News Reader

Unternehmensweite OCS®-Zertifizierungen

Kunststoffpartikel liegen auf dem Sand an einer Küste

Zahlreiche Unternehmen der Chemie- und Kunststoffindustrie haben sich bereits der europäischen Initiative Operation Clean Sweep® (OCS) angeschlossen und ihre Anlagen von unabhängigen Dritten nach dem OCS®-System zertifizieren lassen. Das Programm zielt darauf ab, den Verlust von Kunststoffgranulaten, -flocken und -pulvern bei der Handhabung während Produktion, Verarbeitung, Recycling und Transport zu verhindern und so dazu beizutragen, dass diese Materialien nicht in die Umwelt gelangen.
 

Das OCS Europe-Zertifizierungssystem zielt darauf ab, die Einhaltung der Anforderungen zur Vermeidung von Verlusten von Kunststoffgranulaten, -pulvern und -flocken durch Unternehmen in der gesamten Kunststofflieferkette zu kontrollieren und zu dokumentieren. Anfang August 2025 wurden auf der öffentlich zugänglichen Webseite der europäischen OCS®-Initiative, opcleansweep.eu, insgesamt 211 Anlagen in ganz Europa aus den Bereichen Verarbeitung, Herstellung, Handel und Recycling registriert, die ihr OCS-Engagement bereits zertifiziert haben. Das 2023 eingeführte System baut auf den ursprünglichen OCS-Prinzipien auf, berücksichtigt die Umweltmanagementnorm ISO 14001 und beinhaltet unabhängige Audits. Für eine Zertifizierung müssen die Unternehmen sicherstellen, dass ihre Anlagen alle obligatorischen Anforderungen an Managementpraktiken, Verfahren und die Leistungsindikatoren zur Kontrolle der Granulatverluste erfüllen, die im OCS Europe Certification Scheme aufgeführt sind.
 

Ähnlich sehen es auch die europäischen Kunststoffhersteller. Sie begrüßen die Entscheidung und den politischen Willen der Europäischen Union, die Gespräche fortzuführen und einen globalen Konsens mit geeigneten Rahmenbedingungen zu schaffen, sagt Virginia Janssens, Managing Director von Plastics Europe. Der Verband appelliert an alle UN-Mitgliedsstaaten, die multilateralen Verhandlungen so bald wie möglich wieder aufzunehmen. Aus Sicht der Kunststoffhersteller sollte das Abkommen Maßnahmen enthalten, die nachhaltige Produktion und verantwortungsvollen Konsum fördern, eine wirksame Abfallwirtschaft ermöglichen und Berichtsmechanismen schaffen, die einen Übergang zur Kreislaufwirtschaft ermöglichen. Kunststoffe sollten am Ende ihrer Nutzungsphase als wertvoller Rohstoff und Handelsgut in den Kreislauf zurückgeführt werden, anstatt als Abfall in der Umwelt zu landen, deponiert oder verbrannt zu werden, betont Janssens. Für sie kommt es jetzt mehr denn je auf die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Industrie und Zivilgesellschaft an: „Verhandlerinnen und Verhandler sollten sich nun darauf konzentrieren, gemeinsame und national anpassbare Lösungen zu finden, um ein faires und ehrgeiziges Plastikabkommen zu erreichen.“
 
Vor Kurzem meldeten der Chemiekonzern BASF und der Kunststoffhersteller Borealis den Abschluss von unternehmensweiten Zertifizierungen in ganz Europa: Alle europäischen Produktionsstandorte der BASF für technische Kunststoffe, Polystyrol, expandierbares Polystyrol, Polyurethane, thermoplastische Polyurethane, Polyamide und Spezialpolymere sind nach Unternehmensangaben seit März 2025 zertifiziert. Insgesamt wurden nach Angaben von BASF 16 Produktionsanlagen für Kunststoffgranulat an sechs BASF-Produktionsstandorten in Europa zertifiziert. BASF ist den Angaben zufolge seit 2014 Partner der OSC-Initiative in Europa und hat im Rahmen des Programms sowohl technische Verbesserungen in den Kunststoffproduktionsanlagen umgesetzt als auch seine Mitarbeiter geschult und Akteure entlang der Wertschöpfungskette ermutigt, sich der Initiative anzuschließen.
 
Borealis gab ebenfalls im März 2025 den erfolgreichen Abschluss der OCS®-Zertifizierung aller Produktionsstandorte für Polyolefine bekannt. Dazu habe das Unternehmen die OCS-Prinzipien in sein Managementsystem integriert und an allen Standorten eingeführt. Die belgischen Produktionsstandorte Kallo und Antwerpen gehörten nach Unternehmensangaben zu den ersten weltweit, die einen Pilotversuch durchführten und bereits Ende 2023 die vollständige Zertifizierung erhielten. Darüber hinaus war Borealis nach eigenen Angaben gemeinsam mit Plastics Europe und anderen wichtigen Stakeholdern an der Entwicklung der Zertifizierungsstandards beteiligt.
 
Die Europäische Union arbeitet unterdessen an EU-weit verbindlichen Vorschriften, um Pelletverluste zu verhindern, so insbesondere eine bereits im Oktober 2023 vorgeschlagene EU-Pelletverordnung. Dazu haben sich am 8. April 2025 der Rat und das Parlament der Europäischen Union vorläufig auf verbindliche Regeln zur Vermeidung von Pelletverlusten entlang der gesamten Lieferkette verständigt. Die vorläufige Einigung muss vom Rat und vom Parlament noch gebilligt werden, bevor sie in EU-Recht umgesetzt werden kann. Das Regelwerk stützt sich auf bestehende bewährte Verfahren und freiwillige Maßnahmen der Industrie wie das OCS®-Programm.
 
Quellen:

Zurück zur Newsübersicht