Plastikmüll im Mittelmeer

Plastikmüll im Mittelmeer

14.12.2020

Nach Berechnungen der International Union for Conservation of Nature (IUCN) sollen jährlich geschätzte 230.000 Tonnen Kunststoffabfälle allein aus den 33 Anrainerstaaten insbesondere über Flüsse ins Mittelmeer gelangen. Hauptursache seien falsch entsorgte Kunststoffabfälle. Die Autoren fordern als dringende Gegenmaßnahme ein verbessertes Abfallmanagement. Rund 50.000 Tonnen Einträge ließen sich im Jahr vermeiden, wenn nur die 100 Städte mit den größten Aufkommen ein Abfallmanagement nach Best-Practice-Standards erhielten, heißt es in dem Bericht.

230.000 Tonnen bedeuten laut IUCN eine tägliche Eintragsmenge, die dem Inhalt von mehr als 500 Frachtcontainern entspreche. Dabei handele es sich zu 94 Prozent um Makrokunststoffe und sechs Prozent Mikrokunststoffe aus falsch entsorgtem Abfall. Die Mengenangabe sei allerdings eine mittlere Schätzung – zwischen 150.000 und 610.000 Tonnen seien denkbar. Auch wurde speziell der Abfall, der von Land eingetragen werde, berücksichtigt, zurückgelassene Fischernetze etwa blieben unbeachtet. Dabei befassten sich die Studienautoren mit den Einträgen von insgesamt 33 Staaten an den Küsten wie auch etwa entlang des Nils. Demnach sollen zehn Staaten für 80 Prozent der Einträge verantwortlich sein. An erster Stelle wird Ägypten genannt mit schätzungsweise rund 74.000 Tonnen pro Jahr, gefolgt von Italien (34.000 Tonnen) und der Türkei (24.000 Tonnen). Pro Kopf und Jahr gerechnet, befinde sich allerdings Montenegro mit etwa acht Kilogramm an der Spitze, gefolgt von Albanien, Bosnien und Herzegowina sowie Nordmazedonien.

Sollten keine entscheidenden Maßnahmen ergriffen werden, erwarten die Autoren bis zum Jahr 2040 eine Verdoppelung der Abfallmenge im Mittelmeer. Die bestmögliche Gegenmaßnahme sehen sie in einem verbesserten Abfallmanagement. Würde die Abfallwirtschaft beginnend mit der Sammlung in den 100 Städten mit den meisten Einträgen verbessert und auf den Best-Practice-Standard gebracht, ließe sich die Eintragsmenge bereits um rund ein Viertel reduzieren. Auch Verbote empfehlen sie. So würde laut Antonio Troya, Direktor des IUCN-Zentrums für Zusammenarbeit im Mittelmeerraum, ein weltweites Verbot von Plastiktüten den Kunststoff-Eintrag um rund 50.000 Tonnen im Jahr reduzieren. Troya fordert Regierungen, Privatwirtschaft, Forschungseinrichtungen und Verbraucher zur Zusammenarbeit auf , um Prozesse und Lieferketten neu zu gestalten, in Innovationen zu investieren und nachhaltige Verbrauchsmuster sowie verbesserte Abfallmanagementpraktiken zu etablieren und so den Kunststoffeintrag zu senken.

Zum Bericht: „The Mediterranean: Mare plasticum“ von Julien Boucher und Guillaume Billard

Quellen:

  • IUCN
  • Euwid Recycling und Entsorgung 45/2020 (3.11.2020)
  • Dpa, Deutsche Welle (27.10.2020)
  • Foto: © BKV GmbH / Uli Martin

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