BfR bewertet Studie zur Mikroplastikbelastung durch Kunststoff-Teebeutel
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat zur Klärung der Frage, inwieweit von Teebeuteln aus Kunststoff eine gesundheitliche Gefährdung durch Mikroplastik ausgeht, bereits im Jahr 2020 eine Studie erstellt. Darin zeigte sich, dass die von einem kanadischen Forscherteam (Hernandez et al.) im Jahr 2019 berichteten Zahlen an Mikroplastikpartikeln von rund 11,6 Milliarden Mikroplastikteilchen pro Teebeutelaufguss um mehrere Größenordnungen zu hoch liegen. Mit Bezug auf eine kürzlich veröffentlichte, kontrovers diskutierte Studie, wonach Mikroplastik im Gehirn Verstorbener nachgewiesen wurde und die das BfR derzeit prüft, hat das Institut eine aktuelle Bewertung veröffentlicht.
Die Untersuchung der Mikroplastikbelastung von Teebeuteln des BfR ergab zwischen 5.800 und 20.400 Mikroplastikpartikel pro Aufguss. Diese Mengen stellen nach Einschätzung des BfR kein Gesundheitsrisiko dar. Die große Diskrepanz der in den Studien berechneten Mengen an Mikroplastik führt das BfR darauf zurück, dass sich die in der Hernandez-Studie eingesetzte Methode zur Vorbereitung der Proben nicht für die Untersuchung auf Mikroplastik eignet, da auf dieser Grundlage Partikel fälschlicherweise als Mikroplastik identifiziert und gezählt wurden.
Die Probenvorbereitung, die Hernandez und ihr Team für ihre Studie einsetzten, bestand darin, leere Teebeutel aus Kunststoff zunächst mit 200 Milliliter kochendem, gereinigtem Wasser zu übergießen und fünf Minuten ziehen zu lassen. Die aus dem Aufguss gewonnenen Extrakte wurden anschließend zur Trocknung für die weitere Untersuchung der Proben auf Mikroplastikpartikel mittels Rasterelektronenmikroskopie (REM) eingedampft. Substanzen, die zuvor im Wasser gelöst waren, fallen bei dieser Trocknung allerdings als feste Stoffe aus und können fälschlicherweise als Mikroplastikpartikel gezählt werden. Aus diesem Grund sind nach Einschätzung des BfR ein Großteil der von Hernandez und ihrem Team gefundenen Partikel keine Mikroplastikpartikel, die sich aus den Teebeuteln gelöst haben. Laut BfR handelt es sich vielmehr um kristallisierte Oligomere1, die aus den zur Herstellung der Beutel eingesetzten Kunststoffe stammen. Zur Überprüfung dieser Annahme führte ein Forscherteam, an dem auch Experten des BfR beteiligt waren, mehrere Experimente mit Polyamid-Teebeuteln durch. Die Tests von Busse et al. wurden nach dem Versuchsdesign von Hernandez et al. dann allerdings in einer sterilen Werkbank durchgeführt, um Verunreinigungen mit Mikroplastikpartikeln aus der Umgebungsluft zu vermeiden, was in der Studie von Hernandez den Angaben nach nicht der Fall war. Die Extrakte aus den Teebeuteln wurden mit Mikro-Ramanspektroskopie untersucht, einem Verfahren, mit dem sich Anzahl, Größe, Form und Zusammensetzung von Mikroplastikpartikeln analysieren lassen. Der Anteil von Mikroplastikpartikeln an allen gefundenen Partikeln lag mit den gezählten 5.800 bis 20.400 Stück pro Teebeutel laut Studie im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Aus den Ergebnissen weiterer Tests schlussfolgern die Studienautoren darüber hinaus, dass die im Extrakt gefundenen Partikel nicht während des Kochvorgans aus dem Material herausgelöst wurden, sondern von der Oberfläche der Teebeutel stammen.
Das BfR weist in seiner Bewertung darauf hin, dass gesundheitliche Risiken für den Menschen durch Mikroplastik nach dem derzeitigen Stand des Wissens unwahrscheinlich sind. Belege für schädigende Auswirkungen von Mikroplastikpartikeln auf die menschliche Gesundheit liegen dem BfR derzeit nicht vor. Aufgrund der unzureichenden Datenlage könne allerdings noch keine zusammenfassende Bewertung der Wirkung von Mikroplastik auf den menschlichen Körper erfolgen.
1 Oligomere sind Verbindungen, die sich aus wenigen gleichartigen Molekülen einfacher Kunststoffbausteine zusammensetzen.
Quellen:
- Mitteilung BfR (5.8.2025)
- “Comment on “Plastic Teabags Release Billions of Microparticles and Nanoparticles into Tea” Busse et al., Environmental Science & Technology, Vol 54/Issue 21, (14.10.2020)
- “Plastic Teabags Release Billions of Microparticles and Nanoparticles into Tea.” Laura M. Hernandez, Elvis Genbo Xu, Hans C. E. Larsson, Rui Tahara Vimal B. Maisuria, Nathalie Tufenkji, Environmental Scence & Technology, 53, 21, (2019)
- Foto: © Engin Akyurt / Unsplash (Symbolbild)