Neue BKV-Studie zum „Global Plastics Flow“ zeigt Fortschritte und Potenziale
Die aktuelle Studie „Global Plastics Flow 2023“ belegt Fortschritte in der Kreislaufwirtschaft, aber auch einen anhaltenden Mengenanstieg sowie Defizite bei Infrastrukturen des Abfallmanagements. Die Untersuchung liefert Daten und Fakten zum Lebensweg von Kunststoffen in 45 Ländern, die zusammen 81 Prozent des globalen BIP abdecken und bietet einen umfassenden Überblick über die Kunststoffproduktion, den Kunststoffverbrauch, Endverbraucherabfälle sowie deren ordnungsgemäße Behandlung und Verwertung sowie auch der unsachgemäßen Entsorgung bis hin zum Wiedereinsatz von Rezyklaten.
Die von Conversio Market & Strategy im Auftrag der BKV und in Kooperation mit dem GKV Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie, der Messe Düsseldorf, dem Kunststoff- und Gummimaschinenbau im VDMA und der Initiative „Wir sind Kunststoff“ erstellte Studie „Global Plastics Flow 2023“ zeigt die Entwicklungen in der globalen Kunststoffkreislaufwirtschaft auf. Ein Fokus ist das Abfallmanagement von Kunststoffen sowie die Vermeidung von Missmanagement und Littering. Als Neuauflage zur Studie „Global Plastics Flow 2018“ enthält die Ausgabe 2023 nicht nur aktualisierte Daten. Die Studie wurde darüber hinaus mit der Analyse von Nicht-Verpackungskunststoffen etwa aus dem Bauwesen, der Automobilindustrie, dem Bereich Elektro und Elektronik sowie anderer langlebiger Produkte erweitert, um die Fortschritte in der globalen Kreislaufwirtschaft zu verfolgen und Entwicklungen in der Abfallwirtschaft und der Vermeidung von Abfall zu beleuchten.
Im Jahr 2023 wurden laut Studie rund 414 Millionen Tonnen Kunststoffe produziert, davon 374 Millionen Tonnen auf der Basis fossiler Rohstoffe. Verglichen mit den Werten der Erhebung aus dem Jahr 2018, wo die Kunststoffproduktionsmenge bei 370 Millionen Tonnen lag, stieg die Produktion demnach um 44 Millionen Tonnen bzw. um 2,3 Prozent pro Jahr. 412 Millionen Tonnen Kunststoffe wurden 2023 zu Kunststoffprodukten verarbeitet. Circa 407 Millionen Tonnen Kunststoffprodukte wurden im Jahr 2023 verbraucht oder auf den Markt gebracht. Nach Verbrauch fielen in 2023 etwa 300 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an. Rund 107 Millionen Tonnen Kunststoffprodukte befanden sich in Lagerbeständen oder noch im Gebrauch, so dass diese erst später das Ende ihrer Lebensdauer erreichen werden. Umgelegt auf die Bevölkerung entsprechen die 300 Millionen Tonnen weltweit erzeugter Kunststoffabfall einem Pro-Kopf-Anteil von rund 37 Kilogramm.
Weltweit wird der größte Teil der Kunststoffabfälle mit einem Anteil von 71 Prozent bzw. einer Menge von 212 Millionen Tonnen umweltgerecht entsorgt. Im Jahr 2018 lag dieser Wert bei 68 Prozent. Rund 29 Prozent, respektive 87 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle werden ungeordnet entsorgt etwa auf sogenannten wilden Deponien, durch offene Verbrennung oder in der Umwelt. Die Menge an unsachgemäß entsorgten Kunststoffabfällen ist laut Studie seit 2018 prozentual um 1,9 Prozent pro Jahr gestiegen, wächst allerdings langsamer als die Gesamtabfallmenge, was laut den Autoren auf eine allmähliche Verbesserung hindeutet.
Die Studie unterstreicht, dass die Fortschritte im Recycling unter anderem maßgeblich von den in den Ländern bestehenden Sammel- und Sortierstrukturen abhängen. Die Autoren weisen dazu auf signifikante regionale Unterschiede hin: Während Europa eine umweltgerechte Behandlungsquote von 90 Prozent erreicht – in der Region „EU-27+3“ sind es sogar 95 Prozent –, werden in Nordamerika, wo Recycling eine untergeordnete Rolle spielt, 96 Prozent der Kunststoffabfälle deponiert oder energetisch verwertet. In Asien entstehen 148 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle jährlich, wovon 69 Prozent umweltgerecht behandelt werden. Afrika weist mit circa 20 Prozent die niedrigste Behandlungsquote auf, was laut Studie auf erhebliche Defizite in der Abfallinfrastruktur zurückzuführen ist.
Als Beispiele dafür, wie Länder Recyclingstrukturen erfolgreich aufbauen können, nennt die Studie unter anderem Kolumbien, das ein starkes umweltpolitisches System mit EPR etabliert, Einwegplastik verboten und informelle Sammler integriert hat. Dort nimmt die Recyclingquote laut Studie jährlich um 24,6 Prozent zu. China steigert Recycling und Energieverwertung durch massive Infrastrukturinvestitionen und nationale Richtlinien. Europa profitiert von klaren gesetzlichen Vorgaben, Pfandsystemen und modernen Sortieranlagen. Die Beispiele machen laut den Autoren deutlich, dass Systeme der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR), Infrastruktur, Innovation und klare Gesetze messbar wirken. Zur Verbesserung der globalen Kunststoffkreisläufe empfiehlt die Studie insbesondere den Aufbau klarer gesetzlicher Rahmenbedingungen mit verbindlichen Zielvorgaben, den Ausbau von EPR-Systemen, die Integration informeller Sammler sowie die Förderung des Rezyklateinsatzes.
„Durch das Zusammenspiel verschiedener Instrumente kann eine nachhaltige Transformation erreicht werden“, betonen auch die Studien-Initiatoren BKV, GKV, VDMA, die Initiative „Wir sind Kunststoff“ und die Messe Düsseldorf. „Der erweiterten Herstellerverantwortung kommt dabei eine besonders effektive Rolle zu. Übernehmen Hersteller finanziell und organisatorisch die Verantwortung für die Nach-Nutzen-Phase bewirkt dies langfristig einen Umschwung zu einem geschlossenen und nachhaltigen Kunststoff-Stoffstrom mit mehr Recycling und weniger Einträgen in die Umwelt.“
Quellen:
- BKV-Studie „Global Plastics Flow 2023“
- Bild: © Conversio Market & Strategy GmbH