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Bruder und Schmitz im Interview zu Rezyklatquoten

Die beiden Experten halten eine Substitutionsquote für ein geeignetes Instrument für einen stabilen Absatzmarkt.

Im Interview mit dem Umweltmagazin sprechen sich der Chemiker und ehemalige Hauptgeschäftsführer der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen Jürgen Bruder und der als Leiter der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit des Grünen Punkts tätige Biologe Helmut Schmitz für die Einführung polymerspezifischer Substitutionsquoten als Alternative zu produktspezifischen Einsatzquoten aus. Solche Quoten könnten dann vorgeben, wie hoch der Anteil von Rezyklat an den stoffspezifischen Märkten wie etwa dem Polyethylen- oder Polypropylenmarkt in der Europäischen Union zu sein hätte. Für Bruder könnten sie den Effekt haben, dass Kunststoffhersteller polymerspezifische „Flottenvorgaben“ – ähnlich wie in der Automobilindustrie – erfüllen müssten. Bruders Antwort auf die Frage, ob er sich denn Kunststoffhersteller als Recycler vorstellen könne, lautet ja. Diese könnten sich aus seiner Sicht aber auch Rezyklate von Recyclern durch den Erwerb von Lizenzen gutschreiben lassen. Gegen Einsatzquoten spreche nach Bruders Ansicht die Gefahr, dass es bei fehlenden Rezyklatmengen zu Marktverwerfungen oder Umlenkeffekten kommen könne. Hinsichtlich der recyclingfreundlichen Gestaltung von Kunststoffverpackungen halte Schmitz das deutsche Verpackungsgesetz zwar für fortschrittlich, da es Verpackungen, die gut verwertbar sind, kostenmäßig entlaste. Es fehle jedoch ein Mechanismus wie eine Fondslösung als Ausgleich für die im Wettbewerb miteinander stehenden Systembetreiber. Auch ein Pfandsystem für Kunststoffprodukte halten beide Experten für sinnvoll, wenn auch Bruder darauf hinweist, dass der Widerstand gegen ein Pfandsystem in einigen EU-Ländern groß sei. Für Schmitz wäre ein Pfandsystem eine Hilfe, weil es Markenfirmen einfacher machen würde, an Rezyklate zu kommen. Befragt nach ihren Wünschen für die Kreislaufwirtschaft sieht Bruder einen geeigneten gesetzlichen Rahmen in der EU für erforderlich, der es der Wirtschaft ermöglicht, ökologische Ziele auf dem wirtschaftlich günstigsten Weg zu erreichen. Weiterhin wünscht er sich die baldige Einführung eines Deponieverbots sowie eines Flaschenpfands und meint, dass in Deutschland die Kreislaufwirtschaft mit den Klimazielen verknüpft werden müsse. Für Schmitz ist es wünschenswert, dass man Kunststoffen einen Wert gebe und dass die Wirtschaft die große Bedeutung der Kreislaufwirtschaft für den Klimaschutz in vollem Umfang erkenne.

Quellen:

  • Umweltmagazin 06/07
  • Foto: © Fotolia