Archiv - Quartal 4 - 2019

06.12. - 12.12.2019

Schlüsselrolle der Kreislaufwirtschaft im „Green Deal“

Im von der EU-Kommission beschlossenen „Green Deal“ mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket für ein klimaneutrales Europa bis 2050 spielt laut Euwid auch die Abfallwirtschaft eine wenn auch kleine Rolle. Dazu gehöre der neue Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft. Dass Kreislaufwirtschaft ein Schlüsselelement beim „Green Deal“ spielen solle, findet auch die volle Unterstützung des europäischen Dachverbands EuRIC. Grundsätzliche Zustimmung zum „Green Deal“ kommt laut FAZ auch vom VCI.

Die EU-Kommission wolle laut eigener Mitteilung den Export für Abfälle aus Mitgliedsländern beenden und dazu die EU-Vorschriften über die Abfallverbringung und illegale Exporte überprüfen, schreibt Euwid. Darüber hinaus wolle sie prüfen, inwieweit sie Sekundärrohstoffmärkte mit der Einführung von Mindestrezyklatgehalten für bestimmte Produktgruppen stärken könne. Dazu zähle unter anderen der Verpackungsbereich. Zur Verbesserung der Qualität der Sekundärrohstoffe und Vereinfachung der Trennung beim Bürger denke die Kommission an ein EU-Modell für die Getrenntsammlung. Zu den geplanten 50 Einzelmaßnahmen des vorgestellten Gesamtpakets zähle auch der EU-Maßnahmenplan für die Kreislaufwirtschaft, der im März 2020 vorgestellt werden soll und unter anderem Kunststoffe im Fokus haben werde. Dass der Kreislaufwirtschaft in dem Maßnahmenpaket eine Schlüsselrolle zukomme, findet, wie Euwid an anderer Stelle berichtet, die volle Unterstützung des Dachverbands EuRIC, der fünf strategische Prioritäten verfolge, um die größten Hindernisse des Recyclings in Europa zu beseitigen. Diese sind im Überblick: die Belohnung des Recyclings durch verschiedenartige Maßnahmen, die Schaffung eines Binnenmarktes, die Gewährleistung des Wettbewerbs im Recycling und Entsorgungssektor, die Abstimmung von Schnittstellen zwischen Abfall-, Produkt- und Chemikalienrecht und schließlich eine kreislauffähige Produktgestaltung.

Was das Gesamtpaket des „Green Deals“, für dessen Umsetzung die EU-Kommission 100 Milliarden Euro bereitstelle, betreffe, habe Frau von der Leyen, die Klimaschutz und Wirtschaft miteinander aussöhnen wolle, sicher nicht mit Begeisterungstürmen aus der Wirtschaft gerechnet, schreibt dagegen die FAZ. Kritik ernte sie unter anderem vom BDI etwa für die schrittweise Erhöhung der CO2-Einsparziele auf dem Weg zur Klimaneutralität bis zum Jahr 2050. Grundsätzliche Zustimmung habe dagegen der Verband der Chemischen Industrie (VCI) signalisiert. Der „Grüne Deal“ könne funktionieren, wenn Brüssel die Industrie als Partner und Lösungsanbieter für die großen Herausforderungen mit ins Boot hole, wird VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup zitiert. Dazu müsse die Politik aber auch auf die richtigen Rahmenbedingungen für Investitionen in klimafreundliche Technologien setzen.

Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 50/2019 (10.12.2019)
  • euwid-recycling.de (11.12.2019)
  • FAZ (12.12.2019)
Quotenvorgaben werden womöglich nicht überall erreicht

Gemäß eines Berichts in Euwid stehe zu erwarten, dass möglicherweise nicht alle Dualen Systeme im ersten Geltungsjahr des Verpackungsgesetzes sowohl die materialspezifischen Quoten für Leichtverpackungen (LVP) als auch die Gesamtquote für die in gelben Säcken und Tonnen erfassten Wertstoffe erreichen. Brände und Anlagenausfälle erschwerten die Zielerreichung.

Die Quotenerfüllung für das Jahr 2018 sei gesichert. Ob die neuen anspruchsvollen Quoten, die mit dem Verpackungsgesetz ab dem Jahr 2019 gelten, erreicht werden, stehe erst im Spätsommer des nächsten Jahres fest. Doch gehe Gunda Rachut, Vorstand der Zentralen Stelle Verpackungsregister, laut Euwid davon aus, dass die materialspezifischen LVP-Quoten für einige Fraktionen von einigen Systemen möglicherweise nicht ganz erreicht würden. So hätten Brände zu Ausfällen hochwertiger Sortierkapazitäten geführt, die nach Erwartung von Rachut Ende des Jahres aber wieder zur Verfügung stehen sollen. Auch bei der neuen Gesamtquote von 50 Prozent Recycling der in Gelben Säcken und Tonnen erfassten Abfälle schließe Rachut nicht aus, dass nicht alle Systeme sie für 2019 erreichten. Doch seien Aktivitäten gestartet, dies für 2020 zu bewerkstelligen. Dafür müssten vor allem die Restabfallmengen aus der Wertstoffsammlung eliminiert werden.

Wie Euwid vorrechnet, müssten bei der LVP-Sammlung, wenn man von einer Menge um 2,7 Millionen Tonnen im Jahr 2019 ausgehe, gegenüber dem Vorjahr 400.000 Tonnen mehr aus der LVP-Sammlung in ein Recycling gehen, wobei sich das 50-Prozent-Ziel nicht nur auf das werkstoffliche Recycling begrenze. Die Quote könne auch mithilfe chemischer Recyclingverfahren erfüllt werden, hätten Vertreter von Bundesländern gegenüber Euwid erklärt. Bei der Erfüllung der materialspezifischen Quoten liege vor allem bei den Kunststoffverpackungen mit der auf 58,5 Prozent erhöhten Recyclingquote die Latte hoch. Bezogen auf die Lizenzmenge von 2018 müssten statt der bisher rund 445.000 Tonnen fast 160.000 Tonnen mehr Kunststoffe aus den dualen Systemen ins Recycling gehen. Hier sorgten ebenfalls Anlagenausfälle, aber auch deutlich schlechtere Verwertungserlöse für erhebliche Probleme.

Quelle:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 50/2019 (10.12.2019)

29.11. - 05.12.2019

„Plastik-Geld“

Die FAZ berichtet über einen ersten Fond, der von Lösungen der Kunststoffabfallkrise in Asien profitieren soll. Der vor allem mit amerikanischer Unterstützung mit 106 Millionen Dollar Startkapital ausgestattete Investitionsfond „Circulate Capital Ocean Fund“ (CCOF) solle zeigen, dass durch Investitionen in eine Abfallverwertung attraktive finanzielle Ergebnisse möglich seien. Es seien alle derzeitigen Hauptverursacher der Plastikflut an dem Fonds beteiligt – das habe ein Geschmäckle, kommentiert die FAZ die Nachricht.

Asien sei die Weltregion mit dem höchsten Plastikaufkommen in den Meeren, das in den nächsten Jahren noch dramatisch zunehmen werde. Der neue Fonds CCOF solle nun in Singapur beweisen, dass man mit der Arbeit an der Lösung der „Plastikkrise der Meere“ mit Investitionen in der Region konkurrenzfähige Margen erwirtschaften könne, wird der CCOF-Vorstandschef Rob Kaplan zitiert. Die Organisationen Ocean Conservancy und Trash Free Seas Alliance hätten errechnet, dass in den Regionen mit den meisten Einträgen zwischen 28 und 40 Dollar je Tonne Plastik fehlten, um ein Sammelsystem aufzubauen. Über Kredite und Beteiligungen in die Abfallmanagementbranche der Region wolle CCOF nun in die Wiederaufarbeitung und in die Kreislaufwirtschaft investieren und dazu Mittelständler in Süd- und Südostasien fördern. Laut Kaplan wären mit solchen Investitionen in Asien fast 50 Prozent des „Weltplastikabfalls“ abzubauen. Die amerikanische Entwicklungshilfeorganisation US-Aid unterstütze den Fonds, an dem laut FAZ die derzeitigen Hauptverursacher der Plastikflut, Pepsi-Cola, Procter & Gamble, Dow, Danone, Unilever, Coca-Cola und Chevron Phillips beteiligt seien. Es habe ein Geschmäckle, dass die Hersteller und Nutzer von Plastik nun Geld mit der Wiederaufarbeitung verdienen wollten, schreibt das Blatt dazu im Kommentar. Neben dieser Fragwürdigkeit sei das Unterfangen eine fast geniale Idee und ein pfiffiges Geschäftsmodell, sich die notwendigen marktwirtschaftlichen Anreize für die dringend erforderlichen Lösungen angesichts der Masse an Plastikabfall in den Meeren zunutze zu machen.

Quelle:  

  • FAZ (05.12.2019)
Umweltrat für Änderungen an der Altautogesetzgebung

Euwid berichtet in der aktuellen Ausgabe über eine Stellungnahme des Sachverständigenrats für Umweltfragen zur laufenden Konsultation in Bezug auf die europäische Altfahrzeugrichtlinie. Darin spreche sich der Umweltrat unter anderem für eine komplette Übernahme der Entsorgungskosten durch die Fahrzeughersteller und für nach Materialien differenzierte Recyclingquoten aus.

Laut Euwid enthält die Stellungnahme des die Bundesregierung beratenden Gremiums weitreichende Änderungsvorschläge. Anlass der Stellungnahme ist die laufende Konsultation für die Überarbeitung der europäischen Altfahrzeugrichtlinie. Darin spreche sich der Umweltrat unter anderem für eine komplette Übernahme der Altautoentsorgungskosten inklusive Rücknahme und eine Beteiligung an den Entwicklungskosten moderner Rücknahme- und Recyclingtechnologien durch die Fahrzeughersteller aus. Hinsichtlich der Erfüllung der Recyclingziele spreche sich der Rat gegen eine Anrechnung der Verfüllung und gegen massenbezogene Quoten aus. Vielmehr solle es materialspezifische Quoten geben. Für Kunststoffe schlage der Rat ein Ziel von 20 Kilogramm pro Auto vor, das getrennt einem Recycling zugeführt werden solle. Auch sei der Rat für Rezyklat-Einsatzquoten, als erstes für Kunststoffe.

Quelle:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 49/2019 (3.12.2019)
Mit Materialausweis zur Kreislaufwirtschaft

Das in Luxemburg erscheinende Tageblatt berichtet über die Idee eines Materialausweises, der die Kreislaufwirtschaft zunächst im Großherzogtum voranbringen soll. Die entsprechende Industrienorm soll in Luxemburg entwickelt werden und könnte eines Tages zum internationalen Standard werden.

Der luxemburgische Wirtschaftsminister Etienne Schneider habe gemeinsam mit dem Normungsinstitut Ilnas und Akteuren der Privatwirtschaft eine Initiative gestartet, um die Standardisierung einer Industrienorm, die ein Führen der Gegenstände im Kreislauf ermöglichen soll, zu entwickeln. Es gehe dem Minister dabei nicht um ein „klassisches Recycling“, sondern um eine „direkte Wiederverwertung der Objekte“. Abfall sei im Grunde nur „ein Rohstoff ohne Identität“, heiße es aus dem Ministerium. Das solle künftig der entstehende Ausweis, aus dem die eingesetzten Materialien hervorgehen, ändern.

Quelle:

  • tageblatt.lu (04.12.2019)
20 Jahre Petcycle

Einige Fachblätter berichten über das 20jährige Jubiläum eines der „Pioniere der Kreislaufwirtschaft für PET-Flaschen: Petcycle in Bad Neuenahr. Das 1999 gestartete Mehrweg-Poolkastensystem sollen heute nach Angaben des Unternehmens rund 60 mittelständische Getränkehersteller nutzen.

Mit 1,2 Milliarden Flaschen stehe Petcycle für rund acht Prozent Marktanteil. Mit den bepfandeten Mehrwegkästen werde eine nahezu vollständige Rückführung der leeren Einwegflaschen und eine über 99-prozentige Recyclingquote erreicht. Mit aktuell über 60 Prozent Rezyklatanteil in jeder Einwegflasche habe das System Vorbildcharakter hinsichtlich der Kreislaufwirtschaft. Der komplette Rücklauf werde laut Petcycle recycelt und käme in PET-Flaschen oder anderen PET-Produkten zum Einsatz.

Quellen:

  • neue-verpackung.de, plasticker.de, kunststoff-magazin.de (02.12.2019)

22.11. - 28.11.2019

Förderprogramm gegen Meeresvermüllung

Zahlreiche Fachblätter berichten über ein Förderprogramm, mit dem das Bundesumweltministerium (BMU) den Aufbau von Entsorgungs- und Recyclingindustrien in Regionen, die als „Hotspots“ für Kunststoffabfalleinträge gelten, voranbringen will.

Im Rahmen der dritten Internationalen RETech-Konferenz vom 21. und 22. November in Berlin habe das BMU das neu aufgelegte Förderprogramm vorgestellt zum Aufbau von Entsorgungs- und Recyclingstrukturen in Asien und Afrika, von wo aus die größten Müllmengen in die Meere gelangen. Außerdem wolle man Projekte in küstennahen Regionen und Inselstaaten fördern, wo die Haupteinträge der Abfälle unmittelbar von Land aus erfolgten. Noch im laufenden Jahr solle die Förderung dreier Projekte in Vietnam und Indien starten, um dort langfristig eine Reduzierung von Abfalleinträgen in die Flüsse Mekong und Ganges zu erreichen. Die beiden Flüsse zählten weltweit zu den zehn Flüssen, aus denen die meisten Abfälle in die Weltmeere gelangten. Im Rahmen der geförderten Projekte solle nicht nur ein nachhaltiges Abfallmanagement sowie ein Markt für Sekundärrohstoffe entstehen, sondern auch versucht werden, eine Änderung der Konsumgewohnheiten sowie des Produkt- und Materialdesigns zu erreichen. Für das Förderprogramm, mit dem das BMU dazu beitragen wolle, umweltgerechte Entsorgungs- und Recyclingstrukturen in den „Hotspots des Plastikmülls“ aufzubauen, solle es Anfang nächsten Jahres einen Aufruf für die Einreichung weiterer Projektvorschlägen geben.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de (21.11.2019)
  • recyclingportal.eu (22.11.2019)
  • KI (28.11.2019)
Chemisches Recycling – eine Wunderwaffe?

Das Recyclingmagazin befasst sich in seiner aktuellen Ausgabe mit den verschiedenen Optionen des chemischen Recyclings von Kunststoffabfällen. Für das chemische Recycling spreche, dass damit Kunststoffabfälle recycelt werden könnten, die für ein mechanisches Recycling ungeeignet seien. Es sollte allerdings kein Streit um Abfälle entbrennen. In einem den Artikel ergänzenden Interview plädiert auch Rob de Ruiter von TNO, der niederländischen Organisation für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung, für „eine Partnerschaft mit dem gemeinsamen Ziel, neue Produkte aus recyceltem Material herzustellen“.

In der Titelgeschichte des Magazins werden die verschiedenen Verfahren von der lösungsmittelbasierten Reinigung bis hin zur chemischen und thermischen Depolymerisation beschrieben. Aus letzterem, zu denen Pyrolyse und Vergasung zählen, entstünden Produkte in der Qualität von Neuware. Jedoch kritisiere die NGO Zero Waste Europe, die an mehreren Stellen zur Einordnung zitiert wird, den hohen Energieverbrauch solcher Verfahren. Auch seien die Umweltauswirkungen noch nicht für alle Varianten umfassend geklärt. Der europäische Recycling-Dachverband EuRIC sehe ebenfalls noch Schwierigkeiten, die sehr unterschiedlichen Prozesse einheitlich zu beurteilen, gleichzeitig aber auch potenzielle Einsatzmöglichkeiten für gemischte oder stark verschmutzte Kunststoffabfälle. Beide Verbände sähen die Notwendigkeit, den politischen Rahmen mit einer eindeutigen Definition des chemischen Recyclings zu setzen.

Mark L. Williams, Vice President Europe bei Sabic, betone, dass man das chemische Recycling als Ergänzung zum mechanischen sehe und auf Material abziele, das mechanisch nicht zu recyceln sei. Sabic verwende Mischkunststoffe und setze auf die Pyrolyse, stünde aber noch am Anfang. Innerhalb der nächsten zehn Jahre werde man Fortschritte machen. Im sich an den Beitrag anschließenden Interview („Kreislaufwirtschaft ist kein Selbstzweck“) nimmt der Senior Business Developer Circular Economy & Environment bei TNO, Rob de Ruiter, eine Einordnung der verschiedenen Recyclingoptionen entlang der Energiebilanz vor. Demnach kämen zunächst die Verfahren, die die Energie im System erhalten, was die Separierung der Polymere bedeuten könne. Wo das nicht möglich sei, sei der nächste Schritt eine Depolymerisation, wobei die Pyrolyse oder die Vergasung die naheliegenden Verfahren seien. Dabei sei hinsichtlich des zunehmenden Energiebedarfs eine Kosten/Nutzen-Abwägung vorzunehmen, für die letztlich die geforderte Reinheit des entstehenden Materials entscheidend sei. Nicht zuletzt die Tatsache, dass für eine Pyrolyse der passende Input benötigt werde, werde zu neuen Geschäftsbeziehungen und Zusammenarbeit zwischen Akteuren der gesamten Wertschöpfungskette führen und die verständlicherweise befürchtete Konkurrenz zwischen den etablierten Recyclern und den neuen Playern der Großindustrie, die mit den chemischen Verfahren auf diesen Markt treten, in den Hintergrund treten lassen. Auch Ruiter gehe davon aus, dass die Pyrolyse in diesem Bereich zu einem wichtigen Verfahren werde, und erwarte die ersten industriellen Anlagen in zehn Jahren.

Quelle:

  • Recyclingmagazin 11/2019
Mehrweg vielleicht doch nicht so vorteilhaft?

Im Interview mit dem Branchenblatt Lebensmittel Praxis stellt der Managing Director von Ball Packaging, Wolfgang Hinkel, die Sinnhaftigkeit der Mehrwegquote in Frage. Wolle man sie wirklich erfüllen, wäre dies mit enormen Marktverwerfungen und weniger Klimaschutz verbunden, meint die „Instanz“ beim Thema Einweg. Hinkel plädiert vielmehr für den Ausbau der Pfandsysteme.

Hinkel führt im Laufe des Interviews mit der Fachzeitschrift für den Lebensmitteleinzelhandel eine Reihe von Argumenten ins Feld, warum aus seiner Sicht ein Festhalten an der Mehrwegquote für den Markt schädlich und ökologisch unsinnig sei: Nach eigenen Berechnungen hätte theoretisch das Erfüllen der 70 Prozent-Quote im Jahr 2016 erforderlich gemacht, 9,6 Milliarden Liter Getränke auf Mehrweg umzustellen. Das hätte auf einen Schlag 1,3 Millionen Lkw-Touren mehr oder rund 330 Millionen mehr gefahrene Kilometer bedeutet, verbunden mit dem entsprechend höheren CO2- und NOx-Ausstoß. Ein Umstellen des Getränkesortiments bei Discountern, wie das Umweltbundesamt sie fordere, würde laut Hinkel auch zu großen Marktverwerfungen mit nur Verlierern führen, zum einen wegen der hohen Investitionskosten und zum anderen, weil kleinere Getränkemärkte und Einzelhändler mit Mehrwegangeboten Kunden an die Discounter verlieren würden. Mehr- und Einweg könnten gut nebeneinander existieren. Mehr Mehrweg würde aus seiner Sicht ökologisch nur Sinn machen, wenn die enorme Vielfalt an Flaschen- und Kastenformen, die das Zurückbringen zum jeweiligen Abfüller erforderlich machten, wieder durch Einheitsgrößen und -formen ersetzt werden könnten. Politische Forderungen, das deutsche Mehrwegsystem auf andere Länder zu übertragen, könne man laut Hinkel nur erheben, wenn man die Realität völlig ausblende. Er plädiert stattdessen für einen europaweiten Aufbau von Pfandsystemen, ähnlich dem deutschen, das für Wiederrückführungsraten in den Wertstoffkreislauf von 99 Prozent bei der Getränkedose und 98 Prozent bei der PET-Flasche stehe.

Quelle:

  • Lebensmittel Praxis (22.11.2019)

15.11. - 21.11.2019

Verpackungsverbrauch auf Rekordhoch

Wirtschaftswachstum und Konsumgewohnheiten haben im Jahr 2017 zu einem neuen Rekord im Verpackungsverbrauch geführt. Daraus sind insgesamt 18,7 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle entstanden, die zu rund 70 Prozent recycelt wurden. Die Zahlen veröffentlichte das Umweltbundesamt (UBA), das den Verbrauch für zu hoch hält, wie zahlreiche Publikums- wie Fachmedien berichten.

Insgesamt seien in privaten Haushalten, Industrie und Gewerbe 18,7 Millionen Tonen Verpackungsabfälle angefallen, drei Prozent mehr als im Vorjahr. 47 Prozent davon seien auf die privaten Haushalte entfallen, was 107 Kilogramm pro Kopf und Jahr gegenüber 103,5 im Vorjahr entspreche. Den Anstieg verursacht hätten laut UBA neben dem Wirtschaftswachstum unter anderem auch anhaltende Trends, wie sich Dinge vor die Haustür liefern zu lassen und zu kleineren Portionsgrößen zu greifen. Womöglich sei aber in den letzten Monaten aufgrund veränderter Einstellungen der Verpackungsverbrauch auch wieder rückläufig, was sich noch nicht in den Zahlen für 2017 widerspiegele, schreibt die Süddeutsche. Gerhard Kotschik vom UBA meint dazu aber im Deutschlandfunk, dass Verbraucher lediglich Kunststoffverpackungen durch solche aus Papier ersetzten, aber nicht wirklich Verpackungen vermeiden würden. Davon verbrauchen sie viel zu viel, wird UBA-Präsidentin Maria Krautzberger in den Medien zitiert, sie fordere mehr Mehrweg. Sie weise aber auch darauf hin, dass mit 70 Prozent viel recycelt werde. Die Recyclingquote bei Kunststoffen stagniere allerdings derzeit bei knapp 50 Prozent, weil diese aufgrund der Materialvielfalt schwierig zu sortieren und zu recyceln seien.

Quellen:  

  • Süddeutsche Zeitung, faz.net, taz.de, zeit.de, spiegel.de, deutschlandfunkkultur.de, wdr.de, recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu, neue-verpackung.de, lebensmittelzeitung.net (18.11.2019)
  • welt.de, Euwid Recycling und Entsorgung 47/2019 (19.11.2019)
Weniger Plastik!?

Die FAZ beschreibt mehrere Initiativen für weniger Plastik und mehr Kreislauf und kommt zu dem Schluss: Nützt alles nichts, wenn Verbraucher nicht besser trennen. Als gelungenes Beispiel nennt die FAZ die nun unverpackte Salatgurke, die allein bei Aldi Süd 60 Jahrestonnen an Kunststoff einspare. Derweil hat laut eines Berichts des Onlineportals infranken.de Konkurrent Lidl die Folie um die Gurke wieder eingeführt. Der Grund: zu viele Abfälle.

Aldi Süd wie mittlerweile fast alle Handelsketten verzichte auf die Folie um die Gurke, der Lebensmittelhändler Tegut auf die Plastikschale für Hackfleisch – das seien zwei Beispiele für die Suche nach nachhaltigeren Lösungen für die Eigenmarken, schreibt die FAZ. Das spare Kosten und komme beim umweltbewussten Verbraucher gut an. Tegut mache es gar in Teilen den Unverpackt-Läden nach, zunächst aber nur testweise, weil die Kosten höher seien. Plastik ganz zu vermeiden, funktioniere aber nur in Nischenwerken, so suche die Industrie nach Lösungen, möglichst viel Recyclingmaterial in den Kreislauf zu bringen. Allerdings mangele es bei den Verpackungen noch an der Recyclingfähigkeit, was sich negativ auf die Qualität der daraus produzierten Granulate auswirke. Der Grund sei, dass Verbraucher schlecht trennten und die Industrie, die schlecht zu recycelnde Verpackungen auf den Markt bringe.

Dagegen meldet das Onlineportal infranken.de zum Gurkenthema, dass Lidl sich just entschieden habe, die Gurke wieder in Kunststoff zu verpacken, weil die Verluste zu groß seien, zu viele Gurken verderben. Nach Angaben der Lebensmittelzeitung entstünde pro LKW-Ladung ein Schaden von rund 25.000 Euro. Die Gurken von Lidl würden in Spanien produziert, außerhalb der Saison kämen sie noch von weiter her. Die Gurken seien drei bis fünf Tage unterwegs, dabei verderben aktuell zehn Prozent der unverpackten Gurken. Mit Folie verpackt waren es zuvor fünf Prozent. Auch Rewe schließe eine Rückkehr zur folienverpackten Gurke nicht aus. Am Ende des Beitrags findet sich eine weitere Alternative: der saisonale Kauf von Gurken aus Deutschland, die wegen des kurzen Transportweges nicht verderben.

Quellen:

  • FAZ (18.11.2019)
  • infranken.de (20.11.2019
Es gibt keine einfachen Wahrheiten

Das Handelsblatt nimmt sich im Kommentar eines Themas an, für das die Plastik-Debatte ein gutes Beispiel abgibt: Wenn aus Vorschlägen Dogmen werden, entstünden gefährliche Denkverbote.

So gebe es in der Umweltschutzdebatte vermeintliche Wahrheiten, die nicht mehr infrage gestellt werden könnten, zum Beispiel „Plastik ist böse“. Das spürten Mineralwasserproduzenten, deren Kunden reflexartig wieder zur Glasflasche griffen, auch wenn die PET-Flasche häufig eine bessere Ökobilanz aufweise. Unterstützt würden solche Dogmen durch eine allgemeine Fünf-Minuten-vor zwölf-Stimmung, die schnelle Antworten erwarte. Im Zusammenspiel mit vermeintlichen Wahrheiten berge dies die Gefahr, dass einfache Lösungen gesucht würden, die von der Politik aufgegriffen werden, um Handlungsfähigkeit zu beweisen. Aber auch Unternehmen agierten so, um sich ein grünes Mäntelchen umzuhängen, wie es etwa Aldi gerade mit Knotenbeutelchen aus Biokunststoffen demonstriere. Einfache Lösungen sorgten für ein ruhiges Gewissen. Doch die Welt sei kompliziert und wer nicht bereit sei, vermeintliche Wahrheiten infrage zu stellen, verbaue sich Lösungsmöglichkeiten. Das sei für Unternehmen mitunter nicht einfach und erfordere Standhaftigkeit. So habe sich ausgerechnet der Biohändler Alnatura gegen die Knotenbeutel aus Bioplastik entschieden und setze auf weitgehende Vermeidung solcher Tütchen. Wo sie nicht zu vermeiden seien, würden nach sorgfältiger Abwägung der Auswirkungen Beutel aus Erdöl benutzt.

Quelle:

  • handelsblatt.de (17.11.2019)
Recycling für alle

Die Zeit widmet eine Reportage einem niederländischen Unternehmer, der in einer Werkhalle mit 40 jungen Menschen kleine Recyclinganlagen für Kunststoffe gewissermaßen für den Hausgebrauch entwickelt, die in aller Welt zum Einsatz kommen. „Precious Plastic“ heißt das Projekt, das laut Wuppertal Institut gute Lösungen im kleinen Rahmen anbietet.

Der Produktentwickler und Unternehmer Dave Hakkens, heute ein Influencer für Ökothemen, dem auf Youtube über 200.000 Menschen folgen, habe als Student bereits ein in allen Komponenten reparables Mobiltelefon entwickelt. Google habe die Idee aufgegriffen, rasch weiterentwickelt, um sie am Ende lautlos einzustampfen. Heute betreibe der 31jährige Niederländer in Eindhoven das Projekt Precious Plastic, für das er einen mit 300.000 Euro dotierten Preis einer französischen Stiftung gewonnen habe. Dafür stellte er aus 800 Bewerbungen ein Team aus 40 Mitarbeitern aus den Bereichen Design und Ingenieurwesen zusammen, von denen keiner älter als 35 Jahre sei. In dem als open source angelegten Projekt entstünden kleine Kunststoffrecyclingmaschinen, deren Baupläne im Internet frei zugänglich seien. Inzwischen gebe es über 350 Werkstätten weltweit. Menschen in Brasilien, Südkorea oder Uganda stellten damit Vasen, Sonnenbrillen, Platten oder Kacheln her. Precious Plastic arbeite derzeit daran, den Nutzern zur eigenen Berechnung der Profitabilität auch Businesspläne im Netz bereit zu stellen. Fachleute wie Henning Wilts vom Wuppertal Institut zeigten sich angetan von den einfachen und guten Lösungen im kleinen Rahmen. So wisse Wilts von lokalen Initiativen etwa in Ghana, die dringend solche simplen Geräte fürs Recycling benötigten. Hakkens bastele derzeit schon an einer neuen Idee für die Zeit nach Precious Plastic, das in einigen Monaten aus der von der Stadt Eindhoven bereitgestellten Halle ausziehen müsse. Er suche bereits ein Stück Land in Portugal für eine autark und nachhaltig agierende Gemeinschaft.

Quelle:

  • Die Zeit (21.11.2019)

08.11. - 14.11.2019

Bundesrat folgt Bayerns Antrag

Anfang November brachte die Bundesregierung ein Verbot von Plastiktüten mit einer Wandstärke unter 50 Mikrometer, auch für solche aus biobasierten und bioabbaubaren Kunststoffen, auf den Weg. Der Bundesrat hat nun auf Initiative Bayerns mit knapper Mehrheit einen Entschließungsantrag beschlossen, der über das geplante Verbot hinausgeht, berichtet die Fachpresse.

Laut diesem Antrag soll es nicht nur ein bundesweites Verbot von Plastiktüten geben, sondern weitere Einwegerzeugnisse gleich mit verboten werden. Händler sollen für Coffe-to-go-Becher und Verpackungen für den Außer-Haus-Verzehr in die Pflicht genommen werden und an den Kosten für die Entsorgung im öffentlichen Raum beteiligt werden. Mit einer freiwilligen Vereinbarung sollen Post- und Logistikunternehmen zu einem Verzicht auf Kunststoff-Versandtaschen bei Wurfsendungen gebracht werden. Außerdem werde die Bundesregierung aufgefordert, Maßnahmen zu prüfen, um dem Rückgang der Mehrwegquote bei Getränken entgegenzuwirken. Der VKU hatte bereits im Vorfeld dafür geworben, die Produktverantwortung für Einwegverpackungen nicht nur auf Plastik, sondern auf alle im öffentlich Raum anfallenden Verpackungen zu beziehen, da nichts gewonnen sei, wenn die Hersteller auf Papier umstiegen. Die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen hatte das von der Bundesregierung beschlossene Verbot bereits scharf kritisiert und genauso wie der bvse das Gesetz als „reine Symbolpolitik“ bezeichnet. Kunststoff Information weist in diesem Zusammenhang auf den Weg Englands hin, wo der Kunststofftaschenverbrauch durch die Einführung einer Five-Pence-Gebühr seit Einführung im Jahr 2015 um 90 Prozent zurückgegangen sei.

Quellen:  

  • recyclingmagazin.de, KI (11.11.2019)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 46/2019 (12.11.2019)
  • KI (14.11.2019)
Chemisches Recycling im Großformat

Die Fachpresse berichtet über eine Ankündigung des Kunststoffrecyclers Ravago und des Mineralölunternehmens Neste, chemisches Recycling im Großmaßstab zu entwickeln. Demnach wollen sie eine Jahreskapazität von über 200.000 Tonnen erreichen.

Erst im Oktober hatte der weltweit aktive Hersteller von erneuerbaren Treibstoffen, der finnische Chemiekonzern Neste, eine Kooperation mit Remondis bekannt gegeben. Auch dort ging es um den Aufbau von Kapazitäten von 200.000 Tonnen für ein chemisches Recycling. Für ein chemisches Recycling von farbigen und gemischten Kunststoffabfällen soll auch die jetzt verkündete Kooperation mit dem belgischen Recycler Ravago sorgen. Daraus sollen hochwertige Rohstoffe für die Herstellung neuer Kunststoffe, Chemikalien und Kraftstoffe entstehen. Nestes Ziel sei es, ab 2030 jährlich mehr als eine Million Tonnen Kunststoffabfall zu verarbeiten und so die europäische Recyclingrate gegenüber dem derzeitigen Niveau um 25 bis 30 Prozent zu erhöhen, wie Mercedes Alonso, Executive Vice President, Renewable Polymers and Chemicals bei Neste, zitiert wird.

Quellen:

  • euwid-recycling.de, recyclingmagazin.de, plastverarbeiter.de, k-zeitung.de, plasticker.de, 320grad.de (12.11.2019)
  • KI (14.11.2019)
Kritische Verbraucher

Laut einer Umfrage des Wellpappenkonzerns DS Smith unter 3.400 europäischen Konsumenten ziehen 62 Prozent Produkte vor, die nicht in Kunststoff verpackt sind, und seien sogar bereit, dafür mehr Geld auszugeben. Und 59 Prozent geben an, mehr zur trennen als noch vor fünf Jahren. Treiber dieser Entwicklung seien laut Studie die Medien sowie das geringere Angebot an Plastiktüten im Handel.

Für die Studie wurden Konsumenten aus den wesentlichen Märkten des Wellpappenanbieters befragt: Belgien, Deutschland, Großbritannien und Polen. 86 Prozent von ihnen sehen in Umweltproblemen die derzeit größte Herausforderung, wobei Verpackungen für sie ein Hauptproblem darstelle. Für 70 Prozent von ihnen seien Kunststoffverpackungen das Problem Nummer Eins. Für DS Smith erfreulich: Nur ein Prozent habe Wellpappe- und Kartonverpackungen genannt. Würden die Verbraucher vor die Wahl zwischen zwei Verpackungsoptionen gestellt, würden neun von zehn die Variante mit 85 Prozent weniger Kunststoff wählen und 60 Prozent wären bereit, dafür einen Aufpreis von 12,5 Prozent zu zahlen. Das Recyclingverhalten der Verbraucher habe sich laut Studie in den befragten Ländern erheblich verbessert. Insgesamt 59 Prozent sortieren nach eigenen Angaben heute mehr als noch vor fünf Jahren. In Deutschland habe es hier mit 44 Prozent einen Ausreißer nach unten gegeben, was aber vermutlich damit zusammenhänge, dass in Deutschland das Sortieren und Recyceln bereits seit langem etabliert sei. 53 Prozent der Befragten hätten angegeben, genauso viel zu sortieren wie vor fünf Jahren. Allerdings hätten sie an der Stelle noch Informationsbedarf. Im Durchschnitt fühlten sich 42 Prozent überhaupt nicht oder zumindest nicht gut informiert, wie es um die Recyclingfähigkeit der Verpackung bestellt sei. Auch dazu, wie man richtig trennt, vermissten vor allem in Deutschland 25 Prozent der Befragten mehr Information. In Belgien etwa klagten darüber nur sieben Prozent.

Quellen:

  • neue-verpackung.de (5.11.2019)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 45/2019 (12.11.2019)

01.11. - 07.11.2019

Verpackungshersteller kauft PE-HD-Recycler

Fast der gesamten Fachpresse ist es eine Meldung wert: Der globale Verpackungshersteller Alpla aus Österreich übernimmt die beiden spanischen Recycler Suminco S.A. in Montcada und Replacal S.L. in Palencia und baut damit seine Recyclingaktivitäten aus.

Beide Betriebe in Spanien gehören einem spanischen Familienunternehmen, das seit 35 Jahren am Markt und Branchenkennern auch in Deutschland wohlbekannt ist. Im Oktober soll der Verpackungskonzern die Kaufverträge für die Übernahme unterzeichnet haben, das derzeitige Management soll aber die Geschäfte weiterführen. Die Jahreskapazität der beiden PE-HD-Recyclingunternehmen mit zusammen 50 Mitarbeitern soll nun nach Angaben von Alpla auf circa 35.000 Tonnen ausgebaut werden. Die Rezyklate will Alpla bei Eignung in seinen Verpackungen einsetzen und damit die Materialversorgung der eigenen Produktion sichern sowie die Kreislaufwirtschaft voranbringen. Bislang werden die PE-HD-Rezyklate überwiegend in Wellrohren für Abwassersysteme und ähnlichen Industrieprodukten eingesetzt. Laut Georg Lässer, Head of Recycling bei Alpla, will das Unternehmen, das sich zu den weltweit führenden Verpackungsherstellern zählt, auch im Bereich nachhaltige Verpackung führend werden. Mit der Investition in die spanischen Werke sei man hier wieder einen Schritt vorangekommen. Alpla besitzt bereits zwei PET-Recyclingwerke in Österreich und Polen sowie Joint Ventures in Mexico und Deutschland. Als Mitunterzeichner des Global Commitments der New Plastics Economy hat sich Alpla unter anderem selbst verpflichtet, den Anteil der Post-Consumer-Rezyklate am gesamten Materialeinsatz bis zum Jahr 2025 auf 25 Prozent zu steigern und darüber hinaus alle eigenen Verpackungslösungen zu hundert Prozent recyclingfähig zu gestalten.

Quellen:

  • euwid-recycling.de, recyclingmagazin.de, plasticker.de (4.11.2019)
  • KI, neue-verpackung.de, plastverarbeiter.de (5.11.2019)
  • kunststoffe.de (6.11.2019)
Pro Kunststoff

Der Focus ist angetreten, mit ein paar Mythen zu Kunststoffverpackungen aufzuräumen und der pauschalen Aussage „Plastik ist schlecht“ etwas entgegenzusetzen. Ebenso finden die Welt wie auch Bundeswirtschaftsminister Altmaier viel Positives an Kunststoff.

Die Aussage Plastik sei schlecht, stimme so nicht, schreibt der Focus und zählt eine Reihe von Vorteilen auf. Nachteil seien seine fossile Herkunft, die ewig lange Haltbarkeit sowie die Gefahren für Umwelt, Tier und Mensch, wenn Kunststoffe in der Natur landen. Doch sei ein nachhaltiger Umgang mit Kunststoffen kompliziert, deshalb räume das Magazin mit Mythen – sieben an der Zahl – rund um Kunststoff und seine Alternativen auf. Dabei geht es unter anderem um biobasierte und bioabbaubare Kunststoffe, die bislang nicht wirklich nachhaltiger eingeschätzt würden als konventionelle, oder auch um die Glasverpackung, die als Einwegverpackung schlechter abschneide als Kunststoffverpackungen, jedoch als Mehrwegverpackung reüssiere. Neben weiteren Themen räumt schließlich Focus mit dem Mythos auf, dass Mülltrennung und Recycling sich nicht lohnen würden. Das sei definitiv falsch, schreibt das Magazin mit Verweis auf die UBA-Expertin Sonja Grimminger.  

Neben dieser zumindest ausgewogeneren Darstellung zu Aspekten der Kunststoffverpackung gab es in der Presse auch einen Bericht über einen klaren Zuspruch: „Kunststoff ist Zukunft“ habe Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier einem gleichermaßen überraschten wie begeisterten Publikum mit 300 hochkarätigen Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Politik per Leinwand beim Empfang des Kunststoffland NRW am Vorabend der K 2019 zugerufen. Das schreibt die K-Zeitung, die über das Treffen berichtet. Altmaier wolle zwar weg von der Wegwerfgesellschaft hin zur Kreislaufwirtschaft, halte aber im Gegensatz zu seiner Kollegin des Umweltressorts nichts von Verboten, sondern setze auf Lösungen der Hochtechnologie.

Auch die Welt spricht sich direkt und indirekt dafür aus, die Vorteile von Kunststoffverpackungen weiter zu nutzen: Indirekt in einem Beitrag zu den rasant angestiegenen Verlusten bei importierten Gurken, die nicht mehr in Kunststoff eingeschweißt sind. Direkt in einem Kommentar zum Verbot der Plastiktüte, in dem  der Autor konstatiert, dass Plastik in vielen Funktionen „eben schwer zu ersetzen“ sei. Darum sei es so wichtig, „die Müllflut aus Kunststoff“ zu bekämpfen, und zwar mit etablierten sowie perfektionierten Sammel- und Recyclingsystemen und eben nicht mit Verboten, die sich zwar gut machen, aber nicht helfen würden.

Quellen:

  • focus.de (2.11.2019)
  • k-zeitung.de (4.11.2019)
  • welt.de (7.11.2019)
Plastiktüte vor dem Aus

À propos Verbot: Am 6. November beschloss das Bundeskabinett das von Bundesumweltministerin Svenja Schulze vorgeschlagene Verbot von Plastiktüten. Bundestag und Bundesrat müssten noch darüber beraten. Tages- wie Fachmedien berichteten darüber.

Wie auch die Tagesschau berichtet, seien vom Verbot die sehr dünnen Tüten für Obst und Gemüse sowie stabilere Tragetaschen ab einer Wandstärke von 50 Mikrometern ausgenommen. Laut Schulze sei der Verbrauch von Kunststofftragetaschen aufgrund der freiwilligen Selbstverpflichtung des Handels von 68 pro Kopf und Jahr im Jahr 2015 auf nur noch 20 im Jahr 2018 zurückgegangen, doch sei keine weitere Reduzierung zu erwarten. Deshalb also nun das Verbot, das laut Euwid gerade wegen des bislang erreichten drastischen Rückgangs umstritten sei. So sprach sich auch sofort der bvse gegen das Plastiktütenverbot aus, das bloße Symbolpolitik sei. Die FAZ referiert im Wesentlichen die Sichtweise der Bundesumweltministerin, die im Übrigen auch nichts von der Papiertüte halte, sondern auf eine Zukunft mit Mehrwegtüten setze. Das Verbot der Einweg-Plastiktüte sei ohnehin nur ein Baustein in der Strategie für weniger Plastik und mehr Recycling. Die Süddeutsche Zeitung berichtet darüber hinaus von den Grünen, denen das Verbot nicht weit genug gehe und die ein Gesamtkonzept zur Vermeidung von Einwegplastik und zur Förderung von Mehrweglösungen vermissen.

Quellen:

  • tagesschau.de, euwid.recycling.de, bvse (6.11.2019)
  • FAZ, Süddeutsche Zeitung (7.11.2019)
Beim Thema Export „vermüllert“

Die Süddeutsche Zeitung korrigiert Entwicklungsminister Gerd Müller bei den Zahlen zum Abfall-Export aus Deutschland mit Daten der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR).

Der Entwicklungsminister von der CSU, Gerd Müller, der sich immer wieder mal zu Umweltthemen zu Wort melde, gelte schon als ein verkappter Umweltminister, zumindest aber als so etwas wie das schlechte Gewissen der Bundesregierung, weil er klar und entschieden Missstände anprangere. So auch im Fall der Exporte von Abfällen. Es sei inakzeptabel, „dass wir Malaysia oder andere Entwicklungsländer zur Müllhalde Deutschlands oder Europa machen“, so der Minister. In Bezug auf Deutschland irre er allerdings, schreibt die Süddeutsche und verweist auf die neuen Zahlen zum Recycling, die die ZSVR kürzlich vorgelegt habe. Demnach werde in Deutschland 90 Prozent der Verpackungen im Inland recycelt. Von den restlichen zehn Prozent, die exportiert würden, bliebe fast alles in der EU, nur 0,43 Prozent verlasse die EU, davon wiederum das meiste in Richtung Malaysia. Das sei zwar immer noch eine Menge Müll, die aber laut ZSVR-Vorstand Gunda Rachut nicht als recycelt anerkannt worden sei. Damit schwinde der Anreiz, Müll nach Malaysia zu exportieren – was womöglich wirksamer sei als der Appell des Ministers, so das Fazit der Süddeutschen.

Quelle:

  • Süddeutsche Zeitung (4.11.2019)

25.10. - 31.10.2019

Kunststoff zwischen Irrsinn und schöner Aussicht

Plastikmüll sei der Europäer größte Umweltsorge, habe eine aktuelle Befragung ergeben. Kreislaufführung für Kunststoffe gelinge nicht, das Verbot von Plastiktüten sei allerdings ökonomisch und wohl auch ökologisch wenig sinnvoll, die Kunststoffindustrie wolle nachhaltiger werden, Kunststoffe könnten der Umwelt helfen – in diesem Spannungsfeld bewegt sich die mediale Debatte auch in dieser Woche.

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung kommt unter dem Titel „Plastik-Irrsinn“ unter anderem Peter Kurth, Präsident des Entsorgerverbands BDE, mit der Aussage zu Wort, dass die Kreislaufführung für Kunststoffe nicht gelinge. Zwar gebe es indessen höhere Recyclingquoten, aber der Markt nehme nicht genügend Rezyklate auf. Die Vorgaben des Staates seien, so die FAS, zu restriktiv, außer PET dürften Rezyklate nicht wieder für Lebensmittelverpackungen zum Einsatz kommen, obwohl die Kunststoffindustrie längst dazu in der Lage wäre. Laut Interseroh-Chef Müller-Drexel würden neue Vorgaben, auch spezifische für Kosmetik- oder Reinigungsmittelverpackungen gebraucht. Doch werde es nach Auskunft des Bundesumweltministeriums (BMU) keine schnellen Lösungen geben. Laut Recyclingmagazin hat sich der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mit dem vom BMU geplanten Verbot von Plastiktüten befasst, das der DIHK vor allem ökonomisch für sinnlos hält. Auch ökologisch mache es wenig Sinn, da es keine Vorschläge zu umweltverträglicheren Alternativen gebe. Der DIHK vermisse eine umfassende Folgenabschätzung und sehe in dem Verbot das falsche Signal an die Wirtschaft, dass sich freiwillige Maßnahmen und Selbstverpflichtungen für den Umweltschutz nicht lohnten. Mit Blick auf die kleineren Unternehmen mit hohen Beständen an Plastiktüten fordere der DIHK adäquate Übergangsfristen. In der Deutschen Welle hat man sich gefragt, ob das derzeitige Engagement in der Kunststoffbranche für mehr Nachhaltigkeit eine echte Kehrtwende oder nur „Marketing“ sei. Im Bereich der Kunststoffverpackungen kommt der Beitrag zu dem Schluss, dass der Handel mit seinen Vorgaben an entscheidenderer Stelle sitze. In der Kunststoffindustrie gebe es laut Franziska Krüger, Recyclingexpertin beim Umweltbundesamt, durchaus Bewegung zu mehr Recycling, doch wäre noch eine deutlichere Vernetzung der verschiedenen Bereiche erforderlich. Recycling müsse laut FAS auch deshalb deutlich zunehmen, weil der weltweite Kunststoffbedarf rasant wachse und die Förderung fossiler Rohstoffe deutlich gedrosselt werden könnte, um die Erderwärmung zu reduzieren. Kunststoffe würden auch künftig gebraucht, weil sie der Umwelt helfen könnten, das werde derzeit völlig ausgeblendet, heißt es in einer Kolumne in Cicero. Langlebigkeit der Kunststoffe, wofür sie eigentlich entwickelt werden, würde in der öffentlichen Diskussion nur noch als zerstörerisches Kernmerkmal wahrgenommen, weil sich die Debatte zumeist auf weggeworfene Verpackungen fokussiere. Eine realistische Problemanalyse und Lösungsentwicklung werde dadurch verhindert. Auch wenn die Gefahren von Mikroplastik in Gewässern weit überschätzt würden, seien etwa acht Millionen Tonnen jährlichen Eintrags an Plastikabfällen „aus Managementsicht ... eine Größenordnung, die sich erheblich und auch zeitnah reduzieren lassen sollte“, schreibt Cicero.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, dw.de (24.10.2019)
  • FAS, cicero.de (27.10.2019)
Zentrale Stelle zieht positive Zwischenbilanz

Eine Zwischenbilanz der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR) zehn Monate nach Inkrafttreten des Verpackungsgesetzes fällt überwiegend positiv aus. Kritisch äußert sich laut der Medienberichte sowohl die Zentrale Stelle als auch das UBA hinsichtlich der Systembeteiligung bei Kunststoffverpackungen, die noch nicht auf einem befriedigenden Niveau sei. Gunda Rachut, Vorstand der ZSVR, erläutert im Interview mit Euwid die aktuelle Lage bei der Verpackungsverwertung.

Im Verpackungsregister LUCID habe sich die Anzahl der Registrierungen mit rund 170.000 gegenüber 2016 verdreifacht. Während auch die Systembeteiligung bei PPK und Glas deutlich gestiegen sei, befinde sie sich im Bereich der Leichtverpackungen laut Vorstand Gunda Rachut „noch nicht auf einem befriedigenden Niveau“. In einem ausführlichen Interview mit Euwid gibt sie sich aber zuversichtlich, dass über das gesamte Jahr gesehen ihre Erwartungen noch erfüllt werden könnten. Auch das Umweltbundesamt (UBA) beurteilt laut Medienberichte den Start des neuen Verpackungsregisters positiv, fordert jedoch nun mehr Anstrengungen von Seiten der Hersteller in Richtung Vermeidung von Verpackungen. Außerdem sollten die Bundesländer die sogenannten Trittbrettfahrer stärker mit Bußgeldern verfolgen. Rachut äußert sie sich im Interview mit Euwid unter anderem auch zur Quotenerfüllung – eine Erfüllung der Gesamtquote von 50 Prozent sehe sie für das laufende Jahr noch nicht, aber für 2020 – und zur Frage der Mindestrezyklatgehalte, die sie eher kritisch beurteilt. Sehr deutlich verweist sie Behauptungen zu früheren Exporten von Kunststoffabfällen aus dem Bereich der dualen Systeme nach China in das Land der „Mythen und Märchen“. Auch im Jahr 2018 seien knapp 90 Prozent der Kunststoffabfälle in Deutschland und die verbleibenden rund zehn Prozent fast komplett in der EU einer Verwertung zugeführt worden. Von diesen zehn Prozent seien allein knapp sieben Prozent in Österreich und den Niederlanden verarbeitet worden. Lediglich 0,05 Prozent seien außerhalb der EU, nämlich in der Schweiz, für die Quote anerkannt worden. Nur 0,43 Prozent seien zu zertifizierten Betrieben nach Malaysia gegangen, wobei diese Menge wegen fehlender Unterlagen nicht als verwertet in die Quote eingegangen sei.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, Euwid Recycling und Entsorgung 44/2019, recyclingportal.eu, welt.de  (29.10.2019)
Neuer Anlauf für ein Wertstoffgesetz

Laut Euwid habe der baden-württembergische Umweltminister, Franz Untersteller, angekündigt, dass sein Bundesland in Kürze einen weiteren Vorstoß in Richtung Wertstoffgesetz starten wolle. Dies habe Untersteller im Rahmen des Ressourceneffizienz- und Kreislaufwirtschaftskongresses in Leinfelden bei Stuttgart geäußert.

Laut Untersteller dürfe nicht die Unterscheidung in Verpackung und Nicht-Verpackung entscheidend dafür sein, ob gleichartige Abfälle verwertet oder verbannt würden. Auch sehe er im Bereich des Kunststoffrecyclings Defizite. So sprach er sich für Mindestrezyklatgehalte auf EU-Ebene aus, um darauf aufbauend das Recycling und entsprechende Märkte Stück für Stück aufzubauen. Auch BMU-Vertreterin Regina Dube halte „gute Anreize“ für erforderlich, um Rezyklate stärker in neue Produkte zu bringen, habe sich aber gegen Mindestvorgaben für Rezyklatanteile ausgesprochen. Aus ihrer Sicht sollten die Regeln für Normung und das Beschaffungswesen weiterentwickelten werden.Quelle: Euwid Recycling und Entsorgung 44/2019 (29.10.2019)

18.10. - 24.10.2019

Transparenz zu weltweiten Kunststoffströmen

In der Fachpresse wird die Vorstellung der erstmaligen Studie zu weltweiten Kunststoffströmen aufgenommen und insbesondere das Thema Umgang mit den Post-Consumer-Kunststoffabfällen aufgegriffen. Weltweit sei eine funktionierende Abfallwirtschaft unerlässlich, wird die Kunststoffindustrie zitiert.

Die Pilot-Studie „Global Plastics Flow“ zeige auf Basis von Detailzahlen aus 44 Ländern ein differenziertes Bild, das hinsichtlich der Verbesserung der aktuellen Situation beim Umgang mit Kunststoffabfällen zielgenaue Maßnahmen erfordere. Laut der Zahlen wurden im Jahr 2018 390 Millionen Tonnen Kunststoffe weltweit verarbeitet, An Abfall fielen 250 Millionen Tonnen an, von denen 173 Millionen Tonnen kontrolliert eingesammelt und 77 Millionen Tonnen entweder unkontrolliert entsorgt oder achtlos in die Umwelt geworfen wurden. Deponierung sei mit 72 Millionen Tonnen noch der wichtigste Entsorgungsweg. Aus Sicht der Kunststoffindustrie erforderten unterschiedliche Voraussetzungen in den jeweiligen Regionen vielfältige angepasste Maßnahmen, die von ordentlicher Abfallsammlung in einigen Regionen bis Durchsetzen des Deponieverbots in Europa reichen. Kunststoff Information weist auf den interessanten Umstand hin, dass einige Länder mit großen Problemen hinsichtlich einer geregelten Entsorgung etwa in Südostasien und Südamerika „gleichzeitig bemerkenswert hohe Raten an tatsächlichem Recycling“ aufweisen. Privates tägliches Sammeln und Aufbereiten summiere sich am Ende im Vergleich zu Europa oder gar Nordamerika zu größeren Mengen an tatsächlich recycelten Kunststoffabfällen.

Mehr Information: BKV-News vom 15.10.2019 mit mehr Details und Downloadmöglichkeit einer Management Summary

Quellen:

  • 320grad.de (16.10.2019)
  • Kunststoff Information (18.10.2019)
  • recyclingmagazin.de (15.10.2019)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 43/2019, recyclingportal.eu (22.10.2019)
Nach der „K“ ist vor der „K“

Eine „erstaunlich erfolgreiche K“ mit „starken Impulsen für die Branche“ vor allem hinsichtlich der Kreislaufwirtschaft und einem „verantwortungsvollen Umgang mit Kunststoff“ sind in etwa die Botschaften der Fachpresse in ihrer Berichterstattung zur K-Messe, die in Düsseldorf am 23. Oktober zu Ende ging. Die nächste K, soviel steht schon fest, wird vom 19. bis zum 26. Oktober 2022 stattfinden.

3.333 Aussteller aus 63 Nationen hätten laut neue verpackung unter Beweis gestellt, dass Kunststoff nach wie vor ein innovativer, unverzichtbarer und zukunftsweisender Werkstoff sei. Dabei hätten die Aussteller aber auch die Notwendigkeit funktionierender Kreislaufwirtschaften entlang der gesamten Wertstoffkette einstimmig untermauert und auch konkrete Lösungen präsentiert. So hätten laut Plastverarbeiter auch die 225.000 Besucher aus 165 Ländern insbesondere hohes Interesse an Recyclingsystemen, nachhaltigen Rohstoffen und ressourcenschonenden Verfahren gezeigt. Darüber hinaus hätte aber auch eine nach wie vor hohe Investitionsbereitschaft die K geprägt. Ulrich Reifenhäuser, Vorsitzender des Ausstellerbeirates der K, sah gar eine regelrechte Aufbruchstimmung in der Branche herrschen im Sinne der Schlagworte der K „Nachdenken. Umdenken. Querdenken. Neudenken“.  Die aktuelle Dynamik sei überwältigend, wird Reifenhäuser weiter zitiert.

Auf der K versammelte sich auch wieder das internationale Bündnis „World Plastics Council“ mit rund 50 CEOs und Topmanagern führender Kunststofferzeuger aus Indien, China, dem Nahen Osten, Afrika, Nord- und Südamerika sowie Europa. Auf ihrer jährlichen Generalversammlung zogen sie Bilanz und diskutierten künftige Herausforderungen. So stünden auch hier laut Kunststoff Information insbesondere die Weiterentwicklung von Sortier- und Recycling-Technologien ganz oben auf der Agenda. Darüber hinaus wolle man Investitionen in den Aufbau von Abfallmanagement-Systemen vor allem – aber nicht nur – in Südostasien und die Zusammenarbeit mit Stakeholdern entlang der Wertschöpfungskette voranbringen, um Plastikmüll in der Umwelt zu stoppen.

Quellen:

  • Kunststoff Information (21.10.2019)
  • kunststoffe.de, k-zeitung, neue-verpackung.de, plastverarbeiter.de (23.10.2019)
„Gutes oder böses Plastik?“

Kunststoff sei Opfer seines eigenen Erfolgs, schreibt DSD-Chef Michael Wiener in der FAZ und macht „drei Vorschläge gegen Plastikmüll“. Die Süddeutsche Zeitung sieht in einem Bericht zur „K“ die Branche im Umbruch, auch wenn die Produktion weltweit weiter steige. Und Japans Ministerpräsident Shinzo Abe sehe sich genötigt, zum Thema Kunststoff zu sprechen: Plastik sei ein großer Fortschritt, nicht unser Feind, wird er zitiert.

Wiener macht im Rahmen eines Standpunktes in der FAZ die aktuell grassierende Ablehnung von Kunststoff an den von Jahr zu Jahr steigenden Produktionsmengen fest. Illegale Ablagerungen von Plastikmüll zum Beispiel in Malaysia verstörten die Menschen. Das Problem sei aber nicht die Produktionsmenge, sondern dass Kunststoffabfälle in der Industrie und beim Verbraucher keinen Wert hätten. Die Antwort müsse Kreislaufwirtschaft lauten. Doch davon sei man hierzulande noch weit entfernt. Um das zu ändern und den Absatz von Rezyklaten zu fördern, macht Wiener drei Vorschläge: eine Verpflichtung für Hersteller, Rezyklate in ihren Produkten und Verpackungen einzusetzen, am besten als Quote definiert, die Anregung der Nachfrage nach Rezyklaten durch das Beschaffungswesen der öffentlichen Hand und die Förderung der Entwicklung neuer Technologien für die Kreislaufwirtschaft, die zu einem Kernaspekt der Kreislaufwirtschaft erklärt werden müsse. Dass das Klimakabinett die Kreislaufwirtschaft mit keiner Silbe erwähne, nennt Wiener ein Armutszeugnis.

Auch Ulrich Reifenhäuser spricht auf der Kunststoffmesse gegenüber der Süddeutsche Zeitung vom großen Ziel der Kreislaufwirtschaft, die aber nicht von heute auf morgen zu schaffen sei. Es herrsche Verunsicherung in der Branche, trotz gestiegener Kunststoffproduktionsmengen und zu erwartendem weiterem Wachstum. Das Image leide. „Diese Kunststoffwelt muss sich verändern“, habe Reifenhäuser gesagt. Weil die Kunststoffkreisläufe noch längst nicht geschlossen seien, brauche die Industrie weiterhin fossile Rohstoffe, meint die Süddeutsche. Bei Herstellern wie Dupont liege der Anteil an recycelten Kunststoffen noch im einstelligen Bereich. Auch Covestro kündige „reichlich ambitioniert“ eine „größtmögliche Abkehr von fossilen Rohstoffen wie Erdöl“ an, auf denen derzeit aber noch 99 Prozent der Produkte basierten. Doch künftig wolle man mehr gebrauchten Kunststoff nutzen und man forsche an pflanzlichen Ressourcen. Auch die BASF wolle teilweise fossile Ressourcen ersetzen und werde 20 Millionen Euro in eine norwegische Firma investieren, die Plastikabfälle in ihre chemische Bestandteile zerlege. Mit solchen Investitionen wolle die Industrie dem gesellschaftlichen und politischen Druck etwas entgegensetzen.

Angesichts dieses Drucks sah sich auch der japanische Ministerpräsident genötigt, für Kunststoffe in die Bresche zu springen: „Wir sollten Plastik nicht als Feind behandeln und diejenigen, die es benutzen, nicht ausschließen“, habe Abe in seiner Rede auf einer Tagung des Forums für Wissenschaft und Technologie in Kyoto laut japaniac.de gesagt. Notwendig sei aber auch ein angemessenes Management des Mülls und die Suche nach Lösungen durch Innovation, so Abe. Nach Angaben der japanischen Außenhandelsorganisation (Jetro) sei Japan der drittgrößte Exporteur von Plastikabfällen weltweit, und die inländischen Lagerorte für Plastikmüll stünden aufgrund des chinesischen Importverbots vor großen Problemen.

Quellen:

  • süddeutsche.de (16.9.2019)
  • japaniac.de (19.10.2019)
  • FAZ (23.10.2019)

11.10. - 17.10.2019

K 2019 ganz im Zeichen der Kreislaufwirtschaft

Zum Start der Kunststoff-Leitmesse in Düsseldorf am 16. Oktober thematisieren zahlreiche Berichte der Fachpresse die dort vorgestellten Entwicklungen, Initiativen und Innovationen. Wie ein roter Faden ziehe sich laut k-zeitung das Leitthema Kreis­laufwirtschaft durch diese „andere K“, die zeigen werde, wie sich Kunststoff sinnvoll im Kreislauf führen lasse. Auch das Handelsblatt nimmt den Messestart zum Anlass für einen längeren Bericht über den in die Kritik geratenen „Wunderwerkstoff der Moderne“, von dem in Zukunft noch deutlich mehr verbraucht werde als bisher.

Auch wenn allen Vertretern der Industrie klar sei, dass nicht Kunststoff das Problem sei, sondern dass zu viel Kunststoff in der Umwelt lande, nehme sich die Branche zur K 2019 mit vereinten Kräften der zentralen Frage der Kreislaufführung an, schreibt die k-zeitung. Die Kunststoffbranche nehme die aktuelle Debatte zur welt­weiten Abfall- und Marine Litter Problematik sehr ernst und werde auf der K 2019 eine offene Diskussion zu Themen der Circular Economy, zu erneuerbaren Energien oder alterna­tiven Rohstof­fen führen und vorantreiben, berichtet zum Messeauftakt der Plastverarbeiter. Der Wandel vom heutigen noch weitgehend linearen, hin zu einem zirkulären System be­nötige systemische, technische und soziale Innovationen und daran ange­passte Wert­schöpfungsnetzwerke, ist in dem Magazin in einem weiteren Bericht über einen For­schungsansatz zu lesen zur „Circular Plastics Economy“ unter der Leitung von Fraun­hofer UMSICHT, der auf der K 2019 präsentiert werde und am Beispiel Kunststoff auf­zeigen soll, wie Energie- und Materialströme einer Wertstoffkette in eine zirkuläre Wirtschaftsform überführt wer­den können. Die Transformation erfordere laut den Projektbeteiligten eine „Kunststoff­wende“. Neue zirku­läre Lösungen müssten zunächst durch Gesetze und Investitionen gefördert werden und auf Dauer wirtschaftlich trag­fähig sein. Bei dem während der Messe von den fünf Fraunhofer-Instituten IAP, ICT, IML, LBF und UMSICHT prä­sentierten Transfor­mations­pfad stehe die Entwicklung bio­gener Rohstoffe und neuer biobasierter Additiv­systeme im Fokus.

Dunkle Wolken am Horizont der europäischen Kunststoffindustrie gebe es verursacht durch Unsicherhei­ten in der Weltwirtschaft, den Brexit und die zunehmend kritische Haltung der Öffen­tlichkeit gegenüber Kunststoffverpackungen durch die Abfallproblematik, ist in ei­nem Bericht bei Packmittel zu lesen. Vor allem im Verpackungssektor werde der Ein­satz von Kunststoffen immer stärker hinterfragt. Zunehmend wichtiger würden che­mische Recy­clingverfahren wie das Chemcycling von BASF oder die Wiederver­wertung und Aufbe­reitung von minderwertigen Mischkunststoffabfällen durch SABIC. Auch das Handels­blatt geht in seinem Bericht auf die chemischen Verfahren ein, bei denen es laut des dort zitierten CEO des Kunststoffproduzenten Covestro, Markus Steilemann, um mehr gehe als das her­kömmliche Recycling. Viele Experten glaubten, dass darin der Ausweg aus der Ver­müllung liege. Etliche Unternehmen verstärkten daher ihre Forschung und Investitionen auf dem Gebiet. Auch die Covestro habe grade ein neues strategisches Pro­gramm gestartet, um die Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe mit Hilfe von moleku­laren Verfahren voranzutreiben. Bei der K präsentiere Covestro einen Schuh, der nur aus ei­ner einzigen Kunststoffart bestehe, was dessen Recy­cling einfacher mache. Die­ser ist für das Handelsblatt Symbol für einen von vielen kleinen Schritten, den die Bran­che auf ihrem Weg zur Kreislaufwirtschaft bewäl­tigen müsse. Ein schwindender Kunst­stoffverbrauch sei nicht in Sicht. Die Nachfrage werde laut Experten in den kom­menden Jahren noch einmal rasant ansteigen und könne laut Berechnungen des bri­tischen Marktforschungsunternehmen IHS Markit im Jahr 2030 weltweit bereits bei etwa 400 Millionen Tonnen pro Jahr (2017: 185 Millionen Tonnen) liegen.

Quellen:

  • k-zeitung, Packmittel (14.10.2019)
  • plastverarbeiter, Handelsblatt (15.10.2019)
  • newsroom-kunststoffverpackungen (7.10.2019)
Plastikvermeidung: keine Einigung beim runden Tisch

Beim Treffen von Handel, Industrie und Politik zum zweiten Runden Tisch, zu dem Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) eingeladen hatte, kam es laut Me­dienberichten im Hinblick auf die Vermeidung von Kunststoff nicht zu konkreten Vereinbarungen. BUND und DUH äußerten laut Fachpresseberichten Kritik und wiederholten ihre Forderung nach gesetzlichen Maßnahmen.

Obwohl sich die Beteiligten auf keine gemeinsame Linie einigen konnten, habe sich Schulze mit dem Ergebnis des Treffens zufrieden gezeigt, schreibt unter anderem das Handelsblatt. Es habe sich seit Februar „extrem viel bewegt“. Die freiwilligen Maßnahmen des Handels hätten mehrere tau­send Tonnen Plastik eingespart. Schulze verbuche Fortschritte insbesondere bei den Han­delsunternehmen, zwischen denen ein Wettbewerb um die besten Lösungen zur Plastikvermeidung entbrannt sei. Viele Ketten würden inzwischen etwa Mehrwegver­packungen für Obst und Gemüse, aber auch Waren von der Frischetheke anbieten. Auf einem weiteren Treffen des Runden Tisches wolle die Ministerin einheitliche Standards für besser wiederverwertbare Verpackungen fest­legen. Für BUND und DUH, die erneut gesetzliche Maßnahmen zur Vermeidung wie die Stärkung von Mehrwegsystemen for­derten, habe sich noch viel zu wenig bewegt, berichtet das Recyclingportal.

Quellen:

  • deutschlandfunk.de, Handelsblatt (15.10.2019)
  • recyclingportal.eu (2 Berichte 16.10.2019)
Klimaschutz durch Recycling

Eine neue von der Alba Group beim Fraunhofer UMSICHT Institut in Auftrag gegebene Studie zeigt laut Berichten der Fachpresse das große Potenzial des Recyclings für die Einsparung von klimaschädlichen Emissionen auf. Laut der kürzlich vorgestellten Stu­die „resources SAVED by recycling“ habe die Alba Group im Jahr 2018 durch die Kreis­laufführung von 5,6 Millionen Tonnen Wertstoffen rund 4,4 Millionen Tonnen Treib­hausgase eingespart. Im grade verabschiedeten Klimaschutzpaket der Bundesregie­rung kommt Recycling bisher nicht vor.

Wie die Studie belege, leiste das Recycling von Wertstoffen einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung des Klimas, sei Schlüsselfaktor für den Klimaschutz, ist im Bericht des Magazins Kunststoffe zu lesen. Die durch die Kreislaufführung im Jahr 2018 eingespar­ten Emissionen entsprächen den Berechnungen der Studie zufolge dem Klimaschutz­effekt eines Mischwalds mit über 441.000 Hektar oder einer Fläche, die doppelt so groß wie das Saarland ist. Um die Klima­schutz­ziele bis 2030 zu erreichen, müsse Recy­cling fester Bestandteil allen Wirtschaf­tens werden, wird Axel Schweitzer, Vorstands­vorsitzender der Alba Group im Bericht von Kunststoffe zitiert. Die Politik verschenke immer noch enorme Klimaentlastungs-Potenziale, die durch Recy­cling viel einfacher und wirksamer zu erreichen seien als mit vielen Maßnahmen im Klimaschutz­paket. Es brauche klare Ziele für die Kreislaufwirtschaft: Der Einsatz von Rezyklaten müsse, so Schweitzer, kon­sequent gefördert werden, beispielsweise indem weitere Qualitäts­standards einge­führt werden und die öffentliche Hand als Vorreiter nur noch Produkte mit Rezyklatan­teil einkauft. Das neue Klimaschutzpaket der Bundes­regierung solle ambitioniertere Ziele enthalten, fordere der Alba-Chef.

Quellen: kunststoffe.de, zfk.de (14.10.2019)

04.10. - 10.10.2019

Kritik am Klimaschutzpaket

Das Bundeskabinett hat das Klimaschutzgesetz mit verbindlichen Klimaschutzzielen für jedes Jahr und einzelne Bereiche beschlossen, das nun in die parlamentarischen Beratungen gehen wird. Gleichzeitig beschloss das Kabinett das Klimaschutzprogramm 2030, das ebenfalls noch in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden soll. Wie Fachmedien berichten, gibt es unter anderem auch aus dem Bereich der Entsorgungswirtschaft bereits Forderungen, dieses Paket für mehr Kreislaufwirtschaft nachzubessern.

Vertreter der gesamten Kreislaufwirtschaft hätten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am 9. Oktober in Berlin an dem Gesetzesentwurf scharf kritisiert, dass der gesamte Bereich Recycling und Kreislaufwirtschaft darin nicht erwähnt werde. Damit würden die damit verbundenen erheblichen Potenziale völlig verkannt. Man erwarte, dass hier im parlamentarischen Prozess noch Nachbesserungen erfolgten. Das Bündnis aus Wissenschaft, Umweltschutzverbänden und Entsorgungswirtschaft habe laut Euwid drei Maßnahmen für mehr Kreislaufwirtschaft zur Aufnahme in das geplante Gesetz vorgestellt: eine verbindliche Rezyklateinsatzquote für Kunststoffe, die zu Beginn bei 15 Prozent liegen und Schritt für Schritt steigen könne, die Zulassung ausschließlich recycelbarer Produkte sowie den Einkauf nachhaltiger Produkte von Seiten der öffentlichen Hand.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, euwid-recycling.de, recyclingportal.eu (9.10.2019)
„Die Systembeteiligung ist noch unbefriedigend“

Wie Gunda Rachut, Vorstand der Zentralen Stelle Verpackungsregister, im Interview mit der  Welt am Sonntag sagt, liege die Systembeteiligung der Inverkehrbringer von Verpackungen im Jahr 2019 bislang hinter den Erwartungen zurück.

Die Zentrale Stelle überwache seit Anfang des Jahres die Umsetzung des seitdem geltenden Verpackungsgesetzes. 175.000 Unternehmen hätten sich bis Ende September bei den neun dualen Systemen registriert, dreimal so viele wie im Jahr zuvor zu diesem Zeitpunkt. Doch sei die Menge der lizenzierten Verpackungen nicht entsprechend mitgestiegen. Bei den Leichtverpackungen habe es eine Zunahme von lediglich fünf Prozent gegeben, das Doppelte habe man erwartet. Nun hoffe die Zentrale Stelle auf Nachmeldungen im Schlussquartal. Bleiben die aus, drohen Ordnungswidrigkeitsverfahren. Das Gesetz ermögliche ein Bußgeld von bis zu 100.000 Euro sowie Gewinnabzüge und Vertriebsverbote. „Unsere Geduld ist am Ende, wir werden jetzt die Zügel anziehen“, wird Rachut zitiert.

Quelle:

  • Welt am Sonntag (6.10.2019)
Entsorger warnen vor Notstand

Die FAZ setzt sich in einem Artikel mit den aktuellen Verbrennungskapazitäten in Deutschland auseinander. Nach Aussage von Entsorgern drohe ein Notstand, da die Anlagen bereits am Anschlag arbeiteten. Probleme gebe es auch beim Recycling, weil dabei anfallende Abfälle nicht mehr abgenommen würden.

Verwerfungen bahnten sich vor allem bei der Verwertung von Altautos und Elektroaltgeräten an. So schlage der Scholz-Konzern aus Esslingen bereits Alarm, weil er die Reste etwa aus Kunststoff, die normalerweise in Verbrennungsanlagen landeten, nicht mehr loswerde. Auch TSR Recycling aus Brandenburg habe seine Verarbeitungsmengen drastisch reduziert. Bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock sehe die derzeitige Entsorgungslage in Deutschland ebenfalls sehr kritisch. Davon seien aber weniger die Kommunen betroffen, die sich bei der Hausmüllentsorgung mit langfristigen Verträgen abgesichert hätten, als vielmehr die Mittelständler, die Kapazitäten für Gewerbeabfälle suchten. Vizenz Schulze, bei der ITAD für Recht und Kommunikation zuständig, erkläre die nahezu 100prozentige Auslastung mit anhaltend hohem Konsum und einem unerwarteten Bevölkerungswachstum. Auch die Einfuhrbeschränkungen einiger asiatischer Länder für Kunststoffabfälle, die bislang nicht im Inland entsorgt wurden, trügen dazu bei. Für diese Stoffströme könne es kurz- und mittelfristig eng werden, sagt er. Rehbock sowie der Naturschutzbund Nabu kritisierten darüber hinaus, dass immer noch große Mengen Bioabfälle die Müllverbrennungsanlagen verstopften. Würden die säumigen Kommunen endlich flächendeckend Biotonnen für alle Haushalte aufstellen, wären die Anlagen laut einer Studie des Öko-Instituts und der Alwast Consulting um fast vier Millionen Tonnen entlastet.

Quelle:

  • FAZ (5.10.2019)
Pflanztöpfe aus Post-Consumer-Rezyklat

Ein Beitrag in K-Profi beschreibt beispielhaft den Entwicklungsprozess bis hin zu einer erfolgreichen Produktion eines marktgängigen Produkts aus Post-Consumer-Rezyklaten. Der Kunststoffverarbeiter Pöppelmann hatte sich im Jahr 2016 zum Ziel gesetzt, für Pflanztöpfe einen geschlossenen Materialkreislauf zu kreieren, das heißt, Pflanztöpfe aus Kunststoffabfällen aus dem Gelben Sack zu entwickeln, die am Ende wieder recycelt werden können.

Am Ende habe sich die Verarbeitung im Thermoformprozess als das geeignete Verfahren für den in seinen Eigenschaften schwankenden Input herausgestellt, zumal das Material deutlich weicher als Neuware oder Rezyklate aus Industrieabfällen sei. Die Produktion laufe gleich wie bei Neuware ab, allerdings erreiche man nicht die gleichen Taktzahlen und müsse eine zusätzliche Qualitätssicherung einbauen. Schließlich zähle der Geruch bei der Verarbeitung zu den noch bestehenden Herausforderungen, auch wenn hier schon eine deutliche Verbesserung erzielt worden sei.

Seit 2018 stünden nun blaue Pflanztöpfe in den Regalen von Gärtnereien, bzw. als Kräutertopf in Gemüse- und Obstabteilungen von Supermärkten. Die Farbe Blau habe man in Zusammenarbeit mit dem Dualen System Deutschland, von dem auch das Rezyklat bezogen werde, entschieden. Zum einen, weil schwarz gefärbtes Material, das in gängigen Sortieranlagen mit NIR-Systemen nicht sortiert werden könne, ausfalle, und zum anderen weil im Circular-Economy-Modell der Ellen McArthur-Foundation die Farbe Blau als Kennzeichnung des technischen Stoffkreislaufs von der Produktion bis zur Wiederverwertung besetzt sei.

Quelle:

  • K-Profi 10/2019

27.09. - 03.10.2019

Verbändeallianz gegen Verschärfung der EU Einweg-Kunststoff-Richtlinie

Das Bundesumweltministerium plant im Rahmen der Umsetzung der europäischen Einweg-Kunststoff-Richtlinie in deutsches Recht laut Medienberichten eine Verschärfung gegenüber den Vorgaben der EU. So soll die Herstellerverantwortung ausgeweitet werden, indem die Hersteller sich an den Kosten für die Beseitigung von Abfällen im öffentlichen Raum beteiligen sollen. Dies stelle einen Freibrief für Verbraucher dar, Abfälle regelwidrig zu entsorgen, kritisiere eine Verbändeallianz aus AGVU DZV, HDE, IK Markenverband und PRO-S-Sack, die sich gegen diese falschen Entwicklungen wendet.  

Es sei inakzeptabel für die Sauberkeit des öffentlichen Raums zahlen zu sollen, ohne Einfluss auf die Ermittlung der Kosten, die Ursachen der „Vermüllung“ oder die Entsorgung der Abfälle zu haben, kritisieren die Verbände. Damit werde der erforderliche Wandel von einer Wegwerf- in eine Recyclinggesellschaft geradezu verhindert. Gelebte Herstellerverantwortung bedeute nicht, für das Fehlverhalten anderer geradestehen zu müssen. Stattdessen müssten alle Akteure der Wertschöpfungskette Verantwortung übernehmend und in die Problemlösung miteinbezogen werden. Die Verbände forderten einen fairen Wettbewerb in privatwirtschaftlich organisierten Systemen der Herstellerverantwortung.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de (26.9.2019)
  • kunststoffe.de, recyclingportal.eu (27.9.2019)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 40/2019 (1.10.2019)
Plastikmüll: von Schiffen ins Meer

Tagesmedien berichten über eine neue Studie, die nahelege, dass von den Plastikabfällen in den Meeren ein größerer Teil als bisher angenommen nicht von Land aus dorthin gelange, sondern illegal von Schiffen über Bord geworfen werde. Das wäre ein klarer Verstoß gegen MARPOL, das internationale Abkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe.

Ein Team um den südafrikanischen Vogelkundler Peter Ryan von der University of Cape Town hatte in den Jahren 2009 und 2018 angeschwemmte Plastikteile auf der abgelegenen Insel Inaccessible Island im zentralen Südatlantik gezählt und mit früheren Ergebnissen aus den achtziger Jahren verglichen. Nun haben sie die Ergebnisse in einer Studie veröffentlicht. Im Jahr 2009 hätten sie demnach über 3.500 und im Jahr 2018 fast 7.500 weggeworfene Gegenstände aus Plastik gefunden, wobei kleine Partikel nicht mitgezählt wurden. Den Hauptteil machten schon 2009 Flaschen und ähnliche Behältnisse aus, 2018 hatte ihr Anteil noch zugenommen. 75 Prozent davon seien im Jahr 2018 PET-Flaschen aus Asien, die Hälfte aus China gewesen. Im Gegensatz dazu seien die Plastikabfälle in den achtziger Jahren überwiegend vom südamerikanischen Festland zur Insel im Südatlantik gelangt. Die 2018 gefundenen PET-Flaschen wären aber laut Prägung vor weniger als drei Jahren hergestellt worden und könnten von daher nicht vom chinesischen Festland in den Südatlantik getrieben worden sein. Insofern gingen die Forscher davon aus, dass sie von durch die Region fahrenden Handelsschiffen aus illegal entsorgt wurden. Der Handelsverkehr habe sich in den Jahren 1992 bis 2012 vervierfacht. Die Müllentsorgung in die Meere sei durch das MARPOL-Übereinkommen von 1989 zwar verboten, würde aber zu wenig kontrolliert. Die Kontrolle sei allerdings sehr schwierig, wie auch Lars Gutow vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven bestätige.

Quellen:

  • Süddeutsche Zeitung, spiegel.de, faz.net (30.9.2019)
  • welt.de, deutschlandfunk.de (1.10.2019)
Landkreise fordern Exportverbot für Plastikmüll

Der Deutsche Landkreistag fordere ein sofortiges Exportverbot für Plastikabfälle sowie eine Überführung der Wertstoffsammlung in kommunale Verantwortung, berichten Tages- wie Fachblätter. Auch sollen laut deren Positionspapier Kommunen verstärkt Produkte aus Recyclingkunststoff beschaffen.

Ein sofortiges Exportverbot, wie es der Landkreistag in seinem aktuellen Positionspapier fordere, sei auch nicht frei von Zweifeln, schreibt die FAZ. Deutschland gingen Kunststoffe verloren, auf die das rohstoffarme Land angewiesen sei, laut eines der Argumente, auf das laut FAZ der Abteilungsleiter für Kreislaufwirtschaft am Wuppertal-Institut, Henning Wilts, einwende, dass diese Rohstoffe im Falle eines kompletten Exportverbots den Empfängerländern ebenfalls verloren gingen. Wilts plädiere dagegen für die Verantwortung des Inverkehrbringers: Wessen Abfälle exportiert würden, der müsse dafür haften. Das sorge dafür, dass Anlagen im Ausland zertifiziert würden. Ab 2021 greifen die diesbezüglichen Vereinbarungen des Basler Übereinkommens zum Export von Kunststoffabfällen, wie Euwid darauf hinweist. Demnach sei der Export unsortierter und durchmischter Kunststoffabfälle de facto verboten.

Neben dem Exportverbot positioniere sich der Landkreistag in Hinblick auf die anstehende Novellierung des Verpackungsgesetzes auch zu Fragen der Wertstoffsammlung, berichtet Euwid weiter. Angesichts der auf kommunaler Ebene gemachten positiven Erfahrungen mit Wertstofftonnen fordere der kommunale Spitzenverband den Ausbau der Wertstoffsammlung, allerdings in kommunaler Hand. Darüber hinaus spreche sich der Landkreistag für ein früheres Erreichen der Verwertungsquote von 90 Prozent für Kunststoffverpackungen als im Jahr 2022 aus und befürworte mehr Mehrwegsysteme und eine Ausweitung des Pfands auf alle Kunststoff-Einwegflaschen.

Quellen:

  • FAZ (30.9.2019)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 40/2019 (1.10.2019)