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Müllstrudel im Pazifik

Ein Team um Laurent Lebreton von der Ocean Cleanup Foundation im niederländischen Delft hat neue Erkenntnisse zum sogenannten Großen Pazifischen Müllstrudel gesammelt und nun vorgelegt. Demnach soll er weit größer sein als bislang angenommen. Eher überraschend ist ein Ergebnis ihrer Analysen, nach dem nämlich der Plastikabfall zu 46 Prozent aus Fischernetzen bestehen soll.

Von Juli bis September 2015 sichtete das Team um Lebreton, dem auch Mitarbeiter der TU München und der Universität Oldenburg angehörten, mit 30 Schiffen den sogenannten Great Pacific Garbage Patch, der sich zwischen Hawaii und Nordamerika ausbreitet. Mit Netzen fischten sie Abfälle zur anschließenden Analyse aus dem Meer. Die so erhobenen Daten ergänzten sie mit solchen, die sie auf zwei Flügen aus Luftbildaufnahmen von größeren Gebieten sammelten, und speisten alle Daten in Modelle von Meeresströmungen ein. Dies sei die bislang größte Vermessung des pazifischen Müllstrudels. Sie ergab eine Flächenausdehnung von 1,6 Millionen Quadratkilometern, einer Fläche, in der etwa Frankreich dreimal Platz fände. Dies übersteigt bei Weitem alle bislang vorgenommenen Schätzungen. In diesem Areal sollen laut der Forscher rund 80.000 Tonnen Plastikabfälle schwimmen, das sei vier bis 16-mal mehr als bisher angenommen. Die Zahl der Kunststoffteile wird mit 1,8 Billionen angegeben, das entspreche rund 250 Plastikstücken pro Mensch.

Überraschend ist bei dem Befund, dass es sich bei den Kunststoffstücken zu 92 Prozent um größere Teile handelte, Mikroplastik machte demnach nur acht Prozent aus. Den größten Anteil bildeten dabei mit 46 Prozent Reste von Fischernetzen, gefolgt von Plastikkisten, Aalreusen und Flaschen.

Auch über die Herkunft haben die Forscher einige Hinweise erhalten. Bei 386 Objekten fanden sie noch lesbare Aufschriften, die zu einem Drittel japanisch und einem Drittel chinesisch waren, während sich der Rest auf neun weitere Länder verteilte. Für den hohen japanischen Anteil vermuten sie den Tsunami aus dem Jahr 2011 als Hauptursache.

Zu ihren Masseangaben generell merken Lebreton und seine Kollegen an, dass es sich um konservative Schätzungen handele. Sie gehen davon aus, dass nur rund 60 Prozent des global nachgefragten Kunststoffs schwimmt und der Rest kurz nach Eintrag auf den Meeresgrund absinkt. Insofern sei von einer zusätzlichen hohen Dunkelziffer hinsichtlich im Meer vorhandener Kunststoffabfälle auszugehen.

Mehr Information: www.nature.com

Quellen: