Wöchentliche Presseschau

Einleitung

Was schreibt die Presse rund um das Thema Kunststoff und Verwertung? Wir fassen die Berichte wöchentlich zusammen.

15.10. - 21.10.2021

Messe unter Masken

Lange war unklar, ob sie stattfinden wird: die 27. Auflage der Fakuma. Vom 12. bis zum 16. Oktober fand sie nun in Friedrichshafen statt mit 1.270 Ausstellern aus 39 Ländern, wie die Fachpresse berichtet. Gegenüber der letzten Fakuma im Jahre 2018 waren das rund ein Viertel weniger, weist Kunststoff Information darauf hin.

 

„Wir sind wieder zurück“, habe es allenthalben in den Messehallen am Bodensee geheißen. Laut Veranstalter seien 29.543 (2018: 47.650) Fachbesucher aus aller Welt gekommen, insbesondere aus der DACH-Region sowie aus den europäischen Nachbarländern wie Frankreich und Italien. Das seien weniger als in den Jahren zuvor, aber deutlich mehr als erwartet gewesen, zitiert Plasticker den privaten Messeveranstalter P. E. Schall. Alles habe sich um die Megatrends Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft gedreht. Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Recycling seien vielfach Schwerpunktthemen der Aussteller gewesen. In Fachreferaten zur Messeeröffnung haben Prof. Martin Bastian vom SKZ in Würzburg und Dr. Thomas Probst vom bvse unter anderem den Bedarf zur Aufklärung der Öffentlichkeit über den Werkstoff und seinen Nutzen deutlich gemacht. In der breiten Wahrnehmung werden Kunststoffe nicht verstanden, wird Probst im Recyclingportal zitiert. Ob die Messe als Top oder Flop gelten werde, zeige sich erst in einigen Wochen, wenn sich Aufträge und Bestellungen manifestierten oder eben nicht, schreibt KI und zieht das Fazit: „Messen in Präsenz haben als Plattformen für den B2B-Austausch ganz offensichtlich keinesfalls ausgedient“. Die 28. Fakuma soll vom 17. bis zum 21. Oktober 2023 stattfinden.

 

Quellen:

  • KI (15.10.2021)
  • plasticker.de, recyclingportal.eu (19.10.2021)
Alle littern

Unter dem Titel „Die Vermüllung der Welt“, befasst sich ein Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) mit dem Entsorgen von Abfällen jenseits von Tonnen und Abfalleimern, also dem Littern. Das habe es auch schon vor Corona gegeben, habe sich aber in Zeiten der Pandemie zur enormen Herausforderung für Städte wie Frankfurt entwickelt.

 

Die Berliner Humboldt-Universität habe bereits in der Vergangenheit nach Gründen und Motiven geforscht, warum Menschen ihren Abfall einfach in die Umwelt werfen. Ernüchterndes Ergebnis sei: alle littern, am meisten aber die 20- bis 30-Jährigen, weil die besonders häufig nachts in Parks und auf Plätzen feiern. Bei den Erwachsenen täten es Eltern weniger als kinderlose Menschen. Bildungsniveau und Geschlecht spielten allerdings keine Rolle. Für den Frankfurter Soziologen Tilman Allert sei das Littern für junge Leute, die stark an der Gegenwart orientiert seien und wenig über Zukunft nachdächten, ein Ausdruck ihres Lebensgefühls. Auch gebe es in modernen Gesellschaften eine „Verberuflichung von Zuständigkeiten“, so dass Menschen davon ausgingen, dass das „Zeug am nächsten Tag weggeräumt“ sei. Wie die FAS beschreibt, hätten auch zusätzlich aufgestellte Abfallbehälter und Aufklärungskampagnen („Es ist dein Wohnzimmer“) in Frankfurt nur kurzfristigen Erfolg gezeigt. Auch seien Bußgelder erhöht worden, doch reiche alles offenbar noch nicht. Ein umfassendes Konzept für die nächsten zwei bis drei Jahre gegen die weitere Vermüllung der Stadt werde benötigt, um zu verdeutlichen, wie sich die Stadt und der Großteil ihrer Bewohner den Zustand ihrer Parks und Plätze vorstellten.

 

Quelle: FAS (17.10.2021)

Wege zu mehr Rezyklateinsatz

Vor ein paar Wochen berichtete der Spiegel, jetzt die Süddeutsche Zeitung: Ein ausführlicher Beitrag beschreibt Idee und Umsetzung des digitalen Marktplatzes „Cirplus“, der in Zukunft mal eine Art „Amazon für recycelte Kunststoffe“ sein will. Für mehr Anreize für den Rezyklateinsatz hat sich auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) ausgesprochen, wie in Euwid nachzulesen ist.

 

Dem Sachverständigenrat gehe die ökologische Transformation zu langsam, die kommende Regierung müsse dazu dringend Weichen stellen, berichtet Euwid aus einem Impulspapier des Rates von Anfang Oktober. Umweltpolitische Impulse wolle der SRU für die laufenden Koalitionsgespräche geben und wiederhole bekannte Forderungen hinsichtlich Kreislaufwirtschaft wie auch Biodiversität, Mobilität und Energiegewinnung. Laut Rat sei Deutschland noch weit von echter Kreislaufwirtschaft entfernt. Unter anderem schlage der SRU erneut vor, zur Verbesserung der Recyclingfähigkeit die Lizenzentgelte der dualen Systeme entsprechend darauf auszurichten und Anreize zum Rezyklateinsatz zu verbessern, etwa über eine Besteuerung von Primärrohstoffen. Bei Kunststoffen sollte die Bundesregierung die Selbstverpflichtungen der Wirtschaftsunternehmen zu Kunststoffreduktion und Rezyklateinsatz mit weiteren runden Tischen begleiten, berichtet Euwid weiter aus dem Impulspapier.

Eine globale Internetbörse für recycelte Kunststoffe haben die Macher von Cirplus im Sinn, wie die Süddeutsche Zeitung in ihrer digitalen Ausgabe berichtet (s. dazu auch Presseschau vom 20. - 26. August 2021 zum Bericht im Spiegel). 2019 gegründet mit einem Startkapital von 80.000 Pfund, zu dem später weiteres Risikokapital aus Schweden und Deutschland dazugekommen sei, nutzten die Plattform inzwischen über 1.000 User, Tendenz steigend. Noch sei die Nutzung kostenfrei, das Unternehmen mit zehn Mitarbeitern lebe derzeit von Investoren- und Fördergeldern. Ziel sei es, Entsorger und Recyclingfirmen, die aus Kunststoffabfällen Rezyklate herstellen, miteinander zu vernetzen und die Rezyklate an Kunststoffverarbeiter zu vermitteln. Problem sei dabei die vielfältige Zusammensetzung der Abfälle, was es extrem schwierig mache, für hochwertige Anwendungen eine gleichbleibende Qualität und Sortenreinheit zu liefern. Zudem sei der Markt hochgradig fragmentiert und intransparent, die gesetzlichen Rahmenbedingungen seien teilweise völlig unterschiedlich. 27 verschiedene gesetzliche Vorgaben gebe es allein in den EU-Ländern, was nur über einen digitalisierten Beschaffungsprozess in den Griff zu bekommen sei, sieht Cirplus-Gründer Christian Schiller als einen wesentlichen Vorteil von Cirplus. Die Plattform habe es bereits geschafft, die Kosten für einen Rezyklateinsatz um ein Viertel zu reduzieren. Auch engagiere sich Cirplus gemeinsam mit Branchengrößen wie dem Dualen System Deutschland (DSD), Remondis oder Krauss Maffei sowie dem Deutschen Institut für Normung für eine neue DIN-Vorgabe für Kunststoffabfälle. Ziehen alle Marktteilnehmer mit, sei das für den Rezyklateinsatz der „Durchbruch“, der zudem die digitalisierte Handelsabwicklung enorm beschleunigen werde, sei sich Schiller sicher.

 

Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 42/2021 (19.10.2021)
  • sz.de (20.10.2021)

08.10. - 14.10.2021

„Mülltrennung wirkt“ kommt an

Die von den dualen Systemen im Jahr 2020 initiierte Aufklärungskampagne „Mülltrennung wirkt“ zieht nach einem Jahr eine positive Bilanz, wie die Fachpresse berichtet. Offenbar komme die Botschaft bei Verbraucherinnen und Verbrauchern an. Nach Angaben der Initiative soll der Restmüllanteil in den gelben Tonnen und Säcken in vier Testregionen seit Herbst 2020 um zehn Prozent zurückgegangen sein.

Zur Kampagne haben die dualen Systeme für den Zeitraum März 2020 bis März 2021 einen umfassenden Bericht (zum Download) vorgelegt. Demnach hätten sie mit ihrer integrierten Verbraucherkampagne, einem Mediamix aus TV- und Radiospots, Pressearbeit, Website sowie auf Onlinekanälen, in diesem Zeitraum insgesamt mehr als 2,5 Milliarden Kontakte erreicht. Offenbar mit messbarem Erfolg: Stichproben in vier Testregionen, die nach eigener Aussage keinen Anspruch auf Repräsentativität erheben, hätten einen signifikanten Rückgang von Fehlwürfen ergeben. Laut der von unabhängigen Sachverständigen durchgeführten Messungen sei deren Anteil gegenüber der Nullmessung im Herbst 2020 um über zehn Prozent zurückgegangen. „Statt des erhobenen Zeigefingers setzen wir auf Aufklärung und Information“, wird Axel Subklew, Sprecher der Initiative, zitiert.

 

Quellen:

  • recyclingportal.eu (7.10.2021)
  • neue-verpackung.de (8.10.2021)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 41/2021 (13.10.2021)
Wertstofftonne: neuer Anlauf?

Laut Euwid bringt der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) die bundesweite Wertstofftonne wieder ins Gespräch. Der Verband erwarte nach dem Ergebnis der Bundestagswahl, dass die Grünen in der neuen Bundesregierung vertreten seien und voraussichtlich das Bundesumweltministerium führen werden. Die Grünen hätten sich in der Vergangenheit immer für eine Wertstofftonne in kommunaler Verantwortung ausgesprochen. Reclay-Geschäftsführer Fritz Flanderka habe sich in Kassel bereits kritisch dazu geäußert.

Holger Thärichen, Geschäftsführer der VKU-Sparte Abfallwirtschaft und Stadtsauberkeit, habe beim Kasseler Abfall- und Ressourcenforum das Thema wieder aufgebracht. Euwid erinnert an die zerstrittene Situation um Organisations- und Finanzverantwortung, an der auch der letzte Anlauf zur Einführung einer bundesweiten Wertstofftonne gescheitert sei. In Erwartung, dass das Bundesumweltministerium der neuen Bundesregierung in grüne Verantwortung komme, könnte das Thema erneut diskutiert werden, zumal die Grünen einen neuen Anlauf in ihrem Wahlprogramm gefordert hätten. Thärichen sehe in einer Wertstofftonne in kommunaler Verantwortung auch eine viel bessere Basis für das Qualitätsmanagement. Reclay-Geschäftsführer Fritz Flanderka habe sich dazu in Kassel kritisch geäußert. Neben der Frage der Trägerschaft sei schon bei der letzten Diskussion die Frage der Finanzierung über Produktverantwortung schwierig gewesen. Auch habe Flanderka auf die Koordinations- und Bündelungsfunktion der dualen Systeme hingewiesen, die industrielle Maßstäbe ermöglichten. Die würden zur Schließung von Kreisläufen benötigt. Eine Regionalisierung berge dagegen die Gefahr, diesen Grundgedanken zu konterkarieren.

 

Quelle:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 41/2021 (13.10.2021)
Verpackungsgesetz muss weiterentwickelt werden

Das Recyclingmagazin fasst die Diskussionen im öffentlichen Teil der bvse-Jahrestagung in Marienfeld zusammen: Ein Thema sei die erforderliche Weiterentwicklung des Verpackungsgesetzes gewesen, weil noch zu viele nicht oder nur schwer zu recycelnde Verpackungen im Einsatz seien.

 

Wie Gunda Rachut, Vorständin der Zentralen Stelle Verpackungsregister, berichtet habe, entstünden neue Probleme durch den Druck im Markt, Kunststoffverpackungen zu substituieren. Sie beobachte dabei zwei Trends: zum einen zu faserbasierten Verbunden und um zum anderen zu faserbasierten Verpackungen für flüssige und pastöse Füllgüter. In beiden Fällen liege der Kunststoffanteil unter fünf Prozent. Beide Varianten seien schlechter zu recyceln als Kunststoffverpackungen und gingen nicht in die gewollte Richtung einer gesteigerten Recyclingfähigkeit. Dazu seien allerdings Anstrengungen in der gesamten Wertschöpfungskette erforderlich, ebenso wie für einen gesteigerten Einsatz der aus dem Recycling resultierenden Rezyklate. Einen regulatorischen Ansatz dazu biete laut Reclay-Chef Fritz Flanderka der Paragraf 21 des Verpackungsgesetzes, allerdings nur, wenn dazu einige „Schlüsselfragen“ geklärt würden. Etwa die, ob mit einer Neuregelung nur Kunststoffe und Verbunde oder aber alle Materialien adressiert werden sollten, wie etwaige Zuschläge für nicht oder schlecht verwertbare Verpackungen erhoben und wozu sie verwendet werden sollten. Er halte gesetzlich definierte Zuschläge zu den Beteiligungsentgelten der dualen Systeme sowohl für sinnvoll als auch für umsetzbar.

 

Quelle:

  • recyclingmagazin.de (13.10.20)
Gesetzliche Initiativen in Nachbarländern

Dass in Frankreich ab nächstem Jahr Gemüse- und Obst weitgehend nur noch ohne Kunststoffverpackungen verkauft werden darf, hat in dieser Woche vor allem die Tagespresse interessiert. Ebenso die Einigung in Österreich, ein Pfandsystem für Einweggetränkeverpackungen einzuführen.

 

Geschätzt würden in Frankreich derzeit 37 Prozent des Obst- und Gemüseangebots in Kunststoff verpackt verkauft. Ab nächstem Jahr sollen Kartoffeln, Karotten und Co. sowie Äpfel, Birnen oder Orangen nicht mehr verpackt angeboten werden. Insgesamt seien davon zunächst rund 30 Gemüse- und Obstsorten betroffen, ab 2026 dann das komplette Gemüse- und Obstangebot. Die französische Regierung wolle mit dem Verbot das Müllaufkommen reduzieren.

Ebenso von medialem Interesse war die geplante Einführung eines „Dosenpfands“ in Österreich. Wie die FAZ berichtet, soll es dort spätestens ab 2025 im gesamten Lebensmittelhandel inklusive Discountern ein „Wiederverwertungssystem“ für PET-Flaschen und Dosen geben. Verbraucherinnen und Verbraucher sollen dann überall im Handel leere Getränkeverpackungen zurückgeben können, unabhängig davon, wo sie gekauft wurden. Auch Automaten soll es für die dann bepfandeten Verpackungen geben. Der Handel in Österreich sehe in der Initiative eine „Gesamtlösung mit Weitblick“, die den Erfordernissen des Umwelt- und Klimaschutzes entspreche, Planungssicherheit biete und die Gefahr von EU-Strafzahlungen abwende, weil etwa auf EU-Ebene vereinbarte Sammel- und Recyclingziele verfehlt würden.

 

Quellen:

  • FAZ (9.10.2021)
  • Zeit Online (11.10.2021)
  • Süddeutsche Zeitung, FAZ (12.10.2021)

01.10. - 07.10.2021

Personelle Veränderungen in der Branche

Die Fachpresse berichtet über Wechsel und Bestätigung von Leitungsfunktionen in der Kunststoff- und Recyclingbranche. So hat der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung einen neuen Präsidenten bekommen, während die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen ihren Präsidenten im Amt bestätigt hat. Und die BKV, wie letzte Woche in eigener Sache gemeldet, bekommt einen neuen Geschäftsführer.

 

Im Rahmen der bvse-Jahrestagung in Marienfeld (Ostwestfalen-Lippe) wählte die bvse-Mitgliederversammlung laut den Berichten mit überwältigender Mehrheit einen neuen Präsidenten des 980 Mitglieder starken Verbands der mittelständischen Recycling- und Entsorgungsindustrie: Henry Foster übernahm am 1. Oktober symbolisch das Staffelholz aus den Händen von Bernhard Reiling, der nach neunjähriger Amtszeit nicht mehr kandidierte und schließlich zum Ehrenpräsidenten gewählt worden ist. Foster sei seit 27 Jahren in führenden Positionen als technischer Betriebsleiter, Niederlassungsleiter und Geschäftsführer tätig und engagiere sich im Verband seit Jahren im Vorstand des Fachverbandes Papierrecycling, wird berichtet. Wie der neue Präsident betonte, sehe er in der bevorstehenden Zeitenwende eine besondere Herausforderung. Eine erfolgreiche Volkswirtschaft könne nur als nachhaltige Kreislaufwirtschaft Zukunft haben, betonte der 55-Jährige.

 

Auch bei der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen standen Neuwahlen an. Dabei hätten laut Presseberichten die Mitglieder den amtierenden Präsidenten, Roland Strassburger (Schütz), im Amt bestätigt. Ebenso bleibe der aktuelle Vize-Präsident, Christian Claes (Profectus Films), für weitere drei Jahre im Amt. Neu gewählt werden musste der zweite Vize-Präsident: Auf Udo Collet (EBK Kunststoffe), der nach jahrzehntelangem Engagement den Vorstand verlassen habe, folge nun Ludger Braukmann (Georg Menshen).

 

Sowohl Roland Strassburger als auch Ludger Braukmann sind Mitglieder des BKV-Beirates. Bei der BKV gibt es ebenfalls eine wesentliche Veränderung, wie in der Presse auf die Pressemeldung der BKV hin ebenfalls berichtet wurde. Demnach übernimmt Dr. Ingo Sartorius (PlasticsEurope Deutschland) zum 1. Dezember diesen Jahres die Geschäftsführung. Der bisherige Geschäftsführer, Rainer Mantel, habe das Kompetenzcenter der Kunststoffindustrie zum 30. September nach achtjähriger Amtszeit verlassen. Bis zum Amtsantritt von Sartorius werde der Vizepräsident des BKV-Beirats, Bernhard Borgardt (Ostedruck), die Geschäfte kommissarisch führen und lasse solange sein Amt im Beirat ruhen.

 

Quellen:

  • plasticker.de (30.9.2021, 1.10.2021)
  • recyclingmagazin.de (1.10.2021)
  • plastverarbeiter.de, umweltwirtschaft.com, KI (4.10.2021)
  • k-zeitung.de, Euwid Recycling und Entsorgung 40/2021, plasticker.de (5.10.2021)
Recycling sichert Rohstoffe für Klimaneutralität

Mehrfach berichtet wird in der Fachpresse über eine neue Studie, nach deren Ergebnissen das Recycling von Rohstoffen systematisch Treibhausgasemissionen  reduziere. Durch Kreislaufführung von 4,8 Millionen Tonnen Wertstoffen habe allein die Alba Group, Auftraggeberin der Studie, im Jahr 2020 rund 3,5 Millionen Tonnen Treibhausgase eingespart. Durchgeführt wurde die Studie vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT, das den konkreten Nutzen der Kreislaufführung von Kunststoffen, Metallen, Elektroschrott, Holz, PPK und Glas bei der Alba Group nunmehr seit 14 Jahren untersuche.

 

Die Einsparung von 3,5 Millionen Tonnen klimaschädlicher Treibhausgase im Jahr 2020 entspreche in etwa den Emissionen von fünf Millionen Hin- und Rückflügen zwischen Frankfurt am Main und Mallorca. Gleichzeitig sichere das Recycling Rohstoffe für die Industrie: 28 Millionen Tonnen Ressourcen wie Rohöl oder Eisenerz habe das Recycling im Jahr 2020 im Vergleich zur Primärproduktion eingespart. Nach Aussage von Dr. Axel Schweitzer, Vorstandsvorsitzender der Alba Group, spare die Nutzung hochwertiger im Vergleich zu Primärkunststoffen mehr als 50 Prozent Treibhausgasemissionen ein. In Richtung neuer Bundesregierung fordere Schweitzer, dieses Potenzial konsequent zu nutzen und den Übergang zu einer kreislauf-basierten Wirtschaftsweise mit Nachdruck voranzutreiben. Das Ziel, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 europaweit um mindestens 55 Prozent zu verringern, sei nur mit einem konsequenten Einsatz von Recyclingrohstoffen zu erreichen, so Schweitzer. Die größten Einspareffekte ließen sich auch aus Sicht von Fraunhofer UMSICHT dann erzielen, wenn die gesamte Wertschöpfungskette konsequent nach dem Kreislaufprinzip ausgerichtet werde. Seit 14 Jahren untersuche das Institut den konkreten Nutzen der Kreislaufführung bei der Alba Group, indem die Primär- und Recyclingprozesse für die unterschiedlichen Stoffströme detailliert gegenübergestellt würden. Für eine echte ‚Circular Economy‘ sollten Produkte von Anfang an so konzipiert und behandelt werden, dass sie Recyclingrohstoffe enthielten und sich am Ende sinnvoll stofflich verwerten ließen, betone Dr.-Ing. Markus Hiebel, Leiter der Abteilung Nachhaltigkeit und Partizipation bei Fraunhofer Umsicht.

 

Quellen:

  • euwid-recycling.de, lebensmittelzeitung.net, recyclingmagazin.de (24.9.2021)
  • recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu, neue-verpackung.de (6.10.2021)
  • plastverarbeiter.de (7.10.2021)
Ohne CO2-Speicherung keine Klimaneutralität

Ein Bündnis aus Industrie und Klimaschützern fordere laut Handelsblatt von der nächsten Bundesregierung, der Abscheidung und unterirdischen Speicherung von CO2 den Weg zu ebnen. Beides seien „zentrale Säulen auf dem Weg der Industrie zur Klimaneutralität“.

 

Neben den Industrieverbänden wie etwa dem Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), der Wirtschaftsvereinigung Stahl und dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) unterstützen auch die Stiftung 2 Grad sowie Bellona diese Forderung. Zu der sich zum Klimaschutz bekennenden Stiftung zählen Unternehmen wie Allianz, Deutsche Bahn, der Kupferhersteller Aurubis, Deutsche Wohnen, der Energiekonzern EnBW und Heidelberger Cement. Bellona wiederum sei eine internationale Umweltschutzorganisation mit Sitz in Oslo und befasse sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Carbon Capture and Storage (CCS), einer Technologie, die in Norwegen bereits seit den 90er Jahren zur Anwendung komme. Auch der WWF habe sich laut Handelsblatt kürzlich für CCS offen gezeigt, auch wenn für den WWF die Vermeidung von Emissionen an erster Stelle stehe. Doch solle man, wenn Vermeidung nicht möglich sei, prüfen, ob die entstehenden Kohlenstoffprodukte im Sinne der Kreislaufwirtschaft nicht an anderer Stelle zu nutzen seien, oder aber eine Abscheidung und Speicherung der Kohlenstoffprodukte erwägen, zitiert das Handelsblatt den WWF, der sich Frühjahr so geäußert habe. Nun habe man in einer gemeinsamen Erklärung von Industrie und Klimaschützern die Bundesregierung aufgefordert, „eine deutsche CO2-Strategie und einen regulatorischen Rahmen für CO2-Abscheidung, -Transport und -Speicherung zu erarbeiten“.

 

Quelle:

  • handelsblatt.com (7.10.2021)

24.09. - 30.09.2021

Aldi Süd und Aldi Nord wechseln zu Interseroh+

Ein folgenschwerer Schritt für zwei duale Systeme: Wie mehrere Fachmedien berichten, wollen die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd ab nächstes Jahr ihre Eigenmarkenverpackungen bei dem neuen dualen System Interseroh+ lizenzieren. Damit verliere das duale System von Remondis, Eko-Punkt, bereits nach einem Jahr seine beiden größten Kunden, die zusammen nach Angaben von Euwid etwa 12,5 Prozent der Lizenzmenge ausmachen.

 

Interseroh+ und die Aldi-Schwesterunternehmen seien eine „strategische Partnerschaft“ eingegangen, heiße es aus den Unternehmen. Eine „Recycling-Allianz“ nenne das Interseroh+, das im Frühjahr dieses Jahres aus der Interseroh Dienstleistungs GmbH ausgegründet wurde, um in solchen Allianzen mit interessierten Unternehmen diese umfassend bei der Umsetzung einer nachhaltigen Verpackungsstrategie zu begleiten. Dabei reiche das Angebot von der Optimierung der Recyclingfähigkeit von Verpackungen bis zur Entwicklung neuer Rezepturen für Kunststoffabwendungen aus Rezyklaten aus Post-Consumer Abfällen. Die Ausgründung sehe laut Euwid aber auch die Möglichkeit vor, dass sich Inverkehrbringer von Verpackungen an dem Unternehmen beteiligen können. Ob die Aldi-Unternehmen, die diese Option bereits bei Eko-Punkt hatten, dies beabsichtigen, sei laut Euwid nicht klar. Für Aldi Nord sei der Wechsel zu Interseroh+ ein strategisch wichtiger Schritt für mehr Unabhängigkeit und neue Geschäftsfelder durch den Zugriff auf Sekundärrohstoffe. Laut Aldi Süd wolle man damit der Produktverantwortung nachkommen und in Zukunft eine echte Kreislaufwirtschaft gewährleisten. Interseroh+ biete nach eigenen Angaben sein Angebot solcher Allianzen auch weiteren Partnern aus Industrie und Handel an.

 

Quellen:

  • euwid-recycling.de, lebensmittelzeitung.net, recyclingmagazin.de (24.9.2021)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 39/2021, neue-verpackung.de (28.9.2021)
Plastikabgabe ohne Lenkungswirkung

Die Welt am Sonntag berichtet über die Antwort der Europäischen Kommission auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Moritz Körner, laut der kein einziger Mitgliedsstaat eine nationale Plastiksteuer eingeführt habe. Körner spreche von einer „Mogelpackung“, da die Plastikabgabe Brüssels neben zusätzlicher Einnahmen eigentlich auch für weniger Kunststoffabfall sorgen solle.

 

Seit Jahresbeginn müssen EU-Mitgliedstaaten in ihren Land Abgaben für jedes Kilogramm nicht recycelter Kunststoffverpackungen basierend auf einer komplexen Berechnungsmethode an Brüssel entrichten. Dabei gebe es großzügige Ausnahmen für Länder, die ohnehin kaum Kunststoffverpackungen recycelten. Die Kommission habe keine Kenntnis darüber, dass ein Mitgliedsstaat eine nationale Kunststoffsteuer eingeführt hätte. Die Abgabe solle laut WamS der EU zusätzliche Einnahmen bescheren und für weniger Kunststoffabfälle sorgen. Allerdings müssten die Länder die Abgabe gar nicht auf Produzenten oder Verbraucher umlegen, sondern könnten das auch aus ihrem regulären Haushalt begleichen, wie etwa die deutsche Bundesregierung die Abgabe aus den nationalen Steuermitteln finanziere. Auch gebe es keine Zweckbindung der Abgabe im EU-Haushalt. Damit habe sie keinerlei Lenkungseffekt, schreibt die WamS. Sie sei eine Mogelpackung, zitiert die WamS den FDP-Politiker Körner, der die Plastikabgabe als ein „kompliziertes, ideologiegesteuertes Bürokratiewerkzeug“ bezeichnet habe, das so schnell wie möglich wieder abgeschafft gehöre.

 

Quelle:

  • Welt am Sonntag (26.9.2021)
Kreislaufwirtschaft mit chemischem Recycling

VDI-Nachrichten befasst sich mit dem Stand aktuell verfolgter Verfahren des chemischen Recyclings von Kunststoffabfällen, die eine Lösung für gemischte Kunststoffe sein könnten, aber sich bislang noch im Pilotstatus befänden.

 

Das chemische Recycling biete eine Alternative zur thermischen Verwertung, in der große Teile des Plastikmülls landeten, also in Müllverbrennungsanlagen mitverbrannt würde. Chemisch ließen sich auch gemischte und verunreinigte Kunststoffe recyceln, das heißt daraus Pyrolyseöl oder Synthesegas gewinnen. VDI-Nachrichten beschreibt die Verfahren und nennt dabei als einen der Vorreiter in Deutschland die BASF, die gemeinsam mit Industriepartnern bereits verschiedenste Produkte aus Pyrolyseöl wie Lebensmittelverpackungen, Dämmplatten und Kühlschrankelemente entwickele. Auch Covestro habe verschiedene Forschungsprojekte zum chemischen Recycling aufgesetzt, um etwa ausgediente Polyurethanschaumstoffe wie Matratzen wieder in seine Bestandteile zu zerlegen und die Kernrohstoffe des Polyuretans zurückzugewinnen. Das KIT, das Karlsruher Institut für Technologie, arbeite in einem Projekt mit Audi daran, bislang nicht zu recycelnde Kunststoffe aus dem Automobil zu Pyrolyseöl zu verarbeiten, das wieder für die Produktion neuer Kfz-Bauteile ohne Qualitätsverlust zum Einsatz kommen könne. Eine aktuell laufende Machbarkeitsstudie solle dies zeigen. Allerdings seien die Verfahren noch nicht ausgereift, ist im Beitrag von VDI-Nachrichten zu lesen. Laut Umweltbundesamt würden dabei nicht verwertbare Rest- oder gar Schadstoffe anfallen, deren weitere Behandlung nicht geklärt sei. Dennoch sei das chemische Recycling laut UBA nach Kreislaufwirtschaftsgesetz und Abfallrahmenrichtlinie dem Recycling zuzuordnen und der energetischen Verwertung grundsätzlich vorzuziehen, berichtet VDI-Nachrichten weiter. Euwid schreibt im Zusammenhang eines Berichts über die „Forschungspolitischen Empfehlungen“ von VCI, Dechema und PlasticsEurope Deutschland, an denen die BKV mitgewirkt hat, dass Verantwortliche in Deutschland zur Frage der Anrechnung des chemischen Recyclings bei der Recyclingquote im Verpackungsgesetz bislang noch zurückhaltend reagieren: Regina Dube vom Bundesumweltministerium fordere dazu noch mehr Daten von der Industrie, weil man noch zu wenig über das chemische Recycling wisse. Harald Notter vom baden-württembergischen Umweltministerium zeige sich offen und gleichzeitig zurückhaltend: Man begleite positiv – aber mit Vorsicht – wirtschaftliche und großtechnische Feldversuche.

 

Quellen:

  • vdi-nachrichten.com (27.9.2021)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 39/2021, neue-verpackung.de (28.9.2021)

17.09. - 23.09.2021

Chemisches Recycling: „Greenwashing“ oder wichtiger Baustein im Kreislauf?

In der Fachpresse finden sich eine Reihe von Berichten mit unterschiedlichen Stimmen dazu, ob chemisches Recycling neben dem mechanischen Recycling im Verpackungsgesetz anerkannt werden sollte. Der Kunststoffindustrie, die eine Anerkennung fordere, werfe der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung „Greenwashing“ vor. Über große Aufregung und die Sorgen der Kunststoffrecycler hinsichtlich der Pläne der EU, ihre Beihilfen zu streichen und statt des werkstofflichen Recyclings künftig die chemische Behandlung von Kunststoffabfällen zu fördern, berichtet auch das Manager-Magazin.

 

Zu den Stimmen, die eine Anerkennung des chemischem Recyclings neben dem mechanischen Recycling fordern gehören mehrere Fraunhofer-Institute des Clusters of Excellence Circular Plastics Economy (CCPE) sowie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) gemeinsam mit der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. (DECHEMA) und PlasticsEurope Deutschland. Für letztere stelle das chemische Recycling, bei dem Kunststoffe in chemische Grundbausteine zerlegt werden, die dann wieder als Ausgangsmaterial für verschiedenste Produkte dienen, einen wichtigen Baustein beim Aufbau einer zirkulären Wirtschaft und zur Erreichung von Treibhausgasneutralität dar. Sie plädierten, wie unter Anderem das Recyclingmagazin berichtet, dafür, mechanisches und chemisches Kunststoffrecycling als komplementäre Verwertungswege zu betrachten. Bis zum industriellen Einsatz des chemischen Recyclings sei jedoch noch einiges zu tun. Forschungsbedarf gebe es aus Sicht der Kunststoff- und Chemieindustrie vor allem zur Pyrolyse und der Nutzung von „grünem“ Wasserstoff im chemischen Recyclingprozess. Die Verbände skizzierten, wie auch der Informationsdienst Wissenschaft berichtet, in einem gemeinsamen Papier Wege zur Umsetzung und formulierten an die Bundesregierung und Bundesministerien gerichtete Anregungen für die Forschung und Förderung des chemischen Recyclings. Auch aus Sicht der Fraunhofer-Institute des CCPE, die laut Fachpresseberichten ein Positionspapier und Forschungsprogramm mit dem Schwerpunkt chemische Recyclingverfahren vorgelegt haben, könne das chemische Recycling ein ergänzender Baustein für werkstoffliches Kunststoffrecycling besonders bei bisher schwer behandelbaren Abfallströmen sein. Um den gesamten Kunststoffabfall nachhaltig im Kreis zu führen, reiche eine Recyclingtechnologie nach Ansicht des CCPE nicht aus. Für sortenreine Kunststoffabfälle seien laut CCPE werkstoffliche Verfahren die beste Wahl. Doch da chemische Recyclingverfahren auch in der Lage seien, Sekundärrohstoffe für die Kunststoffproduktion bereitzustellen, solle die werkstoffliche Verwertungsquote für Verpackungskunststoffe nach Ansicht des CCPE durch eine technologieoffene Recyclingquote ersetzt werden.

 

Kunststoffrecycler wehrten sich laut Presseberichten vehement gegen die Forderungen nach Anerkennung des chemischen Recyclings neben werkstofflichen Verfahren. Die Kunststoffindustrie sei nicht an Kreislaufwirtschaft interessiert, wird der Vorsitzende des bvse-Fachverbands Kunststoffrecycling Dirk Textor unter Anderem in einem Bericht des Manager-Magazins zitiert. Die chemische Aufbereitung von Kunststoffabfällen sei laut Textor in Wahrheit „ein alter Hut“, chemisches Recycling zudem mit hohem Energieaufwand verbunden und die CO₂-Bilanz nach Auffassung des bvse deutlich schlechter als beim werkstofflichen Recycling von Kunststoffen, lauten weitere in Berichten der Fachpresse wiedergegebene Kritikpunkte des bvse.

 

Weitere Information:

 

Quellen:

  • recyclingmagazin.de (23.9.2021)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 38/2021, idw-online.de (21.9.2021)
  • manager-magazin.de (20.9.2021)
  • recyclingportal.eu, recyclingmagazin.de (17.9.2021)
Rezyklatanteile in Kunststoffverpackungen

Die EU-Kommission arbeite derzeit in Verbindung mit der Novelle der Verpackungsrichtlinie an einem Vorschlag zu verbindlichen Rezyklateinsatzquoten für Verpackungen, wie Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius im Interview mit Recyclingnews bestätige. Der Erzeugerverband PlasticsEurope befürworte laut eines Berichts bei Euwid die Pläne und fordere erneut wie für Kunststoffflaschen einen verbindlichen Rezyklatanteil von 30 Prozent bis zum Jahr 2030 einzuführen.

 

Die EU-Kommission wolle, wie Sinkevičius im Gespräch mit Recyclingnews erklärt, erreichen, dass Kunststoffabfälle zu einem wirklich wertvollen Rohstoff werden. Zur Zeit werde an den Details der Verpackungsrichtlinie gearbeitet. Konkrete Zahlen nennt Sinkevičius nicht. Die Ziele sollten nach Ansicht von Sinkevičius realistisch, aber zugleich ehrgeizig genug sein, um die Industrie zu veranlassen, von einer linearen zu einer zirkulären Wertschöpfungskette überzugehen. Genaue Anforderungen an den Rezyklatanteil von Kunststoffflaschen seien ja bereits definiert, der bis 2030 30 Prozent betragen soll. Die Forderung von PlasticsEurope nach einem gleichhohen verbindlichen Rezyklatanteil für alle Kunststoffverpackungen zeige, wird in einem Bericht von Euwid der Präsident von PlasticsEurope und Vorstandsvorsitzende des Leverkusener Kunststofferzeugers Covestro Markus Steilemann zitiert, den Willen der Industrie, den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen und so dazu beizutragen, den Green Deal und den Aktionsplan Kreislaufwirtschaft der EU umzusetzen. Wie einem weiteren Bericht in der aktuellen Ausgabe von Euwid Recycling und Entsorgung zu entnehmen ist, warne der Verband der europäischen Hersteller von Kunststoffverpackungen EuPC als Reaktion auf die Forderungen von Plastics Europe vor einem einseitigen Strukturwandel. Das Ziel, den Anteil an recycelten Kunststoffen in Verpackungen bis 2030 auf 30 Prozent zu erhöhen, halte der EuPC für legitim und erreichbar, sofern die Verantwortung von der gesamten Wertschöpfungskette getragen werde. Um möglichen Versorgungsengpässen vorzubeugen, wie es derzeit schon bei PET-Rezyklaten der Fall sei, sollten Kunststoffhersteller nach Ansicht des EuPC verpflichtet werden, einen entsprechend hohen Anteil an Rezyklaten auf den EU-Markt zu bringen. Auch gesetzliche Substitutionsquoten für Neuware sehe der EuPC als probates Mittel. Die Verpackungshersteller setzten zur Schließung des Kreislaufs vor allem auf den weiteren Ausbau des werkstofflichen Recyclings durch recyclinggerechte Produktgestaltung und eine hochwertige Sammlung und Sortierung der Abfälle, wird EuPC-Geschäftsführer Alexandre Dangis bei Euwid zitiert.

 

Quellen:

  • recyclingnews.de, zwei Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 38/2021 (21.9.2021)

10.09. - 16.09.2021

Pläne der Parteien für die Entsorgungswirtschaft

Der Fachdienst Euwid Recycling und Entsorgung hat sich zur bevorstehenden Bundestagswahl in der Parteienlandschaft umgehört und zusammengetragen, mit welchen Zielen und Plänen für den Entsorgungsbereich CDU/CSU, SPD, die Grünen, FDP und Linke laut ihren Wahlprogrammen antreten.

 

Die abfallwirtschaftlichen Ziele und Instrumente, die die CDU/CSU zur Bundestagswahl in ihrem Programm formuliert hat, betreffen, wie Euwid aus seiner Umfrage berichtet, die Entkoppelung des wirtschaftlichen Fortschritts vom Ressourcenverbrauch. Dazu sollen Stoffkreisläufe geschlossen, Rohstoffe vorrangig in Deutschland gewonnen und auch Recyclingrohstoffe eingesetzt werden. Die Union wolle Anreize setzen für weniger Abfall, abfallarme Produkte, verbesserte Recyclingmöglichkeiten sowie Forschungen zu Re-Oil-Verfahren und chemischem Recycling unterstützen. Auf europäischer Ebene wolle sie sich für die Förderung des Einsatzes von Rezyklaten einsetzen sowie für ein EU-weites Deponieverbot. Auch die SPD möchte einen sparsameren Umgang mit Ressourcen erreichen und dazu die Wirtschaft in eine Kreislaufwirtschaft umbauen. Unnötige „Plastik“-Produkte sollen vermieden, für unverzichtbare Kunststoffe umweltfreundliche und recycelbare Lösungen eingefordert werden. Um „raus aus der Wegwerfgesellschaft“ zu kommen, sollen Produkte so gestaltet sein, dass sie wiederverwendet, recycelt und repariert werden können. Die FDP plädiere laut Wahlprogramm vor allem für Technologieoffenheit beim Recycling und strebe als einzige der befragten Parteien die gesetzliche Gleichstellung der chemischen mit den werkstofflichen Verfahren an. Die Grünen setzten laut Wahlprogramm auf Mehrweg und ein EU-weites Pfandsystem für Einweggetränkeverpackungen sowie ein deutsches Pfand auch auf Produkte wie Handys, Tablets oder Akkus. Das Verpackungsgesetz solle zu einem Wertstoffgesetz werden, das dann Mehrwegquoten und Pfand auf alle Einweggetränkeverpackungen vorsieht. Kunststoffabfälle sollen nicht mehr exportiert werden dürfen und ein digitaler Produktpass für alle auf den Markt gebrachten Güter bis zum Jahr 2030 eingeführt werden, der Informationen über Design, Reparierbarkeit und Materialien enthält. Die Linken plädierten ähnlich wie die Grünen für eine Ausweitung von Ökodesignvorgaben, Pfandsysteme für eine Reihe von elektronischen Produkten und Einwegbecher, des Weiteren für die Erhöhung von Sammelquoten, regionale Wirtschaftskreisläufe und eine Ressourcenverbrauchsabgabe für nicht erneuerbare Primärrohstoffe sowie Einwegverpackungen. Eine Privatisierung der Abfallentsorgung lehnten sie ab.

 

Quelle:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 37/2021 (14.9.2021)
Sofortprogramm für die Kreislaufwirtschaft

Für ein schnelles Handeln der zukünftigen Bundesregierung machen sich, wie die Fachpresse berichtet, die Industrieverbände BDE und BNW stark. Der Beitrag, den die Kreislaufwirtschaft bei der Energie- und Ressourcenwende leisten könne, müsse aus ihrer Sicht wesentlich stärker in den politischen Fokus gerückt werden.

 

Der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft (BNW) und der Bundesverband der deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) fordern, wie unter anderem im Recyclingmagazin zu lesen ist, ein in fünf Punkte gefasstes Sofortprogramm, das die nächste Bundesregierung in den ersten Monaten ihrer Amtszeit umsetzen solle. Zu den Punkten, die aus Sicht der Verbände von der neuen Bundesregierung umgehend in Angriff genommen werden sollten, gehörten, dem Umweltbundesamt (UBA) einen Auftrag zur Entwicklung eines Kreislauflabels zu erteilen, damit Konsumenten und die öffentliche Hand sich besser über kreislauffreundliche Produkte informieren können. Auch forderten sie, die politische Steuerung und Koordinierung der Umsetzung des Green Deal im Bundeskanzleramt anzusiedeln, klare Vorgaben für eine nachhaltige Beschaffungspraxis als Vorbild für Länder und Kommunen zu etablieren sowie als vierten Punkt, klimaschädliche Subventionen und die steuerliche Benachteiligung von Rezyklaten zu beenden. Kunststoffe dürften, so die Forderung der Verbände, nicht länger von der Energiebesteuerung befreit bleiben und die hiermit gewonnenen Steuereinnahmen sollten aus Sicht von BDE und BNW in einen Fonds zur Förderung der Kreislaufwirtschaft fließen. Und schließlich müsse als fünfter Punkt auch die Bedeutung der internationalen Umweltwirtschaft gestärkt werden.

 

Weitere Information: zum Download des Fünf-Punkte-Programms

 

Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 37/2021 (14.9.2021)
  • recyclingportal.de, recyclingmagazin.de (9.9.2021)
Strategien gegen Rohstoffknappheit

Unter dem Titel „Umbau der Weltwirtschaft“ berichtet das Handelsblatt darüber, mit welchen Strategien Unternehmen der anhaltenden Materialknappheit bei Kunststoffen und anderen industriellen Rohstoffen laut einer Umfrage der Beratungsgesellschaft KPMG begegnen wollen.

 

Redesign, Recycling und Regionalisierung seien die neuen Schlagwörter, schreibt das Handelsblatt und nennt als Beispiele unter anderem den Automobilhersteller BMW, der plane, Autos zu bauen, die zur Hälfte aus Recyclingmaterial bestehen. Als eines der größten Risiken für das Wachstum sähen die von KPMG befragten Manager gestörte Lieferketten. Branchenübergreifend hätten Unternehmen aber bereits vor Corona und Brexit mit Engpässen bei Vorprodukten wie Stahl, Kunststoffen oder Mikrochips zu kämpfen gehabt. Bei den Bemühungen um stabilere Einkaufsstrukturen verfolgten die Firmen im Wesentlichen drei Strategien: Neben einer stärker regional ausgerichteten Produktion sowie Digitalisierung setzten sie auch auf Recycling sowie Recyclingprodukte, um unabhängiger von Neuware zu werden. Die Rohstoffknappheit könne den Umbau zu einer Kreislaufwirtschaft, in der möglichst viele Produkte recycelt und wiederverwendet werden, vorantreiben. Für die chemische Industrie sei dies aus ökologischen Gründen eines der wichtigsten Themen, da Kunststoffe noch zu häufig deponiert oder energetisch genutzt würden, ist in dem Bericht des Handelsblatts weiter zu lesen. Der Kunststoffhersteller Covestro wolle zum Beispiel sein Portfolio langfristig komplett auf Kreislaufwirtschaft umstellen und Kunststoffe recyceln, um die darin enthaltenen Rohstoffe wiederzuverwenden. Mit „Local Sourcing“ sichere Covestro seine Lieferketten und beziehe in seinen Werken in USA, Europa und Asien seit Langem viele Vorpodukte und Hilfsstoffe von lokalen Lieferanten.

 

Quelle:

  • Handelsblatt (15.9.2021)

03.09. - 09.09.2021

Globale Abkommen gegen Meeresverschmutzung

Die Fachpresse berichtet über eine vom BMU initiierte internationale Ministerkonferenz, die Anfang September in Genf statt fand, um über ein weltweites Abkommen gegen die Verschmutzung der Ozeane mit Kunststoffabfällen zu beraten. Die deutsche Chemie- wie die Kunststoffindustrie, die bereits seit 2011 im Rahmen einer globalen Deklaration ihrer Branche an Lösungen arbeite, unterstützten die globalen Anstrengungen der Staaten. Ein internationales Vorgehen fordere auch die Umweltschutzorganisation WWF, die eine Studie mit Zahlen zu den „wahren Kosten von Plastik“ vorlegte, über die auch die Tagesmedien berichten.

 

Die Umweltministerien Deutschlands, Ecuadors, Ghanas und Vietnams hatten, wie aus Berichten der Fachpresse hervorgeht, zu der ersten internationalen Konferenz gegen Meeresmüll nach Genf eingeladen, bei der ein erster Entwurf für eine UN-Resolution, die den Weg zu einem verbindlichen Abkommen gegen Meeresmüll ebnen soll, präsentiert wurde. Laut BMU sollen mit dem Abkommen ein gemeinsamer Handlungsrahmen geschaffen sowie finanzielle Mittel für Maßnahmen gegen Meeresmüll bereitgestellt werden. Von den rund 140 Ländern, deren Vertreter an der Konferenz teilnahmen, hätten bereits 25 die Abschlusserklärung unterzeichnet, weitere 50 Länder ihre Unterstützung zugesagt, wird BMU-Staatssekretär Jochen Flasbarth aus der anschließenden Pressekonferenz unter anderem bei Euwid zitiert. Erste Inhalte des Abkommens bezögen sich auf eine Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe oder auch auf Rechtsvorschriften für die Nutzung von Einwegprodukten. Das Abkommen, das wie der Plastverarbeiter berichtet, von der Industrie begrüßt werde, könne nach Ansicht des Hauptgeschäftsführers des Erzeugerverbands Plastics Europe Ingemar Bühler einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Meere und des Klimas leisten, dürfe sich aber nicht allein auf Kunststoffprodukte beschränken, sondern sollte auch andere achtlos in der Umwelt entsorgte Materialien berücksichtigen. Mit ihrer globalen Deklaration aus dem Jahr 2011 seien, wie Bühler anmerkte, von der Kunststoffindustrie weltweit rund 395 aktuell noch laufende oder abgeschlossene Projekte zum Beispiel für besseres Abfallmanagement, Strandsäuberungen oder die Aufklärung der Menschen vor Ort initiiert worden. In der Kreislaufführung von Kunststoffen sehe auch die deutsche Chemieindustrie, die das chemische Recycling als ergänzende Technologie massiv vorantreibe, eine große Chance, wird Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des VCI, in den Berichten der Fachpresse zitiert. In einem Beitrag des Deutschlandfunks über eine vom WWF vorgestellte Studie zu den „gesamten Kosten, die während des Lebenszyklus von Kunststoffen anfallen“ ist zu lesen, dass Regierungen und die Gesellschaft für jeden von Herstellern in die Produktion von Kunststoffen investierten Dollar mindestens zehnmal so viel bezahlen müssten, um die negativen Auswirkungen auch auf die Umwelt zu beheben. Der größte Teil der Folgekosten, die in der Studie für das Jahr 2019 auf 3,7 Billionen Dollar (3,1 Billionen Euro) geschätzt werden und sich unter anderem auf Faktoren wie Treibhausgasemissionen bei der Produktion, gesundheitliche Auswirkungen sowie die Abfallbewirtschaftung bezögen, werde durch Schäden an den Ökosystemen der Meere verursacht.

 

Weitere Informationen:

Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 36/2021, deutschlandfunk.de (7.9.2021)
  • ntv.de (6.9.2021)
  • plastverarbeiter.de, kunststoffe.de, plasticseurope.de (3.9.2021)
Kohlendioxid als Klimaretter?

Ein Beitrag im Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung befasst sich mit den sogenannten CCU-Verfahren (Carbon Capture and Utilization) und geht der Frage nach, was diese für den Klimaschutz leisten könnten. Studien zur CO₂-Einsparung, also der Klimawirkung von CCU-Technologien kämen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Von 100 Megatonnen pro Jahr bis zu zehn bis 15 Gigatonnen im Jahr 2050 reichten die Ergebnisse dieser Klimawirkungs-Analysen.

 

An Ideen für Produkte aus CO₂ mangele es nicht. Der Werkstoffhersteller Covestro habe zum Beispiel einen Kunststoff entwickelt, in dem Erdöl zu einem Teil (maximal 20 Prozent) mit CO₂ aus Industrieanlagen ersetzt werde. Daraus würden bereits jetzt etwa Matratzen, Sportböden, Autoteile, synthetische Bekleidung oder Materialien für die Gebäudedämmung hergestellt. Ein künstliches Photosynthese-Verfahren von Evonik und Siemens Energy, bei dem CO₂ zu Rohstoffen für Pflegeprodukte verarbeitet werde, sei ein weiteres Beispiel. Und der Stahlhersteller Thyssenkrupp arbeite an der industriellen Nutzung von CO₂ als Rohstoff in seinem Projekt „Carbon2Chem“, dessen Ziel es ist, Treibhausgase, die bei der Produktion entstehen, künftig in chemische Grundstoffe wie Methanol, Ammoniak oder etwa die Ausgangsbasis für Kunststoffe umzuwandeln. Welchen Beitrag solche Technologien für das Klima leisten könnten, sei zwar noch offen, doch womöglich könne CO₂ der zukünftige Rohstoff der chemischen Industrie sein, wird Carbon2Chem-Projektleiter Markus Oles in dem Bericht zitiert. Doch sei die Nutzung von Kohlenstoff aus CO₂ nicht zwangsläufig klimaneutral oder klimapositiv. Laut dem im Bericht zitierten Professor für Verfahrenstechnik Markus Lehner von der Montanuniversität Leoben komme es auf die Gesamt-CO₂-Bilanz an. Die Energie, die nötig ist, um das CO₂ einzufangen, aufzubereiten und mit anderen Stoffen reagieren zu lassen, müsse aus erneuerbaren Energien kommen und das CO₂ in den Produkten, die damit hergestellt werden, möglichst lange gebunden bleiben, wie bei Kunststoffen, die das Kohlendioxid über viele Jahrzehnte hinweg speichern könnten. Am Ende ihrer Lebensdauer könnte das bei der Verbrennung entstehende CO₂ wiederum abgefangen und so theoretisch ein Kreislauf geschaffen werden. Ein richtiger CO₂-Kreislauf liege zwar noch in weiter Ferne, aber Lehner könne sich vorstellen, dass zum Beispiel synthetische Kraftstoffe, die aus CO₂ gewonnen werden, schon in der Luftfahrt eingesetzt werden könnten. Ob sich CCU-Technologie wirtschaftlich und ökologisch lohnt, werde sowohl von der verfügbaren Menge an umweltfreundlichen Energieträgern als auch von den technischen und politischen Rahmenbedingungen wie etwa der Bepreisung von CO₂-Zertifikaten abhängig sein.

 


Quelle:

  • Süddeutsche Zeitung (3.9.2021)

27.08. - 02.09.2021

Mehr Akzeptanz für Kunststoffe

Die FAZ berichtet auf der Grundlage eines Gesprächs mit Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer von PlasticsEurope Deutschland, wie die deutschen Kunststoffhersteller die gesunkene Akzeptanz von Kunststoffen wieder erhöhen wollen: mit weniger Verbrennung und Export von Abfällen, mit mehr Kunststoffen im Kreislauf und einem EU-weiten Deponieverbot.

 

Wie gesellschaftliche Gruppen zu Kunststoffen stehen, erkenne man schon an der Wortwahl, sage Bühler: Die einen sprechen abschätzig von Plastik, die anderen wertschätzend von Kunststoffen. Bühler wolle der „Plastikfraktion“ die Angst vor unkontrollierter Anreicherung der Umwelt mit Plastikabfällen nehmen und so die Akzeptanz von Kunststoffen erhöhen. Mit der größten Chemieindustrie Europas im Rücken wollen die Deutschen Druck auf die Branche in Europa ausüben, Kunststoffe rascher kreislauffähig zu machen als geplant. Laut Selbstverpflichtung ziele die europäische Kunststoffindustrie damit auf das Jahr 2040 ab. Darüber hinaus wolle der deutsche Verband bei der EU-Kommission darauf dringen , überall die Deponierung von Kunststoffen zu verbieten. Vor allem in Südeuropa würden noch viel zu viele Kunststoffe deponiert. Ebenso müsse der Export von Kunststoffabfällen schneller zurückgefahren werden. Die Verbrennung wolle Bühler lieber heute als morgen beenden und Kunststoffabfälle komplett als Rohstoffe in einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft nutzen. Die deutsche Kunststoffindustrie verstehe sich heute schon als Vorreiter der Kreislaufwirtschaft in Europa, auch wenn noch zu viel exportiert würde. Auch in der Aufbereitung der Kunststoffabfälle müsse sich laut Bühler noch was tun. Geschlossene Stoffkreisläufe wie bei PET-Flaschen oder Fensterprofilen blieben eher die Ausnahme, der größte Teil lande in einer Mischfraktion, die anschließend sortiert und aufbereitet werden müsse. In der Industrie findet laut Bühler schon länger ein Umdenken statt: Recycling werde heute oft schon in der Entwicklung von Produkten mitgedacht, und immer mehr Unternehmen würden auf Druck Rezyklate einsetzen, obwohl diese aktuell noch teurer seien. Der Bedarf an Kunststoffen gehe auch trotz Plastik im Meer nicht zurück, sondern im Gegenteil sei die Nachfrage in diesem Jahr um 20 Prozent gestiegen. Für den klimaneutralen Umbau der Wirtschaft und die Energiewende würden auch mehr und nicht weniger Kunststoffe gebraucht.

 

Quelle: FAZ (30.8.2021)

Signal für die Kreislaufwirtschaft gefordert

Im Entsorga-Magazin fordert Dr. Henning Wilts vom Wuppertal Institut in einem Gastkommentar im Vorfeld der Bundestagswahl ein klares Signal von der Politik, dass Deutschland wieder Vorreiter der Circular Economy werden wolle. Dazu müsse die Politik in allen Bereichen aktiv werden.

 

Deutschland stehe vor einer gigantischen Herausforderung, Schlaglichter wie die Flutkatastrophe im Ahrtal, immer deutlicher werdende Auswirkungen des Klimawandels oder auch Rohstoffknappheiten machten dies deutlich. Für gesicherte Arbeitsplätze und Wohlstand müsse sich die Wirtschaft neu erfinden. Die Europäische Kommission setze dabei auf das Konzept der Circular Economy, geprägt von der Überzeugung, dass Europa im globalen Wettbewerb nur damit eine Chance hätte. Die lineare Wirtschaft stoße immer schneller an ihre Grenzen. Allerdings liege die Umsetzung solcher EU-Konzepte überwiegend bei den Mitgliedsstaaten. Nach der Bundestagswahl entscheide sich, ob Deutschland wieder Vorreiter werden wolle, aktuell kämen laut Wilts die Impulse aus den Niederlanden, Frankreich oder China, wenn auch mit unterschiedlicher Ausrichtung. Zur Frage, was in Deutschland geschehen müsse – alle Parteien hätten zwar Kreislaufwirtschaft im Wahlprogramm, aber ohne konsistente Vision zur Umsetzung – betont Wilts, dass Kreislaufwirtschaft entgegen mancher Hoffnung kein Selbstläufer wäre, sondern aufeinander abgestimmte Investitions- und Innovationsprozesse brauche. Entscheidend sei eine nationale Strategie zur Kreislaufwirtschaft, um auch der Industrie mit ihren Investitionszyklen klare Leitplanken zu setzen. Wilts spricht sich für langfristige Ziele mit hoher Technologieoffenheit aus. Produktverbote könnten zwar Signale der politischen Stärke setzen, lösten aber langfristig keine Probleme. Die Formulierung solcher Ziele sei ein politischer Prozess, der auf mehrheitsfähige Kompromisse abziele, dann aber eine klare Orientierung biete, sofern auch die Verantwortlichkeiten klar definiert und die Überprüfbarkeit mit Sanktionsmöglichkeiten gegeben seien. Auch wenn der kommende Koalitionsvertrag noch keine konkreten Lösungen enthalten könne, so könne man doch darin ein klares Signal setzen, dass Deutschland wieder zum Vorreiter der Kreislaufwirtschaft werden wolle, fordert der Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut.

 

Quelle: Entsorga-Magazin (31.8.2021)

Entsorgung kann mehr Kohlendioxid einsparen

Bereits heute könnte die Entsorgung einen höheren Beitrag zum Klimaschutz leisten als sie es tatsächlich tut. Wie Euwid berichtet, hat das britische Beratungsunternehmen Eunomia im Auftrag von Tomra berechnet, dass beim heutigen Stand der Entsorgungstechnik mit steigenden Recyclingquoten und einem verbesserten Umgang mit den Reststoffen weltweit jährlich 2,1 bis 2,8 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden könnten. Der gesamte CO2-Ausstoß habe im Jahr 2019 laut Euwid bei rund 36 Milliarden Tonnen gelegen.

 

Verfahren und Techniken lägen vor, lediglich die Recyclingquoten und die Behandlung des verbleibenden Abfalls müssten verbessert werden, heiße es in der gut 50 Seiten umfassenden Studie „Waste in the Net-Zero Century: How Better Waste Management Practices Can Contribute to Reducing Global Carbon Emissions“ von Eunomia. Die existierenden Verfahren müssten in verschiedenen Regionen der Welt so angepasst werden, dass die Erfassung der Abfälle verbessert und der Rest mit der dafür am besten geeigneten Art und Weise behandelt werde. Grundsätzlich weise Eunomia auf drei Schlüsselbereiche zur Minderung der Treibhausgasemissionen hin: die Maximierung der Erfassung in bestehenden Abfallwirtschaftssystemen, eine effektive Sammlung und Sortierung sowie die Erfassung zusätzlicher Abfälle, die bislang auf Deponien oder in einer ungeregelten Verbrennung landen, für ein Recycling. Allein diese Maßnahmen stünden schon für rund die Hälfte des gesamten Einsparpotenzials.

 

Quelle: Euwid Recycling und Entsorgung 35/2021 (31.8.2021)

20.08. - 26.08.2021

Cirplus – Börse für Altkunststoff

Der Spiegel beschreibt in seiner aktuellen Ausgabe die Entstehung und die Funktionsweise der globalen Internetbörse Cirplus. Im Unterschied zu vergleichbaren Rohstoffbörsen gebe es bei gebrauchten Kunststoffen keine immergleiche Beschaffenheit. Potenzielle Kunden ließen sich vor dem Kauf Proben zukommen, was die Gefahr berge, dass Anbieter und Kunde letztendlich die Börse umgingen, um die Vermittlungsgebühr zu sparen. „Wir brauchen Standardisierung“, werden die Gründer zitiert, die eine neue DIN-Vorgabe für Kunststoffabfälle initiiert hätten.

 

Die Begegnung mit dem Plastikmüllteppich beim Segeltörn in der Karibik habe den Unternehmer Christian Schiller auf die Geschäftsidee gebracht und im Jahr 2019 zur Gründung von Cirplus gemeinsam mit Geschäftspartner Volkan Bilici, einem Spezialisten für Softwareentwicklung mit zweijähriger Erfahrung in der Kunststoffindustrie, geführt. Im Jahr 2013 hatte Schiller bereits das französische Startup BlaBlaCar, eine Online-Mitfahrzentrale, erfolgreich an den deutschen Markt gebracht. Die Plattform soll vier Jahre später bereits sechs Millionen Mitglieder gehabt haben. Auf Cirplus, wo mittlerweile 900 Unternehmen vertreten seien, würden rund 1,2 Millionen Tonnen gebrauchte Kunststoffe angeboten und gesucht. Das entspreche in etwa einem Fünftel der Menge, die Recycler in Europa jährlich verarbeiten könnten. Der Bedarf sei groß, insbesondere für durchsichtige PET-Flaschen, und die Zahlungsbereitschaft der Kunden hoch, doch täten sich die Einkäufer angesichts des intransparenten und kleinteiligen Marktes schwer, gebrauchte Kunststoffe in verlässlichen Mengen zu beschaffen. Cirplus soll hier helfen, biete bislang die Vermittlungsdienste kostenfrei an, weil britische, schwedische und deutsche Risikokapitalgeber sowie staatliche Fördergelder noch für die Finanzierung sorgten. Für die spätere Vermittlungsgebühr sei die Vielfalt der Kunststoffe ein grundsätzliches Problem. Im Gegensatz zu anderen Rohstoffbörsen könne Cirplus keine einheitlichen Angaben zur Beschaffenheit des Materials machen. Deshalb ließen sich Kunden von den Lieferanten Muster zukommen, was die Gefahr berge, dass beide Parteien anschließend das Geschäft ohne Cirplus abwickeln. Die Gründer hätten deshalb zusammen mit dem Deutschen Institut für Normung eine neue DIN-Vorgabe für Kunststoffabfälle zur künftigen Klassifizierung – etwa nach Herkunft, Qualität oder anderen Kriterien – initiiert. Führende Unternehmen der Branche wie das Duale System Deutschland über Remondis Recycling bis hin zum Anlagenbauer KraussMaffei hätten daran mitgewirkt. Ende des Jahres soll sie fertiggestellt und angewendet werden. Zusätzlich biete Cirplus seinen Kunden an, Material von unabhängigen Experten wie dem Kunststoff-Institut Lüdenscheid prüfen und zertifizieren zu lassen.

 

Quelle: Der Spiegel Nr. 34 (21.8.2021)

Verdoppelter Rezyklateinsatz in Verpackungen möglich

Die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen hat von der GVM ermitteln lassen, wie groß das Potenzial für den Einsatz von Rezyklaten in Kunststoffverpackungen ist. Demnach könnte der Einsatz von 475 auf circa 960 Tausend Tonnen pro Jahr gesteigert werden, wie einige Fachblätter berichten.

 

Erklärtes Ziel der Industrie sei der Einsatz von einer Million Tonnen Kunststoffrezyklat in Verpackungen bis zum Jahr 2025. Laut der Untersuchung der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) wären aus heutiger Sicht 960 Tausend Tonnen jährlich möglich, das entspreche in etwa 22 Prozent der Produktionsmenge an Verpackungen. Laut IK Geschäftsführerin Isabel Schmidt sei das Interesse der Kunststoffverpackungsindustrie an Rezyklaten groß. Von 2017 bis 2019 sei die Nachfrage bereits um 18 Prozent gestiegen, während der Einsatz von Neuware zurückgegangen sei. Doch stellten viele Verpackungen, insbesondere Lebensmittelverpackungen höchste Ansprüche an die Qualität, wofür das Angebot an geeigneten Rezyklaten derzeit noch begrenzt sei. Recycling sei in der Vergangenheit mehr von der Erfüllung der gesetzlichen Recyclingquoten als vom Rohstoffbedarf der Verpackungsindustrie getrieben worden. Die Rezyklate kämen daher überwiegend in anderen Branchen wie in Bauprodukten zum Einsatz, wo sie aber auch CO2-Emissionen einsparten. Doch nun erforderten veränderte Rahmenbedingung Investitionen in mehrstelliger Milliardenhöhe in das Design-for-Recycling und den Ausbau hochwertiger Sortier- und Recyclingkapazitäten. Denn spätestens bis 2045, wenn Deutschland klimaneutral sein solle, müssten laut Schmidt Kunststoffe komplett aus Rezyklaten bzw. erneuerbaren Rohstoffen bestehen. Um den Rohstoffbedarf der Kunststoff verarbeitenden Industrie künftig zu decken, müssten europaweit die getrennte Sammlung verbessert und die Deponierung von Kunststoffabfällen gänzlich verboten werden, fordere Schmidt.

 

Mehr Information: s. dazu auch die BKV-Studie „Potenzial zur Verwendung von Recyclingkunststoffen in Verpackungen“

 

Quellen: recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu, plasticker.de (26.8.2021)

Verbände fordern rasche Zulassung

Elf deutsche Verbände des Handels, der Getränkeindustrie, der Ernährungsbranche sowie der Kunststoff- und Recyclingbranche fordern die EU-Kommission auf, so schnell wie möglich den legalen Einsatz von recycelten Kunststoffen in Lebensmittelverpackungen zu ermöglichen, ist in der aktuellen Ausgabe von Euwid zu lesen.

 

In dem gemeinsamen Schreiben warnen die Verbände, dass fehlende EU-Zulassungen von Kunststoffrezyklaten für Materialien mit Lebensmittelkontakt das Erreichen der ehrgeizigen Kreislaufwirtschaftsziele der Kommission ernsthaft in Gefahr bringen würden. Wenn die Kommission bei der Revision der EU-Verpackungsrichtlinie verpflichtende Rezyklateinsatzquoten auch für Lebensmittelverpackungen wolle, wie sie es bereits in der EU-Einweg-Kunststoff-Richtlinie für Einweg-Getränkeflaschen festgelegt habe, dann müsse sie auch für die erforderlichen Voraussetzungen sorgen. So schnell wie möglich müssten die mittlerweile über 160 von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) positiv bewerteten Kunststoffrecyclingverfahren offiziell zugelassen werden, damit die Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft die notwendige Rechts- und Planungssicherheit hätten. Darüber hinaus sollte die Kommission dafür sorgen, dass EFSA-Stellungnahmen deutlich schneller als bisher erfolgten.

 

Quelle: Euwid Recycling und Entsorgung 34/2021 (24.8.2021)

13.08. - 19.08.2021

WWF-Studie zum Kreislauf für Kunststoffverpackungen

Der WWF ließ laut Presseberichten im Rahmen einer Studie von Systemiq analysieren und quantifizieren, wie die Kreislaufwirtschaft bei Kunststoffverpackungen vorangebracht werden könnte. Demnach könnten bis zum Jahr 2040 mehr als 20 Millionen Tonnen Kunststoff eingespart werden. Geeignete Instrumente dafür seien insbesondere innovative Wiederverwendungsmodelle, Vermeiden und Minimieren unnötiger Verpackungen sowie recyclinggerechtes Design.

 

In Deutschland könnten laut der Studie bis zum Jahr 2040 das Gesamtabfallvolumen bei Kunststoffverpackungen um 40 Prozent, der Verbrauch von Neuware um rund 60 Prozent und die Verbrennung von Kunststoffabfällen zur Energiegewinnung um 70 Prozent sinken. Damit ließen sich 68 Millionen Tonnen Treibhausgase einsparen. „Verpackung aufreißen und wegwerfen – unser Umgang mit Plastik versinnbildlicht ein sorgloses und verschwenderisches Konsummodell, das mit den planetaren Grenzen nicht vereinbar ist“, wird die Kunststoff-Expertin des WWF, Laura Griestop unter anderem in der FAZ zitiert. Die Studie weise den Weg zu einem zukunftsfähigen und zirkulären Verpackungssystem, so Griestop weiter. Die Studie analysiere drei konkrete Szenarien: 1. weiter wie bisher, 2. die Entwicklung unter Berücksichtigung derzeitiger Verpflichtungen aus Politik und Wirtschaft und 3. ein Systemwechsel mit allen heute verfügbaren Hebeln zur Kreislaufwirtschaft für Plastikverpackungen. Laut der Untersuchung würden die politischen Verpflichtungen zwar zu mehr Recycling und weniger Verbrennung führen, den Abfall aber kaum verringern und den Bedarf an Neuware um vier Prozent ansteigen lassen. Vor diesem Hintergrund fordere der WWF von der Politik Vermeidungs- und Reduktionsziele, um damit Abfallvermeidung und innovative Mehrwegmodelle in den Fokus zu nehmen. Zur Verbesserung des Recyclings, das angesichts hoher Sammelquoten über eine gute Ausgangsposition verfüge, müsse das recyclinggerechte Design mehr Gewicht bekommen. Von der kommenden Bundesregierung fordere der WWF, verbindliche Leitplanken zu setzen, die ressourcenarme Verpackungen belohnen, die Recyclingfähigkeit zu verbessern und Anreize zur Verwendung von Rezyklaten zu setzen. Ein Wandel zum zirkulären Verpackungssystem sei bei politischem Gestaltungswillen und einer engen Zusammenarbeit zwischen Industrie, Politik und Wissenschaft möglich, betone Griestop in ihrem Fazit.

 

Quellen:

  • neue-verpackung.de, FAZ (18.8.2021)
Die Schwarz-Gruppe: ein entfesselter Riese

Das Handelsblatt beschreibt detailreich, wie sich die Schwarz-Gruppe strategisch aufstellt, um für die Zukunft fit zu sein. Dabei spiele der Einstieg in die Entsorgungswirtschaft eine zentrale Rolle. Ein wesentliches Instrument sei aber seit dem Führungswechsel eine neue Unternehmenskultur.

 

Über Interna der Schwarz-Gruppe, Europas größtem Händler, hat man lange Zeit kaum etwas erfahren. Das hat sich geändert. So beschreibt nun auch das Handelsblatt in dieser Woche in einem ausführlichen Bericht, was sich mit dem Wechsel in der Leitung des Konzerns strategisch abzeichnet. So wolle der neue Chef Gerd Chrzanowski im Gegensatz zu seinem Vorgänger Klaus Gehrig, der als Alleinherrscher agiert habe, nun im Team führen. Seine erste Amtshandlung sei gewesen, die Leiter der Bereiche Digitalisierung, IT, Entsorgungswirtschaft und Produktion von Vorständen zu Vorstandsvorsitzenden ihrer Bereiche zu befördern. Der Einzug einer neuen Führungskultur sei ein wesentlicher Faktor bei der anstehenden Modernisierung des Konzerns. Die bislang ausgebremste Digitalisierung trotz vieler neuer Ideen werde einen neuen Schub erfahren. Bereits erfolgreich sei der Einstieg des Konzerns in die Kreislaufwirtschaft. Der Geschäftsbereich Prezero soll in diesem Jahre bereits einen Umsatz von zwei Milliarden Euro beisteuern. Innerhalb kürzester Zeit sei dieser laut Chrzanowski „zentrale und integrale Baustein“ der Unternehmensstrategie zu einem international tätigen Abfall- und Recyclingunternehmen ausgebaut worden. Nach Kauf von Tönsmeier vor drei Jahren und dem anschließenden Aufbau eines eigenen dualen Systems sowie der Übernahme von Teilen der Suez-Gruppe sei ein Marktgewicht in elf Ländern mit bereits nahezu 30.000 Mitarbeitern entstanden. Dabei sei das wichtigste Ziel, den Wertstoffkreislauf bei Verpackungen von Lidl und Kaufland zu schließen. Alle PET-Flaschen der Eigenmarken aus den eigenen Produktionswerken bestünden seit Juni bereits zu 100 Prozent aus recyceltem Kunststoff. Darüber hinaus sehe das Unternehmen im Wertstoffgeschäft auch außerhalb der eigenen Gruppe ein großes wirtschaftliches Potenzial in Europa.

 

Quelle: Handelsblatt (18.8.2021)

06.08. - 12.08.2021

Wege zum „grünen Plastik“

Im Rahmen einer Serie zu Rohstoffen der Zukunft befasst sich das Wirtschaftsressort der Süddeutschen Zeitung diese Woche mit Kunststoffen und wie sie von einer linearen zu einer zirkulären Wirtschaft überführt werden können. Dabei nimmt der Beitrag sechs „Zukunftsideen“ in den Fokus: Einsatz von Ökostrom, Wiederverwertung, chemisches Recycling, Einsatz von Biomasse, Nutzung von CO2 sowie Vermeidung und Wiederverwendung.

 

Die Produktion von Kunststoffen hänge noch zu 99 Prozent an Ressourcen wie Erdöl oder -gas. Unternehmen wie Covestro oder BASF suchten nach alternativen Rohstoffquellen, um die Chemie unabhängiger von fossilen Rohstoffen zu machen. Die Süddeutsche fasst sechs Wege zu mehr linearer Wirtschaft zusammen. Bereits ganz vorne in der Basischemie, wo sehr viel Energie benötigt werde, müsse das zurzeit für Cracker eingesetzte Erdgas durch Strom aus erneuerbaren Energien ersetzt werden. Die BASF plane bereits den ersten mit Ökostrom betriebenen Spaltofen und sichere sich dazu Strom aus Windparks. Die Dechema habe berechnet, dass allein die Chemiebranche im Jahr 2050 elfmal so viel Strom wie heute bräuchte, wenn sie ihre heutige Produktion grün gestalten wolle. Deren langjähriger Geschäftsführer Klaus Wegemann bezweifle, dass das die Ausbaupläne des Bundes hergäben. Die Wiederverwertung sei dagegen ein Weg zur Ressourceneinsparung. BUND-Referentin Janna Kuhlmann nehme dazu die Kunststoffverarbeitung in die Pflicht, die recycelbare Produkte designen müsste. Das chemische Recycling sei ein guter Weg für Produkte, die sich nicht mechanisch recyceln lassen, doch lande man damit wieder am Anfang der Produktionskette, wo viel Energie benötigt werde. Der Anteil der Biomasse, von der Chemieindustrie derzeit etwa zu 14 Prozent als Rohstoff eingesetzt, sei nach Auskunft von Wegemann kaum zu steigern, da aus ethischen Gründen allenfalls Reststoffe wie Stroh oder Schadholz dafür in Frage kämen. Dass die Nutzung von CO2 als Rohstoffquelle funktioniere, zeige Covestro mit einem ersten Polyol im Handel, das zu 20 Prozent aus Kohlendioxid bestehe. Eine nächstgrößere Anlage sei in Planung. Im Vermeiden und Wiederverwenden sehe Kuhlmann einen Weg, auf dem allerdings nicht nur die Industrie sondern die ganze Gesellschaft gefordert sei. Wegemann glaube dabei weniger an einen Erfolg, zumal Kunststoffe auch unter Klima-Gesichtspunkten auf der Welt vermehrt gebraucht würden. Deshalb halte er die Wettbewerbsfähigkeit von Alternativen zu Öl und Gas für umso wichtiger.

 

Quelle:

  • Süddeutsche Zeitung (12.8.2021)
„Fatales Signal“ – zur Streichung der EEG-Umlagebefreiung für Recycler

Der neue Leitlinienentwurf der EU-Kommission zur Ausgleichsregelung der EEG-Umlage führt Recyclingunternehmen nicht mehr in der Liste förderungsberechtigter Wirtschaftszweige auf. Davon wären rund 70 Prozent der Mitgliedsunternehmen im bvse betroffen, auf die jährliche Mehrkosten für Strom von im Schnitt 800.000 Euro zukämen. Damit drohe ein Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Auch der BDE sehe darin ein „fatales Signal“ und eine Diskriminierung der Kreislaufwirtschaft.

 

Recycler in Deutschland können bislang ihre Stromkosten für ihre energieintensiven Prozesse mithilfe der Ausgleichsregelung der EEG-Umlage reduzieren. In ihrem Entwurf der Leitlinie zur künftigen Regelung sehe allerdings die EU-Kommission den Wirtschaftszweig mit dem NACE-Code 38.32 „Rückgewinnung sortierter Werkstoffe“ nicht mehr vor. Nach Angaben des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) betreffe das 70 Prozent seiner Verbandsmitglieder, die damit im Schnitt 800.000 Euro mehr an jährlichen Stromkosten hätten. Entfalle die bisherige Förderung, würden ressourcenschonende und CO2-sparende Sekundärrohstoffe durch günstigere Primärrohstoffe verdrängt, mahne laut Fachpresseberichten der bvse. Auch der BDE sehe in dem Vorhaben ein „fatales Signal“ für die Kreislaufwirtschaft, das zu allen sonstigen politischen Absichtserklärungen im eklatanten Widerspruch stünde. In einer gemeinsamen Stellungnahme warne eine Reihe Recycler wie Alba und Remondis die Kommission vor den Folgen: Sie sähen sich in ihrer wirtschaftlichen Existenzgrundlage gefährdet und stünden, sollte die Umlagebefreiung entfallen, vor der Entscheidung, ihre Produktionsstätten zu schließen oder ins außereuropäische Ausland zu verlagern.

 

Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 32/2021 (10.8.2021)
  • recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu (11.8.2021)
Kreislaufwirtschaft als Chance für den Mittelstand

Das Handelsblatt schreibt über Potenziale der Kreislaufwirtschaft, die mehr und mehr Familienunternehmen nutzen wollen. Eine Studie mehrerer Fraunhofer-Institute gemeinsam mit der Stiftung zwei Grad im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen zeige anhand von Praxisbeispielen die Chancen auf. Von der nächsten Bundesregierung erwarte die Stiftung Familienunternehmen den passenden regulatorischen Rahmen.

 

Die Politik müsse der Kreislaufwirtschaft höhere Bedeutung beimessen, fordere die Stiftung Familienunternehmen. Laut der an der Untersuchung zu Potenzialen einer Kreislaufwirtschaft beteiligten Stiftung zwei Grad fehlten vielen Familienunternehmen klare und langfristige Leitplanken zur Orientierung. Konkret werde ein Ordnungsrahmen für die Kreislaufwirtschaft benötigt, verbunden mit einem klaren Fahrplan, konkreten Zielen sowie Standards und Normen. Eine konsequente Strategie der Wiederverwertung biete angesichts des 50prozentigen Anteils der Rohstoffförderung und -verarbeitung an den weltweiten CO2-Emission ein enormes Potenzial für den Klimaschutz. Im Rahmen der Untersuchung für die Stiftung Familienunternehmen führten verschiedene Fraunhofer-Institute Interviews mit Unternehmen durch, die zusammen für einen Jahresumsatz von 80 Milliarden Euro stehen und über 372.000 Mitarbeiter beschäftigen. Erste Beispiele aus den Unternehmen zeigten den Weg und die Potenziale der Kreislaufwirtschaft auf. Allerdings gehe es dauerhaft nicht ohne Normung, Zertifizierung und Standardisierung, um den Unternehmen Orientierung zu geben, wie ein Unternehmensvertreter zitiert wird. Dabei gehe es weniger um strikte Vorgaben als um Anreize der Politik.

 

Quelle: Handelblatt (8.8.2021)

30.07. - 05.08.2021

Plädoyer für chemisches Recycling

Der CEO von Covestro und Präsident des Kunststoffherstellerverbands PlasticsEurope Dr. Markus Steilemann plädiert in einem Beitrag der K-Zeitung dafür, das chemische Recycling aufgrund seiner Vorteile und des großen Potenzials, das darin liege, als Recyclingverfahren anzuerkennen. Für Michael Wiener, CEO der DSD GmbH, ist die abfallrechtliche Gleichstellung nicht entscheidend, wie aus einem ausführlichen Interview hervorgeht, das Euwid mit ihm und dem Chef der EEW Energy from Waste GmbH Bernhard Kemper zum gemeinsamen Einstieg ins chemische Recycling geführt hat.

 

Nur mit chemischem Recycling würden Kunststoffabfälle künftig in großen Mengen recycelbar sein, zeigt sich Steilemann in dem Gastkommentar bei der K-Zeitung überzeugt. Zirkularität müsse zum globalen Leitprinzip werden. Recycling, so Steilemann weiter, sei Dreh- und Angelpunkt der Kreislaufwirtschaft und brauche einen kräftigen Schub, den die Kunststoffindustrie geben könne. Chemisches Recycling könne als „Lebenselixier“ für Kunststoffabfälle genutzt werden: Für stark verschmutztes oder Multilayermaterial sei es laut Steilemann die einzig mögliche Methode der Wiederverwertung. Jedes Produkt lasse sich durch diese „Zauberformel“, mit der Kunststoffabfälle chemisch aufgelöst, in Moleküle zerlegt und zu neuen Kunststoffen zusammengesetzt werden könnten, in ein beliebiges anderes verwandeln. Die neue Technologie stecke zwar noch in den Kinderschuhen, habe aber Riesen-Potenzial, auf das man nicht verzichten dürfe, appelliert Steilemann. Um die Verfahren schnell weiterzuentwickeln und zu etablieren, brauche es die richtigen politischen Rahmenbedingungen, wie die Anerkennung als Recycling sowie Anreize, um Sammlung, Sortierung und Trennung zu verbessern.

Auch DSD-Chef Michael Wiener und der CEO der EEW, Bernhard Kemper, setzen große Hoffnung in das chemische Recycling von Kunststoffabfällen (s. News vom 15. Juli 2021) und beantworteten eine Reihe von Fragen zu Umsetzung, Umfeld, Kosten und Technologie ihres geplanten Joint-Ventures, wie in der aktuellen Ausgabe von Euwid Recycling und Entsorgung zu lesen ist. Ein Standort für die geplante Aufbereitungsanlage, in der laut der Planungen ab dem Jahr 2025 100.000 Tonnen Sortierreste aus dem dualen System und 100.000 Tonnen Kunststoffe aus dem Restmüll mittels Pyrolyse zu geschätzten 70 bis 80 Prozent zu Pyrolyseöl verarbeitet werden sollen, stehe noch nicht fest, werde aber wohl ein EEW-Standort sein. Die Investitionskosten für das Projekt lägen laut der beiden Projektpartner bei einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Die Wirtschaftlichkeit werde sich, so Wiener, ganz wesentlich über den Erlös des Pyrolyseöls, das man selbst vermarkten, Inverkehrbringern sowie Markeninhabern und explizit nicht als Kraftstoff anbieten wolle, rechnen müssen. Vorrangiger Gedanke, wenn Wiener auf Deutschland blicke, sei nicht die Frage nach der Erfüllung von Recyclingquoten, sondern ob mit dem Pyrolyseöl ein höherer „Closed-Loop-Content“ zu erreichen sei, wovon er auf jeden Fall ausgehe. Damit Hersteller das für ein werkstoffliches Recycling wichtige Design for Recycling im Blick behielten, wenn auch chemische Verfahren zur Verfügung stehen, brauche es ein funktionierendes Bonus-Malus-System, an dem die Betreiber der dualen Systeme laut Wiener arbeiteten, so dass Lizenzentgelte eine Lenkungswirkung entfalten können. Er rechne damit, dass in den kommenden Jahren deutlich mehr Kunststoffabfälle als heute für das mechanische Recycling zur Verfügung stehen werden, auch wenn es für den Produktschutz immer Verbundmaterialien geben werde, für die dann das chemische Recycling zum Einsatz kommen könne.

 

Quellen:

  • k-zeitung.de (4.8.2021)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 31/2021 (3.8.2021)
Untersuchungen zu Kunststoffen in der Umwelt

Im Rahmen des Projektes „Mikroplastik in Binnengewässern“, kurz MicBin, an dem auch die BKV beteiligt ist, hat die TH Köln, wie die Fachpresse berichtet, das Sickerwasser einer Deponie untersucht, um Aufschluss über Wege und den Verbleib von Mikroplastik aus der Deponie zu erhalten. Laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) ließen sich, wie aus einem Bericht bei Business Insider hervorgeht, Kunststoffabfälle im Meer durch die Umstellung auf Mehrwegprodukte deutlich reduzieren.

 

Die TH Köln habe, wie die Fachpresse berichtet, im Projekt MicBin, dessen Ziel es ist, Handlungsoptionen und Lösungsansätze zur Reduktion des Eintrags von Kunststoffen in die Umwelt zu formulieren, die Beprobung der Deponie Leppe durchgeführt. In Lindlar habe ein Team um Prof. Astrid Rehorek unbehandeltes Sickerwasser an verschiedenen Stellen der Deponie untersucht und Ablagerungen gefunden, die Quellen für Mikroplastik sein könnten. Da das Deponiesickerwasser in einer nachgeschalteten Kläranlage in Lindlar weiter aufgereinigt werde, gelange das Mikroplastik nicht zwangsläufig in die Umwelt, wird Rehorek in den Berichten zitiert. Die Ergebnisse sollten Aufschluss geben über den Weg und Verbleib des Mikroplastiks aus der Deponie sowie in Folgeuntersuchungen einen wichtigen Ansatzpunkt zur Entwicklung möglicher Maßnahmen gegen Mikroplastik in anderen Deponien und Gewässern bieten. Sie hätten gezeigt, dass eine gut funktionierende Deponiesickerwasser-Reinigungsanlage ein absolut notwendiger Standard sein müsse.

 

Wie sich die Umstellung auf Mehrwegprodukte auf die Menge der Kunststoffabfälle in den Ozeanen auswirken würde, untersuchten laut eines Berichts bei Business Insider das WEF zusammen mit der Unternehmensberatung Kearney. Etwa 150 Millionen Tonnen Kunststoff befänden sich laut WEF derzeit im Meer. Zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle kämen einer Schätzung des WEF aus dem Jahr 2015 zufolge jährlich hinzu. Die Autoren der Studie entwarfen, wie in dem Bericht weiter zu lesen ist, ein skalierbares Modell zur Reduktion von Kunststoffabfällen mit verschiedenen Szenarien. Ihren Berechnungen zufolge könnten sieben bis 13 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle bzw. zwischen 45 und 90 Prozent dessen, was jährlich in die Ozeane gelange, eingespart werden, wenn der Anteil von Mehrwegverpackungen bis zum Jahr 2030 auf zehn bis 20 Prozent steige. Ähnliches strebe die EU mit ihren Nachhaltigkeitszielen bis zum Jahr 2030 an, so der Bericht, der zeige, dass Mehrwegprodukte und Wiederverwertungsstrategien die Ozeane deutlich entlasten könnten.

 

Weitere Information: zum Download des WEF-Berichts „Future of Reusable Consumption Models“

 

Quellen:

  • recyclingportal.eu (4.8.2021)
  • recyclingmagazin.de (3.8.2021)
  • businessinsider.de (29.7.2021)

23.07. - 29.07.2021

Ressourcen erschöpft: mehr Kreislaufwirtschaft gefordert

Anlässlich des Erdüberlastungstages am 29. Juli 2021 fordern Wirtschaft und Verbände von der Politik stärkere Unterstützung für die Kreislaufwirtschaft, wie aus Berichten der Fachpresse hervorgeht. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) erklärte laut Medienberichten, es brauche eine „Konsumwende“ und Nachhaltigkeit als neuen globalen Standard.

 

Die Welt erreicht am 29. Juli 2021 den sogenannten Erdüberlastungstag. Ab diesem Datum sind rechnerisch alle natürlichen Ressourcen aufgebraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres erzeugen oder regenerieren kann. Aus diesem Anlass fordere Müller, wie unter anderem tagesschau.de berichtet, das Ziel müsse sein, weniger Rohstoffe effizienter zu nutzen, wiederzuverwenden und zu recyceln. Die EU müsse vorangehen und mit ihrem Green Deal den Rahmen für eine globale Kreislaufwirtschaft setzen. Einen Kurswechsel hin zu einer Kreislaufwirtschaft, die natürliche Ressourcen schont und das Klima entlastet, halte auch der in einem Bericht bei Euwid zitierte Vorstandschef der Alba Group, Axel Schweitzer, für zwingend notwendig. Die technischen Voraussetzungen und das Know-how seien in Deutschland auf hohem Niveau vorhanden. Schweitzer richte auch einen Appell an die Politik und fordere einheitliche Industriestandards und eine gesetzliche Mindestquote für den Einsatz von Rezyklaten, die deutlich weniger klimaschädliche Emissionen verursachten als die Produktion von Neuware. Für eine Offensive der Kreislaufwirtschaft zur Ressourcenschonung mache sich auch der BDE-Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft angesichts des Erdüberlastungstages stark. Der „Schlussverkauf der Erde“ müsse so schnell wie möglich ein Ende haben, wird BDE-Präsident Peter Kurth in dem Bericht von Euwid zitiert. Von der nächsten Bundesregierung erwarte der BDE deutliche Akzente und fordere ein Ministerium für Green Deal im Bundeskanzleramt sowie geeignete gesetzliche Regelungen für die Realisierung einer Kreislaufwirtschaft. Als Behinderung der Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe betrachte die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen die im Juli beschlossene EU-Kunststofftsteuer, wie Euwid an anderer Stelle berichtet. Sie könne dazu führen, dass ökologisch häufig schlechtere Verpackungsmaterialien günstiger und damit wettbewerbsfähiger würden und dem Markt darüber hinaus finanzielle Mittel entzogen würden, die dann nicht in den Ausbau und die Erneuerung der Recycling-Infrastruktur investiert werden könnten. Auch würde Deutschland mit 1,33 Milliarden Euro jährlich die größte finanzielle Last in der Union tragen. Die Politik solle nach Ansicht der IK den Übergang zur Kreislaufwirtschaft durch marktwirtschaftliche Instrumente unterstützen und nicht durch Steuern behindern. Der Begriff „Plastiksteuer“ sei zudem aus Sicht der IK irreführend, da es sich tatsächlich „um eine Methode zur Berechnung des erhöhten EU-Mitgliedsbeitrags infolge des Brexit“ handele.

 

Quellen:

  • tagesschau.de (29.7.2021)
  • wallstreet-online.de, euwid-recycling.de, recyclingmagazin.de (28.7.2021)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 30/2021 (27.7.2021)
Alternativen zu Kunststoff?

In einem Podcast des Handelsblatts erläutert Prof. Sven Sängerlaub vom Lehrstuhl für Verpackungsherstellung und -technik an der Hochschule München die vielen Vorteile von Verpackungen aus Kunststoff und, dass die Klimabilanz von Alternativen aus anderen Materialien wie zum Beispiel Papier nicht unbedingt besser sei. Der im Podcast ebenfalls befragte Tiefkühllebensmittelanbieter Frosta setze dennoch auf Papierverpackungen.

 

Bei Produktschutz, Transport, Marketing, Convenience oder auch gesetzlichen Anforderungen wie an die Lebensmitteilsicherheit böten Verpackungen aus Kunststoff aufgrund ihrer Eigenschaften, Vielseitigkeit und des geringen Gewichts viele Vorteile, erkklärt Sängerlaub im Podcast-Interview mit Handelsblatt Green. Auch habe die Industrie in den vergangenen 30 Jahren großartige Arbeit geleistet, Kunststoffverpackungen immer effizienter zu machen. Doch wachse aufgrund der Probleme, die Kunststoffe in der Umwelt, wo sie nicht hingehörten, verursachten der Druck auf die Industrie nach Alternativen Ausschau zu halten. Die Gefahr, dass Kunststoffe in die Umwelt gelangen, bestehe vor allem in Ländern, in denen sie weiterhin deponiert würden. Auch gingen die Grundstoffe Erdöl und Erdgas für ihre Herstellung in absehbarer Zeit zur Neige. Recycling sei auf jeden Fall gut für die Umwelt, da hierbei weniger Energie verbraucht werde als für die Herstellung neuer Kunststoffe. Auch sei die Klimabilanz einer Papierverpackung nicht in jedem Fall besser als bei Kunststoff. Nur bei gleicher Materialdicke könne Papier besser abschneiden. Sängerlaub befürworte die Grundidee des Green Deal, Kunststoffe im Kreislauf zu führen und beobachte, dass derzeit viele neue Verfahren entwickelt sowie bestehende verbessert würden. Für ganz wichtig halte er, dass ein Markt für Rezyklate geschaffen, Anwendungen für sie gefunden und die Qualität von Recyclingkunststoffen weiter verbessert werde. Er glaube, dass der Markt für Rezyklate – auch aufgrund der gesetzlichen Vorgaben – wachsen werde und, dass es in Zukunft viele Lösungen neben (Recycling-)Kunststoffen geben werde wie Papier, Bio-Kunststoffe, Entwicklungen aus dem Bereich nachwachsende Rohstoffe bis hin zu mehr Mehrweg oder auch Unverpackt-Angeboten.

Auf eine Umstellung seiner Verpackungen auf Papier setze der Tiefkühlkosthersteller Frosta trotz höherer Kosten für den Verbraucher und Problemen wie, dass die Papierumhüllung die Farbe des verpackten Lebensmittels annehmen könne wie zum Beispiel bei roter Bete, erklärt der im Podcast als erster befragte Leiter der Frosta Forschungs- und Entwicklungsabteilung Arne Döscher im Gespräch mit dem Handelsblatt. Vier Gemüsemischungen von insgesamt 50 TK-Produkten biete Frosta bereits in einer Papierverpackung an. Es handle sich um eine Entwicklung von Frosta, die das Unternehmen zum Patent angemeldet habe und die mit dem deutschen Verpackungspreis ausgezeichnet worden sei. Man habe schon weiter seien wollen, rechne mit der kompletten Umstellung in etwa zwei Jahren. Die Papierverpackung von Frosta enthalte 0,1 Prozent bio-abbaubares Polymer und spare laut Döscher gegenüber Kunststoff 40 Prozent an Emissionen ein.

 

Quellen: handelsblatt.com (27.7.2021)

16.07. - 22.07.2021

LVP: Mechanisches und chemisches Recycling kombinieren

Wenn chemische mit werkstofflichen Verfahren kombiniert würden, ließe sich laut Berechnungen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) die CO2-Bilanz des Recyclings von LVP deutlich verbessern, geht aus einem Bericht bei Euwid über die während der Online-Konferenz „Highway oder Holzweg – Chemisches Recycling von Kunststoffen“ diskutierten Inhalte hervor.

 

Eine Kombination aus mechanischem und chemischem Recycling sei laut Professor Dieter Stapf vom KIT ein ökonomisch und ökologisch sinnvoller Weg zur Verwertung von Leichtverpackungen (LVP). Im aktuellen System würden, wird Stapft in dem Bericht bei Euwid weiter zitiert, rund 22 Prozent des in Leichtverpackungen enthaltenen Kohlenstoffs zurückgewonnen, was im Vergleich zur Herstellung von Kunststoffen aus fossilen Rohstoffen zwar 0,08 Euro pro Kilogramm Input einspare, aber zu relativ hohen CO2-Emissionen führe, da die als Ersatzbrennstoffe energetisch verwerteten Kunststofffraktionen in die CO2-Bilanz eingerechnet werden. Kombiniere man die 22 Prozent mechanisches Kunststoffrecycling mit chemischem Recycling würden die Einsparungen Stapf zufolge deutlich auf 0,25 Euro pro Kilogramm Input steigen und man könne 66 Prozent des Kohlenstoffs zurückgewinnen und zu neuen Produkten verarbeiten. Skepsis hätten auf der Konferenz, die das baden-württembergische Umweltministerium veranstaltet hatte, Vertreter aus Politik und Umweltverbänden vor allem hinsichtlich des Energiebedarfs geäußert, der Stapf zufolge aber bei chemischen Verfahren nicht größer sein müsse als beim mechanischen Recycling. Regina Dube vom Bundesumweltministerium habe von der Industrie mehr Daten zum chemischen Recycling gefordert und erklärt, derzeit komme eine rechtliche Gleichstellung mit werkstofflichen Verfahren, wie die Industrie sie im Hinblick auf das Verpackungsgesetz mit der werkstofflichen Recyclingquote gerne sähe, nicht in Frage. Michael Schäfer vom Nabu habe zudem Zweifel daran geäußert, dass die chemischen Verfahren insbesondere für das Recycling von nicht-werkstofflich verwertbaren Kunststoffen zum Einsatz kommen sollen.

 

Quelle: Euwid Recycling und Entsorgung 29/2021 (20.7.2021)

„Viel Kunststoff, wenig Kreislauf“

Zur Frage, wie in Deutschland eine funktionierende Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe entwickelt werden kann, äußern sich in einem Beitrag des NDR Experten aus Politik, Wirtschaft und Umweltverbänden. Wie aus einem Bericht auf der Plattform Innovation Origins hervorgeht, sei auch im Nachbarland Österreich noch viel zu tun für eine kreislauffähige Wirtschaft. Über die Ergebnisse einer österreichischen Studie zu einer ungewöhnlichen Recycling-Methode für Kunststoffe berichtet die Welt: Mikroben aus Kuhmägen seien in der Lage, Kunststoffe zu verdauen.

 

Die im Beitrag des NDR befragten Experten antworteten auf die Frage nach dem Weg hin zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe in Deutschland zusammengefasst: weniger To-Go- und Single-Use-Verpackungen, mehr Mehrweg, konsequentes Design for Recycling, korrekte Mülltrennung durch Verbraucher und Unterstützung der Rezyklat-Nachfrage durch eine gesetzliche Mindestquote. Holger Berg vom Wuppertal-Institut für Klima und Energie halte Recycling nach Mehrweg für die zweitbeste Lösung. Die Verwendung von Rezyklaten, so Berg, sei im Hinblick auf CO2-Emissionen zwei bis achtfach besser als Kunststoffe neu zu produzieren. Die Greenpeace-Mitarbeiterin Viola Wohlgemuth fordere eine „Verpackungswende“ weg von Single-Use hin zu einer „Mehrweggesellschaft“. Die Zahlen zum Recycling von Kunststoffen seien laut Berg und Wohlgemuth mit Vorsicht zu genießen. Hohe Recyclingquoten, sage Berg, bedeuteten nicht, dass aus Rezyklaten auch neue Produkte entstehen. Ihr Anteil an der Gesamtproduktion liege nur bei 13 Prozent. Einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leiste auch die richtige Mülltrennung, wie Axel Subklew, Leiter der Kampagne der dualen Systeme „Mülltrennung wirkt“, in dem Bericht des NDR ausführt. Das Gerücht, dass alle Abfälle zusammen geworfen und dann verbrannt würden, sei so alt wie das System. Tatsächlich landeten sämtliche Abfälle heute in mindestens einer Sortieranlage und die richtige Mülltrennung spare hierzulande 1,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ein. Dass zum Teil Kunststoffabfälle, die sich für ein Recycling eignen, in Verbrennungsanlagen landen, liege laut Peter Kurth, Präsident der BDE-Bundesverbands der deutschen Entsorgungswirtschaft, daran, dass es keinen Markt für Rezyklate gebe. Daher fordere der BDE eine gesetzliche Mindestquote für Rezyklate in neuen Kunststoffprodukten. Mit der Einführung einer solchen Quote auf EU-Ebene rechne auch Berg früher oder später. Er sehe als weiteren Grund für die Absatzprobleme bei Rezyklaten, dass Unternehmen anders als bei Neuware die chemische Qualität des Materials nicht einschätzen könnten. Die österreichische Umweltministerin Leonore Gewessler, die im Bericht bei Innovation Origins zitiert wird, wolle Recycling, das letztendlich zur Kreislaufwirtschaft führe, in der der Abfall wieder zum Rohstoff wird, stärken und die Menge an Kunststoffabfällen um 20 Prozent reduzieren. Neben dem Recycling und dem Umstieg auf biobasierte Kunststoffe, brauche es auch den Willen, Kunststoff zu vermeiden, so Gewessler. Kunststoffe, die in vielen Lebensbereichen unersetzlich seien, ist in dem Bericht weiter zu lesen, gebe es in einer großen Typenvielfalt. Als Einzelsubstanz seien sie, so die dort zitierte Umweltbiotechnologin Dr. Ines Fritz, rein theoretisch zu 100 Prozent recycelbar. Das größte Problem seien Verbunde und Mehrkomponentenmaterialien, konstatiere Dr. Doris Ribitsch vom Institut für Umweltbiotechnologie an der Universität für Bodenkultur Wien. Die Forscherin habe, wie auch in einem Beitrag der Welt zu lesen ist, ein Verfahren zur Extraktion von Kunststoff aus Mischfasern entwickelt. Dabei setze sie Enzyme von Bakterien aus Kuhmägen als Biokatalysatoren ein. Diese seien in der Lage, synthetische Kunststoffe zu spalten. Die Mikroben im Pansen setzten eine Polyester-Hydrolyse in Gang, die zur Zersetzung der in der Studie eingesetzten Kunststoffe Polyethylenterephthalat (PET), Polybutylenadipat-Terephthalat (PBAT) und des biobasierten Polyethylenfuranoat (PEF) führe. In Folgestudien wolle man untersuchen, wie die Mikroben für die Entsorgung von Kunststoffen genutzt werden könnten.

 

Quellen:

  • ndr.de, welt.de (19.7.2021)
  • innovationorigins.com (16.7.2021)

09.07. - 15.07.2021

„Grüne Revolution“ der EU trifft vor allem die Industrie

Die EU will durch das Klimaschutzpaket ihre Wirtschaft massiv umbauen, um die Klimaziele zu erreichen, berichten Publikums- und Fachmedien. Betroffen seien neben dem Verkehrssektor vor allem energieintenisve Unternehmen. So solle der CO2-Ausstoß für die Industrie deutlich teurer werden. Dazu wolle die Kommission die Emissionszertifikate – unter anderem auch für die Abfallwirtschaft – verknappen sowie eine Grenzabgabe einführen, um die Verlagerung von CO2-Emissionen in Nicht-EU-Länder zu verhindern.

 

Der Vorschlag der EU-Kommission, den Kommissionschefin Ursula von der Leyen und -vizepräsident Frans Timmermans am 14. Juli vorstellten und dem Europaparlament sowie die Mitgliedstaaten noch zustimmen müssen, sehe u.a. laut Handelsblatt neben der ausschließlichen Zulassung von Neuwagen, die kein CO2 mehr ausstoßen (ab dem Jahr 2035), strikte Energieeinsparungen in der Industrie vor, um das Klimaziel der EU für das Jahr 2030 zu erreichen. Zu diesem Datum soll die EU 55 Prozent weniger CO2 ausstoßen als im Jahr 1990. Bisher sei vorgesehen gewesen, dass bis dahin 43 Prozent weniger Zertifikate zur Verfügung stehen als noch 2005. Dieser Wert werde nun auf 61 Prozent erhöht. Statt der freien Zuteilungen, die vermeiden sollten, dass europäische Unternehmen gegenüber anderen einen Nachteil im globalen Wettbewerb haben, sei nun ein CO2-Grenzausgleich vorgesehen, eine Art Zoll auf energieintensive Waren, der beim Import erhoben werde. Bereits ab 2023 sollen Unternehmen, berichtet das Handelsblatt weiter, den CO2-Gehalt ihrer in die EU importierten Waren anmelden. Ab 2025 sei dann eine Grenzabgabe geplant. Diese solle die freien Zuteilungen Stück für Stück ersetzen. Nicht nur in der Industrie sondern auch im Parlament und in den Mitgliedsstaaten gebe es Gegner der Grenzabgabe. Man zweifle nicht nur an ihrer Umsetzbarkeit, Kritiker fürchteten zudem einen Handelskrieg, der entstehen könne, wenn andere Länder die Abgaben der EU mit Strafzöllen beantworteten. Auch der Plan einer allmählichen Umstellung der kompletten Industrie auf klimaneutrale Energieträger mache die besonders betroffenen Branchen wie Stahl oder Chemie nervös, ist in einem Kommentar zum Bericht des Handelsblattes zu lesen. Der darin zitierte Covestro-Vorstand Klaus Schäfer warne, wenn es nicht gelinge, die Versorgung mit grünem Strom für die nächsten Jahrzehnte zu sichern, drohe eine Deindustrialisierung.

 

Quellen:

  • recyclingportal.eu (15.7.2021)
  • handelsblatt.com, tagesschau.de, recyclingmagazin.de (14.7.2021)
Studie warnt vor Rohstoffknappheit in der Zukunft

Laut einer Studie der Boston Consulting Group (BCG), über die die Süddeutsche Zeitung berichtet, würden in der Zukunft benötigte Rohstoffe wie zum Beispiel solche für (Auto-)Batterien, Wasserstoff oder auch recycelte Kunststoffe knapp.

 

Die Unternehmensberater erwarteten ein Zeitalter der „Nachhaltigkeitsknappheit“. Der Bedarf an nachhaltigen Ressourcen werde laut Studie der BCG in vielen Bereichen wohl schneller wachsen als das Angebot. Schon heute sei manch drohende Knappheit erkennbar. So würden beispielsweise viele Konsumgüter-Hersteller mehr Rezyklate in ihren Verpackungen verwenden wollen, doch werde die Nachfrage zum Beispiel nach recyceltem PET laut Analyse der BCG das Angebot noch einige Jahre deutlich übersteigen. Firmen seien der drohenden Knappheit jedoch nicht hilflos ausgeliefert, meinen die Autoren. Damit weltweit mehr Recycling-Systeme entstehen und das Angebot steigen könne, hätten zum Beispiel Konzerne wie Nestlé oder Unilever bereits mehrere Millionen an Kapital zur Verfügung gestellt.

 

Quellen:

  • süddeutsche.de (13.7.2021)
UBA-Studie zum Kunststoffrecycling: Stand der Technik umsetzen

Die Autoren einer vom Umweltbundesamt beauftragten Untersuchung kommen laut eines Bericht bei Euwid zu dem Schluss, dass zur Weiterentwicklung des Kunststoffrecyclings zunächst der Stand der Technik umgesetzt werden müsse.

 

In der Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH (Ifeu), der Berliner Oetjen-Dehne & Partner Umwelt- und Energie-Consult GmbH, des Wuppertal-Instituts und des Magdeburger Kunststoff-Service Centers mit dem Titel „Technische Potenzialanalyse zur Steigerung des Kunststoffrecyclings und des Rezyklateinsatzes“ verglichen die Autoren laut Euwid die aktuelle Praxis der Sammlung, Sortierung und Aufbereitung von Kunststoffabfällen aus verschiedenen Stoffströmen sowie Anwendungen, bei denen Hersteller Kunststoffrezyklate aus Post-Consumer-Abfällen einsetzten, mit dem Stand der Technik und identifizierten Problemfelder, die das werkstoffliche Recycling von Kunststoffabfällen derzeit behinderten und erschwerten. Neben den das Recycling einschränkenden Faktoren Störstoffe, Kontaminationen, Verbundstoffe, Additive oder Geruch, bei denen die technischen Möglichkeiten zur Verbesserung des Kunststoffrecyclings begrenzt beziehungsweise Innovationen schwierig umzusetzen oder unwirtschaftlich seien, hielten die Autoren es für wichtiger, dass sich die Inputqualität verbessere. Die entscheidenden Weichenstellungen zur Optimierung der Verwertungserfolge sähen sie im Design for Recycling und einer Optimierung der Sammelsysteme zum Erhalt möglichst sortenreiner Materialien.

 

Quelle:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 28/2021 (13.7.2021)
Kunststoffrecycler alarmiert wegen Streichung der EEG-Beihilfe

Wie aus Berichten der Fachpresse hervorgeht, sieht ein derzeit diskutierter Entwurf der EU-Kommission die Streichung bislang gewährter EEG-Beihilfen vor, von der auch viele Kunststoffrecycler betroffen sein könnten. Beim bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung habe der Plan der EU für Kopfschütteln gesorgt. Man arbeite bereits gemeinsam mit dem europäischen Dachverband EURIC an einer Stellungnahme.

 

Die Änderungen in den Leitlinien der EU für staatliche Umweltschutz- und Energiebeihilfen, die die EU-Kommission ausdrücklich mit dem Ziel begründet habe, den europäischen GreenDeal im Interesse des Umwelt- und Klimaschutzes effizienter erfüllen zu wollen, sollen wie unter anderem in einem Bericht von Euwid zu lesen ist Anfang 2023 in Kraft treten und enthielten nicht mehr länger eine Passage über die „Beihilfen in Form von Ermäßigungen des Beitrags zur Finanzierung erneuerbarer Energien“. Nach Ansicht des bvse würden bislang beihilfeberechtigte Recycler aus der Beihilfeberechtigung herausfallen, die den Zielen des Green Deals nützten. Wenn den Unternehmen die EEG-Beihilfen gestrichen würden, sei das nach Ansicht des bvse gleichbedeutend mit einer erheblichen Schwächung der Kreislaufwirtschaft in diesem Bereich. Damit arbeite die EU-Kommission gegen die eigene „Europäische Plastikstrategie“, argumentiere der Verband. Die Kommission habe den Entwurf im Konsultationsverfahren veröffentlicht. Betroffene und Interessierte könnten noch bis zum 2. August Stellung nehmen.

 

Quelle:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 28/2021 (13.7.2021)
  • recyclingmagazin.de (9.7.2021)

02.07. - 08.07.2021

„Ade, Plastik-Trinkröhrli“

Nun hat auch die Publikumspresse das Verbot vieler Einwegprodukte aus Kunststoff seit dem 3. Juli als Thema aufgegriffen – einer dpa-Meldung sei Dank. Während vielfach nachrichtlich berichtet wird, was künftig verboten bzw. markiert sein soll und was Umweltverbände dazu sagen, finden sich hier und da auch Kommentare, die von „Gefangen im Selbstbetrug“ (Süddeutsche Zeitung) bis „Plastikstrohhalme allein kann man knicken“ (Deutschlandfunk) reichen. Die Fachpresse gibt die Kritik unter anderem von Seiten der IK und des Instituts der Wirtschaft wieder.

 

„Ade, Plastik-Trinkröhrli“ titelt die Neue Zürcher Zeitung. Seit vergangenen Samstag sind sie in Deutschland prinzipiell verboten, die Kunststoff-Einwegprodukte wie Plastikstrohhalme, Plastikteller oder -besteck. Lagerbestände dürften aber noch in Umlauf gebracht werden. Laut Spiegel kritisiere der Nabu, dass Kunststoffgetränkebecher oder auch mit Kunststoff beschichtete Papierbecher weiter verkauft werden dürften. Solche Produkte müssten wie auch Hygieneprodukte aus Kunststoff oder Zigaretten mit Kunststofffilter eine Markierung aufweisen, die auf potenzielle Schäden hinweisen, wenn die Produkte in der Umwelt landen. Verboten würden solche Produkte, weil sie zu den zehn am häufigsten an europäischen Stränden gefundenen Einwegplastikprodukten zählten, berichtet die Presse und beruft sich dabei auf das Umweltbundesamt. Auch weisen die Berichte darauf hin, dass die Alternativen nicht immer besser für die Umwelt seien. Der Verbraucherzentrale Bundesverband wird etwa mit dem Hinweis zitiert, dass ein Ersatz des Plastiks durch Papier zur Abholzung von Wäldern, die für den Klimaschutz gebraucht würden, führen würde. Die in Deutschland für die Umsetzung der EU-Richtlinie zuständige Umweltbundesministerin Svenja Schulze rate deshalb zu mehr Mehrweg statt Einweg. Ein Kommentar in der Süddeutschen Zeitung sieht im Verbot von Einwegplastik eine Verstärkung der deutschen Hybris („seht her, wir tun was“), wo man sich als „Weltmeister der Wiederverwertung“ begreife, in Wirklichkeit aber „Europameister im Wegwerfen“ sei. Auch dem Deutschlandfunk gehen die Verbote nicht weit genug, sie täten eh niemandem wirklich weh. Dagegen müssten Vorschriften hinsichtlich des Einsatzes von Rezyklat in PET-Flaschen über die bereits gesetzten hinaus erweitert werden. Auch kritisiert der Radiosender, dass Pappteller und Aluschalen weiterhin erlaubt blieben, deren Ökobilanz kaum besser sei. Der Verband der Kunststoffverpackungshersteller, die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, kritisiere laut Fachpresse die „vielen Unklarheiten der Richtlinie und Ihre unterschiedliche Umsetzung“ in Europa, die aufgrund der spät veröffentlichten Leitlinie zu „Insellösungen“ führten und die die mit Investitionen verbundenen Aktivitäten, Verpackungen durchgängig recyclingfähig zu gestalten und mehr Rezyklate einzusetzen, gefährdeten. Ingemar Bühler von PlasticsEurope Deutschland wird mit dem Hinweis zitiert, dass jenseits des verantwortungslosen Wegwerfkonsums nachhaltige Lösungen gebraucht würden. Einwegprodukte müssten gleich aus welchem Material reduziert werden. Mehr Mehrweg müsse möglich gemacht werden, wobei Kunststoffe als klima- und umweltschonendes Material eine wichtige Rolle spielten. Effiziente Kunststoffe dürften nicht durch weniger nachhaltige Alternativen verdrängt werden, so der Hauptgeschäftsführer des Kunststofferzeugerverbands.

 

Quellen:

  • neue-verpackung.de, k-zeitung.de (2.7.2021)
  • Süddeutsche Zeitung (2. und 3.7.2021)
  • spiegel.de, faz.net, zeit.de, deutschlandfunk.de (3.7.2021)
  • NZZ (4.7.2021)
  • umweltwirtschaft.com (5.7.2021)
CO2 im Kreislauf für weniger Treibhausgasemissionen

Das Handelsblatt berichtet von einer neuen Studie der Londoner Nachhaltigkeitsberatung Eunomia, die vorrechne, wie mit mehr Recycling CO2-Emissionen weltweit um fünf Prozent sinken könnten. Der VDI-Statusreport „Industrielle CO2-Kreisläufe“ gibt laut Recyclingportal einen Überblick, wie eine stoffliche CO2-Nutzung in Kreisläufen aussehen könnte und welche Nutzungen bereits etabliert seien.

 

Laut der bislang unveröffentlichten Studie von Eunomia sei der potenzielle Beitrag des Recyclings für den Klimaschutz immens, berichtet das Handelsblatt. Würden Abfallströme auf möglichst hohe Recyclingquoten optimiert ergebe sich ein globales Potenzial von 2,8 Milliarden Tonnen an CO2, die sich einsparen ließen. Dazu müsste laut der Autoren neben einem Pfandsystem für Getränkeverpackungen – das deutsche System mit einer Rücklaufquote von 98 Prozent bei PET-Einwegflaschen werde weltweit beneidet – und einer separaten Entsorgung von Bioabfällen, Papier, Textilien und Elektrogeräten vor allem die Sortierung des Restmülls in den Blick genommen werden. Dessen Inhalt lande zumeist auf Deponien oder in Verbrennungsanlagen und trüge so zu Emissionen bei. Dass die aktuellen Verbote von Kunststoff-Einwegprodukten etwas Positives hinsichtlich des Klimas bewirkten, werde in der Branche eher skeptisch beurteilt, so das Handelsblatt. Auch Eunomia sehe in Kunststoffen weniger ein Problem für das Klima, denn CO2 entstehe erst, wenn der Kunststoff verbrannt würde. Deshalb müsse er vorher ausgesiebt und anschließend recycelt werden. Dass es bei den richtigen Rahmenbedingungen funktionieren könne, zeige das deutsche Pfandsystem für Einwegkunstoffflaschen, in dem bereits einzelne Hersteller dazu übergangen seien, ihre Flaschen zu hundert Prozent aus Recyclingkunststoff herzustellen.

Die Reduktion von Treibhausgasen ist auch Thema des neuen VDI-Statusreports, über den das Recyclingportal berichtet. Kohlenstoffe zählten einerseits zu den Hauptverursachern des Treibhauseffekts, seien aber andererseits wichtige Rohstoffe in der chemischen Industrie. In einer treibhausgasneutralen Zukunft müsse der Kohlenstoff im Kreislauf geführt werden, was allerdings mit einem hohen energetischen Aufwand verbunden sei, der wiederum ein hohes und preiswertes Angebot CO2-freien Stroms aus erneuerbaren Energien voraussetze. Die stoffliche Nutzung von CO2 als Rohstoff für chemische Grundstoffe zur Herstellung neuer Produkte trage zu einer Verringerung der Treibhausgasemissionen bei. Die Autorinnen und Autoren des VDI-Reports würden sich über solche Fragen der Nutzung hinaus auch mit Themen der Transportinfrastruktur, der Lagerung und den Risiken beim Umgang befassen, da CO2-Quellen oft nicht dort anzutreffen seien, wo sie als Rohstoff genutzt werden könnten.

 

Kostenfreier Download: Statusreport „Industrielle CO2-Kreisläufe“

 

Quellen:

  • handelsblatt.com (6.7.2021)
  • recyclingportal.eu (7.7.2021)

25.06. - 01.07.2021

Raus aus der Wegwerfgesellschaft

Am 3. Juli tritt das Verbot bestimmter Produkte aus Einwegkunststoff in Kraft. Bundesumweltministerin Schulze spricht in dem Zusammenhang von einem wichtigen Schritt raus aus der Wegwerfgesellschaft, wie in der Fachpresse berichtet wird. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung begrüßt im Kommentar das Verbot. Laut FAZ ist Einwegbesteck aus Plastik bereits Teil einer Ausstellung der Londoner Design Biennale mit dem Titel „Spoon Archaeology“.

 

Ab dem 3. Juli 2021 sind in der gesamten EU eine Reihe von Einwegprodukten aus Kunststoff verboten. Dazu zählen neben Einmalbesteck und -tellern, Trinkhalmen oder Wattestäbchen auch To-Go-Lebensmittelbehälter und Getränkebecher aus Styropor sowie alle Produkte aus oxo-abbaubarem Kunststoff. Laut der EU-Kommission sollen alle diese Produkte zu den am häufigsten an europäischen Stränden gefundenen Plastikgegenständen gehören. Für Produkte, auf die man derzeit mangels Alternative noch nicht verzichten könne, greife eine Kennzeichnungspflicht. Dazu zählen unter anderem Hygieneartikel, Tabakprodukte mit Kunststofffilter oder auch Einweggetränkebecher, die künftig deutlich erkennbar in das Layout der Verpackungen integrierte Warnhinweise aufweisen müssten. Das BMU gehe davon aus, dass das Verbot sowie die Kennzeichnungspflicht dazu führen, dass solche Produkte vom Markt verschwinden, da die Regelungen EU-weit gelten und ein Import aus Nicht-EU-Ländern untersagt sei. Für die Kommentatorin in der FAS ist das Verbot eine gute Nachricht. Sie vergleicht das Verbot mit dem Smog der 60er Jahre, über den heute hierzulande keiner mehr spreche. Genauso müsse bei den Einweg-Kunststoffprodukten halt einer damit anfangen, damit andere nachziehen, um die Produktion solcher Produkte weltweit einzustellen. Schon vorletzte Woche hatte die FAZ von den Löffeln, die an den Designprofessor Peter Eckart von der Hochschule für Gestaltung Offenbach abgegeben wurden, berichtet. Das Plastikbesteck habe der Professor zusammen mit dem Designer Kai Linke in die Ausstellung „Spoon Archaeology“ integriert, die als deutscher Beitrag auf der London Design Biennale zu sehen sei.

 

Für Svenja Schulze sei das Verbot ein wichtiger Schritt raus aus der Wegwerfgesellschaft, berichtet die Fachpresse weiter. Vieles davon lande in der Umwelt, sagt die Bundesumweltministerin, die sich sicher sei, dass das Verbot schon bald zu besseren, innovativen und umweltfreundlichen Produkten und Lösungen führen werde. Da scheint sich allerdings der Bundesverband der Verbraucherzentrale (VZBV) weniger sicher zu sein, wie packreport.de berichtet. Demnach ließen sich in Einweggeschirr aus Pappe, Zuckerrohr oder Palmenblättern gesundheitlich bedenkliche Schadstoffe nachweisen. Eine vom europäischen Verbraucherschutzverband BEUC veröffentlichte Untersuchung habe bei mehr als der Hälfte der getesteten Produkte unerwünschte Stoffe oberhalb der empfohlenen Richtwerte ergeben. Untersucht wurden 57 Produkte in Frankreich, Dänemark, Italien und Spanien, keine aus Deutschland. Weil regionale Untersuchungen in Deutschland Ähnliches hervorgebracht hätten, fordere der VZBV nach dem Verbot von Plastik-Einweggeschirr nun auch Verbote besonders schädigender Stoffe sowie mehr Personal und Geld für die Lebensmittelüberwachung.

 

Quelle: FAZ (22.6.2021) FAS (27.6.2021) packreport.de (28.6.2021) recyclingmagazin.de (30.6.2021) recyclingportal.eu (1.7.2021)

Klimaschutzgesetz ohne Förderung der Kreislaufwirtschaft

Mit einem verschärften Klimaschutzgesetz und einem Sofortprogramm Klimaschutz will die Bundesregierung das Ziel der Klimaneutralität in Deutschland bis 2045 erreichen. Darin werde zwar die Bedeutung einer zirkulären Wirtschaft anerkannt, jedoch auf Maßnahmen zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft verzichtet, kritisiert laut Fachpresseberichten der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung.

 

Im Sofortprogramm Klimaschutz würden acht Milliarden Euro zusätzlich für Maßnahmen in den Bereichen mit den höchsten Emissionen wie Energiewirtschaft, Industrie, Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft bereitgestellt. Nach Einschätzung des bvse sei dies auch gerechtfertigt, jedoch fehle ein wichtiger Bereich zur Erreichung der Klimaschutzziele, nämlich die Kreislaufwirtschaft. Deren Bedeutung für die Schließung und effiziente Nutzung von Stoffkreisläufen über die traditionelle Kreislaufwirtschaft hinaus würde zwar erkannt, aber dafür keine finanziellen Mittel bereitgestellt. Lediglich ein Masterplan, der bei Bedarf zu erstellen sei, sei vorgesehen. „Dies greift viel zu kurz und verlagert den dringenden Handlungsbedarf in die ferne Zukunft“, wird bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock in den Berichten zitiert. Letztlich die Anstrengungen und Investitionen der vom Mittelstand geprägten Recyclingbranche für ein hochwertiges Recycling habe erheblich zur Ressourcenschonung und CO2-Einsparung beigetragen. So seien in den vergangenen Jahrzehnten die Emissionen in der Abfall- und Kreislaufwirtschaft deutlich zurückgegangen. Dieser Beitrag zum Klimaschutz müsse nun mit vielschichtigen Maßnahmen gestärkt werden, fordere der bvse von der Bundesregierung. Neben einer Investitionsoffensive brauche es dringend eine „mittelstandsscharfe Förderung zum Ausbau der Recyclingkapazitäten“, mahne der Hauptgeschäftsführer des bvse, sowie auch den Abbau bürokratischer Bremsklötze, denn die Genehmigungsverfahren dauerten viel zu lange.

 

Quellen:

  • umweltwirtschaft.com (25.6.2021)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 26/2021, k-zeitung.de (29.6.2021)

18.06. - 24.06.2021

Duale Systeme wollen neues Anreizsystem für Recyclingfähigkeit

Die Systembetreiber sind nach §21 des Verpackungsgesetzes verpflichtet, bei den Lizenzentgelten ökologische Anreize für gut zu recycelnde und Rezyklate enthaltende Verpackungen zu schaffen. Schlecht zu recycelnde Verpackungen müssen demnach teurer für die Inverkehrbringer werden. Dass dies in der Praxis nicht funktioniere, sei schon länger klar, heißt es in der Fachpresse. Eine UBA-Studie habe zudem „systemimmanente Probleme“ wie die zehn dualen Systeme in einer gemeinsamen Stellungnahme betonen. Sie haben nun einen Vorschlag zur Novelle des § 21 VerpackG vorgelegt, die stärkere Anreize für mehr Recyclingfähigkeit setzen solle.

 

Bis Ende des Jahres laufe noch die Evaluierung der bestehenden Vorgaben im Paragraphen 21, bevor der Gesetzgeber nachsteuern werde, wie Euwid darauf hinweist. Zwischenergebnisse zeigten aber laut der Systembetreiber bereits, dass es systemimmanente Probleme bei der Umsetzung gebe. Bislang sei es gängige Praxis dass nicht recyclingfähige Verpackungen bei den Lizenzentgelten nur minimal höher bepreist seien. Bei deutlichen Preisaufschlägen würde der betroffene Hersteller einfach zu einem anderen System wechseln. Vor diesem Hintergrund sprechen sich die zehn dualen Systeme, die sich als zentrale Marktakteure der Kreislaufwirtschaft in Deutschland in der Verantwortung sähen, in einem gemeinsamen Vorschlag für eine gesetzliche Neuregelung aus. Diese solle ein privatwirtschaftlich organisiertes und wettbewerbsneutrales Modell enthalten, das auf bereits etablierten Strukturen und Prozessen aufbaue. Auch solle das neue Modell, von dem Inverkehrbringer „unmittelbar und kalkulierbar“ profitieren müssten, alle Materialien beinhalten, lediglich hochgradig recyclingfähige Verpackungen sollten von der Zahlung fester Zuschläge, die zudem für alle Systeme identisch seien, ausgenommen werden. Die Abwicklung solle über die etablierten Melde- und Abrechnungsprozesse erfolgen, also in der Verantwortung der dualen Systeme. Die vereinnahmten Mittel würden für Projekte zur Förderung von Recyclingfähigkeit, Rezyklateinsatz in Verpackungen und Verbraucherinformation verwendet. Zur Sicherstellung der Wettbewerbsneutralität sollten laut des Vorschlags solche Projekte durch eine wettbewerbsneutrale Institution wie etwa das BMU, das UBA oder die Zentrale Stelle Verpackungsregister akkreditiert und kontrolliert werden.

 

Quellen:

  • recyclingmagazin.de (17.6.2021)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 25/29021 (22.6.2021)
  • Kunststoff Information (24.620.21)
Chemisches Recycling anstelle von Verbrennung

Auch der Automobilkonzern Audi setzt auf chemisches Recycling statt Verbrennung von Kunststoffen und führt dazu ein Pilotprojekt mit KIT durch. Um die zunehmende Marktnachfrage nach chemisch recycelten Kunststoffen bedienen zu können, sichere sich der Kunststofferzeuger Borealis im Rahmen einer Kooperation mit dem belgischen Recycler Renasci dessen gesamte Produktion von Pyrolyseöl.

 

Gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) führte Audi das Pilotprojekt „Chemisches Recycling von Kunststoffen aus dem Automobilbau“ durch, um die technische Machbarkeit, die Wirtschaftlichkeit sowie die Umweltauswirkungen des chemischen Recyclings solcher Kunststoffabfälle zu testen. Laut der Ergebnisse, über die Euwid berichtet, sei es technisch machbar, Kunststoffabfälle aus dem Automobilbau durch chemisches Recycling zu Pyrolyseöl zu verarbeiten, das Erdöl als Chemierohstoff ersetzen könne. Das im Prozess gewonnene Material sei ebenso hochwertig wie Neuware. Auch ökologisch wie ökonomisch könne das chemische Verfahren gegenüber der energetischen Verwertung überlegen sein. Es biete die Möglichkeit, einen Großteil des Kohlenstoffs im Kreislauf zu führen und durch die Verarbeitung gemischter Altkunststoffe und Verbundmaterialien das mechanische Recycling zu ergänzen. Audi wolle nun mit Partnern aus der chemischen Industrie und dem KIT eine Industrialisierung des Verfahrens umsetzen. Euwid berichtet in der aktuellen Ausgabe auch von einer weiteren Kooperation zum chemischen Recycling. So habe sich der Kunststofferzeuger Borealis exklusiv die gesamte Produktion der bei dem belgischen Unternehmen Renasci chemisch recycelten Kunststoffe gesichert. Die Vereinbarung umfasse 20.000 Jahrestonnen. Für Borealis sei dieser Liefervertrag eine Ergänzung zum OMV-ReOil-Projekt zur Deckung der Marktnachfrage nach chemisch recycelten Kunststoffen.

 

Quelle:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 25/29021 (22.6.2021)
Elftes duales System am Start

Die FAZ befasst sich mit dem Markteintritt von Recycling Dual, dem elften dualen System, der für „ordentlich frischen Wind“ sorgen könne. Branchenkenner erwarteten eine Konsolidierung des Marktes, nicht alle würden überleben. Die Zukunft von Systemen, die keinen finanzkräftigen Partner aus Industrie, Handel oder Entsorgungsbranche hätten, sei von vielen Unsicherheiten geprägt.

 

Im Herbst 2019 habe Recycling Dual den „Marsch durch die Institutionen“ begonnen, nun habe man alle Genehmigungen bundesweit beisammen. Die Tatsache, dass es sich hier um den ersten Anbieter aus der Industrie handele, könne für frischen Wind sorgen, mutmaßt die FAZ. Das System gehöre mehrheitlich dem irischen Konzern Smurfit Kappa, der mit rund neun Milliarden Euro jährlichem Umsatz der größte Altpapierverwerter und Produzent von Papier- und Kartonverpackungen in Europa sei. Recycling Dual wolle innerhalb von fünf Jahren zum Spitzentrio der dualen Systeme aufsteigen, so der Sprecher der Geschäftsführung, Olaf Pusch, der viele Jahre für den Branchenriesen Remondis gearbeitet habe und im Mai nach einem kurzen Intermezzo bei Prezero, dem dualen System der Schwarz-Gruppe, zu Recycling Dual gekommen sei. So wie Pusch würden viele Branchenkenner von einer Konsolidierung des Marktes ausgehen. Vor allem solche Systeme, die keinen starken Entsorgungs-, Handels- oder Verpackungskonzern hinter sich hätten, würden es in Zukunft schwer haben zu überleben. An Marktmacht verloren habe in den vergangenen Jahren auch der Grüne Punkt, wie unter anderem Kunststoff Information berichtet. Unter anderem musste der Verlust der Großkunden Aldi Nord und Aldi Süd verschmerzt werden. Nach Zahlen der Zentralen Stelle für das zweite Quartal 2021 betrage der LVP-Marktanteil von DSD derzeit 15,68 Prozent. Vor dem Grünen Punkt rangiere der zur Suez-Gruppe gehörende Marktführer BellandVision mit 18,45 Prozent, an dritter Stelle folge Reclay mit 14,59 Prozent. Newcomer Eco-Punkt mit Remondis im Rücken komme immerhin schon auf 12,96 Prozent – zu ihm waren Aldi Nord und Süd gewechselt. Das System der Schwarz-Gruppe, Prezero, kommt laut KI auch bereits auf 11,83 Prozent, knapp hinter Zentek mit 12,01 Prozent.

 

Quellen:

  • FAZ (21.6.2021)
  • Kunststoff Information (24.6.2021)

11.06. - 17.06.2021

30 Jahre Verpackungsverordnung

Auf der Grundlage einer Pressemeldung des Grünen Punkts berichten einige Fachblätter über die von der Verpackungsverordnung vor 30 Jahren ausgelöste Entwicklung des Verpackungsrecyclings in Deutschland. Ein revolutionäres und visionäres Konzept, das sich weltweit verbreitet habe, das aber auch einer ständigen Weiterentwicklung bedürfe, wie seine Geschichte gezeigt habe, sehe darin der CEO des Grünen Punkts, Michael Wiener.

 

Am 12. Juni 1991 trat die Verpackungsverordnung in Kraft und verpflichtete erstmalig Hersteller zur Produktverantwortung. Seitdem müssten Hersteller sich um die Entsorgung der in Verkehr gebrachten Verpackungen kümmern, obgleich sie nicht mehr in ihren Händen sei. Der 1990 gegründete Grüne Punkt hatte seinerzeit die Umsetzung dieser „erweiterten Produktverantwortung“ übernommen und dazu mit den Gelben Säcken und Tonnen ein Getrenntsammelsystem für Verpackungen in Deutschland aufgebaut. Das Konzept der Verpackungsverordnung sei „revolutionär und visionär“ gewesen, wird Michael Wiener zitiert. Es sei eine der Schlüsselstrategien gegen Plastikvermüllung. Allerdings hätten die Schwierigkeiten der ersten Jahre auch gezeigt, dass es ständig weiterentwickelt werden müsse, so Wiener weiter. 2019 habe dann das Verpackungsgesetz die Verordnung abgelöst. Mit Recycling und Kreislaufwirtschaft könnte die Umweltbelastung durch Kunststoffabfälle beseitigt und die Ziele des Klimaschutzes erreicht werden. Allerdings wären laut Wiener dazu flankierende Maßnahmen zur Förderung des Rezyklateinsatzes erforderlich: Erweiterte Produzentenverantwortung 2.0 nennt das Wiener und meint damit, dass Produkte, die sich teilweise oder ganz aus Recyclingkunststoff herstellen lassen, Normalität werden müssten.

 

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu, plasticker.de (11.6.2021)
  • umweltwirtschaft.com (14.6.2021)
Plastik als Erdölersatz

Die FAZ berichtet über die Herstellung von Pyrolyseöl aus Kunststoffabfällen beim norwegischen Unternehmen Quantafuel, das von der BASF in Ludwigshafen bezogen und unter anderem zu Kunststoffgranulat weiterverarbeitet werde.

 

Bei mehr als der Hälfte der Kunststoffabfälle scheitere die stoffliche Wiederverwertung zu neuen Produkten an der „wilden Mixtur aus Dutzenden Typen“, so das die Abfälle in der Verbrennung landeten, schreibt die FAZ. Das norwegische Unternehmen Quantafuel nutze am Standort im dänischen Skive nun ein Verfahren, bei dem die Kunststoffmischungen pyrolisiert, das heißt unter Luftabschluss erhitzt und ihre langen Polymerketten aufgebrochen würden. Das dabei entstehende Gas werde von allen Fremdstoffen befreit und schließlich abgekühlt, so dass am Ende ein hochreines Pyrolyseöl vorliege, das Erdöl und Erdgas ersetzen könne. Dieses beziehe der Chemieriese BASF und nutze es für die Produktion von Chemikalien und reinem Granulat, aus dem hochwertige Kunststoffe entstehen. BASF wolle künftig im Jahr 15 Millionen Liter Pyrolyseöl aus der ersten großen Anlage von Quantafuel beziehen. Doch plane das norwegische Unternehmen bereits den Bau einer Anlage im eigenen Land mit einer Jahreskapazität von rund 250.000 Tonnen – zehn Mal mehr als die Anlage in Skive. Dies würde eine Produktion von rund 190 Millionen Tonnen Öl im Jahr bedeuten. Der Start sei für das Jahr 2025 geplant, den dafür benötigten Kunststoffabfall soll Remondis einsammeln.

 

Quelle:

  • FAZ (15.6.2021)
„To go“ landet vielfach im Meer

Die Online-Ausgaben von Welt und Spiegel berichten über die Ergebnisse zweier in „Nature Sustainability“ veröffentlichten Studien, wonach 80 Prozent der weltweit in die Ozeane eingetragenen und mehr als 2,5 Zentimeter großen Müllteile aus Kunststoff bestünden, die wiederum hauptsächlich von To-go-Verpackungen für Essen und Getränke herrührten.

 

Für die eine der beiden Studien hatten Forscher um Carmen Morales-Caselles von der University of Cádiz vorhandene Verzeichnisse von Abfällen aus verschiedenen Bereichen der Meere vereinheitlicht und den Abfall klassifiziert. Metall-, Textil-, Glas-, Papier-, Keramik-, Gummi- und insbesondere Kunststoffgegenstände würden sich weltweit an Küsten, in Gewässern und Meeresböden ansammeln, schreiben sie. Dabei hätten sich Verpackungen von Speisen und Getränken zum Mitnehmen als dominant erwiesen. Plastiktüten seien in Küstennähe am häufigsten anzutreffen, während im offenen Ozean etwa zwei Drittel der Macro-Abfälle mit Fischereiaktivitäten zusammenhingen (etwa Seile, Netze, Bojen). In Flussbetten überwiegen Holz, Metall, Gummi und Textilien, im Flusswasser fast ausschließlich schwimmfähige Kunststoffteile. Ein Großteil der von Land aus eingetragenen Abfälle verbleibe zunächst einmal in den Küstenregionen, wo nach Auffassung der Forscher auch größtenteils das Mikroplastik entstünde. In einer zweiten Studie von Forschern um Daniel González-Fernández an der European University of the Seas in Puerto Real werde gezeigt, dass Meeresverschmutzung nicht nur in Ländern mit unterentwickeltem Entsorgungssystem stattfinde. Die Sichtung von 710 Untersuchungen zu Makro-Abfall in europäischen Flüssen und meeresnahen Becken sowie auch Daten früherer Untersuchungen hätten ergeben, dass die Türkei mit 16,8 Prozent der größte Verursacher von Abfällen im Meer sei, gefolgt von Italien (11,3 Prozent), Großbritannien (8,4 Prozent), Spanien (8,21 Prozent) und Griechenland (6,7 Prozent). Deutschland liege mit 2 Prozent etwa im Mittelfeld der untersuchten Staaten.

 

Quellen:

  • welt.de, spiegel.de (11.6.2021)

04.06. - 10.06.2021

Entsorgungsbranche fordert neue Impulse

Auf der Grundlage einer dpa-Meldung berichten unter anderem das Handelsblatt und die Lebensmittelzeitung über die Forderung von Alba-Chef Axel Schweitzer, nach 30 Jahren Mülltrennung nun einen anderen Kurs in der Abfallpolitik einzuschlagen. Dass die deutsche Entsorgungsbranche neue Impulse brauche, um die Kreislaufwirtschaft in Schwung zu bringen, sähen demnach auch Wettbewerber wie Remondis und Veolia so.

 

Der Kunststoff, den sie einsammeln, sei teilweise nur schwer zu verarbeiten, weil sie aus verschiedenen miteinander verklebten Materialien bestünden, wird Schweitzer zitiert. Damit seien sie der Kreislaufwirtschaft für immer entzogen, sage er und Wettbewerber wie Veolia und Remondis sähen es ähnlich. Auch Gunda Rachut von der Zentralen Stelle Verpackungsregister bestätige den Trend bei Verbundverpackungen, der zu Lasten des Recyclings gehe. Im Jahr 2019 seien nach ihren Angaben 58,5 Prozent der Kunststoffe, die im Gelben Sack und in der Gelben Tonne gesammelt wurden, recycelt worden, im Jahr 2022 müssten dann 63 Prozent werkstofflich verwertet werden. Das setze die Recyclingindustrie unter Druck. Schweitzer fordere zur Ankurbelung der Nachfrage nach Recyclingkunststoff eine verbindliche Rezyklat-Quote für Industrieprodukte sowie eine Steuer auf Neukunststoff. BDE-Präsident Peter Kurth fordere den Staat zum Kauf von recyclingfähigen Produkten auf, um in der Produktion nicht recyclingfähige Materialien zurückzudrängen.

 

Quellen:

  • handelsblatt.com, lebensmittelzeitung.net (9.6.2021)
Marine Litter: Kunststoffabfälle vor allem in Küstennähe

Mehrere Medien berichten über aktuelle Studien zu Kunststoffabfällen im Meer. Die größte Beachtung findet eine Studie der Universität Bern, laut deren Erkenntnisse der größte Teil der eingetragenen Kunststoffe nicht ins offene Meer gelange, sondern strande oder küstennah im Wasser treibe. Daneben berichten Medien über den Start eines Konsortialprojekts, um die Bewegungen von Kunststoffflaschen im offenen Meer zu beobachten.

 

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der Universität Bern verbleibe ein Großteil der Kunststoffabfälle in den Ozeanen in Küstennähe und gelange entgegen landläufiger Einschätzung gar nicht ins offene Meer, wie unter anderem auch die Neue Zürcher Zeitung berichtet. Demnach sollen 80 Prozent der ins Meer eingetragenen Kunststoffe auch nach fünf Jahren nicht weiter als zehn Kilometer von der Küste entfernt zu finden sein. Größtenteils würden sie wieder angespült. Mindestens ein Drittel der Abfälle soll nach den Berechnungen der Wissenschaftler des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung der Universität Bern wieder an der Küste landen. Die Kunststoffe kämen überwiegend über lokale Quellen ins Meer: Wo viel eingetragen werde, strande auch viel Abfall. Solche Gebiete seien vor allem in Südostasien zu finden, aber auch am Mittelmeer. Laut der Berner Forscher sei Letzteres besonders belastet, weil zum einen über den Nil sehr viel Kunststoff ins Meer gelange, und zum anderen, weil das Mittelmeer relativ klein und abgeschlossen sei. Aufs offene Meer gelangten laut der Studie größere Mengen im Osten der USA, im Osten Japans und aus Indonesien aufgrund der dortigen Meeresströmungen. An solchen Orten wäre das Einsammeln von Plastikabfällen besonders effektiv. Die in der Fachzeitschrift „Environmental Research Letters“ veröffentlichte Studie zeige, in welchen Regionen Maßnahmen besonders sinnvoll seien, wie auch die Fachmedien darauf hinweisen.

 

Über den Start eines Konsortialprojektes zum Welttag der Ozeane am 8. Juni berichtet umweltwirtschaft.com. Demnach haben an diesem Tag mehrere wissenschaftliche Institutionen und Meeresschutzorganisationen aus aller Welt wissenschaftliche Monitoring-Vorrichtungen zu Wasser gelassen, die präzise Informationen über die Bewegungen von Kunststoffabfällen in den Meeren liefern sollen. Die Geräte seien Einwegkunststoffflaschen nachempfunden und sollen gleichermaßen auf Strömungen und Winde reagieren. Der Starttermin des Ortungsexperiments sei bewusst auf den Termin des G7-Gipfels gelegt worden. Die Geräte liefern über Satelliten innerhalb von 24 Stunden fünf bis sechs Mal ihre Standortdaten.

 

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, NZZ (7.6.2021)
  • kunststoffe.de, Euwid Recycling und Entsorgung 23/2021 (8.6.2021)
  • umweltwirtschaft.com (9.6.2021)
Mehrheit der Deutschen für Verbot von Einwegprodukten

Tages- wie Fachmedien berichten über die Ergebnisse einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Demnach seien 82 Prozent der Bundesbürger für ein Verbot bestimmter Einwegprodukte zur Vermeidung von Kunststoffabfällen.

 

Im Rahmen der forsa-Erhebung seien zwischen dem 25. Februar und dem 9. März dieses Jahres 1.009 Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren befragt worden. Demnach sollen 82 Prozent der Befragten ein Verbot bestimmter Einwegprodukte wie Strohhalme aus Kunststoff für „richtig und sinnvoll“ halten, nur jeder Sechste halte den Appell an die Freiwilligkeit besser als Verbote. Auffällig sei, dass insbesondere Frauen und unter 30-Jährige solche Verbote überdurchschnittlich befürworteten. Von Anhängern der Grünen begrüßten 95 Prozent ein solches Verbot, die Mehrheit der AfD-Anhänger lehnten es ab. Für DBU-Generalsekretär Alexander Bonde zeigten die Ergebnisse, dass die Menschen hierzulande längst soweit wären, „in Kreisläufen leben, denken und handeln zu wollen“. Circular Economy sei allerdings mehr als klassische Mülltrennung und Recycling. Es gelte, die einzelnen Prozessschritte des gesamten Lebenszyklus von Waren, Gütern und Konsumprodukten unter die Lupe zu nehmen, so Bonde.

 

Quellen:

  • Welt am Sonntag (6.6.2021)
  • recyclingportal.eu (7.6.2021)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 21/2021 (8.6.2021)
  • plastverarbeiter.de (9.6.2021)

28.05. - 03.06.2021

Novelle einer „gebilligten“ Novelle

Der Bundesrat habe am 28. Mai, wie Tages- und Fachmedien berichten, der Novelle des Verpackungsgesetzes zugestimmt, um die fristgerechte Umsetzung zweier EU-Richtlinien in deutsches Recht nicht aufzuhalten. In einer begleitenden Entschließung habe der Rat das Gesetz, das u.a. durch eine erweiterte Pfandpflicht und die Einführung einer Rezyklatquote für weniger Kunststoffabfall und mehr Recycling sorgen solle,  jedoch als „unzureichend und teilweise nicht vollzugstauglich“ kritisiert und somit dessen baldige Nachbesserung gefordert.

 

Der Bundesrat kritisiere die zögerliche Umsetzung von EU-Vorgaben und eine mangelnde Beteiligung der Länder, berichten Fach- wie Publikumsmedien. Der Rat bedauere, dass der Bundestag die meisten seiner fachlichen Anregungen nicht aufgenommen habe, was zeitnah bei einer nächsten Novelle nachgeholt werden müsse und zwar möglichst in Abstimmung mit den Ländern. Euwid schreibt, dass die Forderungen, an denen die Länderkammer festhalten, zum Beispiel Vorgaben für die dualen Systeme zum Nachweis ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit und mögliche Sanktionen durch die Zentrale Stelle bei Verstößen gegen Beteiligungspflichten beträfen. Auch forderten die Länder ein verpflichtendes Schiedsgerichtsverfahren, wenn die Abstimmungsvereinbarungen zwischen dualen Systemen und Kommunen nicht binnen drei Monaten ausgehandelt werden können. Ein Bericht der Tagesschau sieht vor allem Verbraucher, Handel, Gastronomie und Online-Handel von den mit der Gesetzesnovelle beschlossenen Änderungen (siehe auch Bericht vom 20. Mai 2021) betroffen. Sie müssten sich schon bald auf mehr Pfand und Mehrweg einrichten. Bestimmte Getränke waren bisher noch von der Pfandpflicht ausgenommen. Diese Ausnahmen hätten bisher für Verwirrung gesorgt, schreibt das Schwäbische Tagblatt. Dass das Pfandsystem nun für den Kunden einfacher werde, begrüße auch der Handel, dass Milchflaschen ebenfalls ins System integriert werden sollen, lehne er aber ab. Warum Milchgetränke in Einweg nicht wie die anderen Einweggebinde bereits ab 2022, sondern erst ab dem Jahr 2024 bepfandet werden sollen, sei dagegen für den Autor eines Kommentars zum Bericht im Tagblatt nicht nachvollziehbar. Einweg müsse, wo möglich, zunehmend ersetzt oder konsequenter recycelt werden und Mehrweg müsse gefördert werden. Deutschland sei hier auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ende. Die Novelle, deren Novelle bereits jetzt gefordert werde, werde laut den Presseberichten am 3. Juli in Kraft treten.

 

Quellen:

  • tagesschau.de, ntv.de, sueddeutsche.de, spiegel.de, tagblatt.de, euwid-verpackung.de, kommunalwirtschaft.eu, (28.5.2021)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 22/2021, (1.6.2021)
„Verstolperter Start“ der Einwegkunststoff-Richtlinie

Die Europäische Kommission hat laut Berichten der Fachpresse Ende Mai Leitlinien zur EU-Einwegkunststoff-Richtlinie veröffentlicht, mit denen sichergestellt werden solle, dass die ab Juli geltenden Vorgaben zu Einwegplastikprodukten europaweit einheitlich angewendet werden. Kritik komme von der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, die die Leitlinien als „Schlachtfeld einer ideologischen Auseinandersetzung um Kunststoffverpackungen“ bezeichnet habe.

 

Wie unter anderem das Recyclingmagazin berichtet, ziele die Richtlinie darauf ab, die Verschmutzung der Meere durch Einwegprodukte aus Kunststoff zu reduzieren und den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft zu fördern. Dazu dürften ab dem 3. Juli Einwegplastikprodukte wie Wattestäbchen, Besteck, Teller, Strohhalme etc. sowie Produkte aus oxo-abbaubarem Kunststoff nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Die Leitlinien der Europäischen Kommission, deren Veröffentlichung eigentlich bereits für Juli vergangenen Jahres geplant gewesen sei, sollen klären, welche Produkte von der Richtlinie erfasst werden, berichtet auch Packreport. Die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen kritisiere nicht nur die Verzögerung, die zur Folge habe, dass viele Unternehmen ihre Produkte an die neuen Vorgaben nicht rechtzeitig anpassen könnten. Deshalb fordere der Verband, Verstöße erst ab Januar 2022 zu ahnden. Auch inhaltlich übe die IK Kritik an den Leitlinien. Die Kommission versuche, den Anwendungsbereich der Richtlinie, die um das Littering zu bekämpfen sich ausdrücklich nur auf kleinere Verpackungen beziehe, die tendenziell achtlos weggeworfen werden, über das geltende Recht hinaus erheblich auszuweiten, indem sie einen Grenzwert für Verpackungsgrößen mit deutlich mehr Volumen (bis zu drei Litern) vorschlage. Damit überschreite die Kommission nach Ansicht der IK klar ihre Kompetenzen. Auch den Hinweis, dass Lebensmittelverpackungen mit mehr als einer Portion und so genannte Multipacks ausdrücklich von der Richtlinie ausgeklammert seien, vermisse man beim Verband in den Leitlinien. Außerdem kritisiere der Verband unterschiedliche Kriterien für feste und flexible Lebensmittelverpackungen, obwohl beide Verpackungsarten in Bezug auf die Littering-Prävention gleich zu behandeln seien. Zudem bleibe vielfach unklar, welche To-Go-Lebensmittel­verpackungen gemeint seien. Durch die unklaren Vorgaben aus Brüssel drohe ein Flickenteppich unterschiedlicher nationaler Regelungen in den EU-Mitgliedstaaten. Die IK wolle sich nun zusammen mit anderen betroffenen Branchen für eigene, klare Umsetzungshilfen einsetzen, wird IK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Engelmann unter anderem in einem Bericht bei Neue Verpackung zitiert.

 

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, euwid-verpackung.de (31.5.2021)
  • packreport.de, neue-verpackung.de (1.6.2021)

21.05. - 27.05.2021

Abfallexporte in die Türkei

In Euwid Recycling und Entsorgung finden sich in der aktuellen wie auch bereits in der letztwöchigen Ausgabe Berichte zu Kunststoffabfallexporten aus EU-Staaten in die Türkei. Greenpeace habe gesetzeswidrige Exporte aus Großbritannien wie auch aus Deutschland moniert und einen Exportstopp gefordert. Auch PlasticsEurope in Brüssel verurteile solche Exporte und fordere eine strengere Kontrolle der Länder. Die Türkei habe nun ein Einfuhrverbot für Polyethylen-Abfälle verhängt.

 

Bereits in der Ausgabe vom 18. Mai hatte Euwid über deutsche Kunststoffabfälle in der Türkei berichtet, die möglicherweise illegal dort gelandet seien und womöglich zurückgeführt werden müssten. Hintergründe sind bislang noch unklare Vorkommnisse um das türkische Recyclingunternehmen 2B Plast, das laut des Berichts in Euwid in den letzten Jahren mehrfach seinen Firmensitz gewechselt und offenbar eine Reihe von Investitionsanreizen kassiert habe. Zudem gelte in der Türkei ein vollständiges Verbot der Einfuhr gemischter Kunststoffabfälle wie auch ansonsten Verringerungen bei den Einfuhren. Dennoch sei das Land laut der türkischen Opposition „die größte Deponie für Plastikabfall in Europa“. Laut Greenpeace gelangten trotz Verboten und Beschränkungen vor allem aus Großbritannien, aber auch aus Deutschland gesetzeswidrig nicht recycelbare Plastikabfälle in die Türkei. Aus Großbritannien seien nach Angaben des Zolls im letzten Jahr insgesamt 537.000 Tonnen exportiert worden, rund 39 Prozent davon in die Türkei. Zwischen 2016 und 2020 seien britische Exporte in die Türkei um das 18fache gestiegen. Der Export aus Deutschland habe im selben Zeitraum um das siebenfach auf 136.000 Tonnen zugenommen. Aus den dualen Systemen sollen laut Euwid nach Angaben der Zentralen Stelle Verpackungsregister im vorigen Jahr mindestens 20.000 Tonnen Kunststoffabfälle an den besagten türkischen Recycler geliefert worden sein. Sollten die Nachweise hier am Ende nicht vollständig sein, habe das auch Auswirkungen auf den Mengenstromnachweis des Jahres 2020. Die türkische Regierung habe inzwischen ein Einfuhrverbot unter anderem für Polyethylen-Abfälle aus PE-LD und PE-HD erlassen, was die türkische Kunststoffindustrie massiv kritisiere. Statt Verbote sollten die Kontrollen verstärkt werden, ansonsten müssten Recyclinganlagen in der Türkei schließen, heiße es aus der Branche. Auch der paneuropäische Verband PlasticsEurope zeige sich sehr besorgt über illegale Exporte aus EU-Ländern und fordere verschärfte Kontrollen. Die Entwicklung effizienterer Überwachungssysteme für eine besserer Rückverfolgbarkeit der Abfälle müsste innerhalb der internationalen Gemeinschaft vorangetrieben werden. Man wolle mit dem Sektor der Abfallindustrie bei der Ausarbeitung, Entwicklung und Umsetzung einer globalen Zertifizierungsplattform für das Recycling zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig warb der Verband auch für das chemische Recycling von Kunststoffabfällen, das u.a. zur Abfallminimierung beitragen werde. Nach Angaben des Verbands investieren die Kunststoffhersteller beträchtliche Summen in chemische Recyclingkapazitäten, um das mechanische Recycling zu ergänzen (s. dazu auch die Meldung „Milliardeninvestitionen beim Chemischen Recycling“).

 

Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 20/2021 (18.5.2021) und 21/2021 (26.5.2021)
DSD baut Arbeitsplätze ab

Mehrere Fachblätter berichten über einen geplanten Personalabbau beim Grünen Punkt. Sozialverträglich sollen in der Gruppe 50 Arbeitsplätze abgebaut werden, um das Unternehmen im Markt der dualen Systeme wettbewerbsfähig zu halten.

 

Laut Presseberichten haben Geschäftsführung und Betriebsrat der Unternehmensgruppe Der Grüne Punkt einen Sozialplan vereinbart. Es sei eine faire und tragfähige Lösung gefunden worden, wird CEO Michael Wiener zitiert, der es insbesondere bedaure, sich auch von langjährigen Mitarbeitern trennen zu müssen. Betroffen seien etwa 50 Arbeitsplätze. Man sehe sich gezwungen, an der Kostenstruktur zu arbeiten, um Kunden preislich attraktive Angebote machen zu können. Eine zukunftsfähige Aufstellung und damit gesicherte Arbeitsplätze seien mit diesen Maßnahmen möglich, sagt Wiener, der darin die Voraussetzungen für künftig nachhaltiges Wachstum bei steigender Nachfrage nach hochwertigen Rezyklaten sehe. Euwid weist wie schon in einem früheren Bericht darauf hin, dass DSD nach dem Verlust großer Lizenzkunden in den letzten Jahren und bei einem aktuellen Marktanteil von nur noch knapp 17 Prozent im Vergleich zu den Wettbewerbern über zu viel Personal verfüge.

 

Quellen:

  • plasticker.de, neue-verpackung.de (21.5.2021)
  • euwid-recycling.de (25.5.2021)

07.05. - 20.05.2021

Novelle im Bundestag beschlossen

Zumindest der Bundestag hat vor 14 Tagen die Änderung des Verpackungsgesetzes beschlossen. Sie setzt laut Presseberichten im Wesentlichen die Vorgaben der EU-Einwegkunststoffrichtlinie in nationales Recht um. Ab dem 3. Juli werden dann Mindestrezyklatanteile zunächst nur für PET-Einweggetränkeflaschen, später für alle Kunststoffflaschen vorgeschrieben sein. Ab 2022 wird es eine Pfandpflicht im Prinzip für alle Kunststoff-Einweggetränkeflaschen geben. Anbieter von To-Go-Lebensmitteln müssen ab 2023 bei der Verpackung eine Mehrwegalternative anbieten. Der Bundesrat muss der Novelle noch zustimmen.

 

Es gab laut Pressberichten noch letzte Änderungen am Entwurf, bevor der Bundestag am 6. Mai die Novelle des Verpackungsgesetzes beschlossen habe. Beschlossen sei nun worden, dass ab 2022 auf alle Einwegflaschen aus Kunststoff ein Pfand erhoben werde. Für Flaschen für Milch und Milcherzeugnisse gelte eine längere Übergangsfrist bis 2024. Auch dürften bereits in Verkehr gebrachte Getränkeflaschen noch bis 1. Juli 2022 verkauft werden. Mit der Novelle werde es auch erstmals Rezyklatmindestanteile in Kunststoffflaschen geben: Demnach müssen PET-Einwegflaschen ab 2025 mindestens 25 Prozent Rezyklat enthalten. Ab 2030 erhöhe sich die Quote auf mindestens 30 Prozent, die dann für alle Flaschen aus Kunststoff gelte. Dem Hersteller bleibe es dabei freigestellt, ob er diese Quote pro Flasche oder über ein Jahr verteilt in Bezug auf seine gesamte Flaschenproduktion erfüllen wolle. Gastronomen und Einzelhändler müssten nach Inkrafttreten der Änderungen ab 2023 ihre To-Go-Getränke und Take-away-Speisen zusätzlich auch in Mehrwegverpackungen anbieten, die nicht teurer sein dürfe als die Einwegverpackung. Lediglich kleine Verkaufsstellen wie Imbissläden seien von dieser Pflicht ausgenommen. Die ursprünglich vorgesehene Registrierungspflicht für Hersteller von nicht system-beteiligungspflichtigen Verpackungen bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister entfalle nun, wenn diese Verpackungen nachweislich nicht an Endverbraucher abgegeben werden. Ebenso habe der Umweltausschuss im Vorfeld der Abstimmung zu den Mindestrezklatanteilen klargestellt, dass sie nicht für Einwegkunststoffgetränkeflaschen gelte, bei denen nur Verschlüsse und Deckel, Etiketten, Aufkleber der Umhüllung aus Kunststoff Anwendung fänden.

Die Reaktionen der betroffenen Kreise fällt gemäß den Medienberichten unterschiedlich aus. In ihrer Stellungnahme begrüße die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen die Novelle, zeige sich aber besorgt hinsichtlich der 25-Prozent-Quote Mindestrezyklatanteil ab 2025, dass womöglich in Zukunft keine ausreichende Menge an R-PET zur Verfügung stehe. Auch der VCI und PlasticsEurope hatten sich grundsätzlich positiv über den Entwurf geäußert, aber vor bürokratischem Mehraufwand angesichts der Ausweitung von Registrierungspflichten auf Industrie- und Transportverpackungen gewarnt. Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE) begrüße ebenfalls die Änderungen, bei denen es aber nicht bleiben solle. Gesetze, Regelungen oder Verordnungen rund um Circular Economy sollten sich nun zügig anschließen.

 

Quellen:

  • KI, recyclingportal.eu (10.5.2021)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 19/21 (11.5.2021)
  • plastverarbeiter.de (18.5.2021)
Kunststoffproduktion im Abwärtstrend

Der Abwärtstrend in der deutschen Kunststoffproduktion setze sich fort, berichten die Medien nach einem Wirtschaftspressegespräch vom Kunststofferzeugerverband PlasticsEurope Deutschland. Die Produktion sei im Jahr 2020 in Anbetracht der Pandemie um 1,6 Prozent zurückgegangen. Doch zeigten sich die Kunststofferzeuger krisenfest und wollten zum Treiber von nachhaltiger Produktion und Kreislaufwirtschaft werden. Kunststoffverarbeiter beklagen weiterhin fehlende Rohstoffe. Die FAZ berichtet zudem vom „Klopapiereffekt für die Industrie“. Nicht nur Kunststoffe seien in Europa Mangelware, auch Pappe und Metalle würden knapp.

 

Beim Rückgang der Produktion im Jahr 2020 um 1,6 Prozent auf 17,9 Millionen Tonnen sei auch der Umsatz der Kunststofferzeuger um 8,7 Prozent zurückgegangen. Die Exporte seien nur leicht um 0,8 Prozent, die Importe dagegen deutlich um über sieben Prozent gesunken. Die verschlechtertet Versorgungslage am deutschen Markt habe sich bereits 2020 abgezeichnet und zu den derzeitigen Force Majeure Meldungen geführt. 20 Prozent würden derzeit dem europäischen Markt fehlen, habe Caroline Hupfer von PlasticsEurope Deutschland gegenüber der FAZ bestätigt. Der Kontinent sei Netto-Importeur für die meisten Kunststoffe. Dass die globale Produktion in Schwierigkeiten gekommen sei, habe mehrere Gründe: So seien in Erwartung eines sinkenden Bedarfs am Anfang der Pandemie die Lagerbestände reduziert worden, doch sei entgegen der Erwartung die Nachfrage nach Massenkunststoffen gestiegen. Durch Corona sei andererseits die Produktivität aufgrund weniger Personal gesunken. Der blockierte Suezkanal, Wetterereignisse, die den Transport erschwerten, und der Wintersturm im Februar, der die Produktion um 25 Prozent reduziert habe, würden als weitere Gründe genannt. Auch wenn China, wo ein Drittel der globalen Produktion erfolge, nach der ersten Phase der Corona-Pandemie die Produktion wieder hoch gefahren habe, sei der Export dennoch gesunken, weil China vorzugsweise die gestiegene Inlandsnachfrage bediente. „Fehlende Rohstoffe und noch nie gesehene Preisexplosion bei Kunststoffen“ setzten die Kunststoffverarbeiter massiv unter Druck, wird die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen zitiert. Dort sehe man nun die Talsohle erreicht, die Anzahl der Force Majeure Meldungen nehme tendenziell ab. Bis Ende des Jahres bleibe voraussichtlich die Versorgungslage angespannt, so sehe es auch der Erzeugerverband. Laut FAZ bereite auch anderen Branchen wie etwa Autozulieferern und Werkzeugherstellern die Knappheit an Rohstoffen Sorge. Neben Kunststoffen seien auch Holz und Metalle davon betroffen. Die Knappheit werde noch durch den Klopapiereffekt verstärkt. Industrielle Kunden verhielten sich wie Verbraucher, wenn etwas knapp zu werden drohe: Es werde noch mehr gekauft, sagte Robert Friedmann vom Schrauben- und Werkzeugkonzern Würth der FAZ. Laut Friedmann sei selbst recyceltes Material „im Moment fast ausverkauft“.

 

Quellen:

  • FAZ, KI, plasticker.de, plastverarbeiter.de (7.5.2021)
  • kunststoffweb.de (10.5.2021)
  • neue-verpackung.de (14.5.2021)

30.04. - 06.05.2021

Verbändekritik an der Novelle des Verpackungsgesetzes

Für den 6. Mai war die Abstimmung im Bundestag über den Entwurf der Bundesregierung zur Änderung des Verpackungsgesetzes vorgesehen. Wie Fachblätter berichten, haben der Kunststofferzeugerverband PlasticsEurope Deutschland (PED) gemeinsam mit dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) ihre Unterstützung der gesetzlichen Initiative signalisiert, gleichzeitig aber auch auf mögliche Hindernisse für die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft hingewiesen. Neue Registrierungs- und Nachweispflichten führten zu mehr Bürokratie, die die Kreislaufwirtschaft erschweren würden.

 

Die Stoßrichtung der Gesetzesinitiative – Förderung der Kreislaufwirtschaft durch Stärkung von Mehrweglösungen, Pfandsystemen und Recycling von Kunststoffen in Getränkeflaschen – gehe in Ordnung, heiße es von Seiten der beiden Verbände. Aber die Vorschläge zur Ausweitung von Registrierungspflichten auf Industrie- und Transportverpackungen und zur Nachweisführung über die Rücknahme und Verwertung industrieller Mehrwegverpackungen sähen sie als problematisch an: Diese seien Paradebeispiele für mehr Bürokratie, die die Kreislaufwirtschaft erschweren würden statt sie zu fördern. Insofern begrüßten sie, dass der Bundesrat sich in seiner Stellungnahme dafür ausgesprochen habe, darauf zu verzichten. Grundsätzlich kritisierten VCI und PED bei den diversen Gesetzesvorhaben zur Förderung der Kreislaufwirtschaft die Gefahr einer kleinteiligen Überregulierung und mahnen mehr Förderung von Innovationen an.

 

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, neue-verpackung.de (5.5.2021)
Palurec-Recyclinganlage in Betrieb genommen

Die Fachmedien berichten über die Inbetriebnahme der Palurec-Anlage in Hürth im Rhein-Erft-Kreis, die die erste Anlage zur Rückgewinnung der Kunststoff- und Aluminiumanteile im Getränkekarton sei soll. Damit soll der Getränkekarton nun eine Recyclingfähigkeit von „deutlich über 90 Prozent“ erreichen.

 

Laut Fachpresseberichten haben Tetra Pak, Elopak und SIG Combiblock gemeinsam rund acht Millionen Euro während der vierjährigen Entwicklungsarbeit für das neue Recyclingwerk Palurec GmbH in Hürth bei Köln investiert. Mit der Inbetriebnahme Ende April soll nun die Recyclingfähigkeit laut Palurec-Geschäftsführer Andreas Henn von aktuell 75 Prozent auf deutlich über 90 Prozent steigen. Es handele sich dabei um die erste Anlage ihrer Art in Deutschland, die mit einem mechanisch-physikalischen Verfahren marktfähige Rezyklate aus dem Materialgemisch herstellen könne. Den Rohstoff, ein Gemisch aus verschiedenen Kunststoffen und Aluminium, erhalte Palurec von Papierfabriken, die den Faseranteil der Getränkeverpackungen für die Herstellung von Rohpapieren für Wellpappen nutzten. Alleiniger Gesellschafter der Palurec GmbH soll der Fachverband Kunststoffverpackungen für flüssige Nahrungsmittel e.V. (FKN) sein, dem die drei Investoren und Marktführer angehören. Zusammen produzieren sie laut Kunststoff Information 95 Prozent aller in Deutschland genutzten Getränkekarton-Verpackungen.

 

Quellen:

  • umweltwirtschaft.com, recyclingportal.eu, plasticker.de (30.4.2021)
  • plastverarbeoter.de (3.5.2021)
  • KI (4.520.21)
  • plastverarbeiter.de (29.4.2021)
Schummeln beim Rezyklatanteil

Die Süddeutsche Zeitung hat sich den Angaben zum Rezyklatanteil von Produkten in Verkaufsregalen angenommen, die dem Wunsch vieler Verbraucherinnen und Verbrauchern nachkommen, dass möglichst viel Recyclingmaterial in Kunststoffverpackungen zum Einsatz komme. Doch würden Konsumenten vielfach getäuscht, behaupte der Direktor eines der größten PET-Hersteller in der EU.

 

Laut Antonello Ciotti, Direktor von Equipolymers, einem der größten PET-Hersteller in der EU mit Sitz in Schkopau, Sachsen-Anhalt, und Teil der Dow Chemical Group, könne niemand mit Sicherheit sagen, wie viel recycelter Kunststoff in einem Plastik- oder Textilartikel der Mode- und Automobilindustrie enthalten sei. Die Angaben über den Gehalt an recyceltem PET seien oft nicht korrekt. Mara Hancker, Geschäftsführerin bei der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, bestätige, dass mit heutigen Methoden der Analytik der Gehalt kaum nachweisbar sei. Wie die Süddeutsche schreibt, lägen der EU-Kommission Hinweise vor, dass vor allem in der Textilbranche gefälschte Deklarationen weit verbreitet seien, es sich oft um Neuware handele, die derzeit deutlich günstiger als Rezyklate sei. Druck entstehe bei den europäischen PET-Herstellern zum einen durch billige Neuware, die aus Asien importiert werde, zum anderen aber auch, weil die EU ab 2025 im nationalen Durchschnitt einen Rezyklatanteil von 25 Prozent in PET-Flaschen vorschreibe. Wenn Quoten die Nachfragetreiber seien, rufe das auch unseriöse Player auf den Plan, wird Hancker zitiert. Sie fordere: „Es darf nicht sein, dass am Ende die Ehrlichen die Dummen sind“. PET-Hersteller in Europa beklagten eine lückenhafte EU-Gesetzgebung, die etwa vorschreibe, dass der Mindestanteil an Rezyklat aus EU-Sammlungen stammen müsse. Verbraucherinnen und Verbraucher könnten kaum erkennen, ob eine Flasche Rezyklat enthalte, schreibt die Süddeutsche. Eine gräuliche Färbung am Flaschenhals sei ein Hinweis, rät Hancker, doch besser seien verbindliche Siegel und lückenlose Gesetze, so die Zeitung.

 

Quelle:

  • Süddeutsche Zeitung (3.5.2021)
Zeichen der Zeit erkannt

Der Herausgeber der K-Zeitung, Günter Kögel, schreibt in einem Meinungsbeitrag, dass die Kreislaufwirtschaft immer mehr und in vielen Bereichen an Bedeutung gewinne. In der Kunststoffbranche werde intensiv an der Umsetzung gearbeitet. Sie habe die Zeichen der Zeit erkannt und gebe Anlass zur Hoffnung, dass der lang ersehnte Imagewandel der Kunststoffe an Fahrt aufnehme.

 

Kögel gibt Beispiele für die Aktivitäten zur Umsetzung der Kreislaufwirtschaft in der Kunststoffbranche wie etwa das der gelungenen Regeneration verunreinigter PMMA-Abfälle. Die Branche habe die Zeichen der Zeit erkannt, was auch laut einer Umfrage bei der Bevölkerung im Auftrag des Deutschen Verpackungsinstituts bei Verbraucherinnen ankomme. Wenn es gelänge, das in vielen Köpfen noch eingebrannte „Plastik ist böse“ durch „Kunststoff im Kreislauf“ ersetzt würde, stünde einer erfolgreichen Zukunft des Werkstoffs nichts mehr im Wege. Gut wäre das nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Versorgungssicherheit, wenn mehr Kunststoffe als bisher im Kreislauf blieben, so Kögel.

 

Quelle:

  • k-zeitung.de (3.5.2021)

23.04. - 29.04.2021

Zehn-Punkte-Pläne für mehr Kreislaufwirtschaft

Die Bundestagswahl wirft auch in der Abfallwirtschaft ihre Schatten voraus. Der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft BNW und der BDE haben in einer gemeinsamen Stellungnahme einen Zehn-Punkte-Plan zur Kreislaufwirtschaft formuliert, in dem Kunststoffe eine wesentliche Rolle spielen, wie die Fachpresse berichtet. Auch der NABU hat zehn Forderungen für eine bessere Kreislaufwirtschaft formuliert. Eine vom NABU beauftragte Studie hatte eine begrenzte Rolle des Recyclings beim Schließen von Kreisläufen ergeben.

Der BNW, der sich als politische Stimme der nachhaltig handelnden Wirtschaftsunternehmen versteht, und der BDE, der Mitglied bei dem Verband ist, haben laut Presseberichten am 26. April einen Zehn-Punkte-Plan zur Kreislaufwirtschaft vorgelegt. Darin zeigen sich die beiden Verbände einig, dass eine konsequente Circular Economy massive Effekte schaffen könne, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Auch verringere die Kreislaufwirtschaft Abhängigkeiten von Drittstaaten in der Rohstoffversorgung. Im Zehn-Punkte-Plan fordern sie unter anderem ein Aktionsprogramm für Deutschland für Investments in zirkuläres Design und sie fordern eine eigenständige Plastikstrategie, um eine ähnlich hochwertige Kreislaufführung wie bei anderen Materialien zu erreichen. Auch der Naturschutzbund habe zur Bundestagswahl zehn Forderungen für eine bessere Kreislaufwirtschaft formuliert, zu denen neben einem recyclingfreundlichen Produktdesign und einem Exportstopp für Kunststoffabfälle in Länder außerhalb der EU auch Rezyklateinsatzquoten und Primärrohstoffsteuern zählen. Eine Studie des IFEU-Instituts im Auftrag des NABU habe ergeben, dass das Potenzial des Recyclings insgesamt begrenzt sei: Würden theoretisch alle Abfälle in Deutschland stofflich verwertet, würde die sogenannte Circular Material Use Rate (CMU) auf lediglich 22 Prozent steigen. Die CMU, die von der EU als Indikator für Kreislaufwirtschaft genutzt wird, setzt den Anteil der Sekundärrohstoffe ins Verhältnis zur Gesamtmenge der verbrauchten Rohstoffe. Zahlreiche Rohstoffe seien nicht für ein Recycling geeignet oder aber in langfristigen Produkten gebunden, die dem Recycling nicht zur Verfügung stünden, weist der NABU darauf hin, der eine Reduzierung der gesamten Menge an eingesetzten Rohstoffen fordere.

 

Quellen:

  • euwid-recycling.de (26.4.2021)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 17/2021, recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu (27.4.2021)
  • umweltwirtschaft.com (28.4.2021)
Papierverbunde: mehr Abfall und weniger Recycling

Die Fachmedien berichten über die Ergebnisse einer neuen GVM-Studie zur „Substitution von Kunststoffverpackungen durch papierbasierte Verbunde“. Laut Auftraggeber IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen bestätigt die Studie die Bedenken von Experten, die schon länger den Trend kritisch beobachten: Papierverbunde schaden der Kreislaufwirtschaft.

Vor allem das Plastikbashing habe zur derzeit guten Vermarktbarkeit von Papierverbunden geführt. Konsumenten werde durch „weniger Plastik“ mehr Umweltfreundlichkeit suggeriert. Die Studie der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung zu den Auswirkungen habe zu drei wesentlichen Erkenntnissen geführt: Zum einem benötigen Papierverbunde gegenüber reinen Kunststoffverpackungen im Schnitt 40 Prozent mehr Material für die selbe verpackte Menge, weswegen man bis zum Jahr 2025  eine Steigerung der Abfallmenge durch Papierverbunde um insgesamt 25.000 Tonnen erwarte. Zum Zweiten würde weniger recycelt, weil nur der Faseranteil, der meist über 70 Prozent betrage, theoretisch recyclingfähig sei. In der Praxis hinke das Recycling der theoretischen Recyclingfähigkeit weit hinterher, und der Kunststoffanteil könne nur energetisch genutzt werden. Und drittens ersetzten Papierverbunde teilweise Verpackungen aus Kunststoff, die nicht oder nur begrenzt recycelbar seien. Deren Recyclingfähigkeit würde sich aber nach Einschätzung von GVM aufgrund der aktuellen Investitionen bis 2025 deutlich verbessern, so dass hier eine Konkurrenz zwischen Substitution durch Papierverbunde und Optimierung der Recyclingfähigkeit bestehe. IK-Geschäftsführerin Isabell Schmidt rate, auf Papierfaser komplett zu verzichten, wenn es auf die besonderen Eigenschaften von Kunststoff ankomme. Ansonsten sei die Substitution reines Greenwashing.

 

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, k-zeitung.de, recyclingportal.eu, neue-verpackung.de, plasticker.de (28.4.2021)
  • plastverarbeiter.de (29.4.2021)
Zur Terminologie des Recyclings

Drei Unternehmen haben laut Fachpresseberichten ein Positionspapier zum werkstofflichen Recycling vorgelegt, mit dem sie die Diskussion um Definitionen insbesondere des lösemittelbasierten Recyclings anstoßen wollen. Dabei drängen sie auf eine Verbesserung der aktuellen Terminologie der relevanten Abfallrichtlinien, bei denen die neuesten verfügbaren Technologien für das Kunststoffrecycling einbezogen werden sollten.

Die drei Unternehmen Creacycle GmbH, die EPC Engineering & Technologies GmbH und die Lömi GmbH schlagen demnach eine EU-Richtlinie speziell für Kunststoffabfälle vor, die eine Verwertungshierarchie auf der Basis physikalischer und chemischer Prozesse ermögliche. Sie sprechen sich in ihrem Papier auch für die Anerkennung und Einbeziehung der lösemittelbasierten Reinigung und Auflösung als werkstoffliches Recycling für die Berechnung der Recyclingquote aus. Als Basis für zukünftige Entwicklungen fordern sie eine exaktere Definition des Recyclings, die mit den Erkenntnissen der Physik und Chemie in Einklang stehen müsste. Und sie sollte dem Konzept der Abfall-Hierarchie Reduzieren – Wiederverwenden – Recyceln folgen sowie auf der Wertschöpfungskette für Kunststoff vom chemischen Element über die Stufen Zwischenprodukt, Monomer und Polymer bis zum Kunststoff basieren und schließlich Recycling als Vorbereitung zur Wiederverwendung der Polymerkomponente definieren.

 

Mehr Information: Das Positionspapier zum Download

 

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, k-zeitung.de (23.4.2021)
  • umweltwirtschaft.com (26.4.2021)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 17/2021 (27.4.2021)

16.04. - 22.04.2021

Kooperationen beim chemischen Recycling

Die Fachpresse berichtet einmal mehr über neue Entwicklungen beim chemischen Recycling: So wollen BASF, Quantafuel und Remondis eine Zusammenarbeit beim chemischen Recycling von Kunststoffabfällen prüfen und Borealis seine diesbezüglichen Kooperationen in Schweden intensivieren. Außerdem berichtet das Recyclingportal vom DGAW-Diskussionsforum, bei dem unter anderem die Frage diskutiert wurde, ob das chemische Recycling „die Lücke“ schließen könne.  

Der Chemiekonzern BASF, der norwegische Technologieentwickler Quantafuel und der Entsorgungskonzern Remondis haben laut Berichten in diversen Fachmedien eine Absichtserklärung unterzeichnet, nach der sie eine Zusammenarbeit beim chemischen Recycling prüfen wollen. Herauskommen könnte dabei die „Möglichkeit einer gemeinsamen Investition in eine Pyrolyseanlage“, wie Euwid aus einer Mitteilung der BASF zitiert. Wie auch andere Fachblätter berichten, könnte im Rahmen einer solchen Kooperation Remondis geeignete Kunststoffabfälle für die Anlage liefern, Quantafuel die Technologie beisteuern und die Anlage betreiben sowie BASF das entstehende Pyrolyseöl im Rahmen des ChemCycling-Projekts als Rohstoff im Produktionsverbund einsetzen. Wo ein Standort der Pyrolyseanlage sein könnte, werde gemeinsam geprüft. Ob chemisches Recycling künftig zur Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen einen Beitrag leisten könne, hänge allerdings vom rechtlichen Rahmen auf nationaler wie europäischer Ebene ab, der eine Anrechnung von Produkten, die auf chemisch recycelten Rohstoffen basieren, auf die Erreichung der Rezyklateinsatzquoten ermöglichen müsse, habe der Chemiekonzern darauf hingewiesen.

Ebenso berichten die Fachmedien über ein neues Projekt von Borealis, mit dem der Chemiekonzern die Kooperationen in Schweden ausbauen werde, um dort die Produktion kreislauforientierter Basischemikalien und Polyolefine voranzutreiben. Eine gemeinsam mit Stena Recycling initiierte Machbarkeitsstudie solle die Errichtung einer chemischen Recyclinganlage in Stenungsund (Schweden) prüfen. Falle das Ergebnis positiv aus, gehe man unter der Voraussetzung einer endgültigen Investitionsentscheidung davon aus, dass eine entsprechende Anlage im Jahr 2024 in Betrieb gehen könnte. Mit der Beschaffung der Kunststoffabfälle für die chemische Recyclinganlage beschäftige sich eine weitere Machbarkeitsstudie gemeinsam mit dem skandinavischen Unternehmen Fortum Recycling and Waste, das dafür eine öffentliche Förderung beantragen werde.

Ob mit mechanischen Verfahren die ambitionierten Recyclingziele der EU zu erreichen seien und ob es ausreichend viele qualitativ hochwertige Rezyklate gebe, um Rezyklateinsatzquoten zu erfüllen und wenn nicht, ob das chemische Recycling die Lücke schließen könnte – das waren laut eines Berichts im Recyclingportal Fragen, die beim virtuellen DGAW-Diskussionsforum Chemisches Recycling mit über 200 Teilnehmern diskutiert wurden. Kontrovers sei es auf dem Podium zugegangen, das mit Andreas Kicherer von der BASF, Tara Nitz von Covestro, Reinhard Schneider von Werner & Mertz sowie Sascha Roth vom NABU besetzt war. Die Diskussion habe zum einen die Sorgen – Verdrängungswettbewerb gegenüber dem mechanischen Recycling, weniger effiziente Maßnahmen am Anfang des Produktzyklus wie Design for Recycling – und zum anderen die Chancen deutlich gemacht. Chemisches Recycling könne funktionieren, wie Pilotanlagen in Europa zeigten. Allerdings seien die Verfahren keine „Allesschlucker“, sondern benötigten schon ein gewisses Maß an Aufbereitung der Kunststoffabfälle. Die Anforderungen an die Reinheit des Materials seien aber geringer als für werkstoffliches Recycling.

 

Quellen:

  • recyclingportal.eu (15. und 20.4.2021)
  • recyclingmagazin.de, plastverarbeiter.de (15. und 21.4.2021 )
  • umweltwirtschaft.com (18.4.2021)
  • euwid-recycling.de, plasticker.de (21.4.2021)
Kreislaufführung von Kunststoffen: nur gemeinsam

Im aktuellen Recyclingmagazin befasst sich die Titelgeschichte sehr ausführlich mit dem Bericht „Kunststoffverpackungen im geschlossenen Kreislauf“ von Acatech, Systemiq und der Circular-Economy-Initiative Deutschland. Der closed Loop sei nur mit einer erfolgreichen Zusammenarbeit und einer gemeinsamen Zielsetzung aller an der Wertschöpfungskette Beteiligten möglich, kommen die Autoren zum Schluss.

Kunststoffverpackungen seien beides: ein wichtiger Beitrag zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele und gleichzeitig eine Gefährdung der Zielerreichung bei falscher Handhabung. Gründe etwa für Einträge in die Umwelt seien fehlende Strukturen zur Sammlung, Sortierung und Verwertung. In Deutschland würde zwar sehr viel verwertet, aber auch sehr viel verbrannt. Zu viel ginge an verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette verloren, ein systemisches Problem insbesondere wegen mangelnder Transparenz und Kommunikation. Auch fehlten Anreize für Systemoptimierungen, für die das Ziel sein müsse, möglichst wenig Material einzusetzen und dies möglichst lange und effektiv zu nutzen. Für eine Circular Economy sei ein Paradigmenwechsel mit umfassenden Veränderungen in Denkweise, Organisation und Strategie erfoderlich. Für solche systemischen Veränderungen unseres Wirtschaftens und Konsumierens sei die Politik genauso gefragt wie Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Neue Formen der Zusammenarbeit und der Kommunikation seien unabdingbar. Am Ende formulieren die Autoren sechs Ansatzpunkte, wie richtige Maßnahmen ergriffen werden könnten. Diese wären: eine einheitliche Entscheidungsgrundlage mit objektiven Kriterien und einheitlichen Systemgrenzen, die Vermeidung von Verpackungen und Verpackungsabfällen mit oberster Priorität, ein nach den Prinzipien Design for Circularity und Sustainability ausgerichtetes Verpackungsdesign, Investitionen in moderne Sammel- und Sortierkapazitäten inklusive zusätzlicher Anreize für eine bessere Mülltrennung, mehr defossilierte Materialien, wofür signifikante Investitionen in Recyclingtechnologie und -infrastruktur inklusive des chemischen Recyclings erforderlich seien, und schließlich mehr Anwendungsbereiche für defossiliertes Material. Für Letzteres gebe es zwei Möglichkeiten, eine Verteuerung von fossilbasierter Neuware oder die Subvention von defossilierten Alternativen. Eine schrittweise Einführung von Rezyklateinsatzquoten sei in bestimmten Bereichen sinnvoll, wenn die benötigten Qualitäten am Markt auch vorhanden seien. Dafür wäre eine frühzeitige Festlegung von Quoten wie auch von Qualitätsstandards für Rezyklate hilfreich, heiße es in dem Bericht. Die Politik solle zudem die Etablierung von EU-weiten Sicherheitsanforderungen und -standards für Rezyklate fördern.

 

Quelle:

  • Recyclingmagazin 04/2021 (21.4.2021)

09.04. - 15.04.2021

Prezero: Profiteur vom Übernahme-Deal in Frankreich

In Tages und Fachpresse wurde über das friedliche Ende einer „spektakulären Übernahmeschlacht“ in Frankreich berichtet, das den globalen Entsorgungsmarkt neu sortiert und einen Profiteur der monatelangen Auseinandersetzung in Deutschland hat: Veolia kann nun größtenteils den Konkurrenten Suez übernehmen. In Deutschland gibt es einen lachendenden Dritten: die Schwarz-Gruppe, die mit Prezero Suez-Filialen in Deutschland und in den Niederlanden, Polen und Luxemburg übernommen hat.

Einen „erbitterten Bruderkampf“ nennt die Süddeutsche Zeitung die Auseinandersetzung von Veolia und Suez in Frankreich, die über sieben Monate andauerte und nicht nur Gerichte, sondern auch die französische Regierung beschäftigt habe. Nun habe sich Veolia durchgesetzt, der es schon im Herbst vergangenen Jahres gelungen war, etwa ein Drittel des Konkurrenten gegen dessen Willen zu übernehmen. Nach dem nun erreichten Kompromiss kann Veolia nur einen Teil vom „Rest“ übernehmen und muss tiefer in die Tasche greifen. Laut Euwid gehöre dazu unter anderem das Entsorgungsgeschäft von Suez in Großbritannien und Australien. Suez bleibe vor allem beim Wassergeschäft, aber auch bei der Entsorgung in Frankreich aktiv. Durch die Übernahme könne Veolia mit etwa 37 Milliarden Euro seine Vormachtstellung auf dem Weltmarkt laut Süddeutsche weiter ausbauen.

In Deutschland rücke der französische Konzern nun näher an den Marktführer Remondis heran. Einen Dämpfer bei der geplanten Expansion in Deutschland habe Veolia durch die im Vorfeld von Suez verfolgte Sabotagetaktik bekommen, Geschäftszweige an andere Bieter zu verkaufen, um so für Veolia weniger attraktiv zu werden. Profiteur der Taktik sei die Schwarz-Gruppe, deren Recyclingfirma Prezero eine Reihe von Suez-Filialen für 1,1 Milliarden Euro übernehmen konnte. Nach Entscheidung der EU-Kommission wurde diese Übernahme bereits genehmigt, wie auch Euwid berichtet. Allerdings müsse das Sortiergeschäft für Leichtverpackungen von Suez in den Niederlanden veräußert werden, damit der Wettbewerb auf dem niederländischen Markt für Sortierung von Kunststoffabfällen erhalten bleibe, so die Bedingung der EU-Wettbewerbshüter.

 

Quellen:

  • Süddeutsche Zeitung (13. und 15.4.2021)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 15/2021, euwid-recycling.de (12. und 15.4.2021)
„Kunststoffe – die nachhaltigsten Materialien überhaupt“

Covestro-Chef Markus Steilemann benennt im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) nicht nur die Vorzüge des Kunststoffs, sondern auch die Herausforderungen, vor der die chemische Industrie steht. Die Vision von 100 Prozent Recycling ist das eine, die Bereitstellung von erneuerbaren Energien „in unvorstellbaren Mengen“ ist laut Steilemann das andere, wenn Deutschland nicht „Industriemuseum“, sondern ein Hightech-Standort sein wolle.

Plastik mache gerade mal rund ein Prozent der Abfallmenge aus, stehe dennoch im Fokus der Behörden, moniert Steilemann im Interview. Seine Langlebigkeit gereiche ihm gerade zum Nachteil. Anstatt Plastik zu stigmatisieren, solle man lieber über unsere Abfallwirtschaft nachdenken, denn Kunststoffe seien seiner Ansicht nach die nachhaltigsten Materialien überhaupt. Allerdings sei der Kunststoffabfall in den Weltmeeren eine riesige Herausforderung, insbesondere in Asien und Afrika, wo die meisten Kunststoffabfälle über zehn große Flüsse ins Meer gelangten. Zur Verbesserung der Situation dort engagiere sich die Allianz zur Beendigung des Kunststoffmülls AEPW, an der sich Covestro beteilige. Ebenso wichtig für Covestro sei die Frage, wie das Unternehmen künftig an Kunststoffabfälle als wertvolle Kohlenstoffquelle komme. Ziel sei die Abkehr vom Rohöl, dessen Nutzung CO2 freisetze. 100 Prozent Recycling laute dazu die Vision von Covestro, wobei Steilemann nicht nur auf werkstoffliches Recycling, sondern auch auf chemisches Recycling setzt. Hier seien die Möglichkeiten praktisch unbegrenzt. Vorbild sei die Natur, die am Ende des Tages Kohlenstoff immer im Kreis führe. Diese Idee verfolge sein Unternehmen gemeinsam mit Partnern, was ein jahrzehntelanges Unterfangen sei. Hinsichtlich Klima- und Umweltschutz sieht Steilemann Deutschland am Scheideweg. Wollen wir Industriemuseum oder Hightech-Standort sein, fragt er rhetorisch. Für Letzteres werde erneuerbare Energie benötigt, „so preiswert wie möglich und in unvorstellbaren Mengen“. Und eine Entbürokratisierung, betont der CEO der Covestro in Richtung Administration sowohl in Deutschland als auch in der EU.

 

Quelle: NZZ (15.4.2021)

Kunststoffabfälle: woher – wohin

In der aktuellen Ausgabe von Müll und Abfall findet sich ein Gastbeitrag von Ulrich Schlotter, Leiter Projekte bei der BKV, der ausführlich beschreibt, wo wir in Deutschland bei der Kreislaufführung von Kunststoffen stehen und wie die Menge der Rezyklate, die einer neuen Nutzung zugeführt werden, gesteigert werden könnte.

Der Autor verarbeitet in seinem Beitrag „Woher, Wohin – Kunststoffabfälle in Deutschland“ die Ergebnisse zweier aktueller Studien: Das Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland, das die BKV gemeinsam mit 13 weiteren Organisationen und Verbänden der gesamten Wertschöpfungskette von Conversio alle zwei Jahre erstellen lässt, sowie eine weitere aktuelle Studie der BKV zu kunststoffrelevanten Abfallströmen in Deutschland, ebenfalls von Conversio erstellt. Der daten- und faktenreiche Beitrag mit zahlreichen anschaulichen Grafiken gibt zum neusten Stand (2019) des Rezyklateinsatzes an der insgesamt verarbeiteten Kunststoffmenge einen Anteil von 13,4 Prozent an, der damit gegenüber der letzten Erhebung im Jahr 2017 um 1,1 Prozent zugelegt habe. Nach detaillierter Darstellung, in welchen Segmenten zu welchen Anteilen Kunststoffe und Rezyklate zum Einsatz kommen, wie sich die Verwertung im Einzelnen darstellt und über die Jahre entwickelt hat, befasst sich der Autor schließlich angesichts künftig anspruchsvollerer Kreislaufwirtschaftsziele mit der Frage, woher die Mengen für eine Steigerung des Rezyklateinsatzes kommen könnten. Dabei betont er eine wesentliche Voraussetzung für die Aufbereitung von Kunststoffabfällen zum Wiedereinsatz in der Kunststoffverarbeitung: Sie müssten durch geeignete Sammelsysteme möglichst sortenrein und sauber erfasst werden. Im Fazit stellt der Autor fest, dass in Deutschland die Kunststoffverwertung auf einem hohen Niveau funktioniere und wirtschaftlich von Bedeutung sei. Zum anderen macht er deutlich, dass, wolle man die stoffliche Verwertung steigern, zum einen die Qualität von Rezyklaten verbessert werden müsse. Darüber hinaus müsse künftig die rohstoffliche Verwertung für Abfallströme, die derzeit in einer energetischen Verwertung landen, einen Beitrag leisten. Dazu sei allerdings erforderlich, sie noch technisch und wirtschaftlich erfolgreich weiterzuentwickeln.

 

Quelle: Müll und Abfall 4/2021 (9.4.2021)

26.03. - 08.04.2021

Höchste Zeit!

Höchste Zeit, mehr gegen Plastik im Meer zu tun, lautet die Botschaft eines „Memos aus Asien“, das im Vorfeld der Messe virtual.drupa veröffentlicht und im Recyclingportal zitiert wird. Die Medien berichteten in den vergangenen zwei Wochen über einiges, was bereits getan wird: So will eine internationale Ministerkonferenz mit deutscher Beteiligung ein weltweites Abkommen gegen Meeresmüll vorantreiben. Auch berichten Medien von einigen erreichten Meilensteinen beim Projekt STOP, das von Borealis und Systemiq 2017 in Indonesien gestartet wurde. Andere berichten über erste Sammelcenter für Kunststoffabfälle in Ägypten, die Henkel und Plastic Bank eröffneten.

Der Beitrag von Conrad Mendoza, Director of Business Development im Geschäftsbereich Etiketten- und Grafikmaterialien bei Avery Dennison, Singapur, auf den Seiten der Ende April stattfindenden Messe in Düsseldorf macht auf die dramatische Situation hinsichtlich Meeresmüll in Asien aufmerksam und mündet in einen Aufruf an Regierungen, Hersteller, Lieferanten, Verbraucher, die alle in Verantwortung stünden. Es sei zwar nicht so, dass nichts geschehe, aber das Tempo müsse deutlich erhöht und Regularien für ganz Asien geschaffen werden, die das Recycling fördern, die Infrastruktur schaffen und Einwegverpackungen eindämmen sollten. An anderer Stelle berichten Fachmedien über Initiativen und Projekte, die Einträge in die Meere eindämmen sollen. So verzeichne das Projekt STOP in Indonesien, das Borealis gemeinsam mit Systemiq im Jahr 2017 gestartet hatte, erste Zwischenerfolge: Bis Ende 2020 seien im Rahmen des Projekts Abfallwirtschaftssysteme für mehr als 133.500 Menschen eingerichtet und fünf Materialrückgewinnungsanlagen errichtet worden, die zusammen rund 150 Tonnen Abfall pro Tag verarbeiten. Nach Angaben der Projektbeteiligten würden damit pro Jahr 8.123 Tonnen weniger Müll und damit 1.228 Tonnen weniger Kunststoffabfälle in die Umwelt gelangen als zuvor. Darüber hinaus seien bislang 168 neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Bis Ende 2022 sollen insgesamt 450.000 Menschen in den drei am Projekt beteiligten Küstenstädten an ein langfristig angelegtes und wirtschaftlich nachhaltiges Abfallwirtschaftssysteme angeschlossen sein, durch das dann das Littering von 45.400 Tonnen Müll, davon 5.700 Tonnen Kunststoff, dauerhaft vermieden werden solle. Auch in einem anderen Projekt, über das Fachmedien berichten, geht es um die Verbesserung der ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Situation vor Ort, in diesem Fall in Ägypten. In Kairo haben das globale Konsumgüterunternehmen Henkel in Partnerschaft mit dem Sozialunternehmen Plastik Bank die ersten drei Sammelstellen eröffnet, an denen Menschen gesammelten Plastikmüll gegen Geld abgeben können. Damit würden nicht nur Einträge ins Meer verhindert, sondern auch die Lebenssituation der lokalen Bevölkerung verbessert. Darüber hinaus entstünden durch die Schaffung einer Recycling-Infrastruktur neue Arbeitsplätze. Der gesammelte Kunststoff werde zu „Social Plastic“ aufbereitet, der wieder in Produkte integriert werden könne. Auch Henkel setze Social Plastic als Verpackungsmaterial mit einem Anteil von 98 Prozent in einem ihrer Kosmetikflaschenportfolios ein. Mit der Recycling-Infrastruktur in Ägypten sollen langfristig rund 1.000 Arbeitsplätze entstehen. Die beiden Projektpartner haben bereits 2017 in Haiti ein ähnliches Projekt gestartet. Auch über eine Initiative der Politik gegen Meeresmüll wird berichtet. Demnach haben die Umweltminister Deutschlands, Ecuadors, Ghanas und Vietnams zu einer internationalen Ministerkonferenz gegen Meeresmüll im September eingeladen, um ein weltweites Abkommen gegen Meeresmüll und die Verschmutzung der Umwelt mit Plastikabfällen voranzutreiben. Das Abkommen solle den gesamten Lebenszyklus von Kunststoffprodukten vom Design und der Herstellung über die Vermarktung und den Transport bis zur Entsorgung abdecken. Außerdem solle es zur Bereitstellung finanzieller Mittel für Maßnahmen gegen Meeresmüll beitragen.

Quellen:

  • recyclingportal.eu, recyclingmagazin.de (29.3.2021)
  • neue-verpackung.de (31.3.2021)
  • recyclingmagazin.de (1.4.2021)
  • plastverarbeiter.de (2.4.2021)
  • recyclingportal.eu, Euwid Recycling und Entsorgung 14/2021, umweltwirtschaft.com (7.4.2021)
Kennzeichnungspflicht kommt

Am 25. März billigte der Bundestag die Verordnung, die ab Juli eine Kennzeichnungspflicht für bestimmte Produkte vorsehe. Unter anderem Getränkebecher, Filterzigaretten, Feuchttücher oder Tampons müssten ab dann mit einem einheitlichen Logo versehen werden. Vor allem die Kennzeichnungspflicht für Einweg-Getränkebecher kritisiere die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, die insbesondere die Verpflichtung ärgere, den Hinweis in der jeweiligen Amtssprache der EU-Mitgliedsstaaten aufzubringen.

Die Verordnung zur Kennzeichnung von bestimmten Einwegkunststoffprodukten setze bestimmte Anforderungen der entsprechenden europäischen Richtlinie in deutsches Recht um. Demnach müssen ab dem 3. Juli die definierten Produkte Warnhinweise, bestehend aus einem Piktogramm und einem Text zur Kennzeichnung der jeweiligen Produktkategorie deutlich erkennbar aufweisen. Für Einweg-Kunststoffbecher halte IK-Hauptgeschäftsführer Martin Engelmann einen solchen Hinweis für völlig sinnlos, denn: „Jeder, der aus einem Kunststoffbecher trinkt, weiß, dass dieser aus Kunststoff besteht“, und jeder wisse auch, dass der Kunststoffbecher nicht in die Umwelt geworfen werden dürfe. Wer es trotzdem mache, werde sich auch nicht durch die neue Kennzeichnung davon abhalten lassen, ist sich Engelmann sicher. Und dass der Hinweis auch noch in der jeweiligen EU-Amtssprache zu erfolgen habe, sei besonders ärgerlich, weil das zwangsläufig zu einer Zersplitterung des EU-Binnenmarktes führe, so Engelmann weiter. Zudem gebe es bereits effektive Rücknahmesysteme für Getränkebecher wie etwa Pfandsysteme bei Konzerten oder Fußballspielen oder auch beim Catering im Flugzeug. Hier habe der Bundestag versäumt, den Anwendungsbereich zu konkretisieren und Ausnahmen zu definieren, kritisiert die IK, die nun darauf setze, dass sich die Bundesregierung in Brüssel für eine Klärung in der EU-Kommission einsetze.

Quellen:

  • euwid-recycling.de, plasticker.de (26.3.2021)
  • plastverarbeiter.de (29.3.2021)
  • Kunststoff Information (30.3.2021)