Schiffslacke als bedeutende Quelle für Mikroplastik

Schiffslacke als bedeutende Quelle für Mikroplastik

25.05.2021

Mikropartikel in der südlichen Nordsee stammen überwiegend aus Farben und Lacken von Schiffsrümpfen. Das hat eine Studie des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres der Universität Oldenburg ergeben. Diese bietet nach eigenen Angaben erstmals einen Überblick über die Mikroplastik-Verteilung in der Nordsee. Das Forscherteam um Dr. Barbara Scholz-Böttcher fand vor allem Kunststoffpartikel, die Bindemitteln von Schiffsanstrichen entstammen. Als Quelle sollen sie eine ähnliche Bedeutung haben wie der Reifenabrieb an Land. Das Ergebnis legt nahe, dass deutlich mehr Mikroplastik auf dem offenen Meer entsteht als bislang vermutet.

 

Die Ergebnisse mit einem Überblick über die Mikroplastik-Verteilung in der Nordsee wurden im Februar 2021 in Environmental Science & Technology veröffentlicht. Das Forscherteam um Scholz-Böttcher filterte aus den Proben, die in den Jahren 2016 und 2017 in der Nähe wichtiger Schifffahrtsstraßen in der Deutschen Bucht genommen wurden, Plastikteilchen mit einem Durchmesser von weniger als einem Millimeter heraus und analysierten deren chemische Zusammensetzung. Im Unterschied zu früheren Studien haben die Forscher nicht nur die Partikelzahl für die Nordsee ermittelt, sondern auch zum ersten Mal die Masseverteilung bestimmt, um damit ein umfassenderes Bild zur Verteilung der Kunststoffarten zu erhalten. Dabei haben sie nach Angaben der Universität Oldenburg überraschenderweise festgestellt, dass sich in den Proben vor allem sogenannte Acrylate und Polycarbonate und weit weniger Verpackungskunststoffe und PVC befinden würden. Nach Aussage der Forscher seien die größte Quelle von Plastik in der Umwelt Verpackungsabfälle von Endverbraucherprodukten. Deren Hauptbestandteile seien Polyolefine und PET. Diese Polymere würden vor allem in Küstennähe festgestellt. In der Nähe großer Schifffahrtsrouten auf der offenen Nordsee oder in der Elbmündung wären es dagegen überwiegend Kunststoffarten, die etwa als Bindemittel in Acrylfarben zum Einsatz kämen. Insofern liege es nahe, dass die gefundenen Partikel aus Schiffsanstrichen stammen würden. Die Kunststoffe würden in den Farben eingesetzt, um unerwünschten Bewuchs zu verhindern, würden aber durch Wind und Wellen abgerieben. „Wir gehen davon aus, dass Schiffe im Wasser eine Art ‚Bremsspur‘ hinterlassen, die als Quelle von Mikroplastik eine ähnlich große Bedeutung hat wie der Reifenabrieb von Autos an Land“, sagt Scholz-Böttcher.

 

Zur Originalpublikation: Christopher Dibke, Marten Fischer und Barbara M. Scholz-Böttcher: „Microplastic Mass Concentrations and Distribution in German Bight Waters by Pyrolysis-Gas Chromatography-Mass Spectrometry/Thermochemolysis Reveal Potential Impact of Marine Coatings: Do Ships Leave Skid Marks?“

 

Quellen:

  • Wissenschaft.de (26.2.2021)
  • Bild: © American Chemical Society

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