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BMU: Recyclingquote mit Einsatzquote verwechselt

In Bezug auf aktuelle Presseberichte, nach denen in Deutschland nur wenige Kunststoffabfälle recycelt würden, stellt das BMU Zahlen und Fakten klar.

Zu der häufig aufgestellten Behauptung, es würde doch viel weniger recycelt als immer angegeben, führt das BMU aus: Im Jahr 2017 wurden in Deutschland insgesamt 14,4 Millionen insgesamt verarbeitet und 11,8 Millionen Tonnen verbraucht. Weil ein Teil der Produkte exportiert wird oder aber sehr langlebig ist, fällt nur etwa die Hälfte in Deutschland als Abfall an, nämlich 6,15 Millionen Tonnen im Jahr 2017. Im Detail wurden laut BMU 45,9 Prozent aller Kunststoffabfälle dem werkstofflichen und 0,8 Prozent dem rohstofflichen Recycling zugeführt. Für 52,7 Prozent aller Kunststoffabfälle erfolgte eine energetische Verwertung, davon 17,9 Prozent als Ersatzbrennstoff und 34,8 Prozent in Müllverbrennungsanlagen mit Energierückgewinnung. Die restlichen 0,6 Prozent wurden deponiert oder ohne Rückgewinnung von Energie verbrannt. Die Recyclingquote liegt laut BMU bei rund 46 Prozent (entspricht 2,8 Millionen Tonnen). Daraus ließen sich – nach Gewichtsverlusten durch Feuchtigkeit, Verunreinigungen oder dem Aussortieren bestimmter Farben – in Deutschland 1,9 Millionen Tonnen Rezyklat zur Herstellung von neuen Kunststoffprodukten gewinnen. Bezogen auf die Abfallmenge entspricht dies laut BMU circa 30 Prozent. Davon wurden 1,76 Millionen Tonnen in Deutschland zur Herstellung neuer Kunststoffprodukte eingesetzt, der Rest wurde exportiert. Bei Verpackungen aus Kunststoff liegt die erreichte Recyclingquote sogar etwas höher. Im Jahr 2016 wurden mehr als 50 Prozent der Kunststoffverpackungen dem Recycling zugeführt. Die in den Presseberichten genannte Zahl des Wuppertal-Instituts (5,6 Prozent) ist keine Recyclingquote, sondern die Einsatzquote von Rezyklat, welches aus Post-Consumer-Abfällen, also vor allem aus Abfällen aus dem gelben Sack, gewonnen wurde, an der Kunststoffproduktion. Hier wird, schreibt das BMU, die dem Recycling zugeführte Menge verwechselt mit dem Rezyklateinsatz in der Produktion in Deutschland. Zur weiteren Einordnung der 5,6 Prozent erklärt das BMU, dass diese sich auf die Kunststoffproduktion und nicht auf den Abfall bezieht, der tatsächlich zur Verwertung zur Verfügung steht. Daher ist sie laut BMU zum Vergleich mit der Recyclingquote völlig ungeeignet.

Auch zur Behauptung, Müll werde exportiert und zähle doch als recycelt, stellt das BMU klar, dass Abfälle grundsätzlich nur zur Verwertung exportiert werden dürfen und nicht zur Deponierung. Zudem muss der Empfänger die europäischen Standards für die Verwertung einhalten. Für Verpackungsabfälle, die auf die Recyclingquoten angerechnet werden, muss das Recycling – auch im Ausland – nachgewiesen werden. Da der Kunststoff(abfall)markt globalisiert ist, könne Betrug beim Recycling allerdings nicht ausgeschlossen werden. Bessere Kontrollen erhofft sich das Amt von der neuen Zentrale Stelle. Eine umfassende Export-Statistik liegt laut BMU nicht vor. Für Verpackungsabfälle aus dem gelben Sack oder der gelben Tonne gelte, dass sie zum allergrößten Teil in Deutschland und der EU recycelt werden. Nach China zum Beispiel ging zuletzt ein Anteil von rund zwei Prozent.

Weitere Information: www.bmu.de

Quellen:

  • bmu.de (21.1.2019)
  • Foto: © 4pet-recycling