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Was ist eigentlich „Mikroplastik“?

Für den Begriff „Mikroplastik“ gibt es bislang keine allgemein anerkannte Definition. Unklar ist etwa, welche Stoffe unter den Begriff fallen. Im Laufe dieses Sommers will daher das Internationale Normungsgremium ISO/TC 61 „Kunststoffe“ erstmals einen Bericht vorlegen, in dem unter anderem eine Definition für „Mikroplastik“ präsentiert werden soll. Zudem gibt es in Wissenschaft und Forschung ebenfalls Ansätze zu einheitlichen Begriffsdefinitionen. So hat sich kürzlich ein europaweites Forschernetzwerk dessen angenommen und sein Ergebnis in der Fachzeitschrift „Environmental Science and Technology“ veröffentlicht.

Das für Kunststoffthemen relevante Normungsgremium auf internationaler Ebene, die ISO/TC 61, will noch in diesem Sommer den technische Bericht ISO TR 21960 vorlegen, der unter anderem dem Begriffswirrwarr hinsichtlich „Mikrokunststoffen“ ein Ende bereiten und Empfehlungen für ein einheitliches Verständnis enthalten soll. Die Definition soll verschiedene essentielle Kriterien zur Begriffsbestimmung berücksichtigen: neben der Größe, die häufig einziges Kriterium ist, auch die Art des Werkstoffs – zum Beispiel Kunststoff, Faser, kosmetisches Mittel oder Gummi – und der Anwendungsbereich wie business-to-business oder business-to-customer.

Einen weiteren Ansatz zur Definition von Mikroplastik hat das Fraunhofer Institut UMSICHT im Rahmen der Studie „Kunststoffe in der Umwelt“ vorgestellt, wie wir bereits in unserer Ausgabe vom Oktober 2018 berichteten. Darin hatten die Forscher eine Kategorisierung für Mikro- und Makroplastik vorgeschlagen, die auf Größenangaben verzichtet und sich an den Verantwortlichkeiten für die Einträge festmacht: Wurde das Mikroplastik gezielt hergestellt, um bestimmte Eigenschaften zu erreichen, entsteht es (ungewollt) in der Nutzungsphase oder entsteht es durch Verwitterung und Fragmentierung von Makroplastik, das (unsachgemäß) in der Umwelt gelandet ist. 

Aktuell hat Anfang 2019 ein europaweites Forschernetzwerk um den Umweltgeowissenschaftler Thorsten Hüffer von der Universität Wien einen neuen Vorschlag zur einheitlichen Terminologie vorgeschlagen. In diesem Forschernetzwerk haben sich verschiedene Universitäten und Behörden zusammengefunden, um einen breiten Konsens im Hinblick auf eine Definition von Mikroplastik zu erzielen. Der Definitionsvorschlag dieses Netzwerks geht über die Klassifizierung nach Größen hinaus und berücksichtigt vor allem auch physikalisch-chemische Eigenschaften von Polymeren. So würden damit auch Reifenmaterialien unter den Begriff „Mikroplastik“ fallen, die klassischerweise aufgrund ihrer Elastomeranteile nicht zu den Kunststoffen gezählt und deswegen im Makrobereich berücksichtigt werden. Ziel des Forschernetzwerkes ist es, ebenso wie auch bei den o.g. ISO-Normarbeiten, durch eine einheitliche Definition von Mikroplastik eine Basis für die Vereinheitlichung von Analysemethoden, die Entwicklung von Monitoringprogrammen wie auch für die Vergleichbarkeit von Studienergebnissen zu schaffen.

Das Ergebnis der Forschergruppe ist nachzulesen unter: https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acs.est.8b05297

Zur Zusammenfassung der Studie „Kunststoffe in der Umwelt“ von Fraunhofer UMSICHT

Quellen:

  • N.B. Hartmann, T. Hüffer, R.C. Thompson, M. Hasselöv, A. Verschoor, A.E. Daugaard, S. Rist, T. Karlsson, N. Brennholt, M. Cole, M.P. Herrling, M.C. Hess, N.P. Ivleva, A.L. Lusher, M. Wagner; „Are We Speaking the Same Language? Recommendations for a Definition and Categorization Framework for Plastic Debris“; Environmental Science & Technology; Volume 53, Issue 3, 1039-1047. (Quelle: chemie.de)
  • www.chemie.de
  • Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik, Fraunhofer UMSICHT, Juni 2018
  • www.din.de
  • Foto: pixabay.com