LANUK-Studie zu Mikroplastik im Rhein
In einer Pilotstudie hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK) den Rhein und erstmals auch die Abwassereinleitungen an vier Industriestandorten entlang des Flusses gezielt auf kleine Mikroplastikpartikel unter einem Millimeter Größe untersucht, die als sogenannte Beads in den Betrieben hergestellt werden. Überprüft werden sollte, inwiefern die Einleitung von Abwasser- bzw. Niederschlag dazu beiträgt, dass solche Mikroplastikpartikel in den Rhein gelangen. Eintragsquellen sollten identifiziert und Betriebe in der Region für das Problem sensibilisiert werden. An den untersuchten Einleitungsstellen fanden die Forscher Mikroplastikkonzentrationen zwischen 0,95 und 19 Beads pro Kubikmeter Abwasser sowie – bei einem einzelnen Einleiter – einen Höchstwert von über zweitausend Beads.
In der Forschung wird unterschieden zwischen primärem Mikroplastik – industriell hergestellten Partikeln wie Pellets und Beads – und sekundärem Mikroplastik, das durch den Zerfall größerer Kunststoffteile entsteht, etwa durch den Einfluss von Sonneneinstrahlung, Abrieb oder andere Witterungseinflüsse. Die Studie des LANUK untersuchte ausschließlich die Belastung des Rheins durch primäres Mikroplastik in Form von Beads im Größenbereich von 100 bis 1.000 Mikrometer.
Für die Untersuchung wurden vier Industrieareale entlang des Rheins in Nordrhein-Westfalen ausgesucht, an denen Chemiebetriebe ansässig sind, die Kunststoffrohmaterialien herstellen oder damit umgehen. An den vier Standorten wurden pro Standort zwischen zwei und sechs, insgesamt 16 Abwasserproben entnommen: Zum einen direkt an den Einleitstellen in den Rhein, wo das gereinigte Abwasser in den Fluss geleitet wird, und zum anderen an ausgewählten Stellen innerhalb der Betriebe, um die Quelle etwaiger Mikroplastikfunde innerhalb der Anlage zurückverfolgen zu können. Dabei kamen mehrere hintereinander geschaltete Filter mit abnehmender Maschenweite zum Einsatz, durch die die Wasserproben gepumpt wurden, um sehr kleine Partikel herauszufiltern. In allen untersuchten Abwasserproben der vier Chemie-Standorte wurden Beads in unterschiedlicher Menge gefunden. Der höchste gemessene Wert von rund 2.571 Teilchen pro Kubikmeter stammt von einer einzelnen Einleitungsstelle und stellt in der Messreihe eine Ausnahme dar. Alle anderen Messwerte lagen deutlich niedriger, überwiegend zwischen etwa einem und 19 Kunststoffkügelchen pro Kubikmeter Abwasser.
Darüber hinaus nahm das LANUK-Team an neun Stellen im Rheinabschnitt zwischen Bad Godesberg und Duisburg Wasserproben. Diese Rheinproben dienten als Übersicht, wie stark der Fluss auf seinem Weg durch Nordrhein-Westfalen mit primärem Mikroplastik in Form von Beads belastet ist. Dabei kamen Netzfangeinrichtungen, sogenannte Manta-Trawl-Netze, zum Einsatz. Diese waren an Bord eines Laborschiffs befestigt und durchsiebten während der Fahrt entgegen der Strömung das Oberflächenwasser. Alle dabei herausgefilterten Rückstände wurden danach im Labor ausgewertet, um die Anzahl der Mikroplastikpartikel pro Kubikmeter Wasser zu bestimmen. Die Konzentrationen lagen hier mit rund 0,6 bis 3,6 Beads pro Kubikmeter Flusswasser deutlich unterhalb der Messwerte in den Abwasserproben. Aufgrund der Strömung und vieler weiterer potenzieller Quellen für Mikroplastik lassen sich die Funde im Rheinwasser laut Studie nicht eindeutig einzelnen Einleitern zuordnen.
Das LANUK weist darauf hin, dass es sich bei der Studie um eine Momentaufnahme und erste Einschätzung handelt. Weitere Untersuchungen sollen folgen. So soll ein genaueres Bild davon entstehen, wie viel Mikroplastik tatsächlich im Rhein schwimmt, woher es stammt und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Erste Konsequenzen wurden aus der Studie bereits gezogen. Schon jetzt laufen der Studie zufolge Gespräche zwischen Ministerium, Landesamt, Bezirksregierungen und den Betreibern der Chemiestandorte. Dabei gehe es darum, wie Quellen der Belastungen ermittelt und Einträge verhindert werden können.
Der Verband der Kunststoffhersteller Plastics Europe Deutschland (PED), der im Speziellen die Interessen von Herstellern von Pellets vertritt, d.h. – anders als Beads – von Mikroplastik als industrielle Zwischenprodukte in der typischen Größe zwischen 1 und 5 Millimeter, hat sich zu den Ergebnissen der Studie bereits geäußert. PED-Hauptgeschäftsführerin Dr. Christine Bunte betont: „Die Studie des LANUK ist für uns ein wichtiger Hinweis, dass weitere Anstrengungen nötig sind, um zu vermeiden, dass industrielle Kunststoffpartikel in die Umwelt gelangen. Die Mitgliedsunternehmen von Plastics Europe setzen bereits eine Reihe von Maßnahmen gegen den Verlust von Kunststoffgranulat um, beispielsweise durch den Einbau zusätzlicher Filter, Verbesserung der Abfüllung und Sensibilisierung der Mitarbeiter.“ Um dem Anspruch der Unternehmen, null Pelletverluste zu erzielen, gerecht zu werden, will Plastics Europe noch enger mit der gesamten Wertschöpfungskette zusammenarbeiten und für den sachgerechten Umgang mit Kunststoffgranulat sensibilisieren. Der Verband weist auch auf die freiwillige Initiative „Operation Clean Sweep®“ hin, die Plastics Europe, der paneuropäische Verband der Kunststoffproduzenten, koordiniert. Der Initiative haben sich laut Plastics Europe bereits über 1.400 Unternehmen und Verbände in Europa angeschlossen.
Weitere Information:
Quellen:
- „Primäres Mikroplastik im Abwasser industrieller Einleiter – eine Pilotstudie am Rhein“, Untersuchungen des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima NRW (LANUK)“, Mai 2025
- Pressemitteilung Plastics Europe Deutschland (18.8.2025)
- Foto: © LANUK