Archiv - Quartal 2 - 2019

14.06. - 27.06.2019

G20 und „Bangkok Erklärung“ gegen Meeresmüll

Laut Berichten der Fach- wie Tagespresse vereinbarten die Industrie- und Schwellenlän­der der G-20 Staaten Maßnahmen, die allerdings freiwillig seien. Auch südostasiatische Staaten, die als Hauptverursacher gelten, wollen laut Medienberichten gemeinsam gegen Kunststoffabfälle in den Ozeanen vorgehen.

„Plastik“müll in den Weltmeeren sei zentrales Thema des G20-Gipfels im japanischen Osaka gewesen. Dort hätten sich 20 führende Industrie- und Schwellenländer darauf verständigt, gegen Meeresmüll vorzugehen, berichtet zum Beispiel die Tagesschau. Die Vereinbarung sei allerdings ziemlich vage und beruhe auf freiwilligen Maßnahmen. Bewährte Verfahren zur Müllvermeidung sollen ausgetauscht, Innovationen gefördert und die wissenschaftlichen Überwachungs- und Analysemethoden verbessert werden. Umweltschutzverbände seien, wie in der Zeit zu lesen ist, nicht zufrieden. Die Vereinbarung sei „ein erster Schritt“, aber „unzureichend“. Aus ihrer Sicht brauche es verbindliche internationale Regeln mit klaren Zeitplänen und Zielen. Keinen Grund für ein „Hurra“ sieht der Spiegel. Papier sei geduldig und „Plastik“ eben auch. Japan, das, wie die Tagesschau an anderer Stelle berichtet, selbst noch seine Hausaufgaben in Sachen Recycling zu machen habe, wolle im Kampf gegen Mee­resmüll eine Führungsrolle einnehmen. Das Land recycele zwar 80 Prozent von seinen neun Millionen Tonnen Kunststoffabfällen pro Jahr, aber fast 60 Prozent werde verbrannt.
Die Initiative südostasiatischer Staaten gegen Meeresmüll zeige laut Bericht der FAZ zwar, dass das Problem mittlerweile auch dort ernst genommen werde. Ob es sich bei der „Bang­kok-Erklärung“ aber um mehr als gute Worte handele und die zehn Unterzeichner des Staa­tenbundes Asean auch politische Maßnahmen ergreifen werden, stehe für Umweltschützer in Frage. Immerhin gäben die Hauptverursacher mit der Erklärung zu, dass das Thema ganz oben auf die Agenda gehöre. Konkrete Maßnahmen seien allerdings auch hier nicht verein­bart worden und bindend sei der Beschluss für die Mitglieder ebenfalls nicht. Dennoch kön­ne der Pakt als Erfolg betrachtet werden, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Die Initiative gelte als wichtiger Schub für die Umwelt. Doch Greenpeace kritisiere, dass Verpflichtungen fehlten, schon bei der Produktion von Einwegkunststoffprodukten anzusetzen, die Mengen zu reduzieren und ein Verbot von Müllimporten habe auch nicht auf der Tagesordnung gestanden.

Quellen:

  • tagesschau.de (23.6.2019, 16.6.2019)
  • FAZ (23.6.2019, 24.6.2019)
  • sueddeutsche.de (23.6.2019)
  • zeit.de, spiegel.de (16.6.2019)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 25/2019, recyclingmagazin.de (18.6.2019)
Auch BMU will keine Kennzeichnung von Tüten als „kompostierbar“

Gegen das von der EU-Kommission für Tragetaschen aus bioabbaubaren und kompostier­baren Kunststoffen geplante „Bio-Label“, wehre sich, wie die Fachpresse berichtet, nach einer entsprechenden Initiative deutscher Entsorgerverbände auch das Bundesumweltmi­nisterium (BMU). Mit Erfolg, denn der Gesetzesentwurf sei nun zurückgestellt worden.

BMU-Abteilungsleiterin Regina Dube, die die Verbändeinitiative gegen den vorgelegten Entwurf (s. Meldung vom 12.6.2019) gelobt habe, habe sich ebenfalls gegen das Label aus­gesprochen, weil eine Kennzeichnung von Kunststofftragetaschen als „kompostierbar“ sug­geriere, wie auch das Recyclingmagazin sie zitiert, dass die Tüten EU-weit zur Kompostie­rung zugelassen seien, was nicht nur in Deutschland eben nicht der Fall sei. Außerdem wi­derspreche der Vorschlag der neuen Abfallrahmenrichtlinie, die den Umgang mit biologisch abbaubaren Materialien ausdrücklich freistelle. Auch sehe das Ministerium die Gefahr ver­mehrten Litterings und unsachgemäßer Entsorgung von Kunststofftragetaschen. Die Ver­bände, darunter der BDE, der bvse und der VKU, zeigten sich erleichtert, dass das BMU in dieser Frage mit der Branche einig sei und begrüßten, wie bei Euwid zu lesen ist, ausdrück­lich, dass Deutschland sich klar gegen die vorgeschlagenen Regelungen ausgesprochen ha­be. Die Kritik habe dazu geführt, dass die EU-Kommission den Vorschlag überdenken wolle und zunächst eine Evaluierung der Situation in den Mitgliedstaaten vornehmen werde.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de (21.6.2019)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 26/2019 (25.6.2019)
Bambus und Algen als „Plastik“-Ersatz?

Die Tages- und Wochenpresse schaute bei vermeintlich nachhaltigen „Plastik“-Ersatzma­terialien wie Bambus oder Algen, die als Hoffnungsträger im Kampf gegen Meeresmüll gelten, genauer hin: Experten wie Umweltschützer zeigten sich skeptisch.

Die Zeit hinterfragt in einer genaueren Betrachtung die Nachhaltigkeit des Trendmaterials Bambus. Die Liste an Alltagsprodukten, die neuerdings ganz oder zu Teilen aus Bambus angeboten werden, werde immer länger: Teller und Schüsseln, Kaffeebecher, Brettchen, Zahnbürsten, Toilettenpapier, T-Shirts und sogar Fahrräder aus Bambus gebe es mittlerweile am Markt zu kaufen. Doch viele von ihnen enthielten nur wenig pflanzliche Anteile, bestünden zu großen Teilen aus Kunststoff und gä­ben teils Chemikalien wie Melamin oder Formaldehyd an das Lebensmittel ab. Verbraucher würden irregeführt, zitiert die Zeit einen Experten, der bambushaltige Produkte auf mög­liche gesundheitliche Gefahren untersucht. Hinzu komme, berichtet die Zeit, dass Bambus aus China, Äthiopien oder anderen fernen Ländern importiert werden müsse. So werde aus dem Naturstoff ein Industrieprodukt mit einem ökologischen Fußabdruck, der sogar größer sein könne als der eines reinen Kunststoff-Produktes.
Die FAS beschäftigt sich in einem Bericht mit der Frage, was von bioabbaubaren oder gar essbaren Take-Away-Boxen zu halten sei, an deren Entwicklung zum Beispiel die Fastfood-Fischkette Nordsee derzeit in einem Forschungsprojekt arbeite. Fachleute hielten wenig von essbaren Verpackungen, da sie zum einen nur mit großem Aufwand produziert würden und bei ihrer Herstellung oft auf Rohstoffe zurückgegriffen werde, die schon in der Kunst­stoffindustrie Verwendung finden oder selbst als Lebensmittel gelten. Es stelle sich auch die Frage, ob Lebensmittel in essbarer Verpackung beim Verkauf durch eine Schutzfolie umhüllt werden müssten. Und was, fragt die FAS weiter, wenn die essbare Verpackung nicht verzehrt, son­dern in den Restmüll geworfen werde? Dann, laute auch die Kritik von Umweltschutzorga­nisationen wie dem BUND, würde sie am Ende verbrannt. Solche Innovationen machten ohne entsprechende Sammelsysteme ähnlich wie bei den Bio-Kunststoffen keinen Sinn.

Quellen:

  • zeit.de (17.6.2019)
  • Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (23.6.2019)

07.06. - 13.06.2019

Ein symbolischer Cent

Die „Hemdchentüte“ bzw. der „Knotenbeutel“ hat es einmal mehr in die Tagespresse geschafft, die über die Pläne von Aldi berichtet, für die dünnen Kunststoffbeutel am Obst- und Gemüsestand künftig einen Cent zu erheben.

Ab diesem Sommer wolle Aldi nur noch Knotenbeutel anbieten, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, und an der Kasse dafür einen Cent pro Stück verlangen. Auch wiederverwendbare Mehrzwecknetze soll es dann im Obst- und Gemüsebereich geben. Vorbild sei laut FAZ die Tragetasche, deren Verbrauch seit Einführung der Gebühr vor drei Jahren branchenweit um zwei Drittel zurückgegangen sei. Eine ähnliche Wirkung verspreche man sich von dem symbolischen Cent für die Hemdchentüte. Allerdings, so die Kritik der Konkurrenz laut Handelsblatt, bringe das wenig, da beim Discounter klassischerweise Knotenbeutel kaum Bedeutung hätten, weil über zwei Drittel der Artikel bereits in Kunststoff verpackt seien, wie eine Stichprobenuntersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverbands ergeben hätte. Die Handelsketten spürten aber, dass immer mehr Kunden umdenken, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Real wolle die Hemdchenbeutel durch Papiertüten ersetzen. Im Kommentar weist die Süddeutsche daraufhin, dass auch ein kleiner Geldbetrag etwas bewirke, wie Beispiele aus England und Italien zeigten, aber langfristig ein Cent zu wenig sei. Die Idee von Real sei allerdings nicht gut, da die Papiertüten sich zwar schneller zersetzten, aber in der Herstellung viel Wasser, Energie und Chemikalien brauchten. Besser seien Mehrwegnetze, wie sie etwa Penny anbiete. Der bvse nahm laut Fachpresse die Ankündigung von Aldi, künftig nur noch Hemdchentüten aus nachwachsenden Rohstoffen einzusetzen, zum Anlass für den Hinweis, dass Kunststoffverpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen das Kunststoffrecycling erheblich beeinträchtigen können. Das täten sie nur dann nicht, wenn dieser Kunststoff mit dem aus Rohöl, wie das zum Beispiel bei Polyethylen möglich wäre, identisch sei. Bei solchen Neuerungen sollte vor ihrem Einsatz mit der Recyclingindustrie besprochen werden, ob es dafür auch sinnvolle Recylingmöglichkeiten gebe, so der bvse.

Quellen:

  • Süddeutsche Zeitung (11.6.2019)
  • FAZ, Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung, Die Zeit, Plasticker, recyclingportal.eu (12.6.2019)
„Plastikatlas“ erntet Widerspruch

Der Umweltverband BUND und die Heinrich-Böll-Stiftung hatten vor Kurzem einen „Plastikatlas“ veröffentlicht, dessen Fazit lautet, dass von einer Kreislaufwirtschaft kaum die Rede sein könne. Die „Plastikkrise“ sei neben „Klimakatastrophe“ und „Artensterben“ die „dritte große Herausforderung für die Menschheit“ heiße es laut FAZ. Gegen die Behauptungen im Plastikatlas regt sich Widerspruch, wie die Fachpresse berichtet.

Bessere Mülltrennung und Recycling würden im Kampf gegen die weltweite Plastikverschmutzung nicht reichen, die Politik müsse globalen Energie- und Chemiekonzernen strengere Vorgaben machen, heiße es laut Euwid im Plastikatlas. Die Autoren fordern mehr Verbote und ein stärkeres In-die-Pflicht-Nehmen von Herstellern und der petrochemischen Industrie. Gegen die provozierenden Behauptungen im Plastikatlas, die Kunststoffe grundsätzlich als umweltschädlich darstellen, hat sich nun Widerspruch geregt. So wendet sich der VCI laut Euwid gegen eine pauschale Diskriminierung sowie gegen Verbote von Kunststoffen. Vielmehr müsse die Verwertung weiter vorangetrieben werden. Kunststoffabfälle hätten im Meer nichts zu suchen, auch die Industrie arbeite daran, Verschmutzungen einzudämmen und setze sich weltweit für eine umweltgerechte Entsorgung und das Recycling von Kunststoffabfällen ein. Die Initiative geTon, in der mehrere Mitglieder aus der gesamten Wertschöpfungskette wie zum Beispiel Procter & Gamble, Alba oder der Grüne Punkt sich zusammengeschlossen haben, beanstande laut 320grad, dass mit dem Plastikatlas zum Teil falsche Zahlen präsentiert und falsche Rückschlüsse gezogen würden. Besonders kritisiere die Initiative die Behauptung, dass lediglich 15,6 Prozent der Kunststoffabfälle in Deutschland recycelt würden. An der Stelle jongliere der Plastikatlas mit Zahlen, die wissenschaftlich nicht vergleichbar seien, heiße es von Seiten geTon, berichtet 320grad.

Quellen:

  • FAZ (6.6.2019)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 24/2019, 320grad.de (12.6.2019)
Erfolgreicher Altkunststofftag

Einige Fachmedien berichten über die Themen, die beim Internationalen Altkunststofftag in Bad Neuenahr am 4. und 5. Juni zur Sprache kamen. Die Veranstaltung, an der sich die Kunststoffindustrie mit dem traditionellen „BKV-Workshop“ beteiligte, habe die Teilnehmerzahl mit mehr als 440 Anmeldungen gegenüber dem Vorjahr noch einmal steigern können.

Vor allem das Thema recyclinggerechte Konstruktion habe sich als derzeit stark brennende Frage herauskristallisiert, berichtet Kunststoff Information von den beiden Tagen. Sie sei Voraussetzung für ausreichend qualifizierte Materialströme für eine sinnvolle Wiederverwertung. „Design for Recycling“ müsse gelebt werden, habe bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock laut Recyclingmagazin gefordert. Der Gegenwind der zum medialen Sturm gewordenen Diskussionen über Kunststoffabfälle solle als Rückenwind für das Kunststoffrecycling genutzt werde, wird der Hauptgeschäftsführer in Fachmedien sinngemäß wiedergegeben. Allerdings stehe die Branche entlang der gesamten Wertschöpfungskette noch vor großen Herausforderungen, sowohl bei der Qualität der Sammlung, der recyclinggerechten Konstruktion von Kunststoffprodukten, wie auch beim Einsatz von Rezyklaten. Der bvse fordere bessere Rahmenbedingungen für das Recycling, wozu steuerliche Investitionsanreize für Recyclinganlagen oder auch eine Neuordnung der Kunststoffsortierung gehören, berichtet Euwid.

Mehr Information: zum BKV-Workshop, zur Pressekonferenz

Quellen:

  • recyclingmagazin.de (7.6.2019)
  • k-zeitung.de (11.6.2019)
  • Kunststoff Information, Euwid Recycling und Entsorgung 24/2019 (12.6.2019)

24.05. - 06.06.2019

„Styropor-Verpackungen bleiben erlaubt“

Mit einem Faktencheck mache die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen deutlich, dass das Verbot in der gerade verabschiedeten Einwegkunststoffrichtlinie der EU lediglich die EPS-Verpackungen für den Sofort-Verzehr betreffe. Es seien nicht etwa EPS-Verpackungen im Allgemeinen gemeint, wie der Eindruck aufgrund einer irreführenden Pressemeldung der EU und eines Artikels in der Süddeutschen Zeitung erweckt worden sei.

Die durch die Pressemeldung der Kommission vom 12. Mai und den Zeitungsartikel vom 22. Mai womöglich entstandenen Missverständnisse würden laut IK dem Image von expandiertem Polystyrol (EPS), auch airpop oder Styropor genannt, schaden, berichtet unter anderem das Recyclingmagazin. Die in der Direktive genannten To-go-Verpackungen aus EPS seien nur eine von vielen Anwendungen des etablierten und effizienten Verpackungskunststoffes. Der größte Teil gehe in Verpackungen etwa für Elektrogeräte, Weiße Ware und andere Produkte. Auch für Transportbehälter für sensible medizinische oder pharmazeutische Produkte wie auch für temperaturempfindliche Lebensmittel käme das Verpackungsmaterial zum Einsatz. Kaum eine Materialalternative käme an das Ökoprofil für die Verpackung und den Transport solcher Güter heran. Außerdem sei EPS sehr gut zu recyceln, etwa 50 Prozent des Materials würden laut der Conversio-Studie 2017 recycelt. EPS habe zu Unrecht einen schlechten Ruf, betone die IK. Das Material sei ressourcenschonend – EPS-Verpackungen bestünden zu 98 Prozent aus Luft und zu zwei Prozent aus Polystyrol – und effizient in seiner Schutzfunktion.

Mehr Information: IK-Fakten-Check airpop

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu (4.6.2019)
Malaysia schickt Abfälle zurück

In Südostasien will man nach Presseberichten offenbar keine Kunststoffabfälle mehr aus westlichen Industrieländern. Malaysia hat begonnen, Kunststoffabfälle in ihre Herkunftsländer zurückzuschicken. Die Philippinen machen gegen Kanada Druck, Container, die in den Jahren 2013 und 2014 von dort exportiert wurden, zurückzunehmen.

Wie Euwid berichtet, gehe es in Malaysia um 60 Container mit rund 3.000 Tonnen Kunststoffabfällen. Laut Kunststoff Information seien nach Angaben malaysischer Medien die ersten fünf Container mit illegal eingeführten Abfällen nach Spanien zurückgeschickt worden. Weitere zehn sollen nach Angaben der Umweltministerin Yeo Bee Yin mit rund 450 Tonnen in den nächsten Tagen laut Euwid nach Australien, USA, Kanada, Saudi-Arabien, Japan, China und Bangladesch zurückgeschickt werden, weil es sich dabei um „verunreinigten, nicht sortenreinen, nicht recycelbaren Kunststoffabfall minderer Qualität“ (nach Euwid zitiert) handele. Untersuchungen von April dieses Jahres hätten auch Sendungen aus Großbritannien, den Niederlanden, Deutschland, Singapur, Norwegen und Frankreich zutage gebracht. Laut KI gibt es auf den Philippinen eine ähnliche Situation. Unter anderem hätten die Philippinen ihre Diplomaten aus Kanada abgezogen, weil ihnen der Rücktransport von 69 Containern von kanadischer Seite nicht schnell genug ginge. Die Inhalte seien als recycelbare Kunststoffabfälle deklariert gewesen, hätten aber aus minderwertigen Mischabfällen aus Flaschen Zeitungen, Windeln und anderem bestanden. Sollten die Kanadier den Müll nicht unverzüglich zurücknehmen, wolle man die Container vor der kanadischen Küste ins Meer kippen, habe der philippinische Präsident Rodrigo Duterte gedroht.

Quellen:

  • Kunststoff Information (31.5.2019)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 23/2019 (4.6.2019)
Deutsche sind für Strafen

Laut einer Umfrage des Deutschen Verpackungs-Instituts (dvi) zum Thema Vermüllung von Straßen, Plätzen, Wäldern und Gewässern mit gebrauchten Verpackungen fordern laut Berichten in der Fachpresse gut 82 Prozent der Deutschen eine klare Bestrafung. Ein Drittel der Befragten würde anstelle von Geldstrafen soziale Dienste als Wiedergutmachung bevorzugen.

Anlässlich des internationalen Tages der Umwelt am 5. Juni hatte das dvi  die nach eigenen Angaben repräsentative Umfrage durchgeführt. Da Verpackungen aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken seien, müssten wir alle mit ihnen umso verantwortungsbewusster und wertschätzender von der Gestaltung über die Produktion bis hin zu Gebrauch und Recycling nach dem Gebrauch umgehen, nenne Kim Cheng, Geschäftsführerin des Deutschen Verpackungsinstituts, die Grundlagen der Umfrage.

82,1 Prozent der Deutschen würden sich demnach für eine Bestrafung der Vermüllung aussprechen. 27,2 Prozent fänden dabei soziale Dienste besser als eine Geldstrafe. 22,6 Prozent hielten eine Strafe von mindestens 250 Euro für angemessen, 13,5 Prozent von mehr als 1.000 Euro, 18,8 Prozent befürworteten eher eine kleine Geldstrafe. Von den Ablehnern einer Bestrafung hielten die meisten (6,2 Prozent der Befragten) ein grundsätzliches Pfand auf alle Verpackungen für den besseren Weg.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu (5.6.2019)

17.05. - 23.05.2019

Von Tüten, Tellern und Bechern

Einwegprodukte aus Kunststoff sollen weniger werden. Die EU-Richtlinie dazu ist seit Dienstag dieser Woche laut Berichten der Fach-, Wochen- und Tagespresse beschlossene Sache und soll von den Mitgliedsstaaten in den kommenden zwei Jahren umgesetzt wer­den. Auf ein breites mediales Echo trafen auch aktuelle Zahlen der GVM, wonach Ver­braucher in Deutschland immer seltener zur Plastiktüte greifen, ebenso wie die Ankün­digung von Maßnahmen zur Eindämmung des Verbrauchs von Einweg-Kaffeebechern durch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD).

Die aus einer Untersuchung des Umweltbundesamtes (UBA) resultierenden Empfehlungen wie ein bundesweites Pfandsystem sowie eine Zwangssteuer wolle Bundesumweltministe­rin Svenja Schulze unterstützen, wie unter anderem die Tagesschau berichtet. Vom UBA gebe es als Konsequenz aus der aktuellen Studie, wonach in Deutschland pro Stunde mehr als 320.000 To-Go-Becher ver­braucht würden, ganz konkrete Vorschläge für ein Becher­pfand: Eingeführt werden soll demnach laut Bericht der Tagesschau eine „Strafsteuer“ von 20 Cent pro Becher, für die dazugehörigen Deckel sollen weitere zehn Cent fällig werden. Um Littering zu vermeiden, sollen Einweg­becher zudem mit einem Zwangspfand von 25 Cent belegt werden. Zusammen mit dem Aufbau eines flächendeckenden Mehrwegsystems innerhalb von zwei bis drei Jahren sei es laut den Autoren der zitierten UBA-Studie möglich, den Verbrauch um 50 Prozent zu sen­ken. Die Hersteller wolle Schulze zur Kasse bitten, schreibt auch der Spiegel. Denkbar seien ein Littering-Fond, in den Hersteller einzahlen und der das Aufsammeln herumliegen­der Becher mitfinanziere, oder auch eine neue Regelung im Verpackungsgesetz, wird die SPD-Po­litikerin dort zitiert. Becher aus geschäumtem Kunststoff sollen verboten werden. Das sehe, wie das Magazin weiter berichtet, auch die neue EU-Richtlinie vor, die ab 2021 Einweg-Be­steck und -teller sowie Luftballonstäbe aus den Ladenregalen verbanne.

Zum Auslaufmodell würden Plastiktüten in Deutschland, seit sie im Handel vielerorts nicht mehr kostenfrei zu haben seien, wie unter anderem in einem Bericht der FAZ zu lesen ist. Pro Kopf seien im ver­gangenen Jahr mit 24 Tüten fünf Stück weniger als im Jahr zuvor verbraucht worden, wie die Gesell­schaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) ermittelt habe. Das zeige laut Schulze, dass die mit dem Handel vereinbarte Bezahlpflicht wirke, könne aber „nur ein Anfang“ sein. Schulze wolle eine weitere Vereinbarung mit dem Handel treffen, die vor allem bei Obst und Gemüse zu weniger Verpackungen führen soll. Die For­derung nach einem Verbot der Tüten, wie sie zuletzt Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) erhoben hatte, weise der Handel mit Hinweise auf die funktionierende Selbstverpflichtung zurück und merke dazu an, dass die Tragetaschen aus Kunststoff über den Gel­ben Sack entsorgt würden und daher nicht in den Weltmeeren landeten. Auch habe der Handel laut Bericht der FAZ weitere Zu­sagen zur Plastikvermeidung gemacht, so dass Schulze hoffe, es werde schneller voran ge­hen als über Gesetze.

Quellen:

  • Süddeutsche Zeitung (22.5.2019, 18.5.2019)
  • tagesschau.de, zdf.de, spiegel.de, Euwid Recycling und Entsorgung 21/2019 (21.5.2019)
  • tagesschau.de, spiegel.de, faz.net (17.5.2019)
BDE: „Plastik nicht verteufeln“

Das fordert der Verband der deutschen Entsorger, der laut Berichten der Fach- und Ta­gespresse am Mittwoch eine neue Kunststoffstrategie präsentierte, von der deutschen Politik und Wirtschaft. Kurz vor der Europawahl sind auch die Positionen der Parteien zur Kreislaufwirtschaft für die Fachpresse von Interesse. So seien sich die großen deutschen Parteien, die der BDE vorab zur Stellungnahme aufgefordert hatte, einig über ein europä­isches Deponieverbot, besseren Vollzug und die Erweiterung der Produktverantwortung. In weiteren Punkten gingen die Meinungen auseinander, wie die Abfrage des BDE zeige.

Keine moderne Gesellschaft könne auf Kunststoffe verzichten, aber der Umgang mit ihnen müsse schnell und nachhaltig verändert werden, zitiert unter anderem die Zeit aus dem Pa­pier zur Kunststoffstrategie, die der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Roh­stoffwirtschaft e. V. (BDE) diese Woche in Berlin vorgestellt und den zuständigen Ministe­rien übergeben habe. Die Entsorger forderten darin bessere Bedingungen für das Kunststoff­recycling. Darunter, das Recycling bereits beim Produktdesign mitzudenken, den Aufbau ei­nes funktionierenden Marktes für Kunststoffrezyklate mit Mindesteinsatzquoten zu unter­stützen oder etwa eine Pflicht zur Dokumentation für die Hersteller einzuführen, warum an­stelle von Rezyklaten der Einsatz von Primärrohstoffen unvermeidbar sei. Weitere Forde­rungen beträfen Instrumente zur Steigerung der Nachfrage nach Rezyklaten, Werbung fürs Recycling und die Schaffung eines unabhängigen Recyclinginstituts, das Innovationen wie biologisch abbaubare Kunststoffe fördern solle. Das Kunststoffrecycling müsse laut BDE, wie auch im Recyclingmagazin zu lesen ist, entlang der gesamten Wertschöpfungskette verbes­sert werden. Einem generellen Exportverbot von Kunststoffabfällen erteile der BDE eine klare Absage, Plastikabfälle seien kein gefährliches Material.

Wenige Tage vor der Europawahl haben, wie unter anderem Euwid berichtet, sechs deutsche Parteien (CDU/CSU, SPD, die Grünen, die Linken, FDP und AfD) Stellung zu Themen der Kreislaufwirt­schaft bezogen. In vielen Punkten seien sich die Parteien überwiegend einig. Unterschiede gebe es vor allem bei der Frage nach der Bevorzugung von kommunalen Entsorgern und der grenzüberschreitenden Verbringung von Abfällen. Alle Parteien hätten sich für ein Verbot der Deponierung von unbehandelten Siedlungsabfällen in ganz Europa ausgesprochen, für eine pünktliche Umsetzung der EU-Ziele und sich zur Weiterentwicklung der Produktverant­wortung bekannt. Mit Blick auf den Binnenmarkt für Abfälle hätten sich CDU und CSU für ei­ne möglichst ortsnahe Sammlung, Sortierung und Verwertung ausgesprochen, „soweit dies ökonomisch sinnvoll und möglich ist“, zitiert Euwid aus ihrer Antwort. Aus Sicht der SPD sei die grenzüberschreitende Abfallverbringung möglicherweise „in einzelnen Fällen sinnvoll“. Bündnis90/Die Grünen seien im Grundsatz für eine „regionale Abfallverbringung gegebe­nenfalls auch über Ländergrenzen hinweg“. Die Linke sei laut ihrer Stel­lungnahme gegen „Abfalltourismus“ und befürwortete regionale Kreisläufe. Dagegen habe sich die FDP gegen Grenzen für die Entsorgungswirtschaft innerhalb Europas ausgesprochen. Die AfD befür­worte, eine „funktionierende Abfallverbringung sowohl im Inland wie auch grenzüber­schreitend“. Dissens unter den Parteien gebe es auch im Hinblick auf das Verhältnis zwi­schen kommunalen und privatwirtschaftlichen Unternehmen. CDU und CSU seien für fairen Wettbewerb, ebenso die FDP, die die Abschaffung „wettbewerbsbeschränkender Privile­gien“ für kommunale Betreiber fordere. Die Grünen vertreten die Position, dass manche Bereiche der öffentlichen Hand nicht entzogen werden dürften. Als „kommunale Pflichtauf­gabe“ betrachte die Linke die Erfassung von Abfällen und die Vorbereitung zur Weiterverar­beitung.

Quellen:

  • zeit.de, recyclingmagazin.de (22.5.2019)
  • Euwid Entsorgung und Recycling 21/2019 (21.5.2019)
  • 320Grad (20.5.2019)

10.05. - 16.05.2019

Strengere Regeln für Kunststoff-Abfallexporte beschlossen

Der internationale Handel von Kunststoffabfällen war diese Woche erneut ein Thema für Fach- wie Publikumspresse: 187 Staaten haben sich in Genf im Rahmen des Basler Ab­kommens auf strengere Regeln geeinigt, um gegen die Verschmutzung der Weltmeere durch Kunststoffabfälle vorzugehen. Der Beschluss werde von UN-Vertretern als „historisch“ gefeiert und von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) als „großer Fortschritt“ begrüßt, ist etwa in der Zeit zu lesen. Die Fachpresse geht auch auf Stellungnahmen der Industrie ein. So sehe der BDE die Gefahr, dass damit der Ausbau einer funktionierenden Kreislauf­wirtschaft verlangsamt werde, berichtet u.a. Euwid.

Nur wenn sie gereinigt, sortenrein und recycelbar sind, dürfen Kunststoffabfälle künftig ex­portiert werden laut Abkommen, das, wie in Euwid zu lesen ist, noch in einen rechts­verbindlichen OECD-Beschluss übernommen werden müsse. Ungefährliche, verunreinigte oder vermischte Kunststoffabfälle fielen dann unter die Notifizierungspflicht, so dass deren Ex- sowie Importe in Zukunft behördlich genehmigt werden müssten. Die USA, weltweit größter Exporteur von Plastikabfall, hätten das neue Abkommen, schreibt auch die FAZ, nicht unterzeichnet. Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft halte die Exportbeschränkung für den falschen Weg, um die Plastikflut in den Weltmeeren zu bekämpfen, wie Euwid aus dessen Stellungnahme in einem weiteren Beitrag berichtet. Mehr Bürokratie durch Notifizierungen oder gar Verbote lösten das Pro­blem nicht. Nach Ansicht des Verbandes könnten solche Exportverbote den Ausbau einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft verlangsamen, zudem die Marktsituation für Recy­clingrohstoffe erschweren und so dafür sorgen, dass der nötige Umstieg auf Recyclingmate­rialien nicht geschafft werde. Abfall solle weiterhin dort recycelt und verwertet werden, wo es ökonomisch und ökologisch am sinnvollsten ist, zitiert Euwid den BDE-Präsidenten Peter Kurth dazu.

Noch vor dem Genfer Beschluss berichtete die Tagesschau, warum derzeit immer mehr deutsche Abfälle in die Türkei exportiert würden - in 2018 seien es laut Statistischem Bun­desamt 50.000 Tonnen gewesen. Die dortige Industrie betrachte die Einfuhr von Wertstof­fen in die Türkei und deren Wiederverwertung als eine Chance für das Land, das selbst nicht über den Rohstoff zur Herstellung von Produkten aus Erdöl-Derivaten verfüge. Türkische Recycler erklärten zu den Importen, statt viel Geld für die Mülltrennung innerhalb des Lan­des auszugeben, wo in den Haushalten so gut wie gar nicht getrennt werde, importiere man aus dem Ausland sauberen Abfall bzw. saubere Wertstoffe. Umweltschützer schlössen laut Tagesschau nicht aus, dass der stark angestiegene Import von Plastikabfall eine Ursache für die Verschmut­zung des Mittelmeers sein könne. Als eine weitere Ursache sei inzwischen auch die Verwen­dung vieler Einwegprodukte in der Tourismusbranche identifiziert.

Quellen:

  • tagesschau.de (9.5.2019)
  • faz.net, zeit.de (11.5.2019)
  • Süddeutsche Zeitung (13.5.2019)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 20/2019 (14.5.2019)
Auf „Plastik“ verzichten!?

Laut Bericht der FAZ über die Ergebnisse einer nicht-repräsentativen Auswertungen der Verbraucherzentrale in deutschen Lebensmittelketten seien die Aktionen gegen „unnöti­gen Plastikmüll“ von Aldi und Co. bislang nicht sehr erfolgreich. Für einen weitgehenden Verzicht des Verbrauchers auf „Plastik“ plädiert auch der Autor eines Kommentars in der Süddeutschen Zeitung.

Obst und Gemüse werde laut Analyse des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), wie in der FAZ zu lesen ist, in den untersuchten Geschäften zu fast zwei Dritteln in Kunststoff­verpackungen verkauft und Discounter böten deutlich mehr Obst und Gemüse in Plastikver­packungen an als andere Supermärkte. Auch werde unverpackte Ware häufig teurer ange­boten als verpackte. Der Handel begründe den Einsatz von Verpackungsmaterial bei Obst und Gemüse insbesondere mit der dadurch erzielten längeren Haltbarkeit von Produkten. In einem Kommentar der Süddeutschen Zeitung fordert der Autor die Konsumenten dazu auf, möglichst verpackungsfrei einzukaufen. „Recycling“ sei „nur eine Notlösung“.

Quellen:

  • sueddeutsche.de (9.5.2019)
  • faz.net (14.5.2019)
Kunststoffproduktion ist rückläufig

Vor allem im zweiten Halbjahr 2018 hätten die deutschen Kunststofferzeuger das erste Mal seit längerem weniger Kunststoffe hergestellt, berichtet die Fachpresse. Für den Ab­schwung habe weniger die öffentliche Diskussion um Kunststoffe und Umwelt gesorgt als die nachlassende Konjunktur in den Abnehmerbranchen und der Weltwirtschaft. „The trend is not our friend" habe Dr. Michael Zobel, Vorsitzender von PlasticsEurope Deutsch­land, zu den bei der Jahrespressekonferenz vorgestellten Zahlen angemerkt.

Aufgrund eines schwierigen Marktumfeldes habe die kunststofferzeugende Industrie im Jahr 2018 nicht an die gute Entwicklung der Vorjahre anknüpfen können, berichtet u.a. Kunststoff Information. Zobel zufolge habe das Jahr 2018 noch positiv angefangen, doch spätestens mit der zweiten Jahreshälfte habe sich der Trend ins Minus bewegt. Die Produk­tion von Kunststoff sei im Jahr 2018 um 3,1 Prozent (2017: plus 3,7 Prozent) auf 19,3 Millionen Tonnen gesunken. Der Umsatz sei moderat um 1,1 Prozent auf 27,4 Milliarden Euro gestiegen. Hauptabsatzmärkte der deutschen Kunststofferzeuger (fünf europäische Länder) und die wichtigsten Einsatzgebiete (Verpackung, Bau, Automobil) seien dabei nahezu unverändert geblieben, wird Zobel in den Berichten zitiert. Umsatz und Beschäfti­gung hätten in 2018 eine leicht positive Entwicklung genommen. Die Aussichten für das laufende Jahr sähen laut Zobel ebenfalls nicht besser aus. Sein Verband erwarte keine bal­dige Trendwende. Die deutsche Kunststoffindustrie sei als stark exportorientierte Branche von wirtschaftlichen und weltpolitischen Unsicherheiten besonders betroffen, so Zobel. Für das laufende Jahr müsse man daher eher mit weiteren Produktionsrückgängen rechnen. Auch stünden Erzeuger wie gesamte Kunststoffindustrie unter starkem Druck der öffent­lichen Meinung. Die Imageverluste von Kunststoffen zeigten sich in den Ergebnissen der jährlich durchgeführten repräsentativen Umfrage des Verbandes. Im Jahr 2017 assoziierten mit 83 Prozent der Entscheider eine überwältigende Mehrheit positive Eigenschaften mit Kunststoffen, ein Jahr später seien es gerade einmal noch 49 Prozent gewesen.

Quelle:

  • KI (15.5.2019)

03.05. - 09.05.2019

Kunststoffrecycling kontrovers

Wie Fernsehzuschauer es aus „hart aber fair“ kennen, so soll es auch zu Beginn des diesjährigen Internationalen Altkunststofftag zugehen, berichten Fachmedien im Vorfeld des zweitägigen Kongresses, den bvse in Kooperation mit der BKV in Bad Neuenahr am 4. und 5. Juni veranstaltet.

Am 4. und 5. Juni treffe sich im Steigenberger Hotel in Bad Neuenahr die internationale Kunststoff- und Recyclingbranche zum Jahresevent des bvse Fachverbands Kunststoffrecycling zum zentralen Thema „Recyclate für die Kreislaufwirtschaft“. Zunächst werden Experten aus der Branche, Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden in Paarungen mit jeweils unterschiedlichen Auffassungen zu Themen aus dem Kunststoff- und Recyclingbereich dem Publikum referieren. Im Anschluss daran können sich die Teilnehmer zwischen zwei parallel stattfindenden Workshops entscheiden: Im Workshop A gehe es um Bedeutung von Forschung und Wissenschaft, das Recycling von Carbonfasern, Fakten und Mythen zu Biokunststoffen sowie die Optionen rohstofflicher Verfahren in der Kunststoffverwertung. Workshop B befasse sich unter der Fragestellung „100 Prozent Recycling für Kunststoffabfälle?“ mit zwei inhaltlichen Aspekten: Im ersten Teil mit der Situation für Rezyklate zwischen Angebot und Nachfrage und im zweiten mit der Perspektive des chemischen Recyclings. Den Abschluss des ersten Tages bilde das traditionelle Get-together-Barbecue. Der zweite Kongresstag starte mit der Arbeitsgruppe Internationale Kunststoffmärkte, die sich der Themen Exportsituation für Kunststoffabfälle sowie der Auswirkungen der Vermüllung durch Kunststoffabfälle in Asien annehme. Ein weiterer Workshop zur Kunststoffproduktgestaltung bringe Recycler, Abfüller, Verpackungshersteller und den Grünen Punkt als eines der Dualen Systeme Deutschlands zum „interdisziplinären Dialog“ zusammen. An beiden Kongresstagen biete ein Produkt- und Ausstellerforum viel Information und Gelegenheit zum geschäftlichen Austausch.

Mehr Information: zum Workshop B, den die BKV organisiert, zu Gesamtprogramm und Anmeldung

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, plasticker.de, recyclingportal.eu (7.5.2019)
bvse: kein generelles Exportverbot für Mischkunststoffe

Wie mehrere Fachmedien berichten, haben sich die deutschen Kunststoffrecycler über den bsve zur Diskussion im Rahmen der Genfer Konferenz zum Basler Abkommen zu Wort gemeldet. Der bvse lehne ein generelles Export- und weltweites Handelsverbot von Mischkunststoffabfällen, wie es derzeit in Genf diskutiert und von Bundesumweltministerin Svenja Schulze unterstützt wird, ab.

Es gebe sehr gut definierte Mischkunststoffe unter den nicht sortierten Kunststoffmischabfällen, die für die Herstellung neuer Produkte gut geeignet seien, wird der bvse-Kunststoffexperte Thomas Probst zitiert. Deshalb sei ein generelles Exportverbot unsortierter Kunststoffabfälle keine Lösung, vor allem in Hinblick auf Ressourcenschonung und Erfüllung der anspruchsvollen Vorgaben etwa des Verpackungsgesetzes. In Deutschland würden aufgrund der vorhandenen hervorragenden Anlagentechnik auch Mischkunststoffabfälle umweltgerecht verwertet und nicht Verwertbares gefahrenfrei beseitigt. Ein Exportverbot etwa von Sortierresten in Länder wie Asien oder Afrika, die über keine funktionierende Kreislaufwirtschaft verfügten, unterstützen die deutschen Recyclingunternehmen laut bvse. Funktionierende länderübergreifende Wertschöpfungsketten müssten aber weiterhin als Möglichkeit erhalten bleiben, um nicht zuletzt die hochgesetzten Recyclingquoten zu erreichen.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu, plasticker.de, kommunalwirtschaft.eu (3.5.2019)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 19/2019 (7.5.2019)
  • KI, verpackungsrundschau.de (9.5.2019)
Borealis und OMV prüfen chemisches Recycling

Die beiden Unternehmen wollen am gemeinsamen Industriestandort im österreichischen Schwechat ihre Zusammenarbeit ausbauen und das Potenzial für Synergien im ReOil-Innovationsprojekt der OMV ausloten, ist der Fachpresse zu entnehmen.

Der Mineralölkonzern OMV beliefere am Standort, der als einer der größten integrierten Standorte für die Kunststoffherstellung in Europa gelte, den Polyolefinhersteller Borealis mit petrochemischen Grundstoffen. Im nächsten Schritt soll es nun in der Zusammenarbeit darum gehen, die chemische Wiederaufbereitung von Post-Consumer-Kunststoffabfällen auszubauen. So werden Synergien im Rahmen des von OMV entwickelten ReOil-Projektes untersucht. OMV arbeite derzeit an der Skalierbarkeit des ReOil-Prozesses und habe die seit He bst letzten Jahres betriebene Pilotanlage mit einer Verarbeitungskapazität von bis zu 100 Kilogramm pro Stunde komplett in die Raffinerie integriert. Dies entspreche 100 Liter synthetischem Rohöl, das zu Grundstoffen für die Kunststoffindustrie sowie zu Kraftstoff verarbeitet werde.

Quellen:

  • kunststoffe.de, plasticker.de, 320grad.de (8.5.2019)
Henkel setzt nächste Schritte um

Zwei Meldungen aus dem Hause Henkel wurden in der Fachpresse aufgegriffen: Zum einen arbeite Henkel zusammen mit dem Masterbatch-Produzenten Ampacet an schwarz gefärbten Verpackungslösungen, die mit der gängigen Nahinfrarot-Technologie (NIR) erkennbar und so recyclebar wären. Zum zweiten wolle Henkel Waschmittel- und Kosmetikflaschen aus 100 Prozent Rezyklat auf den Markt bringen.

Kunststoffverpackungen in Schwarz sind bislang für das Recycling ein Problem, weil sie in Anlagen mit NIR-Technologie nicht richtig identifiziert und zugeordnet werden können. Zusammen mit Ampacet habe Henkel nun ein Verpackungsmaterial mit einem alternativen schwarzen Farbstoff entwickelt, das vollständig recycelbar sein soll. Noch im Mai sollen schwarze Flaschen für WC-Reiniger in den Verkaufsregalen stehen. Weitere Henkel-Produkte sollen folgen.

Im Rahmen der Umsetzung seiner Verpackungsstrategie und -ziele mache Henkel auch beim Rezyklateinsatz Fortschritte. Henkel will bis zum Jahr 2025 den Anteil an recyceltem Plastik in seinen Verpackungen in Europa auf 35 Prozent erhöhen. Demnächst sollen Wasch- und Reinigungsmittel sowie Kosmetikprodukte in Flaschen aus 100 Prozent Rezyklat auf den Markt kommen, wobei bis zu 50 Prozent des eingesetzten Rezyklats aus sogenanntem Social Plastic bestehen soll. Dabei soll es sich um aufbereitete Kunststoffabfälle aus Sammlungen der „Plastics Bank“ in Haiti handeln. Die Kooperation mit Plastic Bank war 2017 als Initiative gegen Marine Litter und zur Armutsbekämpfung in Ländern ohne ein funktionierendes Abfallmanagement gestartet worden.  

Quellen:

  • KI, neue-verpackung.de, recyclingmagazin.de (3.5.2019)
  • KI (8.5.2019)

25.04. - 02.05.2019

„Hiergeblieben“

Unsortierte Kunststoffabfälle sollen nach Vorstellung der Bundesregierung künftig nicht mehr exportiert werden. Damit unterstützt Deutschland einen entsprechenden Vorstoß Norwegens, der derzeit im Rahmen der Tagung der Vertragsparteien des Basler Übereinkommens diskutiert werden soll. In diesem Zusammenhang hat Der Grüne Punkt nochmals klargestellt, dass es sich bei den nach Fernost exportierten Kunststoffabfällen nur zu einem sehr geringen Anteil um Verkaufsverpackungen aus dem dualen System handelt, wie Fachmedien berichten.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Berichte über die Umweltverschmutzung durch Plastikabfälle in Ländern Südostasiens fordere nun auch die Bundesregierung ein internationales Verbot für den Export stark verschmutzter Kunststoffabfälle und schließe sich damit dem Vorstoß Norwegens an, schreibt etwa die Süddeutsche Zeitung („Hiergeblieben“). Bislang dürfen Kunststoffabfälle als „ungefährlicher Müll“ nach EU-Recht und internationalen Beschlüssen frei gehandelt werden. Das wolle nun Norwegen mit Unterstützung Deutschlands ändern. Demnach sollten künftig gemischte und verunreinigte Kunststoffabfälle zu Abfällen zählen, die einer besonderen Prüfung bedürfen. „Dass Plastikabfälle aus Deutschland in Staaten wie Malaysia die Umwelt verschmutzen, ist zwar sicher nicht die Regel, aber wenn es doch passiert, ein unerträglicher Zustand“, habe Bundesumweltministerin Svenja Schulze laut FAZ am vergangenen Montag in Genf zum Auftakt der internationalen Verhandlungen der Vertragspartner des Basler Übereinkommens gesagt.

Konferenz in Genf

In Genf beraten seit dem 29. April Vertreter der über 180 Vertragsstaaten des Basler Übereinkommens noch bis zum 10. Mai unter anderem den Vorschlag Norwegens, den der EU-Rat laut Euwid auch grundsätzlich unterstütze, aber klarer hinsichtlich des Anwendungsbereichs fassen wolle. Bei der Konferenz soll es auch darum gehen, wie die Vermüllung der Meere bekämpft werden könne.

Angaben zu Exportmengen

Nach den Medienberichten der vergangenen Woche mit unklaren Aussagen zu Mengen und Art der exportierten Kunststoffabfallmengen, gab es in der laufenden Woche dazu einige klärende Angaben. Nach in der Tagespresse zitierten Angaben der Bundesregierung sei die Exportmenge von 2016 bis 2018 von 1,46 Millionen Tonnen auf 1,04 Millionen Tonnen gesunken. Insgesamt sollen knapp ein Zehntel des Plastikabfalls in Deutschland exportiert werden, wobei der größte Teil laut Ministerium aus Gewerbe und Industrie stamme. Die Verpackungsabfälle aus den dualen Systemen würden überwiegend in Deutschland recycelt, der Rest hauptsächlich in der EU. Das deckt sich mit dem was Fachblätter nach Angaben des Grünen Punkts berichten: Demnach habe der Grüne Punkt im Jahr 2018 weniger als 0,15 Prozent nach Asien exportiert, während über 93 Prozent in Deutschland verblieben seien. Der Rest von unter sieben Prozent sei in Europa (inkl. Türkei und Ukraine) verwertet worden. Nach Angaben von geTon seien aus den anderen dualen Systemen ebenso geringe Mengen nach Asien exportiert worden und auch nur als sortierte Kunststoffabfälle zur Verwertung.

Quellen:

  • faz.net, recyclingmagazin.de (29.4.2019)
  • Süddeutsche Zeitung, Euwid Recycling und Entsorgung 18/2019, recyclingportal.eu (30.4.2019)
  • KI (2.5.2019)
Kein ökologischer Vorteil der „Bioabbaubaren“

Eine aktuelle Studie britischer Forscher hat das Abbauverhalten von im lokalen Einzelhandel erhältlichen Kunststofftüten aus Polyethylen sowie Tüten aus biologisch abbaubaren, kompostierbaren und oxo-abbaubaren Kunststoffen untersucht. Ernüchterndes Ergebnis: Auch die angeblich abbaubaren Plastiktüten waren nach drei Jahren im Meer oder in der Erde noch funktionsfähig. Allein die kompostierbaren hatten sich im Meer aufgelöst.

Die Forschergruppe der Universität Plymouth hatte das Abbauverhalten der Tüten aus den verschiedenen Materialien über drei Jahre lang an der Luft, im Boden sowie im Meer untersucht. An der Luft hatten sich demnach alle Tüten spätestens nach 18 Monaten zersetzt, jedoch nicht in der Erde oder im Meer. Nach drei Jahren konnten alle Tüten aus diesen Umgebungen – bis auf die kompostierbaren – noch 2,25 Kilogramm Gewicht halten. Allein die Tüten aus kompostierbarem Material hatten sich nach 18 Monaten im Meer aufgelöst und im Boden 70 Prozent ihrer Belastbarkeit eingebüßt. Als Konsequenz forderten die Forscher Normen für abbaubare Materialien. Im Fazit halten sie für viele Anwendungen von Tragtaschen haltbare und mehrfach verwendbare Taschen für eine bessere Alternative zu Taschen aus abbaubaren Materialien.  Das decke sich laut den Medienberichten auch mit der Einschätzung des Naturschutzbundes (NABU), der von Bioplastiktüten jeglicher Zusammensetzung abrate. Auch der Stoffbeutel (aus konventioneller Baumwolle) sei laut NABU nur besser als eine Plastiktüte, wenn er häufig, das heißt über hundert Mal so oft, genutzt werde, wie unteren anderem n-tv berichtet.

Quellen:

  • spiegel.de, br.de (Bayerischer Rundfunk), mdr.de, 320grad.de, 20min.ch (29.4.2019)
  • n-tv.de (1.5.2019)

19.04. - 25.04.2019

Bewegungen im Exportgeschäft

Noch im April treffen sich angeblich die Vertragsparteien des Basler Übereinkommens, um auch über den Vorschlag Norwegens zu beraten, für Kunststoffabfälle von niedrigerer Qualität eine besondere Prüfung erforderlich zu machen bzw. diese gegebenenfalls mit einem Exportverbot zu belegen. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund waren Exporte in dieser Woche ein mediales Thema.

Gut eine Million Tonnen Plastikabfälle sollen laut Recyclingmagazin, das sich auf den NABU stützt, von Deutschland aus ins Ausland exportiert werden, was laut NABU etwa einem Sechstel des gesamten Kunststoffabfalls entspreche. Früher seien die Abfälle überwiegend nach China gegangen, dann nach dessen Importrestriktionen nach Malaysia, Vietnam oder Thailand. Aktuell habe sich der Export laut Süddeutscher Zeitung nach Indonesien, Indien und in die Türkei verschoben, wo es offenbar keine Einfuhrbeschränkungen gebe. Die Süddeutsche bezieht sich dabei auf eine Untersuchung der Nichtregierungsorganisation GAIA (Global Alliance for Incinerator Alternatives). Ziel müsse es sein, die Exporte von Plastikmüll deutlich zu begrenzen, fordert unter anderem die Süddeutsche im Kommentar. Wie mehrere Blätter berichten, hat Norwegen kürzlich vorgeschlagen, verschmutzte oder schwer recycelbare Plastikabfälle der Gruppe von Abfällen zuzuordnen, die einer besonderen Prüfung bedürfen. Das käme laut Recyclingmagazin aufgrund der geltenden EU-Abfallverbringungsverordnung einem Exportverbot solcher Abfälle in Nicht-OECD-Länder gleich. Grundlage für ein solches Vorgehen wäre das internationale Basler Übereinkommen, das von 187 Mitgliedstaaten getragen wird und seit 1992 den grenzüberschreitenden Transport von gefährlichen Abfällen regelt. Noch im April sollen sich die Delegierten des Abkommens treffen, um über den Vorschlag Norwegens zu beraten.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, Süddeutsche Zeitung (23.4.2019)
  • Süddeutsche Zeitung, 320grad.de, recyclingportal.eu (24.4.2019)
Plastik und die Biogurke

Die Folie um die Gurke ist ein beliebtes Thema. Mal um sich über die Plastikflut zu mokieren, zunehmend aber auch, um den Sinn von Verpackungen anschaulich zu machen. In Spiegel-online findet sich zur „verdammten Gurkenfolie“ ein recht differenzierter Beitrag zur Frage, ob Verzicht auf Folie immer nachhaltig sei. Und in der FAZ bearbeitet ein Chemiker als Gastautor das Thema, wie viel Plastik für uns zu viel sei.

Im Spiegel geht es um die Plastikvermeidungsstrategien beinah aller Handelsketten, die sich in ihren Ankündigungen regelrecht überböten. Die Salatgurke dient hier als Beispiel. Aldi Süd etwa verkünde stolz, dass man die Gurke vom Plastik befreie und stattdessen mit kürzeren Transportwegen und dem Verzicht auf Zwischenlager den Feuchtigkeitsverlust bei der Gurke reduzieren wolle. Lidl bliebe vorerst bei der Folie, weil Tests ergeben hätten, dass der Lebensmittelverlust ansonsten ansteigen würde. Laut Abfallexperte Hennig Wilts vom Wuppertal Institut hätten Untersuchungen ergeben, dass das Nichtverpacken von Gurken dann nachhaltiger sei, wenn sie aus der Region kämen und nicht mehr als sechs Prozent davon weggeworfen werde. Entscheidend hinsichtlich Nachhaltigkeit seien die Faktoren, woher die Ware komme, wie sie produziert sei und wie der Kunde zum Laden komme. So sei bei Rindfleisch am Ende eine gute Verpackung in der Regel nachhaltiger, so Wilts. Auch der Spiegel schlussfolgert, dass Plastik manchmal die bessere Alternative sei. Ausweichbewegungen zu Papier oder Glas sähen Umweltexperten kritisch.
Das meiste Plastik werde hocheffizient und mit minimalem Energieverbrauch aus Erdöl gewonnen, meint auch der Gastautor in der FAZ, ein Chemiker an der Universität Bonn. Bei einem Versuch vor zehn Jahren in einem britischen Supermarkt habe man festgestellt, dass sich beim Verzicht auf Plastikverpackungen um Obst und Gemüse die weggeworfene Lebensmittelmenge verdoppelt habe. Plastik könne prinzipiell, wenn es weltweit gesammelt, wiederverwendet, recycelt oder verbrannt werde, zu den „grünsten“ Materialien zählen, meint der Chemiker. Doch dafür lande zu viel im Meer. Das Vorhandensein enorm vieler Mikroplastik-Partikel sei unstrittig, auch das Eindringen in die maritime Nahrungskette bis zum Menschen. Die Effekte dieser Verschmutzung werden aber in der Wissenschaft noch kontrovers diskutiert. Dass man sich noch nicht einig sei, sei aber kein Grund zur Beunruhigung, sondern Ausdruck einer funktionierenden Wissenschaft, die am Ende, so gibt sich der Autor sicher, mit dem Problem auch fertig werde.

Quellen:

  • Spiegel.de, FAZ (20.4.2019)
Plastiksteuer und mehr

In Euwid fasst ein Artikel zusammen, was Parteien für die Europawahl am 26. Mai zu Abfallthemen in ihr Wahlprogramm aufgenommen haben. Das reicht von einer europaweiten Plastiksteuer bis hin zur Forderung nach einer Legalisierung des so genannten Containerns.

Die Grünen haben sich gar die „Befreiung Europas vom Plastikmüll“ auf die Fahnen geschrieben. Für eine radikale Umsteuerung sprechen sie sich unter anderem für weitere Verbote von Einwegprodukten, höhere Recyclingziele und einen Ausbau der Recyclingkapazitäten sowie eine EU-weite Plastiksteuer auf Wegwerfprodukte aus. Dabei solle die Besteuerung Teil einer umfassenden Strategie für weniger Kunststoff, mehr Mehrweg und besseres Produktdesign sein. Auch die Sozialdemokraten wollen gegen „überflüssiges Plastik“ und die Vermüllung der Meere vorgehen. Wie die Grünen verfolgen sie das Ziel, bis 2030 die Kunststoffabfalleinträge zu halbieren. Dazu müsse die EU die Entwicklungs- und Schwellenländer mit Abfallvermeidungskonzepten unterstützen. Innerhalb der EU wolle sich die SPD für mehr Vorgaben zur abfallvermeidenden und recyclingfreundlichen Produktgestaltung stark machen und den Rezyklateinsatz fördern. Die Linke sei unter anderem für Abgaben auf Einwegverpackungen und setze sich für mehr Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Wiederverwendbarkeit ein. Darüber hinaus wolle sie das „Containern“, das Entnehmen noch essbarer Lebensmittel aus Abfallbehältern des Handels, legalisieren. CDU/CSU, FDP und AFD haben laut Euwid keine Abfallthemen in ihre Wahlprogramme aufgenommen.

Quelle: Euwid Recycling und Entsorgung 17/2019 (25.4.2019)

12.04. - 18.04.2019

Zur Option des chemischen Recyclings

Über chemisches bzw. rohstoffliches Recycling wird derzeit vermehrt gesprochen und geschrieben. In der aktuellen Euwid befassen sich gleich drei Artikel mit Aspekten aus diesem Themenbereich. Ausführlich wird über die Ergebnisse einer im Auftrag der BKV erstellten Untersuchung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und des Marktforschungsunternehmens Conversio Market & Strategy zum Stand der aktuellen Verwertungstechniken für das chemische Recycling und deren Marktchancen berichtet.

Das chemische Recycling sei eine weitere Option neben den werkstofflichen Verwertungsverfahren, um den Kohlenstoffkreislauf zu schließen, wird BKV-Geschäftsführer Rainer Mantel mit Blick auf die Studienergebnisse zitiert. Denn aus ökonomischer Sicht scheinen die untersuchten Verfahren mit einer thermischen Verwertung wettbewerbsfähig zu sein. Als Input kämen für werkstoffliche Verfahren ungeeignete Ströme wie Sortierreste aus dem Dualen System oder aus der Shredderfraktion in Frage. Darüber hinaus zerstörten solche Verfahren laut Mantel zuverlässig organische „Schadstoffe“. Laut Prof. Dieter Stapf vom KIT, der rund 80 Verfahren identifiziert habe, aber aufgrund der Datenlage nur vier Verfahren im Sinne der Studie untersuchen konnte, gäbe es noch bei allen technologischen Entwicklungsbedarf. Dabei seien Vergasungsverfahren am weitesten entwickelt. Für Pyrolyseverfahren, die Stapf als eine der interessantesten Technologien sehe, seien sowohl für den Kernprozess als auch für das weitere Upgrade noch aufwändige Entwicklungsarbeiten erforderlich. Dazu würden noch weitere Investitionen, auch Fördermittel, wie Mantel hinweise, benötigt. Für das Erreichen ihrer Marktreife benötigten die Technologien nach Einschätzung von Mantel noch fünf bis 15 Jahre Zeit. Conversio hatte die für chemische Recyclingverfahren relevanten Abfallströme in mehreren EU-Ländern unter die Lupe genommen. Demnach gebe es in Deutschland ein Potenzial von rund 2,7 Millionen Tonnen in kunststoffreichen Abfallströmen im Jahr, die derzeit in einer Verbrennung landeten. Die größten Mengen kämen aus Gewerbeabfällen, Sortierresten aus dem dualen System sowie aus dem Hausmüll.
Im derselben Euwid-Ausgabe findet sich zum einen noch ein Beitrag zu Forderungen des Ende Januar gegründeten Verbands Chemical Recycling Europe nach Anerkennung des chemischen Recyclings im Rahmen der Abfallhierarchie, weil ohne diese Verfahren das in der EU-Kunststoffstrategie festgelegte Recyclingziel nicht zu erreichen sei. Zum anderen befasst sich ein weiterer Beitrag mit dem chemischen Recycling von Polystyrolabfall, bei dem es dem Chemiekonzern Ineos Styrolution gelungen sei, in Testläufen ein Universalpolystyrol zu erzeugen, das aus 100 Prozent recyceltem Styrolmonomer bestehe. Der Prozess soll nach Angaben des Unternehmens nun zur kommerziellen Ebene geführt werden.

Quelle: Euwid Recycling und Entsorgung 16/2019 (16.4.2019)

Kartellamt will Remondis die DSD-Übernahme untersagen

Wie mehrere Fachmedien melden, teilt das Bundeskartellamt in seiner vorläufigen Sicht die Vorbehalte, die von privater wie kommunaler Seite gegen die Übernahme des Grünen Punkts durch den Entsorgungskonzern Remondis vorgebracht wurden. Die betroffenen Unternehmen hätten nun zwei Wochen Zeit, um dazu Stellung zu nehmen.

Nach vorläufiger Bewertung würde durch die Übernahme der Wettbewerb bei den dualen Systemen in Deutschland behindert, die Kosten der Wettbewerber voraussichtlich steigen ebenso wie die Preise auf dem Markt aufgrund der erheblichen Marktanteilsgewinne durch DSD, heiße es laut Recyclingmagazin von Seiten des Kartellamtes. Damit ist der Deal zwar noch nicht endgültig vom Tisch, doch scheinen die Aussichten nach aktueller Lage wenig Erfolg versprechend. Das Kartellamt verfolge nach Einschätzung von Euwid die Linie einer „harten“ Untersagung. Es bleibe abzuwarten, mit welchen Zugeständnissen Remondis die Ablehnung noch abwenden könne. Neben DSD und Remondis hätten auch acht beigeladene Unternehmen bzw. Verbände innerhalb von vierzehn Tagen die Gelegenheit zur Stellungnahme. Der Recyclerverband bvse, der zu den Geladenen zählt, und der Verband der kommunalen Unternehmen VKU hätten jeweils die Ankündigung des Kartellamts begrüßt. Beide befürchten massive Beeinträchtigungen des Wettbewerbs.

Quellen:

  • euwid-recycling.de (18.4.2019)
  • recyclingmagazin.de (15.4.2019)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 16/2019 (16.4.2019)
„Greift öfter mal zum Plastik!“

In der FAS singt der Autor ein Hohelied auf Plastik – und hat dafür gute Argumente. Man solle mehr zum Plastik greifen – aber nur in Ländern wie Deutschland oder der Schweiz. Die Alternativen wie Glas oder Papier seien weniger ökologisch.

Es sei Zeit für eine Gegenrede, denn Plastik habe einen miesen Ruf und alle suchten nach Alternativen. Die aber seien nicht gut für die Umwelt, schreibt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Ohne die Probleme schönzureden, die Plastik im Meer anrichtet, betont der Artikel die Vorzüge von Kunststoff. So habe die Schweizer Umweltberatung Carbotech Ökobilanzen für die öffentliche Verwaltung erstellt. Auch wenn die Kunststoffindustrie in verschiedenen Umweltfragen die letzten 20 Jahre geschlafen hätte, verfüge Plastik über viele hervorragende Eigenschaften, die auch der Umwelt nützten, so ihr Urteil. So bräuchten Kunststoffe weniger Energie für Herstellung und Recycling als Glas. Auch die Herstellung von Papier sei aufwändiger: Für eine Tonne Papier wäre dieselbe Menge an Energie erforderlich wie für eine Tonne Stahl – ganz zu schweigen von den Bäumen, die gerodet würden, oder den zugesetzten Chemikalien. Wer beim Kindergeburtstag die Geschenke in Papier einpacke, hätte nur etwas Gutes für sein Gewissen getan, nicht aber für Weltklima und Umwelt. Nach weiteren Beispielen wie etwa die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung wird sogar die Gründerin des ersten „Unverpackt“-Ladens zitiert, die Plastik auch nicht mehr immer für schlecht halte: Man müsse gut hinterfragen, welche Aktionen nur gut fürs Gewissen seien und welche tatsächlich der Umwelt helfen, wird sie zitiert. Am Ende gibt es noch Tipps für Weltverbesserer, sofern sie nicht generell Verpackungen vermeiden wollen: „Greift öfter mal zum Plastik!“. Denn in Deutschland lande das Plastik nicht im Meer, weise die Schweizer Umweltberatung Quantis hin. In anderen Ländern wie China, Thailand oder Griechenland solle man aber auf Plastik verzichten, denn dort könne man damit in einer Woche mehr kaputtmachen als im restlichen Jahr zu Hause.

Quelle: FAS (14.4.2019)

05.04. - 11.04.2019

„Recycle deine Meinung“

Vor wenigen Tagen startete in Euskirchen die Test-Kampagne acht dualer Systeme „Recycle deine Meinung: Mülltrennung wirkt“. Tages- und Fachpresse berichten über die Informationsoffensive im Musterort, die Bürger zu einem sorgfältigeren Trennen ihrer Verpackungsabfälle motivieren soll.

Bis Ende Juni soll die Test-Kampagne einer renommierten Werbeagentur im nordrhein-westfälischen Euskirchen laufen, ab 2020 sei dann an eine bundesweite Kampagne gedacht. Ziel sei es, mit den verschiedenen Kommunikationsmitteln etwaige Vorurteile gegen das Recycling auszuräumen und die Rolle der Verbraucher, mit einem richtigen Trennverhalten entscheidend zu mehr Verpackungsrecycling beizutragen, zu verdeutlichen. Euskirchen habe man deswegen als Modellregion ausgewählt, weil die Stadt nahezu identische demografische Strukturen wie das gesamte Deutschland aufweise, wie zum Beispiel das Recyclingmagazin erläutert. Die FAZ nimmt den Kampagnenstart zum Anlass für einen ausführlicheren Artikel zum Stand des Recyclings in Deutschland. Die Sache stinke vom Kopf her, also am Anfang bei der fehlerbehafteten Trennung, die noch wenig Kreiskauf zulasse, sondern zumeist zur Verarbeitung von Verpackungsabfällen zu einfachen Massenprodukten führe. Sollte sich die Trennung verbessern, gäbe es aber noch das Problem mangelnder Einsatzgebiete für Rezyklate, woran derzeit ebenfalls „getüftelt“ werde. Auch auf die Probleme schwer zu recycelnder Kunststoffverbunde und bunter Verpackungen geht der Beitrag ein. Als positives Beispiel wird die Firma Frosta erwähnt, die bei Verpackungen für die Tiefkühlkost auf Verbundstoffe verzichte und sie auf einen hellen Grundton umgestellt habe. Auch der „Vorreiter“ Werner & Mertz mit seinen durchsichtigen Flaschen für Haushaltsreiniger aus Rezyklat sowie die Vorhaben von Großkonzernen wie Henkel und Procter & Gamble werden beschreiben. Die beiden Konzerne seien Mitglied im Rezyklat-Forum der Drogeriemarktkette dm, in dem insgesamt 26 Unternehmen das Ziel von weniger Verpackungsmüll verfolgen. Initiativen für weniger Plastikabfall hätten auch die Discounter Aldi Süd und Lidl gestartet. Zum Problem, dass Rezyklate rund 20 Prozent teurer seien als Neuware, zitiert das Blatt Michael Wiener vom Grünen Punkt, der moniere, dass bei dieser Rechnung die externen Kosten im Neuwarepreis nicht abgebildet seien. Remondis-Chef Herwarth Wilms fordere laut FAZ von der Politik: „Wer höhere Recyclingvorgaben macht, muss auch sicherstellen, dass die Produktion einen Markt findet“.

Quellen:

  • FAZ (6.4.2019)
  • recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu (9.4.2019)
Was den Rezyklateinsatz hemmt

Warum nicht mehr Rezyklat in Kunststoffverpackungen zum Einsatz kommt, ist Thema einer Studie, die der Handelsverband Deutschland (HDE) in Auftrag gegeben hat. Auftragnehmer GVM hat zahlreiche Hemmnisse ausgemacht, wie berichtet wird.

Eigentlich könnten viel mehr Rezyklate in Kunststoffverpackungen eingesetzt werden, wenn es mehr hochwertige Rezyklate und weniger gesetzliche Hürden gäbe, schreibt etwa die Lebensmittelzeitung zu den Ergebnissen der HDE-Studie. Die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) hat laut Euwid eruiert, dass nur für knapp zehn Prozent der jährlich in Deutschland verbrauchten Kunststoffverpackungen derzeit unproblematisch Recyclingkunststoff verwendet werden könne. Im Ergebnis habe GVM drei Schwerpunkte bei den aktuellen Hemmnissen herausgefunden: Es gebe zu wenig hochwertige Rezyklate, die am Markt angebotenen Rezyklate seien häufig für einen Einsatz z.B. aufgrund des Geruchs oder der Farbigkeit ungeeignet, und drittens gehe die rechtliche Zulassung von Rezyklaten für Verpackungen mit Lebensmittelkontakt nur schleppend voran.

Quellen:

  • plasticker.de (28.3.2019)
  • k-zeitung.de, kunststoff-magazin.de (1.4.2019)
  • plastverarbeiter.de (3.4.2019)
Forschung für weniger Faserreste

Die Süddeutsche Zeitung berichtet ausführlich über das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt „TextileMission“. Dies befasse sich mit Mikroplastikeinträgen aus Textilien und suche nach Lösungsmöglichkeiten, mit optimierter Faserauswahl und neuen Textilkonstruktionen die Einträge zu verringern.

Einträge komplett zu verhindern, sei unrealistisch zitiert die Süddeutsche die Projektleiterin Maike Rabe von der an „Textile Mission“ beteiligten Technischen Universität (TU) Dresden. Ein Forscherteam um Stefan Brandt an der Hochschule Niederrhein teste in unzähligen Waschvorgängen an frabrikneuer Kleidung im Wesentlichen aus Polyester, wie und unter welchen Bedingungen sich Fasern lösen. Laut Rabe wäre ein Umstieg auf Naturfasern nicht möglich, weil jetzt schon die Anbauflächen knapp seien. Es gehe darum, bei der Auswahl der Faser und der Textilkonstruktion für Verbesserungen zu sorgen. Textilhersteller könnten schon jetzt einiges tun, um Mikroplastikausstoß zu bremsen, indem sie beispielsweise in der Produktion mit Absaugevorrichtungen verhindern, dass sich noch Restfasern auf der Oberfläche neuer Kleidung befänden, sage Brandt. Im Emissions-Ranking der Studie vom Fraunhofer Institut Umsicht kämen Waschmaschinen in Deutschland erst an zehnter Stelle, weit hinter Reifenabrieb, der an erster Stelle liege, mit einigem Abstand gefolgt unter anderem von Kunstrasenplätzen und Fahrbahnmarkierungen. Ob Faserreste Mensch und Tier schaden, sei noch völlig unklar, eher unwahrscheinlich. Laut Bernd Nowack vom Schweizer Forschungsinstitut Empa, der kürzlich eine Risikostudie zu Mikroplastik in Oberflächengewässern veröffentlicht habe, sei Mikroplastik in Europa wahrscheinlich kein Problem. Leichte Schwellenwertüberschreitungen fände man in Asien, wo es mit geringer Wahrscheinlichkeit womöglich Effekte gebe.

Quelle: Süddeutsche Zeitung (10.4.2019)

29.03. - 04.04.2019

„Falscher Hebel“

Die kürzlich erteilte breite Zustimmung des Europäischen Parlaments zur EU-Einwegplastikrichtlinie findet auch viele Kritiker, wie verschiedenen Medienberichten und -kommentaren der vergangenen Woche zu entnehmen ist.

Die Neue Züricher Zeitung am Sonntag etwa findet das Verbot als „Nothilfemaßnahme“ gut, auch wenn die EU sicher wisse, dass moderne Volkswirtschaften ohne Kunststoffe nicht auskämen. Deshalb habe sie sich jetzt auch der Idee der Kreislaufwirtschaft verschrieben, heißt es dort. Das Handelsblatt dagegen kritisiert im Kommentar, dass das Verbot ein falscher Hebel sei und vor allem eines garantiere: „ein angenehmes Strandleben für Europäer“. Das habe aber mit der Rettung der Weltmeere nur am Rande zu tun. Die viel zitierten 90 Prozent des Plastikabfalls, die über asiatische oder afrikanische Flüsse in die Meere gelangten, seien in erster Linie Wohlstandsmüll aus den Industrienationen. Für zielführender hält das Handelsblatt Maßnahmen wie einen verpflichtenden Rezyklatanteil bei der Herstellung neuer Verpackungen, worüber ein Markt für Altplastik in Europa entstehe, das beim derzeit niedrigen Ölpreis gegenüber Neuware chancenlos sei. Auch die IK sehe laut K-Zeitung in den Verboten wenig Potenzial für nachhaltige Lösungen. IK kritisiere, dass man in der emotional aufgeladenen Debatte über Plastik die weltweit unterschiedlichen Herausforderungen oft übersehe. Kunststoff an sich sei nicht das Problem, sondern häufig Teil oft lebenswichtiger Lösungen. Nicht benötigte Verpackungen lehne auch die IK ab, doch sei Klimaschutz mehr als Plastikverbote. Kunststoffanwendungen tragen schließlich oftmals zu einer Verminderung von CO2-Emissionen bei und sparen Ressourcen. Der Verband der europäischen Kunststoffverarbeiter, der EuPC, befürchtet laut Euwid durch die Richtlinie den Verlust tausender Arbeitsplätze in Europa. Die Umweltschutzziele der Richtlinie unterstütze der Verband, doch enthalte sie Mängel, zumal keine richtige Folgenabschätzung oder Ökobilanzen durchgeführt worden seien. Der europäische Verpackungsindustrieverband Europen bemängele zudem, dass die Bestimmungen der Richtlinie nicht eindeutig seien und damit keine einheitliche Umsetzung in der gesamten EU sicherstelle. Das bringe ernste Risiken für den Binnenmarkt mit sich. VKU und BDE dagegen begrüßen laut Euwid die Richtlinie und fordern weitere Schritte. Der BDE etwa plädiere für die Einführung weiterer verbindlicher Mindestgehalte an Rezyklaten.

Quellen:

  • k-zeitung.de, recyclingportal.eu (29.3.2019)
  • NZZ am Sonntag (30.3.2019)
  • Handelsblatt (1.4.2019)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 14/2019 (2.4.2019)
Trendthema Plastik

Plastik ist im Social Web Trendthema, berichtet die Lebensmittel Zeitung im Zusammenhang mit einer Marktstudie zur Wahrnehmung von Unternehmen mit auf Nachhaltigkeit ausgerichtetem Engagement in den sozialen Medien. Das Bewusstsein der Verbraucher wachse, heißt es im Report, der über die Analysen von Verbrauchermeinungen rund um Plastikverpackungen- und Müll in den sozialen Medien berichtet. Dazu passt auch der Bericht in Kunststoffe zur von PlasticsEurope Deutschland regelmäßig durchgeführten Umfrage über das Image von Kunststoff und der Kunststoffstoffindustrie: so schlecht wie nie, schreibt Kunststoffe.

Das Berliner Unternehmen „Brandwatch“ hat unter anderem die Online-Erwähnungen der letzten drei Jahre rund um Plastik in der Lebensmittelbranche gezählt und einen Anstieg von durchschnittlich 68 Posts am Tag im Jahr 2015 auf 340 Posts pro Tag im Jahr 2018 gemessen. Dabei werde am häufigsten über Plastikflaschen und Getränkeverpackungen, aber auch über Verpackungen in der Gemüse und Obstabteilung diskutiert. Beim Unternehmensranking, welches Unternehmen in diesem Zusammenhang am meisten wahrgenommen werde, führe Lebensmitteleinzelhändler Edeka, gefolgt von Rewe, Aldi und Lidl. Über andere Einzelhandelsketten tausche man sich kaum noch aus.

Kunststoffe berichtet über die Ergebnisse der Image-Umfrage, die Hauptgeschäftsführer Dr. Rüdiger Baunemann im Rahmen des Fachpressetags seines Verbands PlasticsEurope Deutschland vorgestellt hatte. Demnach hätten sich die Werte in wichtigen Zielgruppen gegenüber dem Vorjahr dramatisch verschlechtert, insbesondere beim Sektor Verpackung. Wie gegen die sinkenden Zustimmungsraten angegangen werde, habe Mara Hancker von der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen bei derselben Veranstaltung vorgestellt: durch eine Kommunikationsoffensive, die insbesondere über Social-Media-Aktivitäten den relevanten Fakten zu Kunststoffen mehr Gehör verschaffen solle. Basis sei der im Oktober letzten Jahres gestartete Newsroom.Kunststoffverpackungen.

Quellen:

  • Lebensmittel Zeitung (29.3.2019)
  • kunststoffe.de (2.4.2019)
Pioniere im Recycling

Im Rahmen der Identiplast in London verlieh die Epro (European Association of Plastics Recycling and Recovery Organisations) ihre Best Recycled Plastic Product Awards, worüber mehrere Fachblätter berichten.

47 Unternehmen aus 11 europäischen Ländern hätten ihre neuesten Entwicklungen ins Rennen geschickt. In der Kategorie Innovation habe der österreichische Verpackungshersteller Alpla gewonnen mit „The Simple one“, einer vergleichsweise sehr leichten und komplett recycelbaren Flasche ohne separaten Verschluss. In der Kategorie Nachhaltigkeit habe das norwegische Unternehmen Orkla das Rennen gemacht mit der Zahnbürste „Jordan Green Clean“, die zu 100 Prozent aus recyceltem Kunststoff und bio-basiertem Polyamid bestehe. Das deutsche Unternehmen Multiport, Bernburg sei mit seinem aus eigenproduziertem Rezykat hergestellten Kunststoffkabelkanal ebenfalls unter den fünf Finalisten gewesen. Die „Best Recycled Plastic Product Awards“ werden alle zwei Jahre von der Epro verliehen. Man wolle damit Innovationen europäischer Unternehmen im Kunststoffrecycling würdigen und die neuesten Fortschritte in Sachen Kreislaufwirtschaft einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren. „Wir brauchen Pioniere, die den Weg weisen“, habe Epro-Generalsekretär Peter Sundt dazu erklärt.

Quellen:

  • plasticker.de (28.3.2019)
  • k-zeitung.de, kunststoff-magazin.de (1.4.2019)
  • plastverarbeiter.de (3.4.2019)