Archiv - Quartal 2 - 2020

26.06. - 02.07.2020

Impulse für den Rezyklatmarkt gefpordert

Nach den in der letzten Woche publizierten Forderungen des Grünen Punkts gemeinsam mit Werner & Mertz und dem BDE nach stützenden Maßnahmen der Politik für das Kunststoffrecycling sprechen sich laut Fachpresseberichten nun auch die Verbände IK und AGVU für entscheidende Impulse für den Rezyklatmarkt aus. Ziel müsse sein, dass bei der Herstellung neuer Kunststoffprodukte mehr Rezyklate zum Einsatz kommen. Für den Weg dahin legen die beiden Verbände ein Diskussionspapier vor, in dem verschiedene Optionen wie Quotenmodelle oder finanzielle Anreize gegenübergestellt werden.

Mit dem Diskussionspapier wollen die beiden Verbände IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen und AGVU Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt die Debatte um den besten Weg, wie das Ziel zu erreichen sei, vorantreiben. Der Rezyklatmarkt brauche mehr Schwung und eine politische Weichenstellung, zitieren die Presseberichte aus dem gemeinsamen Papier. Die deutsche Industrie drohe laut AGVU-Vorsitzendem Carl Dominik Klepper den Anschluss an die Fortentwicklung der Kreislaufwirtschaft zu verlieren. Wie im Papier hervorgehoben werde, gebe es vor allem im Bereich der Kunststoffverpackungen für die Steigerung des Rezyklateinsatzes noch viel Potenzial. Im Vergleich zum Bereich der Bau- und Landschaftsanwendungen, wo der Rezyklatanteil mitunter bereits bei 22 bis 35 Prozent liege, mache er bei Verpackungen lediglich etwa neun Prozent aus. Zwar liege er bei PET-Getränkeverpackungen durchschnittlich bereits bei 28 Prozent, bei Verpackungen etwa für Lebensmittel, Gefahrgüter oder auch für Produkte der Körperpflege und Kosmetik käme dagegen kaum Rezyklat zum Einsatz, auch weil es noch erhebliche gesetzliche Hürden gebe. Zur Steigerung des Rezyklateinsatzes am Gesamtmarkt halten die Verbände ein verbessertes Produktdesign, mehr Quantität und Qualität der Rezyklate, Steigerung der Nachfrage nach dem „Push and Pull“-Prinzip sowie einen Abbau der gesetzlichen Hürden für die Verwendung von Recyclingkunststoffen in Lebensmittelverpackungen für erforderlich. Im Zentrum des Papiers stünden sechs Grundsätze einer wirkungsvollen und marktkonformen Regulierung, zu denen etwa zähle, dass Maßnahmen nur dann sinnvoll seien, wenn sie zu signifikanter Einsparung von Ressourcen und klimaschädlichen Emissionen beitrügen. Auf dieser Basis werden verschiedene Modelle gesetzlicher Mindestquoten und alternativer Optionen wie finanzielle Anreize zur Förderung des Rezyklateinsatzes zur Diskussion gestellt. Da Quoten einen erheblichen Markteingriff darstellen, seien deren Für und Wider sorgfältig abzuwägen. Für das Ziel, mehr Rezyklate einzusetzen, würden auch „massive Investitionen in die entsprechenden Anlagen und Planungssicherheit“ gebraucht, wie IK-Geschäftsführerin Isabell Schmidt betone.

Das sieht laut weiteren Berichten der Fachpresse das Beratungsunternehmen Ecoprog genauso, allerdings für den gesamten europäischen Markt. In seiner Untersuchung „Recycling von Kunststoffen in Europa“ gibt Ecoprog eine Gesamtzahl von 2.200 Anlagen für Sortierung und Aufbereitung von Kunststoffabfällen in Europa an. Die Gesamtkapazität betrage geschätzt 55 Millionen Jahrestonnen. Darüber hinaus würden derzeit über 30 Projekte zum chemischen Recycling vorbereitet. Die Herausforderung an das Recycling sei vor dem Hintergrund der erhöhten gesetzlichen Anforderungen in der EU bis zum Jahr 2030 und der zeitgleichen Änderungen der Berechnung der Recyclingquoten enorm. Selbst bei der Annahme gleichbleibender Konsummengen müssten die Mengen der in der EU produzierten Kunststoffrezyklate von geschätzt knapp fünf auf elf Millionen Jahrestonnen ansteigen, heiße es in dem Bericht. Angesichts der zukünftigen Erfordernisse müssten laut der Autoren Sortierung und Recycling in Europa deutlich ausgebaut werden, wobei bei der Sortierung nicht nur in die Kapazitätserweiterung, sondern auch in Sortierqualität investiert werden müsse.

[Hinweis zum Thema Einsatz von Rezyklaten in Kunststoffverpackungen: Eine aktuelle Studie der BKV befasst sich mit dem „Potenzial zur Verwendung von Recycling-Kunststoffen in der Produktion von Kunststoffverpackungen in Deutschland (GVM).“ Eine Kurzfassung steht zum kostenfreien Download zur Verfügung.]

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu (25.6.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung (30.6.2020)
  • kommunalwirtschaft.eu, recyclingmagazin.de (1.7.2020)
Kunststofferzeuger mit getrübter Stimmung

Die Corona-Pandemie habe auch in der Exportnation Deutschland, wo beispielsweise die Warenausfuhren im April um 30 Prozent zurückgegangen seien, für Einbrüche gesorgt. Auch für die Kunststofferzeuger in Deutschland sei die wirtschaftliche Lage sehr herausfordernd, zumal sie aus einer bereits schwächelnden Phase komme, wie die wirtschaftlichen Kennzahlen für das Jahr 2019 zeigten, berichtet die Presse über die Veröffentlichungen des Branchenverbands PlasticsEurope Deutschland.

Die Produktion von Kunststoff sei im vergangenen Jahr um 3,9 Prozent auf 18,2 Millionen Tonnen gesunken und der Umsatz um 7,3 Prozent auf 25,3 Milliarden Euro zurückgegangen. Dr. Michael Zobel, Vorstandsvorsitzender von PlasticsEurope Deutschland, habe die derzeitige wirtschaftliche Lage der Kunststofferzeuger als „sehr herausfordernd“ bezeichnet. Die Zuversicht nach einem schwierigen Jahr 2019, aber mit guten Abschlüssen auf der K-Messe und einer ersten Erholung in den beiden ersten Monaten des laufenden Jahres sei groß gewesen, durch Covid 19 dann aber abrupt zunichte gemacht worden. Laut einer Umfrage des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) hätte mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen der kunststofferzeugenden Industrie angegeben, „schwer“ bis „sehr schwer“ von Pandemie-bedingten Auftragsrückgängen betroffen zu sein. Mehr als 65 Prozent erwarteten auch Umsatzrückgänge bei ihrem Europageschäft. Die aktuellen Probleme der Kunststoffindustrie seien mannigfaltig und akut, wird Zobel zitiert. Die eigentlichen Stärken der Branche wie eine positive Exportbilanz und die enge Verflechtung mit den europäischen Nachbarn seien während der Corona-Krise zum Nachteil geworden, so Zobel. Zur Bewältigung der schwierigen Lage sei der Ende Mai durch die EU-Kommission vorgestellte Recovery Plan zum wirtschaftlichen Wiederaufbau und zur Stabilisierung der europäischen Volkswirtschaften ein Schritt in die richtige Richtung, zumal die Industrie schon vor Corona unter zunehmendem Nationalismus und Protektionismus gelitten habe. Mit Skepsis blicke Zobel aber auf staatliche Verbote oder Abgaben etwa auf nicht rezyklierte Kunststoffverpackungsabfälle. Vielmehr seien Kunststoffabfälle durch weitere Verbesserungen beim Design hinsichtlich der Recyclingfähigkeit, bei der Abfalltrennung sowie bei Sortier- und Aufbereitungsverfahren wieder in den Kreislauf zu führen. Mehr Informations- und Sensibilisierungsmaßnahmen sollten für eine konsequentere Mülltrennung seitens der Konsumenten sorgen.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, plasticker.de (26.6.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 27/2020 (30.6.2020)
  • Kunststoff Information (1.7.2020)

19.06. - 25.06.2020

Bundeskabinett beschließt Verbot von Einwegprodukten

Am 24. Juni beschloss die Bundesregierung die Einwegkunststoff-Verbotsverordnung. Damit setzt sie die Vorgaben der Einwegkunststoff-Richtlinie der EU um. Ab dem 3. Juli 2021 sind demnach Produkte wie Einmalbesteck und -teller, Trinkhalme, Rührstäbchen, Wattestäbchen und Luftballonstäbe aus Plastik genauso verboten wie To-Go-Lebensmittelbehälter und Getränkebecher aus Styropor. Tages- wie Fachpresse berichten über den Beschluss und die gemischten Reaktionen betroffener Kreise.

Viele Einwegprodukte seien überflüssig und wenig nachhaltig, außerdem landeten viele davon in der Umwelt und in den Meeren, wird Bundesumweltministerin Svenja Schulze vielfach zitiert. Weil zu befürchten sei, dass im Jahr 2050 mehr Plastik als Fisch in den Weltmeeren sei, habe man sich in Europa auf dieses gemeinsame Vorgehen geeinigt, so Schulze weiter. Das Verbot solcher Produkte, das am 3. Juli 2021 in Kraft tritt, werde zu umweltfreundlichen Produkten und Lösungen, vor allem zu mehr Mehrweg führen. In der Presse finden sich viele Hinweise auf Zweifler und Kritiker der Verbotsverordnung. So habe der VKU Zweifel an der Wirksamkeit, weil die verbotenen Produkte nicht näher beschrieben seien und das Verbot damit leicht umgangen werden könne. Es würde vielleicht zu weniger Kunststoffverbrauch, aber nicht unbedingt zu weniger Müll führen, zitieren Euwid oder die FAZ den VKU. Die umweltpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Judith Skudelny wird in der Zeit mit dem Hinweis zitiert, dass das Verbot EU-Bürgern vorgaukele, dass damit die Weltmeere sauberer würden. Auch würden sogenannte ökologischere Alternativen oftmals eine schlechtere Ökobilanz und gesundheitlich fragwürdige Zusatzstoffe aufweisen. Viel wichtiger zur Bekämpfung des Plastikmülls in den Meeren wäre ein europaweites Deponieverbot für Siedlungsabfälle. Die FAZ weist im Kommentar auf auf die Widersprüche der Strategie der Bundesregierung hin, einerseits möglichst viel Plastik verbannen zu wollen, andererseits mit Corona-Vorsichtsmaßnahmen Mehrwegbehälter zurückzudrängen und zum Gesundheitsschutz mehr Verbrauch von Einweg-Kunststoff zu bewirken. Unabhängig davon sei Plastik besser als sein Ruf und der Umwelt nicht gedient, wenn Einwegplastik durch Papier ersetzt würde. Nicht bestimmte Werkstoffe, sondern die Müllmenge müsse reduziert werden, meint die FAZ. Das meint auch der BUND, wie in recyclingportal.eu nachzulesen ist. Einweg durch anderes Einweg zu ersetzen, schiebe das Müllproblem und das Problem der zunehmenden Nutzung von To-Go-Produkten nur auf die lange Bank.

Quellen:

  • euwid-recycling.de, Zeit online, 320grad.de, verpackungswirtschaft.de (24.6.2020)
  • FAZ, Süddeutsche Zeitung, 320grad.de, recyclingportal.eu (25.6.2020)
Folgen der Krise

Nicht nur die Recyclingbranche, auch die der kunststoffverarbeitenden Industrie hat mit den massiven Folgen der Corona-Krise zu kämpfen. Die Fachpresse berichtet über Auswirkungen, die Kunststoffverarbeiter unterschiedlich hart trifft, und über Vorschläge, wie das „Aus“ des Kunststoffrecyclings verhindert werden könne.

Die kunststoffverarbeitende Industrie habe im April nach Angaben des GKV Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie gegenüber den Vorjahreswerten Umsatzeinbußen von 19 Prozent verzeichnet, was für den Viermonatssaldo einen durchschnittlichen Rückgang von 7,1 Prozent ergebe. Das berichtet Kunststoff Information. Damit werde der April für viele Unternehmen der schlechteste der Unternehmensgeschichte sein, wird TecPart Geschäftsführer Michael Weigelt, im GKV zuständig für Statistikfragen, zitiert. Allerdings gebe es große Unterschiede: Hersteller von Verpackungen hätten trotz reduzierter Nachfrage von Seiten der Industrie nach vier Monaten lediglich ein Minus von 1,8 Prozent hinnehmen müssen, ebenso wie die Bauindustrie, die nur ein 1,5 prozentiges Minus zu verzeichnen hätte. Bei konsumnahen Produkten sei der Umsatz im April um 30 Prozent eingebrochen, im Viermonatsvergleich um 11,5 Prozent, im Bereich der technischen Teile für die Automobilindustrie gar um 14,5 Prozent. TecPart erwarte für den Branchenumsatz in Summe über alle Sparten bis Jahresende eher einen weiteren Rückgang, zumal die Mehrwertsteuersenkung vor allem für exportorientierte Unternehmen mehr Aufwand als Nutzen verspreche. Man hoffe, dass die Hilfen des Bundes wie Kurzarbeiterregelung, Konjunkturpaket und Hilfskredite für die betroffenen Unternehmen wirksam seien und eine zweite Corona-Welle verhindert werden könne.

Angesichts des dramatischen Einbruchs der Nachfrage nach Rezyklaten fordern laut Recyclingmagazin drei Vertreter entlang der Wertschöpfungskette – BDE-Präsident Peter Kurth, Reinhard Schneider, Inhaber des Reinigungsmittelunternehmens Werner & Mertz, und Michael Wiener, CEO des Grünen Punkts – in einer gemeinsamen Erklärung, im Zuge der anstehenden Transformation der Wirtschaft Kreislaufwirtschaft im Allgemeinen und Rezyklateinsatz im Besonderen zu etablieren. Werkstoffliches Recycling gebrauchter Kunststoffverpackungen werde gegenüber der derzeit günstigen Neuware immer unattraktiver, viele Abnehmer von Rezyklaten würden sogar wieder auf Neuware umschwenken, berichtet auch Euwid aus der gemeinsamen Erklärung. Die Autoren würden vor allem finanzielle Anreize zur Stärkung des Kunststoffrecyclings vorschlagen. Die reichen von im Verpackungsgesetz verankertem Fond, über Plastiksteuer nach italienischem Vorbild bis zur Streichung von „Privilegien für Neuware bei der Mineralölsteuer sowie der EEG-Umlage“, berichtet Euwid.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de (22.6.2020)
  • Kunststoff Information, Euwid Recycling und Entsorgung 26/2020 (23.6.2020)
Migros startet Recycling-Projekt in der Schweiz

Mit dem Projekt wolle das größte Schweizer Einzelhandelsunternehmen das Kunststoffrecycling in der Schweiz auf ein neues Level heben, berichten Kunststoff Information (KI) und die Lebensmittelzeitung. Aus von der Bevölkerung erstmals zu Hause gesammelten Kunststoffabfällen sollen neue Produktverpackungen auch für Lebensmittel werden.

Am 29. Juni soll der Startschuss in Luzern fallen, bis zum Frühjahr 2012 sollen alle regionalen Migros-Genossenschaften der Schweiz neue Plastiksammelstellen anbieten. Verbraucherinnen und Verbraucher müssten dazu zunächst Sammelsäcke kaufen, worin sie zu Hause Folien Becher und Flaschen – außer PET-Flaschen, für die es in der Schweiz ein funktionierendes System gebe – sammeln und an einer der Migros-Sammelstellen abgeben könnten. 70 Prozent solle nach Angaben von Migros recycelt werden. Die Migros-Industrie habe alles in einer Hand und könne etwa schon mit der Verpackungsgestaltung für besseres Recycling sorgen. Das Migros-Partnerunternehmen Innorecycling sortiere die Verpackungen nach Kunststoff-Fraktionen und bereite sie zu Sekundärrohstoffen auf. Daraus sollen neben Kabelhüllen, Tragetaschen und Putzmittelflaschen auch wieder Lebensmittelverpackungen entstehen. Laut KI komme die Initiative nicht von ungefähr, da die Schweiz mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 700 Kilogramm Abfall, von dem bislang nur die Hälfte recycelt werde, weltweit mit an der Spitze stehe.

Quellen:

  • Lebensmittel Zeitung (19.6.2020)
  • Kunststoff Information (25.6.2020)

12.06. - 18.06.2020

Nach 20 Jahren noch wie neu

Eine dpa-Meldung machte diese Woche in der Publikums- wie Fachpresse die Runde: Ein Team des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung aus Kiel konnte Müllteile zum Teil aus Kunststoff, die sie 2015 aus 4.000 Meter Tiefe gefischt hatten, zeitlich zuordnen, weil sie noch gut erhalten waren. So wies auch eine rund 20 Jahre alte Quarkverpackung keine Anzeichen von Fragmentierung auf.

Bislang existieren zum Abbau von Kunststoff- und anderem Müll auf dem Meeresgrund kaum Langzeitdaten, so dass gerade Kunststoffteile selten datiert werden können. Ein Zufallsfund bietet nun laut den Presseberichten einen fundierten Anhaltspunkt. Die bei einer Expedition aus dem Jahr 2015 mithilfe eines Roboters aus der Tiefe des Ozeans gefischten Teile konnte das Team nun unter Leitung des Geomar Helmholtz-Zentrums mit detektivischer Kleinarbeit zeitlich zuordnen: Darunter eine Cola-Dose, die in einer Kunststoff-Mülltüte steckte und so vor dem Korrodieren bewahrt wurde. Die Dose stammt aus eine Sonderedition für den Tennis Davis Cup 1988, so dass auch die Mülltüte bereits rund 30 Jahre am Meeresgrund lag. Eine ebenda gefundene Quarkverpackung trug eine fünfstellige Postleitzahl, die 1990 eingeführt wurde, und stammte von einem Hersteller, der 1999 aufgekauft wurde, so dass man von einem Alter von mehr als 20 Jahren ausgehe. Weder Mülltüte noch Quarkbecher weisen laut Biochemiker Stefan Krause vom Geomar Zeichen von Fragmentierung oder gar Abbau auf. Das Team vermute, dass deutsche Forscher, die in dem Gebiet zwischen 1989 und 1996 die Auswirkungen eines potenziellen Abbaus von Manganknollen erforscht hatten, den Abfall hinterlassen hätten. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen zum Abbau von Kunststoffabfällen im Ozean haben die am Team Beteiligten in Scientific Reports www.nature.com veröffentlicht.

Quellen:

  • Spiegel.de (14.6.2020)
  • Süddeutsche Zeitung, 320grad.de (15.6.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 25/2020 (16.6.2020)
Hohe Recyclingquoten erfordern bessere Sammelqualität

Hohe Quoten könnten nur erreicht werden, wenn Haushalte ihre Wertstoffe sauber trennen und so eine Kontaminierung mit Restmüll vermeiden. Eine Empfehlung des Beirats der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR) veröffentlichte laut Fachpresseberichten Vorschläge, wie die Sammelqualität vor Ort verbessert werden könne.

Mit der Umstellung in vielen Städten und Kreisen von der Sack- auf die Tonnensammlung sei in vielen Fällen mit einer Verschlechterung der Sammelqualität zu rechnen. Laut ZSVR-Vorstand Gunda Rachut liege in großstädtischen Gegenden der Restmüllanteil oft zwischen 30 und 40 Prozent. Bei erheblichen Fehlbefüllungen müssten die in einer Wertstofftonne gesammelten Abfälle als Restmüll entsorgt werden. Mit Restmüll kontaminierte Kunststoffverpackungen könnten weder gut sortiert noch hochwertig recycelt werden. Für mehr Recycling zur Erfüllung der Quoten sollten laut der Empfehlungen des Beirats Systeme, Sammler und Kommunen gemeinsam vorgehen und bei Fehlbefüllungen die Gelben Tonnen mit dem Hinweis zur Nachsortierung bis zur nächste Abfuhr stehen lassen. Erfolge die nicht, solle die Kommune informiert werden, die dann eine gebührenpflichtige Entsorgung veranlassen könne. Im Wiederholungsfalle könne der Endverbraucher bzw. die Anfallstelle auch von der Verpackungsentsorgung zeitweilig ausgeschlossen werden. Der vom Gesetzgeber installierte Beirat bei der ZSVR, der die Erreichung der Recyclingquoten begleite, habe die Aufgabe, eigenverantwortlich Vorschläge zur Verbesserung der Erfassung, Sortierung und Verwertung von wertstoffhaltigen Abfällen zu erarbeiten. Er setze sich paritätisch aus je vier Vertreterinnen und Vertretern der öffentlichen sowie der privaten Abfallwirtschaft inklusive der Systembetreiber zusammen.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de (10.6.2020)
  • recyclingportal.eu (12.6.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 25/2020 (16.6.2020)
Bald Kohlenstoffdioxid-Preis für MVA?

In der laufenden Woche wird laut Presseberichten in verschiedenen Ausschüssen des Bundes über die Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) diskutiert. Ein Punkt dabei ist die Frage, ob es für Müllverbrennungsanlagen (MVA) eine Ausnahme vom Emissionshandel geben soll, wie das Land NRW vorschlage. Baden-Württemberg sei dagegen, ebenso wie die Grünen und der BUND.

Im Wirtschaftsausschuss des Bundesrats stehe das Thema für die Sitzung am 17. Juni auf der Tagesordnung. Das werde einen Aufschrei in der Bevölkerung geben, titelt die Welt, wenn die Verbrennung in MVA über die anstehende Änderung des BEHG in den nationalen Emissionshandel einbezogen werden würde. Einen Preisschock für Verbraucher erwartet die Welt, die sich auf erste Berechnungen des VKU und der Interessengemeinschaft der Thermischen Abfallbehandlungsanlagen (ITAD) beruft. Demnach werde das Recycling ebenfalls teurer, da auch Sortierreste verbrannt würden. Dagegen fürchte der BUND einen Rückgang des Recyclings, würden MVA vom Emissionshandel ausgenommen. Ähnlich sehe es das Land Baden Württemberg, nach dem laut Euwid eine weitere Privilegierung von Müllverbrennungsanlagen die Anstrengungen zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft unterlaufen würde. Auch die Grünen-Bundestagsfraktion hatte nach einer Kleinen Anfrage moniert, dass mit einem Drittel der Siedlungsabfälle noch zu viel verbrannt würde, und forderten sie laut Handelsblatt von der Bundesregierung einen Fahrplan für mehr klimafreundliche Entsorgung und mehr Engagement für die Kreislaufwirtschaft.

Quellen:

  • handelsblatt.com (16.6.2020)
  • euwid-recycling.de (17.6.2020)
  • Die Welt, recyclingportal.eu (18.6.2020)
Schwierige Zeit mit Hoffnungsschimmer

Auch die Recycler technischer Kunststoffe leiden unter den Corona-Auswirkungen, wenn auch unterschiedlich, wie in K-PROFI nachzulesen ist. Ein Ende sei zwar noch nicht absehbar, aber erste Lichter am Ende des Tunnels seien zu erkennen.

K-PROFI hat sich bei vier Recyclern technischer Kunststoffe dazu umgehört, wie sie die Corona-Krise bewältigen, und ein differenziertes Bild erhalten: Kurzarbeit bei Hoffmann + Voss GmbH in Viersen und bei MKV GmbH Kunststoffgranulate in Beselich. Die Kunden hätten laut MKV-Geschäftsführer Rainer Zies ihre Aufträge um bis zu 50 Prozent reduziert. Besonders hart habe es die Abnehmer aus der Automobilbranche getroffen. Laut Josef Wirnik, Geschäftsführer der Pal Plast GmbH in Mühlheim am Main, seien dort die Umsätze im April komplett eingebrochen. Pal Plast produziere zwar ungebremst weiter, aber alles für das Lager, um beim Neustart der Produktion in der Automobilbranche gerüstet zu sein. Diesen erwarte Zies nicht vor Ende Juli, Wirnik dagegen schon früher, da er bereits erste Anzeichen in Asien erkenne, wo die Produktion wieder zu 50 Prozent laufe. Pro-Plast Kunststoff GmbH in Weiterstadt sehe es noch positiver, da deren Kunden sich bereits erkennbar auf die Belebung der Gesamtwirtschaft vorbereiteten. Wo es für die Recycler besser laufe, sei in der Bau- und Elektrobranche. Dort sei die Nachfrage zwar schwächer als vor der Krise, aber immerhin nicht zum Erliegen gekommen. Gut versorgt sehen sich die vier Befragten dagegen mit Inputmaterial. Diesen Befund teile allerdings laut K-PROFI der bvse in Hinblick auf kleine und mittelständische E-Schrott-Recycler nicht. Bei ihnen soll es einen massiven Einbruch der erfassten Mengen gegeben haben.

Quelle:

  • K-PROFI 6/2020

05.06. - 11.06.2020

„Für die Tonne"

BDE-Präsident Peter Kurth spricht im Zusammenhang mit dem viel gelobten Konjunkturpaket der Bundesregierung von einer vertanen Chance, der ökologischen Modernisierung der Wirtschaft in Richtung Kreislaufwirtschaft einen Impuls zu geben. Michael Wiener vom Grünen Punkt wird in der Presse mit dem Aufruf an die Bundesregierung zitiert, die EU-Ratspräsidentschaft für eine Förderung der Kreislaufwirtschaft einzusetzen. Nicht nur Entsorgerverbände und Systembetreiber treibt die Sorge, dass der extrem niedrige Ölpreis und die Folgen der Corona-Pandemie das Kunststoffrecycling zurückwirft. Die Politik müsse nacharbeiten, sonst seien ihre Ziele für Ressourcen- und Klimaschutz für die Tonne, kommentiert die FAZ.

In der Gelben Tonne landen seit März etwa zehn Prozent mehr Verpackungsabfälle, gibt die FAZ Angaben des Systembetreibers Der Grüne Punkt wieder. Auf den ersten Blick seien es gar nicht so schlechte Marktbedingungen für die Kunststoffrecycler, auch wenn im Gewerbe derzeit etwas weniger Kunststoffabfall anfalle, schreibt Euwid. Doch der extrem niedrige Ölpreis und die geringe Nachfrage nach Rezyklaten bewirkten das Gegenteil. Wiener sehe gar die Gefahr, dass die Branche am Boden liege, wenn die Wirtschaft wieder hochfahre. Nun solle es die Politik richten und bei den Schutzschirmen für bedrohte Wirtschaftszweige die Recyclinganlagen nicht vergessen. Konkret solle die Politik den Wettbewerbsnachteil von Kunststoffrezyklaten gegenüber Neuware reduzieren. Anlässlich des Tags der Umwelt 2020 fordere Wiener, dass Deutschland seine EU-Ratspräsidentschaft nutzten solle, „um sich für die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft bei Kunststoff einzusetzen“, zitieren einige Fachblätter. Auch in der FAZ schreibt der Kommentator, dass die Politik nacharbeiten müsse, wenn sie es denn ernst meine mit dem „Kampf gegen den Plastikmüll“. Ihre ehrgeizigen Ziele für den Ressourcen- und Klimaschutz seien für die Tonne, solange es für Rezyklate keine verlässlichen Absatzmärkte gebe. Auch beim Konjunkturpaket habe die Bundesregierung es verpasst und die Chance zur Modernisierung der Wirtschaft nicht genutzt, zitiert unter anderem Euwid den BDE-Präsidenten Peter Kurth. Im Interview mit dem Tagesspiegel sagt er, dass zwar auch die Entsorgungsunternehmen von einigen Punkten des Konjunkturpakets profitieren, doch es fehle ein starker Impuls für die Kreislaufwirtschaft. Seit Töpfer hätte es keinen solchen Impuls von Seiten der Bundesumweltminister gegeben. Auch zuletzt beim Klimapaket seien die Potenziale der Kreislaufwirtschaft für die Bekämpfung des Klimawandels komplett verkannt worden. Nun hoffe Kurth auf den Green Deal der EU-Kommission, für die die Kreislaufwirtschaft klar ein Schwerpunkt sei und die dazu die Produktpolitik nutzen wolle.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de (4.6.2020)
  • recyclingportal.eu (5.6.2020)
  • recyclingportal.eu, tages­spie­gel.de, faz.net, euwid-recycling.de (8.6.2020)
  • FAZ, Euwid Recycling und Entsorgung 24/2020 (9.6.2020)
Kunststoffrecycling im Rückblick und die Rolle der Chemie

In der Juni-Ausgabe von Kunststoffe finden sich mehrere Beiträge zum Thema Kunststoffrecycling. In einem Rückblick zur Erfindung des Kunststoffrecyclings hebt der Autor hervor, dass die „technologisch großen Aufgabenstellungen längst bewältigt“ seien. Ein weiterer Beitrag beschäftigt sich mit der Rolle der Chemie beim Recycling und mit einer Differenzierung der Verfahren, die über die derzeit übliche Unterscheidung in werkstoffliche und chemische Verfahren hinausgeht.

Der Autor des Rückblicks auf die Entwicklung des Kunststoffrecyclings, heutiger Herausgeber des Magazins, beklagt bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Marine Litter die hohe Emotionalität, die wenig Platz für rationale Erkenntnisse und Fakten einer ökologischen Gesamtbetrachtung lasse. Dass etwa behauptet werde, dass im Zusammenhang mit der „Plastikkrise“ das Recycling Teil des Problems, nicht Teil der Lösung sei, mache sprachlos, da es eine einzigartige Möglichkeit zur Ressourcenschonung biete. Anschließend zeichnet der Autor die technologische Entwicklung des Kunststoffrecyclings in Deutschland ausführlich nach und kommt zu dem Schluss, dass „technologisch große Aufgabenstellungen längst bewältigt“ seien. Wer heute behaupte, Recycling sei ein Teil des Problems und nicht die Lösung, oute sich als fanatischer Gegner von Polymerwerkstoffen.

In einem weiteren Beitrag des Hefts zum Thema Recycling bemühen sich die Autoren und die Autorin vom Fraunhofer IVV und von der Creacycle GmbH um Begriffsbestimmung und zeigen, dass bei allen Verfahren Chemie eine Rolle spielt. Statt einer vereinfachenden Unterscheidung in mechanische und chemische Verfahren, müsse für eine genauere Differenzierung jeweils die Frage untersucht werden, ob es sich um physikalische oder chemische Prozesse beim Verfahren handle. Unter dieser Maßgabe beschreiben sie die Prozesse verschiedener gängiger Recyclingverfahren und kommen zu dem Schluss, dass der Begriff „chemisches Recycling“ nur auf solche Verfahren zutreffe, „die Rohstoffchemikalien oder Monomere erzeugen und diese wieder zu Kunststoffen polymerisieren“. Andernfalls handele es sich um eine rohstoffliche Verwertung. Im Unterschied zu solchen Verfahren würden mechanische und lösungsmittelbasierte Recyclingverfahren den Kunststoff in seiner Molekülstruktur nicht verändern. Die Zukunft sieht das Autorenteam neben einer möglichen Konkurrenzsituation um polyolefinische Kunststoffabfälle in aussichtsreichen Kombinationen der Verfahren: Mechanisches Recycling für weniger herausfordernde Abfälle, Sortierrückstände für das lösungsmittelbasierte Recycling und chemische Recyclingverfahren. Überschussenergie wie bei der Pyrolyse könnte in solcher Kombination direkt für das mechanische Recycling genutzt werden.

Quelle:

  • Kunststoffe 6/2020

29.05. - 04.06.2020

Der österreichischen Recyclingindustrie droht der „Corona-Kollaps"

Über die verschärfte Lage der deutschen Kunststoffrecycler berichteten wir im Newsletter letzter Woche. Auch in Österreich warnt laut Presseberichten die Altstoff Recycling Austria AG (ARA) vor langfristigen Strukturschäden für die Recyclingbranche in Folge der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie. Mit einem „Resilienzpaket“, das mit insgesamt rund 70 Millionen Euro verbunden ist, will ARA die Branche aus der Krise bringen. Parallel streitet man in Österreich über die Einführung eines Pflichtpfands auf Getränkegebinde.

In Österreich hatte die Bundesregierung der Recyclingbranche mit Hilfsfonds und Fixkostenzuschüssen bereits Unterstützung zugesagt. 75 Prozent der Kunststoffrecyclinganlagen in Österreich stünden derzeit krisenbedingt still, meldet etwa Kunststoff Information. Laut den Berichten fordere nun die ARA, die langfristig befürchte, dass die Recyclingbranche aufgrund der Krise um Jahre zurückgeworfen werde, konkrete Maßnahmen. Mit einem 70 Millionen Euro veranschlagten „Resilienzpaket“ sollen Sammlung, Sortierung und Recycling aufrechterhalten und derzeit nicht absetzbare Sekundärrohstoffe zwischengelagert werden. Vor allem bei Kunststoffen stellen die Zielvorgaben des EU-Kreislaufwirtschaftspakets eine große Herausforderung dar. Um die Recyclingquote bei Kunststoffverpackungen von 50 Prozent bis zum Jahr 2025 zu erreichen, müsste die derzeitige Recyclingmenge laut ARA verdoppelt werden, wofür bei den Sammel-, Sortier- und Recyclingkapazitäten eine 40prozentige Steigerung erforderlich wäre.

Gleichzeitig findet in Österreich derzeit eine intensive und kontrovers geführte Debatte um die Einführung eines Pflichtpfands auf Einweg-Getränkeverpackungen statt. Während sich unter anderem die ARGE österreichischer Abfallwirtschaftsverbände, Reclay und die Umweltschutzorganisation Global 2000 für eine Einführung aussprechen, wenden sich etwa die ARA und die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) gegen das Pfand. Die Fürsprecher sehen die Sortierkapazitäten der LVP-Sortieranlagen bereits an ihren Grenzen, so dass eine Erfüllung der von der EU-Kommission vorgesehenen Sammelquoten für PET-Flaschen (77 Prozent bis zum Jahr 2025 und 90 Prozent bis 2029) und die erhöhten Recyclingquoten nicht zu erfüllen seien. Hier wären unverhältnismäßig hohe Kosten für Kapazitätserweiterungen erforderlich. Stattdessen solle man auf in Europa erprobte Lösungen wie das Pflichtpfand zurückgreifen. Die Gegner sehen wiederum die Einführung eines Pfands mit hohen Kosten und wenig Nutzen verbunden. Manche Regionen würden jetzt schon Rücklaufquoten von 80 Prozent über das System der Gelben Säcke und Tonnen melden. Eine Steigerung auf 90 Prozent wäre mit richtigen Angeboten und Informationen kein Problem.

Quellen:

  • recyclingportal.eu (29.5.2020)
  • KI (2.6.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 23/2020, recyclingportal.eu (3.6.2020)
Nach mir die Sintflut

Die FAZ berichtet online und in ihrer Regionalausgabe der Zeitung über Müllberge nach nächtlichen Partys am Mainufer in Frankfurt. Täglich benötigten derzeit die Reinigungsteams rund vier Stunden, um die 20.000 Liter Abfall einer Partynacht zusammenzukehren.

Die einen schimpfen auf die Verursacher, die anderen auf die Stadt, die „ein bisschen mehr“ machen müsse. Am Sonntagmorgen um sieben Uhr liegen auf beiden Seiten des Mains überall Kronkorken, Zigarettenkippen, aufgerissene Pizzakartons, zerschlagene Glasflaschen herum – die Reste einer derzeit täglich stattfinden Party am Fluss. Grünflächen hätten eine hohe soziale Funktion, gerade jetzt in Corona-Zeiten, sagt der für die Pflege Zuständige vom Grünflächenamt. Doch es fehle der Respekt vor dem öffentlichen Raum. Am wenigsten Verständnis habe er für den Trend, Flaschen zu zerschlagen. Partylaune und Nach-mir-die-Sintflut-Stimmung greifen in der Corona-Krise um sich: „Überall Flaschen und Plastik“. Noch vor der Pandemie habe die seit drei Jahren laufende „cleanffm“-Kampagne zu einem Reinigungsrhythmus von sonntags zweimal und an Wochentagen einmal geführt. Corona habe das zunichte gemacht. Nun müsse man wohl auf zweimal täglich übergehen, um die 20.000 Liter Müll aufzusammeln. In normalen Zeiten koste das den Frankfurter Steuerzahler drei Millionen Euro im Jahr. Das werde dieses Jahr nicht reichen.

Quellen:

  • Rhein-Main-Zeitung, faz.net (2.6.2020)
Kunststoffunternehmen als Helfer in der Not

Plastverarbeiter berichtet von Beispielen, wie Unternehmen der Kunststoffbranche in der Corona-Krise eine große Hilfsbereitschaft und gesellschaftliche Verantwortung zeigen. So wurden Kapazitäten verlagert, um Schutzausrüstungen bereitstellen zu können.

Während fast alle Unternehmen mehr oder weniger von den Folgen der Krise wie Unterbrechungen in der Lieferkette und Nachfrage-Rückgängen betroffen seien, zeigten sich einige sehr flexibel, um etwa das Gesundheitswesen und die Verbraucher mit dringend benötigter Schutzausrüstung zu versorgen. Die Beispiele beschreiben Länder übergreifende Kooperationen zur Herstellung von Sicherheitsbrillen, Mehrwegmasken zum Mund-Nasen-Schutz wie auch hochwertige Beatmungsmasken eines italienischen Unternehmens, das normalerweise Schnorchelmasken herstellt.

Quelle:

  • plastverarbeiter.de (29.5.2020)

15.05. - 28.05.2020

Recyclingindustrie fordert staatliche Unterstützung

In Publikums- wie Fachpresse hat die Forderung nach Unterstützung der Recyclingindustrie in der Corona-Krise – auf europäischer wie auch auf deutscher Ebene – Eingang gefunden. So habe der Branchenverband Plastics Recyclers Europe (PRE) mitgeteilt, dass die europäische Kunststoff-Recyclingindustrie angesichts der aktuellen Marktentwicklung die Produktion einstelle. Für Deutschland fordere der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) eine Stimulation der Nachfrage für Rezyklate, weil ansonsten einige mittelständische Recycler die Krise nicht überleben würden.

Wie auch Spiegel und Handelsblatt berichten, leide die deutsche Recyclingindustrie unter der sinkenden Nachfrage und dem eingebrochenen Ölpreis. Laut bvse-Vizepräsident Herbert Snell, führe die sinkende Nachfrage aus der Kunststoff verarbeitenden Industrie zu fallenden Preisen sowohl für Neuware als auch für Rezyklate. Der niedrige Ölpreis mache die Produktion von Neuware noch günstiger und verschärfe damit die Konkurrenzsituation zwischen Neuware und Rezyklaten. Das führe in der Recyclingindustrie zu erheblichen wirtschaftlichen Problemen. Einige Anlagen seien bereits abgestellt. Die Recycler bräuchten dringend eine Stimulation der Nachfrage. Kunststoff Information steuert eine ausführlichere Betrachtung der wirtschaftlichen Situation der Recyclingindustrie bei. So hätten mit wenigen Ausnahmen die Recyclingunternehmen alle Anlagen abgestellt, nur wenige könnten Extruder noch am Laufen halten. Die Mehrzahl der Rezyklathersteller rechne damit, ihre Anlagen nicht vor Anfang Juli wieder anfahren und sinnvoll betreiben zu können.

Auf europäischer Ebene wird PRE-Präsident Ton Emans von verschiedener Fachpresse mit der dramatischen Aussage zitiert, dass die europäische Recyclingindustrie die Produktion einstelle. Auch PRE begründe dies mit der sinkenden Nachfrage und rekordtiefen Preisen für Neuware. PRE fordere, dass die Recyclingwirtschaft zu den Branchen gehöre, die in den geplanten Aufbauprogrammen der EU und der Mitgliedstaaten Unterstützung erhalten. Ohne eine wirtschaftlich überlebensfähige Recyclingindustrie bleibe am Ende nur noch Deponierung und Verbrennung der Kunststoffabfälle, warne der europäische Branchenverband.

Quellen:

  • KI (15.5.2020)
  • k-zeitung.de (18.5.2020)
  • KI (20.5.2020)
  • euwid-recycling.de, Euwid Recycling und Entsorgung 22, plasticker.de (26.5.2020)
  • spiegel.de, handelsblatt.de, berliner-zeitung.de (27.5.2020)
Von echter Kreislaufwirtschaft noch weit entfernt

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) fordere mit einem neuen Gutachten mehr Stärkung der Kreislaufwirtschaft. Deutschland verbrauche noch zu viele Rohstoffe und verursache damit Umweltschäden. Das Land sei von einer echten Kreislaufwirtschaft noch weit entfernt.

Letzte Woche legte der SRU, dem sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler angehören, der Bundesregierung ihr neues Gutachten vor. Was das Thema Kreislaufwirtschaft betrifft, lauten laut Euwid die zentralen Forderungen: Produktpolitik ausbauen, hochwertiges Recycling sicherstellen und Hersteller stärker in die Verantwortung nehmen. Die Abfallhierarchie müsse zu einer Kreislaufwirtschaftshierarchie weiterentwickelt werden. Recycling müsse nicht nur an Quoten, sondern auch an seiner Qualität gemessen werden. Der aktuelle Umgang mit Kunststoffen sei in der Praxis noch weit von der Kreislaufwirtschaft entfernt. Der SRU empfehle, mit dem Rückenwind durch den Green Deal auf nationaler Ebene ein Maßnahmenpaket für eine ambitionierte Kreislaufwirtschaft zu implementieren. In der Welt äußert sich ein Mitglied des Sachverständigenrates kritisch zum Papier. Die Bauingenieurin Lamia Messari-Becker habe abweichende Meinungen geäußert. Sie bemängelt im Interview zu viele Reglementierungen und spricht sich für die gezielte Förderung von Umweltschutzmaßnahmen aus.

Quellen:

  • Die Welt, recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu (15.5.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 22/2020 (26.5.2020)
BMU-Förderprogramm gegen Meeresmüll

Die Fachpresse berichtet über einen Aufruf des Bundesumweltministeriums (BMU), sich mit Projekten an seinem Programm gegen Meeresmüll zu beteiligen. Die Projekte sollten entweder aktiv zur Abfallvermeidung beitragen oder eine geordnete Abfallbewirtschaftung in Schwellen- und Entwicklungsländern sicherstellen.

Das Anthropozän habe ein Erkennungsmerkmal, nämlich Mikroplastik, schreibt die FAZ in einem Beitrag zum Vorkommen von Plastikpartikeln in den Weltmeeren. So ließe ein Sedimentkern, der vor der Küste Südkaliforniens gewonnen worden sei, die fünfziger Jahre als den Beginn des Zeitalters des Mikroplastiks erkennen. Die dort gefundene Menge an Plastikpartikeln verdoppele sich seitdem alle 15 Jahre, heißt es in der FAZ. Das BMU verweist laut der Fachpresse darauf, dass die mehreren Millionen Tonnen Plastikmüll, die jedes Jahr in die Meere eingetragen würden, nicht nur die Meeresbewohner unmittelbar gefährdeten, sondern auch in die Nahrungskette gelangten und die Leistungsfähigkeit der marinen Ökosysteme beeinträchtigen. Mit seinem Förderprogramm „Marine Debris Framework – Regional hubs around the globe“ (Marine:DeFRAG) wolle das BMU etwas dagegen tun. Gefördert werden Kooperationsprojekte, die mit erprobten Lösungen mittelfristig die Menge an Plastikmüll reduzieren oder Abfall- und Kreislaufmanagementsysteme aufbauen. Dabei komme es vor allem auf Multiplizierbarkeit, Anschlussfähigkeit und Fortbestand der gewählten Ansätze an. Gefördert würden Projekte etwa zu Politikberatung, Kapazitätsaufbau, Technologiekooperation und Investitionen sowie zur Implementierung des jeweiligen institutionellen Rahmens. Bis zum 15. Juni 2020 könnten Projektskizzen beim Projektträger „Zukunft – Umwelt – Gesellschaft“ (ZUG) eingereicht werden.

Quellen:

  • faz.net (12.5.2020)
  • recyclingmagazin.de (22.5.2020)
  • umweltwirtschaft.com (25.5.2020)
  • kunststoffe.de (26.5.2020)

08.05. - 14.05.2020

Plastiktütenverbot weiter kontrovers

Der Streit um Sinnhaftigkeit und Rechtmäßigkeit von Produktverboten, wie ein Gesetzentwurf der Bundesregierung das Verbot von leichten Kunststofftragetaschen vorsieht, geht weiter, berichtet die Fachpresse. So forderte der HDE bei einer Anhörung im Bundestag die Aussetzung des Plastiktütenverbots. Und ein Rechtsgutachten im Auftrag von fünf Industrieverbänden hält nicht nur dieses Verbot für europa- und verfassungsrechtlich „äußerst bedenklich“. Das Gutachten zeige für den Gesetzgeber die verfassungsrechtlichen Leitplanken auf.

Im Auftrag der Verbände Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie, IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, Industrieverband Papier- und Folienverpackung, PlasticsEurope Deutschland und Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen unterzog der Berliner Abfallrechtsexperten Stefan Kopp-Assenmacher Produktverbote als abfallrechtliches Instrument einer rechtlichen Prüfung. Im Ergebnis halte er in der Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes bereits die Ermächtigung der Bundesregierung, bestimmte Produkte verbieten zu können, wenn „ihre Verwendung in erheblichem Umfang zur Vermüllung der Umwelt beiträgt und dies nicht oder nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand verhindert werden kann“, für verfassungsrechtlich bedenklich, schreiben Euwid und das Recyclingmagazin. Der Gesetzgeber müsse darauf achten, dass er Wesentliches selbst regele und nicht an die Exekutive delegiere. Bereits der Begriff Vermüllung sei unklar. Problematisch sei auch, dass viele Produkte grundsätzlich „vermüllungsneigend“ zu bewerten seien und es insofern besonders zu begründen sei, warum ein bestimmtes Produkt herausgegriffen werde.

Bei einem Fachgespräch des Umweltausschusses im Bundestag habe der Handelsverband Deutschland (HDE) auch den Entwurf zur Änderung des Verpackungsgesetzes abgelehnt und ein Aussetzen des Tütenverbots gefordert, berichtet Euwid an anderer Stelle. Ein Komplettverbot sei auch aus Umweltgesichtspunkten kontraproduktiv, zumal über 200 Millionen Plastiktüten als Vorrat gelagert würden, die nun vernichtet werden müssten. Auch der BDE sehe durch das Verbot mehr Probleme als Lösungen verursacht und warne vor einem verstärkten Einsatz von Verbundmaterialien aus Papier und Kunststoff, die nicht zu recyceln seien. Dagegen halte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) das geplante Verbot nach wie vor für richtig und sehe darin ein wichtiges politisches Signal zur Plastikabfallvermeidung, wie Euwid in derselben Ausgabe von Recycling und Entsorgung berichtet.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de (11.5.2020)
  • euwid-recycling.de, Euwid Recycling und Entsorgung 20 (12.5.2020)
Chemisches Recycling – eine Alternative zur werkstofflichen Verwertung?

Mit dieser Frage setzt sich der stellvertretende Referatsleiter im Bundesumweltministerium, Alexander Janz, aus Sicht seines Ministeriums in Müll und Abfall auseinander. Zur Erfüllung der werkstofflichen Verwertungsquote im Verpackungsgesetz sei das chemische Recycling zwar keine Alternative. Aber zur Verwertung von Kunststoffabfällen, die bislang energetisch verwertet werden, sei es schon eine sowohl ökonomisch als auch ökologisch sinnvolle Option.

Janz weist zunächst auf die Ambivalenz des Werkstoffs zwischen seinen großen technischen und ökologischen Vorteilen hin und dem Umweltproblem, verursacht durch unkontrollierten Eintrag in die Umwelt. In Deutschland seien Recycling und flächendeckende Sammelsysteme etabliert, der deutsche Anteil an der Vermüllung sei vergleichsweise gering. Jedoch liege der Anteil an der stofflichen Verwertung aktuell nur bei etwa 47 Prozent. Ein wesentliches Hemmnis für höhere Recyclingraten sei die Heterogenität vieler Abfälle, deren Aufbereitung hohen verfahrenstechnischen Aufwand und Energieeinsatz mit sich bringe. Bei der Frage, ob chemische Recyclingverfahren hier eine Alternative bieten, weist der Autor zunächst auf die noch fehlende legale Definition des Begriffs hin und unterscheidet zwischen chemischen Verfahren, bei denen die makromolekulare Polymerstrukturen verändert werden, und lösungsmittelbasierten Verfahren, bei denen die Struktur erhalten bleibt. Während im Kreislaufwirtschaftsgesetz rohstoffliches bzw. chemisches Recycling als Recycling angesehen werde, könnten aufgrund der enger gefassten Begriffsdefinition der werkstofflichen Verwertung von Kunststoffverpackungen im Verpackungsgesetz die chemisch recycelten Kunststoffabfälle nicht auf die werkstofflichen Verwertungsquoten von systempflichtigen Kunststoffverpackungen angerechnet werden. Die Ergebnisse lösungsmittelbasierter Verfahren dagegen schon. Diese Regelung solle den Recyclingunternehmen angesichts der hohen Investitionen, die aufgrund der ambitionierten Ziele des Verpackungsgesetzes erforderlich würden, Planungssicherheit geben und Hersteller motivieren, recyclinggerechte Verpackungen in Verkehr zu bringen. Was aber Kunststoffabfälle, die etwa aufgrund hoher Schadstoffgehalte schwer recyclingfähig seien, betreffe, könnten chemische Recyclingverfahren durchaus eine interessante Alternative sein – sowohl in ökologischer als auch in ökonomischer Hinsicht. Insofern begrüße das BMU auch, dass die Europäische Kunststoffstrategie das chemische Recycling als eine förderwürdige Innovation ansehe.

Quelle:

  • Müll und Abfall 5/2020
Multilayerverbunde – eine Herausforderung für das Recycling

In Kunststoffe setzt sich ein Beitrag mit dem Status der Recyclingfähigkeit von flexiblen Multilayerverpackungen auseinander. Mehr Kreislaufwirtschaft sei das Gebot der Stunde. Um deren Ziele wie die Reduzierung des Ressourcenverbrauchs und der CO2-Emissionen zu erreichen, sei „recyclingfähig“ allerdings nicht immer die nachhaltigere Lösung.

Multilayerverbunde aus bis zu zwölf Schichten seien zumeist nicht zu recyceln. Verbunde hätten sich aber mit circa zehn Prozent des globalen Verpackungsmarktes etabliert und sorgten für einen adäquaten Schutz des Füllgutes. Doch müsse nun die gesamte Wertschöpfungskette angesichts der EU-Strategievorgaben zur Schließung von Materialkreisläufen über mechanisches Recycling umdenken und rezyklierbare Lösungen finden. Monomateriallösungen mit (zur Zeit noch theoretisch) recyclingfähigen Kombinationen würden bereits von einzelnen Herstellern angeboten und etwa für Müsli- oder Nüsseverpackungen eingesetzt. Ebenso beschichtete Papierverpackungen, die bei weniger als fünfprozentigem Kunststoffanteil noch als Papier recycelt werden könnten. Doch sei die Marktdurchdringung mit recyclingfähigen Barrierelösungen noch gering. Für Wurst-, Käse- und Tierfutterverpackungen etwa gebe es noch keine solchen Lösungen, die alle Anforderungen erfüllten. Auch würde allein die Umstellung auf recyclingfähige Verbundlösungen die Materialkreisläufe noch nicht schließen, weil viele technischen Probleme hinsichtlich des Recyclings, aber auch systemische Probleme wie fehlende Infrastrukturen zum Sammeln und Aufbereiten noch nicht gelöst seien. Vor allem die systemischen Hindernisse seien recht komplex, weil etwa die Wertschöpfungskette sehr fragmentiert und von daher intransparent sei. Diese müsse für ein nachhaltiges Recycling, das in Hinblick auf die Verbunde bislang in keiner Dimension der Nachhaltigkeit überzeuge, viel stärker vernetzt werden. Betrachte man nur die ökologische Dimension, stelle sich zudem die Frage, ob ein Ersatz von hochspezialisierten, sehr dünnen Multilayerverpackungen mit sehr geringem Ressourcenverbrauch durch Alternativen, die mit einem höheren Materialverbrauch verbunden seien, ökologisch gerechtfertigt sei, wenn etwa daraus durch den Aufwand beim Sammeln, Sortieren und Recyceln eine negative Umweltbilanz resultiere.

Quelle:

  • Kunststoffe 5/2020

24.04. - 07.05.2020

(Alt-)Kunststoffmarkt unter Druck

Das Kunststoffrecycling in Europa stecke in ernsten Schwierigkeiten, heißt es im Marktbericht von Euwid. Zahlreiche Fachmedien geben die Einschätzung des bvse wieder, dass dem Kunststoffrecycling die Märkte wegbrechen. In der Automobilindustrie und im Tiefbau gehe die Nachfrage extrem zurück, lediglich in Bereichen wie der Verpackungsindustrie sei sie noch gut. Die Verpackungshersteller würden laut IK sehr unterschiedlich von Corona getroffen. Dort reiche das Spektrum von Kapazitätsgrenzen bis Kurzarbeit.

Die Situation für das Kunststoffrecycling sei extrem kritisch, zitieren die Fachblätter den bvse-Vizepräsidenten Herbert Snell. Die Nachfrage der Industrie befinde sich weltweit im freien Fall. Nicht nur der Ölpreis, auch beispielsweise der Preis für Kunststoffrohre sei sehr niedrig, der Preisvorteil von Rezyklaten gegenüber Neuware dahin, bzw. kehre sich teilweise ins Gegenteil. Die Produktion der kunststoffverarbeitenden Industriebetriebe in Europa oder Südamerika, die Rezyklate einsetzen, gehe zurück oder sei teilweise sogar eingestellt worden. In der Verpackungsindustrie sei die Nachfrage zwar noch gut, doch im Automobilbereich extrem schwach. Die Recyclingbranche müsse sich auf viele Monate einstellen, bis die Weltwirtschaft wieder anspringe, so Snell. Vor diesem Hintergrund fordere der bvse frühzeitig konjunkturstützende Maßnahmen, die das Recycling stärken und den Ausbau der Kreislaufwirtschaft forcieren – etwa durch Anreize für den Einsatz von Rezyklaten und ein öffentliches Beschaffungswesen, das auf breiter Front Recyclingprodukte einkaufe. Laut Euwid mussten auch einige Kunststoffrecycler in Deutschland Kurzarbeit anmelden. Neuwarenpreise von unter 800 Euro stelle die Recyclingbranche vor Probleme, ihre Produkte an Verarbeiter zu verkaufen. Sie stünden nun vor der Frage, ihre Rezyklate weit unter Preis zu verkaufen oder einzulagern. Auch PET-Flaschenrecycler haben laut Euwid zunehmend Probleme, erste Betriebe hätten aufgrund erheblicher Auftragsverluste angesichts des massiven Verfalls des Ölpreises Kurzarbeit angemeldet.

Generell leiden viele private Entsorger laut einer BDE-Umfrage bereits jetzt stark unter den Auswirkungen der Coronakrise. Bei mehr als 90 Prozent seien Umsätze und Mengen zurückgegangen. Drei Viertel der Unternehmen würden geplante Investitionen verschieben. BDE-Präsident Peter Kurth sehe darin ein deutliches Alarmzeichen, weil mehr und besseres Recycling auf Investitionen angewiesen sei, zitiert ihn unter anderem das Recyclingmagazin. Auch Kurth fordere ein Konjunkturprogramm mit Fokus auf Förderung der Kreislaufwirtschaft.

Laut einer Mitgliederbefragung der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen treffe die Krise die Hersteller von Kunststoffverpackungen sehr unterschiedlich. Während Hersteller von Kunststoffverpackungen für Lebensmittel, Pharma- und Medizinprodukte teilweise bereits an ihre Kapazitätsgrenzen stießen, hätten insbesondere Zulieferer der Automobilindustrie mit erheblichen Nachfrageeinbußen zu kämpfen. Insgesamt meldeten gut die Hälfte der Unternehmen eine Zunahme von Aufträgen zwischen zehn und 20 Prozent, 37 Prozent dagegen Auftragsrückgänge, ein Viertel aller befragten Unternehmen gar solche über 20 Prozent. IK-Hauptgeschäftsführer Martin Engelmann kommentiere allerdings die positiven Befunde mit dem Hinweis, dass es sich hier um eine Momentaufnahme handele, für April werde nach dem Abebben der „Hamsterkäufe“ wieder Rückgänge der Nachfrage erwartet.

Quellen:

  • plasticker.de (4.5.2020)
  • euwid-recycling.de, plastverarbeiter.de, Euwid Recycling und Entsorgung 19/2020 (5.5.2020)
  • recyclingmagazin.de, plasticker.de, recyclingportal.eu, 320grad.de (6.5.2020)
Plattform für „Verpackung mit Zukunft"

In Österreich gründeten sieben Unternehmen aus der Wertschöpfungskette der Verpackung eine gemeinsame Plattform, um das Bewusstsein in der Öffentlichkeit für den sinnvollen Einsatz von Verpackungen zu verbessern, wie zahlreiche Fachmedien berichten.

Die „Plattform Verpackung mit Zukunft“ sei von sieben Unternehmen der gesamten Wertschöpfungskette – Greiner, Alpla Group, Nestlé Österreich, Coca-Cola Österreich, Interseroh Österreich, Engel Austria und Erema Group – gegründet worden. Sie ziele auf die Förderung einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft und wolle mehr Bewusstsein für den sinnvollen Einsatz von Verpackungen bzw. die Vermeidung von Verpackungen schaffen. Das wolle die Plattform mit einem offenen Dialog sowie sachlichem und faktenorientiertem Diskurs mit Politik, Wissenschaft, NGOs wie auch Konsumenten erreichen. Ein guter Zeitpunkt zur Präsentation der Initiative, kommentiert Kunststoffe. Schließlich habe die Corona-Situation Hygiene und Haltbarkeit und damit die wichtigste Funktion der Verpackung wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt. Auch sei angesichts der Gründungsmitglieder bei aller Offenheit hinsichtlich des Materials klar, dass Kunststoff im Fokus stehe, weist Kunststoffe mit einem Zitat des Greiner CEO Axel Kühner hin: „Es geht nicht darum Kunststoffe zu vermeiden, sondern Kunststoffabfall.“

Quellen:

  • k-zeitung.de, plastverarbeiter.de, kunststoffe.de (5.5.2020)
  • plasticker.de (7.5.2020)
Kunststoffverpackungen – eine Gefahr für die Zukunft?

Das fragt Plastverarbeiter im Interview mit Dr. Kurt Stark, Leiter Business Development und Sustainability bei Buergofol. Die Antwort überrascht nicht, ohne Verpackungen sei die Qualität und Hygiene der Lebensmittel nur schwer zu garantieren, so Stark, der auch über erwartete Veränderungen bei Verpackungen Auskunft gibt.

Die Coronakrise habe die Bedeutung der Kunststoffverpackung ins Positive gewandelt. Unabhängig davon sei es unmöglich, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, weil ansonsten zu viele Lebensmittel verderben würden. Auf die Frage nach Chancen der Kreislaufwirtschaft sagt der Verpackungsexperte, dass Kreislaufwirtschaft praktisch die Lösung für alle Probleme sei, was oft von der Politik verkannt werde, die das Paradebeispiel für Kreislaufwirtschaft, die PE-Plastiktüte grade verbiete. Die Einstoffverbunde hält er allerdings für keine Alternative zu Mehrschichtverbunden hinsichtlich Qualität und Haltbarkeit, weil Lebensmittel aufgrund mangelnder Barrierewirkung schnell verderben würden und so der CO2-Ausstoß sich erhöhen würde. Kunststoffverpackungen für Lebensmittel seien für gerade mal 0,6 Prozent des gesamten ökologischen Fußabdrucks eines Europäers verantwortlich – gegenüber 23 Prozent, die der Verkehr inklusive Flugverkehr verursache. Für die Zukunft der Lebensmittelverpackungen sieht Stark weniger Materialeinsatz, mehr Verzicht auf Verpackung, wo es schon die Vernunft gebiete, vielleicht auch mehr Standardisierung. Das globale Verpackungsaufkommen werde aber zunehmen, weil auch die Weltbevölkerung weiter wachse.

Quelle:

  • Plastverarbeiter 4/2020

17.04. - 23.04.2020

Remondis darf DSD nicht übernehmen

Am 22. April verkündete das Oberlandesgericht Düsseldorf sein Urteil zur Beschwerde von Remondis gegen die Untersagung des Bundeskartellamts, das Duale System Deutschland zu übernehmen. Laut Presseberichten hat das OLG die Beschwerde zurückgewiesen. Es folge der Sicht des Bundeskartellamtes, das mit der Übernahme eine marktbeherrschende Stellung des Konzerns bei der Vermarktung von aufbereiteten Hohlglasscherben verbunden sehe, heißt es.

Selbst wenn Remondis seine Zusage umsetzen würde, sich von zwei Glasaufbereitungsanlagen zu trennen, verfüge der Konzern immer noch über 50 Prozent der Marktanteile, begründet das OLG laut Euwid die Ablehnung der Beschwerde. Eine Rechtsbeschwerde habe das Gericht nicht zugelassen, allerdings könne binnen eines Monats eine Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt werden. Deutschlands größter Entsorger könne die Entscheidung allerdings nicht nachvollziehen, zumal die eigenen Anwälte eine andere Entscheidung erwartet hätten. Remondis verweise auf um den 19 Prozent gesunkenen Marktanteil von DSD, dem zunehmende Marktanteile bei Systembetreibern großer Unternehmen wie der Schwarz-Gruppe oder Suez gegenüberstünden. Für Wettbewerb sorgten darüber hinaus sechs weitere duale Systeme sowie der Mittelstandsverbund Zentek. Anders als der Entsorger aus Lünen begrüße der VKU Verband Kommunaler Unternehmen das Übernahmeverbot. Mit der Fusion wäre eine neue Schwelle der Marktmacht überschritten gewesen, die ohnehin bestehende Erosion des Wettbewerbs auf dem Entsorgungsmarkt wäre noch beschleunigt worden, kommentiert den Berichten zufolge VKU-Vizepräsident Patrick Hasenkamp die Entscheidung des OLG.

Quellen:

  • euwid-recycling.de, recyclingmagazin.de (22. und 23.4.2020)
BASF und Security Matters wollen Kreislaufwirtschaft voranbringen

Die Fachpresse berichtet über eine Entwicklungsvereinbarung zwischen den Unternehmen Security Matters, Ltd und BASF. Ziel der Vereinbarung sei, Lösungen für die Rückverfolgbarkeit und Kreislaufführung von Kunststoffen zu entwickeln. Dazu sollen die Forschungs- und Entwicklungskapazitäten sowie die erforderlichen Ressourcen beider Unternehmen gebündelt werden.

BASF bringe seine Erfahrungen auf dem Gebiet der Kunststoffadditive, regulatorisches Know-how und das Verständnis der Kunststoff-Wertschöpfungskette in die Kooperation ein und Security Matters seine Technologie, eine Track-and-Trace-Lösung, zur physischen und digitalen Nachverfolgung des Recyclingkreislaufs. Dabei handele es sich um einen unveränderbaren Barcode auf chemischer Basis, der die physischen Objekte markiere und sie mit einem digitalen Zwilling verbinde. Achim Sties, Senior Vice President, Performance Chemicals Europe, BASF SE halte es für zwingend erforderlich, Fortschritte auf dem Weg hin zu einem zirkulären Ansatz zu machen, um Kunststoffe so effizient wie möglich zurückzugewinnen und zu recyceln. Gemeinsam werde man eine bahnbrechende Technologie entwickeln, die Informationen über das Polymer und die Art und Weise, wie sich der Kunststoff durch den gesamten Produktions- und Vertriebsprozess bewegt, erfassen könne. Wie Haggai Alon, Gründer und Geschäftsführer vom Kooperationspartner Security Matters, Ltd.ergänze, könne durch die Transparenz der Produktlebenszyklen ein ganzheitliches technologiegetriebenes Ökosystem geschaffen werden, das die Zirkularität und Nachhaltigkeit der Kunststoffe fördere.

Quellen:

  • neue-verpackung.de (20.4.2020)
  • plastverarbeiter.de (21.4.2020)
Europäische Allianz für ökologischen Neustart

180 politische Entscheidungsträger und Wirtschaftsbosse haben laut Presseberichten angesichts der Corona-Pandemie eine europäische Allianz für einen „grünen Wiederaufbau“ der Wirtschaft gebildet.

Politiker, Unternehmenschefs, Gewerkschafter, Verbände und Experten aus ganz Europa veröffentlichten auf Initiative von Pascal Canfin, Vorsitzender des Umweltausschusses des Europäischen Parlaments (ENVI) den Aufruf für einen „grünen Wiederaufbau“, einen „Neustart“ und eine Stärkung der Wirtschaftssysteme, dem sich laut Euwid auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) angeschlossen habe. Nach Angaben in Kunststoff Information besteht die Allianz aus 79 parteiübergreifenden Abgeordneten aus 17 Mitgliedstaaten, 28 Wirtschaftsverbänden aus 10 verschiedenen Sektoren, 37 CEOs, dem Europäischen Gewerkschaftsbund, 7 NGOs und 6 Think Tanks. Darunter fänden sich auch Vertreter von Polymerherstellern wie Markus Steilemann, CEO von Covestro, oder Peter Vanacker, CEO von Neste. Auch die Konzernleiter von Eon, IKEA, Coca-Cola, Renault, Royal DSM, Danone, Iberdrola, Umicore und Unilever zählten dazu. Ziel der Allianz sei es, bei den nach der Pandemie für einen Neustart der Wirtschaft erforderlichen Investitionsentscheidungen zusammenzuarbeiten. Nach einem zu erwartenden weitaus tieferen Schock als nach der Finanzkrise im Jahr 2008 sei der nötige Wiederaufbau eine passende Gelegenheit, den Übergang zu Klimaneutralität und gesunden Ökosystemen zu beschleunigen.

Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 17/2020 (21.4.2020)
  • KI (22.4.2020)
Mikroplastik-Konzentration in der Arktisregion angestiegen

Euwid zitiert aus einem Bericht des Bundesforschungsministeriums, laut dem ein Forscherteam des Alfred-Wegener-Instituts bei einer Untersuchung in der so genannten Framstraße einen deutlichen Anstieg der Mikroplastikkonzentration in der arktischen Tiefsee festgestellt habe. Innerhalb von zehn Jahren habe sich der Gehalt verzwanzigfacht.

Die Forscher hätten darüber hinaus bei einer Probenahme bis zu 12.000 Kunststoffteilchen pro Liter gemessen, doppelt so viel wie bei einer Untersuchung im vergangenen Jahr. Die Framstraße sei die einzige Tiefseeverbindung zwischen Arktischem und Atlantischem Ozean. Die zwei gegenläufigen Meeresströmungen in der Tiefe sollen die Mikroplastikteilchen sowohl aus der Arktis als auch aus dem Nordatlantik in die Framstraße eintragen. Unterwegs sollen die Teilchen nach Angaben der Wissenschaftler allmählich in die Tiefe driften und sich am Meeresboden anreichern. Verschiedene Bodenproben hätten eine extreme Belastung von bis zu 13.000 Partikel pro Kilogramm Sediment ergeben.

Die Untersuchung wurde vom BMBF im Rahmen des Verbundprojekts „Baseman" gefördert, einem Projekt der Pilotmaßnahme Mikroplastik der Joint Programming Initiative Healthy and Productive Seas and Oceans (JPI Oceans).

Quelle:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 17/2020 (21.4.2020)

03.04. - 16.04.2020

Unverzichtbarer Kunststoff

In der FAZ weist ein Meinungsartikel die Leser darauf hin, dass in Zeiten des Virus der vielgeschmähte Kunststoff das Material der Wahl sei. Wer jetzt immer noch denke, Kunststoff sei eine Erfindung des Teufels, möge doch mal ein Gedankenexperiment machen, heißt es am Ende: Angenommen, es gebe keine Kunststoffe – was hätten wir jetzt alles nicht? Der EuPC, der europäische Dachverband der Kunststoffverarbeiter, fordert laut anderer Presseberichte mit einem ähnlichen Hinweis die Verschiebung der EU-Einwegplastikrichtlinie.

Etwa der Mundschutz aus Polypropylen-Schmelze, Schutzkleidung aus beschichteter Zellulose oder ganz aus Plastik, sämtliche Spritzen, Schläuche und viele Teile der Beatmungsgeräte – der Autor zählt einige Beispiele aus Kunststoff auf, welches im derzeitigen Kampf gegen das Virus das Material der Wahl sei. Auch Beispiele aus dem Alltag wie Lebensmittelverpackungen, die aus hygienischen Gründern erforderlich seien, fehlen in der Aufzählung nicht. In der Not besinne man sich „vielleicht auf alte Freunde, die unverdrossen ihre Arbeit verrichten, auch wenn gerne an ihnen herumgenörgelt wird“, meint der Autor auch gleich am Anfang seines Statements.

Jetzt werde deutlich, dass die EU-Behörde bei der Verabschiedung der EU-Einwegplastikrichtlinie nicht die hygienischen Konsequenzen eines Verbots oder der Einschränkungen von Einwegprodukten aus Kunststoff berücksichtigt hätten, schreibt laut Fachpresseberichten der EuPC in einem offenen Brief an die EU-Kommission und fordere, den Anwendungsbeginn um mindestens ein Jahr zu verschieben bzw. die geplanten Produktverbote gleich ganz aufzuheben, berichtet unter anderem Euwid. Einwegkunststoffe ließen sich nicht ersetzen, wenn es um Hygiene, Sicherheit und Schutz vor Verunreinigungen gehe, um Verbraucher zu schützen, heiße es in dem Schreiben. Die betreffende Frist zur Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht laufe zum 3. Juli 2021 aus. Auf Anfrage von Kunststoff Information habe ein Sprecher des EU-Umweltkommissars Virginijus Sinkevičius geantwortet, dass man noch nicht an eine Änderung des Zeitrahmens denke, jedoch die Bedeutung von Kunststoffverpackungen und anderen Produkten im Zusammenhang mit Lebensmitteln, Medikamenten oder persönlicher Schutzausrüstung erkenne.

Quellen:

  • FAZ (14.4.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 15/2020, Kunstoff Information (15.4.2020)
Entsetzte duale Systeme

Euwid berichtet über einen Antrag des Umweltausschusses im Bundesrat, der bei den Systembetreibern für Entsetzen gesorgt habe: Nach Willen des Umweltausschusses sollen Kommunen künftig auch ohne Mitbestimmungsrecht der dualen Systeme eine Wertstofftonne durchsetzen können.

Der Änderungsantrag des Umweltausschusses der Länderkammer sei im Zuge der laufenden Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes gestellt worden. Laut Plan solle am 15. Mai solle darüber entschieden werden. Bislang könnten sich gemäß Verpackungsgesetz Kommunen und Systeme gemeinsam auf eine einheitliche Sammlung von Verpackungs- und Nichtverpackungsabfällen verständigen. Wegen des öffentlichen Interesses an einer einheitlichen Wertstofferfassung sehe der Ausschuss allerdings den Bedarf an einer „Nachjustierung“. Nach seinen Vorstellungen könnten Kommunen künftig gegen ein „angemessenes Entgelt“ die gemeinsame Erfassung von Verpackungen und stoffgleichen Nichtverpackungen von den Systemen verlangen. Die aber lehnen eine Änderung ab, die aus ihrer Sicht quasi durch die Hintertür ohne öffentliche Debatte auf den parlamentarischen Weg gebracht werden solle.

Quelle:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 15/2020 (15.4.2020)
Jetzt den Mittelstand entlasten

Weil die Corona-Pandemie vor allem viele mittelständische Betriebe in Deutschland treffe, müsse jetzt schnell entlastet werden, fordere der Gesamtverband Kunststoff verarbeitende Industrie (GKV) laut Berichten in der Fachpresse.

Neben der verstärkten Nachfrage nach Lebensmittelverpackungen und Hygieneprodukten würde dennoch die Mehrzahl der mittelständischen Betriebe der Kunststoff verarbeitenden Industrie unter dem plötzlichen und unvorhersehbaren Umsatzrückgang aufgrund der Corona-Krise leiden. Viele Unternehmen hätten Herausforderungen wie Kurzarbeit, fehlende Betreuungsangebote für Kinder der Betriebsangehörigen oder auch die Umsetzung neuer Anforderungen an den Infektionsschutz und anderes mehr zu meistern. Um dauerhaft schädliche Folgen für die Unternehmen zu vermeiden, müssten nun auf die zurzeit erfolgenden Hilfestellungen wie Kurzarbeitergeld und Liquiditätshilfen weitere Hilfsmaßnahmen von Seiten des Bundes und der Länder folgen, fordere GKV-Hauptgeschäftsführer Dr. Oliver Möllenstädt. Dazu zähle er etwa die Abschaffung oder Aussetzung der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) oder auch das Streichen oder zumindest Verschieben etwa im Rahmen des „European Green Deal“ geplanter Vorhaben, die den Mittelstand finanziell oder organisatorisch belastend auf den Zeitraum nach Bewältigung der Krise.

Quelle:

  • k-zeitung.de (6.4.2020)
Kaum Kohlendioxid-Einsparung durch Verzicht auf Plastik

Der Spiegel berichtet kurz über eine Metastudie zur Quantifizierung des Potenzials zur Eindämmung des Klimawandels durch Verbraucheroptionen. Dabei kam heraus, dass eine Änderung des Mobilitätsverhaltens den größten Beitrag leisten könnte. Verzicht auf Kunststoff spare dagegen allenfalls geringe Mengen an CO2 ein.

Laut den Ergebnissen der Megastudie, die Wissenschaftler um Diana Ivanova von der University of Leeds und um Felix Creutzig vom Berliner Klimaforschungsinstitut MCC erstellt haben, könnte ein Privathaushalt am meisten durch eine Änderung des Mobilitätsverhaltens zur CO2-Einsparung beitragen. Im Jahr würde etwa der Umstieg vom Auto mit Verbrennungsmotor auf ein Elektroauto pro Haushalt 2.010 Kilo CO2 einsparen, der Verzicht auf einen Langstreckenflug 1.890 Kilo. Weniger Verpackungen brächte demnach nur eine Einsparung von 160 Kilo, das Recycling ganze 60 Kilo. Dies seien Durchschnittswerte, die aufgrund eines Vergleichs von 53 Untersuchungen gebildet worden seien. Im Einzelfall könne die CO2-Einsparung stark abweichen, wie etwa beim Langstreckenflug, bei dem es auf die Entfernung ankomme.

Mehr Information: Quantifying the potential for climate change mitigation of consumption options - Accepted Manuscript.

Quelle:

  • Der Spiegel (11.4.2020)

27.03. - 02.04.2020

Corona-Krise macht Recyclern zu schaffen

Während die Kunststoffverpackung laut eines Berichts in der Lebensmittel Zeitung derzeit durch den allgemeinen Fokus auf Hygiene mehr Wertschätzung erfahre, sehen sich die Kunststoffrecycler laut Euwid großen Herausforderungen gegenüber. Demnach brechen Ihnen von weiten Teilen der Industrie Aufträge weg. Für April würde Böses erwartet.

Das ramponierte Image von Kunststoffverpackungen verbessere sich durch die Corona-Krise, schreibt die Lebensmittel Zeitung und beruft sich dabei auf Aussagen von Herstellern und Händlern sowie der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen. Laut deren Geschäftsführerin Mara Hancker bewege die Menschen jetzt die Versorgungssicherheit, was in der Wahrnehmung von Verpackungen deren eigentlichen Funktionen wie hygienischer Lebensmittel- und Verbraucherschutz stärker in den Fokus rücke. Auch hochrangige Edeka-Manager bestätigten den stark ausgeprägten Einstellungswandel von Verbrauchern, die nun in der Gemüseabteilung nach eingeschweißten Salatgurken nachfragten. Auch Händler würden in ihrer Vorsorge wie etwa der Schließung von SB-Salatbars indirekt das Verpackungsimage aufpolieren. Die Kunststoffverpackungsbranche profitiere derzeit vom Einbruch des Ölpreises, der für günstige Beschaffungskosten sorge. Das dürfte auch abpackende Unternehmen, die womöglich planten, das Verpackungsmaterial zu wechseln, davon wieder abbringen.

Wer massiv Probleme mit der derzeitigen Ölpreisentwicklung habe, sei die Recyclingwirtschaft, insbesondere die Branchen, die sich auf die Produktion von Rezyklaten aus Verpackungsabfällen und zur Substitution von Primärware spezialisiert hätten. Für solche Rezyklate würde es immer schwieriger, mit billiger Neuware zu konkurrieren, wird Jörg Deppmeyer vom Grünen Punkt in der Lebensmittel Zeitung zitiert. Die schwierige Lage der Kunststoffrecycler ist auch Thema eines Beitrages in Euwid, nach dem Marktteilnehmer mit Blick in ihre Auftragsbücher für April „Böses erahnen“. Nicht nur der niedrige Ölpreis, sondern auch die mangelnde Nachfrage der Autoindustrie sorge für Druck. Ausnahmen stellten allein manche Folienanwendungen wie Müllsäcke und Verpackungen dar.

Quellen:

  • Lebensmittel Zeitung (27.3.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 14/2020 (31.3.2020)
Abfalltrennung beibehalten

Argumente für das Beibehalten der richtigen Abfalltrennung war in der Presse unter ganz unterschiedlichen Blickwinkeln Thema: Das Bundesumweltministerium (BMU) wies laut Berichten in der Fachpresse darauf hin, wie wichtig gerade während der Corona-Epidemie die Abfalltrennung sei, um ein Überquellen der Restmülltonne zu vermeiden und Hygieneregeln einzuhalten. Das Fraunhofer-Institut IVV dagegen verweise im Rahmen einer Studie zu Gerüchen bei Kunststoffrezyklaten darauf, dass die getrennte Sammlung von Verpackungsabfällen sich positiv auf die Geruchsqualität der Rezyklate auswirke.

Weil Menschen nun mehr zu Hause seien und deswegen auch mehr Müll produzierten, habe das BMU an alle Bürgerinnen und Bürger appelliert, die Restabfalltonnen nicht überquellen zu lassen und auf Hygieneregeln zu achten. Nur so könne die Abfallwirtschaft die derzeitigen Herausforderungen meistern. Ausnahmen gelten nur für Haushalte mit infizierten Personen, auch wenn noch kein Nachweis erbracht worden sei, dass sich Personen durch Berührung von kontaminierten Oberflächen angesteckt hätten. Alle andern sollten sich uneingeschränkt an das Gebot der Abfalltrennung halten.

Abfalltrennung wirkt sich offenbar auch positiv auf den Geruch des Rezyklats aus, das am Ende aus den Kunststoffabfällen aus dem Gelben Sack produziert wird. Das ist zumindest laut Berichten ein Ergebnis einer neuen Studie des Fraunhofer IVV. Störgerüche seien oft noch ein Problem bei Kunststoffrezyklaten. Deswegen habe IVV die sensorischen Eigenschaften von Post-Consumer-Einkaufstüten aus PE-LD aus unterschiedlichen Sammelsystemen untersucht. Die Identifizierung der dafür verantwortlichen Substanzen sei Voraussetzung für geeignete Gegenmaßnahmen. Darüber hinaus habe die Studie gezeigt, dass das Sammelsystem entscheidenden Einfluss auf die Geruchsqualität der Einkaufstüten ausübe. Demnach wiesen im Gelben Sack gesammelte Abfälle „signifikant geringere Gesamtgeruchsbelastung“ auf als solche, die etwa im Hausmüll gesammelt wurden.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu (27.3.2020)
  • recyclingportal.eu, 320grad.de (31.3.2020)
Über Normen mit einer Stimme sprechen

Vor einem knappen Jahr wurde innerhalb des DIN-Normenausschusses Kunststoffe (FNK) des Deutschen Instituts für Normung e.V. (DIN) der neue Arbeitsausschuss „Recycling von Kunststoffen in der Kreislaufwirtschaft“, in dem auch die BKV mitarbeitet, gegründet. In k-profi findet sich dazu ein Interview, das vor allem zwei Dinge deutlich macht: was die Mitarbeit in einem solchen Ausschuss bringt und warum es wichtig für die Branche ist, mit einer Stimme zu sprechen.

Ansgar Hoffmann ist Produktions- und Entwicklungsleiter bei Hoffmann+Voss, einem Anbieter von (Re)Compounds und Rezyklaten aus Viersen. k-profi hat ihn in der aktuellen Ausgabe zu seiner Mitarbeit im neuen Arbeitsausschuss befragt. Hoffmann, dessen Unternehmen insbesondere Lieferant für die Automobilbranche ist, weist auf die Nachfrage nach standardisierten, qualitativ hochwertigen Rezyklaten hin. Der vor einem Jahr gegründete Ausschuss „Recycling von Kunststoffen in der Kreislaufwirtschaft“, an dem deutlich mehr als die in DIN-Ausschüssen üblichen 21 Mitglieder aus den Branchen Recycling, Markenunternehmen, Rohstoffherstellung sowie aus Instituten und der öffentlichen Hand mitarbeiten, soll aus seiner Sicht vor allem für eine Vereinheitlichung der Kunststoffrezyklate sorgen. Das werde zu einer höheren Wertschätzung in der Branche, aber auch einer erneuten Aufwertung der Kunststoffe in der öffentlichen Wahrnehmung führen. Im ersten Schritt überprüfe der Arbeitsausschuss die bestehenden, bereits über zehn Jahre alten Normen über die wichtigsten Eigenschaften und Prüfverfahren von Rezyklaten aus PE, PP, PET, PVC und PS. Gleichzeitig kümmere man sich um eine einheitliche Begriffsbestimmung, was denn überhaupt ein Rezyklat sei. Heute würden Begriffe wie Rezyklat, Regenerat oder Recompound weitgehend noch synonym gebraucht. Normen seien zwar nicht bindend, könnten aber Vorbehalte gegenüber Recyclingware abbauen und die gesamte Kunststoffbranche stärken. Allerdings müsse dazu die Branche auch mit einer Stimme sprechen, wie es etwa die Betonbranche seit Jahren vormache. Auch der PVC-Branche sei es gelungen, das vormals schlechte Image durch gezielte Kampagnen zu verbessern. Der Normenausschuss sei ein guter erster Schritt, das Image der Kunststoffe insgesamt wieder gerade zu rücken, so Hoffmann.

Quelle:

  • k-profi (3-4/2020)