geschäftsführende Präsidentin des BDE, Anja Siegesmund, dort zitiert.
Quellen:
- Recyclingmagazin (5.12.2025, 8.12.2025)
- mehrere Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 50/2025 (9.12.2025)
- Recyclingportal (10.12.2025)
28.11.2025 - 04.12.2025
Mit der Einführung des Verbots dünner Einwegplastiktüten im Jahr 2020 hat Deutschland eine EU-Vorgabe umgesetzt, die den Verbrauch leichter Kunststofftragetaschen mit Wandstärken von 15 und 50 Mikrometern reduzieren sollte. Seither hat sich ihr Verbrauch nach Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat in Deutschland stark reduziert: von rund 57 Tüten pro Kopf im Jahr 2018 auf etwa 31 im Jahr 2023, berichten Tages- und Fachmedien. Deutschland hat demnach bereits ein Jahr nach Inkrafttreten des Einwegplastikverbots die EU-Vorgabe von höchstens 40 Tüten pro Person und Jahr deutlich unterschritten.
Schon vor dem gesetzlichen Verbot seien die früher in Deutschland massenhaft genutzten Plastiktüten in Folge der freiwilligen Initiative des Handelsverbands (HDE) zum Auslaufmodell geworden, schreibt der Focus. Der Branchenverband des deutschen Einzelhandels hatte sich bereits im Jahr 2016 verpflichtet, Plastiktüten nur noch kostenpflichtig abzugeben. Durch die Selbstverpflichtung sei der Verbrauch von dünnen Plastiktüten dann massiv gesenkt worden, wird HDE-Geschäftsführerin Antje Gerstein im Focus zitiert. Dennoch forderten Umweltverbände wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) eine weitere Verschärfung der Vorschriften, berichtet der Focus. Nach Ansicht der DUH seien noch immer viel zu viele Einwegplastiktüten im Umlauf. Der Verband der Kunststofferzeuger Plastics Europe Deutschland (PED) verweise auf die ökobilanziellen Vorteile der in den Geschäften nun angebotenen Mehrwegalternativen wie etwa von robusten Taschen aus recyceltem Kunststoff. Diese wiesen gegenüber Stoffbeuteln oft eine bessere Ökobilanz auf, und Studien zeigten zudem, dass Mehrweg-Kunststofftaschen einer Einwegtüte bereits nach fünf- bis zwanzigfacher Nutzung ökobilanziell überlegen seien. Kunststoff habe sich als nahezu ideale Lösung für Mehrweganwendungen etabliert, wird PED-Hauptgeschäftsführerin Dr. Christine Bunte auch in der K-Zeitung zitiert. Laut den Studien zur Ökobilanz müssten Alternativen wie Baumwollbeutel etwa 50 bis 150 Mal zum Einsatz kommen, um ökologisch mit Kunststoff mithalten zu können.
Quellen:
- Focus, Chemie.de (28.11.2025)
- K-Zeitung (1.12.2025)
Eine internationale Studie der Universität Bozen kommt laut Informationsdienst Wissenschaft (idw) zu dem Ergebnis, dass für einen ökologischen Nutzen der Kreislaufwirtschaft die Praktiken von Wiederverwendung und Recycling berücksichtigt und gezielt geplant werden müssen. Um Unternehmen bei der praktischen Umsetzung der Kreislaufwirtschaft zu unterstützen, hat der TÜV Süd ein Whitepaper mit fünf zentralen Handlungsfeldern vorgelegt, berichtet das Recyclingmagazin. Eine Vernetzung verschiedener Bereiche und einen ganzheitlichen Ansatz über die gesamte Wertschöpfungskette sehe TÜV Süd dabei als Grundlage.
Laut idw führten Forscher der Fakultät für Ingenieurwesen der Freien Universität Bozen gemeinsam mit dem Worcester Polytechnic Institute (USA) eine Studie zum Zusammenhang zwischen Kreislaufwirtschaftspraktiken und CO2-Emissionen durch, die in der Fachzeitschrift Business Strategy and the Environment veröffentlicht wurde. Emissionen und Kreislaufpraktiken von 1.599 produzierenden Unternehmen aus 51 Ländern und 21 Industriezweigen seien dafür analysiert worden. Die Ergebnisse zeigten, dass die Kreislaufwirtschaft deutliche positive Klimaeffekte haben könne, wenn Kreislaufprinzipien bereits im Designprozess berücksichtigt werden. Bei Wiederverwertung und Recycling komme die Studie zu dem Ergebnis, dass diese in vielen Fällen höhere Emissionen in der Lieferkette gegenüber dem Design-for-Recycling-Ansatz verursachten, da etwa Transport, Sortierung und Aufbereitung zusätzliche Ressourcen erforderten, was nicht immer zu einer besseren Klimabilanz führe. Kreislaufwirtschaft sei wichtig, müsse aber richtig umgesetzt werden, betonten die Studienautoren laut idw. Ohne effiziente Infrastrukturen, erneuerbare Energiequellen und geeignete Technologien könne ihr ökologischer Nutzen nicht vollständig ausgeschöpft werden, so ihr Fazit.
Für die komplexe Aufgabe der Integration von Kreislaufwirtschaftsprinzipien in Produkte, Produktionsprozesse und neue Geschäftsmodelle schlage TÜV Süd in seinem Whitepaper fünf zentrale Handlungsfelder für die Vernetzung verschiedener Bereiche und einen ganzheitlichen Ansatz über die gesamte Wertschöpfungskette vor, berichtet das Recyclingmagazin. Diese betreffen die Verankerung der Kreislaufwirtschaft im Managementsystem des Unternehmens, eine fundierte Analyse der Wertschöpfungskette mit Informationen zu den größten Potenzialen, die Definition konkreter Maßnahmen von der Substitution durch Rezyklate über Mehrwegkonzepte bis hin zur Optimierung der Produktlebensdauer, der Aufbau von Kooperationen, um Materialkreisläufe zu schließen und Innovationen voranzutreiben und schließlich die glaubwürdige und transparente Kommunikation mit Kunden, Lieferanten und Investoren, zitiert das Recyclingmagazin aus dem Whitepaper.
Quellen:
- Recyclingmagazin (26.11.2025)
- idw.online (28.11.2025)
Der Fachdienst Euwid berichtet, dass sich der europäische Rechnungshof (EuRH) für eine Stärkung der Rezyklatmärkte mit besonderem Augenmerk auf die Krise des Kunststoffrecyclings ausgesprochen hat. In einem gemeinsamen Schreiben haben sechs Branchenverbände sowie mehrere Unternehmen die Europäische Kommission aufgefordert, den Binnenmarkt nicht zusätzlich durch eine Änderung der bestehenden Definition von „Post-Consumer-Kunststoffabfällen“ (PCPW) zu schwächen, berichtet das Magazin EU-Recycling.
Ob als kurzfristige Maßnahmen etwa Subventionen, Abgaben auf Einfuhren oder Mindestrezyklatgehalte für den Kunststoffrecyclingsektor, der in Folge steigender Betriebskosten, mangelnder Nachfrage und Importen von Neuware und Rezyklaten in die Krise geratenen sei, sinnvoll seien, könne der Rechnungshof nicht entscheiden, zitiert Euwid eine Aussage von EuRH-Mitglied Stef Blok während einer Pressekonferenz zum Sonderbericht des EuRH mit seinen Empfehlungen. Die Entscheidung über geeignete Maßnahmen zur Stärkung der Rezyklatmärkte liege bei der Kommission und den Mitgliedstaaten und solle vorzugsweise „auf Grundlage einer realistischen Folgenabschätzung“ getroffen werden, so der EuRH. Die Marktschwierigkeiten europäischer Recycler seien eines der größten Hindernisse für mehr Kreislaufwirtschaft, heiße es im Bericht des EuRH. Er empfehle der EU-Kommission mit Blick auf ihr geplantes neues Kreislaufwirtschaftsgesetz, die Herausforderungen für den Binnenmarkt für Kreislaufprodukte und Sekundärrohstoffe zu ermitteln und „Geschäftsszenarien" für Recyclingunternehmen vorzulegen. Wie Euwid an anderer Stelle berichtet, akzeptiere die Kommission die Empfehlung des Rechnungshofs, Maßnahmen für eine bessere Rentabilität der Kreislaufwirtschaft in der EU zu ergreifen, vollständig. Sie werde bei der Ausarbeitung ihres neuen Gesetzesvorschlags den Schwerpunkt darauf legen, Nachfrage nach Sekundärrohstoffen und einen Binnenmarkt für Abfälle zu schaffen, weise aber auch darauf hin, dass andere Akteure, darunter der Privatsektor, die Mitgliedstaaten und andere EU-Organe, ebenfalls „eine wesentliche Rolle bei der Unterstützung des Übergangs zur Kreislaufwirtschaft“ spielten.
Die Unterzeichner eines gemeinsamen Schreibens an die EU-Kommission – darunter Plastics Recyclers Europe (PRE) und der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung – warnen laut EU-Recycling davor, die geltende Definition von „Post-Consumer-Kunststoffabfällen“ (PCPW) im Rahmen der Single-Use Plastics Directive (SUPD) zu verändern. Die Definition stelle sicher, dass nur Abfälle berücksichtigt werden dürfen, die aus Kunststoffprodukten stammen und im EU-Binnenmarkt in Verkehr gebracht wurden. Eine voreilige Angleichung der SUPD-Definition an die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) ohne Spiegelklausel für die Gleichbehandlung von Importen mit EU-Umwelt- und Qualitätsstandards würde nach Ansicht der Verbände zu Wettbewerbsverzerrungen führen und das Risiko bergen, dass nicht EU-konforme Materialien in den Markt gelangen. Das würde den Aufbau europäischer Recyclingkapazitäten und die Erreichung der Umweltziele der EU gefährden, so die Verbände in ihrem Schreiben.
Quellen:
- Recyclingmagazin (26.11.2025)
- idw.online (28.11.2025)
21.11.2025 - 27.11.2025
Fachmedien berichten über eine von der IFAT Munich in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage, wonach die Mehrzahl der Deutschen die ökonomische und geopolitische Bedeutung der Kreislaufwirtschaft hoch einschätzt. Auf europäischer Ebene muss nach aktuellen Zahlen von Eurostat allerdings noch einiges bewegt werden. Denn das Maß für die Kreislaufwirtschaft, die Zirkularitätsrate, ist laut Medienberichten im Jahr 2024 zwar auf durchschnittlich 12,2 Prozent gestiegen, doch in dem bisherigen Tempo sei das für 2030 gesteckte EU-Ziel von 23,2 Prozent nicht zu erreichen.
Von der deutschen Bevölkerung und den Unternehmen werde die Kreislaufwirtschaft nach den Ergebnissen des „IFAT Circularity Monitor“, einer repräsentativen YouGov-Umfrage, zunehmend auch als wichtiger Baustein der Rohstoffsicherheit wahrgenommen. Das berichten Fachmedien. Demnach sei für fast drei Viertel der Deutschen eine funktionierende Kreislaufwirtschaft mit Blick auf die nationale Sicherheit und die Rohstoffversorgung von Bedeutung. Mehr als die Hälfte der Deutschen sehe in ihr auch einen Impulsgeber für neues Wirtschaftswachstum. Dass eine entschlossen umgesetzte Kreislaufwirtschaft zum wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland beitragen wird, erwarteten darüber hinaus 88 Prozent der befragten Entscheider in Unternehmen. Ein Großteil der Bürger fühle sich beim Thema jedoch noch unzureichend informiert, zitieren die Fachmedien aus der Umfrage, für die 2.005 Erwachsene sowie 506 Entscheidungsträger in Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größe befragt worden seien. Die Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft, die sich als Teil der Lösung für mehr Wettbewerbsfähigkeit und Rohstoffsicherheit verstehe, stehe – unter geeigneten Rahmenbedingungen – bereit für den Wandel, wird Anja Siegesmund, Geschäftsführende Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE), in den Berichten zitiert. Die Zahlen der Umfrage gäben Rückenwind und zeigten, dass die Menschen bereit seien für eine Politik, die Nachhaltigkeit mit Sicherheit im Sinne einer „Green Defense“ verknüpfe, so Siegesmund.
In der Europäischen Union nimmt die Menge der verwendeten Materialien aus dem Recycling, wie Fachmedien unter Bezug auf aktuelle Zahlen der Europäischen Statistikbehörde Eurostat berichten, langsam zu. Die für das Jahr 2024 ermittelte Zirkularitätsrate von 12,2 Prozent entspreche nur einem leichten Anstieg um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, stelle allerdings den bisher höchsten gemessenen Wert dar. Bleibe es auch in den kommenden Jahren bei diesen geringen Zuwachsraten, werde die EU ihre für 2030 gesteckten Kreislaufwirtschaftsziele laut Euwid deutlich verfehlen. Europa liege beim Recycling damit vor dem Rest der Welt, schreibt Euronews und verweist auf globale Zahlen des jüngsten Circularity Gap Report, wonach die weltweite Zirkularitätsquote rund 6,9 Prozent betrage. In der EU liege die Niederlande mit rund 33 Prozent vorne, gefolgt von Belgien und Italien mit 23 bzw. 22 Prozent, ist auch in Euwid zu lesen. Deutschland belege mit einer Quote von rund 15 Prozent zusammen mit Tschechien den achten Platz. Insgesamt sei die Zirkularitätsquote in 21 Ländern der Union gestiegen, unter anderem auch in Malta, Tschechien und der Slowakei. Weit unter dem Durchschnitt fänden sich allerdings Länder wie Rumänien, Finnland, Irland und Portugal, wo die Kreislaufquote in 2024 zwischen einem und drei Prozent betragen habe.
Quellen:
- Euronews (23.11.2025)
- Newsletter ProcessVogel (24.11.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 48/2025 (25.11.2025)
Laut Fachmedien sehen der Verband der Kunststoffhersteller Plastics Europe Deutschland (PED) und das Branchennetzwerk kunststoffland NRW Positives in dem Entwurf des Bundesumweltministeriums (BMUKN) für ein neues Verpackungsgesetz, übten aber wegen hoher Kosten und fehlender Anreize auch Kritik.
Das geplante Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG) soll das bisherige Verpackungsgesetz (VerpackG) ablösen und die ab dem 12. August 2026 geltende EU-Verpackungsverordnung (PPWR) umsetzen. Laut des Entwurfs für Kunststoffe soll für das werkstoffliche Recycling eine verbindliche Unterquote von zunächst 63 Prozent, ab dem Jahr 2028 eine Unterquote von 70 Prozent und ab 2030 von 75 Prozent festgeschrieben werden, wie aus Berichten von Fachmedien hervorgeht. Dass dabei oberhalb der werkstofflichen Mindestanforderung für bis zu fünf Prozent auch chemische Recyclingverfahren genutzt werden dürfen, begrüßen PED und kunststoffland NRW ausdrücklich. Gleichzeitig bemängeln sie aber die ökonomischen Rahmenbedingungen, die laut PED zu geschätzten Mehrkosten für die Industrie von knapp 90 Millionen Euro führen würden. Auch das Fehlen von Mechanismen für finanzielle Anreize zum nachhaltigen Produktdesign, wie sie im § 21 des bisherigen VerpackG zur ökologischen Gestaltung von Beteiligungsentgelten angelegt sind, kritisieren die Verbände. Vorschläge, mit denen über die Systementgelte wirksame Anreize geschaffen würden, um die Recyclingfähigkeit von Verpackungen zu erhöhen, lägen auf dem Tisch, seien in dem Entwurf aber leider nicht aufgegriffen worden, wird Ron Brinitzer, Geschäftsführer von Kunststoffland NRW, in der K-Zeitung zitiert. So finde sich ein von der Industrie favorisiertes Fondsmodell, das den Rezyklateinsatz und die Recyclingfähigkeit finanziell belohnt, im aktuellen Entwurf nicht wieder. Die Konsultation zum Referentenentwurf des VerpackDG läuft den Berichten zufolge noch bis zum 5. Dezember 2025. Stellungnahmen können bis dahin online eingereicht werden. Geplant sei, das VerpackDG im ersten Quartal 2026 im Bundeskabinett zu beschließen, bevor es dem Bundestag und Bundesrat zugeleitet werde.
Quellen:
- K-Zeitung (21.11.2025)
- Neue Verpackung (24.11.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 48/2025 (25.11.2025)
Laut Euwid haben sich Österreich, Belgien, Frankreich, Luxemburg, die Niederlande und Spanien gemeinsam an die Europäische Kommission gewandt, um sofortige Maßnahmen zur Unterstützung der europäischen Kunststoffrecyclingwirtschaft zu fordern. Fachmedien berichten über Forderungen der GreenDot-Gruppe nach der kurzfristigen Einführung einer „Eco-Modulation“ in Form eines europaweiten Bonus-Malus-Systems für Kunststoffrezyklate, das den Einsatz von recycelten Kunststoffen sofort finanziell begünstigen und so den drohenden Abbau von Kapazitäten bis zum Inkrafttreten der Vorgaben der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) ab 2030 abfedern soll.
Die Gruppe der sechs europäischen Länder habe in einem Aufruf an EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall auf den zunehmenden Druck hingewiesen, unter dem Recycler aufgrund des unfairen globalen Wettbewerbs und hoher Energiekosten stünden. Sie forderten daher eine Reihe von Maßnahmen, um die aktuelle Krise zu bewältigen. Dazu zählten etwa eindeutige Regeln für das Ende der Abfalleigenschaft von Kunststoffabfällen oder auch die Anrechnung von Material aus dem chemischen Recycling auf Zielvorgaben für Rezyklatgehalte. Als weiteren wichtigen Ansatzpunkt sähen die sechs Staaten eine zeitnahe Umsetzung bestehender Rechtsvorschriften, wobei die Regelungen der PPWR zu Mindestzielen für den Rezyklatgehalt von Kunststoffverpackungen sowie die Umsetzungsvorschriften zur Einwegkunststoffrichtlinie (SUPD) Vorrang haben sollten. Auch sollten Polymere aus Sicht der Länder im Rahmen der Ökodesign-Richtlinie als eine weitere prioritäre Produktgruppe eingestuft werden.
Laut weiteren Berichten in den Fachmedien fordere die GreenDot-Gruppe als Übergangsmechanismus zur Unterstützung der Kunststoffrecyclingunternehmen den sofortigen Einsatz von Eco-Modulation in den europäischen Systemen der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR), in denen es bisher keine Anreize für den Rezyklateinsatz gebe. Zwar schreibe die PPWR ab dem Jahr 2030 verbindliche Recyclingquoten für Kunststoffverpackungen vor, doch bis zu diesem Zeitpunkt drohten weitere Kapazitätsverluste und Investitionsstopps, warne GreenDot. Das Instrument der Eco-Modulation, das bereits in den Niederlanden und in Frankreich angewendet werde, schaffe finanzielle Anreize für Unternehmen, recycelte Kunststoffe in Verpackungen einzusetzen, indem diese dafür einen Bonus erhalten. In Frankreich und den Niederlanden zeige sich nach Einschätzung von GreenDot, dass sich die Nachfrage nach Rezyklaten durch solche Preissignale stabilisieren lasse. Deutschland und andere Mitgliedstaaten müssten nun dringend folgen, wird Laurent Auguste, CEO von GreenDot, in den Berichten zitiert.
Quellen:
- Recyclingmagazin, K-Zeitung (21.11.2025)
- zwei Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 48/2025 (25.11.2025)
14.11.2025 - 20.11.2025
Das Bundesumweltministerium (BMUKN) hat laut Berichten der Fachpresse Anfang dieser Woche seinen Referentenentwurf für ein neues Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG) in die Länder- und Verbändeanhörung gegeben. Mit dem Gesetz soll das bisherige Verpackungsgesetz (VerpackG) abgelöst werden, um die ab August 2026 geltende EU-Verpackungsverordnung (PPWR) in deutsches Recht zu überführen. Der Verband der deutschen Kunststoffhersteller Plastics Europe begrüßt vor allem geplante Regelungen zum chemischen Recycling als wichtiges positives Signal, wie aus Medienberichten hervorgeht.
Der vom BMUKN vorgelegte Entwurf sieht den Berichten zufolge Veränderungen bei den Recyclingquoten für Kunststoffe vor: Ab 2028 werde anstelle einer Verwertungsquote eine Recyclingquote von 75 Prozent eingeführt. Davon seien 70 Prozent, also fünf Prozent mehr als bisher, durch werkstoffliches Recycling zu erbringen. Die restlichen fünf Prozent könnten auch durch andere, etwa chemische Recyclingverfahren erfüllt werden. Ebenfalls vorgesehen sei eine generelle Zulassungspflicht für alle Hersteller und Organisationen, die die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) für mehrere Hersteller wahrnehmen, bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR) sowie deren Mitfinanzierung durch die zusätzlich verpflichteten Akteure. Um darüber hinaus Maßnahmen zur Vermeidung von Verpackungsabfällen zu finanzieren, sollen Duale Systeme, Branchenlösungen und sonstige Organisationen für Herstellerverantwortung sowie von diesen Organisationen nicht vertretene Hersteller fünf Euro je bereitgestellter Tonne Verpackungen an eine gemeinsame Organisation zahlen. Diese von der ZSVR verwalteten Mittel sollen dann in Maßnahmen zur Stärkung von Mehrwegverpackungen und Wiederbefüllung investiert werden. Die Länder- und Verbändeanhörung zum Entwurf läuft laut den Berichten über eine strukturierte Onlineabfrage bis zum 5. Dezember 2025. Das Gesetz soll im ersten Quartal 2026 im Bundeskabinett beschlossen werden.
Plastics Europe Deutschland (PED), der Verband der Kunststofferzeuger, begrüße insbesondere, dass in dem Referentenentwurf das chemische Recycling als ergänzende Kreislauftechnologie anerkannt und künftig zur Erfüllung der Recyclingquoten anrechenbar werde, ohne die Belange der mechanischen Recycler zu vernachlässigen, ist etwa in einem Bericht von Plastixnow zu lesen. Was noch fehle, sei rechtliche Klarheit auf europäischer Ebene in Bezug auf Massenbilanzen und das Ende der Abfalleigenschaft, wird PED-Hauptgeschäftsführerin Dr. Christine Bunte bei Adhoc News zitiert. Diese beiden Maßnahmen würden laut PED den Unternehmen noch mehr Planungssicherheit geben und weitere starke Investitionsanreize für die Kreislaufwirtschaft schaffen. Darüber hinaus kritisiere PED jedoch Mehrkosten von geschätzten knapp 90 Millionen Euro für die Industrie, die durch das neue VerpackDG etwa durch die Abgabe zur Stärkung von Mehrweg entstünden. Dies stehe im Gegensatz zur Notwendigkeit, bürokratische und administrative Kosten für die Wirtschaft zu reduzieren.
Quellen:
- euwid-recycling.de (17.11.2025, 20.11.2025)
- Adhoc News, Recyclingmagazin (19.11.2025)
- PlastXnow (20.11.2025)
Berichten der Fachpresse zufolge fordere der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft in seiner Stellungnahme zum Vorschlag der EU-Kommission für ein Kreislaufwirtschaftsgesetz insbesondere verbindliche Rezyklateinsatzquoten, faire Bedingungen für Rezyklate aus Europa und klare Regeln für Investitionen in moderne Recycling- und Abfalltechnologien. Das Umweltbundesamt (UBA) plädiere für einen umfassenderen Ansatz.
Der BDE fordere auch eine EU-weite Definition des Abfallende-Status, die rechtliche Priorisierung des mechanischen vor dem chemischen Recycling in der Abfallhierarchie sowie eine angemessene Behandlung der europäischen Recyclingindustrie bei Förderprogrammen und öffentlichen Aufträgen, ist etwa in Circular Technology zu lesen. Es brauche faire Wettbewerbsbedingungen für die europäische Recyclingwirtschaft etwa durch die Anerkennung von Recycling als energieintensive Industrie mit Zugang zu entsprechenden Förderinstrumenten. Zudem müsse der europäische Markt besser vor „Billigrezyklaten“ aus Drittstaaten geschützt werden. Aus Sicht des UBA greife der Fokus des Kommissionsentwurfs auf Elektro- und Elektronikgeräte sowie auf den Binnenmarkt für Abfälle und Sekundärrohstoffe zu kurz, berichtet Euwid. Nicht nur Abfallströme und Sekundärrohstoffe müssten in den Blick genommen werden, sondern der gesamte Lebenszyklus von Produkten – vom Design über die Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung. So fordere das Amt zum Beispiel für Fahrzeuge sektorübergreifende Lieferkettenpflichten mit Regelungen für Karosserie, Elektronik und Interieur. Darüber hinaus solle für Kunststoffabfälle nach Ansicht des UBA das werkstoffliche Recycling gegenüber chemischen Verfahren klar priorisiert werden, ist in Euwid zu lesen.
Quellen:
- Circular Technology (14.11.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 47/2025, Packaging Journal (18.11.2025)
Beim diesjährigen BKV-Symposium in der saarländischen Landesvertretung in Berlin zum Thema „Kreislaufführung Kunststoff: Zukunftsfähige Verwertung und Technologien“ stellten Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und NGOs Ergebnisse aktueller Studien vor wie etwa zum globalen Stoffstrombild für Kunststoffe, zu verschiedenen Recyclingverfahren und zum Einsatz von Rezyklaten im Automobilbereich. Im Fokus standen sowohl Lösungsansätze entlang des gesamten Kunststofflebenswegs als auch Möglichkeiten und Technologien für eine ganzheitliche, technologieoffene stoffliche Verwertung von Kunststoffen einschließlich der Wiederverwendung.
In den Posts von Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf dem Businessportal LinkedIn war durchgängig von sehr interessanten Vorträgen und spannenden Diskussionen mit einem sach- und fachkundigen Publikum die Rede. So hob etwa Sustainability Director Katrin Poirier vom Recycler und Kunststoffverarbeiter Cabka das globale Stoffstrombild Kunststoffe hervor, eine Studie, die die Conversio Market & Strategy GmbH im Auftrag der BKV erstellt hat, unterstützt durch den GKV Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie, die Messe Düsseldorf, den VDMA sowie die Gemeinschaftsinitiative der Kunststoffindustrie „Wir sind Kunststoff“. Poirier betonte die großen Herausforderungen „in Anbetracht der wahrhaft tektonischen Verschiebung in der globalen Kunststoffproduktion und auch beim Recycling zugunsten von Standorten außerhalb Europas“. Für den Leiter der Kreislaufwirtschaftspolitik bei BASF, Dr. Klaus Wittstock, der in einem Vortrag die Potenziale des chemischen Recyclings aufzeigte, machte das Symposium deutlich, „gute Regulierung ermöglicht Business Cases, dann werden die Ziele erreicht“. Umgekehrt gelte aber auch „ohne Business Cases erreicht die Regulierung nicht ihre Ziele“. Die Diskussion der Themen des Symposiums – wie etwa die EU-Verpackungsverordnung (PPWR), die EU-Altfahrzeugverordnung (ELVR) oder auch das chemische und mechanische Recycling – drehten sich, so Wittstock, um die Erreichung von Zielen, hinter denen eigentlich alle stehen würden. Man wundere sich, warum es so mühsam vorangehe.
Quellen:
- LinkedIn-Posts zum BKV-Symposium (18./19.11.2025)
07.11.2025 - 13.11.2025
So lautet die Überschrift einer Stellungnahme des Präsidenten der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, Georg Pescher, zum Aktionsprogramm des Umweltministeriums (BMUKN) für die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) bei Table.Briefings. Zur Beschleunigung der weltweiten Transformation zur Kreislaufwirtschaft hat das World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) laut eines Berichts des Fachmagazin Sustainable Plastics sein Global Circularity Protocol for Business (GCP) vorgestellt. Der globale Rahmen soll Unternehmen dabei helfen, Zirkularität nach einem weltweit einheitlichen Standard zu messen, zu verbessern und zu kommunizieren.
In seiner Stellungnahme zum Entwurf des Aktionsprogramms des BMUKN kritisiert Pescher, der seit April 2025 Präsident der IK ist, die Vorschläge aus dem Ministerium blieben weit hinter dem Notwendigen zurück, böten keine Lösung für die aktuelle Rezyklatkrise und fokussierten zu einseitig auf Verpackungsabfälle. Die Kreislaufwirtschaft sollte in der politischen Agenda ganzheitlich und sektorübergreifend gedacht, priorisiert und durch gezielte Förderprogramme für Unternehmen unterstützt werden, fordert Pescher laut Table.Briefings. Er sieht die Kreislaufwirtschaft an einem Wendepunkt und nennt als aus seiner Sicht erforderliche Schritte unter anderem die umgehende Reform des Paragrafen 21 Verpackungsgesetz, der die ökologische Gestaltung von Beteiligungsentgelten für am dualen System beteiligte Verpackungen regelt. Hierüber sollten Hersteller hochgradig recyclingfähiger Verpackungen durch geringere Lizenzentgelte oder direkte Boni belohnt werden, sagt Pescher. Schlecht sortierbare oder schwer recycelbare Verpackungen sollten dagegen mit höheren Gebühren belastet werden. Die Erlöse könnten, so Pescher, in einen Fonds fließen, um weitere Verbesserungen in der Kreislaufwirtschaft zu finanzieren.
Wie Sustainable Plastics berichtet, wurde das GCP des WBCSD im Rahmen der UN-Klimakonferenz 2025 in Brasilien als globaler Standard für zirkuläre Geschäftspraktiken vorgestellt. Es biete Unternehmen laut WBCSD eine einfache Anleitung zur Messung und Verbesserung ihrer Kreislaufleistung und lege den Fokus auf die unternehmensweite Materialflussverfolgung. Indem es diese zur Grundlage der Entscheidungsfindung mache, werde Zirkularität in Strategie und Management eingebunden. So könnten Unternehmen gezielt Abfall reduzieren, Materialwert steigern und Ressourceneffizienz entlang der Wertschöpfungskette verbessern. Das Protokoll sei unter Mitwirkung von über 100 Experten aus mehr als 80 Organisationen entwickelt und für Organisationen aller Größen und Branchen konzipiert worden, zitiert Sustainable Plastics die Angaben des WBCSD. Laut Peter Bakker, Präsident und CEO des WBCSD, könnten durch das GCP bis 2050 Materialeinsparungen von bis zu 120 Milliarden Tonnen und Emissionseinsparungen von bis zu 76 Gigatonnen CO2-Äquivalent erreicht werden.
Quellen:
- Table-Briefings (7.11.2025)
- Sustainable Plastics (11.11.2025)
Die Fachpresse berichtet über eine neue EU-Norm für Kunststoffrezyklate, mit der durch ein einheitliches System Materialeigenschaften und Recyclingprozesse von Rezyklaten standardisiert erfasst werden können.
Mit der neuen DIN EN 18065:2025-11 stehe der europäischen Kunststoffwirtschaft erstmals ein einheitliches Datensystem zur Verfügung, das die Klassifizierung und Qualitätssicherung von Kunststoffrezyklaten regele, berichtet etwa Euwid unter Berufung auf Informationen des Deutschen Instituts für Normung (DIN). Der nun auf EU-Ebene harmonisierte Standard gehe laut DIN auf deutsche Vorarbeiten zurück und beruhe auf den von der Plattform Cirplus zusammen mit dem Kunststoff-Institut Lüdenscheid initiierten DIN SPEC 91446 und DIN SPEC 91481. Zentrale Bestandteile der neuen EU-Norm seien Datenqualitätslevels (DQL) aus den deutschen Vorgänger-Standards, mit denen sich Rezyklate künftig nach Informationsgehalt, Rückverfolgbarkeit und Prozessqualität einstufen ließen. Zudem enthalte die Norm Regelungen für einen europäischen digitalen Produktpass für Kunststoffrezyklate, der einheitliche Datensätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette ermöglichen soll, berichtet auch das Kunststoffweb.
Weiteren Berichten der Fachpresse zufolge wurde Michael Weigelt, Geschäftsführer des TecPart Verband Technische Kunststoff-Produkte, vor Kurzem für eine Amtszeit von drei Jahren in den Strategiekreis Normung des Deutschen Instituts für Normung (DIN) berufen. Als Multiplikator werde Weigelt die Abstimmungsprozesse zwischen den relevanten Gremien übergreifend unterstützen und frühzeitig Themen in die strategische Diskussion einbringen, um die Wettbewerbsfähigkeit durch Normung zu stärken, heißt es weiter. Weigelt wurde laut den Berichten bereits im Juli 2025 zum ersten Vorsitzenden des Technical Coordination Board (TCB) gewählt, das als zentrale Schnittstelle die strategischen Ziele des DIN mit der operativen Arbeit der 69 Normenausschüsse verbindet.
Quellen:
- K-Zeitung, Industrieanzeiger (10.11.2025)
- Recyclingportal, Euwid Recycling und Entsorgung 46/2025 (11.11.2025)
- kunststoffweb.de (12.11.2025)
Laut Medienberichten zeigen einige neuere Studien, dass die laut früheren wissenschaftlichen Untersuchungen ermittelten Mengen an Mikroplastik in Flaschen, Lebensmittelverpackungen und Teebeuteln, aber auch in Fischen und Meeresfrüchten deutlich geringer sind als angenommen und oft berichtet. Auch die vermeintlich hohe Menge an Mikroplastik-Abrieb von Rotorblättern in Windkraftanlagen ist laut neueren Untersuchungen tatsächlich um ein Vielfaches geringer, wie etwa in der Zeit zu lesen ist.
Das Fachmagazin IT BOLTWISE berichtet über die Resultate einer Analyse der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA, wonach viele Ergebnisse aus Studien zu den gesundheitlichen Gefahren durch Mikroplast revidiert werden müssten. Die EFSA habe 122 Studien zur Freisetzung von Mikroplastik aus verschiedenen Materialien analysiert und festgestellt, dass viele dieser Studien auf fehlerhaften Methoden basieren und so zu überhöhten Ergebnissen führten. Ein Hauptproblem liege in Analysemethoden, die Kunststoffpartikel nicht zuverlässig von anderen Partikeln unterscheiden können. Auch komme es häufig zu Kontaminationen im Labor, die die Ergebnisse verfälschten. Diese Erkenntnisse stellten viele der alarmierenden Berichte in Frage und würden zeigen, dass die wissenschaftliche Basis für die weit verbreitete Hysterie oft fehle, wird die EFSA in IT BOLTWISE zitiert.
Eine aktuelle Studie, über die das Fachmagazin Analytik.News berichtet, vergleicht die öffentliche Wahrnehmung zur Aufnahme von Mikroplastik über Meeresfrüchte mit der wissenschaftlichen Datenlage und ordnet die Risiken im Verhältnis zu anderen Aufnahmequellen ein. Im Ergebnis erklärten die Autoren der Studie, dass die tatsächliche Belastung von Meeresfrüchten mit Mikroplastik vergleichbar mit der Belastung in anderen Lebensmitteln und Getränken sei und weit geringer als die Menge, die Menschen etwa über Innenraumluft und Hausstaub aufnähmen. Wissenschaftlich betrachtet gebe es bislang zudem nur minimale Hinweise darauf, dass die Aufnahme von Mikroplastik mit der Nahrung überhaupt ein Gesundheitsrisiko darstelle. Es sei davon auszugehen, dass die Mikropartikel den Verdauungstrakt passieren und den Körper wieder verlassen. Doch insbesondere zu sehr kleinen Partikeln und Langzeiteffekten für die Gesundheit bedürfe es weiterer Forschung.
Unter anderem Die Zeit berichtet über neuere Studien, die die vermeintlich hohe Menge an Mikroplastik-Abrieb von Rotorblättern in Windkraftanlagen von einer Tonne Mikroplastik-Abrieb pro Windrad über dessen gesamte Lebensdauer widerlegen. So gehe etwa eine Studie der Technischen Universität Dänemark aus dem Jahr 2024 von einem durchschnittlichen jährlichen Materialverlust von 30 bis 540 Gramm pro Rotorblatt, also etwas über 40 Kilogramm in 25 Jahren aus. Eine niederländische Studie von 2024 schätze die Emissionen moderner Offshore-Anlagen auf etwa 240 Gramm Mikroplastik pro Anlage und Jahr oder 6,0 Kilogramm (0,006 Tonnen) über die gesamte Lebensdauer von rund 25 Jahren.
Quellen:
- Die Zeit, General-Anzeiger (7.11.2025)
- Augsburger Allgemeine (10.11.2025)
- IT BOLTWISE, Analytik.News (11.11.2025)
31.10.2025 - 06.11.2025
Die EU-Kommission will noch in diesem Jahr ein „Minipaket“ zur Kreislaufwirtschaft vorstellen. Das Vorhaben soll spezifische Initiativen insbesondere für die Kunststoffbranche enthalten, berichtet der Nachrichtendienst Table.Briefings. In Berlin hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor Kurzem den neuen europäischen Plan RESourceEU angekündigt, der die Versorgungssicherheit mit kritischen Rohstoffen sichern und zugleich den Ausbau der Kreislaufwirtschaft unterstützen soll, ist in Euwid zu lesen.
Das noch für 2025 angekündigte „Minipaket“ zur Kreislaufwirtschaft ziele laut EU-Kommission darauf ab, Investitionen zu fördern und den Bürokratieabbau weiterzuführen, berichtet Table.Briefings. Bei einem runden Tisch zur Krise der Kunststoffrecyclingbranche, zu dem EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall eingeladen hatte, habe sie laut Teilnehmern darauf hingewiesen, dass die Kommission kurzfristige Maßnahmen prüfe, um den unmittelbaren Marktdruck zu bewältigen und die Wettbewerbsfähigkeit der Recyclingindustrie in der EU aufrechtzuerhalten. Diese beträfen zum Beispiel die Kriterien für das Abfallende sowie Maßnahmen zur regulatorischen Vereinfachung. Im Rahmen einer Rede habe von der Leyen in Berlin hinsichtlich des neuen europäischen Plans RESourceEU betont, dass die Nutzung bereits vorhandener Materialien nicht nur ein ökologisches, sondern zunehmend auch ein strategisches Gebot sei, ist in Euwid zu lesen. Ziel sei es, den Zugang der europäischen Industrie zu alternativen Quellen für kritische Rohstoffe zu sichern und Investitionen in Recycling, Verarbeitung und neue Partnerschaften zu fördern. Mit der Verknüpfung von Abfallwirtschaft, Recycling und geopolitischer Strategie positioniere von der Leyen die Kreislaufwirtschaft als zentralen Faktor europäischer Widerstandsfähigkeit.
Quellen:
- Table-Briefings (31.10.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 45/2025 (4.11.2025)
Die Bundesregierung will die energieintensive Industrie laut Medienberichten ab dem kommenden Jahr mit einem staatlich subventionierten Strompreis entlasten. Der bvse Fachverband Kunststoffrecycling fordert eindringlich, dabei auch Recyclingunternehmen zu berücksichtigen, berichtet die Fachpresse.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gehe davon aus, dass der Industriestrompreis zum 1. Januar 2026 eingeführt werde, schreibt etwa die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Die diesbezüglichen Verhandlungen mit der Europäischen Kommission befänden sich in den letzten Zügen, wird Reiche in der FAZ zitiert. Die für die Maßnahme nötigen Haushaltsmittel würden im Jahr 2027 rückwirkend bereitgestellt. Der Industriestrompreis werde an die Bedingung geknüpft, dass die Unternehmen Investitionen in Energieeffizienz und Nachhaltigkeit nachweisen. Gemäß EU-Beihilferecht dürfe ein Staat für nicht mehr als die Hälfte des jährlichen Energieverbrauchs eines Unternehmens höchstens die Hälfte der Kosten übernehmen, ist in der Zeit zu lesen. Ein Industriestrompreis sei zudem befristet auf maximal drei Jahre und müsse mindestens bei 50 Euro pro Megawattstunde liegen.
Der bvse Fachverband Kunststoffrecycling begrüßt laut Berichten der Fachpresse die Ankündigung aus Berlin zur Einführung eines Industriestrompreises für besonders energieintensive Industrien. Die Politik müsse aber sicherstellen, dass auch die Kunststoffrecycler in den Kreis der Begünstigten aufgenommen werden, so der Verband. Denn die Unternehmen der Branche seien einem enormen Wettbewerb ausgesetzt, die hohen Energiepreise verschlechterten ihre Konkurrenzfähigkeit sowohl gegenüber Anbietern von Primärkunststoffen als auch gegenüber Rezyklatimporten, wird bvse-Vizepräsident Herbert Snell in den Berichten zitiert. Ob die Branche beim Industriestrompreis berücksichtigt wird, sei aber bislang unklar. Ausschlaggebend sei die Einstufung der Betriebe in der Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ). Der bvse Fachverband fordere eine klare Empfehlung der Bundesregierung, wie auch eine Berücksichtigung der Branche durch die EU. Kunststoffrecycling stehe im Zentrum der europäischen Kreislaufwirtschaftsstrategie. Eine Entlastung der Unternehmen würde zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft und zur Dekarbonisierung der Industrie beitragen.
Quellen:
- FAZ, Zeit, Stern (3.11.2025)
- Plasticker, euwid-recycling.de (4.11.2025)
- K-Zeitung, Packaging Journal (5.11.2025)
Eine aktuelle Studie des Berliner Thinktanks Adelphi analysiert laut Fachpresseberichten, welche Gestaltungsmerkmale von Systemen der Herstellerverantwortung (EPR) zu hohen Recyclingquoten und geringen Kosten führen. Wenn die Systeme klarer geregelt und effizienter aufgebaut wären, könnte Europa laut Studie seine Recyclingquoten für Verpackungsabfälle erheblich steigern. Wie Euwid berichtet, arbeiten mehrere Systeme der Herstellerverantwortung aus Frankreich und den Beneluxländern zusammen, um die Verwertung von Verpackungsabfällen zu verbessern.
Laut der Studie „Efficiency and Performance of Packaging EPR Systems in the EU“ zur Analyse des Haushaltsverpackungsrecyclings in acht EU-Mitgliedstaaten ist die „Governance“ eines Systems, das Zusammenspiel von Zuständigkeiten, Entscheidungsstrukturen, Kontrolle und Transparenz entscheidend für dessen Erfolg. Höhere Recyclingquoten könnten demnach kosteneffizienter erreicht werden, wenn die Systeme auf den vier zentralen Gestaltungsmerkmalen „operative Verantwortung der Herstellerorganisationen“, „Materialverantwortung“, „vollständige Kostendeckung durch die Hersteller“ sowie „unabhängige Aufsicht“ beruhen würden. Adelphi empfehle mit Blick auf die neue EU-Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR), die Gestaltungsmerkmale in die nationalen Kreislaufwirtschaftsgesetze zu übernehmen und die Vergleichbarkeit zwischen den Mitgliedstaaten durch harmonisierte Datengrundlagen, Indikatoren und Definitionen zu verbessern, heißt es in Euwid.
Sechs Organisationen zur Umsetzung der erweiterten Herstellerverantwortung für Verpackungen aus Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Luxemburg haben laut Euwid Mitte Oktober eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen, um ihre Aktivitäten besser zu koordinieren und die Verwertung von Verpackungsabfällen in der Region einheitlicher und nachhaltiger zu gestalten. Die beteiligten Organisationen sind Fost Plus und Valipac aus Belgien, Verpact aus den Niederlanden, Citeo und Citeo Pro aus Frankreich sowie Valorlux aus Luxemburg. Ziel der Vereinbarung sei es, die Einhaltung des Verpackungsrechts unter anderem durch ein vereinfachtes Meldeverfahren und eine effizientere Verpackungsentsorgung über Ländergrenzen hinweg zu erleichtern, zitiert Euwid aus einer Mitteilung von Verpact. Darüber hinaus sei geplant, Fachwissen in Bereichen wie Design for Recycling (DfR), Berichterstattung über Rezyklatanteile, Umstellung auf Mehrwegverpackungen und Verpackungsvermeidung zu bündeln. Ein weiterer Schwerpunkt der Kooperation seien gewerbliche Verpackungen.
Quellen:
- Recyclingmagazin (28.10.2025)
- zwei Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 45/2025 (4.11.2025)
17.10.2025 - 30.10.2025
Die Messe wird laut Fachpresseberichten von beteiligten Verbänden und Unternehmen trotz aktuell großer Herausforderungen für die Industrie durchweg als voller Erfolg gesehen und habe Hoffnung auf ein baldiges Ende der Krise geweckt.
Die K 2025 habe mit hoher Internationalität der Besucher und starker Resonanz auf Formate wie die Young Talents Lounge des GKV Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie oder die gemeinsam vom Verband der Kunststoffhersteller Plastics Europe mit der Messe Düsseldorf organisierte Sonderschau „Plastics Shape the Future“ beeindruckt, schreibt etwa die K-Zeitung. Aussteller wie unter anderem Covestro, Dow und BASF hätten konkrete Gespräche über Projekte, wertvolle Impulse und den Fokus auf Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung und Nachwuchsförderung lobend hervorgehoben. Die Messe habe sich nach Ansicht der Verbände und Unternehmen erneut als idealer Treffpunkt für die Branche erwiesen. Sie sei ein Motor für Kooperationen und Abschlüsse von Geschäften. Viele Unternehmen würden konkrete Nachmesse-Erfolge erwarten.
Michael Weigelt, Geschäftsführer des TecPart Verband Technische Kunststoff-Produkte, habe in einer Messebilanz allerdings auch den hohen Handlungsdruck betont, den der Verband seitens der Politik sehe, berichtet das Recyclingportal. Die Kunststoffverarbeitung zeige Innovationskraft. Doch ohne wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen drohe dem Industriestandort Deutschland ein struktureller Rückschritt, wird Weigelt dort zitiert. Mit Blick auf die erkennbare Aufbruchstimmung, die von der K 2025 ausgegangen sei, fordere Weigelt verlässliche Rahmenbedingungen für eine wettbewerbsfähige Industrie in Deutschland. Die erkennbar gewachsene Präsenz asiatischer Anbieter in allen Bereichen erhöhe den Wettbewerbsdruck für europäische und deutsche Verarbeiter deutlich, so Weigelt. Diese Botschaft an die Politik sei etwa bei Debattenformaten von Plastics Europe oder auch bei Besuchern des TecPart-Messestandes zum Beispiel aus dem Bundesumweltministerium angekommen. Darüber hinaus habe der Verband Themen wie die Rezyklatpreisentwicklung und die wirtschaftlichen Folgen geplanter Quoten auch durch ein Whitepaper adressiert.
Weitere Information: Über diesen Link gelangen Sie zu allen Aufzeichnungen der Keynotes und Panels der Sonderschau „Plastics shape the Future“
Quellen:
- K-Zeitung (17.10.2025)
- Recyclingportal (20.10.2025)
- LinkedIn-Post Fraunhofer CCPE (22.10.2025)
Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) hat laut Euwid eine interaktive Karte zum Überblick über die chemischen Recyclingaktivitäten in Europa vorgestellt. Demnach sind derzeit in Europa 65 Projekte mit einer Gesamtkapazität von rund 2,8 Millionen Tonnen pro Jahr geplant bzw. befinden sich im Bau. Bei der K 2025 diskutierten Expertinnen und Experten aus Industrie, Forschung und Politik im Kontext der Kreislaufwirtschaft die Zukunft des chemischen und mechanischen Recyclings, wie aus einem LinkedIn-Post des Mitorganisators Fraunhofer CCPE hervorgeht.
Die interaktive Karte von Fraunhofer Umsicht zu europäischen Projekten im Bereich des chemischen Recyclings zeige alle wichtigen Recyclingtechnologien inklusive Reifenpyrolyseanlagen und europäische Steamcracker, berichtet Euwid. Die Kapazitätsangaben stammten laut Fraunhofer Umsicht aus Unternehmens- und öffentlichen Quellen. Mit einer Jahreskapazität von 1,68 Millionen Tonnen setzen die Unternehmen bei den meisten angekündigten oder im Bau befindlichen Projekten überwiegend auf Pyrolysetechnologien. Laut der Übersicht des Fraunhofer Umsicht sind 18 der Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 289.000 Tonnen bereits in Betrieb, berichtet Euwid weiter. Bei 15 davon handle es sich um Pyrolyseanlagen mit einer Gesamtkapazität von 262.000 Tonnen pro Jahr. Die Pyrolysekapazitäten aller geplanten und bereits betriebenen Projekte summiere sich auf rund 1,94 Millionen Tonnen pro Jahr. Zusätzlich gebe es Vorhaben zur Vergasung, Solvolyse sowie zu lösungsmittelbasierten, enzymatischen und hydrothermalen Technologien. Damit verbunden seien jährliche Kapazitäten von 860.000 Tonnen für Vergasung, 102.000 Tonnen für Solvolyse, 70.000 Tonnen für hydrothermale Verfahren, 68.000 Tonnen für lösungsmittelbasierte Verfahren und 50.000 Tonnen für enzymatische Technologie. Aufgrund aktueller regulatorischer sowie wirtschaftlicher Unsicherheiten für die Unternehmen könnten einige geplante Projekte wohl nicht wie angekündigt umgesetzt werden, zitiert Euwid Professor Matthias Franke, Leiter des Fraunhofer Umsicht Institutsteils, der den Überblick erstellt hat. Auch gebe es noch technologische Hürden bei Betriebsstabilität, Erträgen und Produktqualität.
Bei einer Podiumsdiskussion einer Expertenrunde im Rahmen der Sonderschau „Plastics shape the Future“ während der K 2025 beleuchteten Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Forschung und Politik laut eines LinkedIn-Posts des Mitorganisators der Sonderschau Fraunhofer CCPE, wie mechanisches und chemisches Recycling gemeinsam zur Kunststoffkreislaufwirtschaft beitragen können. In der Diskussion ging es um Themen wie technologische Innovationen, wirtschaftliche Rahmenbedingungen, regulatorische Hürden und gesellschaftliche Akzeptanz. Moderiert von Prof. Dr.-Ing. Manfred Renner, Leiter des Fraunhofer CCPE und von Fraunhofer Umsicht, diskutierten Willemijn Peeters, CEO & Gründerin von Searious Business, Peter Dziezok, Leiter R&D Open Innovation, Deutsches Innovationszentrum, Procter & Gamble, Dirk Langhammer, Vice President Circular Economy Solutions bei Borealis, Benjamin Porter, Global Sustainable Business Development Manager von Trinseo/Drop In, Valentijn de Neve, Geschäftsführer BlueAlp, Adrián Morales, Mechanical Recycling Leader bei AIMPLAS und Dr. Ingo Sartorius, Geschäftsführer der BKV. Zusammenfassend lautete die zentrale Botschaft: Recycling muss wirtschaftlich tragfähig, technologisch skalierbar und gesellschaftlich akzeptiert sein, um eine echte Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen. Die Zukunft sehen die Diskussionsteilnehmer in einem intelligenten Mix chemischer und mechanischer Verfahren, abgestimmt auf Anwendung, Materialart und Grad von Verunreinigungen der genutzten Materialien.
Quellen:
- LinkedIn-Post Fraunhofer CCPE (22.10.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 44/2025 (28.10.2025)
Die türkische Regierung hat laut Berichten von Fachmedien einen Entwurf für eine gesetzliche Änderung vorgelegt, mit der das bisherige Verbot für den Einsatz recycelter Kunststoffe bei Lebensmittelkontakt aufgehoben werden soll. In Zukunft soll die Nutzung von Kunststoffrezyklaten in Lebensmittelverpackungen unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt werden, berichtet etwa der Fachdienst Euwid.
Die Verwendung von Rezyklaten in Verpackungen und anderen Produkten, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, wird damit grundsätzlich ermöglicht, zitiert Euwid aus einer Mitteilung der türkischen Regierung an die Welthandelsorganisation (WTO). Details würden in einer noch zu erlassenden gesonderten Verordnung geregelt, die auch Produktionsabfälle, Schnittreste und ähnliche Nebenprodukte erfasse. Die neue Regelung betreffe alle Polymere, ist im Kunststoffweb zu lesen. In der Verordnung würden Polyethylentherephtalat (PET), Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) explizit genannt. Die Gesetzesänderung dürfte laut Kunststoffweb den Einsatz von Rezyklaten in der Türkei erheblich fördern und könne zusätzlichen Druck auf die deutsche und europäische Recyclinglandschaft ausüben. Die Türkei schaffe mit der Verordnung erstmals einen geregelten Rechtsrahmen für innerbetriebliche Kunststoffkreisläufe bei der Produktion von Lebensmittelkontaktmaterialien, heißt es bei Euwid. Die Änderungsverordnung trete ab Veröffentlichung in Kraft mit einer Übergangsfrist zur Umsetzung für Unternehmen bis zum 30. November 2026. Damit folge die Türkei internationalen Standards und erlaube recycelte Kunststoffe im Lebensmittelbereich, sofern deren Sicherheit belegt sei.
Quellen:
- kunststoffweb.de (27.10.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 44/2025 (28.10.2025)
10.10.2025 - 16.10.2025
Das Bundesumweltministerium (BMUKN) hat laut Medienberichten zu Beginn der Woche im Rahmen des 3. Dialogforums zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) den Entwurf eines Aktionsprogramms zur Umsetzung vorgestellt. Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft sowie der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung begrüßen die Pläne im Grundsatz, drängen aber auch auf schnelle Umsetzung sowie Planungs- und Investitionssicherheit, berichtet die Fachpresse.
Im Entwurf des BMUKN stehen elf Maßnahmen, mit denen die Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie beschleunigt werden und die bis Ende 2027 umgesetzt werden sollen, schreibt unter anderem Table Briefings. Prioritäten wolle das Ministerium etwa durch neue Programme zur Investitionsförderung, eine Reform der öffentlichen Beschaffung und Maßnahmen für die Digitalisierung setzen. Nach den Plänen des BMUKN soll die Bundesregierung etwa ein Förderprogramm „Zukunft Kreislaufwirtschaft“ im Rahmen des Klima- und Transformationsfonds auflegen, um „strategische Innovationen“ in der Kreislaufwirtschaft anzuregen, zitiert Table Briefings aus dem Entwurf. Zur stärkeren Ausrichtung der öffentlichen Beschaffung auf Kreislaufwirtschaft soll Paragraf 45 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes reformiert und die Vorgabe von Dritten in Zukunft einklagbar sein. Im zentralen Bereich Digitalisierung sei zur Schließung von Stoffkreisläufen eine Initiative geplant, die eine Koordinierungsstelle zur Skalierung von digitalen Maßnahmen mit Fokus auf den Digitalen Produktpass vorsehe sowie ein „Circular Economy Information Systems (CEIS)“ als Basis einer datenbasierten, digital gestützten Kreislaufwirtschaft. Es gebe jedoch wichtige Punkte, die der Entwurf für das Aktionsprogramm nicht erwähne, schreibt Table Briefings weiter. So sollen etwa Fragen zum Einsatz und zur Wettbewerbsfähigkeit von Rezyklaten später erörtert werden, und spezifische Maßnahmen zur Sicherung der Recyclingkapazitäten würden gar nicht erwähnt. Für verlässliche Sekundärrohstoffmärkte sehe BDE-Präsidentin Anja Siegesmund dringenden Bedarf, der nach Ansicht des BDE etwa durch entsprechende Rezyklateinsatzquoten zu erreichen sei, berichtet Euwid. Der bvse fordere in dem Zusammenhang eine Änderung von Paragraf 21 des Verpackungsgesetzes zur Förderung des Rezyklateinsatzes sowie wirksame Maßnahmen gegen falsch deklarierte Rezyklatimporte. Auch aus Sicht von bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock seien die Pläne des BMUKN in dem Bereich nicht ausreichend. Er vermisse zudem im geplanten Investitionsförderprogramm des BMUKN Maßnahmen, die dafür sorgen, dass im Labor oder Technikumsmaßstab erprobte Recyclingverfahren auch in die betriebliche Praxis überführt werden können. BDE und bvse drängten darüber hinaus auf Bürokratieabbau für Entsorgungs- und Recyclingunternehmen und Maßnahmen für schnellere Genehmigungen.
Quellen:
- Table Briefings (11.10.2025)
- Recyclingmagazin (13.10.2025)
- euwid-recycling.de, Recyclingportal (14.10.2025)
Die Stimmung im voll belegten Messegelände war laut Berichten der Fachpresse trotz der aktuell schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen an allen Messetagen hervorragend. Die Kunststoff- und Kautschukindustrie habe sich innovativer, internationaler und entschlossener denn je gezeigt, den Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit, Digitalisierung und gesellschaftlicher Verantwortung aktiv zu gestalten.
In ihrem Abschlussbericht ziehen die Messe Düsseldorf und Ulrich Reifenhäuser, Vorsitzender des Ausstellerbeirats der K 2025, eine positive Bilanz der von über 175.000 Fachbesucherinnen und Fachbesuchern aus rund 160 Ländern besuchten Messe, berichten Fachmedien wie Plastxnow, Kunststoffe und K-online. Laut vorläufiger Befragungsergebnisse hätten sich die Teilnehmenden zu einem sehr hohen Anteil positiv geäußert. 98 Prozent der Fachbesucherinnen und Fachbesucher bewerteten das Angebot als hervorragend oder seien mit diesem sehr zufrieden. Rund 95 Prozent der Besucher gaben an, ihre Messeziele erreicht zu haben. Auch die Specials der K 2025 wie die von Plastics Europe Deutschland und der Messe Düsseldorf gemeinsam organisierte Sonderschau „Plastics Shape the Future“, das VDMA-Forum „The Power of Plastics“, die Start-up Zone, der Science Campus und das neue Networking-Format „Women in Plastics“ fanden den Berichten zufolge großen Zuspruch beim sehr internationalen Publikum, das zu 73 Prozent aus dem Ausland angereist sei. Die K 2025 hat auch laut weiteren Berichten der Fachpresse unter den Herstellern von Kunststoff- und Gummimaschinen Hoffnung verbreitet. Nach zwei „wirklich schwierigen Jahren“ gebe es Anzeichen für eine verbesserte Stimmung bei den europäischen Maschinenbauern. Man sehe auf der Messe einige gute Entwicklungen, wird Thorsten Kühmann, Generalsekretär des europäischen Maschinenbauer-Dachverbands Euromap und Geschäftsführer des Fachverbands Kunststoff- und Gummimaschinen (KuG) im VDMA, in einem Bericht im Kunststoffweb zitiert. Auch der GKV Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie hat laut Plasticker seinen Messeauftritt auf der K 2025, der die Nachwuchsgewinnung sowie die Förderung von Bildung und Ausbildung in der Kunststoff verarbeitenden Industrie in den Mittelpunkt gestellt hatte, als inhaltlich und organisatorisch erfolgreich bewertet. Wie der Fachdienst berichtet, hatte der Verband sich in Düsseldorf gemeinsam mit seinen Trägerverbänden unter dem Leitmotiv „Caring about People“ präsentiert und inhaltliche Schwerpunkte auf Berufsorientierung, Fachkräfteentwicklung und Branchennachwuchs gesetzt. Seitens der Mitgliedsunternehmen sei der gemeinsame Messeauftritt des GKV ebenfalls als durchweg positiv bewertet worden.
Quellen:
- Kunststoffe (12.10.2025)
- kunststoffweb, Plastxnow, Kunststoffe, K-online (15.10.2025)
Die von Conversio Market & Strategy im Auftrag der BKV und in Kooperation mit dem GKV, der Messe Düsseldorf, dem VDMA und der Initiative „Wir sind Kunststoff“ erstellte Studie „Global Plastics Flow 2023“ zeigt laut Berichten von Fachmedien zwar Fortschritte beim Recycling und in der Abfallbehandlung, aber auch einen stetigen Mengenanstieg und für einige Regionen großen Nachholbedarf hinsichtlich effektiver geordneter Abfallinfrastrukturen.
Laut Studie, die betont, dass die Fortschritte im Recycling stark von den vorhandenen Sammel- und Sortierstrukturen abhängen, sind im Jahr 2023 rund 71 Prozent der weltweit angefallenen Kunststoffabfälle umweltgerecht entsorgt oder verwertet worden, berichtet Euwid. Gleichzeitig sind noch 29 Prozent unsachgemäß entsorgt worden oder in die Umwelt gelangt. Die regionalen Unterschiede im Abfallmanagement seien dabei erheblich, zitiert Euwid die Autoren der Studie. Europa erreiche eine umweltgerechte Behandlungsquote von 90 Prozent, in der Region „EU-27+3“ sogar 95 Prozent. In Nordamerika, wo Recycling kaum eine Rolle spiele, seien 96 Prozent der Abfälle deponiert oder energetisch verwertet worden. Asien erzeuge mit 148 Millionen Tonnen knapp die Hälfte des weltweiten Kunststoffabfalls, wovon 69 Prozent umweltgerecht behandelt worden seien. Afrika weise mit etwa 20 Prozent die niedrigste Behandlungsquote auf, was auf Defizite in der Abfallinfrastruktur zurückgeführt werde. Zur Verbesserung der globalen Kunststoffkreisläufe empfehlen die Studienautoren laut Euwid insbesondere den Aufbau klarer gesetzlicher Rahmenbedingungen mit verbindlichen Zielvorgaben, den Ausbau von Systemen der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR), die Integration informeller Sammler sowie die Förderung des Rezyklateinsatzes. Als Beispiele dafür, wie Länder Recyclingstrukturen erfolgreich aufbauen können, nenne die Studie unter anderem Kolumbien, das ein starkes umweltpolitisches System mit EPR etabliert, Einwegplastik verboten und informelle Sammler integriert habe, berichtet das Fachmagazin Ingenieur. Dort nehme die Recyclingquote jährlich um 24,6 Prozent zu. China steigere Recycling und Energieverwertung durch massive Infrastrukturinvestitionen und nationale Richtlinien. Europa profitiere von klaren gesetzlichen Vorgaben, Pfandsystemen und modernen Sortieranlagen. Die Beispiele machten deutlich, dass EPR, Infrastruktur, Innovation und klare Gesetze messbar wirken, zitiert Ingenieur aus der Studie.
Quellen:
- euwid-recycling.de, ingenier.de (10.10.2025)
26.09.2025 - 09.10.2025
Das Recyclingmagazin berichtet über die Vorstellung der neuen BKV-Studie „Global Plastics Flow 2023“ am Eröffnungstag der Messe K 2025 am 8. Oktober in Düsseldorf im „The Power of Plastics“-Forum des VDMA. Dort hatte laut weiteren Fachpresseberichten die an der Studie beteiligte Initiative „Wir sind Kunststoff“ zur Eröffnung der Messe auch ihren Fahrplan für eine wettbewerbsfähige Kunststoffindustrie vorgestellt. In dessen Zentrum stehen gemeinsame Ziele der deutschen Kunststoffwertschöpfungskette sowie klare Forderungen an die deutsche und EU-Politik. Und beim Circular Thursday geht es laut K-Zeitung einen ganzen Messetag lang um Grundlagen einer erfolgreichen Kreislaufwirtschaft.
Die von der Conversio Market & Strategy GmbH durchgeführte Studie „Global Plastics Flow 2023“ habe gezeigt, dass das Bewusstsein und die Initiativen für die umweltgerechte Behandlung von Kunststoffabfällen sowie für deren Kreislaufwirtschaft weltweit steigen, berichtet das Recyclingmagazin. Die Fortschritte stünden aber noch nicht in zufriedenstellender Relation zur steigenden Kunststoffproduktion. Laut der Studie wurden 2023 weltweit 414 Millionen Tonnen Kunststoffe produziert, rund 300 Millionen Tonnen fielen als Abfall an. 71 Prozent der Kunststoffabfälle werden demnach mittlerweile weltweit umweltgerecht behandelt. Der Anteil von „mismanaged plastic waste“ sei mit 29 Prozent jedoch weiterhin hoch, berichtet das Magazin weiter aus der Studie. Problematisch sei die Situation in Ländern mit schwacher Infrastruktur für Abfallmanagement, darunter zahlreiche Regionen in Afrika und Asien. Auf eine allmähliche Verbesserung deute jedoch hin, dass die Menge an unsachgemäß entsorgten Kunststoffabfällen mit 1,9 Prozent langsamer wachse als die Gesamtabfallmenge. Um die Kreislaufwirtschaft auszubauen und die weltweite Fehlleitung von Kunststoffabfällen wirksam zu reduzieren, seien Investitionen in Abfall- und Recyclinginfrastruktur sowie eine konsequent ausgeweitete Herstellerverantwortung (EPR-Systeme) entscheidend, wie die Studie laut Recyclingmagazin zeige. Die Initiatoren der Studie BKV, der GKV Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie, die Messe Düsseldorf, der VDMA und die Initiative „Wir sind Kunststoff“ zeigten sich angesichts der Studienergebnisse zuversichtlich, dass die Herausforderungen beim Abfallmanagement erkannt wurden und in vielen Teilen der Welt angegangen werden. Gleichzeitig könne man nicht zufrieden sein mit der Dynamik von Recycling und Abfallbehandlung im Vergleich zur Kunststoffneuproduktion, zitiert sie das Recyclingmagazin.
Die Global Plastics Flow Studie stellt für die Initiative „Wir sind Kunststoff“ ein Beispiel dar, wie entscheidend für die Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft die enge Kooperation zwischen Verbänden auf nationaler und europäischer Ebene sei, ist etwa im Plasticker zu lesen. In Düsseldorf präsentierte die gemeinsame Initiative von Herstellern, Verarbeitern und Maschinenbauern ihre Vision für die Transformation als zentrales Anliegen, zeigte aktuelle Herausforderungen und das Potenzial des Sektors auf. Sechs zentrale Forderungen an die Politik auf nationaler und europäischer Ebene darunter EU-weite Design-for-Recycling-Standards, eine verbesserte Abfallerfassung und -sortierung sowie den Ausbau des Binnenmarkts für Rezyklate – hat die Initiative den Berichten zufolge in einem gemeinsamen Positionspapier formuliert.
Die Diskussion der Grundlagen einer erfolgreichen Kreislaufwirtschaft am 9. Oktober in Halle 6 des Düsseldorfer Messegeländes werde laut K-Zeitung auch eines der Highlights der Sonderschau „Plastics Shape the Future“ beim Circular Thursday sein, einer gemeinsamen Veranstaltung von Plastics Europe Deutschland und Fraunhofer Cluster of Excellence Circular Plastics Economy CCPE. Dabei gehe es in Expert-Talks, Keynotes und Panel-Diskussionen etwa um geeignete Rahmenbedingungen für die Wettbewerbsfähigkeit des Recyclings, die Bedeutung alternativer Rohstoffe wie Biomasse oder CO2 und die Recyclingpotenziale in den einzelnen Industrien. Perspektiven des chemischen und mechanischen Recyclings stehen laut K-Zeitung dann am Nachmittag in einer Keynote wie auch bei der anschließenden Podiumsdiskussion (Anmerkung der Redaktion: mit Beteiligung des BKV-Geschäftsführers Dr. Ingo Sartorius) im Mittelpunkt.
Weitere Information: Meldung zur neuen BKV-Studie „Global Plastics Flow 2023“
Quellen:
- K-Zeitung (3.10.2025)
- Plasticker, Österreichische Kunststoffzeitschrift (7.10.2025)
- Recyclingmagazin, LinkedIn (8.10.2025)
Der Autohersteller Porsche und der Chemiekonzern BASF haben gemeinsam mit der österreichischen Forschungsgruppe (Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH) BEST in einem Pilotprojekt aus geschredderten Automobilabfällen einen rezyklierten Kunststoff gewonnen, der dann zur Produktion von Lenkrädern eingesetzt wurde, berichtet unter anderem die FAZ. Laut Fachpresseberichten hat der Verband Technische Kunststoff-Produkte TecPart im Rahmen der K 2025 seinen Innovationspreis in der von ihm neu ausgelobten Kategorie Nachhaltigkeit an HolyPoly für ein Pilotprojekt zur Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen aus ausgedienten Elektrowerkzeugen verliehen.
Im Prozess von Porsche und BASF würden aus stark vermischten Kunststoffabfälle aus Automobilen Synthesegas gewonnen, ist in der FAZ zu lesen. Dabei werde eine Mixtur aus Kunststoffen, Farben und Schaumstoffresten durch Gasifizierung unter kontrolliertem Sauerstoffmangel nahezu vollständig in Synthesegas umgewandelt, das anschließend zur Herstellung von Polyurethan für Lenkräder verwendet werde. Der Kunststoffanteil in Autos wachse stetig und liege nach Schätzung des Herstellerverbandes Plastics Europe im Durchschnitt bei 150 bis 200 Kilogramm Kunststoffe. Nach Zahlen des Marktforschungsinstituts Conversio verwende die Automobilindustrie derzeit rund 7,7 Prozent Rezyklate in Neuwagen. Nach geplanten Vorgaben der EU-Altautoverordnung (End-of-Life Vehicles Regulation, kurz ELV), die die Kreislaufwirtschaft in der Autoindustrie anzukurbeln sollen, müssen in dem Bereich in Zukunft bis zu 25 Prozent Rezyklate eingesetzt werden, ist in der FAZ weiter zu lesen. Chemisches Recycling wie bei Porsches Lenkrädern spiele jedoch bisher so gut wie keine Rolle. Aber das Pilotprojekt zeige, dass es gehe. Es habe laut Porsche dazu gedient, das Potenzial der Schredderleichtfraktion als zukünftige Rezyklatquelle auszuloten, berichtet Euwid. Ziel sei es, in Zukunft weniger Primärmaterial zu verwenden und den Anteil an recycelten Materialien im Fahrzeug zu erhöhen. Projektpartner BASF wolle laut Euwid ebenfalls neue Kunststoffquellen und Einsatzmöglichkeiten von chemischem Recycling in Bauteilen erschließen. Zwar priorisiere der Konzern das mechanische Recycling und arbeite an dessen Verbesserung. Gleichzeitig sei man bei BASF aber überzeugt, dass sich viele Methoden ergänzen müssen, um die Recyclingziele zu erreichen, wird Martin Jung, Leiter des Unternehmensbereichs Performance Materials, in Euwid zitiert. Bei der Auswahl geeigneter Verfahren richte man sich bei BASF nach Abfalltyp und Sortiergrad, ist in einem Bericht von Kunststoffe zu lesen.
Die Fachpresse berichtet über die Verleihung des TecPart-Innovationspreises 2025 für Spitzenleistungen in der Kunststoffverarbeitung an insgesamt acht Preisträger. Der erstmals in diesem Wettbewerb ausgeschriebene Sonderpreis für Nachhaltigkeit ging laut den Berichten an HolyPoly für die Schlagbohrmaschine UniversalImpact 800 Closed Loop Edition von Bosch. Grundlage für das Pilotprojekt zur Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen aus ausgedienten Elektrowerkzeugen war den Berichten zufolge eine Machbarkeitsstudie eines Projektteams von Spezialisten für Kunststoffe, Kunststoffrecycling und Kreislaufwirtschaft vom Beratungsunternehmen HolyPoly und dem Recycler MKV Kunststoffgranulate. Um aus bisher nicht sortierten Fraktionen entsorgter Elektrowerkzeuge genügend Kunststoff für die Sonder-Edition einer Schlagbohrmaschine zurückzugewinnen und aufzubereiten, habe das Projektteam einen Arbeitsprozess inklusive des Aufbaus einer eigenen Datenbank entwickelt. Geeignete Gerätegehäuse seien dann zerkleinert, nach Farben sortiert und gereinigt worden. Aus dem zurückgewonnenen Polyamid-Rezyklat seien dann auf den üblichen Produktionsstrecken für Bosch-Gehäusekomponenten ohne Prozessänderungen Komponenten für das Gehäuse von Schlagbohrmaschinen mit 78 Prozent Rezyklatgehalt gefertigt worden.
Quellen:
- Kunststoffe (1.10.2025)
- FAZ, Euwid Recycling und Entsorgung 41/2025 (7.10.2025)
- Plasticker, Kunststoffe (8.10.2025)
- K-Aktuell (9.10.2025)
19.09.2025 - 25.09.2025
Unter Bezug auf Zahlen des Umweltbundesamtes (UBA) und der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR) sowie den „Verpackungsmonitor“ der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung berichtet die Welt über steigende Kunststoffrecyclingquoten. In Weißandt-Gölzau in Sachsen-Anhalt entsteht laut Berichten der Fachpresse ein Kompetenzzentrum für Kunststoffrecycling und Upcycling, das mit Mitteln von Bund und Land gefördert wird. Ziel des Projekts sei unter anderem die Entwicklung hochwertiger Rezyklate als Ersatz für Neuware sowie, nachhaltige Verfahren schneller in die industrielle Anwendung zu bringen.
Die Recyclingquote bei Verpackungen habe nach Zahlen des UBA und der ZSVR hierzulande im Jahr 2023 bei 90,25 Prozent gelegen, berichtet die Welt. Damit werde der hartnäckige Irrglaube, Mülltrennung lohne sich nicht, erneut widerlegt, schreibt die Welt. Kunststoffverpackungen seien im Jahr 2023 laut „Verpackungsmonitor“ der GVM im Auftrag der Allianz Verpackung und Umwelt (AVU) zu etwas mehr als 66 Prozent recycelt worden. Dabei sei die Menge der insgesamt in Deutschland angefallenen Verpackungen mit rund 17,9 Millionen Tonnen um fast sechs Prozent oder umgerechnet 1,1 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr gesunken, ist in der Welt weiter zu lesen. Experten gingen davon aus, dass sich der Trend zu weniger Verpackungsabfällen fortsetzen werde. So rechne etwa die AVU für 2030 mit einer Reduzierung auf 16,6 Millionen Tonnen. Gründe für den aktuellen Rückgang sähen die Experten unter anderem in Verbesserungen der Verpackungen, aber auch in Konsumzurückhaltung und einer schwachen Bau- und Industrieproduktion.
Zum Start des Aufbaus eines neuen Kompetenzzentrums für Recycling und Upcycling von Kunststoffabfällen (ReKA) in Weißandt-Gölzau hat Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff laut Berichten der Fachpresse dem Institut für Kunststofftechnologie und -recycling (IKTR) vor Kurzem einen Förderbescheid über insgesamt 16,75 Millionen Euro überreicht. Mit den Mitteln soll dort ein Zentrum als Plattform für Wissens- und Technologietransfer sowie als Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft entstehen. Geplant sind laut den Berichten ein Technikum mit moderner Ausstattung, neue Labore sowie ein Konferenzzentrum für bis zu 80 Personen. Die Forschungsschwerpunkte lägen unter anderem im Kunststoffrecycling, Upcycling-Methoden, Flammschutzlösungen und „Design for Recycling“. Darüber hinaus werde das Zentrum Angebote für Unternehmen machen wie etwa Technologieentwicklung, Fördermittelberatung sowie Qualifizierung und Weiterbildung, heißt es in den Fachpresseberichten.
Quellen:
- Plasticker (19.9.2025)
- Welt, K-Zeitung, Recyclingmagazin (23.9.2025)
- kunststoffweb (24.9.2025)
Im Interview mit dem CHEManager spricht Dr. Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin des Verbands der Kunststoffhersteller, Plastics Europe Deutschland (PED), über die Lage der Kunststoffindustrie und die mit der bevorstehenden K 2025 verbundenen Erwartungen. Im Way2K-Interview des VDMA, das in Kunststoffe zu lesen ist, zeigt sich auch Manfred Hackl, CEO des Anlagenherstellers Erema, zuversichtlich, dass die K Messe in Düsseldorf eine positive Wirkung auf die wirtschaftliche Lage haben wird.
Zur Frage nach dem momentanen Stimmungsbild der Branche betont Dr. Bunte im Interview mit dem CHEManager, dass die Industrie entschlossen an Kreislaufwirtschaft und Klimaneutralität arbeite, aber die Wettbewerbsfähigkeit in Europa unter den aktuellen Standortbedingungen leide und es dringend Entlastung brauche. Ohne wirtschaftliche Perspektive sei die Transformation nicht möglich und ohne Transformation gebe es keine Zukunft für die Branche in Europa, so Bunte. Ihrer Ansicht nach sei eine strategische Neuausrichtung notwendig mit Fokus auf Innovation, Ressourceneffizienz und vernetzte Wertschöpfung – und ein politischer Rahmen, der die Umsetzung ermöglicht. Es gebe eine große Entschlossenheit zur Transformation, aber auch große Sorge, ob Europa rechtzeitig die Weichen stellt. Von der K 2025 als Weltleitmesse der Branche erhofft sich Bunte technologische, wirtschaftliche und politische Impulse. Unter anderem sei sie gespannt darauf, welche Fortschritte bei den Kreislauftechnologien gezeigt werden, etwa beim mechanischen und chemischen Recycling sowie bei Verfahren zur Gewinnung von Biomasse. Die Technologien für das Recycling als zentralem Teil eines künftigen geschlossenen Kreislaufs für Kunststoffe seien jedenfalls vorhanden, doch ohne klare politische Rahmenbedingungen werde sich der Kreislauf nur langsam schließen, so Bunte. Die zentrale Chance der K 2025 ist für Bunte, neue Technologien sichtbar und Fortschritte greifbar zu machen. Für besonders wegweisend in Bezug auf die Transformation zur Kreislaufwirtschaft halte sie neue KI-Anwendungen, deren Schlüsselrolle auch im Programm der Sonderschau „Plastics Shape the Future“ des PED aufgezeigt werden, ebenso wie Impulse junger Unternehmen durch den Start-up-Wettbewerb „Towards Zero“.
Im Way2K-Interview in Kunststoffe blickt Erema-Chef Manfred Hackl zur Frage nach der Lage der Branche ebenfalls positiv gestimmt auf die K 2025 und deren erhoffte Wirkung auf die Geschäfte der Unternehmen. Optimistisch stimme ihn auch, dass sowohl der Clean Industrial Deal der EU als auch der Green Deal sehr stark auf Kreislaufwirtschaft setzten. Zudem sei festzustellen, dass die großen Markenartikler ebenso wie die Verbraucher den Kunststoffkreislauf im Blick hätten, führt Hackl dort weiter aus. Zum Thema Wirtschaftlichkeit des Recyclings sagt Hackl, er wünsche sich anstelle einer Kunststoffsteuer eine CO2-Bonifikation für das Regranulat. Würde der positive CO2-Beitrag von Regranulat, der je nach Anwendung bei 25 bis 30 Prozent liege, entsprechend berücksichtigt, könnte das seiner Ansicht nach zur dringend benötigten Preisstabilität beitragen.
Quellen:
- Plasticker (19.9.2025)
- Welt, K-Zeitung, Recyclingmagazin (23.9.2025)
- kunststoffweb (24.9.2025)
Über 40 europäische Branchenverbände aus dem Verpackungssektor, darunter aus dem Kunststoffsektor Elipso, EPPA, EuPC, PET Europe und Plastics Europe, haben laut Euwid die EU-Kommission aufgefordert, das geplante Kreislaufwirtschaftsgesetz dafür zu nutzen, die Systeme der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) zu verbessern und den europäischen Markt für Sekundärrohstoffe zu stärken.
In ihrer gemeinsamen Erklärung fordern die Verbände aus den Bereichen Papier, Kunststoff, Stahl, Aluminium und Glas sowie Konsumgüter-, Möbel- und Handelsunternehmen laut Euwid unter anderem eine stärkere Harmonisierung der grundlegenden Prinzipien der EPR und schlagen „eine horizontale unmittelbar geltende EU-Verordnung über EPR“ vor. Diese Verordnung könne nach Ansicht der Verbände die unterschiedlichen Anforderungen in Bezug auf die EPR, die derzeit in verschiedenen Rechtsakten der EU bestehen, zusammenführen. Die Verbände betonen laut Euwid darüber hinaus, dass EPR-Gebühren wirksam in die Entsorgung von Verpackungsabfällen investiert und für technische Innovationen sowie Verbesserungen bei Sammlung und Recycling eingesetzt werden sollten. Um unnötige Belastungen für in der EU tätige Unternehmen zu verringern, sollten die Gesetzgeber zudem die Registrierungs- oder Genehmigungsverfahren, die von den unterschiedlichen EU-Abfallvorschriften gefordert werden, verschlanken und beschleunigen, berichtet Euwid aus der Erklärung. Schließlich betonten die Unterzeichner, dass das Kreislaufwirtschaftsgesetz die Grundlagen für mehr Transparenz und Überwachung bei der Verpackungsentsorgung schaffen und gleichzeitig Investitionen in Sammel-, Sortier- und Recyclinginfrastruktur steigern solle. Es biete eine „entscheidende Chance“, die Bewirtschaftung von Verpackungsabfall in Europa zu gestalten, zitiert Euwid aus der Erklärung.
Quelle:
- Euwid Recycling und Entsorgung 39/2025 (23.9.2025)
12.09.2025 - 18.09.2025
Die Abgabe auf nicht recycelte Kunststoffabfälle soll nach Plänen der EU-Kommission von 80 Eurocent auf einen Euro pro Kilogramm erhöht werden. Drei Verbände der europäischen Kunststoffindustrie, PETcore, Plastics Europe und EuPC, fordern laut Berichten der Fachpresse in einer gemeinsamen Mitteilung, die Abgabe auf dem aktuellen Niveau zu belassen und die Einnahmen in einen Fonds für die Kunststoffkreislaufwirtschaft umzuleiten.
Darüber hinaus sollte nach Ansicht der Verbände zu der im Jahr 2021 eingeführten EU-Plastikabgabe, die bislang primär der Schließung von Lücken im EU-Haushalt nach dem Brexit diene, eine umfassende Folgenabschätzung insbesondere in Bezug auf Fragen der Wettbewerbsfähigkeit erstellt werden, ist in Euwid zu lesen. Die geplante Erhöhung der Abgabe stelle für die Industrie eine zusätzliche Belastung dar, zitiert Euwid aus dem Schreiben der Verbände. Sie warnten davor, dass die Maßnahme zum jetzigen Zeitpunkt die bereits laufende Deindustrialisierung beschleunigen könne, und verwiesen auf massive aktuelle Wettbewerbsprobleme durch hohe Energiepreise, Arbeits- und Umweltkosten, die bereits zu Standortschließungen in der Kunststoffherstellung und -verarbeitung sowie im Kunststoffrecycling geführt hätten. Auch könnten Vorgaben aus Gesetzesinitiativen wie der EU-Verpackungsverordnung (PPWR), der Abfallrahmenrichtlinie, der neuen Altfahrzeugverordnung sowie der Ökodesignverordnung, die auf den Übergang zur Kreislaufwirtschaft abzielten, ohne eine langfristige, gezielte Finanzierung nicht realisiert werden, zitiert das Recyclingportal die Einschätzung der Verbände. Daher forderten sie, die EU-Plastikabgabe auf dem jetzigen Niveau zu belassen und die darüber eingenommenen Mittel über einen Fonds ausschließlich für Maßnahmen zur Förderung der Kunststoffkreislaufwirtschaft einzusetzen, etwa zur Förderung des Rezyklateinsatzes in der Kunststoffproduktion und für Investitionen in Sammlung und Sortierung.
Weitere Information: Externer Link zur Webseite von Plastics Europe, auf der die Mitteilung der Verbände in englischer Sprache zum Download angeboten wird
Quellen:
- euwid-recycling.de, recyclingportal.eu (16.9.2025)
Tages- und Fachmedien berichten über Pläne der Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die Wende zur Abkehr von fossilen Energien neu auszurichten. Dazu habe Reiche bei der Vorstellung eines Monitoringberichts einen 10-Punkte-Plan vorgelegt, mit dem die Kosten der Energiewende gesenkt werden sollen. Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), habe unter anderem begrüßt, dass die Bezahlbarkeit wieder eine zentrale Rolle spiele.
Mit den von Reiche präsentierten zehn „Schlüsselmaßnahmen“ solle auf den Markt, Innovationen und Technologievielfalt gesetzt werden, wird die Ministerin unter anderem in einem Bericht der Tagesschau zitiert. Erneuerbare Energien wolle sie „markt- und systemdienlich“ fördern, bestehende Förderungen prüfen, Subventionen systematisch reduzieren. Die fixe Einspeisevergütung für neue Solaranlagen etwa solle abgeschafft und der Ausbau von Offshore-Windkraftanlagen gedrosselt werden, ist auch in einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zu lesen. Reiche wolle zudem Technologie zur Abscheidung und Einlagerung von Kohlendioxid, das sogenannte Carbon Capture and Storage (CCS), auch in der Energieproduktion einsetzen und diese „als Klimaschutztechnologie etablieren“. CCS-Technologie halte Reiche für unverzichtbar für die Dekarbonisierung, zitiert die FAZ die Ministerin. Allerdings steckten die Verfahren noch in den Kinderschuhen und seien bislang sehr teuer, schreibt die FAZ. VCI-Hauptgeschäftsführer Große-Entrup begrüßt Reiches Pläne, wie auch in einem Bericht des Fachmagazins Process zu lesen ist. Die Ministerin habe nach seiner Einschätzung zehn richtige Schlüsselmaßnahmen vorgelegt, diese müssten jedoch schnell konkretisiert und umgesetzt werden. Auch der Industrieverband BDI lobt Reiches Pläne für ein deutlich effizienteres Energiesystem, berichtet unter anderem der MDR. Bedenken habe dagegen Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) geäußert und warne vor einer Drosselung beim Ausbau erneuerbarer Energien. Es dürften keinesfalls Hürden bei der Versorgung mit erneuerbarer Elektrizität für Industrie, Verkehr und Wärme aufgebaut werden, so Schneider.
Quellen:
- Tagesschau, MDR, FAZ (15.9.2025)
- process.vogel.de (16.9.2025)
- euwid-recycling.de (17.9.2025)
Ein Team der Universität Kopenhagen hat Medienberichten zufolge ein Material namens BAETA entwickelt, das in einem chemischen Verfahren aus PET-Abfällen gewonnen wird und zur Abscheidung von Kohlendioxid eingesetzt werden kann. Euwid berichtet über die Entwicklung des Kunststoffs „Inga“ des finnischen Unternehmens NG Nordic. Der Kunststoff werde vollständig aus Kohlendioxid hergestellt, das bei der Abfallverbrennung abgeschieden wurde.
Das von den Forschenden aus Kopenhagen entwickelte Material „BAETA“ entsteht durch den chemischen Prozess Aminolyse, berichtet unter anderem der Focus. Dabei werde gebrauchtes PET mit Ethylendiamin behandelt, so dass es unter kontrollierten Bedingungen in kleinere Bausteine zerfalle, aus denen sich dann das neue Material bilde. Die poröse Struktur und die veränderte Oberfläche des Stoffes sorgten dafür, dass er besonders gut Kohlendioxid binden könne - sowohl aus der Luft als auch aus Industrieabgasen. Aus einem Kilogramm PET-Abfall haben die Forscher laut Focus in einem Pilotversuch rund 800 Gramm des neuen Materials gewonnen. Es bleibe selbst unter oxidativen Bedingungen stabil und lasse sich zu Pellets pressen. Als Rohstoff zur Gewinnung von BAETA eigneten sich insbesondere PET-Abfälle aus den Meeren, wird Studienleiterin Margarita Poderyte im Focus zitiert. Diese wären eine wertvolle Ressource, da sie mit der Methode besonders gut zum Upcycling geeignet seien, so Poderyte. Das Material könne also wirtschaftliche Anreize schaffen, die Ozeane von Plastik zu befreien.
Kohlendioxid aus der Abfallverbrennung nutzt das finnische Unternehmens NG Nordic für die Herstellung seines Kunststoffs mit dem Markennamen „Inga“, berichtet Euwid. „Inga“ sei laut NG Nordic der weltweit erste biologisch abbaubare Kunststoff, der vollständig aus CO2 hergestellt werde. Der Kunststoff sei nach Angaben des Unternehmens vielseitig einsetzbar, etwa für Verpackungen in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie, Elektroinstallationsprodukte oder für Spielwaren. Das Material sei leicht zu verarbeiten und eigne sich für gängige Verfahren wie Extrusion, Spritzguss und Dispersionsbeschichtung. Nach Angaben von NG Nordic sollen in Kooperation mit der finnischen Sparte des Schweizer Energie- und Technikkonzerns ABB Lichtschalter und Steckdosen aus dem CO2-basierten Kunststoff zur Marktreife gebracht werden, berichtet Euwid weiter. Die Markteinführung erster Produkte sei in den kommenden Jahren geplant.
Quellen:
- Focus Online, Energiezukunft, Techno Science (12.9.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 39/2025 (16.9.2925)
05.09.2025 - 11.09.2025
Laut Berichten der Fachpresse hat das Europäische Parlament (EP) am Dienstag per Abstimmung seine Position zur geplanten EU-Altfahrzeugverordnung (ELVR) für die Trilog-Verhandlungen mit Rat und Kommission festgelegt. Verbände der Kunststoff- und Recyclingindustrie kritisieren vor allem die im Unterschied zu den ursprünglichen Kommissionsvorschlägen geänderten niedrigeren Vorgaben für den Rezyklatgehalt von Fahrzeugteilen aus Kunststoff.
Das Parlament stimmte für einen Mindestanteil an Recyclingkunststoff in Neuwagen von 20 Prozent innerhalb von sechs Jahren nach Inkrafttreten der Vorschriften, berichten das Recyclingportal und Euwid. Zudem sollen laut den Berichten für die Quote auch Produktionsabfälle statt ausschließlich Post-Consumer-Material angerechnet werden können. In zehn Jahren sollen Hersteller dann das von der Kommission vorgeschlagene Ziel von mindestens 25 Prozent recyceltem Kunststoff erreichen müssen, sofern ausreichend Recyclingmaterial zu angemessenen Preisen verfügbar sein wird. Das Parlament stimmte den Berichten zufolge des Weiteren für die Einführung der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) für Fahrzeuge drei Jahre nach Inkrafttreten der neuen Verordnung. Damit würden Automobilhersteller verpflichtet, die Kosten für die Sammlung und Behandlung von Fahrzeugen zu tragen, die das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben.
In einer kurzen Stellungnahme bei LinkedIn betont der Verband der europäischen Kunststoffhersteller Plastics Europe die Bedeutung ehrgeiziger Ziele für die Transformation der europäischen Kunststoffindustrie sowie des Automobilsektors und weist darauf hin, dass ein 25-Prozent Rezyklatziel in Neufahrzeugen Investitionen freisetzen, Kreislauflösungen skalieren und die Wettbewerbsfähigkeit Europas steigern würde. Plastics Europe fordert den Gesetzgeber auf, den Moment zu nutzen, um Europas Führungsrolle bei nachhaltiger Mobilität und Materialien zu sichern. Dazu zähle für Plastics Europe auch die Einbeziehung von biobasierten Kunststoffen, die das Parlament nicht vorgesehen habe. Der Dachverband der europäischen Recycler Euric bewertet nicht nur die Senkung des geplanten Mindestrezyklatgehalts als äußerst bedauerlich, berichtet Euwid, sondern auch die vom Parlament vorgesehene Möglichkeit, dabei Produktionsabfälle und Elastomere anzurechnen. Mit Blick auf die anstehenden Trilog-Verhandlungen fordere Euric Parlament und Rat auf, ehrgeizigere Ziele zu setzen und Schlupflöcher, wie es sie für Importe aus Drittländern gebe, zu schließen. Die Kritik der Föderation der Europäischen Entsorgungswirtschaft (FEAD) bezieht sich laut Euwid ebenfalls auf die geplanten Vorgaben zum Rezyklateinsatz. Der Verband rufe die Verhandlungsführer von Parlament und Rat ebenfalls dazu auf, einen höheren Rezyklatanteil sowie kürzere Fristen beizubehalten.
Quellen:
- Euwid Recycling und Entsorgung 37/2025, LinkedIn Post von Plastics Europe (9.9.2025)
- Recyclingportal, euwid-recycling.de (10.10.2025)
Die Fachpresse berichtet über ein breites Bündnis von Verbänden und Organisationen der europäischen Kunststoffwertschöpfungskette, das in einem gemeinsamen Schreiben an Ursula von der Leyen und weitere Spitzenvertreter der EU sofortiges Handeln fordert. In Deutschland plädieren Entsorgerverbände Medienberichten zufolge ebenfalls für schnelles Handeln der Politik: So haben der BDE und VBS ein Sofortprogramm Kreislaufwirtschaft vorgestellt, das die Umsetzung der nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) der Bundesregierung beschleunigen soll.
Verbände der europäischen und deutschen Kunststoffindustrie und Recyclingwirtschaft, darunter Plastics Europe, European Plastics Converters (EuPC), Plastics Recyclers Europe (PRE), VinylPlus und aus Deutschland der bvse Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung sowie der Verband Technische Kunststoff-Produkte TecPart, warnen laut Fachpresseberichten in einem Brandbrief vor einem tiefgreifenden Strukturbruch und fordern dringende Maßnahmen zur Schaffung gleicher Wettbewerbsbedingungen. Die europäische Kunststoff-Wertschöpfungskette befinde sich an einem Wendepunkt. Eine tiefe Wettbewerbskrise ersticke die Branche, es zeichneten sich bereits jetzt schwerwiegende Folgen für den gesamten Sektor ab, zitieren die Fachmedien aus dem gemeinsamen Brief der 28 führenden Akteure der europäischen Wertschöpfungskette. In dem Schreiben seien sechs strategische Empfehlungen aufgeführt mit Maßnahmen, die sich gegen Billigimporte, steigende Energiekosten, Rechtsunsicherheit sowie Verwaltungsaufwand richten und für eine regulatorische Harmonisierung sorgen sollen.
Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft und der VBS Verband der Bayerischen Entsorgungsunternehmen haben am Mittwoch ein Eckpunktepapier an Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) übergeben, berichten das Recyclingmagazin und Euwid. Mit dem Sofortprogramm aus neun priorisierten Handlungsfeldern wollen die beiden Verbände den Minister demnach in die Lage versetzen, beim Hochlauf der Kreislaufwirtschaft und der Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) schneller voranzukommen. Zu den aufgelisteten Handlungsfeldern zählen unter anderem Design for Recycling und faire Wettbewerbsbedingungen für Kunststoff(rezyklate), Bürokratieabbau und Digitalisierung sowie Wettbewerbsfähigkeit und Dekarbonisierung.
Weitere Informationen:
Quellen:
- mehrere Berichte Euwid Recycling und Entsorgung 37/2025 (9.9.2025)
- Plasticker, K-online (5.9.2025)
- Recyclingmagazin, euwid-recycling.de (10.9.2025)
Im Interview mit der K-Zeitung sprachen der frühere Geschäftsführer des Branchenverbands VinylPlus Deutschland, Thomas Hülsmann, und sein Nachfolger Dr. Alexander Kronimus über Vorteile des Materials, Anwendungen sowie jüngste Erfolge beim Pharmpack-Projekt, das als europäisches Projekt initiiert wurde, um Verbesserungen in der Kreislauffähigkeit anzustoßen.
Thomas Hülsmann, langjähriger Vinyl Plus-Chef und inzwischen im Ruhestand, weist im Interview mit der K-Zeitung auf die Bereiche hin, in denen PVC klarer Marktführer sei: Das Material sei in der Bauindustrie und im Gesundheitswesen wie bei Pharmaverpackungen, aber auch bei Medizingeräten und Medizinprodukten prominent vertreten. Als Beispiele nennt er Blutbeutel, Schläuche und Beatmungsmasken sowie Blisterverpackungen. Sein Nachfolger Dr. Alexander Kronimus betont die Vorteile der Alu-Blisterverpackungen, die im Pharmabereich unübertroffene Barriereeigenschaften hätten, so dass Medikamente darin steril, hygienisch, lange haltbar und sicher verpackt seien. Auch in diesem Bereich gibt es, so Kronimus, mittlerweile für das Recycling Lösungsansätze wie das Pharmpack-Projekt, mit dem es gelungen sei, den Verbund aus Aluminium und PVC lösungsmittelbasiert sauber zu trennen und die daraus resultierenden Materialfraktionen dem Recycling zuzuführen. Die Sammlung von solchen Post-Consumer-Pharmaverpackungen ist, wie Kronimus einräumt, anspruchsvoll, sei aber im Pharmpack-Projekt über die Kooperation mit einer Krankenhausapotheke erfolgreich erprobt worden. Darüber hinaus, ergänzt Kronimus, werden PVC-Pharma-Verpackungen, die im Herstellungsprozess als Produktionsabfälle anfallen, bereits seit vielen Jahren werkstofflich zu PVC-Rezyklaten recycelt. Als weitere Bereiche, in denen auf das Material kaum verzichtet werden kann, nennt Kronimus an erster Stelle den Baubereich, wo etwa drei Viertel der gesamten PVC-Produktion etwa zur Herstellung von Energiesparfenstern, Dachbahnen, Verkabelung oder Rohren zum Beispiel für die Abwasserentsorgung genutzt werden. Recycling-PVC habe sich zudem zur Herstellung von Bakenfüßen, den Platten unter den Warnbaken und Baustellenschildern, hervorragend bewährt, sagt Kronimus. Aufgrund seiner Eigenschaften - robust, langlebig, flexibel – werde PVC eben in vielen Bereichen weiterhin vorrangig eingesetzt.
Quelle:
- K-Zeitung (5.9.2025)
29.08.2025 - 04.09.2025
Das Umweltbundesamt (UBA) hat in einem Diskussionspapier Leitplanken für die künftige Kreislaufwirtschaftspolitik vorgelegt, berichtet Euwid. Diese sollen sowohl die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) der Bundesregierung als auch europäische Vorhaben wie den angekündigten „Circular Economy Act“ unterstützen. Vorschläge zur Verbesserung der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) kommen laut Euwid von der Europäischen Stakeholder-Plattform für Kreislaufwirtschaft (European Circular Economy Stakeholder Platform, ECESP). Ein neu gegründeter europäischer Branchenverband für Produzentenverantwortungsorganisationen (PROs), die „Pro Circularity Alliance“, will laut Berichten der Fachpresse aktiv zur politischen Debatte um Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung in Europa beitragen.
Im Fokus des UBA-Papiers stehe eine stärkere Einbindung von Recycling, Herstellerverantwortung und Konsumverhalten in eine Gesamtstrategie, in der zirkuläres Wirtschaften als systemische Querschnittsaufgabe verankert ist, ist in Euwid zu lesen. Recycling bleibe dabei ein zentrales Element, werde aber klar in die Hierarchie von Abfallvermeidung, Wiederverwendung und längerer Produktnutzung eingeordnet. Vor allem im Kunststoffsektor, wo das werkstoffliche Recycling gegenüber chemischem Recycling klar Vorrang haben solle, sehe das UBA Handlungsbedarf. Zur Umsetzung der Kreislaufwirtschaftspolitik schlage das Diskussionspapier einen breiten Instrumentenmix vor, der unter anderem Vorgaben zum Produktdesign, Quoten und Verbote, Förderprogramme für Recyclingtechnologien, aber auch den Abbau von Subventionen vorsehe, die eine lineare Wirtschaft fördern. Ein weiterer Schwerpunkt des Papiers liege auf der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR), die nach Ansicht des UBA über Rücknahmepflichten hinaus eine Verantwortung für Produkte über den gesamten Lebenszyklus umfassen solle. Dazu schlage das Amt verbindliche Designvorgaben, die Vermeidung von Verbundmaterialien, Rezyklateinsatzquoten sowie die Einführung eines digitalen Produktpasses vor.
Vorschläge zur Verbesserung der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) in Europa hat die von der EU-Kommission und vom Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) getragene Initiative ECESP vor Kurzem in einem Weißbuch vorgelegt, berichtet Euwid an anderer Stelle. Diese zielten darauf ab, die am Lebensende von Produkten anfallenden Kosten wirkungsvoller als bisher auf die Inverkehrbringer zu übertragen. Dazu würden unter anderem eine wirksame Öko-Modulation, die strengere Bekämpfung von Trittbrettfahrern sowie mehr Transparenz bei Ausschreibungen vorgeschlagen. Auch die Steuerung der EPR-Systeme stehe im Fokus. Bislang seien Akteure entlang der Wertschöpfungskette zu wenig eingebunden. Damit Öko-Modulation und andere Lenkungsinstrumente greifen, brauche es klare, von Abfallwirtschaft, Recyclern und NGOs gemeinsam entwickelte Kriterien, zitiert Euwid aus dem Weißbuch der ECESP.
Ein neuer europäischer Branchenverband für erweiterte Herstellerverantwortung, die PRO Circularity Alliance, hat laut Berichten der Fachpresse diese Woche seine Arbeit aufgenommen. Die Allianz vereint erstmals Organisationen der Produzentenverantwortung (PROs) aus verschiedenen Produktströmen. Durch die Zusammenarbeit sollen gemeinsame Standards entwickelt, Effizienzpotenziale gehoben und der Beitrag von PROs zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft gestärkt werden, heißt es in den Berichten weiter. Am 15. September 2025 soll in Frankfurt das erste offizielle Treffen des Verbandes stattfinden. Zu den Gründungsmitgliedern der Allianz zählten unter anderem das deutsche Batterierücknahmesystem GRS Service GmbH und die Reclay Holding GmbH.
Weitere Information:
-
Externer Link zur Webseite der ECESP, auf der das Weißbuch "EPR Schemes" zum Download angeboten wird
Quellen:
- zwei Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 36/2025 (2.9.2025)
- Recyclingportal, euwid-recycling.de (3.9.2025)
Laut Berichten in der Fachpresse fordert der Verband der europäischen Kunststoffrecycler (Plastics Recyclers Europe, PRE) angesichts einer Welle von Betriebsschließungen die Politik zum Handeln auf, um die Nachfrage nach EU-Rezyklaten zu stabilisieren und einen weiteren Kapazitätsrückgang zu verhindern. Als Gründe für die Entwicklung nenne der Verband Niedrigpreisimporte, überbordende Bürokratie, sinkende Nachfrage und steigenden Kostendruck.
Nach Angaben des PRE sei zwischen Januar und Juli 2025 fast so viel Recyclingkapazität verloren gegangen wie im gesamten Jahr 2024 und dreimal so viel wie im Jahr 2023. Besonders betroffen von dieser Entwicklung seien die Niederlande, Deutschland und das Vereinigte Königreich. Der Verband warne, dass ein weiterer Rückgang die Kreislaufwirtschaft in Europa erheblich zurückwerfen und die Erreichung der Klimaziele gefährden könnte. PRE fordere daher dringend Gegenmaßnahmen wie etwa die Einführung von Handels- und Marktschutzinstrumenten, Zollkontrollen, einheitliche Regeln für die erweiterte Produzentenverantwortung (EPR) sowie die konsequente Durchsetzung von Zertifizierungen und Sanktionen bei nicht EU-konformen Materialien. Darüber hinaus müsse der Zugang zu kostengünstiger, sauberer Energie erleichtert und bürokratische Auflagen bei Genehmigungsverfahren abgebaut werden. Auch gezielte Investitionsanreize seien notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche wiederherzustellen, geben Fachmedien die Forderungen des Verbands wieder.
Quellen:
- Packaging Journal (29.8.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 36/2025 (2.9.2025)
In einem Interview mit dem Fachmagazin K-Profi über die aktuellen Herausforderungen für Hersteller technischer Teile geht Michael Weigelt unter anderem auch auf aktuelle Entwicklungen im Bereich der Normung und deren Bedeutung für die Branche ein. Der Geschäftsführer des TecPart – Verband Technische Kunststoffprodukte ist gleichzeitig Vorsitzender des Fachnormenausschusses Kunststoff (FNK) im Deutschen Institut für Normung (DIN) sowie Mitglied im Strategieausschuss für Standardisierung im Bundeswirtschaftsministerium.
Strategische Normen geben laut Weigelt mehr und mehr die Richtung der Technologieentwicklung vor. Deutschland sei über das Deutsche Institut für Normung (DIN) noch in zahlreichen internationalen Normungsgremien vertreten und setze dort wichtige Standards. Doch fehle es derzeit an wirtschaftspolitischer und finanzieller Unterstützung, um die Normungsarbeit wirksam fortzuführen, bei der es oft auch um Querschnittsthemen wie Kreislaufwirtschaft und Rezyklate gehe. Weigelt ruft die Kunststoffverarbeiter daher auf, sich vermehrt in die Normungsarbeit einzubringen. Denn auch die europäische Legislative setze auf Normung als Grundlage für Verordnungen, sagt Weigelt. Er ist überzeugt, dass Standards am besten die Europäer setzen sollten. TecPart sieht Weigelt dabei gut aufgestellt mit Hinweis auf seinen Kollegen Frank Stammer, der mit der Normung in wichtigen nationalen wie europäischen Gremien bis hinein in die EU-Kommission befasst ist. Zukünftige Entwicklungen, internationale Prozesse im Bereich Normung sowie die Reform der Normungsverordnung werden laut Weigelt auch Thema auf der Jahrestagung des TecPart am 18. September in Heilbronn sein.
Quelle:
- K-Profi 9/2025
23.08.2025 - 28.08.2025
Die Europäische Kommission hat im Juli einen Entwurf für einen Durchführungsbeschluss zur Umsetzung der Einwegkunststoffrichtlinie (SUPD) vorgelegt. Er soll europaweit Vorgaben zur Berechnung, Überprüfung und Berichterstattung für den Rezyklatanteil in Einweg-Getränkeflaschen festlegen. Außerdem beinhaltet er einen Vorschlag zur Berechnung der Anteile des chemischen Recyclings. Die Fachpresse berichtet über Stellungnahmen von Verbänden der Kunststoff-, Chemie-, Recycling- und Entsorgungsindustrie.
Vor allem die „fuel excluded“-Methode zur Massenbilanzierung der Rezyklatanteile aus dem chemischen Recycling wird laut den Medienberichten von den Verbänden sehr unterschiedlich gesehen. Nach dem Vorschlag der Kommission können alle Inputmengen auf die Rezyklatquote für Kunststoffprodukte angerechnet werden, die nicht für Kraftstoffe genutzt werden. Von der Industrie geteilte Kritikpunkte betreffen den Einbezug von Importabfällen sowie unklare Definitionen im Entwurf. Während das mechanische Recycling klar beschrieben sei, fehle eine entsprechende Definition des chemischen Recyclings, so die Kritik aller Verbände. Damit bleibe unklar, welche Verfahren zugelassen sind und in welchem Umfang Produkte angerechnet werden können. Auch sehen die Verbände in dem vorgelegten Entwurf zum Durchführungsbeschluss einen Präzedenzfall für weitere EU-Regelungen wie die Verpackungsverordnung (PPWR), die Ökodesign-Verordnung (ESPR) und die Altfahrzeugverordnung (ELVR) und fordern laut Euwid und anderem, künftige Vorgaben technologieoffen zu gestalten, Investitionen in Recyclingkapazitäten anzureizen und für einheitliche Wettbewerbsbedingungen in Europa zu sorgen.
Kunststoffverarbeiter befürworten Vorschlag zur Massenbilanzierung
Die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK) begrüßt nach den Medienberichten ausdrücklich den vorgeschlagenen Massenbilanzansatz. Dieser lasse eine flexible Zuordnung von Rezyklatanteilen zu und verbessere die Wirtschaftlichkeit des chemischen Recyclings. Auch trage er dazu bei, die laut einer aktuellen Studie der Conversio Market & Strategy GmbH in der EU zu erwartende Rezyklatlücke von 0,8 bis 3,5 Millionen Tonnen Post-Consumer-Rezyklat (PCR) zu verringern, erläutere der Verband (s.u. weitere Informationen). Zugleich mahne die IK aber an, das mechanische Recycling nicht zu benachteiligen, und schlage vor zu erlauben, dass Rezyklatmengen zwischen Produkten derselben Polymerart flexibel verrechnet werden können, um die Wirtschaftlichkeit zu verbessern und einen fairen Wettbewerb zwischen den Technologien sicherzustellen, heißt es in den Berichten weiter. Ein zentrales Anliegen des Verbands der Europäischen Kunststoffverarbeiter (EuPC) sind laut den Medienberichten gleiche Bedingungen im internationalen Wettbewerb. Für Importe von Kunststoffprodukten müssten dieselben Anforderungen gelten wie für EU-Ware, so die Forderung.
Verbände der chemischen Industrie betonen Bedeutung der Pyrolyse
Der Wirtschaftsverband der Europäischen chemischen Industrie Cefic und der VCI Verband der Chemischen Industrie in Deutschland unterstützen laut Medienberichten grundsätzlich den „fuel-use excluded“-Ansatz der Europäischen Kommission. Cefic und VCI drängten nun auf eine schnelle Verabschiedung des Rechtsaktes, um Investitionssicherheit zu schaffen. Beide Verbände betonten die Bedeutung der Pyrolyse für das chemische Recycling und kritisierten, dass der aktuelle Entwurf die Nutzung vorhandener Raffinerien für die Mitverarbeitung und Aufbereitung von Pyrolyseöl einschränke. Dies zwinge die Industrie zu zusätzlichen Investitionen in neue Anlagen, was die Wettbewerbsfähigkeit schwäche.
Recycling- und Entsorgungsverbände sehen erheblichen Nachbesserungsbedarf
Die Branchenverbände BDE, bvse, VBS und VOEB dagegen kritisieren nach Berichten in den Fachmedien insbesondere die „fuel excluded“-Methode zur Massenbilanzierung, weil sie ermögliche, Mengen als recycelt anzurechnen, die in andere chemische Produkte oder oder sogenannte Dual-Use-Substanzen fließen, die sowohl zur Kunststoffproduktion als auch zu Brennstoffen weiterverarbeitet werden können. Darin sehen die Verbände die Gefahr der Irreführung der Verbraucher, des Greenwashings sowie Wettbewerbsnachteile für das mechanische Recycling. Sie fordern laut den Berichten eine rechtsverbindliche Regelung für den Vorrang des mechanischen Recyclings sowie die Anwendung der sogenannten „polymers only“-Methode, die nur in Kunststoffe zurückgeführte Anteile berücksichtigt und nach Ansicht der Verbände spätestens ab 2030 verbindlich werden sollte. Weiter heißt es, dass die Verbände darauf drängen, die bisherige Definition von Post-Consumer-Abfällen beizubehalten und diese nicht auf Materialien aus Drittstaaten zu erweitern. Dies gefährde unter anderem Materialqualität und Kreislaufwirtschaft, so ihre Einschätzung.
Weitere Information:
- Externer Link zur Webseite "Ihre Meinung zählt" der EU-Kommission, auf der Entwurf und Anhang für den SUPD-Durchführungsbeschluss zum Download angeboten werden
- Link zur Conversio-Studie im Auftrag der BKV „Status quo und Prognose des Bedarfs und der Verfügbarkeit von Post-Consumer-Rezyklaten im Jahr 2030“
Quellen:
- Circular Economy (25.8.2025)
- mehrere Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 35/2025, Recyclingmagazin (26.8.2025)
- Recyclingportal (28.8.2025)
Tages- und Fachmedien berichten über aktuelle Studien und Entwicklungen zu Kunststoffen in der Umwelt. Die Beiträge reichen von einer Studie zu den in Kunststoffen enthaltenen Chemikalien über ein Hydrogel, dass Mikroplastik abbauen soll, bis hin zu einem neuen Ansatz für ein KI-gestütztes System zum Monitoring von Mikroplastik in der Umwelt.
So berichtet die Tagesschau über die Ergebnisse einer im Fachmagazin Nature veröffentlichten internationalen Studie, wonach in Kunststoffen über 16.000 verschiedene Chemikalien identifiziert wurden. Viele der Inhaltsstoffe würden laut der Studie Risiken für Mensch und Umwelt bergen oder seien nicht einmal bekannt. Studienautorin Jane Muncke halte es daher für sinnvoll, die verschiedenen chemischen Substanzen und Materialien zu beschränken. Auch ließen sich die vielen Zusatzstoffe beim Recyclingprozess nicht wieder herausfiltern, wird Michael Braungart, Professor für Öko-Design an der Leuphana-Universität Lüneburg, zitiert. Der Wissenschaftler setzt sich laut Tagesschau daher für eine Reduktion auf vier oder fünf Kunststoffsorten ein. Für die Industrie sei die aus wissenschaftlicher Sicht sinnvolle Reduktion der Inhaltsstoffe jedoch mit einigem Aufwand verbunden, wird Braungart im Bericht der Tagesschau zitiert.
Das Fachmagazin Konstruktionspraxis berichtet über die Entwicklung eines Forschungsteams am Institut für Anorganische Chemie (ACI) der Leibniz Universität Hannover (LUH). Das Team hat demnach ein Hydrogel entwickelt, das in der Lage sein soll, Mikroplastikpartikel aus Gewässern abzubauen. Das Hydrogel sinke im Wasser zunächst zu Boden, wo es dann aufquelle und Mikroplastikpartikel aufnehme. Durch chemische Prozesse entstehe Sauerstoff, der das Gel samt der Partikel an die Wasseroberfläche steigen lasse. Sobald das Material an der Oberfläche mit Licht in Kontakt komme, produziere das Gel Sauerstoffradikale, die das Plastik zu Kohlendioxid und Wasser zersetzen. Danach sinke das Gel wieder zu Boden und der Prozess beginne erneut. Bislang sei das Gel ein Prototyp, die ersten Tests im Labormaßstab seien nach Angaben des Forschungsteams jedoch vielversprechend.
Das Wissenschaftsmagazin LABO stellt in einem Fachartikel einen neuen Ansatz für ein kontinuierliches Mikroplastik-Monitoring durch ein KI-gestütztes System des Bayreuther Unternehmens Zaitrus vor. Die in dem Verfahren eingesetzte Kombination von Impedanzmessungen mit KI-gesteuerten Lernalgorithmen, die sogenannte Machine Learning Enhanced Impedance Spectroscopy (MLEIS), ermögliche erstmals die automatisierte Auswertung komplexer Messdaten zur Charakterisierung von Mikroplastikpartikeln nach Menge, Größe und Materialzusammensetzung. Basierend auf dieser eigens entwickelten Technologie habe Zaitrus ein System für die Echtzeit-Überwachung von Mikroplastik in Verbindung mit einem speziellen Sensordesign entwickelt. Das System arbeite dauerhaft, wartungsarm, brauche keine durchgängige Personalbetreuung und liefere kontinuierlich digitale Messwerte in Echtzeit an standardisierte Schnittstellen. Die Technologie sei in Pilotanwendungen erfolgreich getestet und ihre praktische Anwendbarkeit für industrielle sowie umwelttechnische Monitoring-Aufgaben nachgewiesen worden.
Quellen:
- Tagesschau, konstruktionspraxis.vogel.de (26.8.2025)
- LABO (27.8.2025)
15.08.2025 - 22.08.2025
Europäische und deutsche Verbände der Kunststoff- und Recyclingindustrie bedauern laut Berichten von Tages- und Fachmedien, dass bei den Verhandlungen in Genf keine Einigung über einen Vertragstext für ein globales Abkommen erreicht wurde. Gescheitert sei es erneut vor allem am Widerstand der ölproduzierenden Staaten, die eine Begrenzung der Kunststoffherstellung weiterhin ablehnen und sich weitgehend auf ein besseres Abfallmanagement beschränken wollen.
Wie es nun weiter geht, ist laut den Berichten noch weitgehend unklar. Wesentliche Streitpunkte waren neben den umstrittenen Obergrenzen für die Produktion von Kunststoffen der Umgang mit bedenklichen Chemikalien in Kunststoffprodukten sowie Finanzierungsfragen, schreibt etwa die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Mehr Zeit und weitere Verhandlungen brauche es aus Sicht des Umweltstaatssekretärs Jochen Flasbarth, berichtet unter anderem Agence France Press (AFP). Deutschland und die Partner in der Europäischen Union seien weiterhin gewillt, für das Abkommen Brücken zu bauen, wird Flasbarth, der sich zudem für eine bessere Organisation der Verhandlungen ausgesprochen hat, auch in der Zeit zitiert. Im Newsroom Kunststoffverpackungen ist zu lesen, dass die Industrieinitiative „Wir sind Kunststoff“ – angeführt vom GKV Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie und seinen vier Trägerverbänden sowie dem Herstellerverband Plastics Europe Deutschland (PED) und dem VDMA Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen – sich ebenfalls für einen Neustart des Prozesses mit „einer Fokussierung auf wirksame und akzeptierte Maßnahmen“ einsetze. Aus Sicht der Initiative brauche es ein Abkommen, das den schnellen und konsequenten Ausbau der globalen Abfallwirtschaft sowie Kreislaufsysteme für Kunststoffe ins Zentrum rückt. Die Vermüllung der Meere und der Umwelt mit Plastik sei ein globales Problem und brauche globales Handeln, das Abfallmanagement, Kreislaufwirtschaft und nachhaltiges Produktdesign beinhalten müsse, lautet laut Newsroom Kunststoffverpackungen ein gemeinsames Statement der Vertreter der Initiative, Dr. Christine Bunte (PED), Dr. Martin Engelmann (GKV) und Thorsten Kühmann (VDMA). Ähnlich sehen es auch die europäischen Kunststoffhersteller, ist etwa bei AFP und ntv zu lesen. Man begrüße die Entscheidung und den politischen Willen, die Gespräche fortzuführen und einen globalen Konsens mit geeigneten Rahmenbedingungen zu schaffen, wird dort Virginia Janssens, Managing Director von Plastic Europe, zitiert. Die Recycling- und Entsorgerbranche sieht nach dem Scheitern der Genfer Verhandlungen die Bundesregierung und die EU in der Pflicht, insbesondere bessere Rahmenbedingungen für das Kunststoffrecycling zu schaffen, berichten die FAZ, Euwid, das Recyclingportal und das Recyclingmagazin. So forderten der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft und der europäische Entsorgerverband FEAD, die steuerliche Bevorzugung fossiler Rohstoffe in der Kunststoffproduktion abzuschaffen sowie die Abgaben der EU-Staaten an Brüssel für nicht recycelte Kunststoffverpackungen in Investitionen für das Kunststoffrecycling umzulenken.
Quellen:
- Tagesschau, ntv, FAZ, AFP, Zeit (15.8.2025)
- Newsroom Kunststoffverpackungen (16.8.2025)
- Recyclingportal, Recyclingmagazin (18.8.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 34/2025 (19.8.2025)
Ein OECD-Bericht zeigt laut Euwid, dass strengere politische Regelungen die Plastikverschmutzung in Südost- und Ostasien bis 2050 um mehr als 95 Prozent reduzieren könnten. Maßnahmen über den gesamten Lebenszyklus in dieser Region könnten den Berechnungen der OECD zufolge die regionalen Recyclingquoten steigern und die unsachgemäße Entsorgung von Abfällen nahezu vollständig unterbinden.
Länder in Südost- und Ostasien spielen nach Ansicht der Autoren des Berichts „Regional Plastics Outlook for Southeast and East Asia” der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eine zentrale Rolle für die globalen Bemühungen zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung durch unsachgemäß entsorgte Kunststoffabfälle, berichtet Euwid. Demnach haben diese Staaten einen erheblichen Anteil an der Weltwirtschaft, nehmen eine bedeutende Position in den Wertschöpfungsketten für Kunststoffe ein und verzeichnen eine schnell steigende Nachfrage nach Kunststoffen. Der Bericht bezieht sich laut Euwid auf die vereinigten südostasiatischen Mitgliedstaaten (ASEAN) sowie die drei Länder China, Japan und Südkorea. Aus der Analyse geht hervor, dass in dieser Region im Jahr 2022 rund 152 Millionen Tonnen Kunststoffe verbraucht wurden und fast 8,5 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle in die Umwelt gelangt sind. Damit entfalle auf die Länder fast ein Drittel des globalen Verbrauchs und mehr als ein Drittel der unkontrolliert in der Umwelt „entsorgten“ Plastikabfälle, zitiert Euwid aus dem Bericht. Bei einem Szenario ohne Maßnahmen geht die OECD davon aus, dass der Verbrauch in der Region bis 2050 etwa 280 Millionen Tonnen Kunststoffe pro Jahr erreichen dürfte und die Kunststoffverschmutzung um fast 70 Prozent auf rund 14 Millionen Tonnen pro Jahr ansteigen würde. In einem Szenario mit stringenten politischen Maßnahmen über den gesamten Lebenszyklus von Kunststoffen würde laut den Berechnungen der OECD hingegen der Verbrauch um fast 30 Prozent sinken, die regionalen Recyclingquoten würden sich mit rund 55 Prozent mehr als vervierfachen, und die unsachgemäße Entsorgung in der Region würde bis 2050 fast vollständig unterbunden. Mit einer stärkeren regionalen Zusammenarbeit, ehrgeizigen politischen Maßnahmen, internationaler Unterstützung und gezielten Investitionen könnten Südost- und Ostasien zu einem globalen Vorbild bei der Bekämpfung der Plastikverschmutzung und der Förderung von Kreislaufwirtschaftslösungen für Kunststoffabfälle werden, wird OECD-Generalsekretär Mathias Cormann zitiert. Insbesondere Länder mit niedrigem mittlerem Einkommen stünden allerdings vor erheblichen Herausforderungen, da ihre Abfallmengen stark zunähmen, während die Infrastruktur für das Abfallmanagement unzureichend sei.
Weitere Information: Link zum Download des Berichts auf der Website der OECD
Quelle:
- Euwid Recycling und Entsorgung 34/2025 (19.8.2025)
Tages- und Fachmedien berichten über eine Pilotstudie des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK), die erstmals gezielt untersuchte, ob und wie primäres Mikroplastik in Form von kleinsten Kunststoffperlen, sogenannten Beads, aus industriellen Abwassereinleitungen in den Rhein gelangt.
Wie aus einem Bericht des Onlineportals Infotime hervorgeht, reichen die gemessenen Konzentrationen in den industriellen Ableitungen von unter einem bis über zweitausend Partikeln pro Kubikmeter Abwasser. Der Spitzenwert wurde dabei an einer einzigen Stelle bei einem einzelnen Einleiter ermittelt. Da die Untersuchung als Momentaufnahme zu betrachten sei, aber auch wegen der hohen Streuung der Werte sowie methodischer Unsicherheiten betone das LANUK weiteren Forschungsbedarf. Die Probennahme direkt in den Abwasserströmen von Industriestandorten sei technisch eine große Herausforderung, wird LANUK-Präsidentin Elke Reichert in einem Bericht von Euwid zitiert. Bisher gebe es keine standardisierten Verfahren für diese Art von Untersuchung. Im Rhein selbst wurden in der Studie Messwerte zwischen etwa 0,6 und 3,6 Partikeln pro Kubikmeter Wasser ermittelt, wie Euwid weiter berichtet. Aufgrund der Strömung und vieler weiterer potenzieller Quellen für Mikroplastik ließen sich diese Funde laut Studie jedoch nicht eindeutig einzelnen Einleitern zuordnen. Das Umweltministerium NRW plant, die Messungen fortzusetzen sowie gemeinsam mit den Unternehmen Quellen zu identifizieren und Verluste zu verhindern. Erste Betriebe hätten bereits organisatorische Maßnahmen ergriffen, etwa eine verstärkte Reinigung der Betriebsgelände, schreibt Euwid.
Weitere Information:
- Link zum Download der Studie auf der Webseite des LANUK
- Link zu einem Bericht über die Stellungnahme von Plastic Europe Deutschland zur Studie des LANUK
Quellen:
- Infotime (18.8.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 34/2025 (19.8.2025)
11.07.2025 - 14.08.2025
Laut Berichten von Tages- und Fachmedien stand das von 184 Staaten derzeit in Genf verhandelte globale Abkommen nach Einschätzung von Teilnehmenden kurz vor Ende der laufenden Verhandlungsrunde auf Messers Schneide. Mit dem Abkommen soll die Umweltverschmutzung durch unsachgemäß entsorgte Kunststoffabfälle eingedämmt werden. Mehrere Länder haben den Berichten zufolge am Mittwoch einen neuen Entwurf des Konferenzvorsitzenden Luis Vayas Valdivieso abgelehnt, weil daraus alle ehrgeizigen Ziele und Auflagen gestrichen worden seien.
Besonders Ölförderländer wie die Golfstaaten, die USA oder Russland würden die Verhandlungen behindern, weil sie als Rohstofflieferanten für die Herstellung von Kunststoffen ihr Geschäftsmodell in Gefahr sehen, heißt es etwa im Handelsblatt, der Financial Times, Zeit, Rheinischen Post, taz, Stern und im Spiegel. Neben dem Hauptstreitpunkt einer globalen Reduktion der Kunststoffherstellung sind den Berichten zufolge weitere Knackpunkte in den Gesprächen unter anderem eine Liste von Zusatzstoffen, die schrittweise abgeschafft werden sollen, die Finanzierung von Maßnahmen in Entwicklungsländern sowie die künftigen Abstimmungsregeln. Im Jahr 2022 hatte die Umweltversammlung der Vereinten Nationen den Plastikvertrag beschlossen, berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ). Laut Mandat soll der Vertrag den ganzen Lebenszyklus von Kunststoffen umfassen, von der Produktion über das Design bis zur Entsorgung. Für ambitioniertere Staaten, darunter Deutschland und die EU, schließt das den Grundsatz der Reduzierung und des umweltgerechten Designs der Kunststoffproduktion mit ein. Kunststoff sei ein tolles Produkt und werde auch weiterhin gebraucht, zitiert die SZ die EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall. Doch die Umweltverschmutzung durch Plastik müsse endlich beendet werden. So sehe es auch der Staatssekretär im deutschen Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth. Der zuletzt vorgelegte Vertragsentwurf wird den Medienberichten zufolge von zahlreichen Ländern, darunter Kenia und die Philippinen als reiner Managementplan für Abfall abgelehnt. Der Text sei inakzeptabel und liefere nicht einmal das Minimum, das nötig sei, um mit der Dringlichkeit der Herausforderung umzugehen, wird ein nicht namentlich genannter Delegierter der EU zitiert. Ambitionierte, länderspezifische Ziele für Recycling und den Einsatz von recycelten Kunststoffen in neuen Produkten halte Dr. Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin des Kunststoffherstellerverbands Plastics Europe Deutschland, für den wirksamsten Weg zur Kreislaufwirtschaft, ist im Bericht des Handelsblatts zu lesen. Die Länder sollten sich verpflichten, nationale Ziele zu verabschieden und durchzusetzen. Darüber hinaus fordere der Verband eine geordnete Abfallentsorgung für die 2,7 Milliarden Menschen, die keinen Zugang zu Recyclingsystemen haben. Der Verband verweist in seiner Stellungnahme laut Recyclingmagazin auf ein aus seiner Sicht zentrales Instrument zur Umsetzung eines faktenbasierten Ansatzes: ein von Plastics Europe entwickelter Entscheidungsbaum für problematische Kunststoffanwendungen mit hoher Umweltbelastung, der unter anderem die Langlebigkeit und Wiederverwendbarkeit von Produkten, das Abfallmanagement vor Ort sowie Produktnutzen und die Verfügbarkeit von Alternativen berücksichtige.
Quellen:
- Recyclingmagazin (5.8.2025)
- Handelsblatt, Financial Times, Zeit, Stern, ntv, taz, Rheinische Post (13.8.2025)
- Süddeutsche Zeitung, Deutschlandfunk (14.8.2025)
Die K-Zeitung berichtet im Kontext mit der Hightech Agenda der Bundesregierung, die das Bundeskabinett Ende Juli beschlossen hatte, wie Vertreter verschiedener Wirtschaftsverbände deren Bedeutung für die Kunststoffbranche einschätzen.
Die sechs Schlüsseltechnologien „Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung sowie Technologien für die klimaneutrale Mobilität“ sind laut K-Zeitung in der Agenda der Bundesregierung zur Förderung von Forschung und Technologie in Deutschland genannt. Zudem solle laut Agenda in weitere Vorhaben strategischer Forschungsfelder investiert werden, zu denen die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern sowie Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft einen Fahrplan ausgestalten wolle, schreibt die K-Zeitung weiter. Der GKV Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie vermisse allerdings im Fokus der Strategie seinen Werkstoff. Zwar werde nach Einschätzung von GKV-Hauptgeschäftsführer Dr. Oliver Möllenstädt auch die kunststoffverarbeitende Industrie von den wissenschaftlichen Fortschritten und realisierten Innovationen in Zukunft profitieren, doch würden weder im Speziellen Kunststoffe noch Materialinnovationen wie etwa Leichtbau-Technologien in der Agenda erwähnt. Der Verband der deutschen Kunststoffhersteller Plastics Europe lobe die Agenda und begrüße ausdrücklich geplante Maßnahmen im Bereich saubere Technologien, zu dem auch der Leitmarkt Kreislaufwirtschaft gehöre. So könnten etwa mithilfe von KI die Sortiereffizienz von Abfällen aus dem Haushalt bis hin zu Altautos deutlich gesteigert werden, wird Hauptgeschäftsführerin des Verbands, Dr. Christine Bunte, im Bericht zitiert. Auch könne Biotechnologie das nötige Know-how für enzymatisches Recycling, das Design nachhaltiger Materialien und die Bereitstellung von nicht-fossilem Kohlenstoff liefern. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) sehe in der Hightech Agenda Deutschland grundsätzlich ebenfalls ein positives Signal für den heimischen Innovationsstandort. Sie setze wichtige Impulse, sei aber nur der erste Schritt, dem endlich Taten folgen müssten, mahnt laut K-Zeitung Norbert Theihs, Geschäftsführer des VCI-Hauptstadtbüros Berlin. Nach Einschätzung des VDMA Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau stimme die Richtung bei der Hightech Agenda Deutschland. Sie sei – zumindest auf dem Papier – ein großer Fortschritt. Nun müsse sie auch mit ausreichend Geld umgesetzt werden, zitiert die K-Zeitung Hartmut Rauen, den stellvertretenden Hauptgeschäftsführer des VDMA.
Quelle:
- K-Zeitung (7.8.2025)
Zwei Interviews des Fachmagazins Kunststoffe haben chemische Recyclinganlagen zum Thema, die in den kommenden Jahren den Betrieb aufnehmen wollen. Zum einen stand Dr. Daniel Koch, Leiter des LyondellBasell-Standorts Wesseling-Knapsack, Rede und Antwort zum derzeit in Köln im Bau befindlichen Recyclingzentrum des Chemiekonzerns. Gründerin und CEO Samantha Anderson des Schweizerischen Start-ups Depoly sprach mit Kunststoffe über das von ihrem Unternehmen entwickelte Verfahren sowie Pläne zum Start einer kommerziellen Anlage im Jahr 2028.
Dr. Koch gibt in Kunststoffe Einblicke in den Stand des Anlagenbaus und die verschiedenen Technologien der Anlage. Die Fertigstellung des integrierten Recyclingzentrums mit einer Jahreskapazität von 50.000 Tonnen ist laut Koch für 2026 geplant. Es sei das erste Projekt dieser Art und werde die gesamte Wertschöpfungskette des Kunststoffrecyclings abbilden, wozu auch die Sortierung der Abfälle und deren – sowohl mechanische als auch chemische – Aufbereitung sowie die Herstellung neuer Kunststoffe gehöre. Die Anlage, für die laut Koch in Wesseling vor Kurzem die Bodenplatte gegossen worden sei, solle mit der unternehmenseigenen MoReTec-Technologie für chemisches Recycling betrieben werden. In dem integrierten Anlagenkonzept stelle chemisches Recycling keine Konkurrenz zum mechanischen Recycling oder zur Abfallvermeidung dar, sondern eine komplementäre Lösung für nicht mechanisch recycelbare Materialien, betont Koch.
Das Start-up DePoly aus der Schweiz hat ein chemisches Recyclingverfahren entwickelt, das auf Basis der Hydrolyse PET und Polyester in die ursprünglichen Rohstoffe aufspaltet, erklärt CEO Samantha Anderson im Interview mit Kunststoffe. Das Verfahren verwende umweltfreundliche handelsübliche Chemikalien und komme ohne den Einsatz von Hitze oder Druck aus. Das Verfahren sei somit nicht nur umweltschonend, sondern auch wirtschaftlich effizient und gut skalierbar. Als Ergebnis erhalte man die zwei Monomere Terephthalsäure (PTA) und Monoethylenglykol (MEG). Die Technologie eigne sich für ein breites Spektrum an Ausgangsstoffen, darunter Textilien, Hartkunststoffe in unterschiedlichen Mischfraktionen, Materialblends sowie mehrschichtige Verbundstoffe. Eine erste Demonstrationsanlage, die im schweizerischen Monthey gebaut wird, steht laut Anderson kurz vor der Fertigstellung. DePoly will die erste kommerzielle Anlage im Jahr 2028 in Betrieb nehmen und danach eine zweite Anlage bauen.
Quelle:
- Zwei Berichte in Kunststoffe 8/2025
04.07.2025 - 10.07.2025
Die Umwelt- und Binnenmarktausschüsse des Europäischen Parlaments haben laut Berichten der Fachpresse in dieser Woche über ihren gemeinsamen Bericht zur geplanten EU-Verordnung für Altfahrzeuge (ELVR) abgestimmt. Aus der Wirtschaft komme vor allem Kritik an reduzierten Vorgaben zum Einsatz von Kunststoffrezyklaten. Die EU-Kommission hat indes laut Euwid mit ihrem neuen „Chemical Industry Action Plan“ ein klares Signal zugunsten des chemischen Recyclings von Kunststoffabfällen gesetzt.
Über den Kompromisstext zur ELVR der Ausschüsse werde das Parlament voraussichtlich im September im Plenum abstimmen, berichtet Euwid. Hinsichtlich der Rezyklateinsatzquoten für Kunststoffe schlagen die Ausschüsse laut Fachdienst eine Quote von 20 Prozent vor, die sechs Jahre nach Inkrafttreten der Verordnung verbindlich werden soll. Vier Jahre später soll die Quote um mindestens fünf Prozentpunkte steigen. Maximal die Hälfte des Zielwerts kann mit Produktionsabfällen gedeckt werden. Der Verband der Kunststofferzeuger Plastics Europe halte laut einer Stellungnahme zum Bericht der zuständigen EU-Parlamentsausschüsse zur ELVR die ursprünglich von der EU-Kommission vorgeschlagene Zielvorgabe von 25 Prozent für „nicht nur erreichbar, sondern unerlässlich“, schreibt etwa der Plasticker. Ein höheres Anfangsziel würde nach Ansicht des Verbands die Nachfrage allerdings beleben, müsse aber durch gezielte politische Maßnahmen wie Investitionsanreize, Bürokratieabbau und fairen Wettbewerb auf internationaler Ebene flankiert werden. Der Verband halte zudem den Ausschluss biobasierter Kunststoffe aus der Zielvorgabe für eine verpasste Chance. Plastics Europe plädiere dafür, biobasierte und CO2-basierte Kunststoffe zu maximal fünf Prozent zur Zielerfüllung zuzulassen. Auch die Dachorganisation der europäischen Recyclingverbände Euric kritisiert laut Euwid die als zu niedrig bewerteten Quoten für den Rezyklateinsatz in neuen Fahrzeugen. Der Ausschusstext ignoriere die klare Bewertung des Joint Research Centre der EU, welche höhere Quoten ebenfalls für machbar und realistisch halte.
Mit ihrem Aktionsplan für die chemische Industrie stelle die EU-Kommission die Weichen für das chemische Recycling, schreibt Euwid an anderer Stelle. Ein Anfang der Woche vorgestelltes Maßnahmenpaket solle nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Chemieindustrie stärken, sondern auch zentrale Technologien für die Kreislaufwirtschaft fördern. Besonders das chemische Recycling werde dabei als strategisch relevantes Innovationsfeld hervorgehoben – mit Aussicht auf gezielte Förderung, regulatorische Klarheit und verbindliche Rezyklatquoten. Die systematische Unterstützung des chemischen Recyclings solle, wo mechanische Verfahren an ihre Grenzen stoßen, dazu beitragen, gemischte oder stark verschmutzte Kunststoffabfälle in hochreine Ausgangsstoffe umzuwandeln. Der europäische Chemieverband Cefic begrüße den Ansatz der Kommission ausdrücklich. Das chemische Recycling sei eine „entscheidende Komponente“ für die Transformation der Kunststoffwirtschaft, wird Cefic-Präsidentin Ilham Kadri zitiert.
Quellen:
- Plasticker (9.7.2025)
- Maschinenmarkt (9.7.2025)
- zwei Berichte bei euwid-recycling.de (9.7.2025)
Der US-Chemiekonzern Dow will laut Berichten von Tages- und Fachmedien aufgrund hoher Energiekosten und mangelnder Nachfrage in Schlüsselindustrien bis 2027 Teile seiner Werke im sächsischen Böhlen und in Schkopau in Sachsen-Anhalt schließen.
Betroffen sind in den beiden Bundesländern demnach insgesamt rund 550 Beschäftige, berichtet etwa die Tagesschau. Konkret gehe es um die Chlor-Alkali- und Vinyl-Anlagen in Schkopau sowie einen Steamcracker in Böhlen, der chemische Grundstoffe herstellt. Diese Anlagen am Anfang der chemischen Wertschöpfungskette seien laut Dow besonders kosten- und energieintensiv. Ihre Schließung diene der Anpassung von Kapazitäten, dem Abbau von Handelsrisiken sowie der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Weitere Dow-Anlagen in Schkopau, Leuna und Böhlen – unter anderem zur Herstellung von Kunststoff und Materialien für die Bauindustrie -seien nicht von der Entscheidung betroffen, berichtet auch das Handelsblatt. Die Branche sehe sich in Europa nach wie vor mit schwierigen Marktdynamiken und einem anhaltend herausfordernden Kosten- und Nachfrageumfeld konfrontiert, wird Dow-Chef Jim Fitterling im Handelsblatt zitiert.
Wie in der FAZ zu lesen ist, werden derweil die Pläne für den im Koalitionsvertrag angekündigten vergünstigten Industriestrompreis im Bundeswirtschaftsministerium konkreter, wenn auch noch nicht klar sei, woher das Geld kommen solle. Rund 2200 Unternehmen sollen die Subvention erhalten, wie eine Sprecherin von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Montag in Berlin angekündigt habe. Der Kreis der Berechtigten ergebe sich aus dem Beihilferahmen der EU-Kommission zum Clean Industrial Deal (CISAF) und der KUEBBL-Liste, einem Teil der Regeln der EU für Klima-, Umwelt- und Energiebeihilfen. Auf ihr seien Unternehmen aus energieintensiven Wirtschaftszweigen wie der Chemie-, Kunststoff- oder Glasindustrie verzeichnet, die im internationalen Wettbewerb stehen. Diese Unternehmen sollen für 50 Prozent ihres jährlichen Stromverbrauchs auf einen Zielpreis von netto fünf Cent entlastet werden, wird die Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums in der FAZ zitiert. Wann die Unternehmen mit dem Industriestrompreis rechnen können, sei allerdings noch unklar.
Quellen:
- Tagesschau, Zeit, Süddeutsche Zeitung (7.7.2025)
- Handelsblatt (8.7.2025)
- FAZ (8.7.2025)
Euwid berichtet über die Ankündigungen zu den Rahmenbedingungen für eine ressourcenschonende Kunststoffwirtschaft, die Abteilungsleiter dreier Bundesministerien während einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Zukunftsforums Kunststoffkreislauf in Berlin gemacht haben. Dabei ging es um die Bedeutung, Umsetzung und Herausforderungen der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS).
Die Ministerialdirektorin des Bundesumweltministeriums, Susanne Lottermoser, Beate Baron vom Bundeswirtschaftsministerium und Stefan Müller vom Bundesforschungsministerium diskutierten laut Euwid in Berlin in der vergangenen Woche beim Zukunftsforum Kunststoffkreislauf Fragen zur effektiven Umsetzung, Innovationsförderung und regulatorischen Verankerung zirkulärer Wertschöpfung. Lottermoser habe ein Eckpunktepapier mit kurzfristig realisierbaren Maßnahmen zur Umsetzung der NKWS angekündigt, das noch im Herbst vom Kabinett verabschiedet werden solle. Daran anschließend soll eine „Plattform Kreislaufwirtschaft“ aufgebaut werden, die voraussichtlich 2026 die Arbeit aufnehmen werde, um dann die beteiligten Kreise zu vernetzen und gemeinsame Projekte zu initiieren. Schließlich habe Lottermoser als politische Schwerpunktbereiche eine Digitalisierungsinitiative zur Schließung von Wertstoffkreisläufen – einschließlich digitalem Produktpass, industrieller Datenräume und KI-Förderung - sowie eine kreislaufwirtschaftsorientierte öffentliche Beschaffung in Aussicht gestellt. Die ökonomische Bedeutung der Kreislaufwirtschafts-Branche mit über 300.000 Beschäftigten und etwa 105 Milliarden Jahresumsatz für die Rohstoffsouveränität und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands habe Baron hervorgehoben und die Notwendigkeit klarer Rahmenbedingungen auch auf europäischer Ebene betont. Stefan Müller vom Bundesministerium für Bildung und Forschung habe auf die Rolle von Forschung und Innovation hingewiesen. Als konkrete Forschungsfelder für die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft habe er neue Materialien, sortenreine Trennverfahren, Design for Circularity und die Digitalisierung von Stoffströmen genannt.
Quelle:
- Euwid Recycling und Entsorgung 28/2025 (8.7.2025)
Im Interview über die Fortschritte der Recyclingindustrie in den vergangenen Jahrzehnten betont Manfred Hackl, CEO des Recyclingspezialisten Erema Group, die Bedeutung von Kooperationen für das Vorankommen der Kreislaufwirtschaft.
Um das Kunststoffrecycling voranzutreiben, braucht es das Zusammenspiel innovativer Lösungen, sagt Erema-CEO Manfred Hackl im Way-t-K-Interview, das im Fachmagazin Plastxnow erschienen ist. Viele Recyclingunternehmen, deren wirtschaftliche Situation in den vergangenen Jahren schwierig gewesen sei, hofften auf eine positive Wirkung durch die K Messe im Oktober. Erema wird dort unter anderem auf dem Außengelände gemeinsam mit dem Anlagenhersteller Lindner Recycling life präsentieren. Positiv stimmt Hackl, dass Brüssel sehr stark auf Kreislaufwirtschaft baut und die großen Markenartikler ebenso wie die Verbraucher mittlerweile Materialien im Kunststoffkreislauf halten wollen. Die Wirtschaftlichkeit im Recycling sei immer abhängig vom Preis der Neuware, sagt Hackl. Hier bräuchte es gesamtheitliche Gegenmaßnahmen, damit eine langfristige Planung möglich wird. Anstelle einer Kunststoffsteuer etwa hält Hackl eine CO2-Bonifikation für das Regranulat für wünschenswert. Würde der positive CO2-Beitrag von Regranulat, der je nach Anwendung bei 25 bis 30 Prozent liege, entsprechend berücksichtigt, könnte das zur dringend benötigten Preisstabilität beitragen, so Hackl. Beides wären aus seiner Sicht wirkungsvolle Maßnahmen.
Quelle:
- Plastxnow (8.7.2025)