Zum Inhalt springen
  • +49 (0) 69 2556 1921
  • info(at)bkv-gmbh.de

BKV-Symposium 2018: „Wind der Veränderung“

„Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen“.

Der BKV-Beiratsvorsitzende, Matthias Stechhan, bei der Begrüßung

Landesumweltminister Franz Untersteller, MdL

Ralf Brinkmann, Dow

Dr. Rainer Rettig, Covestro

BKV-Geschäftsführer Rainer Mantel

Moderator Dr. Michael Scriba bei der Podiumsdiskussion

Prof. Stefan Bringezu von der Uni Kassel

Prof. Dieter Stapf vom KIT

Publikum diskutiert rege mit: Ex-Staatsministerin Eveline Lemke

Hoch konzentriertes Plenum

Im Gespräch (re. im Bild): Der stellv. BKV-Beiratsvorsitzende, Bernhard Borgardt, übernimmt am Ende die Verabschiedung

Die rund 70 Teilnehmer beim BKV-Symposium am 12. Oktober in Berlin erlebten eine hochkarätig besetzte Fachveranstaltung mit spannenden Vorträgen und Diskussion zum Stand der Kreislaufwirtschaft bei Kunststoffen. „Es weht ein Wind der Veränderung“, begann der Umweltminister des Landes Baden-Württemberg, Franz Untersteller, seinen Vortrag in Anlehnung an das chinesisches Sprichwort: Wenn der Wind weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen. Er sei selbstverständlich für den Bau von Windmühlen, wies der Minister in Hinblick auf die Weiterentwicklung der Kreislaufführung von Kunststoffen hin. Untersteller fand für das Kompetenzzentrum BKV, zu dem sich die BKV laut ihres Beiratsvorsitzenden Matthias Stechhan entwickelt habe, anerkennende Worte: Sie zeige, dass sich die Kunststoffindustrie den aktuellen Herausforderungen stelle. Kritik äußerte er erneut am Verpackungsgesetz und kündigte eine in Kürze erscheinende 50-seitige Antwort mit Daten und Fakten zum Thema „Plastik in der Umwelt“ auf eine Große Anfrage seiner Fraktion an die Landesregierung an. In der Wirtschaft könne er Impulse für mehr Produktverantwortung erkennen, mahnte aber mehr Ökodesign bei der Produktgestaltung an. Was nützten hohe Verwertungsquoten, wenn die Qualität nicht stimme und die Recyclate keine Märkte fänden, so Untersteller. Beim Thema Marine Litter seien die Einträge von Deutschland aus zwar verschwindend gering, doch könnten wir bei der Lösung des Problems helfen, müssten aber vor dem Hintergrund der Vorbildfunktion genau prüfen, „auf welches Pferd wir setzen“. Kunststoffe dürften nicht verteufelt werden, betonte der grüne Minister. Deshalb seien Lenkungsinstrumente sorgsam auszuwählen, um am Ende Kunststoffe nicht etwa mit ökobilanziell schlechteren Materialien zu ersetzen.

Referenten der Kunststoffunternehmen Dow und Covestro deuteten die „Windrichtungen“ der Veränderung an, in die ihre Häusern arbeiten: Neben ressourceneffizienter und umweltverträglicher Produktion spielen rohstoffliche Verwertungsverfahren und Kreislaufführung eine wichtige Rolle in ihren strategischen Überlegungen, wie der Vorsitzende von Dow Deutschland, Ralf Brinkmann, und Dr. Rainer Rettig, Senior Vice President bei Covestro, deutlich machten. Die rohstoffliche Verwertung sei, so Brinkmann, ein Entwicklungsschwerpunkt bei Dow. Auch bei Covestro arbeitet man an nachhaltigen Verwertungstechnologien. Die Verwendung von CO2 als Rohstoff, wie er zum Beispiel bei der energetischen Verwertung von Kunststoffen entsteht, ist bei Covestro schon gängige Praxis: Bis zu 20 Prozent kommen bei der Produktion von Cardyon®-Polyolen, die für Matratzen verwendet werden, zum Einsatz. 

BKV-Geschäftsführer Rainer Mantel lieferte für die von Dr. Michael Scriba, Geschäftsführer der mtm plastics GmbH, geleitete Podiumsdiskussion der Referenten die Daten und Fakten zum Stand der Kreislaufführung von Kunststoffen. Er machte in seinen Erläuterungen zum Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland deutlich, wo die Branche bei der Kreislaufführung gemäß den Daten und Fakten steht: Kunststoffe würden als Recyclate mit einem Anteil von 12,3 Prozent an der Kunststoffverarbeitungsmenge in den Wirtschaftskreislauf eingebracht. Über 30 Prozent der Kunststoffabfälle würden wieder in hochwertige Recyclate überführt. Die gerade erschienene Studie „Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 2017“ biete ein nahezu einmaliges Stoffstrombild von der Produktion bis zur Verwertung der Kunststoffe und des Wiedereinsatzes von Recyclaten, betonte Mantel. Eine kostenfreie Kurzfassung sowie eine kostenpflichtige Langfassung der Studie sind über die BKV-Website zugänglich.


Am Nachmittag des Symposiums gab Prof. Stefan Bringezu von der Universität Kassel einen Einblick, wo die Forschung zur Nutzung von CO2 als Rohstoff steht. In seinem Ausblick nannte er als wesentliche Voraussetzung für eine positive Ökobilanz, dass die zur Nutzung erforderliche Energie aus erneuerbaren Quellen komme. Prof. Dieter Stapf vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) machte in seinem Überblick zum Stand der rohstofflichen Verfahren deutlich, dass es zwar noch technologischen Forschungsbedarf gebe, aber sie durchaus einen zur energetischen Verwertung wettbewerbsfähigen Verwertungsweg darstellen können.

Quelle: BKV GmbH