Zum Inhalt springen
  • +49 (0) 69 2556 1921
  • info(at)bkv-gmbh.de

Fraunhofer UMSICHT: „Mikroplastik – überall und in großen Mengen“

Rund zwei Jahre lang haben die Autoren vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Fraunhofer UMSICHT) aus Oberhausen in Deutschland den Wissensstand zu Mikro- und Makrokunststoffen in der Umwelt zusammengetragen. Ihr Ziel war es, neue Erkenntnisse zu gewinnen, woher die Partikel verschiedener Werkstoffe kommen und in welchen Mengen sie in Deutschland jedes Jahr in die Umwelt emittiert werden. Im Ergebnis quantifizierten sie 51 Emissionsquellen und brachten sie in eine Rangfolge.

Wie aus dem Ergebnisbericht „Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik“ hervorgeht, verfolgte die Studie das Ziel, den Stand des Wissens zum Thema zusammenzutragen, zu strukturieren und zu analysieren, um darauf aufbauend Empfehlungen zu formulieren. Zur Recherche gehörte auch eine eigens durchgeführte E-Mail-Befragung von 250 Experten.

Für die Studie wurde zunächst eine neue Kategorisierung für Mikro- und Makroplastik eingeführt, die nicht den gängigen Definitionen wie etwa der nach der Größe der Partikel folgte, sondern vor allem die Verantwortlichkeiten deutlich machen sollen: Primäres Mikroplastik Typ-A umfasst demnach hergestellte Kunststoffpartikel, deren Verluste bewusst in Kauf genommen oder durch Unachtsamkeit verursacht werden. Typisches Beispiel dafür sind Microbeads in Kosmetika. Primäres Mikroplastik Typ-B bezeichnet dagegen Partikel, die erst in der Nutzungsphase durch Abrieb oder Verwitterung entstehen wie etwa bei Autoreifen, Schuhsohlen, Textilien oder Farben. Gelangen Kunststoffabfälle, hauptsächlich Verpackungen, Plastiktüten oder Flaschen – sogenanntes Makroplastik – in die Umwelt und fragmentieren dort, werden sie dem sekundären Mikroplastik zugeordnet.

Aufgrund der E-Mail-Umfrage wählten die Forscher 74 potenziell relevante Quellen für primäres Mikroplastik aus, von denen sie 51 bislang quantifizierten. Dabei stellte sich heraus, dass die vor allem medial häufig genannten Quellen aus Kosmetik und Textilwäsche in der quantitativen Rangliste erst auf Platz 17 auftauchen. Mit Abstand auf Platz eins liegt dagegen ein Material, das überwiegend aus Gummi besteht: der Reifenabrieb. Auf den Plätzen danach folgen die Freisetzung bei der Abfallentsorgung, der Abrieb von Bitumen in Asphalt, Pelletverluste und Verwehungen von Sport- und Spielplätzen. Bei der Gesamtmenge an polymeren Werkstoffen, die in Deutschland jährlich in die Umwelt emittiert werden, dominiert mit rund 74 Prozent klar das Mikroplastik (inklusive des Reifenabriebs). Die Autoren gehen von gut vier Kilogramm Mikroplastik pro Kopf aus. Bei Makroplastik liege die Menge dagegen nur bei etwa 1,4 Kilogramm pro Kopf und Jahr.

Eine besondere Rolle bei den Mikrokunststoffemissionen – nicht nur was den Eintrag in die Umwelt betreffe, sondern auch den Rückhalt – spielt laut der Studie die Siedlungswasserwirtschaft. Kläranlagen innerhalb der Siedlungswasserwirtschaft würden etwa 78 Prozent des Abwassers reinigen. Der Rest würde nur teilweise gereinigt, so dass Kunststoffe vor allem über Niederschläge in die Ökosysteme gespült würden. Die Kläranlagen würden zwar 95 Prozent des Mikroplastiks aufhalten, der aber die Klärschlämme anreichere, die wiederum zum Teil in der Landwirtschaft oder im Landschaftsbau genutzt werden. Hier wäre im Einzelfall zu prüfen, ob nicht eine vollständige Verbrennung einer Nutzung in der Landwirtschaft vorzuziehen wäre.

Am Ende der Studie, die als Kurzfassung auf der Website von Fraunhofer UMSICHT zum Download frei zur Verfügung steht, finden sich eine Reihe von Empfehlungen der Autoren, die sowohl Aspekte der wissenschaftlichen Auseinandersetzung als auch konkrete Maßnahmen zur Eindämmung der Emissionen betreffen. 

Partner und Finanziers der Studie waren BASF SE, Evonik Ressource Efficiency GmbH, Beiersdorf AG, Nestec Ltd, DSD - Duales System Holding GmbH Co. Kg, Wupperverband, Gelsenwasser AG, hanseWasser, Emschergenossenschaft/Lippeverband, RWTH Aachen und die TU Dresden. Autoren sind Jürgen Bertling, Ralf Bertling und Leandra Hamann von Fraunhofer UMSICHT.

Mehr Information: Zur Konsortialstudie Mikroplastik und Downloadmöglichkeit 

Quellen:

  • Jürgen Bertling, Ralf Bertling, Leandra Hamann: Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik, Fraunhofer UMSICHT, Oberhausen 2018
  • www.umsicht.fraunhofer.de
  • Foto: Fraunhofer UMSICHT