Zum Inhalt springen
  • +49 (0) 69 2556 1921
  • info(at)bkv-gmbh.de

„Kunststoffrecycling kontrovers“

Mit rund 450 Teilnehmern gab es einen neuen Besucherrekord beim Internationalen Altkunststofftag in Bad Neuenahr. Der Workshop der BKV stieß ebenfalls auf großes Interesse.

Rainer Mantel

Jürgen Dornheim, Klaus Wohnig, Dr. Isabell Schmidt, Klaus-Peter Schmidt

Dr. Ralf Burgstahler, Markus Müller-Drexel, Ulrich Schlotter, Dr. Dirk Textor

Insgesamt rund 450 Teilnehmer fanden den Weg nach Bad Neuenahr zum 22. Internationalen Altkunststofftag. Unter „Kunststoffrecycling kontrovers“ fanden die Veranstalter bereits bei der zentralen Podiumsdiskussion, die mit der Eröffnungsrede von bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock startete, ein neues Format: Keine langen Vorträge, sondern in moderierten Zweiergesprächen ging es sofort in medias res. Diskutiert wurden unter anderem die Themen, was geschehen müsse, um das immer schlechter werdende Image von Kunststoffen zu verbessern und das Recycling sowie den Rezyklateinsatz in neuen Produkten zu steigern. Bei allen Unterschieden war man sich ziemlich einig, dass die immer weniger bis gar nicht mehr stattfindende Aufklärung der Verbraucher über richtige Trennung – wie auch deren Sinnhaftigkeit – ein wesentlicher Grund für mangelnde Quantität und vor allem auch Qualität des Recyclings sei. Auch die Recyclingfähigkeit von derzeit auf den Markt gebrachten Kunststoffverpackungen müsse zunehmen. Ob allerdings der im Verpackungsgesetz an sich richtige Ansatz der Bonifizierung bzw. Malifizierung der Verpackungen hinsichtlich deren Recyclingfähigkeit greife, war man sich auf der Bühne nicht einig. Die Auswertung der von den dualen Systemen eingereichten Berichte dazu, die erstmals im Juni der Zentralen Stelle vorzulegen waren, könne erste Hinweise geben.

Beim sich anschließenden BKV Workshop „100 Prozent Recycling von Kunststoffabfällen?“ konnte BKV Geschäftsführer Rainer Mantel mehr als 130 Teilnehmer begrüßen, die der Veranstaltung aufmerksam folgten. Zwei Gesprächsrunden gingen aus unterschiedlicher Perspektive das bewusst mit einem Fragezeichen versehene Thema an. Die Chancen und Hemnisse von Rezyklaten „zwischen Angebot und Nachfrage“ beleuchteten unter der Moderation von Dr. Isabell Schmidt von der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen drei Experten aus der Wertschöpfungskette. Klaus Peter Schmidt vom Industrieverpackungshersteller Mauser legte in einem kurzen Impulsvortrag dar, wie in diesem Bereich Design for Recycling problemlos möglich sei, aber mehr Rezyklateinsatz im wesentlichen an Vorschriften wie ISO, Gefahrgutrichtlinie etc. scheitere. Aber es mangele auch noch an der Bereitschaft von Kunden, etwa bei Farbwünschen Kompromisse zu machen. Jürgen Dornheim von Procter & Gamble wies auf das Mengenproblem hin, wolle man Neuware durch Rezyklate ersetzen. Sein Haus habe sich zum Ziel gesetzt, die bisherige Rezyklatmenge zu verdoppeln und vor allem bei der Recyclingfähigkeit deutlich besser zu werden. Ein Check aller Produkte habe bereits zu einem intensiveren Wettbewerb geführt, der zu Verbesserungen der Recyclingfähigkeit führe. Im Zentrum der Diskussion um mangelnde Recyclingfähigkeit stehen sogenannte Multilayerfolien. Klaus Wohnig, Vorstandssprecher der APK, die mit einem Lösemittelverfahren sortenreine Kunststoffe zurückgewinnt, wies darauf hin, dass aus seiner Sicht diese Verpackungen eher noch zunehmen werden, vor allem weil sie Lebensmittel länger haltbar machten und so einen volkswirtschaftlichen Vorteil generierten. Für diesen Verpackungsbereich sei das APK-Verfahren eine Schlüsseltechnologie, aber sei keine Alternative, sondern eine Ergänzung zu den gängigen werkstofflichen Verfahren. Von einer Rezyklateinsatzquote hielten alle Diskutanten nicht viel. Incentives für CO2-Vermeidung sei da schon der zielführendere Weg, schlug Wohnig vor. Jeder in der Supply Chain solle tun, was er kann, und nicht die Verantwortung für mehr Kreislaufwirtschaft hin und her schieben, so der Appell von Dornheim.

Bei der zweiten Gesprächsrunde ging es um das chemische Recycling, das immer wieder an den beiden Kongresstagen Thema war. Unter der Moderation von Ulrich Schlotter, Leiter Projekte bei der BKV, setzten sich Dr. Ralf Burgstahler von der BASF, der im Impulsvortrag das Pyrolyse-Projekt der BASF vorstellte, Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des bvse-Fachverbands Kunststoffrecycling, und Markus Müller-Drexel vom dualen System Interseroh mit der Thematik auseinander. Dabei wurden die Chancen solcher Verfahren für eine stoffliche Verwertung von Kunststoffabfällen, die derzeit in einer Verbrennung landen, also solche aus Sortierresten, Haushaltsabfällen oder Shredderrückständen erörtert. Deutlich wurde auch, dass die Entwicklung noch einige Jahre dauern werde, bevor sie technisch ausgereift und ökonomisch wettbewerbsfähig sind. Auch Müller-Drexel bestätigte das Interesse des Systembetreibers an Verfahren wie dem der BASF. Dirk Textor sah ebenfalls die Sinnhaftigkeit, sofern die Verfahren sich tatsächlich nur solcher Materialien bedienten, die sich nicht für eine werkstoffliche Verwertung eignen. Er kritisierte aber einzelne Betreiber solcher Verfahren, die aus seiner Sicht mit verfrühten Versprechungen Inverkehrbringer von Verpackungen darin bremsten, beim Thema Design for Recyclability mehr Anstrengungen zu unternehmen. Am Ende der Fachdiskussion stand dann der Konsens, dass chemische Verfahren durchaus eine realistische Chance bieten, die Menge an stofflich verwerteten Kunststoffabfällen zu vermehren.

Quelle:

  • BKV GmbH