Archiv - Quartal 3 - 2019

20.09. - 26.09.2019

Vom Klimaschutzpaket enttäuscht

Nicht nur Umweltverbände und Klimaforscher zeigen sich laut Medienberichten von dem Kompromiss der großen Koalition enttäuscht, sondern auch die Recyclingwirtschaft. Die Potenziale der Kreislaufwirtschaft würden wieder einmal ignoriert, heißt es von dort. Der GKV sieht Licht und Schatten in seiner Bilanz und die AGVU fordert eine Recyclingstrategie.

Kreislaufwirtschaft und der künftig erhöhte Einsatz von Recyclingrohstoffen im Klimaschutzpaket hätten so gut wie keine Berücksichtigung gefunden, kritisieren die Branchenverbände BDE und bvse gleichermaßen wie der Grüne Punkt oder auch die Deutsche Umwelthilfe. Ihnen allen sei unverständlich, warum Recycling und Kreislaufwirtschaft allenfalls am Rande erwähnt würden. Der bvse weist auf das große Potenzial für die Einsparung von klimaschädlichen CO2-Emissionen im Kunststoffrecycling hin. Mit demselben Hinweis fordert die AGVU eine umfassende Recyclingstrategie und schlägt vor, bei einer direkten Bepreisung von ausgestoßenen CO2-Äquivalenten Recyclingmaterialien und nachwachsende Rohstoffe davon auszunehmen. Der Verband der Kunststoffverarbeiter GKV sieht in seiner Bilanz zu den vom Bundeskabinett vorgeschlagenen Eckpunkten für ein Klimaschutzprogramm Licht und Schatten. So begrüßt der GKV die „längst überfällige“ Einführung einer energetischen Gebäudesanierung, kritisiert aber die zu gering geplante Senkung der EEG-Umlage und mahne eine umfassende Nutzung der Potenziale des Einsatzes von Kunststoffen für den Klimaschutz an, insbesondere in Gebäuden, in der Mobilität sowie im Bereich Verpackung. Auch das Wuppertal-Institut, das in seiner Einschätzung des Klimapakets die vorgeschlagenen Maßnahmen für bei weiten nicht ausreichend hält, um die Klimaziele für 2030 zu erreichen, benennt unter Zukunftsvisionen, wie das Institut sie sehe, unter anderem „das Schließen von Stoffkreisläufen im Rahmen einer Circular Economy“.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de (19.9.2019)
  • recyclingmagazin.de. recyclingportal.eu, verpackungsrundschau.de (23.9.2019)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 34/2019, plasticker.de, recyclingportal.eu (24.9.2019)
  • kunststoffe.de, 320grad.de (25.9.2019)

Allianz für mehr Recycling

Am Freitag, dem 20. September, wurde die von der EU-Kommission im letzten Jahr initiierte Circular Plastic Alliance in Brüssel offiziell gegründet. Dabei unterzeichneten über 100 Verbände und Unternehmen der gesamten Wertschöpfungskette eine freiwillige Erklärung, die das Kunststoffrecycling in Europa voranbringen soll, wie zahlreiche Fachmedien berichten.

Die EU-Kommission verlange in ihrer Kunststoffstrategie bis zum Jahr 2025 den Wiedereinsatz von mindestens zehn Millionen Tonnen gebrauchter Kunststoffe in Produkten. Mehr als 100 Unternehmen und Organisationen, unter denen Hersteller und Verarbeiter von Kunststoffen, große Einzelhändler sowie Entsorgungs- und Recyclingfirmen seien, hätten nun eine entsprechende Selbstverpflichtung in Brüssel unterzeichnet. Damit verpflichten sich die Unterzeichner zur Mitarbeit in den Bereichen Design-for-Recycling, Sammlung und Sortierung, Verarbeitung von Rezyklaten, Forschung und Entwicklung sowie Monitoring. Der GKV zähle zu den Erstunterzeichnern der Allianz. Der Erste Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, habe „die Zusagen der Industrie, die Art und Weise, wie wir Kunststoffe herstellen und verwenden, zu überdenken", begrüßt, heißt es in den Berichten.

Quellen:

  • kunststoffe.de, 320grad.de (23.9.2019)
  • KI (24.9.2019)
  • plasticker.de (25.9.2019)
Raus aus der „Schmuddelecke“

Fachblätter berichten von der GKV-Jahrestagung, auf der TecPart-Geschäftsführer Michael Weigelt eindringlich die Mitglieder aufforderte, „entschlossen, proaktiv und mit aller Macht“ dem Negativimage von Kunststoffprodukten und der derzeit schwer vorhersehbaren wirtschaftlichen Entwicklung entgegenzutreten.

Der Geschäftsführer des GKV-Trägerverbands TecPart habe zur Eröffnung der diesjährigen Fachtagung zu Trends der Kunststoffverarbeitung betont, dass man das gestiegene Umweltbewusstsein in Politik und Gesellschaft begrüße, doch seien Initiativen wie die plastikfreie Stadt populistisch und wenig überlegt. Die derzeit undifferenziert geführte Debatte zeige bereits Wirkung sowohl auf die Berufswahl als auch im Bereich der Lehre mit Rückgängen bei Studienanfängern. Auch die konjunkturellen Prognosen seien nun verhaltener, die Wachstumswerte des Vorjahres kaum zu erreichen. Für das Gesamtjahr 2019 rechne Weigelt allenfalls mit einem einprozentigen Wachstum. Weigelt appellierte vor den rund 70 Teilnehmern, aktiv politische Entscheidungsträger aller Couleur sowie in Schulen über die Fakten zum Werkstoff Kunststoff aufzuklären und für eine differenzierte Auseinandersetzung zu sorgen. „Kunststoff muss aus der Schmuddelecke wieder raus“, habe Weigelt gefordert.

Quellen:

  • kunststoffe.de, KI, recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu (25.9.2019)
Spannender Stimmungstest

Die K 2019, vom 16. bis zum 23 Oktober in Düsseldorf, ist mit mehr als 3.000 Ausstellern aus über 50 Ländern komplett ausgebucht. Das Thema Kreislaufwirtschaft ziehe sich wie ein roter Faden durch alle Messehallen. Angesichts der unsicheren Wirtschaftslage im Vorfeld werde die weltweit bedeutendste Kunststoffmesse zum Stimmungstest, ist in der Fachpresse zu lesen.

Noch stehe nicht fest, wie sich die unsichere Wirtschaftslage auf die Stimmung von Ausstellern und erwarteten 200.000 Besuchern auswirke, schreibt Plastverarbeiter, es kämen aus den verschiedenen Regionen der Welt unterschiedliche Signale. Nicht nur in Deutschland, sondern auch auf EU-Ebene befürchte man angesichts einer zunehmend drastischen Einstellung der Verbraucher gegenüber Kunststoffverpackungen übereilte Maßnahmen der Gesetzgeber, um so den Weg zu einer Kreislaufwirtschaft vorzugeben. Die Kunststoffabfallproblematik stehe den herausragenden Beiträgen der Branche gegenüber. Kreislaufwirtschaft werde auf der Messe ein „Hot Topic“ sein, zitiert das Recyclingmagazin den Veranstalter und greift in seinem Vorbericht mit dem Titel „Alle denken in Kreisläufen“ einige zentrale Beispiele großer Aussteller auf. Im 120 Seiten starken Special zur Messe der aktuellen Ausgabe der Kunststoffe findet sich das Kreislauf-Thema in nahezu jedem der beschrieben Bereiche: „Circular Economy ist das Schlagwort der Stunde“, „Der ewige Kreislauf“ usw. lauten die Titel der Berichte. Ein zentraler Anlaufpunkt werde laut Plasticker erneut die Sonderschau sein in Halle 6, das Projekt der deutschen Kunststoffindustrie unter Federführung von PlasticsEurope Deutschland und der Messe Düsseldorf. Zu erwarten seien Vorträge, Impulsreferate und Podiumsdiskussionen, von und mit Experten aus Wissenschaft, Industrie, Politik, Behörden und von Nichtregierungsorganisationen über ökonomische, soziale und ökologische Herausforderungen und Lösungsansätze. Eines der Highlights laut Recyclingportal: Auf Einladung des Fraunhofer Instituts Bereich Kunststoffe und PlasticsEurope Deutschland wird der Künstler Branko Šmon sein „Earth Plastic View“ Matterhorn Art Project auf der K Messe vorstellen. Mit seinem rund um das Bergmassiv am 19. Juli eröffneten Kunstprojekt habe er das Matterhorn zu einem „Botschafter für ein neues globales Plastikbewusstsein und gleichzeitig zum weltweiten Symbol für ein Umdenken in unserem Umgang mit Plastik“ gemacht, heißt es in den Presseberichten.

Quellen:

  • plastverarbeiter.de (20.9.2019)
  • Kunststoffe 9/2019
  • Recyclingmagazin 9/2019
  • recyclingportal.eu (25.9.2019)

13.09. - 19.09.2019

Nicht weniger, sondern besser

In Kommentaren und Artikeln von Tageszeitungen geht es derzeit häufig um den Nutzen von Kunststoff und um Plastikverzicht – auch in dieser Woche. Während die Zeit vor den Gefahren von Kunststoffen warnt, sieht die Süddeutsche in ihrem letztwöchigen Samstagsessay eher den Gesamtzusammenhang hinsichtlich des Klimawandels. Die FAZ plädiert dagegen in ihrem Magazin Quarterly nicht etwa für weniger Kunststoff, sondern für „besseren“.

Von der „bunten Gefahr“ spricht die Zeit im Zusammenhang mit Kunststoff und rät als Lösung, „gleich plastiklos einzukaufen“, denn auch „alternative“ Kunststoffe seien nicht unbedenklich. Die Süddeutsche Zeitung spannt einen großen Bogen zum Klimawandel und der Macht des/der Einzelnen. Der Verzicht auf Einwegplastik wird nur als eines der Beispiele genannt, die gern als Trippelschritte abgetan werden, wobei man verkenne, was der Einzelne erreichen könne. Die letzten Wochen hätten gezeigt, wie groß der Einfluss von Wählern auf die Agenda der Politik sei. Doch nur auf die Politik zu verweisen, sei zu bequem, die Gesellschaft müsse sich stärker politisieren, öffentlich für Positionen einstehen, aber nicht freitags für eine bessere Welt demonstrieren und am Montag Fast Fashion kaufen.

Im Magazin der FAZ, dem Frankfurter Allgemeine Quarterly, findet der Autor, dass man Kunststoff dringend erfinden müsse, wenn es ihn nicht schon gäbe. Er galt nicht nur einmal als Inbegriff der Moderne („Triumph der Form über die Materie“), sondern sei auch heute noch geeignet, viele ökologische Probleme zu lösen. Kein Baum müsse gefällt werden, um einen Tisch zu bauen, kein Tier geschlachtet, um Schuhe herzustellen – die Ökobilanz falle häufig zugunsten Kunststoff aus. Doch sei es dem Material wie dem süßen Brei in Grimms Märchen gegangen, nun gäbe es einfach zu viel Plastikmüll. Die Lösung liege in Kunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen, allerdings in solchen, die aus pflanzlichen und tierischen Abfällen hergestellt werden. Hier gebe es beeindruckende Ansätze, zum Beispiel Kunststoff aus Schalen von Krabben zu gewinnen. Solche Beispiele, die noch lange nicht gegen die große Menge an Kunststoffabfällen aus billig gefördertem Öl ankämen, machten deutlich, dass wir nicht weniger „weniger Plastik brauchen, um die Umwelt zu retten, sondern besseres“.

Quellen:

  • Die Zeit, Frankfurter Allgemeine Quarterly (19.9.2019)
  • Süddeutsche Zeitung (14.9.2019)
Interviews: Unverzichtbarer Kunststoff

Vertreter und eine Vertreterin der Industrie machen sich in Interviews dafür stark, sich sachlich und differenziert mit dem Thema Kunststoff und Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen und keine Symbolpolitik zu betreiben. BASF-Vorstandsmitglied Saori Dubourg fordert zusätzlich die eigene Industrie auf, emotionaler zu werden.

Markus Steilemann, Vorstandsvorsitzender des Kunststoffherstellers Covestro, kritisiert gegenüber der Welt am Sonntag scharf die Pläne der Bundesregierung, Kunststofftragetaschen künftig bundesweit zu verbieten. Das sei Symbolpolitik und Unsinn, da sie eine bessere Ökobilanz als Papier oder Jute aufweisen. Vielmehr müsse es um Lösungen gehen, wie Kunststoffe in eine Kreislaufwirtschaft überführt werden könnten. Auch die Kritik an der vor einem Jahr von 35 Konzernen ins Leben gerufenen „Allianz gegen Plastikmüll in der Umwelt“, die Industrie wolle sich damit von Vorwürfen reinwaschen, weist Steilemann zurück. Mit den 1,5 Milliarden Dollar, die in den nächsten fünf Jahren in Projekte gegen die Vermüllung investiert werden, kämpfe die gesamte Industrie vom Rohstoff- bis zum Konsumgüterhersteller gegen den Plastikmüll in der Umwelt. Das sei mehr, als bisher sonst jemand konkret beigetragen habe. Steilemann vermisst nicht nur in der Umweltpolitik eine positive Vision für Deutschland. Es fehle ein mutiger Plan, „der uns als Land und auch als Teil Europas nach vorn bringt und einen Gegenentwurf zum Populismus schafft“, so der Dax-Chef.

Auch Gian de Belder von Procter und Gamble verweist im Interview mit der K-Zeitung auf die „Alliance to End Plastic Waste“, weil das Problem des Kunststoffabfalls in der Umwelt global anzugehen sei. Im Vorfeld der Kunststoffmesse K2019, bei der Kreislaufwirtschaft mit Kunststoff ein zentrales Thema sein wird, nennt der Principal Scientist und Packaging Technologist bei Procter & Gamble die fünf Säulen, die sicherstellen könnten, dass Kreislaufwirtschaft funktioniere: das Produktdesign, Sammelsysteme, der Verbraucher, technische Innovationen und die Schaffung von Absatzmärkten, die die Sekundärrohstoffe aufnähmen. Eine Harmonisierung der fünf Säulen sei dabei entscheidend.

Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung macht BASF-Vorstand Saori Dubourg in nachdenklichen Antworten deutlich, dass sich die Wirtschaft stark um eine kluge Nutzung von Ressourcen kümmere, da immer mehr Menschen wissen wollen, was Unternehmen für die Gesellschaft tun, wie sie die Umwelt be- und entlasten. Zum Thema Plastiktütenverbot betont sie, dass es ihr nicht um die Tragetasche gehe, sondern um den Werkstoff Kunststoff, dessen Vor- und Nachteile in jeder Produktkategorie abzuwägen seien. Plastikmüll müsse sicher vermieden werden, doch auf Grundlage einer ganzheitlichen und auf Fakten basierenden Diskussion. Zentral sei der Dialog etwa auch über den Kohlendioxidausstoß. Diesen habe etwa die BASF seit 1990 halbiert, doch müsse klar sein, das man nun hinsichtlich einer weiteren Senkung an eine technologische Grenze stoße. Ein Konzern wie die BASF werde immer CO2 ausstoßen, da es in der Chemie um Wandlung von Stoffen gehe. Sie spricht sich auch für eine Bepreisung von CO2 aus, wobei sie einen globalen Emissionshandel im Blick hat, um ein Unternehmen wie die BASF, deren Markt die Welt sei, wettbewerbsfähig zu halten. Es sei die Kunst, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit gleichzeitig im Auge zu haben. Die BASF sei gemeinsam mit einigen weiteren Unternehmen dabei, neue Maßstäbe für die Berechnung von Rentabilität zu entwickeln. Dabei gehe es darum, nicht nur den Shareholder-Value, sondern auch ökologische und soziale Faktoren abzubilden. Sie sehe aber, dass es heute innovationsstarke Industrien wie die chemische in der Öffentlichkeit mit auf wissenschaftlichen Fakten basierenden Argumenten schwer hätten. Dubourg plädiert für einen offenen Dialog, bei dem alle ehrlich sagten, wo sie stünden und wo ihre Grenzen seien. Dabei müsse ein Unternehmen wie die BASF emotionaler werden, stärker auf die Menschen zugehen und ihnen zuhören. Wissenschaft alleine reiche nicht.

Quellen:

  • Welt am Sonntag (15.9.2019)
  • Süddeutsche Zeitung (16.8.2019)
  • k-zeitung.de (17.9.2019)

06.09. - 12.09.2019

Plastiktüte als „Inbegriff der Ressourcenverschwendung“

Zahlreiche Zeitungen und Magazine berichten über ein geplantes Gesetz des Bundesumweltministeriums (BMU), Plastiktüten inklusive sogenannter Bioplastiktüten ab kommendem Jahr ganz zu verbieten – obwohl die Deutschen bekanntermaßen deutlich weniger Kunststofftragetaschen nutzen.

Laut den Zeitungsberichten, die sich vielfach auf eine Nachricht in der Bild beziehen, könnte das Verbot in der ersten Jahreshälfte 2020 in Kraft treten und Kunststofftragetaschen mit einer Wandstärke von 15 bis 50 Mikrometern betreffen, nicht aber die dünnen Hemdchenbeutel, die an Obst- und Gemüsetheken bereit gehalten werden. Auch betroffen sollen biobasierte wie bioabbaubare Kunststofftragetaschen sein, die laut Bundesumweltministerin Svenja Schulze „leider meistens eine Mogelpackung“ seien. Händler, die gegen das Verbot verstoßen, erwarte eine Geldbuße von bis zu 100.000 Euro. Auch das BMU wisse, dass aufgrund der freiwilligen Selbstverpflichtung seit 2016 der Verbrauch an Kunststofftragetaschen pro Kopf im Jahr von 68 Stück im Jahr 2015 auf 24 im vergangenen Jahr zurückgegangen sei. Während vor Kurzem diese Menge im BMU noch als „Peanuts“ bezeichnet worden sei, heiße es nun im Gesetzesentwurf, es sei „nicht zu erwarten, dass der Verbrauch auf der Grundlage dieser Vereinbarung, welche lediglich eine entgeltliche Abgabe vorsieht, noch signifikant unter diesen Wert sinken wird“.

Quellen:

  • euwid-recycling.de, sueddeutsche.de, welt.de, tagesspiegel.de (6.9.2019)
„Plastiktüten-Pillepalle“

Das geplante Verbot von Kunststofftragetaschen trifft auf Kritik von vielen Seiten. Kommentatoren von Tageszeitungen und TV sehen wenig Sinn und Plan in Richtung wirksamen Klimaschutzes. Die Forderung von IK-Geschäftsführer Dr. Jürgen Bruder nach einer faktenorientierten und unvoreingenommenen Diskussion über Kunststoffe wird in Fachblättern wiedergegeben.

Im Kommentar in der Tagesschau wird das Verbot als „Plastiktüten-Pillepalle“ bezeichnet, das nur das trügerische Gefühl vermittle, einen Coup gelandet zu haben. Es tue niemandem weh, seinen Lebenswandel müsse man deswegen nicht ändern. Echte Lösungen wären komplizierter und bedeuteten einen ganz neuen Umgang mit Verpackungen. Das Göttinger Tageblatt, das als einzigen Grund für das Plastiktütenverbot „Aktionismus“ ausmacht, machte bereits in einem früheren Kommentar Markus Söder als „Schuldigen“ für das Verbot aus, das ohne dessen über Nacht entdeckte „Öko-Liebe“ ausgeblieben wäre. Das Plastiktütenverbot sei bislang so etwas wie der „Zombie der Umweltpolitik“ gewesen, das bis dahin eigentlich überflüssig gewesen sei, zumal Papier und Baumwolle die Umwelt vielmehr belasten als Kunststoff. So bleibe die Belastung durch Verschmutzung der Landschaft und Meere als Argument für das Verbot. Doch hier helfe verwerten mehr als verbieten. Verboten werden müsse allerdings der Export deutschen Plastikmülls nach Asien und Afrika. Auch die FAZ fordert in einem Kommentar schlüssige Konzepte anstelle einer „Umweltpolitik nach dem Zufallsprinzip“. Diese erinnere eher an das Prinzip des Einarmigen Banditen in der Spielhalle, da komme dann mal das Verbot von Ölheizungen oder eben der Plastiktüten beim Hebelziehen heraus. Dr. Jürgen Bruder, Geschäftsführer der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, kritisiere, dass die Kunststofftragetaschen und -beutel als „sichtbares Symbol der Wegwerfgesellschaft betrachtet und politisch bekämpft“ würden, obwohl sie – insbesondere solche aus Recyclingmaterial – ökobilanziell sehr gut abschneiden und ihre Entsorgung über den gelben Sack gewährleistet sei. Nicht die Plastiktüte, sondern der egoistische und umweltschädigende Umgang mit Abfällen gehöre sanktioniert: „Erheben wir doch eine Geldstrafe von 1.000 Euro für das Wegwerfen von Abfällen. Wir verbieten ja auch nicht das Auto, sondern das Überqueren der Ampel bei Rot“, wird Bruder in den Presseberichten zitiert.

Quellen:

  • tagesschau.de, sueddeutsche.de, tagesspiegel.de, welt.de, plasticker.de (6.9.2019)
  • FAZ (7.9.2019)
  • KI (9.9.2019)
  • goettinger-tageblatt (12.8.2019 und 6.9.2019)
ZWE: Rahmen für chemische Recyclingverfahren

Euwid und andere Fachmedien berichten über die Veröffentlichung einer Bestandsaufnahme der verfügbaren chemischen Recyclingverfahren durch die Umweltschutzorganisation Zero Waste Europe (ZWE), die für solche Verfahren fordere, den richtigen politischen und rechtlichen Rahmen zu schaffen.

So sei sicherzustellen, dass chemisches Recycling als Ergänzung zum werkstofflichen Recycling diene und der im Kunststoff enthaltene Kohlenstoff dort verbleibe und nicht in die Umwelt freigesetzt werde. Darüber hinaus müssten sie einen niedrigeren CO2-Fußabdruck als die Produktion von Neuware haben. Außerdem empfehle ZWE , in die Abfallhierarchie eine neue Stufe einzufügen, die Verfahren zur Verwertung von Materialien aus gemischten Abfällen umfassten, die bislang verbrannt oder deponiert würden. Laut ZWE seien derzeit verfügbare chemische Recyclingverfahren noch nicht technisch ausgereift und auf kürzere Sicht nicht wirtschaftlich umsetzbar. Dies sei frühestens ab 2025 bis 2030 der Fall. Allerdings sei angesichts der Geschwindigkeit aktueller Veränderungen nicht sicher absehbar, wie es in zehn Jahren aussehe. Weil Kunststoffe nicht unbegrenzt recycelbar seien, sei aus Sicht von ZWE auch eine Lösung für gealterte Kunststoffe, die weder Downcycling noch Verbrennung beinhalte, durchaus erwägenswert.

Mehr Information:

Quellen:

  • recycling-magazine.com (29.8.2019)
  • plasticnewseurope.com, Euwid Recycling und Entsorgung 37/2019 (10.9.2019)

30.08. - 05.09.2019

Erster Mindeststandard der Zentralen Stelle

Aus der „Orientierungshilfe“ ist der erste Mindeststandard zur Bemessung der Recyclingfähigkeit von Verpackungen geworden. Nahezu alle Fachmedien berichten über die Veröffentlichung zum 1. September durch die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR).

Verpackungen müssten recyclinggerechter werden, ansonsten seien die Recyclingquoten des Verpackungsgesetzes nicht zu erreichen, sagt laut den Presseberichten Gunda Rachut, Vorstand der Zentralen Stelle. Adressat seien die dualen Systeme, die zur Bemessung der Recyclingfähigkeit den Mindeststandard zugrunde legen oder auch erweitern könnten. Auf Basis des Standards seien die Systembetreiber per Verpackungsgesetz verpflichtet, finanzielle Anreize für ein recyclinggerechtes Design von Verpackungen zu setzen. Jeweils im Juni des Folgejahres müssten die Systeme an die ZSVR berichten, wie sie die Mindeststandards umgesetzt hätten. Laut Rachut seien aufgrund der „Plastikdiskussion“ auch viele kontraproduktive Fehlentwicklungen zu beobachten. Auch an der Stelle sorge der Mindeststandard für Klarheit, inwieweit derzeit zunehmende Materialgemische nicht recyclingfähig seien. Bereits 2018 war der Vorläufer, die sogenannte Orientierungshilfe, erschienen. Der jetzt veröffentlichte Mindeststandard unterscheide sich, außer bei Papierverpackungen, nicht wesentlich davon. Das Gesetz sehe für die Mindeststandards eine jährliche Überarbeitung vor.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de (2.9.2019)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 36/2019, KI, recyclingportal.eu (3.9.2019)
Greenwashing?

Am Beispiel von McDonalds beschreibt die FAZ die Gefahren des Greenwashings beim aktuellen Trend zu Ökomarketing auch großer Konzerne, die sich bislang nicht mit umweltfreundlichem Handeln hervorgetan hätten.

Öko-Grün gelte mittlerweile nicht mehr nur als hipp, sondern auch als verkaufsfördernd. Das Bewusstsein für Themen wie Klimawandel, Plastikvermeidung etc. steige bei den Menschen immer mehr an, sage auch der Nachhaltigkeitsbeauftragte bei dm. Während der Drogeriemarkt allerdings schon länger Produktalternativen anbiete, springe etwa McDonalds nun auf den branchenübergreifenden Nachhaltigkeitszug auf mit Aktionen wie zuletzt dem veganen Burger oder der Filiale „Better M Store“, die ein Jahr lang Müllvermeidung teste. Bis zum Jahr 2030 wolle die Fast-Food-Kette 30 Prozent weniger klimaschädliches Kohlendioxid produzieren. Dazu nehme McDonalds insbesondere Fleisch und Kunststoffverpackungen in den Fokus. Doch hagele es bereits Kritik etwa hinsichtlich der Lieferanten des Tierfutters sowie des veganen Burgers, die als wenig nachhaltig gelten. Es gebe immer schwarze Schafe, sage Michael Bilharz vom Umweltbundesamt zum Thema Greenwashing, doch könne und müsse man mit der Gefahr leben. Selbst die radikale Tierrechtsorganisation Peta begrüße das Angebot des veganen Burgers bei McDonalds, weil es letztlich die Bekanntheit und damit die Nachfrage nach solchen Produkten steigere.

Quelle:

  • FAZ (2.9.2019)
Kreislaufwirtschaft im Fokus

Während auf der einen Seite Euwid über eine gebremste Nachfrage nach Altkunststoffen und eine gedrückte Stimmung in der Recyclingbranche berichtet, finden sich in Tages- und Fachpresse Berichte über Strategien und konkrete Beispiele für mehr Kreislaufwirtschaft.

Im zurückliegenden Monat sei die Nachfrage nach Altkunststoffen äußerst verhalten gelaufen und Regranulate müssten häufig günstiger abgegeben werden, heißt es in der aktuellen Ausgabe von Euwid. Die Recycler klagen immer häufiger darüber, dass sich das negative Image von Kunststoffen in der Öffentlichkeit auf ihr Geschäft auswirke. Kunststoffe würden immer häufiger durch ökologisch nachteiligeres Papier ersetzt. In der FAZ befasst sich ein ausführlicher Beitrag mit dem neuen Markt für Recycling-Rohstoffe. Die meisten seien sich einig, dass Recycling für Klima- und Ressourcenschutz stehe. So entlasten alle Systembetreiber zusammen die Umwelt um 3,1 Millionen Tonnen CO2 im Jahr. Da ginge noch wesentlich mehr, doch käme der Kreislauf bei Kunststoffen nicht so recht in Schwung, weil Absatzmöglichkeiten fehlten. Branchenvertreter forderten vor diesem Hintergrund feste Einsatzquoten in Richtung 20 Prozent, doch sei die Chance aus deren Sicht etwa bei der Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, die derzeit im Entwurf vorliege, verpasst worden. Nun hoffe man auf das Klimaschutzgesetz, dass dort Beschaffungsvorschriften für öffentliche Einrichtungen und/oder ein Mindestanteil von Rezyklaten Eingang fänden. In k-aktuell findet sich ein Beitrag, wie sich ein großer Player wie Covestro den Stoffkreislauf über die ganze Wertstoffkette vorstellt. Dies sei laut Vorstandsvorsitzendem Dr. Markus Steilemann nicht „nur ein Gebot für eine bessere, sauberere und gesündere Welt, sondern birgt langfristig auch ein großes wirtschaftliches Potenzial“. Wie Covestro bereits zur Schließung des Kohlenstoffkreislaufs beitrage und an einer Zukunft ohne fossile Rohstoffe baue, präsentiere das Unternehmen auf der K 2019. Ohnehin stehe die Weltleitmesse der Kunststoffindustrie ganz im Zeichen von Nachhaltigkeit und Recycling, wie zum Beispiel Kunststoff Information aufzeigt. Auch Beispiele gelebter Kreislaufwirtschaft finden sich in der Presse dieser Woche. So berichtet neue-verpackung.de von der Zusammenarbeit von Borealis und Mondi in Hinblick auf einfacher zu recycelnde Lebensmittelverpackungen auf der Basis von Polypropylen. Der zu den weltweit führenden zählende Verpackungshersteller Mondi produziere aus einem speziell modifizierten Copolymer von Borealis neue Monomaterial-Verpackungen für Fleisch- und Milchprodukte. Überhaupt finde laut der Fachzeitschrift die Umstellung auf nachhaltigere Verpackungen auf Polyolefinbasis, die auch die Kreislaufwirtschaft unterstützten, eine breite Zustimmung auch bei Markeninhabern, Einzelhändlern bis hin zu Verbrauchern. Allerdings müssten dazu noch mehr Alternativen zu Multimaterial-Kunststofflösungen gefunden werden.

Quellen:

  • KI (30.8.2019)
  • FAZ (31.8.2019)
  • k-aktuell.de (3.9.2019)
  • euwid-recycling.de (4.9.2019)

23.08. - 29.08.2019

Amazon: Kunststoff statt Karton für mehr Klimaschutz

Der Logistikriese setze bei kleineren Sendungen neuerdings in England, den USA und jetzt auch in Deutschland auf Folienverpackungen aus Kunststoff, was von Umweltverbänden scharf kritisiert werde, berichtet die Fach- und Wirtschaftspresse. Es handle sich dabei laut Amazon um einen geringen Anteil der verkauften Waren. Das Gros werde weiterhin in den bekannten Pappkartons ausgeliefert.

Ein Sprecher des Unternehmens habe bestätigt, dass kleinere Päckchen und damit ein geringer Anteil an Aussendungen nun auch in Deutschland mit Folien- statt Kartonum­verpackungen ausgeliefert würden, berichtet das Manager Magazin. Da Amazon hun­derte Millionen Pakete pro Jahr in Deutschland verschicke, falle jedoch auch dies schon ins Gewicht, kritisierten Umweltverbände. Amazon habe auf die Einsparung von mehr als 244.000 Tonnen Verpackungsmaterial sowie 500 Millionen Kartons in zehn Jahren verwiesen sowie darauf, dass der Wechsel zu Kunststoff ebenfalls der Effizienz und dem Klimaschutz diene, ist auch im Bericht der Lebensmittelzeitung zu lesen. Päck­chen, die früher in dicken Pappumschlägen verschickt wurden, würden deutlich leich­ter. Zudem ließen sich größere Mengen in den Lieferwagen unterbringen und so Fahr­ten einsparen. Im Vergleich zu Papier, schreibt das Manager Magazin, das schwerer ist, energiein­tensiver produ­ziert wird und große Mengen Wasser bindet, könne Kunst­stoff ökolo­gisch vorteilhafter sein. In den USA und Großbritannien gebe es allerdings Proble­me beim Recycling der Amazon-Folien, weil sie mit Papieretiketten beklebt wür­den. In Deutschland erwarteten Amazon und Dua­les System Deutschland (DSD) aller­dings keine Recyclingprobleme, sofern die Etiketten nicht die gesamte Folie bedeckten, aus einem Polymer oder aus Polyolefinen bestünden.

Quellen:

 

  • Manager Magazin (23.8.2019)
  • Lebensmittelzeitung (27.8.2019)
Junge Generation verbraucht die meisten Einwegverpackungen

Die Tagespresse berichtet über die Ergebnisse einer Forsa-Umfrage, wonach die „Genera­tion Greta“ (Die Welt) trotz ihres wachsenden Umweltbewusstseins am häufigsten zu Ein­wegverpackungen greife und damit mehr Abfälle produziere als ältere Menschen. Auch die Autorin eines Beitrags in der Süddeutschen Zeitung, die sich fast wehmütig an Zeiten erinnert, als „Plastik“ überall und das in Ordnung war, aß gerne Thaicurry von ihrem Lieblingsimbiss, warmgehalten in einer Einwegverpackung aus Styropor.

Nach den Ergebnissen einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der niederländischen Bank RaboDirect verbrauchen 71 Prozent der 20- bis 29-Jährigen mindestens einmal im Monat Einwegprodukte, 15 Prozent nutzen sie wöchentlich, wie im Bericht der Welt zu lesen ist. Ähnlich sehe es bei den 14- bis 19-Jährigen aus: In dieser Altersgruppe gäben 68 Prozent an, einmal pro Monat zu Einwegverpackungen zu greifen. Gemeint seien damit in erster Li­nie Verpackungen für Mahlzeiten, etwa vom Lieferservice, von Restaurants oder Imbissbu­den. Laut den Ergebnissen, die selbst die Autoren der Studie überraschten, sei wohl „bequemes und schnelles Konsumieren im Lebensstil der Deutschen fest verankert“. Diese Neigung lasse mit steigendem Alter aber offenbar nach. Denn 86 Prozent der Verbraucher über 60 Jahre hätten geantwortet, nie oder nur selten Lebensmittel in Einwegverpackungen zu kaufen. Im Durchschnitt konsumierten 42 Prozent der Deutschen einmal pro Monat in Einweg verpack­te Mahlzeiten, 14 Prozent mehrmals im Monat und sechs Prozent mehrfach pro Woche.
In der Süddeutschen Zeitung erinnert sich die Autorin eines Beitrags an Zeiten, als das heute „von einer ausgesprochen unsympathischen Aura umgebene“ Plastik noch „für Aufschwung und Leichtigkeit“ gestanden habe. So seien Plastiktüten in den frühen 2000er Jahren zum Beispiel für sie noch Allzweckhelfer gewesen, heute der Griff dazu im Supermarkt mit Schuld- und Schamgefühlen verbunden. Dabei sei die Entscheidung für „Plastik“ oder ein anderes Material gar nicht so einfach. Bio-Plastik sei laut Experten aufgrund der schlechten Trennbarkeit von konventionellen Kunststofftüten keine Alternative und PET-Flaschen könnten durchaus die umweltfreundlichere Wahl sein. Doch dass es einen Abschied vom „Plastik“ geben müsse, das sei mittlerweile gesellschaftlicher Konsens.

Quellen:

  • welt.de, WAZ (27.8.2019)
  • Süddeutsche Zeitung (23.8.2019)
„Feldzug“ gegen die Plastik-Tüte

In Deutschland arbeitet das Umweltministerium grade an einem Gesetz für ein Verbot von Kunststofftragetaschen. Dabei machen Tüten lediglich ein Prozent der im Jahr 2018 in Deutschland hergestellten Kunststoffverpackungen aus, kritisiert laut Tages­spiegel Mara Hancker vom IK. In Dänemark wird das Thema nach Berichten der Tages- und Fachpresse noch höher angesiedelt: Ministerpräsidentin Mette Frederiksen will die Ausgabe kostenloser Tragetaschen aus Plastik verbieten.

Nach Berechnungen der dänischen Regierung soll der Verbrauch von Plastiktüten dadurch um 20 Prozent zurückgehen, ist unter anderem in der FAZ zu lesen. Für Frederiksen sei die Plastikverunreinigung zum Symbol einer Weltbevölkerung geworden, die nicht ordentlich auf ihre Erdkugel aufpasse. Die höheren Abgaben und das nationale Verbot stellten erste Schritte bei der Auseinandersetzung Dänemarks mit diesem Problem dar. Dabei sei hier­zulande sogar unter Umweltschützern umstritten, ob ein Verbot von Plastiktüten der rich­tige Weg ist. Denn die Alternativen wie die Papiertüte oder der Stoffbeutel leisteten der Umwelt nicht zwingend einen besseren Dienst. Der „Feldzug der Politik“ gegen die Trage­tasche lasse die Branche nicht kalt, berichtet der Tagesspiegel und zitiert Mara Hancker von der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V. (IK). Der Verband sehe „die pauschale Diskriminierung der Plastiktüte gegenüber anderen Taschen mit großer Sorge“. Hancker kritisiere das „allgemein um sich greifende Plastikbashing“. Die Ökobilanz der Plastiktrage­tasche sei besser als die der Papiertüte, so Hancker. Angesichts dessen sei es laut Tages­spiegel erstaunlich, dass anders als bei Kunststofftragetaschen nicht dokumentiert werde, wie viele Papiertüten in Deutschland an Verbraucher abgegeben werden. Plastiktüten wür­den genau gezählt. Seit sich im Jahr 2016 die Industrie selbst verpflichtet habe, den Plastik­tütenabsatz bis Ende 2019 auf 90 Stück je Verbraucher und Jahr zu senken (bis 2025 auf 40 Stück), sei die Stückzahl pro Kopf und Jahr auf 24 Tüten bereits weit unter die Zielmarke gesunken, schreibt der Tagesspiegel weiter. Dennoch wolle die SPD-Umweltministerin ein Verbot erlassen. Ob sich dafür in Deutschland eine Mehrheit finden wird, stehe in den Sternen.

Quellen:

  • zeit.de, faz.net, Deutschlandfunk (25.8.2019)
  • tagesspiegel.de (23.8.2019)
  • Pfälzischer Merkur (22.8.2019)

16.08. - 22.08.2019

„Fehlgeleitetes Signal“

Die von Bundesumweltministerin Svenja Schulze angekündigten Vorhaben, Plastiktüten ganz zu verbieten und die Herstellerverantwortung auf den Aufwand der öffentlichen Reinigung auszuweiten, stößt bei der AGVU wie auch beim IK auf deutliche Kritik, wie Fachmedien berichten. Tageszeitungen nehmen den Vorstoß des BMU wie auch der CSU in Bayern, die eine Bundesratsinitiative starten will, zum Anlass für differenzierende Berichte zu Kunststoffen und ihren Auswirkungen auf die Umwelt.

Laut Berichten in der Fachpresse halte die Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt (AGVU) die avisierte Ausweitung der Herstellerverantwortung für ein „fehlgeleitetes Signal“ an die Bürger, die nicht aus der Verantwortung entlassen werden dürften. Es sei weder gerecht noch zielführend, wenn ihnen signalisiert würde, dass die Hersteller für die liegen gelassenen, gebrauchten Verpackungen auf Straßen und in Parks aufkämen. Kommunen müssten mehr für Aufklärung sorgen, zumal sie jährlich 21 Millionen Euro von den dualen Systemen dafür bekämen. Auch die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen fordere, etwas gegen das Littering zu unternehmen. Schließlich seien nicht etwa die Hersteller die Verursacher. Darüber hinaus bezahlten die Inverkehrbringer von Verpackungen über die Lizenzentgelte bereits für deren Entsorgung und Recycling.

Die FAZ greift die politischen Initiativen aus Brüssel und Berlin auf, um die Reaktionen der Branche auf den scharfen Wind, der ihr derzeit entgegen wehe, zu beschreiben. Die Politik betreibe angesichts der Bilder von Plastikmüll und elendig verendeten Tieren und Berichten über Plastik in der Nahrung öffentlichkeitswirksamen Aktionismus. Die Kunststoffverbände suchten dagegen die Offensive, auf digitalen Kanälen und mit intensiver Pressearbeit, doch habe die Industrie die Kritik lange nicht ernst genommen und lediglich auf das in Deutschland funktionierende Recycling verwiesen, so die FAZ. Auch habe die Herstellung von Produkten und Verpackungen seit den 50er Jahren schneller zugenommen als das Problembewusstsein für die Entsorgung. Doch sei die langfristige Hausse nicht aufzuhalten, auch angesichts der aktuellen Konjunkturschwäche. Nicht zuletzt Energiewende, Elektromobilität oder 3D-Druck seien auf Kunststoffe angewiesen. Um die Akzeptanz für den Werkstoff nicht zu gefährden, setzten sowohl Politik als auch Wirtschaft auf Kreislaufwirtschaft und Recycling. Unter anderem habe der Herstellerverband sich zum Ziel gesetzt, die Quote von recycling- oder mehrwegfähigen Verpackungen von derzeit 75 auf 90 Prozent im Jahr 2025 zu steigern. Darüber hinaus wollen Verpackungshersteller bis dahin eine Million Tonnen Recycling-Kunststoffe oder nachwachsende Rohstoffe einsetzen.

Quellen:

  • KI, Recyclingmagazin (16.8.2019)
  • FAZ, Euwid Recycling und Entsorgung 34/2019 (17.8.2019)
  • Plasticker (19.8.2019)
Kunststoffe und Umwelt

Tages- und Wochenzeitungen sind zurzeit voll von Beiträgen zu Initiativen und Hindernissen für mehr Nachhaltigkeit – Kunststoffe sind als Thema fast immer dabei. So publiziert grade beispielsweise die Süddeutsche Zeitung eine „Nachhaltigkeitsserie" mit Hinweisen für Verbraucher zu umweltverträglicherem Konsum.

In einem Beitrag zur Mülltrennung mit Hinweis auf die aktuelle Conversio-Studie mit ihren Zahlen zur Kunststoffverwertung zitiert die Süddeutsche den Reclay-Regionalleiter Axel Subklew, dass die saubere Abfalltrennung durch die Bürgerinnen und Bürger das A und O des Recyclings sei. Auch in einem weiteren Beitrag zu Konsum und Umwelt wird der Verbraucher gegenüber dem Bauern für die Umwelt als wichtiger dargestellt. Hintergrund sei, dass die Transportart für die Gesamt-Ökobilanz des Einkaufs entscheidender sei als die Produktionsart der eingekauften Lebensmittel. In diesem Zusammenhang werden den Konsumenten auch Hinweise zur „richtigen Flasche gegeben“: In erster Linie Mehrweg aus der Region, aber egal, ob aus Glas oder PET, wobei PET wegen des leichteren Gewichts ökologisch noch vorteilhafter sei. Auch PET-Einweg mit hohen Rezyklatanteilen sei „in Ordnung“. Ein eher politisch-philosophischer Beitrag im Feuilleton der Süddeutschen warnt davor, die Verantwortung für den Klimawandel quasi zu privatisieren. Der Autor begründet seine Befürchtung, dass die Politik mit der Aufforderung an die Konsumenten, ihre Plastiktüten zu zählen, aus der Verantwortung entlassen werde, mit einer Reihe von Beispielen. Die Debatte über Klimaschutz habe sich in eine „Ideologie privater Verantwortung verwandelt“ und müsse wieder politischer werden. Ein anderer Beitrag derselben Zeitung befasst sich mit der angeblichen „Gefahr aus der Wasserflasche“. Die Weltgesundheitsorganisation WHO habe vor der Verbreitung von Mikroplastik im Trinkwasser gewarnt. Allerdings könne die WHO aufgrund mangelnder Informationen aus den festgestellten Konzentrationen keine Gesundheitsrisiken ableiten. Zumal eine Wasseraufbereitung, die Keime und Chemikalien entferne, zumeist auch das Mikroplastik beseitige. Das Blatt zitiert dazu auch Martin Wagner von der University of Science and Technology im norwegischen Trondheim, der nicht glaube, dass Wasser etwa die größte Gefahr hinsichtlich Mikroplastik sei. Man wisse nicht, welches die wichtigsten Quellen für Menschen seien. Die FAZ beschreibt in einem ausführlichen Beitrag, warum Plastik im Meer und an den Stränden trotz eines besseren Abfallmanagement als in anderen Teilen der Welt, auch ein deutsches Problem sei und mokiert sich in einem weiteren Artikel darüber, dass Hundehalter in einem Stadtpark einer südhessischen Kleinstadt aus einem Spender nun kleine Karton-Faltschachteln anstelle von Kunststofftüten ziehen könnten, was mit „den arg strapazierten Argumenten der Nachhaltigkeit, des Ressourcenschutzes, der Kreislaufführung und des Klimaschutzes begründet“ werde. Kunststoffe gehe eben derzeit gar nicht, obwohl der Werkstoff mit unendlich vielen guten Eigenschaften überzeuge. Ein Kreislaufpatient springe ja nicht von der Trage, nur weil der Infusionsbeutel aus Kunststoff sei...

Quellen:

  • FAZ, Süddeutsche Zeitung (16.8.2019)
  • FAZ (20.8.2019)
  • Süddeutsche Zeitung, sueddeutsche.de (22.8.2019)
Ein zweites Leben für Kunststoffe

In der aktuellen Ausgabe der Kunststoffe findet sich eine Reihe von Beiträgen, die von Initiativen, Kampagnen und Projekten von Unternehmen der Kunststoffindustrie zur Kreislaufführung ihrer Produktlösungen berichten. Sie sind Teil eines Specials zur K-Messe, die vom 16. bis 23. Oktober in Düsseldorf stattfinden wird.

Alle Berichte im Einzelnen zusammenzufassen, würde hier den Rahmen sprengen, doch zeigen sie in Summe, dass das Thema Kreislaufwirtschaft die gesamte Wertschöpfungskette durchzieht. Der Kreislaufgedanke ist schließlich auch Leitmotiv der kommende Kunststoff-Messe in Düsseldorf, wie laut Kunststoffe alle Firmenvertreter auf der K-Preview-Firmenveranstaltung betonten. In diversen Beiträgen beschreibt das Magazin, wie etwa die Rohstoffhersteller in Europa die Herausforderung annehmen, Kunststoffe im Kreislauf zu führen, wie Kunststoffmaschinenhersteller Anlagen zur Produktion von recyclingfreundlichen Monopolymer-Verpackungsfolien konzipieren und Monomaterial-Tuben entwickeln oder wie sich ein großer Spritzgussmaschinenbauer und Systemanbieter für den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft für die Kunststoffindustrie stark macht und zum Beispiel stabile Spritzgießprozesse zum Einsatz von Rezyklaten, die starken Chargenschwankungen unterliegen, für höherwertige Produkte entwickeln. Dabei spiele die Digitalisierung eine wesentliche Rolle, in der neben weiteren Entwicklungen wie Transformation in der Automobilindustrie und dem Aufbau der Kreislaufwirtschaft das Potenzial zu Wachstumstreibern gesehen werden, die der absehbaren Abschwächung der Konjunktur entgegenwirken könnten. Auf der K werden die angedeuteten Neuentwicklungen dann zu besichtigen und zu erleben sein.

Quelle:

  • Kunststoffe 8/2019

09.08. - 15.08.2019

BMU will Hersteller zur Kasse bitten

Zahlreiche Medien berichten über ein gemeinsames Vorgehen des VKU und BMU, das Bundesumweltministerin Svenja Schulze und VKU-Präsident Michael Ebling diese Woche ankündigten: Hersteller von Einwegartikeln sollen an den Kosten der Stadtreinigung beteiligt werden. Hintergrund ist die bereits verabschiedete Einwegrichtlinie der Europäischen Kommission. Darüber hinaus habe Schulze angekündigt, die Kunststofftüte verbieten zu wollen. Die SPD wolle darüber hinaus das Verbot auf den Einwegbecher ausweiten.

Hersteller von Einwegverpackungen, Zigarettenfiltern und feuchten Tüchern aus Kunststoff sollen künftig die Kosten der Stadtreinigung mittragen. Im Juni hatte die EU die Einwegkunststoffrichtlinie beschlossen, nach der Mitgliedstaaten verpflichtet werden, Hersteller von Wegwerf-Plastikprodukten an den Entsorgungskosten zu beteiligen. Mit der derzeitig als Referentenentwurf vorliegenden Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes wolle Schulze dafür die Rechtsgrundlage für eine spätere Verordnung herstellen, die spätestens im Jahr 2022 greifen soll. Wie hoch der Kostenbeitrag sein werde, solle der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) mit einer deutschlandweiten Untersuchung zum Aufkommen und Anteil von Einwegprodukten in den öffentlichen Abfallbehältern sowie auf Straßen, Plätzen und Parks ermitteln. Darüber hinaus habe Schulze mitgeteilt, dass ihr Haus derzeit an einer gesetzlichen Regelung für ein Verbot von Plastiktüten arbeite. Sie bestätigte zwar, dass deren Verbrauch gegenüber 2015 aufgrund der Selbstverpflichtung des Handels um 64 Prozent zurückgegangen sei und heute bei 24 Tüten pro Einwohner und Jahr liege, doch gehe ihr das nicht weit genug. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte vor kurzem eine Bundesratsinitiative für ein Verbot angekündigt. Der SPD-Bundestagsfraktion reiche das noch nicht. Sie spreche sich laut Berichterstatter Michael Thews dafür aus, das Verbot auf Einwegbecher auszuweiten.

Quellen:

  • Süddeutsche Zeitung, FAZ, recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu, 320grad.de (12.8.2019)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 33/2019, euwid-recycling.de, Süddeutsche Zeitung, plasticker.de (13.8.2019)
  • KI (14.8.2019)
Symbolpolitik statt Plan

Zu den Ankündigungen der Bundesumweltministerin, Kunststofftüten verbieten und Hersteller an den Stadtreinigungskosten beteiligen zu wollen, finden sich in der Presse zahlreiche kritische Stimmen. Um etwas gegen die herrschende Wegwerf-Mentalität machen zu wollen, was Frau Schulze als ihr Ziel bezeichne, brauche es einen abgestimmten Plan und weniger Symbolpolitik, könnte man den Grundtenor der Kritik zusammenfassen.

Plastiktüten verbieten, Hersteller von Einwegprodukten an den Abfallbeseitigungskosten zu beteiligen, das klinge zunächst gut, doch zeugten solche Maßnahmen von keinem konsistenten Plan für eine wirksame Abfallpolitik. Die K-Zeitung weist auf den Wahlkampf im Osten hin, wo die SPD ums Überleben kämpfe. Auch die Süddeutsche vermutet zweifelhafte Absichten und kritisiert am Plastiktütenverbot, dass es ökologisch schlechteren Alternativen den Weg ebne, und an dem Vorhaben der Kostenbeteiligung dessen absehbare Wirkungslosigkeit. Besser wären Anreize für ein umweltfreundlicheres Verhalten und die Etablierung einer Kreislaufwirtschaft. Auch die FAZ hebt in ihrer Kritik auf die ökologische Vorteilhaftigkeit der Plastiktüte gegenüber der Papiertüte und dem Baumwollbeutel ab und zitiert Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, den NABU und den Handelsverband HDE als Kritiker des angekündigten Verbots. Auch laut Lebensmittelzeitung habe HDE-Geschäftsführer Kai Falk mit Unverständnis reagiert, da man doch die Vereinbarung mit dem Bundesumweltministerium übererfüllt habe. Der NABU warne vor „gefährlichen Verlagerungen“ und fordere stattdessen eine Abgabe auf alle Einwegtaschen, unabhängig vom Material. An der Idee, die Hersteller typischer Einwegprodukte an den Kosten der Stadtreinigung zu beteiligen, findet sich bislang noch wenig Kritik in den Medien. Mit Sympathie wird allenfalls auf die etwas verrückt klingende Idee eines Berliners verwiesen, Zigarettenkippen und -schachteln zu bepfanden, was ebenso wie drastischere Geldstrafen für das Wegwerfen einer Kippe mehr Erfolg versprechen würde. Mara Hancker, Pressesprecherin der IK Kunststoffvereinigung Kunststoffverpackungen, verweist in einem auch ansonsten sehr hörenswerten Interview im Deutschlandfunk auf die Wirkungslosigkeit gegenüber der Ursache, nämlich dem Littering. Bei ihren Kindern, die sich weigerten, ihre Spielsachen wegzuräumen, würde ein Hinweis, da käme schon jemand, der von den Spielzeugherstellern dafür bezahlt würde, um ihr Zimmer aufzuräumen, auch keinen Lerneffekt erzielen. Außerdem zahlten die Hersteller von Verpackungen über das duale System bereits für die Entsorgung. Generell plädiere sie dafür, weniger aufgeregt über Plastik und viel mehr über unseren Konsum zu sprechen und darüber, wie wir aus der Wegwerfgesellschaft herauskommen. Um Klimaschutzziele zu erreichen, werde die Kunststoffverpackungsindustrie gebraucht – und zwar mit an runden Tischen und nicht in der Schmuddelecke, in die sie derzeit gestellt werde (zum Interview).

Quellen:

  • FAZ, Welt.de, lebensmittelzeitung.de, k-zeitung.de, kommunalwirtschaft.eu, deutschlandfunk.de (12.8.2019)
  • Süddeutsche Zeitung, FAZ (14.8.2019)
Mikroplastik im Schnee

TV und Printmedien berichten über das Ergebnis einer Untersuchung des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) aus Bremerhaven, nach dem feinste Kunststoffpartikel in Schneeproben nicht nur aus Bayern oder Bremen, sondern auch der Arktis nachzuweisen seien. Die Partikel, die aus Baumaterialien, Lacken und Reifen herrührten, würden offenbar über die Atmosphäre transportiert.

Nach den Ergebnissen des AWI-Forschungsteams sollen erhebliche Mengen an Kunststoffpartikeln auch über die Atmosphäre transportiert werden, berichtet etwa die „Tagesschau“ in der ARD. Von den Alpen bis in die Arktis hätten die Forscher in Schneeproben Mikroplastik gefunden – 154.000 Partikel pro Liter in Bayern, knapp ein Zehntel davon in der Arktis. Dass Schnee so viel mehr Kunststoff transportiere als etwa der Saharastaub, liege laut Gunnar Gerdts vom AWI vermutlich daran, dass der Schnee Mikroplastik besonders effizient aus der Atmosphäre auswasche. Bei dem Kunststoff handele es sich überwiegend um Abrieb von Baumaterialien, Lacken und Reifen. Plastiktüten spielten hier keine Rolle.

Quellen:

  • tagesschau.de (14.8.2019)
  • FAZ (15.8.2019)

02.08. - 08.08.2019

Kreislaufwirtschaft schützt Klima

Mehrere Fachmedien berichten über eine aktuelle Studie des Fraunhofer Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) im Auftrag der Alba-Tochter Interseroh zur Einsparung klimaschädlicher Treibhausgasemissionen durch den Einsatz hochwertiger Recyclingkunststoffe. Vor diesem Hintergrund schlägt der Bundesverband der deutschen Entsorgungswirtschaft BDE vor, die Kreislaufwirtschaft im aktuell diskutierten Klimaschutzgesetz zu verankern.

Nach Berechnungen von Fraunhofer UMSICHT spare der Einsatz des von Interseroh hergestellten Recyclingkunststoffes Recythen im Durchschnitt 60 Prozent an klimaschädlichen Emissionen im Vergleich zum Einsatz von Neuware ein. Darüber hinaus  liege der Verbrauch an Primärenergie je Tonne um rund 21.000 Kilowattstunden unter dem Vergleichswert. Das zweite Markenprodukt von Interseroh, Procyclen, das aufgrund von Individualisierungen aufwändiger zu produzieren sei, spare noch 54 Prozent an klimaschädlichen Treibhausgasemissionen ein. Diese Ergebnisse nehme der BDE zum Anlass, seine Forderung nach einer konsequenteren Kreislaufwirtschaftspolitik zu erneuern. Die Unternehmen der deutschen Kreislaufwirtschaft tragen signifikant zur Entlastung des Klimas bei, wird BDE-Präsident Peter Kurth zitiert, der dafür werbe, die Kreislaufwirtschaft in das derzeit diskutierte Klimaschutzgesetz aufzunehmen.

Quellen:

  • euwid-recycling.de, recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu, kommunalwirtschaft.eu (7.8.2019)
Perspektiven des Recyclings

Wo wir beim Recycling stehen und wohin die Reise gehen kann, ist derzeit vielfach Thema, auch in Inerternetportalen. So berichten das K-Portal zur Kunststoffmesse, die im Oktober wieder weltweiter Magnet für die Kunststoffbranche sein wird, oder auch UmweltDialog, ein Nachrichtendienst zu Themen der Corporate Social Responsibility (CSR), über aktuelle Ansätze bei Recycling und Kreislaufwirtschaft.

Die Zukunft des Recyclings habe gerade erst begonnen, heißt es beim UmweltDialog, noch würden zu viele Kunststoffe beim Entsorger als nicht verwertbar aussortiert. Das liege am typischen Abfallsortierprozess, bei dem der Magnet- und Wirbelstromabscheider Joghurtbecher, an denen noch der Aluminiumdeckel hänge, aussortiere und anschließend der Infrarotlichtscanner bei verschmutzten Abfällen oder bei schwarzen Oberflächen das Material nicht erkennen könne, das somit ebenfalls im Ausschuss lande. Als eine der möglichen Verbesserungen im Sinne einer Minimierung des Ausschusses wird das Projekt „HolyGrail“ beschrieben, an dem 29 Partner darunter Procter & Gamble (P&G), Nestlé, Henkel, der Leergutautomaten-Hersteller Tomra Sorting Solutions, BASF und auch Suez beteiligt seien. Dabei gehe es darum, Kunststoffmaterialien mit einem digitalen Wasserzeichen zu versehen, die so über die gesamte Wertschöpfungskette mit ihrer Umwelt „kommunizieren“ könnten. So könnten auch Sortieranlagen die Ströme leichter nach Materialart und Verwendungszwecke trennen. Als weitere Perspektive für mehr Recycling nennt der Beitrag das chemische Recycling. Dies sei unter anderem auch für Unternehmen wie Coca-Cola interessant, weil so jeglicher PET-Abfall benutzt werden könne, um lebensmitteltaugliches PET herzustellen, wie Maria Luisa Polli, Technische Direktorin für Mittel- und Osteuropa bei Coca Cola, betone. Der Getränke-Multi beteilige sich am Konsortium „DEMETO“, das eine neu entwickelte Methode zur Auftrennung von PET in seine Grundbestandteile zur Marktreife zu führen solle. Auch das „ChemCycling“-Verfahren der BASF gemeinsam mit zehn Industriepartnern wird erwähnt, bei dem aus gemischtem, bislang nicht verwertbarem Plastikabfall sogenanntes Pyrolyseöl hergestellt werden solle. Dazu zitiert der Beitrag den BKV-Geschäftsführer Rainer Mantel, der darauf verweise, dass für Verfahren des chemischen Recyclings noch fünf bis 15 Jahre Entwicklungsarbeit zu leisten seien.

Ebenfalls erwähnt wird die BKV im Internetportal der Kunststoffmesse (k-online.de) mit ihrem neu entwickelten Modell zur Erfassung von Kunststoffabfalleinträgen in die Meere. Die von Consultic (heute: Conversio) entwickelte Methodik „Vom Land ins Meer – Modell zur Erfassung landbasierter Kunststoffabfälle“ sei inklusive eines Handbuches bei der BKV kostenfrei erhältlich (www.bkv-gmbh.de). Kunststoffe seinen auch zu kostbare Wertstoffe, die nicht in die Umwelt entsorgt gehörten, heißt es in einem weiteren Beitrag des Portals. Daraus bestenfalls hochwertige Rezyklate zu machen, sei angesichts der Vielfalt an Kunststoffarten und -gemischen allerdings eine Herausforderung. Im Beitrag wird unter anderem von einem neuen Lösungsansatz berichtet, den Wissenschaftler wie Brett Helms und Peter Christensen vom Lawrence Berkeley National Laboratory (Berkeley Lab) der University of California, USA verfolgen. Dabei gehe es um die Entwicklung eines Polymermaterials, das sich wie ein „Lego-Spieleset“ in kleinste Bestandteile zerlegen und beliebig wieder zusammensetzen lasse.

Quellen:

  • umweltdialog.de ( „Die Zukunft des Recyclings hat gerade erst begonnen“, 1.8.2019)
  • k-online.de („Neue Perspektive für echtes Recycling“, „Marine Litter: Neues Modell erfasst Einträge von Kunststoffabfällen“, 30.6.2019)
Asien will keinen Müll mehr aus dem Westen

Die FAS stellt in einem ausführlichen Beitrag einen Zusammenhang zwischen unserem Müll und den nicht hinnehmbaren Verhältnissen in asiatischen Ländern her. Dort sei nun unser Müll nicht mehr willkommen.

In Berlin trinke einer seinen Kaffee to go und in Malaysia könne ein anderer nicht mehr atmen und werde krank – hier gebe es einen Zusammenhang. Basierend auf Beobachtungen der Organisation Global Alliance for Incinerator Alternatives (Gaia) vor einigen Wochen werden unerträgliche Verhältnisse in verschiedenen Gegenden Südostasiens beschrieben, in denen Müllberge, vor allem Plastikmüll verbrannt werde. Der Müll stamme aus westlichen Ländern wie den Vereinigten Staaten, Spanien, Großbritannien und eben auch aus Deutschland. Ausführlich werden in vielen Spalten die Schwächen der aktuellen Praxis im Zusammenhang mit den Exporten beschrieben. Was aber auch hier fehlt, sind sauber recherchierte Zahlen zu Art und Menge des Exports von Deutschland aus, um den eingangs beschriebenen Zusammenhang halbwegs zu belegen. Es ist allenfalls von „in erheblichem Maße“ die Rede oder, dass Indonesien kürzlich entschieden habe, 49 Container falsch deklarierter Plastikabfälle an die Herkunftsländer zurückzuschicken, „auch nach Deutschland“. Deutschland schicke seinen Müll in Länder, wo besonders viel Plastikmüll in den Meeren lande. Man wüsste als Leserin oder Leser gern, welchen Abfall genau und in welchen Mengen.

Quelle:

  • FAS Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (4.8.2019)

26.07. - 01.08.2019

Keine Pauschalkritik an PET-Flaschen!

Als Reaktion auf die Berichte zur Ökobilanz von Getränkekartons für Milch und Fruchtsäfte warnt das bei der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen angesiedelte Forum PET vor einer Pauschalkritik an PET-Flaschen, wie Fachmagazine berichten. Auch Petcycle wende sich gegen etwaige Rückschlüsse aus der vorliegenden Ökobilanz auf Petcycle-Flaschen.

Die neuen Erkenntnisse des ifeu-Instituts spielten für den Großteil der PET-Getränkeflaschen überhaupt keine Rolle, betone auch Benedikt Kauertz, der die aktuelle Ökobilanz am ifeu-Institut geleitet habe. Die Ergebnisse würden sich ausschließlich auf die Getränkesegmente Saft und Milch beziehen und könnten nicht auf andere Marktsegmente übertragen werden. Von daher warne das Forum PET in der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen auch vor einer Pauschalkritik, da der große Markt der Pfandflaschen für Mineralwasser, Softdrinks und andere Getränke von den Ergebnissen der Ökobilanz nicht betroffen sei. Heute seien schon neun von zehn PET-Einwegflaschen Pfandflaschen, von denen 97 Prozent im Jahr 2018 recycelt würden. Auch Petcycle legt darauf Wert, dass eine Übertragung der Ergebnisse der Ifeu-Ökobilanz zu Getränkeverbundkartons für Milch und Fruchtsäfte nicht auf Mineralwasser und Erfrischungsgetränke übertragbar sei. So hätten Petcycle-Flaschen im Gegensatz zu der in der Ökobilanz betrachteten PET-Einwegflasche für Saft einen hohen Rezyklatanteil von mindestens 55 Prozent und seien auch wegen kürzerer Transportwege ökologisch günstiger als die betrachtete PET-Einwegflasche für Fruchtsaft.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de (27.7.2019)
  • recyclingportal.eu (29.7.2019)
  • kunststoffe.de (31.7.2019)
Weitere Verbote

Laut FAZ hat die indonesische Regierung Einwegprodukte aus Kunststoff von der Ferieninsel Bali verbannt. Die Süddeutsche Zeitung hatte in der Wochenendausgabe vor knapp zwei Wochen eine ausführliche Reportage über die „Plastikinsel“ gebracht. Aber auch in Deutschland geht die Forderung nach Verboten weiter: Der bayerische Ministerrat beschloss laut FAZ eine Bundesratsinitiative für ein Verbot von Einwegplastiktüten.

Seit dem 23. Juni sei in Indonesien das neue Gesetz zum Verbot von Kunststofftüten und Strohhalmen sowie von Styropor auf der Ferieninsel Bali in Kraft, schreibt die FAZ. In der Ausgabe vom 20. Juli hatte die Süddeutsche über die „Sehnsuchtsinsel“, die zur „Plastikinsel“ geworden sei, sowie über Mengen und Maßnahmen in Indonesien ausführlich berichtet. Demnach sollen nach Angaben eines Küstenökologen im Fischereiministerium von Indonesien aus jedes Jahr 1,3 Millionen Tonnen Kunststoffe im Meer landen. Wie die FAZ berichtet, gibt es auch in Bayern Initiativen, Einwegkunststofftüten zu verbieten. Demzufolge soll der Ministerrat eine Bundesratsinitiative beschlossen haben, um die Bundesregierung aufzufordern, „ein Verbot für das Inverkehrbringen von Einwegplastiktüten vorzusehen“. Auch sollen die bayerischen Beamten angehalten werden, künftig auf Kunststofffolien zu verzichten.

Quellen:

  • Süddeutsche Zeitung (20.7.2019)
  • FAZ (31.7.2019 und 1.8.2019)
„Kunststoffbashing war gestern“

Unter dem Titel „Kunststoffbashing war gestern“ gibt Plastverarbeiter einen Überblick über die verschiedenen unternehmerischen Ansätze auf dem Weg zur Circular Economy. Im selben Heft setzt sich ein Gastbeitrag mit der Frage auseinander, ob aus den Kunststoffabfällen aus dem gelben Sack überhaupt hochwertige Regranulate werden können. Die Antwort lautet: Im Prinzip ja, aber nur mit hohem Aufwand. Professor Achim Frick von der Universität Aalen kritisiert im Interview in der Schwäbischen Post die aktuelle Umweltdebatte rund um Kunststoffe als „unseriös“.

Im Beitrag im Plastverarbeiter „Von der Kreislaufwirtschaft zur Circular Economy“ geht es vor dem Hintergrund des Bewusstseinswandels in der Gesellschaft um die Chancen für die europäischen Unternehmen der Kunststoffverarbeitung, die im Vorsprung der europäischen Industrie beim Thema Kunststoffrecycling liegen. Mit zahlreichen Beispielen zeigt der Beitrag, warum die Chancen derzeit gut stehen und aus dem Trend zur Kreislaufwirtschaft ein erfolgversprechender Markt geworden sei, der auch global eine Zukunft habe.

In derselben Ausgabe des Plastverarbeiters erläutert Arne Jost von mtm plastics als Gastautor die Herausforderungen, aus den Kunststoffverpackungsabfällen aus dem Gelben Sack hochwertige Rezyklate herzustellen. Eigentlich sei das aufgrund der schlechten Inputqualitäten kaum möglich, werde aber mit aufwändigem Aufbereitungsaufwand dennoch tagtäglich in den Recyclinganlagen bewerkstelligt. Jost beschreibt die wesentlichen Hindernisse auf dem Weg zu hochwertigen Rezyklaten, die vor allem in der Zusammensetzung der Verpackungen liegen. Und er gibt praktische Hinweise, wie es durch Änderungen beim Verpackungsdesign besser ginge. Für ein Gelingen der Kreislaufwirtschaft und das Erfüllen der ambitionierten Recyclingquoten müssten die dringend beachtet werden, um mehr Menge für ein hochwertiges Recycling zu erhalten, so Jost.

Im Interview mit der Schwäbischen Post legt Achim Frick, Professor für Kunststofftechnik an der Universität Aalen, dar, warum Kunststoffe besser als ihr Ruf seien. Ein Großteil der Bevölkerung nehme Kunststoff nur als Plastikmüll wahr. Mikroplastik im Meer sei ein durch Menschen verursachtes Problem und keines des Kunststoffs. Im Übrigen seien nur 30 Prozent des Kunststoffverbrauchs für Verpackungen. Der moderne Mensch komme ohne Kunststoffe nicht aus. Diese besitzen Eigenschaften, die mit keinem anderen Werkstoff zu erreichen seien.

Quellen:

  • Plastverarbeiter, Schwäbische-post.de (30.7.2019)

19.07. - 25.07.2019

Positive Ökobilanz für Getränkekartons

Laut einer neuen Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) schneiden Milch- und Saftkartons im Vergleich zur Mehrweg-Glasflasche deutlich besser ab, als von einzelnen Interessengruppen immer wieder behauptet werde, betont der Auftraggeber der Studie, der Fachverband Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel (FKN). Nachrichtenmagazine wie Fachmedien berichten über die Ergebnisse.

Umweltbewusste Verbraucher machten nichts falsch, wenn sie Milch oder Fruchtsäfte in Getränkekartons statt in einer Glasmehrwegflasche kauften, berichten vor allem Wochenmagazine ihren Lesern. Getränkekartons seinen abhängig vom Inhalt manchmal sogar die ökologisch bessere Wahl. Gegenüber der PET-Einwegflasche habe der Getränkekarton in allen untersuchten Getränkesegmenten besser abgeschnitten. Das gehe aus der neuen Studie des ifeu in Heidelberg hervor. Sowohl das UBA als auch das Freiburger Öko-Institut bestätigten die Aussagekraft der Studie. Deren Ergebnisse bestätigten frühere ökobilanzielle Untersuchungen des ifeu, die zu einer generellen Freistellung des Getränkekartons von der Pfandpflicht geführt hatten. Mit der aktuellen Ökobilanz sehe sich der FKN für die aktuelle Diskussion über weitergehende gesetzliche Regelungen bei Getränkeverpackungen gut gerüstet, wie die Fachmedien berichten.

Die Autoren der Studie weisen gemäß der Berichte darauf hin, dass insbesondere der hohe biobasierte Anteil der Getränkekartons, also der Einsatz des nachwachsenden Rohstoffs Holz, zu der positiven Bewertung beigetragen habe. Vor allem in der Wirkungskategorie „Klimawandel“, der das UBA höchste Priorität einräume, schneide der Getränkekarton im Vergleich zu allen anderen Verpackungsarten am besten ab. Bei der Ökobilanz handle es sich um die erste Verpackungsökobilanz, die nach neuen Mindestanforderungen des UBA erstellt wurde, deren Grundlage wiederum die Anforderungen der ISO-Normenreihe 14040-44 bilden. Die Studie beziehe sich ausschließlich auf den Vergleich von Getränkeverbundkartons mit PET-Einweg- und Glas-Mehrwegflaschen in den Getränkesegmenten Saft/Nektar, H-Milch und Frischmilch im Referenzzeitraum 2015 bis 2017.

Mehr Information: getraenkekarton.de

Quellen:

  • wiwo.de, stern.de, mdr.de, euwid-recycling.de, recyclingmagazin.de (23.7.2019)
  • neue-verpackung.de (24.7.2019)
Erster Entwurf für ein neues KrWG

Euwid berichtet über einen ersten Entwurf zur Neufassung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes aus dem Hause des Bundesumweltministeriums. Die im Rahmen des EU-Kreislaufwirtschaftspakets beschlossenen Anpassungen an der Abfallrahmenrichtlinie sollen damit in nationales Recht umgesetzt werden.

Darüber hinaus wolle die Regierung laut Euwid die notwendig gewordene Novelle für weitere abfallrechtliche Änderungen nutzen. Unter anderem soll der Entwurf weiter gefasste Vorgaben zur Produktverantwortung enthalten. Demnach sollen Hersteller künftig finanziell und organisatorisch „für die Bewirtschaftung der nach Gebrauch ihrer Erzeugnisse entstandenen Abfälle verantwortlich sein“ (Euwid). Auch sollen sie sich an den Kosten, die Kommunen für Reinigung der Umwelt, Recycling oder Beseitigung entstehen, beteiligen. Information und Beratung der Öffentlichkeit zu Aspekten des Umgangs mit Abfällen sollen künftig auch Teil der Produktverantwortung werden. Unter anderem soll auch die öffentliche Hand stärker in Pflicht genommen werden, die Kreislaufwirtschaft zu fördern. So sollen künftig Materialien und Gebrauchsgüter, die besonders ressourcenschonend und unter Einsatz von Rezyklaten hergestellt wurden, künftig den Vorzug erhalten.

Quelle:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 30/2019 (23.7.2019)
Kunstrasen vor dem Aus?

In der zu Ende gehenden Woche häuften sich Berichte auch in der Tagespresse zu einem angeblich von der EU Kommission geplanten Verbot des Gummigranulats, das beim Bau von Kunstrasenplätzen zum Einsatz kommt. Mitte der Woche meldete die Europäische Kommission, dass sie an keinem Verbot arbeite.

Auf tausende Fußballplätze in Deutschland käme ein Problem zu, wenn die EU Mikroplastik verbiete, meldeten Anfang der Woche noch die FAZ und andere. Bereits ab 2022 sollte angeblich das Verbot der für solche Sportplätze eingesetzten Gummigranulate verboten werden. Hintergrund sei, dass bei den Mikroplastikeinträgen Kunstrasenplätze auf Rang fünf der Eintragsquellen stünde, wie etwa der Spiegel mit Hinweis auf die Studie des Fraunhofer UMSICHT Instituts schreibt. Der auch für Sport zuständige Innenminister Horst Seehofer hatte bereits angekündigt, sich für eine sechsjährige Übergangsfrist stark zu machen. Diese Frist habe etwa auch der Deutsche Fußballbund gefordert, der durch das Verbot vor allem den Jugendfußball gefährdet sehe. Es gebe in Deutschland rund 5.000 solcher Plätze. Die Kosten für die Umrüstung eines Platzes werden auf eine halbe Million Euro geschätzt, was die meisten Vereine nicht leisten könnten. Mitte der Woche meldete dann die Europäische Kommission, dass sie an keinem Verbot arbeite. Sie prüfe vielmehr im Rahmen der Kunststoffstrategie, wie die Menge an Mikroplastik in der Umwelt verringert werden könne. Dazu führe die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) unter anderem eine öffentliche Konsultation durch, welche Auswirkungen eine mögliche Beschränkung hätte des Mikroplastikgranulats, das auch zur Befüllung von Kunstrasenplätzen zum Einsatz komme. Wie eine Beschränkung möglich sei, werde nächstes Jahr nach Vorlage der Ergebnisse geprüft. Bei der Ausarbeitung eines Vorschlags würde die Kommission sicherstellen, dass die Maßnahmen wirksam seien aber auch verhältnismäßig mit Blick auf die gesellschaftlichen Auswirkungen.

Quellen:

  • faz.net, spiegel.de (21.7.2019)
  • ec.europa.eu (23.7.2019)
  • euwid-recycling.de (24.7.2019)
Schnell der Dumme

Im Interview mit der Welt mahnt der neue Vorsitzende des neu aufgestellten Lebensmittelverbands Deutschland, Philipp Hengstenberg, mehr Engagement seiner Branche beim Klimaschutz an.  Beim Thema Plastikmüll ist ihm die Diskussion allerdings häufig zu emotional und verbotsorientiert.

Der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft hat sich laut Die Welt neu aufgestellt. Aus BLL, das etwa sperrig für „Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde“ stand, sei nun schlicht „Lebensmittelverband Deutschland“ geworden. Im Interview fragt Die Welt den Vorsitzenden Philipp Hengstenberg nach Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Umgang mit Plastikverpackungen in der Lebensmittelbranche. Laut Hengstenberg müsse sich die Branche bei Nachhaltigkeit und Klimaschutz deutlich weiterentwickeln, unter anderem würden auch bei Recycling und Kampf gegen Lebensmittelverschwendung sichtbare Fortschritte gebraucht. Beim Thema Plastikverpackungen sieht er einen klassischen Zielkonflikt: Auf der einen Seite die Klage, dass zu viele Lebensmittel weggeworfen würden, auf der anderen „Forderungen, das entscheidende Material, das sie länger haltbar macht, zu verbieten. Diesen Konflikt müssten wir konstruktiv lösen“, sagt Hengstenberg. Verpackungen, insbesondere aus Kunststoff, würden gebraucht – „alles andere ist eine Illusion“. Es würde in der Branche sehr viel Geld ausgegeben, um Verpackungen zu optimieren. Allerdings müssten Bürger auch ihren Müll richtig sammeln und sortieren, und die Entsorgungswirtschaft müsste sie dann besser aufbereiten. Dabei gehe es nicht um Schuldzuweisungen, die Ausplünderung des Planeten hätten wir alle zu verantworten, auch wenn die Unternehmen eine besonders hohe Verantwortung hätten. Doch Verpackungs- und Produktkonzepte zu ändern, bräuchte Zeit. Doch das interessiere wohl niemanden. Hengstenberg nerve, „wie schnell man der Dumme ist“.

Quelle:

  • welt.de (17.7.2019)

12.07. - 18.07.2019

Chancen des chemischen Recyclings

Die FAZ wie das Online-Fachmagazin 320° berichten über eine vor kurzem veröffentlichte Studie der Boston Consulting Group (BCG) zu Marktchancen des chemischen Recyclings von Kunststoffabfällen, das nach Einschätzung der Autoren bei der Verwertung eine Lücke auch wirtschaftlich schließen könne.

Chemisches Recycling könne die Lösung sein für Materialien, bei denen das werkstoffliche Recycling an seine Grenzen stoße, berichtet die FAZ mit dem Verweis auf eine Anfang der Woche veröffentlichte Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG). Unter bestimmten Bedingungen könnten Verfahren wie die Pyrolyse eine Lücke in der Abfall-Kreislaufwirtschaft schließen, zumal auch in Zukunft sehr viel Kunststoff gebraucht und produziert werde. Im Rahmen der Studie haben die Autoren Kosten, Marktpotenzial, Umweltauswirkungen sowie Mängel des Pyrolyseprozesses in acht verschiedenen Weltregionen und drei unterschiedlich entwickelten Abfallmärkten untersucht. Als ihre wichtigste Schlussfolgerung geben die Autoren laut 320° an, dass, auch wenn die wirtschaftlichen und geschäftlichen Herausforderungen unterschiedlich seien, Umwandlungstechnologien wie die Pyrolyse in allen Markttypen wirtschaftlich tragbar seien. Die FAZ zitiert Studienautor und BCG-Senior-Advisor Udo Jung mit dem Hinweis, dass es weniger darum gehe, das chemische Recyclinganlagen besonders umweltschonend seien, sondern darum, die beiden viel schlechteren Optionen Verbrennung und Deponierung zu vermeiden.

Quellen:

  • FAZ (15.7.2019)
  • 320° (16.7.2019)
Remondis/DSD: zur Untersagung und ihren Folgen

Darüber, dass Remondis den Grünen Punkt nach Intervention des Bundeskartellamtes nicht übernehmen darf, berichteten nochmals etwas ausführlicher die Süddeutsche Zeitung sowie der Fachinformationsdienst Euwid. Während die Süddeutsche am Ende abhebt auf den Aspekt der damit verbundenen Vertikalisierung, die auch die Schwarz-Gruppe plane, geht Euwid tiefer auf die Details des geplatzten Deals ein.

Nach Beschreibung der von Seiten des Kartellamtes genannten Gründe der Ablehnung – mögliche Verdrängung von Remondis Wettbewerbern und die damit verbundene Wahrscheinlichkeit höherer Gebühren für die Bürger – weist die Süddeutsche auf die Vertikalisierung „im größeren Stil“ hin, zu der die Fusion geführt hätte. Kritiker der Kartellamtsentscheidung hätten darauf hingewiesen, dass damit der Umwelt eher geholfen werde. Die vergangenen fast 30 Jahre hätten dagegen eher ein dysfunktionales System hervorgebracht. Mit Spannung blicke nun die Branche auf die Schwarz-Gruppe, deren Aktivitäten im Abfallgeschäft ebenfalls auf eine Vertikalisierung abzielten. Euwid betrachtet unter anderem die Möglichkeiten, die Remondis nun bleiben. Eine Beschwerde beim Düsseldorfer Kartellsenat mit langer Dauer und ungewissem Ausgang oder der Kauf eines kleineren dualen Systems. Sowohl für Remondis als auch für das Duale System Deutschland sei die derzeitige Situation mit Kostenrisiken verbunden.

Quellen:

  • Süddeutsche Zeitung (12.7.2019)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 29/2019 (16.7.2019)
Titandioxid: alternativlos

In der aktuellen Ausgabe der Kunststoffe erläutert ein Beitrag vor dem Hintergrund, dass die EU-Kommission Titandioxid (TiO2) als „Krebsverdachtsstoff“ einzustufen erwäge, Einsatz und Verwertung von Titandioxid in der Kunststoffverarbeitung und beim Recycling. Die Ergebnisse einer Studie zeigten, dass eine solche Einstufung mit massiven Folgen verbunden wäre.

Die Autoren, Ulrich Schlotter, Leiter Projekte bei der BKV, und Dr. Ingo Sartorius, Geschäftsführer beim Verband PlasticsEurope Deutschland, befassen sich mit den möglichen Folgen einer Einstufung von TiO2 nicht nur auf Kunststoffanwendungen, sondern auch für die werkstoffliche Verwertung entsprechender Kunststoffabfälle. Dazu erläutern sie die Ergebnisse der Studie, die das Marktforschungsunternehmen Conversio Market & Strategy GmbH (Mainschaff) im Auftrag der BKV sowie einer Reihe von Verbänden der Kunststoffwertschöpfungskette erstellt hat. Am Ende kommen die Autoren zu dem Schluss, dass bei einer Einstufung von TiO2 als Krebsverdachtsstoff sowohl in der Kunststoffverarbeitung als auch in der Abfallentsorgung bzw. beim Recycling massive Einschränkungen zu erwarten seien. Dies würde insbesondere etablierte Märkte des Recyclings sortierter Kunststofffraktionen sowie Kunststoffe aus Bauanwendungen betreffen. Alternativen zu TiO2 gebe es nicht.

Mehr Information: zur Studie „Titandioxid in Kunststoffen“

Quelle:

  • Kunststoffe 7/2019
Paradigmenwechsel in der Kommunikation

In Horizont findet sich ein Beitrag zur Kommunikation der Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit, an denen heute auch Marken nicht vorbeikämen. Die sei allerdings mit einfachen Wahrheiten in plakativen Werbebotschaften nicht zu leisten. Die Autorin, Geschäftsführen der PR-Agentur Golin Deutschland, plädiert für neue Kommunikationsstrategien gerade beim Thema „Plastik“.

Bei komplexen Themen wie dem des (Plastik-) Mülls sei guter Rat teuer, weil der bisherige universelle Rat zu einfach, eindeutig und so aufrecht wie möglich nicht mehr greife. Die Diskussion um Plastikmüll sei „laut und polarisierend, ikonografische Bilder wie verendete Seevögel und Meeresschildkröten befeuern dabei die Empörung“. Unternehmen, die sich einmischten, könnten scheinbar nur verlieren. Zu vielen Studien gebe es gleich Gegenstudien. An Beispielen wie dem Coffee-to-go-Becher zeigt die Autorin Widersprüchliches in der Sache wie in der Wahrnehmung auf. In der Kommunikation plädiert sie für das Zulassen von Widersprüchen anstelle der Unterschlagung von Fakten. Einfache Botschaften greifen in komplexen Themenfeldern wie Plastik und Nachhaltigkeit nicht. Vertrauensbildung laufe nicht über Behauptungen, man habe DIE LÖSUNG gefunden, sondern Verbrauchern reinen Wein einzuschenken, dass Unternehmen in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit in einer Testphase seien. Verbraucher erwarteten auch „gar kein perfekt und fix und fertig“ mehr, Brüche seien erlaubt. Neue Kommunikationsstrategien seien überfällig, Menschen wollten heute bei der Kommunikation mit auf den Weg genommen werden.

Quelle:

  • horizont.net (17.7.2019)

05.07. - 11.07.2019

„Verbannung“ und Vermeidung von „Plastik“

Für großen medialen Wirbel hatte ein Facebook-Post eines Stuttgarter Getränkehändlers gesorgt, in dem er ankündigte, PET-Einwegflaschen aus seinem Sortiment zu verbannen. Die Fachpresse griff auch den Widerspruch auf von PET-Recyclern, die sich vor allem ge­gen Aussagen des Händlers zum Recycling wehren. Laut Experten sei die PET-Einwegfla­sche besser als als ihr Ruf, berichtet die Süddeutsche Zeitung, vor allem solche mit hohem Rezyklatanteil. In einem Online-Bericht über Abfall-Vermeidungs-Workshops schreibt die Süddeutsche Zeitung, dass es im „Wettkampf am Mülleimer“ für Manche gradezu ein Sport geworden sei, so wenig „Plastik“ wie möglich hinein zu werfen.

Den „Plastik“-Nerv von Verbrauchern habe Hans-Peter Kastner wohl getroffen, berichtet das TV-Magazin Brisant, als der Getränkehändler per Facebook-Post mitteilte, ab August Einweg-Kunststoffflaschen aus seinem Sortiment zu nehmen und künftig auf Glas-Mehrweg zu setzen. Seither würden seine Botschaften millionenfach im Netz geklickt, die Medien ris­sen sich um Interviews mit ihm. Die meisten Kunden unterstützten ihn, wird Kastner auch in einem Bericht in der aktuellen Ausgabe von Euwid Recycling und Entsorgung zitiert. Sogar Umsatzverluste, mit denen er rechne, könnten ihn nicht von seiner Entscheidung abbrin­gen. Unter deutschen PET-Recylern seien die Medienberichte über Kastners Initiative auf Unverständnis gestoßen, berichtet Euwid weiter. Sie kritisierten vor allem unwidersproche­ne Aussagen des Händlers zum Recycling, wonach man laut Kastner nicht sagen könne, ob die Flaschen fachgerecht recycelt oder ins Ausland verkauft und dort ins Meer geschmissen würden. In Deutschland, stellten die Recycler gegenüber Euwid ihre Sicht der Dinge klar, würden nahezu 99 Prozent der PET-Einwegpfandflaschen erfasst und zu über 80 Prozent hierzulande recycelt. Auch exportierte PET-Flaschen (16 Prozent) landeten nicht im Meer, sondern würden in den europäischen Nachbarländern verarbeitet.
In einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) mit dem Titel „Die richtige Flasche“ ist zu lesen, dass Mehrweg vielen Verbrauchern beim Einkauf weiterhin als das Nonplusultra gel­te. So pauschal lasse sich das laut Experten vom Heidelberger Ifeu-Institut oder dem UBA aber nicht sagen. Beim Vergleich einer PET-Flasche mit einer individuell gestalteten Mehr­weg-Bierflasche aus Glas zum Beispiel könne laut Ifeu die Ökobilanz der Mehrwegflasche schlechter aus­fallen, da sie wieder zurück zum Abfüllort befördert, dort gewaschen und gereinigt wer­den müsse, ehe sie wieder befüllt werde. Nach Angaben der Bundesvereinigung der Deut­schen Ernährungsindustrie (BEV) sei die ökologisch günstigste Getränkeverpackung inzwi­schen – und diese Ansicht teilten auch viele Umweltexperten –  die PET-Mehrwegflasche aus dem Pool der Genossenschaft Deutscher Brunnen. Am besten, so die Experten, seien Mehrwegflaschen aus der Region, egal ob aus Glas oder PET. In Ordnung seien auch große, leichte PET-Einwegflaschen mit hohem Rezyklatanteil. Nur bei kurzen Transportentfernun­gen seien Mehrwegverpackungen den Einwegverpackungen deutlich überlegen.

Keine Welt ohne „Plastik“

Kunststoff habe erst möglich gemacht, was heute selbstverständlich sei wie Telefonkabel, Steckdosen, Computer oder Elektroautos und eine Welt ohne „Plastik“ werde es nie wieder geben, ist in einem weiteren Bericht der SZ zu lesen. Für eine Welt mit weniger „Plastik“ besuchten viele Verbraucher nun Workshops, um zu lernen, wie man als Ersatz für Frischhaltefolie Bienenwachstücher oder verpackungsfreie Peelings aus Kaffee­satz herstellt. Noch sei das plastikfreie Leben ein kleines Phänomen, aber immer mehr Menschen wollten wissen, wie sie weniger „Plastik“ verbrauchen können. Doch sei das Ge­fühl, mit jeder Tüte, die im Supermarkt bleibt, die Welt ein bisschen besser zu machen, eine Illusion, die im besten Fall dazu führe, dass Verbraucher sich mit ihrem Müll beschäftigten.

Quellen:

  • daserste.de/Brisant, swrfernsehen.de/Brisant (4.7.2019)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 28/2019 (9.7.2019)
  • Süddeutsche Zeitung (5.7.2019)
  • sueddeutsche.de (6.7.2019)
Kritik an und Streit um Werbung mit Recycling-Labels

Umweltverbände warnen laut Berichten der Fach- und Tagespresse vor der Irreführung von Verbrauchern durch Werbung mit recyceltem Kunststoff in Produkt-Verpackungen, wie sie Hersteller verstärkt einsetzten. Nicht immer, wie zum Beispiel bei einem Toilet­tenartikel von Henkel, stimmten die Angaben. Brisant sei das Thema, schreibt etwa die Süddeutsche Zeitung (SZ), weil auch Dm und Rossmann angekündigt hätten, Plastikfla­schen und Verpackungen mit hohem Recyclinganteil für den Konsumenten mit einem Logo zu kennzeichnen.

Überprüfbar seien die Angaben für den Verbraucher kaum, so die SZ. Auch würden recycel­te Kunststoffe oft importiert und stammten gar nicht, wie der Käufer vermuten könne, aus dem Gelben Sack. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) habe zu Beginn der Woche vor „irrefüh­renden Tricksereien“ von Henkel bei der Angabe verwendeter Recyclingmaterialien auf ei­nem Toilettenreiniger gewarnt, der mit dem Hinweis beworben worden sei, das Körbchen für die WC-Kugeln bestehe aus 100 Prozent recyceltem Kunststoff. Hergestellt sei es aber aus Produktionsabfällen und nicht aus Post-Consumer-Material. Auch bei PET-Flaschen, in denen die Henkel-Produkte Pril-, Bref-, Sidolin- oder Vernel angeboten werden und die als bestehend aus Recyclingkunststoff beworben würden, stamme das Material zu mindestens 95 Prozent nicht aus dem Gelben Sack, was Henkel mit der unzureichenden Verfügbarkeit und Qualität von Rezyklaten aus dieser Quelle begründet habe. Der Konzern importiere, wie die meisten anderen Hersteller, seine Rezyklate aus dem europäischen Ausland. Aufge­fallen war die Kennzeichnung des Henkel-Toilettenprodukts als aus Recyclingmaterial beste­hend dem Konkurrenten Werner & Mertz, weil es strahlend weiß war, was bei Produkten mit hohen Rezyklatanteilen aus gebrauchten Verpackungen nicht der Fall sei, berichtet auch das Recyclingmagazin. Der Putzmittelhersteller habe Klage erhoben und Recht bekom­men. Im Etikettenstreit zwischen Werner & Mertz und Procter & Gamble dagegen habe, wie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zu lesen ist, das Kölner Landgericht dem Branchenführer recht gegeben: Der Mainzer Mittelständler führe die Verbraucher in die Irre, wenn er unter seiner Marke Frosch ein „Spülmittel für saubere Meere“ verkaufe, so das Urteil des Richters. Er könne nicht erkennen, inwiefern ein Spülmittel einen Beitrag zur Sauberkeit der Meere leiste. Die Begründung für den Frosch-Spülmittel-Slogan, er sei Aus­druck des herausragenden Engagements von Werner & Mertz, man verwende ausschließ­lich biologisch abbaubare Inhaltsstoffe und arbeite nur mit Recycling-Verpackungen, deren Rohstoffe teilweise aus dem Gelben Sack stammten, auch Mikroplastik sei tabu, überzeug­ten den Richter nicht. Gestritten hätten Branchenriese Procter & Gamble, bekannt für Marken wie Ariel und Fairy, und Werner & Merz mit seiner Marke „Frosch“ bereits mehr­fach darum, ob der jeweils andere tatsächlich umweltschonende Produkte auf den Markt bringe, schreibt die FAZ weiter. Bislang hätten stets die Mainzer recht bekommen, doch nun habe der „Frosch“ erstmals gegen den „Riesen“ verloren.

Quellen:

  • Süddeutsche Zeitung (9.7.2019)
  • recyclingmagazin.de (8.7.2019)
  • FAZ (5.7.2019)

28.06. - 04.07.2019

„Grün“ und „plastikfrei“ im Trend

Die deutsche Gesellschaft werde immer grüner, befindet die FAS. Ein „grüner“ Lebensstil, der unter anderem den Verzicht auf „Plastik“ beinhalte, sei heute schick. NGOs wie der BUND oder NABU hätten seit ihren Anfängen in den 70er Jahren sehr zu dieser Entwick­lung beigetragen. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, wie Politik und Abfallwirtschaft in München „radikale Forderungen“ der Fridays for Future Bewegung, zum Beispiel dass die Stadt bis 2025 „einwegplastikfrei“ werden soll, beantworten.

Umweltverbände wie der NABU, BUND und Co., ist in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) zu lesen, seien schlagkräftige und meinungsbildende Organisationen, die Mehrheiten erzielten, deren Argumente gehört würden und die Deutschland durch ihre aufwendige und professionelle Lobbyarbeit verän­dert hätten. Als Musterbeispiel „faktenbasierter Einflussnahme“ lobt die FAS die Vorstel­lung des BUND-„Plastikatlas“ mit „Daten und Fakten zu Kunststoff“ - die Publikation war von Fachkreisen auch wegen unkorrekt wiedergegebener Zahlen zu Recyclingquoten kriti­siert worden (s.u. Presseschau vom 13.6.2019). Auch der einflussreiche BUND sei ein typi­sches Produkt der siebziger Jahre mit mehr als 600.000 Unterstützern, ist in dem Beitrag der FAS zu lesen, der die Historie sowie erfolgreiche Kampagnen einer Reihe von Umwelt­schutz- und Verbraucherverbänden schildert und ihre Bedeutung für die Grünen-Partei thematisiert.
Von 31 Vorschlägen der Freitags in München für mehr Klimaschutz demonstrierenden Schü­lerinnen und Schüler, darunter Müll-Vermeidung und Verzicht auf Einwegplastik, wählte die Süddeutsche Zeitung zwölf aus und wollte wissen, was Entscheidungsträger der Stadt dazu zu sagen haben. Die auch auf Kunststoffe bezogenen Forderungen, wie eine Recyclingquote im Stadtgebiet ab 2030 nicht unter 90 Prozent hielten die Münchner Abfallwirtschaftsbe­triebe (AWM) für ein sportliches Ziel, das nur zu erreichen sei, wenn alle an einem Strang zögen. Um die Recyclingquote der Stadt zu verbessern, wolle die Bayernpartei eine „Gelbe“ (Wertstoff)-Tonne einführen, die Grünen hielten dazu bundes- und EU-weite Gesetze für er­forderlich. Das Ziel, die Stadt „einwegplastikfrei“ zu machen, begrüße die AWM, habe dafür aber außer bei Veranstaltungen auf städtischem Grund keine gesetzliche Handhabe.

Quellen:

 

  • FAS (30.6.2019)
  • sueddeutsche.de (28.6.2019)
Umgang mit Kunststoff-Kritik und Lösungsansätze

Das stark angekratzte Image von Kunststoffen war, wie das Magazin „Kunststoffe“ berich­tet, ein zentrales Thema in Frankfurt am Main beim gut besuchten Fachpressetag von PlasticsEurope. Doch die stets kritisch berichtende Tages- und Wirtschaftspresse sei bei dem Termin, bei dem sich der Verband erneut große Mühe gab, die komplexe Materie auch für fachfremde Teilnehmer allgemein verständlich darzustellen, nicht anwesend gewesen.

Bis auf den letzten Platz sei der Veranstaltungssaal beim Verband der Kunststofferzeuger mit Fachjournalisten aus Deutschland, Österreich, Polen, Tschechien und Ungarn sowie einigen Firmenvertretern gefüllt gewesen, schreibt das Fachmagazin. Das Image-Problem des Werkstoffs zeige sich auch in den Ergebnissen der letzten Umfrage von PlasticEurope, wonach fast 80 Prozent der Befragten Kunststoffe für eher schädlich als unverzichtbar hiel­ten. Es sei ein falscher Eindruck entstanden, zitiert „Kunststoffe“ Dr. Rüdiger Baunemann, Hauptgeschäftsführer von PlasticsEurope Deutschland, Verpackungen an sich seien nicht schlechter geworden. Er warne davor, Verbote wie das für Einwegpro­dukte zu bagatellisieren, denn weitere könnten folgen. Im Zuge der Kunststoff-Kritik wür­den allen voran die Rohstofferzeuger und Verarbeiter immer wieder angeprangert. Die In­dustrie müsse, wird Baunemann in dem Bericht wiedergegeben, „selbstkritisch, aber selbst­bewusst“ mit den Themen umgehen. So wolle man zum Beispiel während der K-Messe in Düsseldorf gemeinsam mit dem Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV) und dem Verband Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) diesmal neben Fachbesuchern ge­zielt auch Politiker, Schüler sowie die breite Öffentlichkeit ansprechen. Auch eine im Okto­ber 2018 gestartete Kommunikationsoffensive solle die Diskussion versachlichen und über digitale Medienkanäle wie den neuen Newsroom Kunststoffverpackungen sowie Facebook, Twitter und Youtube einen verbrauchernahen Dialog aufbauen. Einen Beitrag zu einer fun­dierten Daten- und Faktenbasis liefere zum Beispiel demnächst wieder das Marktforschungsbüro Conversio, das derzeit an einer Übersicht der weltweiten Recyclingzahlen ähnlich wie in der Conversio-Studie für Deutschland arbeite. Vorgestellt wurden laut „Kunststoffe“ auch aktuelle Forschungsergebnisse zum Recycling. Die BKV GmbH habe un­tersucht, ob chemisches Recycling eine weitere Option für die Kreislaufwirtschaft darstellen könne. Die Ergebnisse, die BKV-Geschäftsführer Rainer Mantel vorgestellt habe, hätten ge­zeigt, dass die chemischen Recyclingverfahren aus ökonomischer Sicht durchaus wettbe­werbsfähig mit der thermischen Verwertung sein könnten.

Quelle: Kunststoffe 06/2019 (21.6.2019)

DSD-Übernahme: Bundeskartellamt bleibt trotz Zugeständnissen bei Nein

Nach Informationen der Tages- und Fachpresse bleiben die Bonner Wettbewerbshüter trotz in letzter Minute eingereichter Zusagen durch Remondis bei der Absicht, die Fusion zu untersagen. Remondis wolle die Auseinandersetzung dann gegebenenfalls vor Gericht fortzusetzen.

In einer „vorläufigen Einschätzung“ habe das Bundeskartellamt die Vorschläge am Donner­stag als unzureichend zurückgewiesen. Bei einer Übernahme des marktführenden Dualen Systems durch den größten deutschen Entsorger Remondis befürchte das Amt eine Markt­konzentration, die zur Verdrängung von Wettbewerbern und steigenden Preisen auf dem Entsorgungsmarkt führen könne. Der Zusagenkatalog, den Remondis wenige Tage vor Ab­lauf der Entscheidungsfrist eingereicht habe, um die Bedenken der Kartellwächter auszu­räumen, umfasse unter anderem den Verkauf der Glasaufbereitungsanlagen in Hannover und Essen, das Angebot, Altglas aus der DSD-Sammlung künftig an Glasaufbereiter zu ver­kaufen sowie eine veränderte Kostenaufteilung bei den Ausschreibungen, in denen der Grüne Punkt und die übrigen dualen Systeme die Aufträge für die Abholung von gelben Säcken und Tonnen sowie die Sortierung des Verpackungsmülls vergeben, durch die DSD-Konkurrenten finanziell entlastet werden sollen. Das Zusagenangebot sei laut vorläufiger Bewertung des Kartellamts „grundsätzlich nicht geeignet“, eine Untersagung abzuwenden. Die Frist für die Fusionsprüfung sei am vergangenen Freitag abgelaufen, verlängere sich nun aber um vier Wochen.

Quellen:

  • FAZ, kiweb.de (28.06.2019)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 27/2019 (02.07.2019)