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Altkunststofftag mit spannendem Workshop von BKV und PED

Gruppenfoto vom Workshop der BKV und Plastics Europe Deutschland beim bvse Altkunststofftag 2026

Das vom bvse-Fachverband Kunststoffrecycling organisierte Branchentreffen stand im Zeichen tiefgreifender Marktveränderungen und drängender regulatorischer Fragen.
 

Rund 300 Experten und Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutierten die Zukunft der europäischen Kreislaufwirtschaft unter dem Eindruck der neuen EU-Verpackungsverordnung (PPWR) und nachteiliger globaler Wettbewerbsbedingungen. Zum Auftakt der Veranstaltung betonte Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des bvse-Fachverbands Kunststoffrecycling, dass der Druck auf die Branche nicht durch mangelnde Technologie oder fehlende Innovationskraft entstehe, sondern vor allem durch regulatorische Bremsen. Zu den Kernforderungen in seiner Eröffnungsrede zählten etwa „Qualität vor Quantität“ bei Kunststoffrezyklaten, „Design for Recycling“ als flächendeckender Standard und „Stärkung des Rezyklatmarktes durch die öffentliche Hand“, wo es trotz bestehender rechtlicher Grundlagen massiv am Vollzug mangele. In eine ähnliche Richtung argumentierte bvse-Vizepräsident Dr.-Ing. Herbert Snell. Er bezeichnete Rezyklate als „strategische Rohstoffe für Europas Industrie“, die einen entscheidenden Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten könnten. Sie sollten daher von der Politik bei den Plänen zur strategischen Autonomie Europas entsprechend berücksichtigt werden.
 
Eine wissenschaftliche Einordnung lieferte Prof. Dr. Henning Wilts (Wuppertal Institut). In seinem Impulsvortrag „Raus aus dem Krisenmodus“ warnte er davor, dass der europäische Kunststoffrezyklatmarkt ohne entschlossenes politisches Gegensteuern zunehmend nach China abzuwandern drohe. Neben kurzfristigen Marktstützungen benötige die Wirtschaft vor allem langfristige Planungssicherheit für zirkuläre Investitionen.
 
Workshop von BKV und Plastics Europe Deutschland
 
Der gemeinsame, zweiteilige Workshop der BKV GmbH und von Plastics Europe Deutschland (PED) „Stärkung der Kreislaufwirtschaft in Europa durch „Level Playing Field“ & qualifizierten Rezyklateinsatz“ schlug die Brücke von geopolitischen Herausforderungen zur industriellen Praxis: Im von PED gestalteten ersten Teil „Welche Maßnahmen stärken die Kreislaufwirtschaft in Europa?“ verwies PED-Wirtschaftsexperte Maximilian Nichterlein in seinem Impulsvortrag „Veränderung von Kunststoff-Handelsströmen als Folge geopolitischer Veränderungen“ auf die aktuelle Lage: Während die deutsche Industrieproduktion sich seit sieben Jahren im Sinkflug befinde und die europäische Kunststoffproduktion bei gleichbleibendem Verbrauch einbreche, holten andere Weltregionen beim Rezyklatanteil rasant auf. Importzuwächse durch Subventionen, Dumping und ungleiche Zölle setzten den Rezyklatmarkt zusätzlich unter Druck. Daher brauche Europa ein wirksames Level Playing Field für Neuware und Rezyklate gleichermaßen.
 
Ein zentrales Ergebnis des im Anschluss von PED-Hauptgeschäftsführerin Dr. Christine Bunte moderierten Panels mit Dr. Silke Karcher vom Bundesumweltministerium (BMUKN), Ralph Schleimer vom Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz, Dr. Herbert Snell (bvse), Dr. Jens Hamprecht (BASF) und Amelie Wolfgart (Bischoff+Klein) lautete: „Made in Europe“-Ansätze für Kunststoffrezyklate können kurzfristig Luft verschaffen, wenn sie wirksam umgesetzt werden und nicht zu zusätzlicher Bürokratie führen. Obwohl lokal produzierte Rezyklate durch Transparenz und Lieferzuverlässigkeit punkten, seien sie oft nicht wettbewerbsfähig. Gefordert wurden daher verlässliche Einsatzquoten, eine wirksame Ökomodulierung der EPR-Gebühren, steuerliche Entlastungen und schnellere Genehmigungsverfahren.
 
Im zweiten Teil des Workshops mit dem Titel „Quoten versus Qualität“, moderiert von BKV-Geschäftsführer Dr. Ingo Sartorius, stand das Spannungsfeld zwischen der Erfüllung regulatorischer Quotenvorgaben und den realen Qualitätsanforderungen der Anwender im Fokus. Aktuelle Studien der BKV zeigen auf, dass zur Erfüllung von gesetzlichen und marktwirtschaftlichen Anforderungen ab 2030 in Deutschland und auch europaweit voraussichtlich nicht genug Rezyklate zur Verfügung stehen werden. Für Europa (EU-27+3) wird demzufolge eine Lücke von 3,5 Millionen Tonnen Post-Consumer basierten Rezyklate (PCR) prognostiziert. Die gesetzlichen Anforderungen für Kunststoffrezyklate sind auf unterschiedliche Sektoren, Produktbereiche und sogar Polymertypen bezogen. Doch während die gesetzlichen PCR-Quoten mengenbezogen sind, finden die für den Produkteinsatz notwendigen Qualitätsanforderungen der Rezyklate keine Berücksichtigung. Vor diesem Hintergrund wurde in der Session die Bedeutung der Qualität für die Mengenanforderungen im Umfeld der Entsorgungspraxis von der Erfassung und Sortierung über die Behandlung und das Recycling bis hin zur Rezyklatherstellung und zum Produkteinsatz beleuchtet.

Dr. Ingo Sartorius, BKV
Elisa Brade, UBA
Lukas Scheeben, Pöppelmann GmbH & Co. KG
Podiusmdiskussion

Elisa Brade vom Umweltbundesamt (UBA) setzte zunächst einen Impuls zur „Praxis der Sortierung und Verwertung für Kunststoffverpackungen“. Dabei stellte sie die Ergebnisse einer Untersuchung und Befragung zur hochwertigen Verwertung in der Recyclinginfrastruktur vor. Lukas Scheeben vom Kunststoffverarbeiter Pöppelmann beleuchtete das Thema „Rezyklateinsatz bei qualitativ hochwertigen Anforderungen“. Er stellte die Produktbeispiele und Erfolgsfaktoren seines Unternehmens vor, durch die ein PCR-Einsatz auch in anspruchsvollen Anwendungen wie im Bereich Automobil oder Medizin ermöglicht wird.
 
An der sich anschließenden Podiumsdiskussion nahmen Dr. Frank Buckel (Covestro Deutschland AG), Dr. Peter Dziezok (Proctor & Gamble), Alexander-Christian Root (Prezero Dual), Dr. Isabell Schmidt (IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen) und Dr. Dirk Textor (Graf Polymers) teil. Die Diskussion zeigte auf, welche technischen und qualitativen Hebel in der Sortierung und Aufbereitung umgesetzt werden müssen, damit die hohen, anspruchsvollen Anforderungen des Rezyklateinsatzes erfüllbar sind. Ganz zentral ist dabei, dass es einen Business Case geben muss. Dazu können Marktanreize den Einsatz von Rezyklaten mit entsprechender Qualität unterstützen. Diskutierte Themen waren etwa das Erfordernis zur Einhaltung der Produktsicherheit, so insbesondere bei Rezyklaten im Kontakt mit Lebensmitteln, ein auf die nachgelagerte komplexe Recyclinginfrastruktur optimiertes Produktdesign und Innovationspotentiale durch Behandlungs- und Recyclingtechnologien. Schließlich trägt die Zusammenarbeit in der Value Chain mit den Partnern der Kunststoff- und Anwender-Wertschöpfungskette ganz wesentlich zur erfolgreichen Kreislaufführung mit Kunststoff bei.
 
Quellen:

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