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Was sagen uns die Ergebnisse der „Global Plastics Flow“ Studie?

Mit der Global Plastics Flow Studie liegen erstmalig globale Daten auch zum Stand der Kreislaufwirtschaft vor. Deutlich werden dabei das globale Ausmaß an Abfällen, die in der Umwelt landen, und wo auf der Welt besonders starke Eintragsquellen zu verorten sind. Zur Bewertung der Ergebnisse und welche Schlüsse daraus zu ziehen sind, haben wir bei Thorsten Kühmann nachgefragt. Er ist Geschäftsführer des VDMA-Fachverbands Kunststoff- und Gummimaschinen, der neben sieben weiteren Verbänden und Organisationen zu den Auftraggebern der Global Plastics Flow Studie zählt.

Die „Global Plastics Flow 2018“- Studie wird als Pilotstudie beschrieben. Für wie aussagekräftig halten Sie das aus den unterschiedlichen Quellen extrapolierte Gesamtbild?

Ich halte das für sehr aussagekräftig, da mit großer Akkuratesse statistische Quellen aus den maßgeblichen Absatzmärkten für Kunststoffe herangezogen und ausgewertet wurden. Das unterscheidet sich systematisch von vorangegangenen Schätzungen, die mit deutlich weniger Quellen gearbeitet haben. Aus meiner Sicht ist damit zumindest ein guter Startpunkt gesetzt, der als Referenz für die kommenden Jahre steht.

Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft ist essentiell, um Einträge in die Umwelt und in die Meere zu vermeiden. Welche Schlüsse ziehen Sie aus der Studie, wenn Sie insbesondere die Zahlen zur Abfallbehandlung und zu den Einträgen von Kunststoffabfällen in die Umwelt betrachten?

Die klare Erkenntnis ist, dass wir vom Ziel einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft weltweit sehr weit entfernt sind. Über 70 Millionen Tonnen Kunststoffe landen jährlich in der Umwelt, das ist entsetzlich, und das können wir nicht hinnehmen. Das vordringliche Ziel muss daher sein, einer Vermüllung mit Kunststoffen weltweit entgegen zu treten. Die DACH-Länder, Skandinavien und Japan zeigen vorbildlich, wie das geht. Der Schlüssel liegt in einem systemischen Ansatz mit einer funktionierenden Abfallwirtschaft. Im zweiten Schritt gilt es dann, die Altkunststoffe zu rezyklieren und in neuen Kunststoffprodukten zu verarbeiten. Es ist wichtig, dass wir diesen Prozess als Industrie, aber auch als Gesellschaft entschieden anpacken.

Auftraggeber der Pilotstudie war die Global Plastics Alliance, der Auftragnehmer kam aus Deutschland. Methodisch beruht die Untersuchung auf in Deutschland entwickelten Ansätzen. Was ist aus Ihrer Sicht erforderlich, um eine weltweite Akzeptanz der Studie zu erhalten? Wie geht es nun nach diesem ersten Aufschlag mit der Pilotstudie weiter?

Es ist wichtig, andere Partner in das Projekt einzubeziehen und auf die globale Bedeutung hinzuweisen. Letztendlich ist es vollkommen egal, wer die Methodik entwickelt hat. Was zählt, sind die Ergebnisse und vor allem, welche Schlüsse wir weltweit ziehen. Die Glaubwürdigkeit der Studie liegt darin, dass wir nichts beschönigen und für uns und die Öffentlichkeit Transparenz schaffen. Die Pilotstudie hat bereits sehr viel Resonanz erzeugt und auch Hinweise gegeben, an welchen Stellen nachgearbeitet werden sollte. Dies wird in einer Analysephase berücksichtigt und fließt in das nächste Update in etwa zwei Jahren ein. Insgesamt fühlen wir uns bestätigt, diesen Prozess eines kritischen und datenbasierten Umgangs mit der Vermüllungsproblematik fortzusetzen.

(Januar 2020)