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Diskussionspapier zu Einträgen aus Reifenabrieb liegt vor

Die BKV legte Ende des letzten Jahres das Diskussionspapier „Eintrag Reifenabrieb aus Deutschland in die Meere“ vor. Dazu ermittelte die beauftragte Conversio Market & Strategy GmbH, was an Reifenabrieb anfällt und was in der Umwelt verbleibt. Aus den Ergebnissen nahm sie eine Abschätzung vor, wie viel davon in den Meeren Nordsee, Ostsee und Schwarzes Meer eingetragen werden. Aufgrund der verbesserungswürdigen Datenlage kann als Ergebnis allerdings nur eine Bandbreite angegeben werden

Reifenabrieb gilt inzwischen in der Fachdiskussion als eine wesentliche Quelle, wenn es um Einträge von Mikroplastik in die Umwelt geht. Autoreifen zählen nicht zu Kunststoffen, sondern zu Gummiwaren, weshalb die BKV bislang den Reifenabrieb in ihrem Modell „Vom Land ins Meer – Modell zur Erfassung landbasierter Kunststoffabfälle“ nicht berücksichtigt hat. Andererseits befassen sich immer mehr Studien zum Thema Marine Litter mit den Einträgen aus Reifenabrieb, die dort als Mikroplastik eingeordnet werden.

Einträge von Reifenabrieb in Gewässer sind bislang noch weitgehend unerforscht. Das Verbundprojekt RAU (Reifenabrieb in der Umwelt) befasst sich zwar im Rahmen des BMBF-Forschungsschwerpunkts „Plastik in der Umwelt“ mit der Thematik, jedoch liegen noch keine detaillierten Ergebnisse dazu vor. Conversio hat nun im Rahmen des Modells „Vom Land ins Meer“ einen neuen flexiblen Ansatz zur Abschätzung der Eintragsmenge von Deutschland in die Meere Nordsee, Ostsee und Schwarzes Meer entwickelt, der künftig neue Datenlagen für eine immer genauere Abschätzung in die Berechnungen aufnehmen kann. Bislang kann auf allen Stufen lediglich eine Bandbreite identifiziert werden.

Wie viel Reifenabrieb anfällt, ist von mehreren Faktoren wie etwa dem Fahrzeugtyp abhängig. Insofern geben die Autoren unter Berücksichtigung der Angaben in der Fachliteratur eine Schwankungsbreite von 80.000 und 125.000 Tonnen im Jahr an. Bei den Einträgen in die Gewässer gibt es noch einige Unsicherheiten, die eine Mengenabschätzung erschweren, zum Beispiel: Welche Mengen verbleiben in der Atmosphäre, welche werden durch die Straßenreinigung entsorgt  oder etwa auch auf Felder ausgeschwemmt? Vor diesem Hintergrund schätzen die Autoren die Eintragsmenge in Gewässer auf circa 6.200 bis 9.700 Tonnen. Bei der Eintragsmenge in die Meere gehen sie von circa 3.000 bis 4.800 Tonnen aus. Legt man die im Modell „Vom Land ins Meer“ getroffenen Annahmen zugrunde, würden etwa 88 Prozent des Eintrags über Flüsse in die Meere gelangen, der überwiegende Teil davon in die Nordsee.

Angesichts der noch zahlreichen Unsicherheiten aufgrund der mangelhaften Datenlage raten die Autoren, die in diesem Modell gemachten Annahmen wie auch die Daten kontinuierlich zu aktualisieren und zu validieren. Deshalb nennen sie ihre Abschätzung auch „Diskussionspapier“, das – so die Hoffnung – zu weiteren Erhebungen valider Daten anregen soll.

Das BKV Diskussionspapier zum Thema Reifenabrieb kann auf der BKV-Website kostenfrei bestellt werden: www.bkv-gmbh.de/infothek/studien unter Marine Litter: Bericht und Sonderbetrachtungen zum Modell "Vom Land ins Meer"

Foto: © Fotolia / Mario Hoesel