OECD zeigt Potenziale in Asien auf beim Kampf gegen Plastikverschmutzung
Strengere politische Regelungen könnten die Plastikverschmutzung in Südost- und Ostasien laut eines Berichts der OECD bis 2050 um mehr als 95 Prozent reduzieren. Berechnungen der OECD zufolge könnten Maßnahmen über den gesamten Kunststoff-Lebenszyklus in dieser Region dazu führen, die regionalen Recyclingquoten zu steigern und so die unsachgemäße Entsorgung von Abfällen nahezu vollständig zu unterbinden.
Länder in Südost- und Ostasien spielen laut Analyse der Autoren des Berichts „Regional Plastics Outlook for Southeast and East Asia” der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eine zentrale Rolle für die globalen Bemühungen zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung durch unsachgemäß entsorgte Kunststoffabfälle. Diese Staaten haben einen erheblichen Anteil an der Weltwirtschaft, nehmen laut Bericht eine bedeutende Position in den Wertschöpfungsketten für Kunststoffe ein und verzeichnen eine schnell steigende Nachfrage nach Kunststoffen. Der Bericht bezieht sich auf die vereinigten südostasiatischen Mitgliedstaaten (ASEAN) mit den Staaten Länder Brunei Darussalam, Kambodscha, Indonesien, die Demokratische Volksrepublik Laos, Malaysia, Myanmar, die Philippinen, Singapur, Vietnam und Thailand sowie die drei Länder China, Japan und Südkorea. Aus der Analyse geht hervor, dass in dieser Region im Jahr 2022 rund 152 Millionen Tonnen Kunststoffe verbraucht wurden und fast 8,5 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle in die Umwelt gelangt sind. Damit entfallen auf die Länder fast ein Drittel des globalen Verbrauchs und mehr als ein Drittel der unkontrolliert in der Umwelt „entsorgten“ Kunststoffabfälle.
Die Analyse der OECD konzentriert sich auf zwei Szenarien: ein Basisszenario mit Projektionen im Rahmen der aktuellen Politik und ein ambitioniertes Szenario mit Projektionen für strenge Maßnahmen, die auf das Ziel ausgerichtet sind, die Plastikverschmutzung in den betrachteten Ländern zu beenden. Bei einem Szenario ohne weitere Maßnahmen geht die OECD davon aus, dass der Verbrauch in der Region bis 2050 etwa 280 Millionen Tonnen Kunststoffe pro Jahr erreichen dürfte und die Kunststoffverschmutzung um 68 Prozent auf rund 14 Millionen Tonnen pro Jahr ansteigen würde. Im Vergleich zum „business as usual“ könnte in einem Szenario mit stringenten politischen Maßnahmen über den gesamten Lebenszyklus von Kunststoffen laut den Berechnungen der OECD der Verbrauch um fast 30 Prozent sinken, die regionalen Recyclingquoten würden sich mit rund 55 Prozent mehr als vervierfachen, und die unsachgemäße Entsorgung in der Region würde bis 2050 fast vollständig unterbunden. Die größten Reduzierungen von Umwelteinträgen werden für China und ASEAN-Länder mit niedrigem mittlerem Einkommen prognostiziert.
Mit einer stärkeren regionalen Zusammenarbeit, ehrgeizigen politischen Maßnahmen, internationaler Unterstützung und gezielten Investitionen könnten Südost- und Ostasien zu einem globalen Vorbild bei der Bekämpfung der Plastikverschmutzung und der Förderung von Kreislaufwirtschaftslösungen für Kunststoffabfälle werden, betont OECD-Generalsekretär Mathias Cormann. Insbesondere Länder mit niedrigem mittlerem Einkommen stünden allerdings vor erheblichen Herausforderungen, da ihre Abfallmengen stark zunähmen, während die Infrastruktur für das Abfallmanagement unzureichend sei.
Zu den Empfehlungen im Bericht der OECD, welche Maßnahmen die Länder gegen die Umweltverschmutzung durch unsachgemäß entsorgte Kunststoffabfälle treffen sollten, gehören etwa gesetzliche Regelungen zur Verlangsamung des Nachfragewachstums und des Abfallaufkommens von Kunststoffen, die Infrastruktur für Wiederverwendungssysteme auszubauen, Ziele für die Abfallsammlung sowie inländische Finanzierungsinstrumente und Systeme der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) einzuführen und informell Beschäftigte zu professionalisieren. Darüber hinaus könne die Einbeziehung mehrerer Akteure, der Aufbau von Abfallmanagement-Kapazitäten sowie die regionale und internationale Zusammenarbeit Möglichkeiten bieten, die Politikgestaltung und -umsetzung zu verbessern, Wissenslücken zu schließen und politische Rahmenbedingungen zu stärken. Der Bericht betont, dass es angesichts der Vielfalt der ASEAN Plus Three-Länder keine Einheitslösung gebe. Die Gestaltung der Politik sollte auf die lokalen Bedingungen und Prioritäten zugeschnitten sein und die unterschiedlichen sozioökonomischen Bedingungen, Infrastrukturkapazitäten, politischen Rahmenbedingungen, den einfachen Zugang zu Finanzmitteln und das Bewusstsein der Öffentlichkeit widerspiegeln.
Quellen:
- Pressemitteilung der OECD (30.7.2025)
- Bericht der OECD „Regional Plastics Outlook for Southeast and East Asia” (30.7.2025)
- Bild: © OECD