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Mikroplastik überall in der Umwelt nachweisbar

In einem aktuell erschienenen Statusbericht gibt das österreichische Umweltbundesamt einen Überblick zu den neueren nationalen und internationalen Studien, zum Teil auch aus dem eigenen Haus, die Mikroplastik zum Thema haben. Demnach weisen viele Analysen weltweit Mikroplastik in Gewässern, Böden und Luft, aber auch in Lebensmittel, Kosmetik- und Reinigungsprodukten nach. Doch für Handlungsempfehlungen seien mehr und verlässlichere Daten erforderlich, die mit europaweit standardisierten Probenahme- und Analysemethoden erhoben würden.

Bei der Betrachtung des aktuellen Stands in Form einer Literaturstudie zu Mikroplastikeinträgen weisen die Autorinnen auf die mangelnde Validität und Vergleichbarkeit der Studien hin. Dies sei ein „noch entscheidendes Problem“. Nach wie vor fehle es an einer standardisierten Messmethodik. Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Probenahme- und Analysemethoden schwanken die Angaben zu den Mengen in Gewässern, zu denen laut des Berichts die meisten Studien vorliegen, zum Teil erheblich. Was die Mikroplastikbelastung im Trinkwasser angeht, ist Leitungswasser aus Grund- und Oberflächenwasser laut Bericht gar nicht oder nur sehr gering belastet, in Flaschen abgefülltes Wasser soll tendenziell mehr Mikroplastik aufweisen. Der angegebene Anteil steige zunehmend, je kleiner die untersuchten Partikelgrößen seien, heißt es dazu im Bericht.

Zu Mikroplastik in Böden ist der Studie zu entnehmen, dass erste internationale Studien von Verunreinigungen durch den Einsatz von Kunststofffolien oder Betriebsmitteln aus Kunststoffen in der Landwirtschaft sowie Klärschlamm, Kompost oder Gärrückständen berichten. Eine weitere Quelle ist neben Littering und atmosphärischem Eintrag insbesondere der Reifenabrieb. Eine Umweltbundesamt-Studie aus dem Jahr 2015 schätzt den Reifenabrieb für Österreichs Straßen auf 6.766 Tonnen pro Jahr. Auch in der Luft sei Mikroplastik gefunden worden, wo es über weite Strecken transportiert und auch in entlegenen Orten abgelagert werden könne. Infolge der Funde in Gewässern, Böden und Luft sei inzwischen auch Mikroplastik in Lebensmitteln nachgewiesen worden. Erste Daten gebe es auch zu Funden im menschlichen Körper wie etwa die einer Pilotstudie des UBA aus dem Jahr 2018. Mengen und Zusammensetzung von Mikroplastik in Lebensmitteln seien allerdings aufgrund fehlender Studien noch unklar.

Laut der Autorinnen des österreichischen UBA kann der Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt noch nicht bewertet werden, auch könnten noch keine Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden. Dazu brauche es mehr und verlässlichere Daten sowie mehr Wissen über die Eintragspfade, ebenso müsse über die Auswirkungen von Mikroplastikeinträgen in die Umwelt noch mehr geforscht werden. Dennoch empfehlen sie, jetzt schon im Sinne des Vorsorgeprinzips, Maßnahmen zur Reduzierung der Einträge zu forcieren.

Mehr Information: Statusbericht 2019 „Mikroplastik in der Umwelt“(Download)

Quellen:

  • www.uba.at/ (15.4.2020)
  • Mikroplastik in der Umwelt, Statusbericht 2019 von Bettina Liebmann und Katharina Sexlinger (2020)
  • Foto: © mgu.unibas.ch