21.03.2025 - 27.03.2025
Die Wirtschaftswoche berichtet über ein Verfahren zur Erzeugung von Chemierohstoffen aus Wasser, Kohlendioxid und Sonnenlicht, das am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Rahmen des EU-Projektes „FlowPhotoChem“ entwickelt wurde. Im Interview mit dem Chemanager erklären zwei Experten, wie lösemittelbasierte Recyclingverfahren den Rezyklateinsatz in elektrischen und elektronischen Geräten erhöhen können.
Innerhalb des EU-Projekts FlowPhotoChem sei es gelungen, ein modulares, mit Sonnenlicht betriebenes System zur Produktion nachhaltiger Chemikalien zu entwickeln und praxisnah am DLR-Standort in Köln-Porz zu betreiben, schreibt die Wirtschaftswoche. Man habe zeigen können, dass sich kohlenstoffbasierte Chemiegrundstoffe mit einer positiven Klimabilanz unter Einsatz von Sonnenenergie aus Wasser und CO2 erzeugen lassen. Ziel sei es, vollständig regenerative Verfahren für die industrielle Produktion von Chemikalien und Energieträgern zu entwickeln, wird DLR-Projektleiter Michael Wullenkord zitiert. Im Fokus des Forschungsprojekts habe die solare Produktion von Ethen gestanden, einem wichtigen Ausgangsstoff für den Kunststoff Polyethylen, der etwa in Folien und Verpackungen zum Einsatz komme. In der Versuchsanlage seien die Ausgangsstoffe Wasser und CO2 in drei Schritten in nacheinander arbeitenden Reaktormodulen in Ethen umgewandelt worden. Die benötigte Energie habe man aus konzentrierter Sonnenstrahlung und solar erzeugtem Strom gewonnen. Durch weitere Verbesserungen wie die Nutzung von Abwärme und überschüssiger Energie würde die Technologie langfristig reif gemacht für den Realeinsatz in Regionen mit starker Sonneneinstrahlung wie etwa in Südeuropa, dem Nahen Osten, Afrika, Australien oder auch den USA.
Nach der Verpackungsbranche, dem Baugewerbe und der Landwirtschaft sei die Elektro- und Elektronikindustrie der viertgrößte Abnehmer von Kunststoffen, schreibt der Chemanager in der Einleitung zu einem Interview mit Benjamin Porter, Global Sustainability Business Development Manager bei Trinseo, und Klaus Wohnig, Managing Partner bei Atmedio und Gründer der Recycling-Initiative DROP-IN, bei dem es um Potenziale und Grenzen des lösemittelbasierten Recyclings von Abfällen aus elektrischen und elektronischen Geräten (Waste Electrical and Electronic Equipment, WEEE) geht. Derzeit würden nur etwa drei Prozent Post-Consumer-Rezyklate in Elektronik- und Elektrogeräten zum Einsatz kommen. Als Gründe dafür nennt Porter, dass die Kunststoffbauteile in der Elektronik auf lange Nutzungsdauer und Haltbarkeit ausgelegt seien und die hohen Umwelt- und Sicherheitsanforderungen in diesem Bereich auch an Rezyklate gestellt würden. Für lösemittelbasierte Recyclingverfahren, bei denen die WEEE-Abfälle nach mechanischer Vorbehandlung einem Lösemittel ausgesetzt würden und so am Ende die gewünschten Zielfraktionen in nahezu Neuwarequalität regeneriert würden, sehe Porter ein großes Potenzial. Würden diese Verfahren skaliert, könnten WEEE-Abfälle seiner Ansicht nach deutlich effizienter recycelt werden. Wohnig betont, dass er die Verfahren als Ergänzung zu konventionellen mechanischen Aufbereitungsverfahren sehe. Diese seien für eine Vielzahl von Zielpolymeren, so etwa im Bereich technischer Anwendungen für PC, ABS und PS, aber auch bei PA und PP geeignet. Zudem sei das Lösemittelverfahren nicht nur wirtschaftlich, sondern auch besonders klimafreundlich und ressourcenschonend.
Quellen:
- Wirtschaftswoche (21.3.2025)
- Chemanager 3/2025
Wirtschaftsverbände plädieren laut Euwid für weitergehende Ausnahmen für gewerbliche Verpackungen in der Neuregelung der EU-Verpackungsverordnung (PPWR). Hintergrund sind die geplanten Änderungen von Nachhaltigkeitsberichtspflichten im Rahmen des sogenannten Omnibus-Pakets der EU-Kommission zum Bürokratieabbau.
Insgesamt 19 deutsche Wirtschaftsverbände würden von der EU-Kommission Korrekturen der geplanten Mehrwegquoten für industrielle und gewerbliche Transport- und Verkaufsverpackungen fordern, um schwerwiegende wirtschaftliche und logistische Folgen zu vermeiden, berichtet der Fachdienst Euwid. So würden etwa die bisher angekündigten Ausnahmen für Palettenumhüllungen und Umreifungsbänder nicht ausreichen, meint die Verbändeallianz, zu der die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), der Verband der Chemischen Industrie (VCI), der Maschinenbauverband VDMA, der Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV) sowie Verbände aus der Bauindustrie, der Verpackungsbranche und der Getränke- und Lebensmittelindustrie zählen. Diese forderten daher in einem gemeinsamen Positionspapier eine grundlegende Korrektur der Vorschriften in Artikel 29 Absatz 1–3 PPWR, einschließlich der Streichung übermäßiger Berichtspflichten und der geplanten neuen EU-Behörde zur Überwachung von Mehrwegquoten. Letztere sei überflüssig und widerspreche dem Ziel des Bürokratieabbaus. Konkret würden die Verbände zur Änderung des Artikels 29 vorschlagen, Kanister, Kübel, Schalen, Großpackmittel und Fässer auszunehmen. Mit Blick auf die Berichtspflichten würden sie einen Nachweis über Konformitätserklärungen vorschlagen. Unterstützung bekommt das Anliegen der Verbände laut Euwid vom deutschen Europaabgeordneten Andreas Glück (FDP/Renew Europe), der in einem Rundschreiben wie die Verbände vor erheblichen Risiken für Lieferketten warne und die EU-Kommission auffordere, zunächst eine umfassende Folgenabschätzung durchzuführen.
Quelle:
- Euwid Recycling und Entsorgung 13/2025 (25.3.2025)
Angesichts einer Welle von Betriebsschließungen unter europäischen Recyclern fordern Industrievertreter laut Fachmedienberichten ein schnelles Eingreifen der EU-Politik: Um das Überleben der Kunststoffrecyclingindustrie zu sichern, müssten wirksame Importkontrollen eingeführt und bestehendes Recht umgesetzt werden, einschließlich der Beschränkung von Importen, die nicht den Nachhaltigkeits- und Sicherheitsstandards der EU entsprechen.
Wie der Präsident des europäischen Recyclerverbands Plastics Recyclers Europe (PRE), Ton Emans, in einer Stellungnahme des Verbands betone, hätten die europäischen Recycler darüber hinaus seit geraumer Zeit mit vergleichsweise hohen Energie- und Rohstoffkosten zu kämpfen, was den importierten Materialien einen weiteren Wettbewerbsvorteil verschaffe. Inzwischen würden nach Angaben von PRE Importe von recycelten und neuen Polymeren über 20 Prozent des Polymerverbrauchs in der EU ausmachen. Gleichzeitig sei die heimische Produktion von Rezyklaten für die meisten Polymere um etwa fünf Prozent zurückgegangen. Anlass zu Sorgen sehe PRE auch bei den Altkunststoffexporten, die im Jahr 2024 im Vergleich zu 2022 um 36 Prozent gestiegen seien. Dies deute nach Ansicht von PRE auf eine Verlagerung von Recyclingaktivitäten in Nicht-EU-Staaten hin. PRE warne vor den Auswirkungen der aktuellen negativen Markttrends: In der Folge würden die Recyclingquoten sinken, die Kreislaufwirtschaft ausgebremst und die Abhängigkeit von nicht nachhaltigen Produktionsmethoden steigen.
Quellen:
- Kunststoffe (21.3.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 13/2025 (25.3.2025)
14.03.2025 - 20.03.2025
Die Grundgesetzänderung zur Schuldenbremse hat den alten Bundestag am 18. März passiert, der Finanzrahmen für Infrastruktur, der auch ein 100-Milliarden-Euro-Paket für den Klimaschutz vorsieht, wurde dort mehrheitlich beschlossen, die Zustimmung des Bundesrates am heutigen Freitag gilt als sehr wahrscheinlich. Was Verbände der Chemie- und Kunststoffindustrie von der sich noch formierenden neuen Bundesregierung erwarten, geht aus Berichten von Tages- und Fachmedien hervor. Schnelle Entlastung der Unternehmen sowie eine schnelle Energie- und Wirtschaftswende fordern laut Handelsblatt etwa die Plattform „Energieintensive Industrien Deutschland“ (EID) und der Verband der Chemischen Industrie (VCI). Auch der bvse Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung drängt auf schnelle Maßnahmen, wie Fachmedien berichten.
Die energieintensiven Branchen würden seit Jahren unter dem hohen Energiepreisniveau in Deutschland leiden und an die potenziellen Koalitionäre CDU, CSU und SPD appellieren, eine Reihe kurzfristiger Nothilfemaßnahmen in ein 100-Tage-Programm aufzunehmen, schreibt das Handelsblatt. Kernforderungen, die EID in einem Papier formuliert habe, seien etwa Entlastungen bei den Umlagen und Abgaben auf Strom und Erdgas ebenso wie eine schnelle Regelung für die Speicherung von Kohlendioxid. Darüber hinaus müsse die Energiewende mittelfristig möglichst kostengünstig umgesetzt werden. Wie EID fordere auch der VCI laut Handelsblatt schnelle Entlastung vor allem für industrielle Gasverbraucher. Den schnellen Abschluss der Sondierungsgespräche habe der Branchenverband als starkes Signal und die Ergebnisse bei Steuern, Strompreisen und Bürokratieabbau als Schritte in die richtige Richtung gelobt. VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup, der Mitte März den Bericht zur Lage der chemisch-pharmazeutischen Industrie im vierten Quartal und Gesamtjahr 2024 vorgestellt habe, dränge nun auf eine radikale wirtschaftspolitische Kurskorrektur der kommenden Bundesregierung, berichten Fachmedien. Diese müsse den Standort Deutschland mit mutigen Reformen auf den Weg der Wettbewerbsfähigkeit zurückführen, wird Große Entrup in den Berichten zitiert. Die Produktion der chemisch-pharmazeutischen Industrie sei nach Angaben des VCI im vierten Quartal 2024 um 4,2 Prozent eingebrochen, der Gesamtumsatz der Chemie- und Pharmaindustrie im Vergleich zum Vorquartal jedoch aufgrund von Umsätzen mit Kunden aus dem außereuropäischen Ausland leicht gestiegen auf 53,1 Milliarden Euro. So habe der Auslandsumsatz von Chemie und Pharma aufgrund von Zuwächsen vor allem in Nordamerika um 1,4 Prozent auf 33,6 Milliarden Euro zulegen können. Für das Geschäftsjahr 2025 erwarte der Verband insgesamt keine Steigerung von Produktion und Branchenumsatz. Mit einem wirtschaftlichen Aufschwung rechne die Branche frühestens 2026.
Auch der bvse begrüße laut Berichten von Fachmedien die Einigung auf eine Grundgesetzänderung und die Investitionen in die Infrastruktur. Der Verband erwarte, dass damit die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands wiederbelebt und auch ein privater Investitionsschub ausgelöst werden. Besonders für die Kreislaufwirtschaft sei dies eine positive Nachricht, ebenso wie die Einigung auf ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für den Klimaschutz. Das sei eine wichtige und richtige Weichenstellung für eine nachhaltige Zukunft, wird Eric Rehbock, Hauptgeschäftsführer des bvse in den Berichten zitiert. Jetzt gelte es, die beschlossenen Maßnahmen zügig und wirkungsvoll umzusetzen. Um die Kreislaufwirtschaft als zentrale Säule einer nachhaltigen Rohstoffversorgung und Motor des Klimaschutzes voranzubringen, fordere der bvse fünf zentrale Maßnahmen darunter etwa Priorität für „Grüne Beschaffung“ auf allen staatlichen Handlungsfeldern, Beschleunigung und Vereinfachung von Genehmigungsverfahren und eine Stärkung des Mittelstands.
Quellen:
- Handelsblatt, VCI-Branchenticker (14.3.2025)
- Recyclingmagazin, chemieindustrie-online.de (17.3.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 12/2025, Recyclingportal (18.3.2025)
Plastics Europe Deutschland (PED), der Verband der Kunststofferzeuger, gab laut Berichten von Fachmedien auf seiner Wirtschaftspressekonferenz in dieser Woche bekannt, dass die Kunststoffproduktion in Deutschland im Jahr 2024 zwar um drei Prozent gestiegen, aufgrund rückläufiger Erzeugerpreise der Branchenumsatz allerdings von 27,5 Milliarden auf 26,7 Milliarden Euro um drei Prozent gesunken sei. Hohe Kosten, schwache Nachfrage und steigender Wettbewerbsdruck würden die Unternehmen belasten. Entlasten könnten die Branche neben dringend notwendiger Investitionen etwa in eine wettbewerbsfähige und erneuerbare Energieversorgung auch einfache Maßnahmen.
Für das Jahr 2025 erwarte der Verband einen weiteren leichten Rückgang der Produktion von Kunststoffen in Primärformen von etwa einem halben Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wird Dr. Ralf Düssel, Vorstandsvorsitzender des PED in den Berichten zitiert. Investitionen in wettbewerbsfähige Energiepreise, den Ausbau der erneuerbaren Energieträger und Investitionsanreize seien unverzichtbare Hebel, um die Wirtschaft insgesamt und die Kunststoffindustrie wieder in Schwung zu bringen, sage Düssel. Für Forschung und Entwicklung sehe Düssel in Deutschland noch ideale Bedingungen: eine gut vernetzte Wertschöpfungskette, kurze Lieferwege und enge Anbindung an Universitäten. Doch die Bedeutung der Kunststoffindustrie müsse auch politisch erkannt werden, sowohl in Deutschland als auch beispielsweise im Europäischen Clean Industrial Deal. Einfache Entlastungsmaßnahmen für die deutsche Industrie und zur Unterstützung der Transformation zu einer klimaneutralen Kreislaufwirtschaft habe Dr. Christine Bunte, PED-Hauptgeschäftsführerin, angeführt: EU-Vorgaben in Zukunft 1:1 umsetzen, ohne nationale Sonderregeln zu schaffen, Bürokratie und Berichtspflichten effizienter gestalten und Planungsverfahren beschleunigen. Darüber hinaus seien nach Ansicht des PED klare Einsatzziele für Rezyklate und Biomasse auf EU-Ebene geeignet, die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen zu stärken und die Kreislaufwirtschaft voranzutreiben. Der Verband plädiere für ein stärkeres Engagement Deutschlands auf europäischer Ebene und fordere „eine Politik, die konsequent Transformation und Wettbewerbsfähigkeit vereint“.
Quellen:
- Kunststoffe, Recyclingmagazin (19.3.2025)
- euwid-recycling.de (20.3.2025)
Bis 31.12.2024 mussten sich gemäß des Einwegkunststofffondsgesetzes (EWKFondsG) sämtliche Hersteller von Einwegkunststoffprodukten, die im Jahr 2024 solche in Verkehr gebracht haben, auf der Einwegkunststofffonds-Plattform DIVID registrieren. Anlässlich einer Mitteilung des Umweltbundesamtes (UBA) vom 11. März, wonach es in diesem Jahr für die Meldung von Unternehmen zum Einwegkunststofffonds keine Prüfleitlinien geben soll, die Prüfpflicht durch Dritte für die Mengenmeldung des Jahres 2024 aber bestehen bleibt, hat eine breite Verbändeallianz laut Euwid eine Aussetzung der Prüfpflicht gefordert.
Die Verbände der Verpackungsindustrie IK, IPV, FKN, FFI und Pro-S-Pack sowie der DIHK, der Handelsverband Deutschland und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband, der Milchindustrieverband und die Tabakwirtschaft hätten in ihrer gemeinsamen Stellungnahme die immer noch ausstehenden Prüfleitlinien des UBA, den unklaren Anwendungsbereich des EWKFondsG und insbesondere unpräzise Formulierungen in Anhang I des Gesetzes scharf kritisiert, berichtet der Fachdienst. Derzeit seien nur etwa 4.300 Unternehmen von laut UBA geschätzten 55.000 Unternehmen bei der Behörde registriert, ist in dem Bericht zu lesen. Die Unklarheit, wer zur Registrierung verpflichtet ist, habe zu dieser Registrierungslücke beziehungsweise zu vielen fehlerhaften Registrierungen geführt. Diese mit den fehlenden Prüfleitlinien und Unklarheiten verbundene Unsicherheit erschwere es Prüfern und Unternehmen, verbindliche Aussagen zur korrekten Produktzuordnung und Mengenmeldung zu treffen, kritisiere die Verbändeallianz. Die in dem Gesetz vorgesehene Prüfpflicht durch Dritte gehe zudem über EU-Vorgaben hinaus und würde vor allem kleine und mittlere Unternehmen überfordern, da die Prüfkosten oft die zu zahlende Abgabe übersteigen würden. Unter anderem aus diesen Gründen forderten die Verbände, die Prüfpflicht für die Mengenmeldung bis zum 15. Mai auszusetzen. Auch solle das UBA zügig über noch offene Anträge zur Einordnung von Produkten entscheiden sowie praktikable Einstufungshilfen basierend auf dem Gesetz bereitstellen wie etwa eine klare Auflistung abgabepflichtiger Produkte, ähnlich dem Katalog systembeteiligungspflichtiger Verpackungen der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR).
Quelle:
- Euwid Recycling und Entsorgung 12/2025 (18.3.2025)
07.03.2025 - 13.03.2025
Laut Berichten von Fachmedien werden die Verhandlungen über ein internationales rechtsverbindliches Instrument zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung vom 5. bis 14. August in der Schweiz in Genf fortgesetzt, nachdem im Dezember 2024 in Busan keine Einigung über den Vertragstext erzielt werden konnte.
Ziel des als Teil zwei der fünften Runde, INC-5.2 geplanten Treffens sei es, die Verhandlungen abzuschließen. Bei der Konferenz wird es den Berichten zufolge vor allem weiterhin darum gehen, die Meinungsverschiedenheiten zwischen Öl und Kunststoff produzierenden Nationen auf der einen und den Ländern der sogenannten High Ambition Coalition (HAC), die sich für ein ambitioniertes Abkommen einsetze, auf der anderen Seite zu lösen. Zu den umstrittensten Vorschlägen zählen Produktionsbeschränkungen für Kunststoffe und der Ausstieg aus bestimmten Chemikalien und Produkttypen. Auch über die Verfahrensregeln für die Entscheidungsfindung werde sich noch zu einigen sein. Ebenso gebe es noch keinen Konsens darüber, wie Maßnahmen zur Reduzierung der Plastikverschmutzung, für besseres Recycling und Design for Recycling finanziert werden sollen. Schließlich sei in Genf auch darüber abzustimmen, ob es sich bei dem Abkommen um ein rechtlich verbindliches Instrument oder um Absichtserklärungen handeln soll.
Quellen:
- Euwid Recycling und Entsorgung 11/2025, Sustainability Magazine (11.3.2025)
Die Wirtschaftswoche hat für einen Bericht zur Krise der Kunststoffhersteller in Deutschland mit der Hauptgeschäftsführerin von Plastics Europe Deutschland (PED), Dr. Christine Bunte, über mögliche Lösungen und die Rolle der Kreislaufwirtschaft gesprochen. Laut Berichten von Fachmedien haben Verbände der Kunststoff- und Recyclingindustrie, darunter auch Plastics Europe, ihr Bekenntnis zu Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz in einem aktualisierten gemeinsamen Positionspapier erneut unterstrichen. Dafür forderten die Verbände darin effiziente Rahmenbedingungen für eine ambitionierte Umsetzung.
Zwischen 2021 und 2023 sei die Kunststoffproduktion nach Daten von PED um 17,6 Prozent eingebrochen, ist in der Wirtschaftswoche zu lesen. Gründe für den Trend, der ganz Europa, aber insbesondere Deutschland betreffe, seien vielfältig, wird Bunte darin zitiert. Hohe Energiepreise, Bürokratie und fehlende Planbarkeit würden die Unternehmen belasten. Hinzu komme, dass Automobil- und Bauwirtschaft, die neben der Verpackungsindustrie die wichtigsten Branchen für den Einsatz von Kunststoffen seien, ebenfalls unter Druck seien. Zusätzlich gelangten aus Asien billige Kunststoffe und Rezyklate in die Märkte. Bei allen Unternehmen würden Kreislauf und Klimaneutralität sehr, sehr weit oben auf der Agenda stehen, betone Bunte. Sie räume aber auch ein, dass aktuell die Frage nach dem wirtschaftlichen Überleben vielleicht mehr Priorität habe. Daher appelliere Plastic Europe an die neue Bundesregierung, das Thema Wettbewerbsfähigkeit als Teil der Transformation zu begreifen, und fordere geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen.
Ein gemeinsames erneuertes Positionspapier von Plastics Europe Deutschland, GKV Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie, VDMA-Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen sowie der beiden Entsorgerverbänden BDE und bvse enthält laut Berichten der Fachpresse detaillierte Vorschläge, in welchen Bereichen es aus Sicht der Verbände Veränderungen für die notwendigen Impulse für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe benötige. Der vorgeschlagene Maßnahmenkatalog umfasse neun Kernforderungen, zu denen neben recyclinggerechter Produktgestaltung, EU-weitem Ende der Deponierung und der Ausweitung von Entsorgungs- und Verwertungsstrukturen auch gehöre, die Marktbedingungen für den Einsatz von Rezyklaten zu verbessern. Dafür brauche es einen klaren politischen Fahrplan und die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen. Gegenüber dem Vorgängerpapier hätten die Verbände ihre Positionen zum mechanischen und chemischen Recycling geschärft und die Forderung nach einer verstärkten europäischen Marktaufsicht aufgenommen, um Wettbewerbsverzerrungen aufgrund von Importen mit oft niedrigeren Umweltstandards entgegenzuwirken.
Über die Lage am Rezyklatmarkt berichtet der Fachdienst Euwid, dass trotz angespannter Stimmung in der Branche zwar noch keine Trendwende, aber erste Lichtblicke durch eine sich leicht belebende Nachfrage erkennbar seien. Potenziale böten auch steigende Substitutionsquoten, doch sei die wirtschaftliche Gesamtlage unsicher. Entscheidend werde sein, wie sich die Nachfrage aus wichtigen Industrien wie der Bau- und Automobilwirtschaft entwickle und ob politische Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit der Recyclingbranche stärken können.
Quellen:
- Wirtschaftswoche (10.3.2025)
- euwid-recycling.de, Recyclingmagazin, Newsroom Kunststoffverpackungen, Euwid Recycling und Entsorgung 11/2025 (11.3.2025)
Mercedes-Benz setzt seit Kurzem im Interieur Monomaterialteile aus Polyethylenterephthalat (PET) ein, ist einem Autorenbeitrag des Entwicklerteams im Special Automotive von Kunststoffe zu entnehmen. Die Lösung verbessere nicht nur die Recyclingfähigkeit, sondern zum Teil auch die Eigenschaften.
Seit 2018 nutze Mercedes-Benz für den Fahrzeuginnenraum als CO2-optimierte Leichtbauweise Mikrosandwichstrukturen zum Beispiel für Türtaschen der E-Klasse mit einer Deckschicht aus naturfaserverstärktem Polypropylen (PP-NF), schreiben Doktorand Johannes Gebhard, Dr. Benno Stamp, Mercedes-Benz, und Prof. Dr. Holger Seidlitz, Professor für Polymerbasierten Leichtbau an der BTU Cottbus-Senftenberg und Leiter des Forschungsbereichs „Polymermaterialien und Composite PYCO“ des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung IAP in ihrem Autorenbeitrag für Kunststoffe. Diese Verbundmaterialien seien jedoch schwer zu recyceln. Bei der neu entwickelten Monosandwichvariante, bei der mechanisch und chemisch recyceltes PET zum Einsatz komme, werde die Deckschicht nun durch eine PET-Schicht ersetzt, so dass sich die mechanische Recyclingfähigkeit der Interieurteile deutlich verbessere. Eine Gegenüberstellung der Materialeigenschaften habe gezeigt, dass das Monosandwich bei einer Gewichtsreduktion um 28 Prozent gegenüber dem Verbundsandwich dennoch verbesserte mechanische Eigenschaften aufweise, insbesondere hinsichtlich Elastizität und Biegesteifigkeit. Darüber hinaus ergebe sich bei der Monomateriallösung aufgrund der Recyclingfähigkeit und der erreichbaren Rezyklatqualität eine deutliche Einsparung an CO2-Emissionen.
Quelle:
- Kunststoffe 3/2025
21.02.2025 - 06.03.2025
Mit dem Ende Februar vorgelegten „Clean Industrial Deal“ der EU-Kommission sollen die Energiepreise gesenkt und bürokratische Hürden vor allem im Bereich Umweltgesetzgebung abgebaut werden, um die Wirtschaft zu entlasten, berichten Tages- und Fachmedien. Verbände der Kunststoffindustrie und Entsorgungswirtschaft würden die Initiative befürworten, sich aus verschiedenen Gründen jedoch auch tief besorgt zeigen.
Die deutsche Wirtschaft begrüße das neue Wirtschaftsprogramm der EU, fordere jedoch noch weiteren Abbau von Berichtspflichten, ist etwa in einem Bericht des ZDF zu lesen. Als Beispiel nennt das ZDF etwa den Chemie-Zulieferer Evonik. Dieser stehe zwar voll hinter der Energiewende und investiere bereits viel in erneuerbare Energien, halte aber Bürokratieabbau und weniger Vorgaben aus Brüssel für wesentlich. Das Dickicht an Vorgaben sei einfach zu unübersichtlich und teils widersprüchlich, habe auch der Verband der Chemischen Industrie Deutschland (VCI) bemängelt. Nun wolle die EU-Kommission im Rahmen sogenannter „Omnibus-Pakete“ zur Entlastung der Wirtschaft Bürokratie drastisch abbauen und zum Beispiel die europäische Lieferkettenrichtlinie lockern sowie deren Inkrafttreten um ein Jahr verschieben. Bei der Veröffentlichung des „Deals für eine saubere Industrie“ habe Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erneut die wichtige Rolle der Kreislaufwirtschaft für die Rohstoffversorgung der europäischen Industrie und die Verminderung übermäßiger Abhängigkeiten hervorgehoben, berichtet der Fachdienst Euwid. Ziel sei es, die EU bis 2030 zum Weltmarktführer der Kreislaufwirtschaft zu machen, heiße es im Vorschlag der Kommission, in dem auch der Entwurf eines Kreislaufwirtschaftsgesetz für das vierte Quartal 2026 angekündigt werde. Mit dem Gesetz wolle Brüssel unter anderem ein höheres Angebot an hochwertigen Rezyklaten fördern, die Nachfrage nach Sekundärmaterialien und Kreislaufprodukten ankurbeln und gleichzeitig die Kosten für Rohstoffe senken. Als Teil des Kreislaufwirtschaftsgesetzes solle auch die EU-Richtlinie über Elektro- und Elektronikaltgeräte (WEEE) überarbeitet und vereinfacht werden, ebenso wie geplant sei, Abfallende-Kriterien zu harmonisieren, die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) zu vereinfachen und durch Kriterien für das öffentliche Auftragswesen die Nachfrage nach rezyklathaltigen Produkten zu steigern. Der Verband der europäischen Kunststoffhersteller Plastics Europe begrüße den „Clean Industrial Deal“ der EU, vermisse aber Maßnahmen für eine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft mit Kunststoff, ist etwa in einem Bericht der K-Zeitung zu lesen. Der Verband und seine Mitglieder seien zutiefst besorgt, dass der wesentliche Beitrag des europäischen Kunststoffsektors nach wie vor nicht zur Kenntnis genommen werde, wird Virginia Janssens, Geschäftsführerin von Plastics Europe, zitiert. Auch sehe man die Gefahr, dass die Wettbewerbsvorteile des Clean Industrial Deal zu spät umgesetzt würden. Mit Blick auf Deutschland habe Dr. Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin von Plastics Europe Deutschland e. V., laut K-Zeitung gefordert, die Bedeutung der Kunststoffindustrie für alle Anwenderindustrien im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung zu verankern. Auch der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft begrüße die ambitionierten Ziele zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft, ist etwa in einem Bericht des Recyclingmagazins zu lesen. Der Verband zeige sich jedoch angesichts fehlender Schutzmechanismen für die europäische Recyclingbranche tief enttäuscht. Im Hinblick auf den Bereich Kunststoffrecycling fordere der BDE erneut faire Wettbewerbsbedingungen und wirksame Handelsinstrumente zum Schutz vor unfairen Importen aus Fernost.
Quellen:
- ZDF, K-Zeitung (26.2.2025)
- Wirtschaftswoche, Recyclingmagazin (27.2.2025)
- Neue Verpackung, Recyclingportal (28.2.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 10/2025 (04.03.2025)
Euwid berichtet über Forderungen der BDI-Initiative Circular Economy sowie des BDE Bundesverbands der Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft und des bvse Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung an die neue Bundesregierung hinsichtlich des Ausbaus und der Förderung der Kreislaufwirtschaft.
Die BDI-Initiative Circular Economy, ein breites Industrienetzwerk, fordere von der neuen Bundesregierung eine Reihe von Maßnahmen, um die Kreislaufwirtschaft als zentrales Element der Industrie- und Standortpolitik Deutschlands weiterzuentwickeln. Die Forderungen würden Vorgaben zum Produktdesign auf EU-Ebene, Regelungen zum Ende der Abfalleigenschaft, die Förderung von Normungsaktivitäten und die Nutzung digitaler Technologien betreffen. Die Initiative spreche sich vor allem für Rechts- und Planungssicherheit aus und fordere daher, bereits begonnene Projekte zügig fortzuführen und bestehende Gesetze weiterzuentwickeln. Ein zentrales Anliegen der BDI-Initiative sei die möglichst rasche Überarbeitung des Paragrafen § 21 des Verpackungsgesetzes, um finanzielle Anreize für das recyclinggerechte Design von Verpackungen weiterzuentwickeln und den Rezyklateinsatz stärker zu fördern. Bei rechtlichen Rahmenbedingungen mit direktem Bezug zum europäischen Binnenmarkt wie etwa hinsichtlich der Regelungen zur Einführung von Rezyklateinsatzquoten plädiere der Verband dafür, nationale Regeln zu vermeiden und stattdessen europäische Lösungen aktiv mitzugestalten, um Fragmentierungen des Marktes zu vermeiden. Mindesteinsatzquoten für bestimmte Rezyklate könnten aus Sicht der Initiative zwar zur Stimulierung der Märkte genutzt werden, doch müsse die Verfügbarkeit im Blick behalten und auf eine wissenschaftliche Datenbasis gestützt werden. Auch der BDE fordert, wie Euwid an anderer Stelle berichtet, von der künftigen Bundesregierung zügige und entschlossene Schritte für den „Hochlauf der Kreislaufwirtschaft“. Bereits in den ersten 100 Tagen müssten aus Sicht des BDE Maßnahmen ergriffen werden, um Investitions- und Planungssicherheit, Digitalisierung und Bürokratieabbau in den Mittelpunkt zu stellen, wird Anja Siegesmund, geschäftsführende Präsidentin des BDE, zitiert. Ziel müsse sein, die Resilienz, Rohstoffsicherheit und den Einsatz modernster Recyclingtechnologien zu stärken, sage Siegesmund. Dazu fordere der BDE neben einer Verankerung der Kreislaufwirtschaft als Teil der Rohstoffsicherung im Wirtschaftsressort auch die Gründung einer Plattform zur Priorisierung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie unter Beteiligung der Wirtschaft. Kernforderungen des bvse, die der Verband bereits 2024 in einem 12-Punkte-Plan formuliert habe, seien die Ausweitung des Einsatzes von Sekundärrohstoffen in der industriellen Produktion, eine nationale Regelung für das Abfallende von Altpapier, Ersatzbaustoffen und Altkunststoffen sowie eine stärkere Berücksichtigung von Recyclingprodukten im öffentlichen Beschaffungswesen.
Quellen:
- Euwid Recycling und Entsorgung 9/2025 (25.2.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 10/2025 (04.03.2025)
Fachmedien berichten über die Position der Kunststoffhersteller zur EU-Altfahrzeugverordnung sowie über ein Pilotprojekt zur Kreislaufführung von Kunststoffen aus Altfahrzeugen der Global Impact Coalition (GIC).
Der Verband der Kunststoffhersteller Plastics Europe Deutschland (PED) unterstütze zwar die Grundziele der EU-Altfahrzeugverordnung, sehe jedoch die Notwendigkeit, den Einsatz weiterer zirkulärer Rohstoffe wie Kohlendioxid und Biomasse zu fördern und dafür eine separate Zielquote einzuführen, ist in der Österreichischen Kunststoffzeitschrift zu lesen. Für die Erreichung der ambitionierten Ziele der Verordnung sei die Nutzung aller Recyclingtechnologien erforderlich, einschließlich mechanischer, lösemittelbasierter und chemischer Verfahren. Hierzu müssten geeignete regulatorische Rahmenbedingungen geschaffen werden, etwa durch die Anerkennung von chemischem Recycling und die Etablierung von Massenbilanzansätzen. Dann könne die Kunststoff- und Automobilindustrie durch den verstärkten Einsatz von recycelten Kunststoffen und die Entwicklung neuer Materialien einen bedeutenden Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten.
Euwid berichtet über ein Projekt zur Kreislaufführung von Kunststoffen aus Altfahrzeugen der Global Impact Coalition (GIC). Dieser Zusammenschluss von Führungskräften aus der chemischen Industrie und angrenzenden Sektoren plane gemeinsam mit mehreren Chemie- und Recyclingkonzernen, darunter BASF, Covestro, Lyondell-Basell, Sabic und Suez, ein Pilotprojekt in den Niederlanden und Deutschland. Dieses werde die Demontage, Zerkleinerung, Sortierung sowie das Recycling von Kunststofffraktionen aus 100 Altfahrzeugen umfassen. Dabei würden alle Projektbeteiligten zusammenarbeiten. Nur das Recycling werde von den jeweiligen Unternehmen in Eigenregie durchgeführt, wobei jeder Recycler seine eigene Technologie einsetze, habe Amanda Martin, Leiterin Kommunikation der GIC, auf Anfrage von Euwid erklärt. Es würden sowohl verschiedene chemische als auch mechanische Recyclingverfahren zum Einsatz kommen. Die Ergebnisse würden dann mit der gesamten Projektgruppe geteilt. Ziel des Projektes sei es, die wirtschaftliche Machbarkeit breit angelegter Kreislaufsysteme für Kunststoffe aus Altautos nachzuweisen und Erkenntnisse hinsichtlich der Erfüllung von Vorgaben der EU-Altfahrzeugverordnung zu liefern, zitiert Euwid aus einer Pressemitteilung der GIC.
Quellen:
- Österreichische Kunststoffzeitschrift 1/2 2025
- Euwid Recycling und Entsorgung 9/2025 (25.2.2025)
14.02.2025 - 20.02.2025
Die Fachpresse berichtet über die Ergebnisse einer Studie der Conversio Market & Strategy GmbH im Auftrag der BKV, wonach in Deutschland und Europa ohne Zusatzinvestitionen in mechanisches und chemisches Recycling im Jahr 2030 eine Lücke bei Kunststoffrezyklaten von rund 30 Prozent entsteht.
So zeigt die Studie „Status quo und Prognose des Bedarfs und der Verfügbarkeit von Post-Consumer-Rezyklaten im Jahr 2030“ den Medienberichten zufolge, dass Deutschland im Jahr 2030 rund 2,96 Millionen Tonnen an recyceltem Kunststoff benötigen werde. Mache man weiter wie bisher, ergebe sich laut Studie im „Business-as-usual“-Szenario eine Lücke von 861.000 Tonnen, was fast 30 Prozent des Bedarfs entspreche. Eine Lücke von 310.000 Tonnen bleibe selbst in einem Advanced-Scenario, bei dem erhebliche Investitionen in mechanisches und chemisches Recycling mit einer prognostiziert 63 Prozent höheren Rezyklat-Output-Menge gegenüber 2022 bzw. deutlich höheren Zuwachsraten von jährlich 6,5 Prozent angenommen werden. Beide Szenarien, bei denen von deutlichen Verbesserungen in der Abfallsammlungs-, Sortier-, und Recycling-Infrastruktur ausgegangen worden sei, würden laut den Berechnungen eine Versorgungslücke ausweisen. Der tatsächliche Versorgungsengpass könne allerdings noch größer ausfallen, da in vielen Anwendungsfeldern die heute am Markt verfügbaren Qualitäten nicht ausreichten, um Neuware mit Rezyklaten zu substituieren. Ähnlich sieht es laut Studie in Europa aus, wo eine Versorgungslücke von bis zu 3,5 Millionen Tonnen erwartet wird. Als besonders problematisch werde der Rezyklatmangel für anspruchsvolle Anwendungen – etwa im Automobil- oder Elektroniksektor – eingeschätzt. Haupttreiber der Entwicklung seien neue gesetzliche Vorgaben, insbesondere die Verpackungsverordnung (PPWR) und die verschärfte ELV-Verordnung für Altfahrzeuge. Angesichts der Studienergebnisse fordern der GKV Gesamtverband der Kunststoffverarbeitenden Industrie, Plastics Europe Deutschland und der Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA laut Medienberichten Maßnahmen zur Stärkung des Rezyklatangebots: Zum einen müsse die für das Recycling gesammelte Menge an Kunststoffabfällen deutlich erhöht werden. Denn die Studie zeige auch, dass in Deutschland von 5,6 Millionen Tonnen Kunststoffabfällen nur 3,2 Millionen Tonnen für das Recycling erfasst werden. Zum anderen müssten die rechtlichen Rahmenbedingungen angepasst werden, etwa indem weitere sichere Recyclingverfahren für den Einsatz im Lebensmittelbereich zugelassen werden.
Weitere Information: kostenfreie Zusammenfassung der Studienergebnisse, zur Bestellung der kostenpflichtigen Langfassung
Quellen:
- Newsroom Kunststoffverpackungen (14.2.2025)
- K-Zeitung, Industrieanzeiger (17.2.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 8/2025 (18.2.2025)
Im Industriepark Gendorf soll laut Medienberichten eine Anlage entstehen, in der im industriellen Maßstab aus Kunststoffabfällen Pyrolyseöl gewonnen wird. Die Anlage des Fürther Unternehmens Pruvia werde Ende 2026 in Betrieb gehen und nach Unternehmensangaben 35.000 Tonnen Kunststoffabfall pro Jahr verarbeiten können.
Die erwartete Produktion der ersten fünf Jahre sei bereits verkauft, ist etwa in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zu lesen. Mit einer zweiten Ausbaustufe Anfang 2028 solle sich die Kapazität verdoppeln und die geplante Pyrolyse-Anlage zur größten in ganz Europa werden. Pruvia arbeite mit einem Verfahren, das seit 2020 in einer kleinen Pilotanlage in Italien getestet und seit 2022 in einer Demonstrationsanlage im Chemiepark Leuna in Sachsen-Anhalt weiterentwickelt worden sei. In Gendorf wolle Pruvia nun im industriellen Maßstab in den Dauerbetrieb gehen. Die Anlage werde viel Energie verbrauchen, wird Pruvia in der SZ zitiert, doch durch das Verwerten der Reststoffe aus der Pyrolyse lasse sich der Betrieb klimafreundlich und wirtschaftlich gestalten. Die Investitionen in das Werk würden sich auf „einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag“ belaufen, heißt es in einem Bericht des Fachdienstes Euwid. Etwa 30 Arbeitsplätze würden entstehen. Bei den Abfällen, die in der Anlage zu Einsatz kommen sollen, handle es sich um vorsortierte Fraktionen, die ansonsten in die Verbrennung oder Deponierung gehen würden, wird Martin Nitz, Mitgründer und CEO von Pruvia, in Euwid zitiert. Die zum Einsatz kommende „MLM-R“ genannte Technologie des Unternehmens zeichne sich „durch eine ausgezeichnete Energieeffizienz und niedrige Betriebskosten aus“. In dem Verfahren könne durch die Beigabe von heißem Sand als „Wärmeträgerpartikel“ im Pyrolysereaktor eine gleichmäßige Wärmeverteilung sichergestellt werden, wodurch die Umwandlung der Kunststoffabfälle in Pyrolysegas bzw. -öl deutlich schneller und damit energieeffizienter stattfinde als in anderen Reaktoren.
Quellen:
- Plastverarbeiter, Packaging Journal, Plasticker, circular-technology.com (14.2.2025)
- Süddeutsche Zeitung (16.2.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 8/2025 (18.2.2025)
Die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen hat für ihre Mitglieder einen umfassenden Leitfaden zur EU-Verpackungsverordnung (PPWR) erstellt, berichtet Euwid. Einheitliche Industriestandards für Verpackungsdaten will die „Initiative digitale Verpackungstransformation“ erarbeiten, geht aus einem Bericht des Fachmagazins Circular Technology hervor.
Ein von einem Expertenkreis der IK erstellter Leitfaden mit detaillierten Informationen soll Unternehmen insbesondere in der Kunststoffverpackungsindustrie praxisnahe Unterstützung bei der Umsetzung der neuen Vorschriften der PPWR bieten, ist in Euwid zu lesen. Der Verband wolle die umfassenden Regelungen des Gesetzes verständlich machen und praktische Tipps zur Einhaltung der Anforderungen geben. Die Hilfen würden etwa die Definition von Verpackungen, Pflichten der Produzenten oder die Anforderungen an die Verpackungsgestaltung betreffen. Der Leitfaden richte sich vor allem an Produzenten von Verpackungsmaterial, Verpackungen und Abfüller sowie an die Unternehmen in der Verpackungswertschöpfungskette, die von den neuen Vorschriften betroffen seien.
Im Rahmen einer vom Umweltdienstleister PreZero und der Packaging Cockpit GmbH gegründeten Initiative „digitale Verpackungstransformation“ haben Handelsunternehmen der Schwarz Gruppe und SPAR sowie Kreislaufwirtschaftsexperten der Altstoff Recycling Austria AG (ARA) eine Zusammenarbeit gestartet, um vor dem Hintergrund zahlreicher Neuerungen am europäischen Verpackungsmarkt durch die PPWR einheitliche Standards für Verpackungsdaten in Deutschland und Österreich zu erarbeiten und sie dann europaweit zu etablieren, ist in einem Bericht von Circular Technology zu lesen. Viele Verpackungsdaten seien derzeit nicht vollständig, einheitlich oder transparent verfügbar, doch ohne eine präzise und standardisierte Datengrundlage würden die Analyse, Verwaltung und Erfüllung der Berichtspflichten von Verpackungen deutlich erschwert, zitiert das Magazin die Vertreter der Initiative. Eine digitale Dokumentation von Verpackungsdaten würde darüber hinaus den Aufwand für Lieferanten verringern und so die Effizienz der gesamten Lieferkette erhöhen. Im Rahmen der Initiative würden Experten aus Daten- und Prozessmanagement, Supply-Chain, Nachhaltigkeit und Verpackung in verschiedenen Arbeitsgruppen ihr Fachwissen für effiziente Kreislauflösungen teilen. Ein erstes Treffen habe Ende Januar in München stattgefunden.
Quellen:
- Euwid Recycling und Entsorgung 8/2025 (18.2.2025)
- Circular Technology (19.2.2025)
07.02.2025 - 13.02.2025
Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) begrüßt laut Berichten von Tages- und Fachmedien die in mehreren deutschen Städten geplante Einführung von Steuern auf To-Go-Verpackungen aus Kunststoff. Für eine länderübergreifende Lösung auf Bundesebene gebe es derzeit keine Mehrheit.
Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, wonach die Steuer der Stadt Tübingen rechtens ist, prüfen zahlreiche Städte in Deutschland deren Einführung (s. auch Presseschau vom 24. bis 31.1. 2025). Das hätten laut eines Berichts von Euwid nun auch weitere Städte in fast allen Bundesländern bestätigt. So würden etwa in Hessen die Städte Darmstadt und Wiesbaden, in Mecklenburg-Vorpommern Rostock und Greifswald, in Sachsen Leipzig und Chemnitz, in Brandenburg Frankfurt (Oder) und Henningsdorf, in Bayern Regensburg und Bamberg, in Nordrhein-Westfalen Münster, Bonn und Köln Pläne zur Einführung einer kommunalen Steuer auf Wegwerfverpackungen beraten. Andernorts seien die Städte noch zurückhaltend, prüften das Urteil des Bundesverfassungsgerichts und die mit der Einführung der Steuer verbundenen Verwaltungs- und Personalaufwände, schreibt Euwid. Skeptisch bis sehr kritisch würden sich etwa Wiesbaden und Darmstadt, Nürnberg und München äußern. Der Berliner Senat habe sich bereits mit Hinweis auf den zu erwartenden hohen Verwaltungsaufwand für betroffene Unternehmen sowie die Steuerverwaltung gegen die Einführung einer Verpackungssteuer oder eines vergleichbaren Abgabenmodells ausgesprochen. Aus einigen Bundesländern, darunter Hessen, Bayern und NRW, komme die Forderung nach einer bundeseinheitlichen Lösung, berichtet Euwid. Bundesumweltministerin Lemke begrüße es, wenn viele Kommunen dem Beispiel Tübingens folgen, wird ein Statement der Grünen-Politikerin gegenüber der Deutschen Presse-Agentur etwa in Berichten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), des Spiegel und der Süddeutschen Zeitung (SZ) zitiert. Dass Steuern dieser Art bundesweit erhoben werden könnten, halte Lemke aber „derzeit für politisch nicht durchsetzbar“.
Quellen:
- FAZ (8.2.2025)
- Süddeutsche Zeitung, Spiegel (9.2.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 7/2025 (11.2.2025)
US-Präsident Donald Trump will laut Medienberichten die Rückkehr von Einwegstrohhalmen aus Kunststoff durchsetzen und unterzeichnete dazu eine entsprechende Exekutivanordnung, die ein Verbot seines Vorgängers Joe Biden außer Kraft setzt.
Gemäß Trumps Anordnung würden US-Ministerien und Bundesbehörden künftig keine Papiertrinkhalme mehr beschaffen und benutzen dürfen, berichtet etwa der Spiegel. Sein Team solle außerdem eine nationale Strategie erarbeiten, um die Verwendung von Papierstrohhalmen im ganzen Land zu beenden. Zur Begründung heiße es aus dem Oval Office, dass Strohhalme aus Papier nicht funktionierten und sogar gefährlich sein könnten, ist auch in Berichten des ZDF und von n-tv zu lesen. An Gefahren für Meeresbewohner durch weggeworfene und in den Meeren schwimmende Kunststoffabfälle glaube Trump nicht. Plastik könne einem Hai nicht viel anhaben, „wenn er sich durch den Ozean frisst“, wird Trump in den Berichten zitiert. Objektivere Argumente für die Rückkehr zu Plastikstrohhalmen habe das Weiße Haus in einem „Fact Sheet” angeführt, berichtet der Fachdienst Euwid. Etwa, dass laut einer Studie Papierstrohhalme gesundheitsgefährdende Chemikalien enthalten könnten, die in Plastikstrohhalmen nicht enthalten seien. Auch sei darüber hinaus in Studien nachgewiesen worden, dass Papierstrohhalme einen größeren CO2-Fußabdruck haben könnten als die Alternative aus Kunststoff. Angesichts der Trumpschen Anordnungen schlussfolgert der Fachdienst, dass die Chancen für ein von der EU angestrebtes ambitioniertes UN-Plastikabkommen, das rechtsverbindlich und maßgeblich dazu beitragen soll, die Umweltbelastung durch unsachgemäß entsorgte Kunststoffabfälle zu reduzieren, unter Beteiligung der USA weiter sinken dürften.
Quellen:
- ZDF, Spiegel, N-TV, euwid-recycling.de (11.2.2025)
Eine große Mehrheit der Teilnehmer an der Circular-Economy-Konferenz der Zeitung „Handelsblatt“ in Düsseldorf Anfang Februar sieht deutliche Fortschritte in der Kreislaufwirtschaft in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren, aber auch Gefahren für die weitere Entwicklung durch die aktuelle Wirtschaftskrise, berichtet Euwid. Christian Schiller, Gründer und CEO der Plattform für recycelte Kunststoffe, Cirplus, verdeutlichte laut eines weiteren Berichts in Euwid bei der Veranstaltung die Rolle der Digitalisierung für die Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft in der Kunststoffindustrie und für die weitere Skalierung des Kunststoffrecyclings.
Die Aufweichung der Berichtspflichten im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung auf EU-Ebene, die als Teil des EU „Kompass für Wettbewerbsfähigkeit“ bekanntgegebenen worden war (s. auch Presseschau vom 31.1. bis 6.2.2025), sei in den Diskussionen bei der Veranstaltung des Handelsblatts als ein mögliches Anzeichen für negative Folgen der Wirtschaftskrise für die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft gewertet worden, schreibt Euwid in seinem zusammenfassenden Bericht über die Circular-Economy Konferenz. Allerdings sähen Referenten wie etwa Michael Braungart, Professor an der Leuphana Universität Lüneburg und Mitentwickler des Cradle-to-Cradle-Konzepts, in der aktuellen Situation teilweise auch Chancen, die Kreislaufwirtschaft schneller voranzubringen. Lisa Reehten, Geschäftsführerin der Nachhaltigkeitsberatung Bosch Climate Solutions, und Claas Oehlmann, Geschäftsführer der BDI-Initiative Circular Economy, würden auch positive Aspekte der Berichtspflichten betonen wie etwa steigende Transparenz und Bewusstsein in Unternehmen sowie die Chance, die Kreislaufwirtschaft als strategisches Thema besser in Unternehmensstrategien und Führungsabteilungen zu verankern. Hinsichtlich der Marktregulierung habe Oehlmann erklärt, dass es eine Balance zwischen Normung, Standardisierung und Freiheit brauche, was auch in Bezug auf die Entwicklung des „untergesetzlichen Regelwerks“ für die EU-Gesetzgebung im Rahmen des Green Deal von großer Bedeutung sei.
Cirplus-CEO Christian Schiller habe bei der Konferenz in seinem Vortrag zu den Herausforderungen, Chancen und Lösungsansätzen für die Kunststoffindustrie neben der regulatorischen Unterstützung vor allem auch die verstärkte Standardisierung sowie eine systematische Digitalisierung der Lieferketten als entscheidend für die Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe hervorgehoben, berichtet Euwid in einem weiteren Beitrag. Da KI-Systeme jedoch nur auf einer guten Datengrundlage trainiert werden könnten, gelte es zunächst eine solche für Kunststoffabfälle aufzubauen. Derzeit gingen in dem Moment, wo ein Produkt zu Abfall wird, fast alle Daten verloren, wird Schiller in Euwid zitiert. Auch müssten weitere Normen und Standards geschaffen werden, wie etwa der unter Mitarbeit von Cirplus entwickelte DIN-Industriestandard 91446 zur Klassifizierung von Kunststoffrezyklaten. Ein auf Basis dieses Standards entwickelter digitaler Produktpass könne die Datenqualität des Materials über seinen gesamten Lebenszyklus gewährleisten. Auf dieser Grundlage könne ein „breitflächiger Einsatz von Künstlicher Intelligenz die Mengen und Qualitäten von zirkulären Kunststoffen absichern“, wird Schiller zitiert. Es sei noch ein weiter Weg, so Schiller, aber wenn es durch den Einsatz von KI gelänge, Preise, Mengen und Qualitäten vorherzusagen, dann könnten auch Risiken in der Lieferkette erkannt und gelöst werden.
Quellen:
- zwei Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 7/2025 (11.2.2025)
31.01.2025 - 06.02.2025
Laut Berichten von Fachmedien hat die Europäische Kommission vergangene Woche ihren „Kompass für Wettbewerbsfähigkeit“ mit Maßnahmen zu drei zentralen Aktionsbereichen vorgestellt: Innovation, Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit und Verringerung übermäßiger Abhängigkeiten. Diese sollen die EU wieder wettbewerbsfähiger machen, ohne die Klimaschutzziele aufzugeben. Verbände der Kunststoff- und Entsorgungsindustrie würden viele der vorgesehenen Maßnahmen zwar begrüßen, insbesondere solche zum Bürokratieabbau, sähen aber auch Verbesserungsbedarf.
Um im internationalen Wettbewerb wieder aufzuholen, setze die EU-Kommission unter Führung von Ursula von der Leyen (CDU) auf eine „beispiellose Anstrengung für mehr Vereinfachung“, heiße es in dem Strategiepapier, wie etwa Euwid berichtet. Darin kündige die Kommission für die kommenden zwei Jahre zahlreiche Gesetzesinitiativen an. Als eine erste Maßnahme wolle die EU-Kommission Ende Februar eine „Omnibus-Verordnung“ vorschlagen, um die Berichtspflichten von Unternehmen in den Bereichen Taxonomie, Nachhaltigkeitsberichterstattung und -sorgfaltspflichten zu vereinfachen. Die Kommission wolle „notwendige Schritte“ unternehmen, um den Verwaltungsaufwand für alle privaten Unternehmen um 25 Prozent und für KMU um 35 Prozent zu reduzieren, ist auch in einem Bericht von Packaging Europe zu lesen. Hindernisse für den Binnenmarkt sollen abgebaut, aber auch Normungsprozesse schneller und zugänglicher gemacht werden, insbesondere für KMU und Start-ups. Zudem sehe die Strategie vor, mehrere bestehende EU-Finanzinstrumente durch einen Wettbewerbsfähigkeitsfonds zu ersetzen. Europa habe alles, was es brauche, um im Wettlauf an die Spitze erfolgreich zu sein, wird von der Leyen in Packaging Europe zitiert. Nun müssten Schwächen behoben werden, um die Wettbewerbsfähigkeit wiederzuerlangen.
Die Kommission erkenne zwar das ungenutzte Wettbewerbspotenzial der Kreislaufwirtschaft sowie die Notwendigkeit, Investitionen in das Recycling zu fördern, stelle der Kunststoffherstellerverband Plastics Europe in einem Statement fest, berichtet Euwid an anderer Stelle. Die Branche vermisse aber eine gezielte Strategie und einen eigenen Aktionsplan für die Kunststoffindustrie. Virginia Janssens, die Geschäftsführerin von Plastics Europe, betone die Bedeutung eines einheitlichen Binnenmarkts für Abfälle und wiederverwertbare Materialien für die Kreislaufwirtschaftsziele der EU und habe zudem erneut darauf hingewiesen, dass neue Recyclingverfahren wie das chemische Recycling zeitnah anerkannt werden müssten. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass alle Nachhaltigkeitsanforderungen der EU für alle Produkte und Materialien auf dem EU-Markt konsequent durchgesetzt würden, auch bei Importen. Eine eigene Kautschukstrategie fordere der europäische Dachverband der Reifen- und Gummihersteller ETRMA in einer Stellungnahme zur Wettbewerbsstrategie der EU-Kommission, schreibt Euwid weiter. Der Erfolg der Strategie werde aus Sicht des Verbands von klaren Umsetzungs- und Durchsetzungsmaßnahmen, der Konsistenz der Vorschriften und einer engen inhaltlichen Einbindung der Industrie abhängen.
Die wichtige Rolle der Kreislaufwirtschaft bei der Stärkung der Rohstoffautarkie und der Dekarbonisierung der Industrie betonen laut eines weiteren Berichts von Euwid auch der BDE-Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft und der europäische Dachverband FEAD in ihren Stellungnahmen zum Competetive Compass der EU-Kommission. Die beiden Verbände forderten insbesondere mehr Unterstützung der Recyclingindustrie durch klare Rahmen- und gleiche Wettbewerbsbedingungen für Rezyklate und Neuwarekunststoffe. Der BDE warne vor unfairen Wettbewerbsbedingungen durch Importe aus Drittstaaten mit niedrigeren Umweltstandards. Auch fordere der BDE eine raschere Umsetzung von Gesetzgebungsinitiativen mit Bedeutung für die Kreislaufwirtschaft wie das neue EU-Kreislaufwirtschaftsgesetz, das nach aktuellem Zeitplan der Kommission erst 2026 vorgelegt werden solle.
Quellen:
- Newsletter Euractiv (31.1.2025)
- Packaging Europe (3.2.2025)
- mehrere Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 6/2025 (4.2.2025)
Laut einer Studie des Wiener Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI) im Auftrag der Abfallwirtschaft haben die Unternehmen der Branche im Jahr 2024 insgesamt 9,17 Milliarden Euro erwirtschaftet, berichtet Euwid. Mit Blick auf die Recyclingvorgaben aus Brüssel sehe sich das Land insgesamt auf Kurs. Nur beim Recycling von Kunststoffverpackungen gebe es noch einiges aufzuholen.
Das IWI habe in der Studie erstmals die ökonomische Wertschöpfung der Abfallwirtschaft des Landes umfassend untersucht. Auftraggeber seien der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB), der Fachverband Entsorgungs- und Ressourcenmanagement der Wirtschaftskammer Österreich, die Vereinigung Öffentlicher Abfallwirtschaftsbetriebe (VÖA) sowie der Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaftsverband gewesen. Diese hätten laut Euwid bei der Vorstellung der Studienergebnisse darauf hingewiesen, dass trotz der positiven Entwicklung – seit 2015 seien die Umsatzerlöse der Branche um 79 Prozent gestiegen – Bürokratie und aufwendige Transportvorschriften derzeit eine erhebliche „Wachstumsbremse“ darstellten und dringend abgebaut werden müssten. Der VOEB fordere in diesem Zusammenhang unter anderem, einen Schengenraum für Abfall und Rezyklate zu schaffen, um einen kontrollierten und vereinfachten Warentransport innerhalb der EU zu gewährleisten.
Die österreichische Abfall- und Verwertungsbranche umfasst der Erhebung zufolge rund 3.000 Unternehmen mit Anlagekapazitäten von über 210 Millionen Tonnen, ist dem Bericht von Euwid zu entnehmen. Den Beitrag des Wirtschaftsbereichs zum Bruttoinlandsprodukt beziffere das IWI auf 6,64 Milliarden Euro, indirekt sichere der Sektor mehr als 75.000 Arbeitsplätze. Der Studie zufolge würden in Österreich jedes Jahr rund 74 Millionen Tonnen Abfall gesammelt, sortiert und behandelt. Für Siedlungs- und Haushaltsabfälle weise die Studie eine Recyclingquote von 62 Prozent aus. Damit liege das Land europaweit an zweiter Stelle und übertreffe das für 2025 gesetzte EU-Recyclingziel von 55 Prozent. Rund 34 Prozent des Gesamtabfallaufkommens würden stofflich verwertet. Mit Blick auf die Recyclingquoten der einzelnen Fraktionen Papier, Glas und Metall sei das Land auf einem guten Weg, die angestrebten EU-Vorgaben zu erreichen, ebenso bei der Deponierungsquote für Siedlungsabfälle. Bei Kunststoffverpackungen gebe es mit einer Recyclingquote von aktuell rund 25 Prozent noch Aufholbedarf zur EU-Vorgabe von 50 Prozent bis 2025.
Quelle:
- Euwid Recycling und Entsorgung 6/2025 (4.2.2025)
24.01.2025 - 30.01.2025
Nachdem das Bundesverfassungsgericht vergangene Woche die Steuer, die die Stadt Tübingen seit 2022 auf To-Go-Einwegverpackungen erhebt, für rechtens erklärt hat, prüfen laut Medienberichten nun zahlreiche Städte und Kommunen landauf landab, ob sie ebenfalls eine Steuer nach diesem Modell einführen.
So berichten etwa Tagesschau und SWR, dass in Rheinland-Pfalz die Städte Karlsruhe, Speyer, Koblenz und Landau die Einführung der Steuer prüfen würden, nachdem das Bundesverfassungsgericht mit seiner Entscheidung Rechtssicherheit geschaffen habe. Auch Worms, Frankenthal und Montabaur hätten Interesse gezeigt. Die Landeshauptstadt Mainz habe zwar noch keine konkreten Pläne, prüfe aber den Verwaltungsaufwand. Gegen die Einführung einer Verpackungssteuer nach dem Tübinger Modell habe sich Pirmasens bereits entschieden. Eine Analyse habe ergeben, dass Aufwand und Nutzen in Pirmasens ein „Nullsummenspiel“ wären, wird ein Statement des Pressesprechers Max Mahr gegenüber dem SWR zitiert. Im Nordwesten von Deutschland seien viele Städte noch zurückhaltend, berichten der NDR und die Welt. So würden etwa das Land Bremen, die Stadt Hannover und weitere Städte in Niedersachsen erwägen, für Einweg-Verpackungen künftig eine Steuer zu verlangen. Forderungen – etwa aus Hannover – nach einer landesweiten Lösung habe das niedersächsische Umweltministerium eine Absage erteilt. Man sehe die Verantwortung bei den Kommunen, ist in der Welt zu lesen. In Baden-Württemberg würden etwa die Städte Freiburg und Heidelberg ihre Pläne für eine Verpackungssteuer vorantreiben, berichtet der Fachdienst Euwid. Auch Mannheim, Heilbronn und Stuttgart sollen das Thema prüfen. Und in Ulm fordere die Grünen-Fraktion eine Umsetzung der Steuer für ihre Stadt. In einem Schreiben an Oberbürgermeister Martin Ansbacher (SPD) dränge sie darauf, ein Modell der Steuer auf Einwegverpackungen in der Gastronomie für Ulm zu entwickeln und diese Steuer einzuführen, ist auch in einem Bericht der Zeit zu lesen.
Quellen:
- NDR (24.1.2025)
- Welt (25.1.2025)
- Tagesschau, SWR, Zeit (26.1.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 5/2025 (28.1.2025)
Im Rahmen einer Parlamentsdebatte über das zuletzt Ende 2024 in Busan (Südkorea) verhandelte UN-Plastikabkommen sprachen sich laut Euwid zahlreiche Parlamentarier für Pläne der Kommission aus, mit denen ein ambitioniertes Abkommen über den gesamten Lebenszyklus von Kunststoffen weiterverfolgt werden solle. Hierzulande fördert das Bundesumweltministerium (BMUV), wie unter anderem das Fachmagazin Plastverarbeiter berichtet, erneut Projekte zur Vermeidung von Kunststoffabfällen in den Meeren und hat dazu just den mittlerweile vierten Aufruf gestartet.
In Brüssel habe ein Großteil der Abgeordneten der Position der Kommission zum weiteren Vorgehen bei den Verhandlungen über ein weltweites Plastikabkommen, die Magnus Brunner, EU-Kommissar für Inneres und Migration vorgestellt habe, weitgehend zugestimmt und sich dabei für ein ambitioniertes Abkommen und eine Produktionsbeschränkung für Neukunststoffe ausgesprochen, berichtet Euwid. Dem Recycling komme besondere Bedeutung zu, habe es im Rahmen der Parlamentsdebatte geheißen. Die Kreislaufwirtschaft müsse weiterentwickelt und wettbewerbsfähig werden, das Recycling gefördert und Kunststoffabfälle anstelle von Erdöl zum neuen Rohstoff für die Industrie werden. Laut Brunner ginge es nun unter anderem darum, sich auf einen für alle Länder akzeptablen Finanzierungsmechanismus sowie auf das Abstimmungsverfahren in einem zukünftigen Lenkungsorgan zu einigen. Blockaden durch einzelne Länder, wie zuletzt in Busan, könne durch Mehrheitsentscheidungen entgegengewirkt werden, so Brunner.
Im Rahmen des vierten Förderaufrufs zum Schutz der Meere und Gewässer hat Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) laut Berichten von Fachmedien das Engagement Deutschlands für ein ambitioniertes globales Abkommen mit verbindlichen Regelungen unterstrichen. Meeresmüll sei eine globale Herausforderung, und eine effektive Meeresmüllvermeidung könne nur durch internationale Zusammenarbeit erreicht werden, wird Lemke in den Berichten zitiert. Der Förderaufruf des BMUV setze in diesem Zusammenhang besondere geographische und inhaltliche Schwerpunkte, indem etwa Projekte in Ländern mit ausgeprägtem Bedarf im Rahmen der Entwicklung des globalen Plastikabkommens unterstützt würden. Auch wolle das BMUV gezielt Projekte fördern, die am Anfang der Wertschöpfungskette ansetzen und dadurch nachhaltige Lösungen schaffen könnten. Die Förderrichtlinie unterstütze dabei vor allem Projekte in den Bereichen nachhaltige Produktion, zirkuläres Design und Kreislauflösungen sowie integrierte Abfallmanagementsysteme. Bis zum 22. April 2025 können Projektanträge laut den Berichten beim Projektträger ZUG Zukunft - Umwelt - Gesellschaft eingereicht werden.
Quellen:
- Plastverarbeiter (24.1.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 5/2025, euwid-recycling.de (28.1.2025)
Eine aktuelle Studie der BKV identifiziert laut Euwid bisher ungenutzte Recyclingpotenziale für Kunststoffe aus Gewerbeabfällen und zwar insbesondere für gemischte Abfallströme wie Bau- und Abbruchabfälle oder gewerbliche Mischabfälle. Der Schlüssel zu höheren Recyclingquoten für diese Abfälle: eine konsequente Getrenntsammlung der Stoffströme für Sammlung, Behandlung und Verwertung.
Laut der Studie „Potenzial des Kunststoffrecyclings aus gewerblichen Endverbraucherabfällen“ des Beratungsunternehmens Conversio im Auftrag der BKV werden von den jährlich anfallenden knapp 2,5 Millionen Tonnen Kunststoffabfällen aus der gewerblichen Wirtschaft rund 35 Prozent bzw. 861.000 Tonnen recycelt, berichtet Euwid. Rund 483.000 Tonnen der gewerblichen Kunststoffabfälle stammen der Erhebung zufolge aus gemischten Bau- und Abbruchabfällen und etwa 510.000 Tonnen aus Gewerbemischabfällen. Diese werden laut Studie trotz der Pflicht zur getrennten Sammlung nach der Gewerbeabfallverordnung vor allem aufgrund mangelnder Kontrolle bislang größtenteils in Müllverbrennungsanlagen entsorgt. Dagegen zeigt die Studie, wie Euwid weiter berichtet, deutlich bessere Ergebnisse für getrennte Sammelsysteme wie etwa bei Systemen für gewerbliche Verpackungen, die nach der Erhebung eine Recyclingquote von 85 Prozent erreichen. Um auch die Recyclingpotenziale der Kunststoffe bislang energetisch genutzter Gewerbeabfälle zu heben, schlagen die Studienautoren unter anderem vor, getrennte Sammel- und Verwertungssysteme zu fördern, schreibt Euwid weiter. Auch die erweiterte Herstellerverantwortung solle gestärkt werden. Bei Abfällen, bei denen die Qualitäten für ein werkstoffliches Recycling nicht ausreichen, könne das chemische Recycling nach Ansicht der Autoren eine Rolle spielen. Als entscheidenden Hebel, um das Kunststoffrecycling voranzutreiben, sehen sie eine Miteinbeziehung von Verbrennungsanlagen in den CO2-Zertifikatehandel der EU. Eine solche Abgabe könne das Recycling nicht nur attraktiver machen, sondern auch langfristig die Kreislaufwirtschaft stärken, berichtet Euwid aus der Studie.
Weitere Information: zum kostenlosen Download der Kurzfassung und zur Bestellung der kostenpflichtigen Gesamtstudie
Quelle:
- euwid-recycling.de (28.1.2023)
17.01.2025 - 23.01.2025
Beim Recycling von Kunststoffen gebe es noch große ungenutzte Potenziale, erklärt Christoph Lindner, Geschäftsführer der Conversio Market & Strategy GmbH, im Interview mit dem Branchendienst Kunststoff Information (KI) mit Blick auf die wichtigsten Ergebnisse der kürzlich veröffentlichten Studie „Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 2023“. Nach aktuellen Zahlen des Umweltbundesamtes (UBA) und der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR) stieg die werkstoffliche Recyclingquote für Kunststoffverpackungen aus Haushalten in Deutschland auf 68,9 Prozent und damit auf einen neuen Rekordwert, berichtet etwa die K-Zeitung. Des behördlichen Berichts zufolge habe sich allerdings die Mülltrennung durch die Bürgerinnen und Bürger verschlechtert, so dass wertvolle Rohstoffe für das Recycling verloren gingen, berichten unter anderem FAZ und Rheinische Post (RP).
Im Interview mit Kunststoff Information über das „Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland“, mit dem die Industrie alle zwei Jahre detailliert den gesamten Stoffstrom von der Produktion bis zum Wiedereinsatz von Rezyklaten und der Wiederverwendung von Nebenprodukten dokumentiert, benennt Conversio-Chef Lindner die aus seiner Sicht wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie. Dazu gehöre unter anderem, dass im Vergleich zu 2021 die auf fossilen Rohstoffen basierende Kunststoffproduktion um 17,6 Prozent zurückgegangen sei, in Deutschland 2023 rund 8,5 Prozent weniger Kunststoffe verarbeitet wurden und sich der Einsatz von Rezyklaten in der Kunststoffverarbeitung in Deutschland zwischen 2021 und 2023 um 17 Prozent erhöht habe. Das zeige, so Lindner, dass die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft wachse und auch das Recycling von Kunststoffen Fortschritte mache. Jedoch liege der Anteil der Kunststoffe, die energetisch verwertet wurden, mit 3,6 Millionen Tonnen im Jahr 2023 immer noch zu hoch. Hier blieben große Potenziale für das Recycling ungenutzt. Grundsätzlich halte Lindner es für wichtig, Kunststoffabfälle künftig stärker getrennt zu erfassen oder durch vorgeschaltete Abscheideanlagen stärker vor- und auszusortieren. Auch brauche es ein besseres „Design for Recycling“ der verschiedenen Kunststoffprodukte, um das Sortieren und Recyceln von Kunststoffabfällen zu erleichtern.
Viele Abfälle würden in den falschen Sammelbehältnissen entsorgt, beklage Gunda Rachut, Vorstand der ZSVR, ist etwa in einem Bericht der FAZ zu lesen. Um Rohstoffe zurückzugewinnen, sei die Entsorgungswirtschaft aber auf eine konsequente Mülltrennung der Privathaushalte angewiesen. Der Trend beim Recycling von Verpackungen sei dennoch insgesamt positiv, so Rachut. Das Recyclingniveau liege höher als in 2022. Insgesamt seien mehr als 5,5 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle aus privaten Haushalten gesammelt, sortiert und recycelt worden. Besonders erfreulich sei die Entwicklung bei Kunststoffverpackungen, wo der recycelte Anteil von 2018 bis 2023 von rund 42 Prozent auf knapp 69 Prozent gestiegen und damit die aktuell vorgeschriebene Quote (63 Prozent) erneut übertroffen worden sei, wird Rachut in der RP zitiert. Aus Sicht der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen zeige die Entwicklung unter anderem, dass es einen etablierten Markt für Kunststoffrezyklate aus Verpackungen gebe, berichten Fachmedien. Das sei ein echter Quantensprung für die Kreislaufwirtschaft, wird Dr. Isabell Schmidt, IK-Geschäftsführerin Kreislaufwirtschaft, in den Berichten zitiert. Der Rekord zeige, dass Deutschland auf dem besten Weg sei, die Kreislaufwirtschaft weiter voranzutreiben und Kunststoffverpackungen als wertvollen Rohstoff im Recyclingprozess zu nutzen.
Quellen:
- Kunststoff Information (20.01.2025)
- Euwid, K-Zeitung, Plasticker (21.1.2025)
- Deutschlandfunk, FAZ, Rheinische Post (22.1.2025)
Laut einem Bericht im Fachmagazin Neue Verpackung, der das Potenzial verschiedener digitaler Techniken im Kunststoffrecycling aus Sicht von Stefan Munz, Leiter Innovation & Nachhaltigkeit beim dualen Systembetreiber Eko-Punkt, thematisiert, dürfte der Bedarf an hochwertigen Post-Consumer-Rezyklaten – auch aufgrund der laut EU-Verpackungsverordnung ab 2030 vorgeschriebenen Mindestrezyklatanteile – in den nächsten Jahren deutlich steigen.
Mit dem Ziel, ein effizienteres und genaueres Sortieren der Wertstoffe im Recyclingprozess und damit höhere Ausbeuten und Qualitäten zu erreichen, seien verschiedene innovative digitale Lösungen in der Entwicklung. Aktuell werde etwa im Pilotprojekt Holy Grail 2.0 von mehr als 120 internationalen Unternehmen der Einsatz sogenannter digitaler Wasserzeichen (unsichtbare Barcodes auf Verpackungen mit spezifischen Informationen zu Inhalt, Verpackungsmaterial und Herkunft) getestet. Dabei sollen in den Sortieranlagen eingesetzte hochauflösende Kameras die Codes erfassen und die darin eingebetteten Informationen für die Materialtrennung nutzen. Die Technologie eigne sich laut Munz eher für spezielle Anwendungen und als Ergänzung zur NIR-Spektroskopie als für den breiten Einsatz. Das Prinzip der Kennzeichnung von Verpackungen mit digitalen Markern nutze auch die Blockchain-Technologie, bei der jedoch jede einzelne Verpackung mit einem individuellen eindeutigen Code versehen werde, so dass es möglich sei, diese über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg von der Herstellung über die Kassensysteme des Handels bis hin zum Recycling nachzuverfolgen, sage Munz. Blockchain-basiertes Recycling hätte laut Munz zwar das Potenzial, das Recycling zu revolutionieren, dürfte in absehbarer Zeit aber in großem Stil aufgrund der damit verbundenen Kosten und erforderlichen Rechnerkapazitäten wohl nicht kommen. Großes Potenzial sehe Munz auch im Einsatz KI-gestützter Bilderkennungsverfahren in Kombination mit hochauflösenden Kameras zusätzlich zur NIR-Spektrografie, etwa beim Nachsortieren auf Eigenschaften, die NIR-Scanner nicht erkennen. Digitale Wasserzeichen, Blockchain und KI würden die NIR-Spektroskopie zwar auf absehbare Zeit nicht ersetzen können, so die Einschätzung von Munz, hätten jedoch das Potenzial, diese zu ergänzen, und könnten die Qualität der Sortierung und des Recyclings schon in den nächsten Jahren deutlich verbessern.
Quelle:
- Neue Verpackung (20.1.2025)
Fachmedien berichten über die Forschungsinitiative „Mining the Atmosphere“ der eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsgesellschaft (EMPA), die überschüssiges CO2 aus der Atmosphäre einfangen und als wertvollen Rohstoff nutzen wolle. Laut aktuellen Berechnungen der EMPA-Forschenden biete der Ansatz das Potenzial, fünf bis zehn Milliarden Tonnen Kohlenstoff jährlich als Betonzuschlagsstoff zu nutzen. Aber auch zur Herzstellung von Polymeren könne überschüssiges Kohlendioxid verwendet werden.
Ziel des „Mining the Athmosphere“-Ansatzes sei es, ein völlig neues globales Wirtschaftsmodell und einen dazugehörigen Industriesektor zu schaffen, der CO2 als Rohstoff der Zukunft nutze. Die Berechnungen des EMPA-Teams basierten allerdings auf der Annahme, dass nach 2050 ausreichend erneuerbare Energie verfügbar sei, um CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen. Überschüssige erneuerbare Energie könne dann genutzt werden, um CO2 in Methan oder Methanol umzuwandeln, die wiederum zu Polymeren, Wasserstoff oder festem Kohlenstoff weiterverarbeitet werden könnten. Die Forschenden verglichen die Masse der weltweit verwendeten Materialien wie Beton, Asphalt und Kunststoffe mit der Menge an Kohlenstoff, die aus der Erdatmosphäre entnommen werden müsste, um die CO2-Konzentration auf das angestrebte Niveau von 1988 zu senken. Das seien schätzungsweise 400 Milliarden Tonnen Kohlenstoff, was etwa rund 1.500 Milliarden Tonnen CO2 entspreche. Laut den Berechnungen der EMPA-Forschenden könne diese Menge an global entnommenem Kohlenstoff bis Mitte des nächsten Jahrhunderts in Baumaterialien wie Beton gespeichert werden. Das Konzept könne nicht nur zur Reduktion von CO2 beitragen, sondern auch eine kohlenstoffbindende Wirtschaft ermöglichen, die ökologische und ökonomische Vorteile gegenüber anderen CO2-Minderungsmaßnahmen wie etwa der unterirdischen Speicherung aufweise. Die Umsetzung erfordere jedoch weitere Fortschritte in der Materialforschung und Prozessentwicklung. Darüber hinaus wären eine Fokussierung auf neue Geschäftsmodelle, wirtschaftliche Anreize und geeignete regulatorische Rahmenbedingungen notwendig, damit eine CO2-bindende Gesellschaft Realität werden könne, wird Pietro Lura, Leiter der EMPA-Abteilung Beton und Asphalt, in den Berichten zitiert.
Quellen:
- Recyclingmagazin, Prozesstechnik, Circular Technology (20.1.2025)
13.12.2024 - 16.01.2025
Der Fachdienst Euwid berichtet, wie sich die Parteien laut ihren Programmen im laufenden Bundestagswahlkampf zum Thema nachhaltige Ressourcennutzung positionieren. Für die Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen sieht Peter Vanacker, Chef des Chemieriesen LyondellBasell, in Deutschland im Interview mit dem Handelsblatt gute Chancen. Welche Rahmenbedingungen für die Transformation aus Sicht des Verbands der deutschen Kunststoffhersteller Plastics Europe Deutschland notwendig sind, geht aus einem Statement von Hauptgeschäftsführerin Dr. Christine Bunte im Recyclingmagazin hervor.
Laut Euwid betonten CDU und CSU in ihrem Wahlkampfprogramm die Bedeutung der Ressourceneffizienz und die Förderung innovativer Technologien. Die Union setze darauf, Stoffkreisläufe zu schließen, um ökologische und ökonomische Souveränität zu gewährleisten, etwa durch die Schaffung einer CO2-Kreislaufwirtschaft. Auch sollten rechtliche Hemmnisse abgebaut werden, um Recycling und innovative Produktdesigns zu unterstützen. Die SPD verfolge im Kontext mit der Kreislaufwirtschaft eine Politik der sozialen Gerechtigkeit. Sie setze etwa auf die Förderung von Reparaturdiensten durch staatliche Unterstützung und die Senkung der Mehrwertsteuer auf Reparaturen. Eine umfassende Strategie zur Sicherstellung der Rohstoffversorgung und zur Förderung der Kreislaufwirtschaft finde sich im Programm der Grünen, die als zentrales Ziel eine drastische Reduzierung des Verbrauchs von Primärrohstoffen vorsehe. Dazu setzten die Grünen auf den Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Energierohstoffe, die Implementierung neuer Geschäftsmodelle, die auf Wiederverwendbarkeit und Recycling abzielen, sowie die Unterstützung innovativer Recyclingtechnologien, um Materialien wie Kunststoffe wieder in den Produktionszyklus einzuführen. Nach Ansicht der FDP solle der Markt es regeln und der EU-Aktionsplan für Kreislaufwirtschaft abgeschafft werden. Die Linken sprächen sich für eine umfassende Transformation der Wirtschaft aus, um die Produktions- und Lebensweise klimaneutral zu gestalten. Sie forderten etwa höhere gesetzliche Recycling- und Rezyklat-Einsatzquoten. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) fordere eine Rückbesinnung auf marktwirtschaftliche Prinzipien der Kreislaufwirtschaft und wolle etwa auf Anreize für Reparaturen und die Wiederverwendung von Produkten setzen.
Der Chemiekonzern Lyondell-Basell, der an seinen Standorten rund um Köln den Aufbau eines Verbundes für die Wiederverwertung von Kunststoffen plane, sehe trotz der aktuellen Krise der Branche gute Chancen am Standort Deutschland, schreibt das Handelsblatt. Das gelte vor allem für die Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen und innovative Recyclingtechnologien, wird Konzernchef Peter Vanacker im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin zitiert. Auch bei der grünen Chemie sehe Vanacker gerade für Deutschland gute Chancen, weltweit führend zu werden. Denn das Ingenieurs-Know-how und das Forschungsnetzwerk, das LYB gezielt nutzen wolle, seien hierzulande „stark und in Teilen einzigartig“. In den bereits begonnenen Bau einer chemischen Recycling-Anlage in Wesseling, die Ende 2026 mit einer Kapazität von 50.000 Tonnen starten solle, investiere das Unternehmen mehr als 250 Millionen Euro. Von der Politik wünsche Vanacker sich eine angemessene und ermutigende Regulierung, mit der weitere Investitionen ermöglicht würden. Er plädiere für einen „Industrial Deal“ in der EU und damit für ein Programm zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit parallel zum „Green Deal“. Anlässlich aktueller Zahlen des statistischen Bundesamtes zur Kunststoffproduktion in Deutschland, wonach die Produktion von Primärkunststoffen im vierten Quartal 2024 um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal gesunken sei, spricht sich Dr. Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin des Kunststofferzeugerverbands Plastics Europe Deutschland, laut eines Berichts im Recyclingmagazin zur Förderung der Kreislaufwirtschaft unter einer neuen Bundesregierung für wettbewerbsfähige Energiepreise, den Abbau bürokratischer Belastungen sowie gezielte Investitionsanreize in Kreislaufwirtschaftstechnologien wie der Sammlung, Sortierung und dem Recycling von Kunststoffabfällen aus.
Quellen:
- Handelsblatt (13.1.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 3/2025, recyclingmagazin.de (14.1.2025)
Laut Medienberichten diskutierten die Umweltminister der Länder die von der EU-Kommission vorgeschlagene Altfahrzeugverordnung im EU-Umweltrat im Dezember 2024. Demnach sei vor allem der geplante Mindestrezyklatgehalt für Kunststoffteile umstritten. Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) halte den vorgesehenen Mindestrezyklatgehalt von 25 Prozent für zu hoch. Kritik an diesem Punkt der Verordnung komme auch aus der Automobilindustrie.
Am 16. Januar 2025 soll der Vorschlag der EU-Kommission für die Altautoverordnung dem EU-Umweltausschuss (ENVI) des Europäischen Parlaments präsentiert werden. Im EU-Parlament seien die Vorbereitungen für eine Positionierung laut Medienberichten aufgrund der Europawahlen weniger weit fortgeschritten als im EU-Rat. Dieser habe in Teilbereichen, wie etwa hinsichtlich der Begriffsbestimmung für Altfahrzeuge und ihre Abgrenzung gegenüber Gebrauchtfahrzeugen, bereits eine Einigung erzielt und den in einem Kompromisstext festgehaltenen aktuellen Stand beim Treffen der Umweltminister im Dezember diskutiert. Dabei hätten einige Mitgliedstaaten laut den Berichten dafür plädiert, die im Kommissionsvorschlag vorgesehene Unterquote von 25 Prozent recycelter Kunststoffe, die wiederum aus Altfahrzeugen stammen sollen, auch durch Produktionsabfälle erfüllen zu können. Dies lehne EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall jedoch ab. Die deutsche Umweltministerin Lemke unterstütze die Unterquote für 25 Prozent Recyclingkunststoff aus der Altfahrzeugverwertung im Rezyklatanteil. Sie habe sich außerdem dafür ausgesprochen, diesen „Closed-Loop-Anteil“ perspektivisch weiter zu erhöhen. Gegenüber der im Entwurf der EU-Kommission vorgesehen Vorgabe eines allgemeinen Mindestrezyklatgehalts von 25 Prozent für Fahrzeugteile aus Kunststoff habe Lemke einen Wert von 15 Prozent vorgeschlagen, der nach Auffassung Deutschlands ein angemessener Anteil bei einer Übergangsfrist von 72 Monaten sei, und habe darüber hinaus angeregt, eine Verfügbarkeitsklausel in die Verordnung aufzunehmen.
Aus Sicht des Verbands der Automobilindustrie (VDA) müsse die Zielvorgabe für den Anteil an recyceltem Kunststoff in neuen Fahrzeugteilen an das technisch Machbare angepasst sowie die Vorgaben zur verpflichtenden Entfernung von Bauteilen so ausgestaltet werden, dass sie technisch durchführbar, angemessen und verhältnismäßig seien.
Quellen:
- Handelsblatt (17.12.2024)
- Euwid Recycling und Entsorgung 1/2025 (8.1.2025)
- Euwid Recycling und Entsorgung 3/2025 (14.1.2025)
Ende vergangenen Jahres hatte der EU-Ministerrat die neue EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) angenommen. Dazu fordern nun die Hersteller von Kunststoffverpackungen laut Berichten der Fachpresse, technische Ausführungsvorschriften zügig festzulegen und für Rechtssicherheit für Investitionen sowie die Abschaffung von aus ihrer Sicht ökologisch unbegründeten Sonderregeln für Kunststoffe zu sorgen. Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft dränge ebenfalls auf klare und praktikable Rahmenbedingungen für die Umsetzung der PPWR.
Die Branche der Kunststoffverpackungshersteller befinde sich in Bezug auf die Ziele der PPWR insgesamt auf Kurs, betone die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen und verweise darauf, dass in Deutschland bereits über 80 Prozent der Kunststoffverpackungen die ab 2030 geltenden Anforderungen an die Recyclingfähigkeit gemäß der Kriterien des deutschen Mindeststandards erfüllten. Die Unsicherheit über mögliche Abweichungen zwischen dem deutschen und dem zukünftigen EU-Standard stelle jedoch eine Herausforderung für die Branche dar. Die Unternehmen benötigten schnell rechtssichere Vorgaben, um ihre Verpackungsentwicklung daran auszurichten, wird Dr. Isabell Schmidt, Geschäftsführerin der IK für Kreislaufwirtschaft, unter anderem in einem Bericht von Euwid zitiert. Darüber hinaus benötige die Industrie dringend Zulassungen von Recyclingverfahren und eine stärkere Förderung des Kunststoffrecyclings am Standort Europa. Kritisch sehe die IK unveränderte Sonderregelungen für Kunststoffverpackungen sowie nationale Ausnahmeregelungen. Zu den Forderungen des BDE gehören, wie Euwid an anderer Stelle berichtet, vor allem Planungssicherheit für Investitionen und faire Marktbedingungen für Recyclingmaterial. Für die Unternehmen der Entsorgungs- und Kreislaufwirtschaft sei es jetzt entscheidend, dass die Verordnung mit Maßnahmen flankiert werde, die Investitionen in Recyclingtechnologien und die notwendige Infrastruktur ermöglichten, wird BDE-Präsidentin Anja Siegesmund in Euwid zitiert.
Quellen:
- Euwid Recycling und Entsorgung 51/2024, newsroom.kunststoffverpackungen.de (17.12.2024)
- Euwid Recycling und Entsorgung 1/2025 (8.1.2025)