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PPWR: pro-K fordert stärkere Förderung zirkulärer Lösungen

Porträtbild Kate O’Brien, Dirk_Bansemer

Im Rahmen der Intralogistik-Messe Logimat 2026 in Stuttgart wurden beim pro-K Industrieverband zentrale Fragen zur Zukunft der europäischen Verpackungsregulierung diskutiert.


Unter dem Titel „PPWR and other EU regulations – a curse or a blessing?“ tauschten sich hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Umweltbehörden, Industrie und europäischer Interessenvertretung im Expert Forum des pro-K Industrieverband langlebige Kunststoffprodukte und Mehrwegsysteme über die Auswirkungen der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) aus. Wie der Verband mitteilt, sei man sich einig gewesen: Die PPWR eröffne durch ihren klaren Fokus auf Wiederverwendung erhebliche Chancen für die Kreislaufwirtschaft. Gleichzeitig bestehe die Gefahr, dass etablierte und nachhaltige Mehrweganwendungen – insbesondere im Bereich Lager- und Transportbehälter – in der konkreten Ausgestaltung benachteiligt werden könnten.
 
Den inhaltlichen Auftakt setzte laut pro-K Dr. Ines Oehme vom Umweltbundesamt (UBA). Sie habe betont, dass die PPWR erstmals umfassende Anforderungen entlang des gesamten Lebenszyklus von Verpackungen definiere – von Abfallvermeidung über Wiederverwendung und Recyclingfähigkeit bis hin zu Rezyklatanteilen und Kennzeichnungspflichten. Ziel sei eine konsequente Ausrichtung an der Abfallhierarchie, um Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft in Europa nachhaltig zu stärken. Gleichzeitig habe Oehme auf bestehende Herausforderungen verwiesen: Zwar habe Deutschland sein Minderungsziel für Verpackungsabfälle bis 2030 bereits erreicht, doch die Erfüllung der ambitionierteren Ziele für 2040 bliebe unsicher. Insbesondere beim Einsatz von Rezyklaten zeichneten sich Engpässe ab, da steigende Nachfrage auf begrenzte Kapazitäten treffe.
 
In der anschließenden Paneldiskussion wurde laut pro-K deutlich, dass die Zielrichtung der PPWR breite Zustimmung findet. Entscheidend sei jedoch eine praxisnahe Umsetzung, die Innovationen ermögliche und funktionierende Mehrwegsysteme stärke. So habe Kate O’Brien vom Brüsseler Verband der europäischen Hersteller von wiederverwendbaren Kunststoffbehältern, Trays und Paletten (Roundtable for Reusable Containers, Trays and Pallets, RCTP) betont, dass Mehrwegverpackungen durch ihre vielfache Nutzung – teils über 100 Umläufe – erhebliche ökologische Vorteile böten und im Laufe ihrer Lebensdauer zahlreiche Einwegalternativen ersetzten. Gleichzeitig bestünden noch regulatorische Unklarheiten, etwa bei der Definition von Wiederverwendbarkeit. Unklar sei beispielsweise die Anzahl an Umläufen für ein Produkt, um als wiederverwendbar zu gelten. Ein konkretes Beispiel dafür, wie sich die Anforderungen der PPWR praxisnah umsetzen lassen, präsentierte Dirk Bansemer, Geschäftsführer des Projektes Euro Plant Trays (EPT), das darauf abzielt, Einweg-Pflanzentrays durch ein Mehrweg-Pool-System zu ersetzen. Angesichts von rund 150 Millionen Einweg-Trays jährlich allein in Deutschland bestehe hier großes Potenzial für skalierbare Mehrweglösungen, sagte Bansemer.
 
Als Fazit des Expert Forums fasst pro-K zusammen: Die PPWR setzt wichtige Impulse für mehr Nachhaltigkeit, doch für eine erfolgreiche Umsetzung braucht es klare, praxistaugliche Regelungen sowie gezielte politische Unterstützung für zirkuläre Systeme.
 
Im Bild (v.l.n.r): Kate O’Brien (RCTP), Dirk Bansemer (EPT)
 
Quellen:

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