Archiv - Quartal 3 - 2020

18.09. - 24.09.2020

„Plastikverbot“ und weitere Änderungen im Abfallrecht

Der Bundestag hat, wie aus zahlreichen Berichten der Tages-, Wochen- und Fachpresse hervorgeht, das Verbot von Einwegprodukten aus Kunststoff beschlossen. Vorausgesetzt der Bundesrat stimmt zu, soll das Verbot ab dem 3. Juli 2021 gelten und dafür sorgen, dass insgesamt weniger Müll entsteht. Darüber hinaus habe der Bundesrat weitere Ände­rungen des Kreislaufwirtschaftsgesetzes beschlossen, wie u.a. eine „Obhutspflicht“ für Händler einzuführen und die öffentliche Beschaffung dazu zu verpflichten, nachhaltiger, auch durch den Erwerb von Recyclingmaterialien, einzukaufen.

Damit sollen Bund, Behörden und staatliche Unternehmen verpflichtet werden, Pro­dukte zu bevorzugen, die umweltfreundlich und ressourcenschonend sind. Ziel sei, den Absatzmarkt für solche Produkte zu vergrößern. Welche Hemmnisse den verstärkten Einsatz von Rezyklaten in unterschiedlichen Bereichen behindern, welche Instrumente zur Stärkung es gebe und für welche Produkte und Produktgruppen der Rezyklateinsatz verbessert werden könne, solle die Regierung laut Entschließung des Bundesrates eva­luieren, ist in Berichten der Fachpresse zu lesen. Hersteller und Verkäufer von Einweg­produkten aus Kunststoff sollen laut den Medienberichten darüber hinaus an den Ent­sorgungskosten beteiligt werden und so dazu dazu gebracht werden, auf Mehrweg-Verpackungen umzustellen. Bisher fielen durch Einwegprodukte etwa 700 Millionen Euro Reinigungskosten an, wird der Parla­mentarische Staatssekretär im Umweltmini­sterium Florian Pronold in einem Bericht in der Zeit zitiert. Die Details zur erweiterten Herstellerverantwortung seien noch zu klären, ebenso wie für eine „Obhutspflicht“, die als Grundlage gegen die Vernichtung von Neuwaren oder Retouren geplant sei sowie für eine „Transparenzpflicht“, wonach Händler und Hersteller genauer dokumentieren müssten, was mit Waren passiert. Für die Rückgabe von Elektrogeräten habe Bundes­umweltministerin Svenja Schulze (SPD) vorgeschlagen, dass auch Supermärkte, die sie verkaufen, alle Geräte mit einer Kantenlänge von bis zu 50 Zentimetern zurücknehmen müssen. Die im Bundestag beschlossene Verordnung zum Verbot von Einwegprodukten aus Kunststoff setzt einen Beschluss der EU in nationales Recht um. Künftig verboten sind, wie u.a. die TAZ berichtet, Besteck, Teller, Trinkhalme, Rührstäbchen, Wattestäb­chen und Luftballonstäbe aus Plastik sowie Becher und Behälter für Essen aus Styro­por. Der Verkauf von Lagerbeständen sei auch nach dem 3. Juli 2021 noch erlaubt. Zu der Verordnung merkt die TAZ an, dass auch Alternativen Nachteile hätten. So sei die Herstellung von Produkten aus Pappe wasserintensiv und Becher aus Bambus könnten Schadstoffe abgeben.

Quellen:

  • TAZ, zeit.de, süddeutsche.de, merkur.de, dtoday.de, handelsblatt.com, deutschlandfunk.de (17.9.2020)
  • recyclingmagazin.de (18.9.2020)
Kritik an der Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes

Von „enttäuschend“ über „verpasste Chance“ bis zu „ärgerlich“ fielen laut Berichten der Fachpresse die Kommentare der Industrie zu den grade vom Bundestag beschlos­senen Änderungen des Abfallrechts aus. Die Entsorgungsbranche kritisiere vor allem, dass der Bundestag sich nicht zu einer Verordnungsermächtigung für einen verpflich­tenden Rezyklatanteil habe durchringen können. Herstellerverbände wie die IK In­dustrievereinigung Kunststoffverpackungen sähen in der Verordnung für das Verbot von Einwegprodukten aus Kunststoff einen starken Eingriff in die Grundrechte der Marktbeteiligten, der aus ihrer Sicht einen Parlamentsbeschluss erfordere.

Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V. habe die Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes als unzureichend kritisiert. So bedauere der Verband, dass in der Novellierung kein klares Statement für eine Roh­stoffwende erkennbar sei. Der von vielen Akteuren erwartete Paukenschlag für mehr Nachhaltigkeit sei ausgeblieben, wird BDE-Präsident Peter Kurth in Berichten der Fach­presse zitiert. Dass der Bundestag sich nicht dazu entschieden habe, das Instrument ‚Minimal Content‘ gesetzlich zu verankern, also gesetzliche Verpflichtungen zum Ein­satz von Rezyklaten in bestimmten Produkten einzuführen, sei „ein Ärgernis“. Mit dem beschlossenen Prüfauftrag für die Stärkung des Rezyklateinsatzes sei der Gesetzgeber weit hinter seinen Erkenntnissen zurückgeblieben, wird die Position des BDE in den Berichten wiedergegeben. Der Wortlaut für eine entsprechende Verordnungsermäch­tigung habe lange vorgelegen. Nun gehe wertvolle Zeit verloren. Der BDE begrüße, dass die Regelung zur nachhaltigen öffentlichen Beschaffung (§ 45 KrWG) mit dem Gesetzentwurf geschärft werde. Der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung könne an der „schwachen Regelung“ zu den Pflichten der öffentlichen Hand keine Änderung erkennen, kritisiere der Verband, der die verabschiedete Neu­fassung des Gesetzes insgesamt als „enttäuschend“ bezeichnet habe. Zwar werde hier eine Bevorzugungspflicht unter anderem für Rezyklate festgeschrieben. Es fehlten je­doch aus Sicht des bvse Nachprüfungs- oder Sanktionsmöglichkeiten. Nicht einmal zu einer jährlichen Berichtspflicht habe sich der Gesetzgeber durchringen können, monie­re der bvse. Scharfe Kritik an dem Verbot von Einwegprodukten aus Kunststoff habe IK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Engelmann geäußert. Produktverbote sollten nur durch ein Parlamentsgesetz beschlossen werden können, so die Position des Herstel­lerverbands.

Quellen:

  • Kunststoff Information, recyclingportal.eu, recyclingmagazin.de, bvse.de (18.9.2020)
Ökonomische Anreize für den Rezyklateinsatz

Im Interview mit dem Magazin Recyclingnews erläutert Markus Müller-Drexel, Ge­schäftsführer des Kölner Systembetreibers Interseroh, dass aus seiner Sicht ein Recy­clingfonds alle Verantwortlichen ins Boot holen und Anreize zur recyclinggerechten Optimierung von Verpackungen schaffen könne.

Eine dann von den dualen Systemen oder der Zentralen Stelle betriebene Fondslösung basiere auf der Idee, dass alle Unternehmen zur Einzahlung verpflichtet würden. Beim Nachweis, dass Verpackungen gut recyclingfähig sind, erhielten sie eine Auszahlung, beschreibt Müller-Drexel das Modell des Recyclingfonds. Auszahlungen aus dem Fonds könnten sogar höher sein als die zuvor geleistete Einzahlung, so dass Unternehmen, die konsequent in die Kreislaufwirtschaft investierten, mit dieser Lösung Gewinne er­wirtschaften könnten. Darin sehe Müller-Drexel einen starken finanziellen Anreiz für Innovationen und die ökologische Optimierung von Verpackungen. Befragt nach weite­ren Hebeln, die die Marktchancen für Rezyklate verbessern könnten, verweist Müller-Drexel auf die geplante „Plastiksteuer“ der Europäischen Kommission. Ab 1. Januar 2021 sollen die EU-Mitgliedstaaten eine Abgabe von 80 Cent je Kilogramm nicht recy­celtem Kunststoff-Verpackungsmüll entrichten. Es sei noch offen, so Müller-Drexel, ob und wie durch die Abgabe eine Lenkungswirkung erreicht werden könne. Bei der Ent­scheidung für oder gegen die im Vergleich zu Neuware teureren Recyclingrohstoffe sollten immer auch die Umweltkosten berücksichtigt werden, argumentiere Müller-Drexel weiter. Denn die Nutzung von Rezyklaten spare im Vergleich zu Neuware über 50 Prozent Treibhausgasemissionen ein. Auch deshalb seien dringend ökonomische Anreize notwendig, um die Nachfrage nach Recyclingmaterial und den Einsatz von Rezyklaten zu steigern.

Quelle: recyclingnews.de (22.9.2020)

11.09. - 17.09.2020

Klimaziele: Folgen für die Industrie

Tages- und Wochenpresse berichten über die neu formulierten Klimaziele der EU – der Kohlendioxid-Ausstoß der 27 EU-Staaten soll im Vergleich zu 1990 um 55 Prozent sin­ken – und deren mögliche Folgen für die deutsche Wirtschaft. Im deutschen Bundes­tag gehe es ebenfalls derzeit im Rahmen einer „Woche der Nachhaltigkeit“ auch um neue Klima- und Abfallgesetze. Gegen das geplante Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) rege sich bereits heftiger Widerstand.

Der Entwurf „bedrohe die Existenz vieler mittel­ständischer Unternehmen“, warne etwa der GKV Gesamtverband Kunststoffverarbeiten­de Industrie als Teil des „Bündnisses Faire Energiewende“. Die Novelle des BEHG soll in Deutschland die Grundlage für einen nationalen Handel mit CO2-Zertifikaten für Brennstoffe schaffen, die bisher nicht vom EU-Emissionshan­del erfasst werden. Da das Gesetz zusätzliche nationale Klimaabgaben vorsehe, welche die ausländische Konkurrenz nicht beträfen, sei die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet, zitiert die FAZ aus einer Stellungnahme des Bündnisses, dem acht Verbände aus der Industrie angehören und die 10. 000 Unternehmen mit einer Million Mitarbeitern und 200 Milliarden Euro Jahresumsatz repräsentierten. Das Bündnis fordere eine Ent­lastungsregelung im geplanten nationalen Emissionshandel, damit in der Produktion benötigte Brennstoffe auch in Zukunft bezahlbar blieben. Wie eine „Ökorepublik Deut­schland“ aussehen könnte, damit beschäftigt sich ein Beitrag im Spiegel, der sich auf einen ersten Maßnahmenkatalog der EU-Kommission beziehe und Schlussfolgerungen ermögliche, wie sehr Deutschlands Wirtschaft vom neuen EU-Klimaplan betroffen wä­re. Der vermutlich heftigste Wandel stehe der deutschen Industrie bevor, schreibt das Magazin, denn die EU-Kommission plane, CO2-Zertifikate zu verknappen, wodurch de­ren Preise, in der Folge die Strompreise und damit auch die Produktionskosten der Un­ternehmen steigen dürften. Falls der Klimaplan der EU-Kommission sich durchsetze, werde sich Europas Industrie schneller wandeln müssen, zitiert der Spiegel in seinem Bericht Johannes Wagner vom EWI-Energiewirtschaftlichen Institut der Uni Köln. Doch könnten die Unternehmen, ist in dem Beitrag weiter zu lesen, bei der Transformation auf viel staatliche Unterstützung hoffen. So erwäge die EU-Kommission, einen soge­nannten Grenzausgleichsmechanismus einzuführen, der CO2-intensivere Produkte aus dem EU-Ausland verteuern würde. Wirtschaftsminister Altmaier stelle Industriekonzer­nen zudem staatliche Transformationshilfen in Aussicht und wolle mit der Zement- und Chemieindustrie gemeinsame Transformationspläne erstellen.


Weitere Information: www.faire-energiewende.de

Quellen:

  • FAZ, spiegel.de, süddeutsche.de (16.9.2020)
  • süddeutsche.de (14.9.2020)
Fortschritte im Kampf gegen Marine Litter

Die Non-Profit-Organisation Alliance to End Plastic Waste (AEPW) hat, wie Kunststoff Information berichtet, ihren „Fortschrittsbericht 2020“ veröffentlicht, wonach das internationale Bündnis aus rund 50 Unternehmen entlang der gesamten Kunststoff-Wertschöpfungskette 14 Projekte zur Müllvermeidung in ebenso vielen Städten in Afrika und Südostasien angestoßen habe.

Weitere 55 von den Mitgliedern geleitete Projekte im Wert von insgesamt 400 Milli­onen US-Dollar (340 Millionen Euro), die die Vermeidung von Kunststoffabfällen in der Umwelt vorantreiben sollen, stelle der Bericht ebenfalls vor. Die Anzahl von weltwei­ten Projekten wolle die AEWP in den nächsten zwölf Monaten verdoppeln und plane rund 28 Projekte gegen Marine Litter. Mit der China Petroleum and Chemical Industry Federation (CPCIF) habe die Allianz im Juli diesen Jahres einen wichtigen strategischen Partner hinzugewonnen. Die Allianz unterstütze auch den World Cleanup Day, der am 19. September stattfindet, mit der Initiative „All Together Global Cleanup“, wie aus einem Beitrag des Recyclingportals hervorgeht. Eine Gruppe von Unternehmen und Verbänden hat, wie Euwid berichtet, in den USA Ende August als freiwillige Initiative einen neuen US-Plastikpakt im Rahmen des internationalen Netzwerks der Ellen-MacArthur-Stiftung lanciert. Darin verpflichteten sich die Unterzeichner wie im euro­päischen Kunststoffpakt bis zum Jahr 2025 problematische oder unnötige Verpackun­gen zu eliminieren und sicherzustellen, dass alle Kunststoffverpackungen zu 100 Pro­zent wiederverwendbar, recycelbar oder kompostierbar sind. Zu den Gründungsmit­gliedern gehören laut Euwid u.a. die Handelsketten Aldi US und Walmart, die Konsum­güterhersteller Colgate-Palmolive, Henkel und Unilever, sowie die Lebensmittel- und Getränkehersteller Mars, Danone North America und Coca-Cola.

Quellen:

  • Kunststoff Information, recyclingportal.eu, Euwid Recycling und Entsorgung 38/2020 (15.9.2020)
Kunststoffrecycling in der Krise

Das Magazin ZDFheute beschäftigt sich in einem Beitrag mit dem Anstieg von Kunst­stoffabfällen während der Corona-Krise und den Existenznöten vieler Recycler auf­grund niedriger Rohöl- und Neuwarepreise. Über einen Orientierungstag, bei dem die AGVU Arbeitsgemeinschaft Verpackungen und Umwelt und die IK Industrievereini­gung Kunststoffverpackungen mit Vertretern des BMU und Umweltpolitikern in Ber­lin diskutierten, wie der Einsatz von Rezyklaten zu steigern wäre, berichtet die Fach­presse.

Auf der Grundlage eines gemeinsamen Diskussionspapier diskutierten die Verbände mit Ministerium und den umweltpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen CDU, SPD, Bündnis90/Die Grünen und FDP Vor- und Nachteile verschiedener Steuerungsin­strumente zur Steigerung des Rezyklateinsatzes, wie im Newsroom Kunststoffverpackungen zu lesen ist. Quoten auf nationaler Ebene lehne die IK ab, ist in einem Kommentar von IK-Geschäftsführerin Isabell Schmidt zu lesen. Sie plädiere dafür, alternative gesetzliche Steuerungsinstrumente wie polymerspezifi­sche Substitutionsquoten genauer unter die Lupe zu nehmen. Diese könnten laut Schmidt einen effektiven Strukturwandel in der Rohstoffversorgung herbeiführen, ohne die Kräfte des Marktes lahmzulegen. Auch starke finanzielle Anreize im Rahmen der Erweiterten Produktverantwortung seien aus Sicht der IK ein wirksames Instru­ment, um die Nachfrage nach Rezyklaten zu stärken. Ebenso könnten öffentliche Be­schaffung und verlässliche Gütesiegel die Rezyklat-Nachfrage steigern. Verbindliche Rezyklat-Quoten für neue Kunststoffprodukte forderten laut Beitrag bei ZDFheute sowohl Umweltschutzverbände als auch BDE-Präsident Peter Kurth und Gunda Rachut, Chefin der Zentralen Stelle Verpackungsregister. Ein Anfang könne die Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes sein, die am 17. September im Bundestag beraten wird. Rezyklat-Quoten in neuen Kunststoffprodukten befürworte auch der im Bericht des ZDF zitierte NABU-Referent Michael Jedelhauser. Sie könnten für Stabilität sorgen und Recyclingunternehmen Investitionssicherheit bieten. Bezug nehmend auf die Ergebnis­se der aktuellen BKV-Studie „Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 2019“ berich­tet Euwid über die Absatzschwierigkeiten der Recycler, dass die Einsatzmenge von Re­zyklat zwar seit 2017 mit knapp 1,95 Millionen Tonnen um rund zehn Prozent zuge­nommen habe und der Anteil von Rezyklat in der Kunststoffproduktion in Deutschland von 12,3 auf 13,7 Prozent gestiegen sei. Doch werde infolge der Coronakrise zumindest für das laufende Jahr eine Trendumkehr und für 2020 ein insgesamt „sehr deutlicher Rückgang“ der Rezyklatproduktion erwartet. In dem Plus von zehn Prozent beim Rezy­klateinsatz seit 2017 sehe der BDE zwar eine Grundlage geschaffen, wie in Euwid an anderer Stelle zu lesen ist. Gleichwohl müsse der Anteil von derzeit 13,7 Prozent drin­gend weiter ausgebaut werden. Auch nach Ansicht des Entsorgerverbands komme der öffentlichen Beschaffung dabei eine Schlüsselrolle zu.

Quellen:

  • ZDFheute (10.9.2020)
  • newsroom.kunststoffverpackungen (11.9.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 38/2020 (15.9.2020)

04.09. - 10.09.2020

Stoffstrombild 2019: mehr Einsatz von Rezyklaten

Die Fachpresse berichtet über die Veröffentlichung des aktuellen Stoffstrombilds Kunststoffe in Deutschland. Das Ergebnis für das Jahr 2019 zeige, dass im Vergleich zu 2017 mehr Kunststoffrezyklate zum Einsatz gekommen seien. Allerdings müsse sich das Steigerungstempo erhöhen.

Nach 2017 wurden nun in der Studie Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 2019 zum zweiten Mal auch die Mengen der Erzeugung und Verarbeitung von Rezyklaten ermittelt. Demnach sei die Rezyklatmenge seit 2017 pro Jahr um fünf Prozent gestiegen. Im vergangenen Jahr seien 13,7 Prozent der Kunststoffverarbeitungsmenge durch Rezyklate gedeckt worden. Im Jahr 2017 waren es 12,3 Prozent. Infolgedessen sei die Einsatzmenge neuer Kunststoffe im selben Zeitraum um 2,5 Prozent zurückgegangen. Mit dem Einsatz von Rezyklaten trage die Wertschöpfungskette dazu bei, dass Ressourcen geschont und die Rohstoffversorgung in Zukunft gesichert sei. Allerdings müsse sich das Tempo beim Rezyklateinsatz erhöhen. Es gebe weiterhin viele Hürden, die das Recycling erschweren wie eine fortschreitende Deponierung kunststoffhaltiger Abfälle in einigen Teilen Europas, schwierige Marktbedingungen für Rezyklate und eine teilweise widersprüchliche Gesetzgebung beim Verbraucher- und Umweltschutz.

Für mehr Informationen zum Stoffstrombild s. unter „Neues Stoffstrombild für Deutschland“.

Zum Download der Kurzfassung und zur Bestellung der kostenpflichtigen Langfassung unter www.bkv-gmbh.de/infothek/studien.html

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, plasticker.de, 320grad.de (8.9.2020)
  • recyclingportal.eu (9.9.2020)
  • k-zeitung.de, plastverarbeiter.de (10.9.2020)
Zur Reduzierung von Kunststoffabfällen

In der Presse der zuende gehenden Woche fanden sich mehrere Berichte, die von gesetzlichen Initiativen und Forderungen handeln, die auf eine Reduzierung von Kunststoffabfällen abzielen. Dazu gab es auch einen Beitrag zu einer Studie, die davon ausgeht, dass das Wachstum des Kunststoffmarktes entgegen der Erwartung der Industrie weltweit in absehbarer Zeit einen Gipfel erreichen werde, wonach der Markt stagnieren werde. Im Folgenden geben wir einen Überblick über diese Beiträge.

Bildgewaltige Beispiele dafür, wie Plastikabfälle die marine Umwelt verheeren, seien in den Medien inzwischen fast schon ein eigenes Genre, schreibt etwa die FAZ in einem ausführlichen Beitrag zur Frage, ob etwa Biokunststoffe die Welt von der „Plastikflut“ retten könne. Im Ergebnis kommt die Zeitung zu dem Schluss, dass Biokunststoffe Teil einer Lösung sein könnten, zu der ein Bündel von Maßnahmen wie der Ausbau des Recyclings hinzukommen müsse. Die Frankfurter Rundschau berichtet in diesem Zusammenhang von einer neuen interaktiven Weltkarte der Umweltorganisation WWF, die deutlich mache, wo die Hotspots liegen: in Länder, in denen es keine oder nur eine ineffiziente Müllentsorgung gebe. Dort würden pro Jahr 1,2 bis 2,4 Millionen Tonnen Plastikmüll über Flüsse in die Ozeane gespült. Zwei Drittel davon gelangten über nur 20 große Flusssysteme in Asien, Afrika und Südamerika dorthin. Die Karte visualisiere laut WWF die aktuellsten Daten der Wissenschaft.

Über gesetzliche Initiativen in Nachbarländern Deutschlands berichten unter anderem Kunststoff Information und Euwid. So habe die Klimaschutzministerin in Österreich, Leonore Gewessler, einen 3-Punkte-Plan gegen „Plastikmüll“ vorgelegt. Demnach wolle sie eine schrittweise Erhöhung der Mehrwegquote, die am Ende ab 2030 bei mindestens 55 Prozent liegen solle, dann die Einführung einer Pfandpflicht auf Einweggetränkeverpackungen und drittens eine Abgabe in Höhe von durchschnittlich 80 Cent pro Kilogramm in Verkehr gebrachter Plastikverpackungen, die bei Produzenten und Importeuren von Kunststoffverpackungen erhoben werden solle. Recyclingfähigkeit könne die Abgabe mindern. Kritik an den Vorschlägen habe es bereits vom Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe gegeben, die darin eine „Dreifachbelastung der Wirtschaft“ sehe. Auch die „Plattform für Verpackung mit Zukunft“ sehe die Vorschläge kritisch, wie auch das Recyclingmagazin berichtet. So bestehe die Gefahr, dass Kunststoffe mit Materialien ersetzt würden, die größere Auswirkungen auf den Klimawandel hätten. In der Schweiz, so ein weiterer Beitrag in Kunststoff Information, fordere die Umweltkommission des Schweizer Nationalrats vom Bundesrat, bis 2025 eine Steuer auf Einweg-Kunststoffprodukte einzuführen, wenn deren Verpackung weniger als 25 Prozent Rezyklat enthalte. Damit wolle man Anreize für mehr Rezyklateinsatz schaffen.

Die taz berichtet über eine Studie aus England, die in der Erwartung der Industrie nach weiterem Wachstum des Kunststoffmarktes einen gewaltigen Irrtum erkenne, der die Investoren teuer zu stehen kommen werde. Wie die in London ansässigen Carbon Tracker, eine finanzpolitische Denkfabrik, und das Beratungsunternehmen SystemIQ für die Studie „Plastic Peak“ errechnet hätten, sei bereits für das Jahr 2027 der Peak erreicht, wonach der Verbrauch stagniere. Derzeit geplante Investitionen in petrochemische Anlagen in Höhe von fast 400 Milliarden Euro würden dann wertlos. Die Investitionen seien fast ausschließlich in den USA, China und den Golfstaaten vorgesehen, Europa sei ausnahmsweise mal fein raus, heiße es in der Studie.

Quellen:

  • taz (4.9.2020)
  • fr.de (7.9.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 37/2020, recyclingmagazin.de, KI (8.9.2020)
  • KI (9.9.2020)
Duale Systeme: Verpackungsrecycling wird teurer

Wie Euwid berichtet, dürfte das Verpackungsrecycling ab 2021 deutlich teurer werden. Die dualen Systeme rechnen für nächstes Jahr mit deutlichen Kostensteigerungen auch für Kunststoffverpackungen.

Für Leichtverpackungen (LVP) würden im Schnitt etwa für Kunststoffverpackungen Anhebungen um 18 bis 25 Prozent angegeben. Noch höhere Anhebungen seien für Papier, Pappe und Karton zu erwarten. Gründe dafür gebe es laut der Systembetreiber gleich mehrere: So seien die Kosten für die Sammlung von Leichtverpackungen gestiegen, in einem Drittel der Sammelgebiete habe der Wettbewerb im nächsten Jahr zu um 30 Prozent höheren Kosten geführt.

Auch Sortierung und Verwertung würden teurer. Neben deutlich höheren Verbrennungspreisen für Sortierreste sorgten auch die geringeren Wertstofferlöse für die Kostensteigerungen. Erlösfraktionen würden weniger, während für das Recycling von Teilfraktionen bis zu 300 Euro pro Tonne zugezahlt werden müsse. Ob die vor diesem Hintergrund zu erwartenden Lizenzentgelterhöhungen für nächstes Jahr am Markt durchzusetzen seien, müssten die nächsten Monate zeigen. Der Wettbewerb dürfte für die Systembetreiber noch härter werden, zumal mit der Eko-Punkt GmbH Deutschlands größter Entsorger Remondis in den Markt der dualen Systeme einsteige.

Quelle:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 37/2020 (8.9.2020)

28.08. - 03.09.2020

Neuer Mindeststandard für recyclinggerechte Verpackungen

Die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) hat im Einvernehmen mit dem Umweltbundesamt (UBA) einen neuen Mindeststandard veröffentlicht, mit dem die Recyclingfähigkeit von Verpackungen einfacher bemessen werden könne. In dem Zusammenhang weist die ZSVR auf einen Trend zu Verbundverpackungen aus Papier und Kunststoff hin, der zu Lasten des Recyclings gehe. Das greifen mehrere Printmedien in ihrer Berichterstattung auf, die Welt spricht gar von „Verpackungslüge“.

Die neue Ausgabe 2020 des Mindeststandards solle es einfacher machen, die Recyclingfähigkeit von Verpackungen zu bemessen. Dazu werde eine dreistufige Systematik genutzt, bei der geprüft werde, ob es eine Verwertungsstruktur gebe, die Verpackung zu sortieren und zu trennen sei, und ob es bei einer Verpackung Recyclingunverträglichkeiten gebe. Diese grundlegende Struktur habe sich in der Praxis bewährt. Gleichzeitig weise die ZSVR auf Tendenzen zu Verpackungen hin, die allenfalls teilweise zu recyceln seien. Im Zusammenhang mit der Plastikdebatte, der Single-use-Plastics-Richtlinie sowie der europäischen Plastiksteuer sei Abfallvermeidung und -verwertung in den Hintergrund getreten. Stattdessen nähmen in Folge der Kritik an Kunststoff faserbasierte Verpackungen mit Kunststoffanteilen am Markt rasant zu. Die Welt zitiert ZSVR-Vorstand Gunda Rachut mit der Kritik an Handelsunternehmen, die von Herstellern Verpackungen verlangten, die weder nach Plastik aussähen noch sich so anfühlten, aber aufgrund der geforderten Barriere- und Schutzeigenschaften eine Kunststoffbeschichtung benötigten. Allzu oft landeten diese Verpackung in der Verbrennung, was vor allem zu Zeiten des Lockdowns der Fall gewesen sein soll, wie es in der Branche heiße. Für ein Recycling dieser Papier-Kunststoff-Verbunde würden deutlich mehr Kapazitäten benötigt, die aber nicht absehbar seien. Eigentlich müssten Verbraucher diese Verpackungen im Gelben Sack und in der Gelben Tonne entsorgen, seien aber häufig mit der richtigen Trennung überfordert. Rachut fordere ein Umdenken beim Handel. Die Ökologie müsse in der Diskussion wieder die Oberhand gewinnen. Auch DSD-Chef Michael Wiener halte die Ökobilanz solcher Verpackungen laut Welt für „zumindest fragwürdig“.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, KI, neue-verpackung.de (1.9.2020)
  • recyclingportal.eu (2.9.2020)
  • Die Welt (3.9.2020)
Interpol-Bericht: deutlicher Anstieg illegaler Kunststoffabfall-Verbringung

Seit dem chinesischen Importverbot für Kunststoffabfälle habe die illegale Verbringung und Entsorgung von Kunststoffabfällen vor allem in Südostasien laut Interpol „alarmierend“ zugenommen, wie die Fachpresse berichtet. Zum Teil werde dort über 80 Prozent des Mülls nicht fachgerecht entsorgt. Kriminelle Netzwerke deckten die illegalen Operationen. Der WWF spreche von einer „regelrechten Müll-Mafia“, die sich in südostasiatischen Ländern gebildet habe.

Laut des Berichts der internationalen kriminalpolizeilichen Organisation Interpol würden seit 2018 etwa in Vietnam 88 Prozent des Mülls nicht fachgerecht entsorgt, in Indonesien seien es 83 Prozent. Vor 2018 gelangten noch 85 Prozent des Exports von Kunststoffabfällen aus Europa nach China. Seit dem chinesischen Importverbot gingen ein großer Teil der Mengen nach Südostasien, wo er vermehrt illegal verbrannt, in der Natur entsorgt oder nicht fachgerecht recycelt würde. Verbindungen aus kriminellen Netzwerken und legitimen Umweltschutzunternehmen sorgten für die Deckung der illegalen Operationen. Auch in Europa hätten Lieferungen von Kunststoffabfällen der grünen Liste wie auch illegale Verbringungen in einige Länder in Mittel- und Osteuropa zugenommen. Vor allem die Tschechische Republik und Rumänien seien laut des Berichts betroffen. Der WWF zeige sich entsetzt über den Report und fordere ein Exportstopp für verunreinigten Plastikmüll. Das Bundesumweltministerium weise darauf hin, dass man zwischen gut sortierten Kunststoffabfällen und verschmutzten und unsortierten Abfällen unterscheiden müsse. Ab dem 1.1.2021 gelte eine verschärfte Regelung des Basler Übereinkommens, nach dem vermischte Kunststoffabfälle nicht mehr frei gehandelt werden dürften. Dieses Abkommen werde derzeit von der EU-Kommission in eine bestehende EU-Verordnung eingearbeitet.

Quellen:

  • euwid-recycling.de, 320grad.de (27.8.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 36/2020 (1.9.2020)
  • KI (2.9.2020)
Allianz gegen Plastikmüll in der Umwelt

Laut eines Berichts in der Welt haben sich die größten Kunststoff-Konzerne der Welt zusammengetan, die mit einem Invest von 1,5 Milliarden Dollar in Projekte und Kooperationen die weitere Vermüllung der Meere und Landschaften bremsen wollen. Das Magazin UmweltDialog berichtet von einer Initiative von Mitgliedsunternehmen des Firmenkonsortiums „NextWave“, das sich zum Ziel gesetzt habe, ein globales Lieferkettennetzwerk für „ozeangebundenen“ Kunststoff zu etablieren.

Der Bericht der Welt zur „Allianz gegen Plastikmüll in der Umwelt“, der sich rund 50 internationale Chemiefirmen und Kunststoffanwender angeschlossen hätten, stützt sich vor allem auf den ersten Fortschrittsbericht der erst Anfang vergangenen Jahres gegründeten Allianz. Demnach unterstütze sie bereits 14 Projekte in Südostasien, Indien und Afrika zur Eindämmung der Vermüllung der Meere und Landschaften. Mitgliedsfirmen, zu denen BASF, Henkel und Covestro ebenso wie PepsiCo, ExxonMobil oder Shell zählten, hätten zusätzlich mehrere Dutzend Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 400 Millionen Dollar gestartet. Insgesamt sollen innerhalb von fünf Jahren 1,5 Milliarden Dollar investiert werden. Dabei gehe es stets darum, eine Infrastruktur für die Entsorgung zu schaffen, mit neuen Ansätzen zu einer Verringerung des Müllaufkommens beizutragen und gleichzeitig durch bessere Bildung und gesellschaftliches Engagement ein Bewusstsein für das Problem zu schaffen. Die Allianz gehe nicht davon aus, dass es künftig zu einer Verringerung der Kunststoffproduktion komme.

Das Magazin UmweltDialog berichtet über das Firmenkonsortium „NextWave“ das im Gegensatz zu Initiativen, die Kunststoffabfälle aus dem Meer fischen wollen, den Ansatz verfolge, den Plastikabfall erst gar nicht ins Meer gelangen zu lassen. Initiiert vom Technologieanbieter Dell und der NGO Lonely Whale verfolge das Konsortium das Ziel, ein globales Lieferkettennetzwerk für Kunststoffabfälle aufzubauen, die sich an Land etwa 50 Kilometer vor eine Wasserstraße oder einer Küste befänden. So habe sich das Gründungsmitglied Interface, ein Bodenbelagshersteller, gemeinsam mit weiteren Mitgliedsunternehmen verpflichtet, bis Ende 2025 mindestens 25.000 Tonnen Kunststoffabfälle daran zu hindern, im Meer zu landen. Zum Geschäftsmodell gehöre auch, die Bevölkerung in ärmeren Regionen zu unterstützen. So könnten beispielsweise Fischergemeinden ausrangierte Fischernetze einsammeln und verkaufen.

Quellen:

  • Die Welt, UmweltDialog (1.9.2020)

21.08. - 27.08.2020

Mengen und Kosten des Litterings

Städte und Kommunen müssen laut einer am 20. August gemeinsam vorgestellten Studie des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) und des Bundesumweltministerium (BMU) jährlich rund 700 Millionen Euro aufwenden, um öffentliche Räume von Zigarettenkippen, To-Go-Bechern und anderen Einwegkunststoffprodukten zu reinigen und die Abfallbehälter zu leeren. An diesen Kosten wollen VKU und BMU künftig die Hersteller solcher Produkte beteiligen. Doch die sehen die Verursacher der Kosten woanders.

Die FAZ nennt das den „Preis der Wegwerfgesellschaft“. VKU und BMU benennen die Beseitigungskosten allein für die Zigarettenkippen mit rund 225 Millionen Euro und für die To-Go-Becher mit 120 Millionen Euro pro Jahr. Der Anteil der Kunststoff-Einwegprodukte, die ab nächstem Sommer verboten sein werden, wird mit derzeit rund 20 Prozent Volumenanteil beziffert. Dass sich nach Vorstellung von VKU und BMU die Hersteller der weggeworfenen Produkte an den Reinigungskosten beteiligen sollen, wird von der Industrie scharf kritisiert. Die VKU-Studie, durchgeführt vom Infa Institut für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management in Ahlen, sei lediglich eine Momentaufnahme, die Veränderungen am Verpackungsmarkt nicht berücksichtige. Die Zigarettenindustrie, die eine eigene Studie angekündigt habe, bemängele, dass eine Kostenbeteiligung nichts am Fehlverhalten der Verbraucher ändere. Ähnlich argumentiert die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, die die Ziele zwar für richtig erachte, aber nicht die Mittel. Dagegen müsste das Littering stärker sanktioniert und gesellschaftlich geächtet werden, zitiert etwa die FAZ die IK. Außerdem kritisiere der Verband der Kunststoffverpackungshersteller, dass in den Kosten auch der Aufwand für die Leerung der Abfallbehälter enthalten sei. Von Sanktionsmaßnahmen in anderen Regionen der Erde berichtet die Welt. In New York etwa riskiere, wer Müll auf die Straße werfe, eine 500 Dollar-Geldstrafe, in Singapur gar 1.000 Singapur-Dollar, also etwa 614 Euro. Auch in Deutschland gebe es hier und da hohe Strafen, in Mannheim drohen Müllsündern 75 Euro pro Kippe und 250 Euro für einen Kaugummi. Der VKU bezweifle allerdings, dass hohe Geldstrafen eine abschreckende Wirkung hätten.

Quellen:

 

  • Die Welt, recyclingmagazin.de, plasticker.de, 320grad.de (20.8.2020)
  • FAZ, KI, k-zeitung.de (21.8.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 35/2020 (25.8.2020)
Menschheit lebt seit dem 22. August auf Pump

In diesem Jahr lag der sogenannte Earth Overshoot Day (Erdüberlastungs- oder auch Welterschöpfungstag genannt) drei Wochen später als im Vorjahr, wo er für den 29. Juli errechnet worden war. Grund für die Verschiebung sei der Coronavirus und nicht etwa ein grundsätzlich niedrigerer ökologischer Fußabdruck. Der BDE hat laut Presseberichten den Tag genutzt, um auf die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft für den Ressourcenschutz hinzuweisen.

Der diesjährige „Earth Overshoot Day“ fällt auf den 22. August. Die Corona-bedingten Einschränkungen hätten den Termin gegenüber dem Vorjahr um drei Wochen verschoben. Doch immer noch benötige die Weltbevölkerung 1,6 Erden zur Deckung ihres Ressourcenbedarfs, wie die Non-Profit-Organisation Global Footprint Network errechnet habe. Würden alle Menschen so leben wie in Deutschland, wäre bereits am 3. Mai „Earth Overshoot Day“ gewesen. Wären alle Menschen Amerikaner, wäre es der 14. März gewesen und im Falle der Luxemburger bereits der 16. Februar. Selbst in Entwicklungsländern hätten es viele nicht geschafft, mit den ihnen für ein Jahr zur Verfügung stehenden Ressourcen auszukommen. BDE-Chef Peter Kurth habe dies zum Anlass genommen, die Politik zu mahnen, mit gesetzlichen Regelungen wie etwa zu einem verpflichtenden Rezyklateinsatz dafür zu sorgen, dass Ressourcen nicht mehr verbraucht, sondern gebraucht und im Kreislauf gehalten würden.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, euwid-recycling.de (21.8.2020)
  • FAZ (22.8.2020)
  • recyclingportal.eu (24.8.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 35/2020 (25.8.2020)
Kunststoff wieder salonfähig!?

Corona habe Kunststoff als Schutz vor Kontamination wieder salonfähig gemacht, schreibt der Spiegel, der aber kritisiert, dass zu wenig recycelt würde.

Die Krise habe dem Kunststoff zu einem fragwürdigen Comeback verholfen, das Image habe sich gedreht. Nicht mehr Verschmutzer der Weltmeere, sondern adäquater Schutz gegen das Virus: Einwegprodukte seien mehr gefragt denn je. Das müsste Recycler eigentlich freuen, doch werde immer noch viel zu wenig recycelt und in den Kreislauf zurückgeführt, was vor allem am niedrigen Preis für Neuware liege. Eine Tonne recyceltes PET koste gut 900 Euro, die Neuware aus Öl lediglich 680 Euro. Eigentlich solle das Verpackungsgesetz für bessere Recyclingquoten sorgen, doch sehe es nicht danach aus, wenn nicht, wie der Vorstand der Zentralen Stelle mahne, der Rezyklateinsatz deutlich nach oben ginge, notfalls mit Unterstützung des Gesetzgebers. Dafür spreche sich neben der Deutschen Umwelthilfe auch der Grüne Punkt aus. Laut Spiegel könnten unter anderem die deutschen Discounter für mehr Fortschritte sorgen. So gelte Abfall für die Schwarz-Gruppe inzwischen als Schlüsselinvestment. Nach der Übernahme von Tönsmeier und des Recyclers Sky Plastic gelte das Ziel, Verpackungen der Eigenmarken bis zum Jahr 2025 maximal recyclingfähig zu gestalten. Allerdings standen während der Coronakrise nicht nur die beiden Recyclingstandorte der Schwarz-Gruppe still. Auch andernorts stauten sich die Kunststoffballen, deren Qualität dadurch nicht besser würde.

Quelle: Der Spiegel (22.8.2020)

14.08. - 20.08.2020

Weniger Verpackung

Verbraucher wünschten sich laut einer Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) weniger Verpackungsmaterial und mehr Transparenz über Zusammensetzung und Mengen anfallender Verpackungen, berichtet die Fachpresse. Über Erfahrungen mit Zero-Waste im Bad schreibt die Autorin eines Artikels in der FAZ und in der Welt am Sonntag (WamS) findet sich ein Bericht über das „Ende der Plastikflasche“.

In der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Studie des IÖW habe die Onlinebefragung von über 1.000 Personen ergeben, dass 99 Prozent meinten, bei vielen Produkten würde weniger Verpackungsmaterial ausreichen. Unver­packt-Lösungen hätten mit 97 Prozent ähnlich hohe Zustimmungswerte erhalten. 95 Prozent der Umfrageteilnehmer fänden, die Politik solle mehr positive Anreize schaf­fen, damit Unternehmen Verpackungsaufkommen reduzieren und fast genauso viele seien für die Sanktionierung von Unternehmen mit besonders hohem Verpackungsauf­kommen. Der Verzicht auf Verpackungen und damit „Plastik“ führe zu höheren Kosten und könne nur mit Zugang zu Unverpackt-Läden in erreichbarer Nähe gelingen, ist der Schluss einer Autorin, die über ihren Selbstversuch mit Zero-Waste im Badezimmer in einem Beitrag in der FAZ berichtet. Doch wolle sie so weiter machen und einige nicht in Plastik verpackte Produkte gebe es bereits in der Drogerie zu kaufen. Den Wasser­konzernen entziehe die Gesellschaft allmählich das Vertrauen, ist in einem Bericht der WamS über das „Ende der Plastikflasche“ zu lesen. Die Branche verteidige die Einweg­flaschen, bereite aber längste Alternativen vor, um Wasser aus der Leitung zum Ge­schäft zu machen. So habe der Getränkekonzern PesiCo Sodastream gekauft und Nestlé wolle ein Gerät auf den Markt bringen, mit dem Leitungswasser gereinigt, mineralisiert und mit Geschmacksstoffen angereichert werden könne. Solche Projekte könnten sich als Kern einer Zukunft des Wassergeschäfts ohne Plastikflaschen erweisen, ist in dem Bericht weiter zu lesen. Zwar sei Mineralwasser mit einem Verbrauch von 142,4 Litern pro Kopf 2019 in Deutschland das beliebteste Erfrischungsgetränk gewesen, doch wachse der Markt nicht mehr.

Quellen:

 

  • FAZ (14.8.2020)
  • WamS (16.8.2020)
  • recyclingmagazin.de (19.8.2020)
  • k-zeitung (20.8.2020)
Studie zur Zukunft der chemischen Industrie in Europa

Die Fachzeitschrift Chemie Technik berichtet in der aktuellen Ausgabe über eine Stu­die des Beratungsunternehmens Deloitte, in der vier Szenarien für die Entwicklung der Industrie bis zum Jahr 2040 skizziert werden. Je nach Einwirken der relevanten Treiber aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Technik könne das Spektrum reichen von einem Beibehalten des Status quo bis hin zu einer innovativen Industrie, die Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit setzen könne.

Die 100 zur Entwicklung der Szenarien aus Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und tech­nischer Entwicklung identifizierten und einbezogenen Treiber seien in der Studie hin­sichtlich ihrer vermuteten Relevanz im Jahr 2040 entlang der Achsen „Wertschöpfung in einer Kreislaufwirtschaft“ sowie „Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Chemie­industrie“ eingeschätzt worden. Nachhaltigkeit werde, so die Autoren, eine noch viel größere Rolle spielen als heute. Europa werde Technologieführer bleiben, aber zuneh­mend unter Druck geraten. Das Wachstum, so die Prognose, werde schwach bleiben und die Unternehmen müssten sich mit strengeren Umweltregeln auseinandersetzen. Im ersten Szenario übernehme die Chemieindustrie eine tragende Rolle in einer nach­haltigen, kollaborativen Welt. Bei offenen Märkten verlangten die Kunden immer mehr Produkte, die dem Umweltgedanken gerecht werden. Im zweiten Szenario stehe die europäische Chemiebranche kollektiv unter Regulierungsdruck und öffentlicher Beo­bachtung. Dann müssten die Unternehmen sich verändern und Kosten sparen. So be­stehe die Gefahr einer ungewollten und radikalen Konsolidierung. Die dritte mögliche Entwicklung führe zu einem Szenario mit starkem Euro-Protektionismus, wenig Inno­vationskraft und einem gesellschaftlichen Rückschritt hinsichtlich Nachhaltigkeit. Im vierten und letzten Szenario gelinge die profitable Wertschöpfung in der Kreislaufwirt­schaft. Eine in Umweltfragen hoch sensibilisierte Öffentlichkeit führe dann in der Bran­che zu gezielten Innovationen und Kollaborationen.

Weitere Information: Download der Studie (in Englisch)

Quellen:

  • Chemie Technik (18.8.2020)
  • www2.deloitte.com
Rezyklat-Nachfrage deutlich eingebrochen

Die Fachpresse berichtet über die Ergebnisse einer Blitzumfrage unter den Mitgliedsun­ternehmen des BDE, wonach die Nachfrage nach Kunststoffrezyklaten im Zuge der Corona-Krise bei allen Kunststoffarten im Schnitt um 41 Prozent nachgelassen habe. Der VDMA-Fachverband Abfall- und Recyclingtechnik fordere in einem grade veröffentlichten Diskussionspapier den Ausbau des Kunst­stoffrecyclings für eine zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft.

Anders als die Mitglieder der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, die laut Umfrage in der vergangenen Woche (s. 1. Bericht in der Presseschau vom 7. bis 13. August 2020) nur geringe Rückgänge meldeten, beklagten die im BDE Bundesverband der deutschen Wasser-, Entsorgungs- und Rohstoffwirtschaft organisierten Unternehmen laut Pres­seberichten flächendeckend drastische Einbrüche des Rezyklat-Absatzes. Als Ursache gäben die Unternehmen die aktuell niedrigen Preise für Primärkunststoffe und Rohöl an. Hinzu komme ein konjunkturbedingter Nachfragerückgang. Zwischen 15 bis zu 90 Prozent habe die Nachfrage in einzelnen Bereichen nachgelassen. Mit einem Absatz­rückgang von rund 53 Prozent sei PVC die am stärksten betroffene Kunststoffart, ge­folgt von PET mit -45 Prozent, Folien mit -41 Prozent, Mischkunststoffe und MPO-Frak­tionen mit -38 Prozent und PE/PP mit -30 Prozent. Im Segment Fahrzeugbau und Elek­tronik sei mit 60 bis zu 80 Prozent der größte Einbruch zu verzeichnen.
Mit dem Diskussionspapier „Dauerhafter Markt für Rezyklate – Kreislaufwirtschaft mit Zukunft“, spreche sich der VDMA Maschinen- und Anlagenbau für einen „ordentlichen Umgang und ein stärkeres Recycling von Kunststoffen“ aus, berichtet das Recyclingma­gazin. Es sollten politische Signale und Diskussionen angestoßen werden, wie über die Verteuerung von Neukunststoffen und den verpflichtenden Einsatz von Rezyklaten. Nicht Kunststoffe, die in der öffentlichen Meinung zu Unrecht einen schlechten Ruf hätten, seien das Problem, sondern der Umgang mit diesen Ressourcen. Kunststoffe könnten, richtig eingesetzt, recycelt und wiederverwendet, einen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten, wird der VDMA-Fachverband Abfall- und Recyclingtechnik im Bericht zitiert.

Quellen:

  • Euwid 34/2020, 320grad.de, recyclingmagazin.de, recyclingportal.de (18.8.2020)

07.08. - 13.08.2020

EU-Kunststoffabgabe gefährdet Kreislaufwirtschaft

Im Interview mit Euwid warnt Hauptgeschäftsführer der IK Industrievereinigung Kunst­stoffverpackungen Dr. Martin Engelmann vor den Gefahren der „Plastik-Steuer“ für Markt, Investitionen und das Recycling. Die Kunststoffindustrie verzeichne derzeit dras­tische Einbrüche aufgrund der Corona-Krise, berichtet die Fachpresse. Mit am heftigsten betroffen sei das Kunststoffrecycling, vor allem durch die günstigen Preise für Neuware.

Die von der Europäischen Kommission ab 2021 geplante Abgabe von 80 Cent je Kilo­gramm nicht recycelter Kunststoffverpackung stelle nach Engelmanns Einschätzung keinen Anreiz für mehr Recycling dar, sie entziehe den Mitgliedstaaten dringend benö­tigte Investitionsmittel für eine bessere Sortier- und Recycling-Infrastruktur sowie die wirtschaftliche Erholung von der Corona-Krise. In manchen Mitgliedsstaaten werde die Abgabe zu höheren Belastungen der heimischen Industrien führen mit Folgen für den EU-Binnenmarkt, denn es sei zu erwarten, dass manche Mitgliedstaaten zur Gegenfi­nanzierung die Mehrkosten auf die Industrie des Landes abwälzten. Durch die Gefahr unkalkulierbarer Kostensteigerungen beraube man die Unternehmen jeder Planungs­sicherheit. Die Verpackungsindustrie erwartete daher von der Politik ein schnelles Sig­nal, dass die EU-Plastik-Steuer zu keiner Belastung von Unternehmen und Verbrau­chern führe. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass die Einnahmen aus der Plas­tik-Steuer für Investitionen in eine bessere Kreislaufwirtschaft genutzt würden. Rechts- und Planungssicherheit sei auch der Schlüssel zum Erreichen der Ziele der Industrie, den Anteil von recyclingfähigen Haushaltsverpackungen von 75 Prozent auf minde­stens 90 Prozent bis 2025 und den Einsatz von Rezyklaten in Kunststoffverpackungen auf eine Million Tonnen zu steigern. Zu diesen Zielen, so Engelmann, stehe die Branche auch in der Corona-Krise. Das Recycling von Kunststoffverpackungen könne besser durch eine Deponie- als durch die geplante Kunststoff-Abgabe gefördert werden.

Wie die Fachpresse berichtet, zeigen die Ergebnisse der aktuellen Konjunktur-Umfrage des Branchendienstes KI, dass die Unternehmen der Kunststoffindustrie im ersten Halbjahr 2020 einen drastischen Einbruch der Geschäftsentwicklung erlebten. 71 Prozent der befragten 512 Teilnehmer verzeichneten schlechtere Geschäfte als im zweiten Halbjahr 2019, 15 Prozent meldeten eine positive Entwicklung. Am heftigsten habe es neben dem Maschinenbau das Kunststoffrecycling getroffen. Die Lage der Recycler sei mehr als alarmierend. Sie litten stark unter den günstigen Preisen für Neuware. Recycling­material bleibe aber trotz Corona gefragt, wie aus weiteren Berichten der Fachpresse über die Ergebnisse einer Blitzumfrage der IK hervorgeht. Knapp zwei Drittel der be­fragten Kunststoffverpackungshersteller gäben an, dass der Verbrauch an Rezyklaten nahezu unverändert sei. Bei den übrigen Unternehmen liege der Nachfrage-Rückgang zwischen zehn und 50 Prozent. Die gegenwärtige Schwäche des Recyclingmarkts sehe der Verband mit Sorge und fordere, dass die Nachfrage nach Produkten mit Rezyklaten durch die öffentliche Beschaffung und preisliche Anreize für ihre Verwendung gestärkt werde.

Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 33/2020 (11.8.2020)
  • chemie.de, KI, neue-verpackung.de (10.8.2020)
  • recyclingmagazin.de, umweltwirtschaft.com (7.8.2020)
  • KI (31.7.2020)
Nachhaltige Möbel aus Recyclingkunststoff

Der Trend zur Nachhaltigkeit habe mittlerweile auch die Möbelindustrie erreicht, in der immer mehr namhafte Hersteller und Designer mit Sitzmöbeln aus recycelten Kunststoffen in Serie gingen, berichtet die FAZ. Das sei in der Branche nicht unum­stritten. Manche forderten einen „systemischen Wandel“ hin zu alternativen, bio­logisch abbaubaren Materialien, andere lobten die großen Vorteile des Werkstoffs.

Stühle aus wiederverwertetem Kunststoff hätten etwa die italienischen Marken Magis und Kartell neu im Programm. Der Bell-Chair, ein Monobloc-Stuhl von Magis aus 100 Prozent recyceltem Polypropylen aus den Abfällen der Magis-Produktion könne selbst komplett recycelt werden. Der Schweizer Hersteller Vitra bringe eine Version aus Re­cyclingplastik eines Kufenstuhls auf den Markt, der aus aufbereiteten Inhalten des Gel­ben Sacks hergestellt werde. Und die Berliner Indie-Marke „Objekte unserer Tage“ (OUT) wolle im Herbst einen Stuhl ganz aus einem Material anbieten, den X-Chair, der aus recyceltem Polypropylen bestehe und ebenfalls recycelt werden könne. Ausgedien­te Exemplare des X-Chair nehme OUT zurück, lasse sie zu Granulat zerkleinern und wie­der zu neuen Stühlen verarbeiten. Hermann August Weizenegger, der für OUT den X-Chair entworfen habe, halte die Industrie für gut beraten, wenn sie ökoeffiziente, recy­celbare und nachhaltige Materialien im Fokus habe. Kunststoffe hätten große Vorteile gegenüber anderen Werkstoffen. Sie seien einfach herzustellen und brächten Eigen­schaften mit, die man sonst mit viel komplexeren Materialien realisieren müsste, wird der Fachmann für nachhaltige Materialien und Inhaber der Material­- und Technologie­agentur Haute Innovation in Berlin, Sascha Peters, in dem Bericht zitiert. Um den Mate­rialkreislauf wirklich zu schließen, müssten die Sitzmöbel, wie bei OUT geplant, am En­de ihres Lebenszyklus zum Hersteller zurück. Peters spreche sich dafür aus, dass sich mehrere Unternehmen zusammentun und eine Rücknahmegesellschaft gründeten. Von der könnten sie dann auch ihre Rohstoffe beziehen.

Quelle: FAZ (9.8.2020)

Kunststoffrecycling in Indien

Laut den Zahlen, die in der Reportage der TAZ mit dem Titel „Ein Land räumt auf“ genannt werden, gelangten im Jahr 2018, bevor der Import verboten wurde, 160.000 Tonnen Kunststoffabfälle aus der EU nach Indien. Seit September 2019 gebe es das Einfuhrverbot, auch weil die Recyclingkapazitäten des Landes nicht einmal für die eigenen Abfälle reichten. Zu deren Reduzierung sei auch ein Verbot von Einweg­kunststoffprodukten ab 2022 geplant.

Das Importverbot im Jahr 2019 habe auch sauberes postindustrielles Material betroffen. Importeure und Recycler, die in der Reportage porträtiert werden, beklagten das Einfuhrverbot, sie hätten vor des­sen Einführung im September 2019 gute Geschäfte gemacht, auch mit deutschen Kunststoffabfällen. Deutschland habe noch im Jahr 2018 knapp 70.000 Tonnen überwiegend postindustrielle Kunst­stoffabfälle nach Indien geschickt. Durch das Verbot seien Importe aus Deutschland auf 41.000 Tonnen zurückgegangen. Mitarbeiter aus diesen Recyclingbetrieben hätten entlassen werden müssen. Manche Recycler hätten nun auf lokales Material um­gestellt, dessen Qualität aber schlechter sei als die der bisherigen Einfuhren. Allerdings sei seit Mitte Oktober 2019 die Nachfrage nach Regranulat im Land gesunken, weil Verarbeiter we­niger Rohmaterial einkauften, was zur Schließung von 10.000 Anlagen geführt habe. Laut Um­weltministerium würden in Indien 60 Prozent aller Kunststoffabfälle gesammelt, ist in dem Bericht weiter zu lesen. Die Sammlung sei wenig organisiert, vieles würde in Slums und unter prekären Bedingungen von Hand sortiert. Für 2022 habe der Premier Narendra Modi ein Verbot von Einwegkunststoffprodukten angekündigt. Dieses war bereits 2019 erwartet worden, doch habe man aus Angst vor Arbeitsplatzverlusten davon abgesehen. Einige Bundesstaaten hätten eigene Regelungen getroffen. Ob es tatsächlich zu einem bundesweiten Verbot kommen werde, sehen die Recycler eher skeptisch.

Quelle: TAZ (12.8.2020)

31.07. - 06.08.2020

Transformation Kreislaufwirtschaft

Die Stiftung des Weltwirtschaftsforums WEF fordere in einer Studie über die Zukunft von Umwelt und Wirtschaft die Schaffung robuster Recyclingmärkte durch langfristige Regulierungs- und Finanzierungssysteme, berichtet Euwid. Eine Stärkung des Recyclings sehe auch die umweltpolitische Sprecherin der CDU als wichtigen Punkt für den weiteren Ausbau der Kreislaufwirtschaft, wie in einem Gastkommentar in der Welt zu lesen ist. Was man nach Ansicht von VDM und BDE besser machen könnte, gibt ein Bericht des Recyclingmagazins wieder.

Die WEF habe in der Mitte Juli veröffentlichten Studie mit dem Titel „The Future Of Nature And Business“ den Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eindringlich geraten, die Bewältigung der Coronakrise zu einer umfassenden Transformation der globalen Wirtschaft zu nutzen. Eines der insgesamt 15 Transformationsfelder ist die Kreislaufwirtschaft. Als Beispiel für die Ineffizienz des derzeitigen Systems der Rohstoffversorgung führe die Studie Zahlen zum Kunststoffrecycling an. Nur 14 Prozent der Verpackungsabfälle würden weltweit gesammelt, Europa recycle 30 Prozent seiner Kunststoffe, die USA neun Prozent, China 25 Prozent. Derzeit gingen der Wirtschaft jährlich Kunststoffverpackungsmaterial im Wert von bis zu 120 Milliarden US-Dollar verloren, werden die Autoren der WEF-Studie bei Euwid zitiert. Das WEF weise auf den derzeit niedrigen Ölpreis und die aktuelle Krise des Kunststoffrecyclings hin. Es müsse ein Kreislaufwirtschaftssystem geschaffen werden, das robust gegenüber den Schwankungen der Primärrohstoffpreise sei. Das erfordere starke langfristige Regulierungs- und Finanzierungsmechanismen wie unter anderem Systeme zur erweiterten Herstellerverantwortung, die ein umweltfreundliches Produktdesign fördern sollten. Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten sei man in Deutschland im Bereich der Kreislaufwirtschaft sehr weit, ist in einem Gastkommentar der umweltpolitischen Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Inga Haar in der Welt zu lesen. Zur Weiterentwicklung führt sie unter anderem die Ansatzpunkte Produktpolitik und Stärkung des stofflichen Recyclings an. Hierzu müssten Zielkonflikte bei der Gestaltung des rechtlichen Rahmens gelöst und der wachsende Wettbewerbsnachteil von Rezyklaten durch kurzfristig zu realisierende Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Beschaffung angegangen werden. Eine Möglichkeit, die Wettbewerbsnachteile für Recyclingrohstoffe zukünftig minimieren könne, sehen zwei Verbandsmitarbeiter vom VDM und BDE in der Einführung eines Erneuerbaren-Rohstoff-Gesetzes, wie in einem Beitrag im Recyclingmagazin zu lesen ist. Weiterhin hielten die Autoren für die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft in Deutschland bis 2030 die Gründung eines Bundesministeriums für Kreislaufwirtschaft für wünschenswert und auch erwartbar. Es sei längst Konsens, dass Ökonomie und Ökologie zusammengedacht werden müssten. Ein Verbändenetzwerk Kreislaufwirtschaft solle bis dahin ebenfalls entstehen, um für gemeinsame Ziele Kapazitäten und Ressourcen zu bündeln und stärkere Allianzen zu bilden.

Quellen:

 

  • Euwid Recycling und Entsorgung 32/2020 (4.8.2020)
  • Welt (31.7.2020)
  • Recyclingmagazin 7/2020 (29.7.2020)
Chancen und Risiken des chemischen Recyclings

Unter der Überschrift „Da stimmt die Chemie nicht“ betrachtet das Recyclingmagazin in seinem Titelbericht die divergierenden Einschätzungen der Möglichkeiten und Grenzen chemischer Recyclingverfahren, die von „keine nachhaltige Alternative“ bis zur Forderung der schnellen Anerkennung als Recyclingverfahren reichten. Die FAZ berichtet über Forschungen der Unis Cambridge und Berkeley, wo man versuche dem wachsenden Kunststoffabfall bereits im Labor zu begegnen und „smartes Plastik“ entwickele, das sich wie „Lego“ zusammen- und auseinanderbauen lasse.

Der ausführliche Bericht des Recyclingmagazins beschreibt zunächst die Einordnung chemischer Recyclingverfahren, wie sie das globale NGO-Netzwerk GAIA in einem im Mai veröffentlichten Report zum Thema skizziert habe. GAIA unterscheide zwei Verfahrenskategorien: die Thermolyse und lösungsmittelbasierte Prozesse. Bei der Thermolyse seien nach Ansicht der Autoren relevant nur die Pyrolyse und die Vergasung, auch als Depolymerisation bekannt. Diese dienten dazu, die Polymere in kleinere Fragmente zu zerlegen. Sie eigneten sich jedoch laut GAIA nicht dazu, Bausteine für neue Kunststoffprodukte zu gewinnen. Lösungsmittelbasierte Verfahren, bei denen Kunststoffabfälle aufgelöst oder verflüssigt würden, die Polymerketten aber intakt blieben, halte die GAIA nicht für zirkulär, da das Material nicht beliebig zurückgewonnen werden könne. Außerdem könnten im Prozess toxische Substanzen entstehen. Insgesamt schätze die GAIA das chemische Recycling als keine nachhaltige Lösung oder Antwort auf die Plastikmüllberge ein. Hier herrsche laut GAIA ein „blinder Optimismus“. Auf die Statements der GAIA, berichtet das Recyclingmagazin weiter, habe die DGAW Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft mit einem eigenen Bericht geantwortet. Sie stimme zwar mit GAIA überein, dass viele Verfahren noch nicht marktreif seien. Sie seien aber zum Teil bereits weit über den Labormaßstab hinaus, manche bis zum halbindustriellen Maßstab entwickelt. Ökobilanzielle Vergleiche für die generell sehr energieintensiven Verfahren halte die DGAW wie die GAIA ebenfalls für dringend notwendig. Doch höhere Recyclingquoten ließen sich nur realisieren, wenn das stoffliche Recycling durch andere Verfahren ergänzt werde. Würde das chemische Recycling auch gesetzlich als Recycling anerkannt, liege dessen Potenzial laut DGAW bei 438.000 Tonnen pro Jahr.

Bis sie nicht mehr gebraucht würden, seien Kunststoffe ideale Werkstoffe, ist in einem Beitrag der FAZ über Forschungserfolge an den amerikanischen Universitäten in Cambridge (MIT) und Berkeley (Lawrence Laboratory) zu lesen. Diese hätten durch Produktmodifikationen und die Nutzung von Säure Fortschritte beim lösungsmittelbasierten Recycling von als schwer zu recycelnd geltenden Duroplasten gemacht. Duroplaste würden für Produkte wie Fahrzeug- und Flugzeugteile, für Bremsbeläge, Autoreifen, Bauhelme oder Gehäuse elektronischer Geräte genutzt und machten rund 20 Prozent des produzierten Plastiks aus. Am MIT sei es nun gelungen den Werkstoff Metton, der für viele Karosseriebauteile verwendet werde, durch die Zugabe von Molekülen aus Silizium, Sauerstoff und Kohlenstoff (Silylether) so zu modifizieren, dass er sich in einem Lösungsmittel auflösen und sich das gewonnene Pulver zur Herstellung neuer Metton-Produkte wiederverwenden lasse. Und die Berkeley-Forscher hätten eine Klasse neuartiger Duroplaste, sogenanntes Polydiketoenamin, entwickelt, die wie „Lego“ durch Zugabe von Säure in ihre molekularen Bestandteile zerlegt und daraus wieder zusammengebaut werden könnten.

Quellen:

 

  • Recyclingmagazin 7/2020 (29.7.2020)
  • FAZ (5.8.2020)
Österreichs Zehn-Punkte-Plan

Das Recyclingportal berichtet über einen Zehn-Punkte-Plan mit einem ganzheitlichen Konzept zur Umsetzung einer „alltagstauglichen“ Kreislaufwirtschaft, den Österreichs Wirtschaftskammer (WKÖ) kürzlich vorgelegt habe, um die ehrgeizigen EU-Recyclingziele erreichen zu können.

Das Modell beziehe, wie das Recyclingportal berichtet, Betriebe, Haushalte und den Außer-Haus-Konsum mit ein und setze an drei Hebeln an: Erfassung von Wertstoffen, Sortierung und Bewusstseinsbildung zur Vermeidung von Littering. Einer der Eckpunkte des Plans sei die landesweit einheitliche Abfall-Sammlung direkt in den Haushalten im Gelben Sack oder in der Gelben Tonne verbunden mit einem Ausbau des Holsystems. Für den Freizeitkonsum außer Haus sehe der Plan die Aufstellung von „smarten“ Behältern für die einzelnen Wertstoffe an öffentlichen Plätzen in benötigter Anzahl vor. Aufklärungs- und Informationsmaßnahmen in Verbindung mit Abgabemöglichkeiten in zumutbarer Entfernung sollen das Littering ausschalten. Gesetzliche Vorschriften sollen recyclingfreundlicher gestaltet werden, um Verwertungspfade zu öffnen. Ökologisches Verpackungsdesign müsse weiter optimiert werden. Das Sammel- und Verwertungssystem Altstoff Recycling Austria (ARA) halte, wie aus einem weiteren Bericht des Recyclingportals hervorgeht, den Plan der Wirtschaftskammer für einen „großen Schritt in die richtige Richtung“ und eine „Jahrhundertchance, Vorbild für ganz Europa in Sachen Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung zu werden“.

Quellen: recyclingportal.eu (3.8.2020, 30.7.2020)

24.07. - 30.07.2020

Zu viele Rohstoffe im Restmüll

Zahlreiche Fach- wie Massenmedien berichten über eine neue Studie des Umweltbundes­amtes (UBA) zur Zusammensetzung des Restmülls. Eine ähnliche Analyse war zuletzt im Jahr 1985 durchgeführt worden. Zentrale Botschaften: Positiv sei, dass die Deutschen gegenüber vor 35 Jahren nur noch etwa die Hälfte im Restmüll entsorgen, weniger positiv, dass immer noch zu viele Wertstoffe darunter seien. Nur etwa ein Drittel gehöre tatsächlich dort hinein.

Ergebnis der aktuellen UBA-Studie sei, dass heute weit mehr Wertstoffe wie Glas, Papier und Plastik getrennt gesammelt würden. Insgesamt fielen im Jahr 2018 in Deutschland 128 Kilogramm Restmüll pro Einwohner und Jahr an, 46 Prozent weniger als vor 35 Jahren. Allerdings gebe es Unterschiede zwischen ländlichen, kleinstädtischen und städtischen Regionen: In Kleinstädten und Vororten sei die Hausmüllmenge mit 110,5 Kilogramm pro Einwohner und Jahr am geringsten, auf dem Land betrage sie 124,5 Kilogramm und in der Stadt 151,1 Kilogramm. Im Vergleich zu 1985 landeten 80 Prozent weniger Wertstoffe im Restmüll, doch laut UBA immer noch zu viel. Den größten Anteil machten dabei Bioabfälle mit rund 39 Prozent aus, was einem Drittel aller Bioabfälle entspreche. Die trockenen Wertstoffe, zu denen Kunststoffe zählen, beliefen sich auf rund 27 Prozent. Kunststoffe machten dabei mit sieben Prozent den größten Anteil aus und belaufen sich laut Euwid jährlich auf rund 700.000 Tonnen, die über den Hausmüll entsorgt würden. Letztlich gehöre nur etwa ein Drittel dessen, was in der Restmülltonne lande, dort auch wirklich hinein. Laut Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth müsse das Ziel sein, alles, was sich recyceln lasse, auch zu recyceln: „Wir trennen gut, aber eben nicht sehr gut“, so sein Fazit.

Quellen:

  • FAZ.net, spiegel.de, fr.de, tagesschau.de, rtl.de, recyclingportal.eu, augsburger-allgemeine.de, euwid-recycling.de (28.7.2020)
  • recyclingmagazin.de, Süddeutsche Zeitung, Die Welt, FAZ, badische-zeitung.de (29.7.2020)
Zentrale Stelle sieht Handlungsbedarf

Die Zentrale Stelle Verpackungsregister schlage angesichts der desaströsen Lage auf dem Recyclingmarkt Alarm, heißt es in Berichten der Fachpresse. Die im Ver­packungsgesetz vorgegebenen Recyclingquoten  seien nicht einzuhalten, wenn Hersteller und Abfüller den Rezyklateinsatz bei Kunststoffver­packungen nicht deutlich steigern würden.

Die Abfall- und Recyclingwirtschaft stecke derzeit in einer „Dreifachzange“ aus Absatzeinbruch, fehlendem Grundmaterial und niedrigen Primärwarenpreisen. Die Preisdifferenz zwischen Neuware und Rezyklaten werde immer größer. Die daraus resultierende aktuell geringe Nachfrage nach Rezyklaten führe bei mehreren Recyclingunternehmen zur Existenzfrage. Seit mehreren Jahren befinde sich die Recyclingbranche in einer angespannten Situation, da Recyclingware aufgrund der Aufbereitungsschritte teurer sei. Die Corona-Pandemie habe die Lage dramatisch verschärft. Vor diesem Hintergrund könnten die Ziele des Verpackungsgesetzes nicht eingehalten werden. Laut Euwid müssten ausgehend von einer Lizenzmenge um 1,1 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen die Systembetreiber rund 640.000 Tonnen Kunststoffe aus der Sortierung zum Recycling bringen, um die 58,5 Prozent Recycling­quote zu erfüllen. Das wären laut Euwid 200.000 Tonnen mehr als noch im Jahr 2018. Dazu müssten laut Zentraler Stelle alle Akteure des Wertstoffkreislaufes enger zusam­menarbeiten. Vor allem seien die verantwortlichen Hersteller und Abfüller gefordert, den Rezyklateinsatz deutlich zu steigern. Gegebenenfalls müsse der Gesetzgeber sie dazu zwingen. Vielen Herstellern scheine die Brisanz der Situation nicht bewusst zu sein, wird Gunda Rachut, Vorstand der Zentralen Stelle, zitiert. „Wenn Kreisläufe nicht stattfinden, riskieren Unternehmen gesetzliche Vorschriften von Abgaben bis zu Produktverboten“, mahne Rachut.

Quellen:

 

  • Kunststoff Information, recyclingmagazin.de (24.7.2020)
  • wiwo.de (25.7.2020)
  • zfk.de (27.7.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 31/2020 (28.7.2020)
Roadmap zur Reduktion des Kunststoffabfalleintrags in die Weltmeere

In Zusammenarbeit mit einem internationalen Forschungsteam habe die US-amerikanische Pew-Stiftung und der ThinkTank Systemiq mit einer neuen Studie gezeigt, wie die „globale Plastikflut“ eingedämmt werden könne. Bis zum Jahr 2040 könnte die Verschmutzung der Weltmeere mit Kunststoffabfällen mit den vorgeschlagenen Maßnahmen um 78 Prozent verringert werden.

Das Team rechne mit 710 Millionen Tonnen Kunststoff, die bis zum Jahr 2040 in die Umwelt gelangen. Über Computersimulationen berechneten die Forscher fünf Szenarien, wie sich die weltweite Menge an Kunststoffabfällen entwickeln könnte. Dabei betrachtete sie die Maßnahmen Einsammeln und Entsorgen, Recycling und Verringerung der Kunststoffmenge sowie einen umfassenden Systemwechsel durch Anwendung aller dieser Maßnahmen. Der „System Change“ könnte schließlich den Kunststoffmüll bis 2040 demnach um 78 Prozent verringern. Im Bericht zur Studie würden die empfohlenen Maßnahmen genannt. Dazu gehören die Reduktion der Kunststoffproduktion und Ersatz durch andere Materialien, die Produktion wiederverwendbarerer Produkte und Verpackungen, die Ausweitung der Sammlung in Ländern mit mittleren und niedrigem Einkommen, Einrichtungen zur Entsorgung von Kunststoffen, die nicht wirtschaftlich zu recyceln seien, und schließlich die Reduktion des Exports von Plastikmüll.


Quellen:

  • tagesspiegel.de (23.7.2020)
  • merkur.de (24.7.2020)
  • fr.de (26.7.2020)
  • recyclingportal.eu (28.7.2020)
Einwegplastik und seine Alternativen

In der Zeit findet sich ein Beitrag zum Thema Einwegplastik. Das Verbot bestimmter Einwegkunststoffprodukte vom 3. Juli 2021 an könnte das Ende einer Ära bedeuten, die in den 50er Jahren begonnen hatte. Doch das Verbot schone nicht unbedingt die Umwelt, heißt es unter Berufung auf Experten.

Der Boom für Einwegkunststoffe der vergangenen Monate in Folge der Corona-Pandemie könnte bald ein Ende haben, spätestens wenn das EU-weite Verbot für Produkte wie Geschirr und Besteck, Trinkhalme und Rührstäbchen etc. greife. Sol­che Produkte aus Kunststoff seien Teil der Wegwerfmentalität, die zum Problem der Ökosysteme geworden sei. Das Verbot betreffe nun neun von zehn Einweg-Kunststoff­produkten, die an europäischen Stränden zu finden seien. Allerdings betreffe das Ver­bot nur solche Kunststoffprodukte, die ersetzbar, also aus anderen Materialien her­stellbar seien. Doch wie sieht es mit deren Umweltverträglichkeit aus, wenn etwa Ein­wegprodukte aus Holz oder Bambus aus China kämen. Transport und Entsorgung hät­ten die im Auftrag der EU vorgenommenen Ökobilanzen nicht berücksichtigt. Der ent­scheidende Vorteil plastikfreier Produkte zeige sich, wenn sie in der Umwelt landeten und biologisch abbaubar seien. Das sei aber nicht der Fall, wenn Pappteller oder Becher einen Kunststoffüberzug und Holzprodukte einen Lack aufwiesen. Solche Pro­dukte könne man nur noch verbrennen. Für einen der befragten Experten, Professor Michael Braungart, zähle nur der Kreislaufgedanke. Einwegprodukte sollten mit Pfand statt mit Verboten belegt werden. Wenn Plastik vollständig wiederverwendet würde, dann wäre Kunststoff jedem anderen Naturmaterial für Produkte wie Einwegbestecke absolut überlegen, ist sich der Chemiker sicher.

Quelle: Die Zeit (30.7.2020)

17.07. - 23.07.2020

EU-Staaten beschließen Kunststoffsteuer

Die seit längerem diskutierte Abgabe auf nicht recycelte Verpackungsabfälle ist nun be­schlossene Sache, wie Medienberichten über die Ergebnisse des EU-Gipfeltreffens zu ent­nehmen ist. Als Teil des milliardenschweren EU-Finanzpakets, über das in Brüssel verhan­delt wurde, soll die Steuer in Höhe von 800 Euro pro Tonne helfen, die Kosten der wirt­schaftlichen Erholung nach der Corona-Krise zu decken.

Die deutsche Wirtschaft hatte bereits vor Gipfelbeginn heftige Kritik geäußert, berichtet etwa die Süddeutsche Zeitung (SZ) und zitiert BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang, der die Abgabe als „Gift für Wohlstand und Beschäftigung“ bezeichnet habe. Für Umweltmini­sterin Svenja Schulze (SPD), die offen für eine Kunststoffsteuer sei, komme es auf deren Ausgestaltung an. Entscheidend sei für sie, dass die Steuer am Ende zu deutlich weniger Einwegplastik führen und auf den Green Deal einzahlen müsse, ist im Bericht der SZ zu lesen. Das Umweltbundesamt (UBA) begrüße zwar, dass die EU auch Umweltsteuern in den Blick nehme, berichtet die SZ weiter, halte es aber für schwierig, sämtliche Inver­kehrbringer von Kunststoffverpackungen mit der Steuer zu adressieren. Bei der natio­nalen Umsetzung müsse man nach Ansicht des UBA an der Recyclingfähigkeit von Ver­packungen ansetzen, etwa durch eine Differenzierung des Abgabesatzes. Damit Her­steller nicht einfach auf anderes Material ausweichen, das der Umwelt noch mehr schaden könnte, plädiere das UBA dafür, eine Steuer auf alle Verpackungsmaterialien zu erheben. Die Industrie sei vor und auch noch während des Gipfels europaweit Sturm gegen die geplante Steuer gelaufen, doch alles Argumentieren habe nichts genutzt, ist auch in einem Bericht bei Kunststoff Information zu lesen. Hinweise auf negative Fol­gen für die Kreislaufwirtschaft in einer gemeinsam von 43 europäischen Verbänden aus der Kunststoff-, Verpackungs- und abfüllenden Industrie unterzeichneten Erklärung blieben unberücksichtigt. Die Abgabe werde gerade den Mitgliedstaaten wertvolle Investitionsmittel entziehen, die noch nicht über eine gute Recycling-Infrastruktur ver­fügten, wird die Kritik des GKV-Gesamtverbands Kunststoffverarbeitende Industrie auch im Bericht von KI wiedergegeben. Die Kunststoffsteuer, zitiert KI den Hauptge­schäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) Wolfgang Große Entrup, komme zum völlig falschen Zeitpunkt und sei ein falsches Signal. Zustimmung komme nicht nur von Umweltschutzverbänden wie Greenpeace, sondern auch aus der Indus­trie, wie etwa vom Geschäftsführer von Werner & Mertz, Reinhard Schneider, der die Abgabe im Gespräch mit dem Deutschlandradio „für längst überfällig“ bezeichnet habe und gemeinsam mit DSD und dem BDE Maßnahmen der Politik zur Rettung des Kunst­stoffrecyclings fordere. Der Recyclingbranche gehe es schlecht, berichtet die Süddeut­sche Zeitung in einem weiteren Beitrag über den Anstieg von Kunststoffabfällen wäh­rend der Corona-Krise. Zehn Prozent mehr seien es laut DSD, ist dort zu lesen, doch aufgrund des niedrigen Ölpreises liege der Markt für Rezyklate darnieder. So gebe es auch von den Vertretern der deutschen Recyclingindustrie Zuspruch für die Kunststoff­steuer. Eine zweckgebundene Abgabe, die nur auf Neuware angewandt wird, so wie dies in Italien geplant sei, befürworte Werner & Mertz-Chef Schneider. Rezyklatein­satzquoten für bestimmte Produktgruppen fordere nicht nur die Branche. Die Bundes­regierung wolle während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft darauf dringen, Quo­ten für bestimmte Produkte wie PET-Einwegflaschen in ganz Europa einzuführen.

Quellen:

 

  • Süddeutsche Zeitung (17.7.2020, 21.7.2020)
  • zeit.de, Kunststoff Information, Euwid Recycling und Entsorgung 30/2020 (21.7.2020)
„Plastik, aber anders"

Ausgerechnet das umstrittene „Plastik“ habe in Zeiten von Corona bewiesen, wofür es gut sei: leicht, bruchsicher und dank glatter Oberflächen einfach zu reinigen, ist in einem Kommentar der Süddeutschen Zeitung zur Krise der Recyclingwirtschaft zu lesen. Die Pandemie habe gezeigt, wie wichtig Kunststoff sein könne, etwa in Form von Masken, Trennwänden, Einmalhandschuhen oder Lebensmittelverpackungen.

Die Menschheit werde auch in Zukunft Plastik brauchen, das zeige die Corona-Krise. Doch sei sie dafür verantwortlich, Kunststoffe künftig nachhaltiger herzustellen und zu nutzen, schreibt der Autor. Recycling solle daher weltweit attraktiver und auch loh­nender, der Markt für Rezyklate größer und stabiler werden. Große Abnehmer wie Hersteller von Autos, Elektronik oder Kosmetik könnten diesen Wandel vorantreiben, indem sie gezielt nachhaltige Kunststoffe nachfragten und ihre Produkte so designten, dass sie am Ende wiederverwertbar sind, ist in dem Kommentar der SZ weiter zu lesen. Auch könne der Staat neben der EU-Kunststoffsteuer den Markt mit steigenden Min­destquoten für nachhaltige Kunststoffe ins Laufen bringen. Und Verbraucher müssten ebenfalls ihren Beitrag leisten, indem sie die Abfälle besser trennen als dies bisher geschehe.

Quelle: Süddeutsche Zeitung (22.7.2020)

Zur Einordnung des chemischen Kunststoffrecyclings

Das Umweltbundesamt (UBA) hat ein Hintergrundpapier herausgegeben, in dem chemisches Recycling als eine Alternative oder Ergänzung zur werkstofflichen Verwertung von Kunststoffabfällen als eine andere Form des stofflichen Recyclings diskutiert wird, berichtet Plasticker. Unterdessen fordern europäische Umweltverbände, wie aus einem Bericht von Euwid hervorgeht, einen Rechtsrahmen für das chemische Recycling, der die Produktion von Brenn- und Kraftstoffen ausschließe.

Das Hintergrundpapier des UBA gehe, wie im Bericht bei Plasticker zu lesen ist, auf die rechtlichen und technischen Grundlagen ein und gebe eine erste Einschätzung zu den künftigen Anwendungsoptionen des chemischen Recyclings ab. Als potenzielle Vorteile chemischer Recyclingverfahren werde die Möglichkeit zur Ausschleusung von Schad­stoffen aus dem Kreislauf, der Einsatz von werkstofflich nicht verwertbaren Kunststoff­fraktionen und das breite Einsatzspektrum als Rohstoff der chemischen Industrie be­nannt. Noch seien die Techniken des chemischen Recyclings nicht etabliert und seine Stellung innerhalb der Kreislaufwirtschaft nicht endgültig festgelegt, zitiert Plasticker aus dem Papier. Umweltschutzorganisationen wie das europäische Umweltbüro (EEB) und weitere Verbände, die sich in der Allianz „Rethink Plastic“ zusammengeschlossen haben, forderten laut eines Berichtes von Euwid, nur diejenigen Prozesse als Recycling einzustufen, die wieder neues Polymermaterial oder die direkten Vorstoffe dafür her­stellen. Rohstoffliche Verfahren sollten nach Ansicht der Verbände dagegen als Ver­wertung, aber nicht als das höherwertige Recycling klassifiziert werden, da sie chemi­sche Verbindungen erzeugten, die erst mehrere Verarbeitungsschritte durchlaufen müssten, bevor aus ihnen wieder ein Polymer entstehe. Als Input für chemische Recy­clingverfahren sollten nur verunreinigte Kunststoffabfälle eingesetzt werden oder langlebige Plastikprodukte, deren Zersetzung bereits begonnen habe. Vorbehaltlich noch auszuräumender Unsicherheiten sähen die Verbände in diesen Bereichen eine mögliche Rolle für die Verfahren, berichtet Euwid weiter. Chemisches Recycling sollte aber laut der Allianz nie als Lösung für Einwegprodukte, Verpackungsabfälle oder für Abfälle, die für das werkstoffliche Recycling gesammelt wurden, gefördert werden.

Weitere Informationen: zum Download UBA-Hintergrundpapier „Chemisches Recycling“

Quellen:

 

  • plasticker.de, Euwid Recycling und Entsorgung 30/2020 (21.7.2020)

10.07. - 16.07.2020

„Deponie-" statt „Plastikabgabe"

Zum Stopfen von Schuldenlöchern, die durch das von Brüssel geplante Corona-Konjunk­turprogramm entstehen, hatte EU-Ratschef Charles Michel unter anderem eine „Plastik­abgabe“ ab dem Jahr 2021 vorgeschlagen. Die deutschen Kunststoffverbände GKV und IK forderten laut Berichten der Fach- und Tagespresse die Bundesregierung mit deutlicher Kritik und Warnungen auf, die geplante Abgabe auf nicht recycelte Verpackungskunst­stoffe auf dem bevorstehenden Sondergipfel am 17. Juli abzulehnen und sich stattdessen für eine Deponieabgabe einzusetzen.

Die Einführung einer Kunststoffsteuer ist in Brüssel schon länger wieder im Gespräch. Nun ha­be die EU-Kommission laut Medienberichten vorgeschlagen, dass ab dem Jahr 2021 die EU-Mitgliedsta­aten 800 Euro pro Tonne nicht recycelter Kunststoffverpackungsabfälle zusätzlich in den EU-Haushalt einzahlen. Man erwarte Einnahmen in Höhe von vier bis acht Milliarden Euro pro Jahr. Verbände der deutschen und europäi­schen Kunststoffin­dustrie warnten vor negativen Folgen der Abgabe für die Kreislaufwirtschaft und die wirtschaftliche Erholung der Unternehmen. Sie schlugen stattdessen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe in Europa eine zweckgebundene Abgabe vor, die an die Menge der Kunststoffverpackungsabfälle geknüpft ist, die in dem jeweiligen Land deponiert werden. Auch forderten sie die Bundesregierung auf, die Plastikabgabe beim Sondergipfel abzulehnen und von der EU-Kommission eine genaue Analyse der Folgen der geplanten Steuer einzufordern. Ohne eine solche Folgenabschätzung könne dem Vorschlag nicht zugestimmt werden. Die Einführung einer Plastiksteuer würde in Deutschland nach Schätzungen der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen mehr als 1,3 Milliar­den Euro pro Jahr kosten, berichtet auch die FAZ. Kunststoffherstel­ler bezweifelten, dass eine Plastiksteuer zu mehr Umweltschutz führe und Unterneh­mensverbände wie PlasticsEurope und VDMA kritisierten, dass das Geld zum Stopfen von Haushaltslöchern verwendet werden soll. Das Thema sei durch, die „Plastikabga­be“ werde kommen, lautet dazu die Einschätzung in einem Kommentar der FAZ. Die Abgabe werde allerdings weder zu einem besseren Recycling-System in Europa noch sonst zu mehr Umweltschutz führen. Die Umwelt wirklich schützen würde nur ein Depo­nieverbot, ist in dem Kommentar in der FAZ weiter zu lesen. Denn es sei Irrsinn, dass es in großen Teilen der EU, anders als in Deutschland, noch bis 2035 erlaubt sei, Kunst­stoffe in der freien Natur zu deponieren.

Quellen:

  • FAZ, Euwid Recycling und Entsorgung 19/2020, neue-verpackung.de, plasticker.de (14.7.2020)
  • umweltwirtschaft.com (15.7.2020)
Drei-Punkte-Plan für Rezyklate

Mit einem Drei-Punkte-Plan habe sich, wie die Fachpresse berichtet, der bvse an das BMU und die Mitglieder des Bundestagsausschusses gewandt, um den „umweltscha­denden Verdrängungswettbewerb von Kunststoffneuware gegenüber CO2-einsparen­den Rezyklaten“ zu stoppen und faire Rahmenbedingungen für Rezyklate zu schaffen.

Die Abfall- und Recyclingwirtschaft stecke momentan in einer „Dreifachzange“ aus Ab­satzeinbruch, fehlendem Grundmaterial und niedrigen Primärwarepreisen, fasst ein Bericht bei Kunststoff Information die aktuelle Lage der Branche zusammen. Der Trend zur Verbilligung von Kunststoffneuware für Verpackungen habe sich seit Ausbruch der Corona-Krise noch einmal verstärkt. Um 30 Prozent seien die Preise für Neuware laut Angaben des bvse Fachverbands Kunststoffrecycling bereits in den fünf Jah­ren zuvor gesunken. In der Folge blieben Rezyklate im Markt gegenüber billiger Rohstoffneu­ware zunehmend chancenlos, wird der Vorsitzende des Fachverbandes, Dr. Dirk Textor, auch bei KI zitiert. In einem Drei-Punkte-Plan fordere nun der bvse Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung „faire Rahmenbedingungen“ für den vermehrten Einsatz von Rezyklaten. Der erste Punkt sehe ein Zwei-Stufen-Modell zur Verminderung des Einsatzes von Neuware und eine stufenweise Erhöhung der Ein­satzquote von Rezyklaten vor. Bis zum Jahresanfang 2021 werde für Stufe 1 bezogen auf die Neuware-Produktionsmenge vorgeschlagen, die Reduktion der CO2-Emissionen eingesetzter Rohstoffe um mindestens 25 Prozent verbindlich festzuschreiben und diese in Stufe 2 auf 40 Prozent ab dem Jahr 2030 zu erhöhen. Werde die Quote nicht erreicht, sehe der Plan eine Malus-Regelung in Höhe eines 20-prozentigen Preisauf­schlags auf den Neuwarepreis vor. Das Geld solle dann als Beitrag für klimaschutzför­dernde Investitionen eingesetzt werden. Punkt zwei des Plans ziele auf eine Verein­heitlichung der Qualitätssicherung ab und beinhalte, dass die Zentrale Stelle Ver­packungsregister die Zertifikate und Auditberichte derjenigen Recycling-Anlagen („Letztempfänger“) überprüfen solle, in denen die Altkunststoffe aus den Sammlungen der Dualen Systeme zu Rezyklaten verarbeitet werden. Die dritte Forderung richte sich an die öffentliche Beschaffung auf Bund- und Länderebene. Hier fordere der bvse schärfere Vorgaben für einen vorrangigen Einsatz von Recyclingprodukten.

Weitere Informationen: Download Drei-Punkte-Plan

Quellen:

  • Kunststoff Information, umweltwirtschaft.com (13.7.2020)
  • recyclingportal.eu, recyclingmagazin.de (10.7.2020)
Diskussionspapier „Chemisches Kunststoffrecycling"

Ein von der NRW-Landesinitiative IN4.climate veröffentlichtes Diskussionspapier komme laut Bericht des Recyclingportals zu dem Schluss, dass der Ausbau des chemischen Kunststoffrecyclings in Nordrhein-Westfalen viele Chancen biete.

Die Pyrolyse von gemischten Kunststoffabfällen könne die chemische Industrie sowie die Abfallwirtschaft klimafreundlicher machen, werden die Autoren des Diskus­sionspapiers aus der AG Circular Economy bei IN4climate.NRW zitiert. In der Veröffentlichung würden Potenziale und Entwicklungsperspektiven für NRW aufgezeigt, mit dem Ziel, wissenschaftliche Grundlagen für Investitionsentscheidungen und Projektentwicklung im Sinne der Kreislaufwirtschaft zu schaffen. Das chemische Recycling, bei dem Stoffe durch hohe Temperaturen zersetzt und in kleinere Moleküle aufgespalten werden, ei­gne sich insbesondere für gemischte Kunststoffarten, die bisher thermisch verwertet werden müssten. Die in der Pyrolyse zurückgewonnenen Stoffe ließen sich im Sinne der Kreislaufwirtschaft in neue Kunststoffe oder chemische Grundstoffe überführen. Die technologischen Grundlagen dafür seien bereits vorhanden. Wichtig sei nun, diese weiterzuentwickeln und in konkrete Strategien und Pilotprojekte in Kooperation von Wissenschaft und Industrie umzusetzen, wird Samir Khayat, Geschäftsführer der Initiative IN4climate.NRW, in dem Bericht des Recyclingportals zitiert. Hinter der Veröffentlichung des Papiers stünden die Unternehmen Lanxess, Rain Carbon und RHM sowie die Forschungsinstitutionen Fraunhofer UMSICHT, RWTH Aachen, der Verein Deutscher Zementwerke und das Wuppertal Institut.

Weitere Informationen: Download Diskussionspapier „Chemisches Kunststoffrecycling“

Quelle: recyclingportal.eu (15.7.2020)

03.07. - 09.07.2020

Bundesrat fordert weitere Exportverbote für Kunststoffabfälle

Die Presse berichtet über eine Forderung des Bundesrats, mit weiteren Exportverboten für Kunststoffabfälle die mit den Exporten verbundenen negativen Folgen für Mensch und Umwelt zu verringern. Darüber hinaus hält es der Bundesrat für erforderlich, Drittländer mit aus europäischer Sicht mangelhaften Abfallwirtschaftssystemen zu unterstützen.

Angesichts der massiven Umweltverschmutzung durch Plastikmüll habe der Bundesrat die Bundesregierung aufgefordert zu prüfen, welche weiteren Verbote von Exporten gesundheits- oder umweltschädlicher Kunststoffabfälle in Länder außerhalb der EU möglich seien, wird die Entschließung des Bundesrats vom 3. Juli in der Presse wiedergegeben. Treiber der Bundesratsinitiative sei das Land Niedersachsen gewesen, berichtet Kunststoff Information. Die hiesige Abfallwirtschaft müsse zudem für Recyclinglösungen sorgen, die einen Export in Drittstaaten reduziere. Darüber hinaus spreche sich der Bundesrat für mehr Kontrollen zur Verhinderung illegaler Kunststoffausfuhren aus und halte es für erforderlich, Drittländer, deren Abfallsysteme europäischen Standards nicht entsprechen, über die Entwicklungszusammenarbeit beim Aufbau zweckmäßiger Entsorgungsstrukturen zu unterstützen. Schließlich solle sich die Bundesregierung dafür stark machen, dass die OECD die Änderungen des Basler Übereinkommens zur Verschärfung der Exportregelungen zügig übernehme. Die Änderungen besagen, dass ab dem 1. Januar 2021 nur noch sortenreine Kunststoffabfälle und Mischkunststoffe nahezu ohne Störstoffe aus PP, PE und PET, die nachweislich für ein Recycling bestimmt und geeignet seien, frei gehandelt werden dürften. Die Bundesregierung habe noch nicht entschieden, ob sie die Initiative aufgreife, heißt es in den Presseberichten.

Quellen:

  • kommunalwirtschaft.eu, 320grad.de (3.7.2020)
  • recyclingmagazin.de (4.7.2020)
  • KI, Euwid Recycling und Entsorgung 28/2020 (7.7.2020)
Chemisches Recycling in der Diskussion

Euwid berichtet über Diskussionen um das chemische Recycling von Kunststoffabfall. So habe die FDP-Bundestagsfraktion in Form einer Kleinen Anfrage die Bundesregierung nach ihrer Haltung zur Nichtberücksichtigung des rohstofflichen Recyclings bei der Quotenberechnung im Verpackungsgesetz gefragt. Umweltverbände hätten vorgeschlagen, sowohl Input und Output chemischer Verfahren zu beschränken. Der Verband Chemical Recycling Europe habe solche Überlegungen zurückgewiesen.

Kaum eine Woche vergehe, in der nicht über neue Projekte zum chemischen Recycling von Kunststoffabfällen berichtet werde, schreibt Euwid. Die FDP-Bundestagsfraktion habe nun von der Bundesregierung wissen wollen, ob sie „in der Nichtberücksichtigung des rohstofflichen Recyclings bei der Quotenberechnung im Verpackungsgesetz eine Benachteiligung der Rezyklate sehe, die durch chemisches Recycling entstehen", und „falls ja, inwiefern genau und falls nicht, warum nicht“, zitiert das Blatt aus der Kleinen Anfrage der FDP. In einem weiteren Beitrag in der aktuellen Ausgabe von Euwid Recycling und Entsorgung heißt es, dass die FDP-Bundestagsfraktion der Bundesregierung eine Benachteiligung des chemischen Recyclings vorwerfe. Die Verfahren könnten bei Stoffen, die schon mehrere Recyclingzyklen durchlaufen hätten und dadurch die Qualität des Rezyklats beim werkstofflichen Verwertung verschlechtern würden, einen wichtigen Beitrag leisten. Durch die Benachteiligung der chemischen gegenüber den werkstofflichen Verfahren etwa durch das Verpackungsgesetz würde laut FDP die Weiterentwicklung  der Methoden behindert.

Bei Umweltverbänden wie bei Recyclern wachse dagegen die Sorge, dass das chemische Recycling das werkstoffliche mittelfristig vom Markt drängen könne. So würden Verbände um Zero Waste Europe fordern, den Input für chemische Verfahren auf abgebaute und verschmutzte Kunststoffe zu beschränken und solche aus einer getrennten Sammlung auszuschließen. Zudem sollten als Output nur neue Kunststoffe zulässig sein. Der Verband Chemical Recycling Europe halte dagegen, dass eine rechtliche Beschränkung des Inputs nicht zielführend sei, wie auch 320grad berichtet. So würde die vorgeschlagene Beschränkung verhindern, dass etwa komplexere Kunststoffe und für das werkstoffliche Verfahren wirtschaftlich nicht tragfähige Stoffströme nicht recycelt werden könnten. Mit dem chemischen Recycling könnten mehr Kunststoffe, die derzeit nicht recycelt würden, recycelt werden und somit die Bemühungen der werkstofflichen Verwertung ergänzt werden. Auch von einem Ausschluss von Abfällen aus einer getrennten Sammlung halte der Verband nichts, weil dann auch der Ausschuss des werkstofflichen Recyclings nicht in ein chemisches Recycling gehen dürfe. Ebenso spreche sich der Verband gegen eine Reglementierung des Outputs aus, der schließlich für die Herstellung verschiedener Materialien eingesetzt werden könne. So könnten unerwünschte Kunststoffabfälle zu Ölen, Wachsen oder Lösemitteln werden.

Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 28/2020 (7.7.2020)
  • 320grad.de (24.6.2020)
Kunststoff-Abgabe wieder im Gespräch

Wie die Neue Zürcher Zeitung und das Onlinemagazin 320grad melden, hat der EU-Haushaltskommissar Johannes Hahn unter anderem eine Abgabe auf nicht verwertbare Kunststoffe ins Gespräch gebracht, um die Löcher im EU-Haushalt zu stopfen. Auch der luxemburgische Finanzminister Pierre Gramegna, einer der drei Kandidaten für den Chefposten der Euro-Gruppe, kann sich laut eines Interviews in der Welt eine Plastiksteuer vorstellen.

Um die 750 Milliarden Euro an Krediten für den Wiederaufbaufonds zurückzuzahlen, denkt die Europäische Kommission über neue Steuern nach. Neben einer Digital- und einer CO2-Grenzsteuer ist auch wieder eine Kunststoffsteuer im Gespräch. Gramegna, der laut Welt gern Chef der Euro-Gruppe werden will – Mitbewerber um den Vorsitz sind die spanische Wirtschaftsministerin Nadia Calviño und ihr irischer Amtskollege Paschal Donohoe –, könne sich eine Plastiksteuer vorstellen, sagt er im Interview. Die Neue Zürcher Zeitung berichtet in einer kurzen Meldung Ähnliches vom EU-Haushaltskommissar Johannes Hahn, der dies gegenüber der Funke-Mediengruppe geäußert haben soll. Das Onlinemagazin 320grad beschreibt den Vorschlag des konservativen Politikers aus Österreich näher. Demnach wolle Haushaltskommissar Hahn eine Abgabe auf Kunststoffe, die sich nicht recyceln lassen, einführen. Weitere Details seien aber nicht bekannt.

Quellen:

  • 320grad.de (6.7.2020)
  • NZZ (7.7.2020)
  • Die Welt (8.7.2020)