Zum Inhalt springen
  • +49 (0) 69 2556 1921
  • info(at)bkv-gmbh.de

Titandioxid: Entscheidung noch im Oktober

Die EU-Kommission will Titandioxid in Staubform als „Stoff mit Verdacht auf krebserzeugende Wirkung“ einstufen.

Laut Euwid will die Europäische Kommission voraussichtlich noch im Oktober über die Einstufung von Titandioxid (TiO2) als wahrscheinlich krebserregend entscheiden. Dabei beruft sich Euwid auf den Hauptgeschäftsführer des Verbands der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL), Martin Engelmann. Offensichtlich wolle die Kommission das Verfahren unter Hochdruck noch unter der alten Kommission abschließen, bevor die neue Kommission unter Führung von Ursula von der Leyen übernehmen wird.

Laut Kunststoff Information hat die EU-Kommission nach dem jüngsten Treffen der Expertengruppe „Competent Authorities for REACH and CLP“ (Caracal) am 18. September 2019 bereits entschieden, das Weißpigment in einatembarer Pulverform als „Stoff mit Verdacht auf krebserzeugende Wirkung“ einzustufen. Gegen eine Einstufung – auch nur in Staubform – wenden sich zahlreiche Verbände wie auch der Verband der Chemischen Industrie. Man befürchte einen Präzedenzfall etwa für andere Pigmente, wenn ein einzelner Stoff an den Pranger gestellt würde, obwohl das Gefährdungspotenzial nicht mit dem Stoff, sondern mit der Darreichungsform als Staub zusammenhänge.

Grundlage der Einschätzung sei eine Eingabe Frankreichs, die auf Studien basiere, bei denen Ratten hohe Konzentrationen an Titandioxid-Staub inhalierten und Krebs bildeten. In Deutschland lägen nur zwei Prozent des eingesetzten Titandioxids in dieser Form vor. Zudem könnten aus deutscher Sicht aus den Studienergebnissen keine Rückschlüsse auf die Karzinogenität von Titandioxid  gezogen werden, da Staub an sich – unabhängig vom Stoff – Krebs verursache, wenn Organismen diesem über einen längeren Zeitraum in zu hohen Dosen ausgesetzt seien. Von daher sei es sinnvoller, den Schutz vor Staubexpositionen am Arbeitsplatz zu verbessern, gibt Euwid die Kritik der deutschen Industrie wieder. Diese dränge nun die EU-Kommission, im Vorfeld der Entscheidung die Folgen einer Einstufung zu analysieren. Dreihundert Unternehmen und Verbände hätten einen entsprechenden Aufruf unterzeichnet.

Mehr Information: Bei der BKV ist eine aktuelle Studie mit Analyse und Quantifizierung der TiO2-Konzentrationen in der Kunststoffverarbeitung und in der Verwertung von Kunststoffabfällen erhältlich, die über die BKV-Webseite bestellt werden kann: Titandioxid in Kunststoffen (Conversio). Eine kostenfreie Kurzfassung ist dort ebenfalls verfügbar.

Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 40/2019, Kunststoff Information (1.10.2019)
  • Foto: © VBCI