Archiv - Quartal 1 - 2020

20.03. - 26.03.2020

Corona-Krise: Ohne Verpackung gehts nicht

Die wirtschaftlichen Folgen der durch das Virus ausgelösten Krise werden beträchtlich sein, laute die Prognose. Wer derzeit die Krise noch nicht zu spüren bekommt, ist die Verpackungsindustrie, ist Berichten in der Fachpresse zu entnehmen, die auch über die Forderungen der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, die Produktion von Kunststoffverpackungen als „systemrelevant“ einzustufen. Auf die europäische Recyclingindustrie komme laut der Marktforschungsagentur ICIS langfristig eine schwere Zeit zu.

Plastverarbeiter und K-Zeitung berichten über die auf Umfragen basierende Einschätzung der Marktforschungsagentur, nach der vor allem das Verbraucherverhalten den Recyclingmarkt verändern werde. Begrenzte Mengen in den Sammelsystemen, Störungen in der Logistik und Rückgang der Nachfrage im Nicht-Verpackungsbereich machten sich bereits jetzt bemerkbar, auf langfristige Investitionen in Nachhaltigkeitsmaßnahmen würde verzichtet. Im Gegensatz dazu könne der Verpackungsmarkt von der derzeitigen Situation profitieren, weil die Nachfrage nach Verpackungen aufgrund von Hygienebedenken voraussichtlich stark ansteigen werde. Allerdings bleibe unklar, inwieweit die Recyclingindustrie davon profitieren werde, zumal erwartet werde, dass Nachhaltigkeitsziele zunächst an Bedeutung verlören. Auch das Bureau of International Recycling (BIR) erwarte nach Auskunft seiner Mitglieder ab der laufenden Woche einen Nachfragerückgang für den Kunststoffrecyclingsektor, berichtet Euwid.

Dass die Nachfrage nach Kunststoffverpackungen zumindest partiell steigt, berichtet unter anderem auch Kunststoff Information. Insbesondere Hersteller von Versandverpackungen zählten derzeit zu den Gewinnern, genauso wie Hersteller von PET-Verpackungen etwa für Desinfektionsmittel. Aber auch Lebensmittel und Pharmaprodukte müssten verpackt werden. Deswegen fordern Verbände wie die IK, dass die Verpackungsindustrie als systemrelevante Branche – wie etwa die Landwirtschaft und die Lebensmittelindustrie – anerkannt werde. Dies sei unerlässlich, um die Bevölkerung etwa mit sicheren Lebensmitteln, Schutzausrüstungen und Arzneimitteln zu versorgen. Dazu müssten laut IK Transporte an den Grenzübergängen „Schnellspuren“ nützen können. Der IK verweise in diesem Zusammenhang auf Frankreich, wo die Ernährungsindustrie inklusive der Hersteller von Lebensmittelverpackungen bereits als „prioritäre Industrie“ eingestuft worden sei.

Quellen:

  • k-zeitung.de, recyclingmagazin.de (23.3.2020)
  • recyclingportal.eu, Euwid Recycling und Entsorgung 13/2020 (24.3.2020)
  • euwid-recycling.de (25.3.2020)
  • KI (26.3.2020)
  • recyclingmagazin.de (17.3.2020)
Gründe für mäßiges Mülltrennen

In Sortieranlagen für Leichtverpackungen (LVP) lande nach Angaben von Suez Deutschland knapp ein Drittel Fehlwürfe. Das Unternehmen habe eine Umfrage beauftragt um herauszufinden, warum nicht ordentlich getrennt würde, berichtet das Recyclingmagazin.

Laut den Ergebnissen der repräsentativen Umfrage scheinen Vorurteile für schlechtes Trennverhalten verantwortlich zu sein. Von den 10.000 vom Meinungsforschungsinstitut Civey Befragten trennen nach eigenen Angaben 67,2 Prozent korrekt. Für falsches Trennen seien drei Gründe am häufigsten angegeben worden: 14 Prozent denken, dass der Müll ohnehin verbrannt werde, neun Prozent geben Bequemlichkeit an und 8,3 Prozent gehen davon aus, dass der Müll ins Ausland gehe und nicht recycelt werde. Immerhin sieben Prozent denken noch, dass der Abfall auf Deponien lande. Nur zwei Prozent hätten angegeben, dass sie nicht wüssten, wie man richtig trennt. Unterschiede im Trennverhalten gehen auch auf soziale und demografische Fakten zurück. Wohnort, Familienstand und vor allem Alter wirkten sich massiv darauf aus. So nehme das korrekte Trennen mit zunehmendem Alter signifikant zu. Bei den Jüngeren (18 – 29jährige) spiele Bequemlichkeit eine große Rolle für nicht korrektes Trennen, was bei über 65-Jährigen eher mit der Annahme begründet werde, dass alles verbrannt werde.

Quelle:

  • Recyclingmagazin 3/2020
Kreisläufe für Kunststoffe schließen

Ebenfalls im Recyclingmagazin findet sich ein Bericht zum Papier „Nachhaltig wirtschaften mit Kunststoffen: Kreisläufe schließen – Ressourcen schonen – Klima schützen“ des Gesamtverbands Kunststoff verarbeitende Industrie (GKV), der für einen ganzheitlichen Ansatz wirbt.

Nach Ansicht des GKV gehe die aktuelle Debatte mit symbolhaften Gesten wie Verboten in eine falsche Richtung. Stattdessen sei eine umfassende Ressourcen- und Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen der richtige Ansatz. Kreislaufwirtschaft sei ganzheitlich zu sehen und umfasse sämtliche Phasen des Lebenszyklus. Erhebliche Investitionen und Innovationen hätte die Wirtschaft dafür zu leisten, wofür sie von Seiten der Politik einen entsprechenden Rahmen mit Gesetzen und Forschungsförderungen benötige. Auch müsse das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung, um Littering zu vermeiden, mit Bildungs- und Erziehungsmaßnahmen gestärkt werden. Abfälle seien möglichst zu vermeiden, wobei ein Verzicht auf Verpackungen nur sinnvoll sei, wo keine Verluste oder früheres Verderben von Gütern drohe. Zur Vermeidung sei bei der Produktion auf eine angemessene Lebensdauer der Produkte, materialsparendes Design und eine gute Reparierbarkeit zu achten. Biokunststoffe könnten bei einem „klar umrissenen Szenario für das Lebensende der Produkte“ eine Ergänzung sein. Beim Kunststoffrecycling sei auf den Aufwand der Erzeugung von Kunststoffrezyklaten zu achten, der „in angemessenem Verhältnis zu den Kosten und zum Umweltnutzen steht“. Eine alleinige Orientierung an Recyclingquoten berge Zielkonflikte hinsichtlich Regelungen des Chemikalien-, Produkt- und Abfallrechts. Auch müssten andere Verwertungswege als der werkstoffliche weiterhin möglich sein. Neben der thermischen Verwertung zählen dazu innovative Verfahren des rohstofflichen Recyclings wie auch der Carbon Capture and Utilisation. Von der Recyclingindustrie erwarte der GKV Rezyklate in gleichbleibender Qualität und in wachsender Menge. Damit die Kunststoff verarbeitende Industrie eine bessere Orientierung auf den Recyclingmärkten erhalte und mehr Verständnis für das Preisgefüge hochwertiger Kunststoffrezyklate entwickle, schlage der GKV die Einrichtung einer „Fachagentur sekundäre Polymerrohstoffe, idealerweise durch das Bundesministerium für Wirtschaft“ vor. Darüber hinaus mahne der GKV die Vorbildfunktion der Öffentlichen Beschaffung an und betone die ökologische Lenkungswirkung von Pfandsystemen für Einweg- und Mehrwegverpackungen. Auch auf europäischer Ebene müsse mehr geschehen, um Kunststoffkreisläufe besser zu schließen. Dazu gehöre unter anderem das europaweite Ende der Deponierung von heizwertreichen Abfällen, so der GKV.

Quelle:

  • Recyclingmagazin 3/2020

13.03. - 19.03.2020

Bundesrat für Ausweitung der Pfandpflicht

Einen breiten Raum in der Berichterstattung der Fachblätter nimmt die Entschließung des Bundesrats für eine Ausweitung der Pfandpflicht ein. Demnach folgte der Bundesrat weitgehend der Anregung von Hessen und Baden-Württemberg, dass künftig die Getränkeart für die Pfandpflicht keine Rolle mehr spielen dürfe, sowie den Empfehlungen der beteiligten Ausschüsse. Nun sei die Bundesregierung an der Reihe, sich mit den Anliegen der Länder zu befassen, wobei es dafür keine Fristen gebe.

Laut den Berichten laute eine Voraussetzung in der Entschließung für die Ausweitung, dass die aus den Pfandflaschen gewonnenen Rezyklate gut zu verwerten seien. So erschwerten derzeit Additive als Sauerstoffbarrieren in Flaschen für Obst- und Gemüsesäfte das Recycling, weil sich beim Wiedereinsatz ursprünglich transparente Flaschen verfärbten. Insofern fordere der Bundesrat die Bundesregierung auf, auf die Wirtschaft für einen Verzicht solcher Additive einzuwirken. Im Vorfeld einer etwaigen Ausweitung der Pfandpflicht solle die Bundesregierung aber auch eine Kostenfolgenabschätzung durchführen. Das Forum PET in der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen begrüße den Vorstoß. Laut Geschäftsführerin Kreislaufwirtschaft, Isabell Schmidt, würden damit zusätzlich zehn Prozent des Gesamtmarktes an PET-Getränkeflaschen in das Pfandsystem aufgenommen. Die Entsorgerverbände BDE und bvse schlagen hinsichtlich der Recyclingfähigkeit vor, dass eine zentrale Stelle wie die Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister oder auch die Deutsche Pfandpflicht die Überprüfung vornehmen sollten. Die Qualität des PET-Recyclings müsse erhalten bleiben, betont bvse-Vizepräsident Herbert Snell. BDE-Geschäftsführer Andreas Bruckschen ergänzt, dass die Auswirkungen auf das duale System und die Recyclingwirtschaft zu berücksichtigen bzw. vor einer Einführung der Ausweitung verbindlich zu regeln seien. Denn mit einer erweiterten Pfandpflicht fehlten dem dualen System die bisher nicht bepfandeten Flaschen.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, KI, recyclingportal.eu, 320grad.de (13.03.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 12/2020, recyclingmagazin.de (17.3.2020)
Weitere Reaktionen auf den EU-Aktionsplan zur Kreislaufwirtschaft

Auch in der aktuellen Berichtswoche war der Aktionsplan der Europäischen Kommission und die Reaktionen beteiligter Kreise Thema in vielen Fachmedien. Demnach gibt es viel Zustimmung vor allem bei Recyclern und Umweltverbänden und kritische Stimmen aus  der Industrie und dem Handel. In Euwid finden sich mehrere ausführliche Berichte zu den verschiedenen Einschätzungen.

Der Aktionsplan sei der „ehrgeizigste Vorschlag, der jemals vorgelegt wurde“, laute etwa die Einschätzung des Europäischen Umweltbüros. Auch die Deutsche Umwelthilfe sehe darin einen wichtigen Grundstein für Ressourcenschonung und Klimaschutz. Beide Verbände kritisieren allerdings das Fehlen konkreter Zielvorgaben. Auch für den BDE biete der Plan viel Potenzial für eine Abkehr vom linearen Wirtschaftsmodell, doch beklage der Entsorgerverband den Verzicht auf ein EU-weites Deponieverbot und sei sich darin mit den Müllverbrenner-Verbänden Cewep und ITAD einig. Zustimmung gebe es auch vom VKU, dem Verband der kommunalen Unternehmen, der auf dem Weg der Umsetzung präzisierte Vorgaben und kein Verwässern fordere. Kritik gibt es von Seiten der Industrie- und Handelsverbände, die sich gegen weitere Verbote von Kunststoffprodukten aussprechen. Die AGVU Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt warne in diesem Zusammenhang vor einer Verteufelung der Kunststoffverpackungen. Der HDE Handelsverband fordere von der Politik bessere Rahmenbedingungen und weniger Hürden für den Einsatz von Rezyklaten. Die IK zeige sich ebenfalls enttäuscht, dass mit dem Aktionsplan kein schnelleres Ende der Deponierung und eine konkrete Stärkung des Rezyklatmarktes verbunden seien.

Quellen:

  • KI (13.3.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 12/2020, recyclingmagazin.de (17.3.2020, mehrere Berichte)
Stoffstrombild Kunststoffe: Datenerhebung startet

Für die Erstellung des „Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 2019“ starte laut Fachpresse nun die Datenerhebung durch die Partner der Studie sowie Conversio Market & Strategy. Zu den Ergebnissen im Jahr 2018 findet sich in „Nachrichten aus der Chemie“ ein Anfang März publizierter, die Zahlen erläuternder Beitrag.

Nunmehr zum zwölften Mal werden die Daten für die Erstellung der Studie erhoben. Mit dem „Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 2019“, an dem sich die gesamte Wertschöpfungskette der Kunststoffbranche beteilige, lege die Kunststoffindustrie seit 1988 regelmäßig ein zuverlässiges und ausführliches Kompendium mit Zahlen und Fakten zu Produktion, Verbrauch, Abfallaufkommen und Verwertung von Kunststoffen in Deutschland vor. Mehr als 2.000 Unternehmen würden dafür befragt, zusätzlich würden verfügbare Statistiken und Studien ausgewertet. Auftraggeber der Studie sind neben der BKV die Verbände Plastics Europe Deutschland, der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE), der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse), der Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA, der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV) mit seinen Trägerverbänden AVK Industrievereinigung Verstärkte Kunststoffe, FSK Fachverband Schaumkunststoffe und Polyurethane, GKV/TecPart Verband Technische Kunststoffprodukte, die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, der Pro-K Industrieverband Halbzeuge und Konsumprodukte aus Kunststoff sowie der KRV Kunststoffrohrverband, die AGPU, der Verband der Chemischen Industrie (VCI) und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE).

Zum Stoffstrombild 2018 ist Anfang März ein erläuternder Beitrag von BKV-Geschäftsführer Rainer Mantel und dem Senior Manager bei Covestro, Frank Schnieders, in Nachrichten aus der Chemie erschienen. Demnach arbeite die Polymerwirtschaft stärker kreislauforientiert und ressourceneffizienter denn je. Dadurch würden allerdings die Anforderungen an Marktstudien und Datenerhebungstechniken steigen.

Mehr Information: Der Beitrag von Mantel und Schnieders ist unter https://doi.org/10.1002/nadc.20204096433 abrufbar.

Quellen:

  • plastverarbeiter.de, k-zeitung.de (17.3.2020)
  • Nachrichten aus der Chemie (März 2020)

06.03. - 12.03.2020

Pläne und Pakte für die Kreislaufwirtschaft

Laut Medienberichten nahm die Europäische Kommission am 11. März den Aktionsplan für den Übergang zu einer klimaneutralen Kreislaufwirtschaft an. Ziel dieses wichtigsten Bausteins des europäischen „Green Deals“ sei, das Wachstum vom Ressourcenabbau zu entkoppeln und die gleichen Werkstoffe wieder und wieder zu nutzen. Hierzu wolle die Europäische Kommission verstärkt bei der Produktgestaltung ansetzen und auch auf die gesamte Produkt-Lebensdauer erstreckte Maßnahmen einführen. Die Verpackungsbran­che halte allerdings Produktverbote oder eine Plastiksteuer für nicht zielführend, ebenso wie einen vor Kurzem von einer Reihe von Ländern und Unternehmen gegründeten „European Plastic Pact“ zum Kampf gegen Plastikmüll.

Aus dem Europäischen Parlament komme parteiübergreifend wie auch von Umwelt­schützern Applaus für den Aktionsplan der Kommission, berichtet die Welt. Die Wirtschaft zeige sich deutlich zurückhaltender bis besorgt über die nun angekündigten Maßnahmen, die bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen laut DIHK für Verunsicherung sorgen würden. Die Pläne der Kommission umfassten unter anderem eine nachhaltige Produktgestaltung, ein „Recht auf Reparatur“ sowie weniger Ver­packung und mehr Rezyklatanteile. Da die Mitgliedsländer den Gesetzesänderungen noch zustimmen müssen, sei laut Welt noch nicht klar, ob und wie weit die Pläne der Kommission auch Realität werden. Die AGVU Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt kritisiere Vorschläge der EU-Kommission, weitere Kunststoffverpackungen zu verbieten, ist einem Bericht von Euwid zu entnehmen. Solche Verbote hätten für die AGVU nichts mit Klimaschutz zu tun. Dass die EU-Kommission den Restmüll bis 2030 um die Hälfte reduzieren will, begrüße die AGVU. Großes Potenzial für den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft sehe der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs­wirtschaft, der die EU-Pläne und Maßnahmen nachdrücklich unterstütze, ist in einem Bericht des Recyclingportals zu lesen. Der Verband habe aber kein Verständnis dafür, dass die Kommission sich wieder nicht für ein vollständiges, EU-weites Deponierungs­verbot eingesetzt habe. Ein Deponieverbot für Kunststoffverpackungsabfälle habe die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen bereits im Vorfeld der Veröffentli­chung des Aktionsplans gefordert, berichtet unter anderem der Plastverarbeiter. Der Verband habe zudem vor den in Brüssel diskutierten Vorschlägen für Produktverbote und eine Plastiksteuer gewarnt. Solche Maßnahmen halte die IK für schädlich für Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft. Die IK-Mitgliedsunternehmen hätten sich selbst ehrgeizige Ziele für eine bessere Kreis­laufführung ihrer Produkte gesetzt und erwarte­ten von der Politik, dass diese zwar die Ziele vorgebe, ihnen aber die Umsetzung überlasse.

Kritik am European Plastic Pact
Deutliche Kritik komme von der IK an dem kürzlich ins Leben gerufenen „European Plastic Pact“, einer von Frankreich, den Niederlanden und Dänemark angestoßenen Partnerschaft von 80 öffentlichen und privaten Organisationen, die freiwillige Maßnah­men gegen Plastikmüll und für mehr Recycling umfasse und auch von Deutschland sowie führenden Konsumgüter-Konzernen wie Henkel, Nestlé, Carrefour oder Unilever unterzeichnet worden sei, wie unter anderen das Handelsblatt berichtet. Der Pakt strebe an, bis 2025 den Einsatz von Plastik um mindestens ein Fünftel zu reduzie­ren. Die IK sehe in der Initiative „puren Aktionismus, der falsche Erwartungen“ wecke. Ehrgeizige Ziele für das Recycling von Kunststoffen seien grundsätzlich zu begrüßen laut der im Bericht zitierten Geschäfts­führerin für den Bereich Kreislaufwirtschaft im IK, Isabell Schmidt, so lange sie nicht durch unrealistische Annahmen den Ausbau einer hochwertigen Kreislaufwirtschaft bedrohten. Auch habe die EU ja bereits konkrete Ziele zum Eindämmen des Plastikauf­kommens und zur Förderung von Recycling gesetzt, die alle in der Wertschöpfungskette schon jetzt vor große Herausforderungen stellten. Wie Euwid berichtet, halte die IK auch das im Pakt für 2025 gesteckte Ziel eines Rezyklatanteils von 30 Pro­zent in Kunststoffver­packungen für unrealistisch. Es ignoriere, dass in Deutsch­land fast 45 Prozent der Kunststoffverpackungen im Lebensmittelbereich eingesetzt würden.

Quellen:

  • Die Welt (12.03.2020)
  • euwid-recycling.de, recyclingportal.eu (11.3.2020)
  • plastverarbeiter.de (10.3.2020)
  • handelsblatt.de (6.3.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 11/2020 (10.3.2020)
Duale Systeme starten bundesweite Kampagne zur Mülltrennung

Viele Fach- und Publikumsmedien griffen den Start der bundesweiten Kampagne auf, die Verbraucher darüber aufklären soll, was in die Gelbe Tonne gehört und was nicht. Denn darin landeten nach wie vor zu viele Dinge, die in den Restmüll gehörten und das Recycling erschwerten. Auch mit Irrtümern und Vorurteilen, wie, dass die Abfälle doch alle verbrannt oder nach der Trennung wieder vermischt würden, wolle die Kampagne aufräumen.

Mit bundesweiten Fernseh- und Radiospots, über Social Media und auch mit Hilfe von Influencern wollen die Systembetreiber laut Medienberichten alle Endverbraucher, aber vor allem junge Menschen, zu besseren Mülltrennern machen. Diese hätten durchaus einen Sinn für Umweltschutz, wüssten aber laut Axel Subklew, Sprecher der Kampagne „Mülltrennung wirkt“, zu wenig darüber, heißt es etwa im Tagesspiegel. Rund 30 Prozent von dem, was in der Gelben Tonne oder im Gelben Sack lande, gehöre laut Systembetreibern dort nicht hinein, berichtet der SWR anlässlich des Kampagnen­starts. Das System sei kompliziert und teilweise unlogisch, kritisiere der in dem Bericht zitierte Abfallexperten Henning Wilts vom Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie. Auch in einem Beitrag des WDR kommt Wilts zu Wort mit weiterer Kritik am System, wie der, dass eine einheitliche Kennzeichnung es dem Verbraucher leichter machen könne. Auch sollten laut Wilts Verpackungen möglichst komplett kreislauffähig gestaltet sein, damit der Verbraucher sie nicht, wie zum Beispiel bei einem Joghurtbecher, erst einmal auseinander nehmen müsse, bevor sie recycelt werden könnten.

Quellen:

  • tagesspiegel.de, wdr.de, swr.de (10.3.2020)
Radikale Ideen gegen die „Plastikkrise“

Forscher der Europäischen Wissenschaftsakademien fordern, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, im Kampf gegen die „Plastikkrise“ unter anderem, Plastikprodukte teurer zu machen.

Die europäischen Forscher haben laut Bericht der SZ in ihrer Ausarbeitung für die Euro­päischen Akademien der Wissenschaften (Easac) sieben Vorschläge als Lösungsansätze formuliert. Alle bisherigen Versuche, aus der „Plastikkrise“ herauszukommen, seien ge­scheitert. Und, dass es so nicht weitergehen könne, hätten selbst weite Teile der In­dustrie erkannt. Easac wolle den Europäern kein plastikfreies Leben verordnen, doch müsse das Ziel sein, das lineare System in eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft zu über­führen. Ihre Vorschläge dazu lauteten: ein Verbot von Müllexporten und der Deponie­rung von Kunststoffabfällen, gesetzliche Hersteller- und Händlerverpflichtungen, damit Abfälle nicht mehr in die Umwelt gelangen, Steuerreduzierungen für Recyclingwaren, Verbesserung der Recyclingtechnologien, recyclingfreundliche Produktgestaltung, eine Mindestrezyklatquote und damit verbunden auch höhere Preise für Kunststoffprodukte, die auch die Folgekosten für die Umwelt berücksichtigen.

Quelle:

  • Süddeutsche Zeitung (9.3.2020)

28.02. - 05.03.2020

Grüne Strategie für Circular Economy

Die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, Bettina Hoffmann, hat ein umfangreiches Diskussionspapier „Grüne Strategie für eine ressourcenleichte, giftfreie und klimaneutrale Kreislaufwirtschaft“ veröffentlicht. Laut Euwid, in dem sich ein ausführlicher Bericht dazu findet, enthält das Papier Vorschläge zu Steuerungsinstrumenten wie eine Ressourcenabgabe, eine Transparenzpflicht für Produzenten, erweiterte Herstellerverantwortung für mehr Produkte sowie Einsatzquoten für Rezyklate. Interessierte Kreise könnten bis zum 13. März ein Feedback geben.

Das Diskussionspapier befasse sich mit der Frage, wie die lineare in eine zirkuläre Wirtschaftsweise überführt werden könne. Das Verständnis von Kreislaufwirtschaft gehe über ein Synonym für Abfallwirtschaft hinaus und umfasse – ähnlich dem englischen Circular Economy – eine andere Lebens- und Produktionsweise. In strenger Orientierung an der Abfallhierarchie nehme die Abfallvermeidung bei der Grünen-Abgeordneten in ihrem Papier den größten Raum ein. Hier sollte die Debatte von der Abfall- auf die Produktpolitik verschoben werden. In Anlehnung an die Abfallrahmenrichtlinie solle eine „Produktrahmenrichtlinie“ alle für das Funktionieren einer Kreislaufwirtschaft erforderlichen Steuerungsinstrumente bündeln. Dazu zählen Mindeststandards für langlebige Produkte, Vorrang für Mehrwegprodukte, (möglichst mehrfache) Recyclingfähigkeit als Zugangsvoraussetzung zum europäischen Markt. Für mehr Transparenz hinsichtlich der im Produkt enthaltenen Materialien und Stoffe könnten eine einmalige Transparenz-Prämie sowie die Vergabe eines staatlichen Kreislaufwirtschaftslabels sorgen, was über einen aus einer Ressourcenabgabe gefütterten Fördertopf finanziert werden könne. Die Ressourcenabgabe „mit Bonus-Malus-System“ stehe laut Euwid im Zentrum des vorgeschlagenen Konzepts und ersetze im Grunde die derzeitige Verpackungsentsorgung über duale Systeme über Lizenzentgelte. Zur Förderung der Nachfrage nach hochwertigen Rezyklaten wollen die Grünen Qualitätsstandards schaffen, die für Rezyklate und Neuware gleichermaßen gelten sollen, damit sich die Industrie auf gleichbleibende Qualität verlassen könne. Darüber seien auf europäischer Ebene verbindliche Quoten für den Einsatz von recycelten Kunststoffen einzuführen, um Anreize für die Etablierung eines sicheren Absatzmarktes für recycelte Rohstoffe zu schaffen, zitiert Euwid aus dem Diskussionspapier.

Mehr Information: Diskussionspapier von Bettina Hoffmann

Quelle:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 10/2020 (3.3.2020)
Irrsinniges Trennsystem

Die Zeit nimmt in einem ausführlichen Beitrag im Ressort Wissen die in der kommenden Woche bundesweit startende Kampagne zur besseren Mülltrennung zum Anlass, das deutsche Recyclingsystem kritisch unter die Lupe zu nehmen. Ihr Fazit: Nicht mehr Trennkompetenz der Bürger, sondern mehr Biotonnen brauche das Land.

Die Kampagne „Mülltrennung wirkt!“, die im April vergangenen Jahres in Euskirchen getestet worden war, soll nun bundesweit ausgerollt werden. Auch wenn Deutschland, wo 95 Prozent der Bevölkerung angeben, den Müll zu trennen, als Recyclingweltmeister gelte, seien Herr und Frau Mustermann in Sachen Mülltrennung doch nicht so erstklassig, heißt es in der Zeit. Die Menschen seien laut Henning Wilts vom Wuppertal Institut frustriert, weil zu viel verbrannt werde und auch nicht auszuschließen sei, dass der Abfall in Malaysia lande. Laut Zeit müsse das vor rund 30 Jahren erfundene System nicht nochmals mit einer weiteren Erziehungsmaßnahme, sondern mit Blick auf neue Ideen korrigiert werden. Absurditäten, wie sie Frank Arleth, Leiter der Sortieranlage von der Hündgen Entsorgungs GmbH in der Nähe von Bonn, vorführe – etwa ein Blumentopf, der solo keine Verpackung, aber als Pflanzblumentopf mit Pflanze gekauft, doch eine Verpackung und somit im gelben Sack zu entsorgen sei – machten das Unlogische an der Trennung deutlich. Mit Einführung einer Wertstofftonne hätten einige Kommunen Abhilfe geschaffen. 2011 hätte die Bundesregierung die Wertstofftonne bundesweit einführen wollen, sei aber am „Hickhack“ zwischen Bund, Ländern und Abfallindustrie gescheitert. Nun solle die acht Millionen Euro kostende Aufklärungskampagne weiterhelfen, doch gebe es keine belastbaren Informationen, ob denn überhaupt die Testkampagne in Euskirchen zu einem verbesserten Trennergebnis geführt hätte. Mit Blick nach Kalifornien finden die Zeit-Autoren eine Alternative, von der Deutschland lernen könne. In San José in der Nähe von San Francisco fange eine Verwertungsanlage aus dem Restmüll aus der grauen Tonne, neben der es nur noch eine blaue Recyclingtonne gebe, den organischen Müll ab und leite diesen weiter an eine Kompostieranlage. Der Rest würde am Ende des Bands von Robotern sortiert, die übersehene Flaschen und Becher herausfischten. Auf der Deponie lande dann noch 20 Prozent des Restmülls. Für eine solche Vorgehensweise fehlten in Deutschland die Anreize aufgrund akzeptierter Müllverbrennung, die laut Berechnungen von Professor Peter Quicker von der RWTH Aachen vier Prozent des Energieverbrauchs decken würden. Michael Kern vom Witzenhausen Institut kritisiere daran, dass mit dem Restmüll der lebenswichtige Rohstoff Phosphor mitverbrannt würde. Laut Zeit drehe sich die Debatte viel zu sehr um Verpackungsmüll und Fehlwürfe im gelben Sack, stattdessen brauche das Land mehr Biotonnen. In 72 von 402 Landkreisen würden noch keine Biotonnen flächendeckend angeboten. In einer künftigen „schönen Müllwelt“ würden Privathaushalte konsequent Biomüll aussortieren und kluge Roboter in den Sortieranlagen Einzug halten, heißt es am Ende des Beitrags. Dort würde der trockene Abfall, der in einer einzigen Tonne gesammelt würde, getrennt, wonach ein kleiner Rest dann in der Verbrennung lande. Dazu müssten dann aber kommunale und private Entsorger tatsächlich zusammenarbeiten.

Quelle:

  • Die Zeit (5.3.2020)
Umwelt schädigender Ruf nach Nachhaltigkeit

In neue-verpackung befasst sich der Autor mit den Erkenntnissen aus der Studie „Plastic promises – What the grocery sector is really doing about packaging“ vom englischen Think Tank „Green Alliance“. Demnach verlangten Unternehmen nach Verpackungsalternativen zu solchen aus Kunststoffen, ohne auf deren negativeren Umweltauswirkungen zu achten.

Haupterkenntnisse aus der anonym durchgeführten Befragung von Vertretern der fünf größten nationalen Supermärkte sowie von fünf gewichtigen Nahrungsmittel- und Getränkeunternehmen (wir berichteten bereits in einer Meldung über diese Studie am 16.01.2020) seien zum einen gewesen, dass der Einsatz von Kunststoffverpackungen sich kaum merklich verringert hätte, und zum anderen, dass nicht selten Unternehmen Single-use-Plastikverpackungen mit solchen ersetzten, deren Auswirkungen auf die Umwelt im Vergleich zu Kunststoff negativer zu bewerten seien. Ein Markenartikler habe seinem Ärger Luft gemacht über Unternehmen, die sich damit brüsteten, kein Plastik einzusetzen und dabei Einwegglas nutzten, dessen Kohlendioxidemissionen über die Maßen zunähme. Den im Rahmen der Studie Befragten sei es wichtig, dass ihre Unternehmen nicht reflexhaft alle Kunststoffverpackungen verbannten, sondern ihnen ausreichend Zeit gäben, um nach wirklich nachhaltigeren Alternativen suchen zu können.

Quelle:

  • neue-verpackung.de (28.2.2020)

21.02. - 27.02.2020

Umsatzrückgang in der Kunststoffverarbeitung

Die negative Stimmungsmache gegen den Kunststoff habe schon spürbare Folgen, zitiert die FAZ den Präsidenten des GKV Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie, Roland Roth, bei der Jahrespressekonferenz in Frankfurt. Der Branchenumsatz ging demnach im vergangenen Jahr um 1,2 Prozent auf 65,1 Milliarden Euro zurück.

Verarbeitet worden seien in Deutschland im vergangenen Jahr rund 14,6 Millionen Tonnen, wie auch die Fachpresse berichtet. Die Anzahl der Beschäftigten sei mit etwa 336.000 Menschen auf hohem Niveau stabil geblieben. Zu den aktuellen Herausforderungen der Branche, die im Rahmen der Pressekonferenz analysiert worden seien, zählen auch die negativen Auswirkungen der teilweise äußerst emotional geführten Debatte über die Suche nach Auszubildenden. Dies und der Rückgang von Studienbewerbern im Fach Kunststofftechnik hätten „absehbar gravierende Konsequenzen für den Kunststoff-Standort Deutschland“, wird Roth in der FAZ zitiert. Der Verband plädiere für ganzheitliche globale Lösungen und den Ausbau der Kreislaufwirtschaft und kritisiere Teile des „Green Deals“ der EU-Komission kritisch wie auch die Fordeung des EU-Umweltkommissars nach Verboten von Kunststoffverpackungen und die Debatte um eine Abgabe auf nicht recycelte Kunststoffabfälle, weil beides zu Unsicherheit und Zurückhaltung von Investitionen beitrage. Ohne Kunststoffe werde der Umweltschutz nicht gelingen, wie Roth mit Verweis auf Dämmmaterialien und den Leichtbau betonte habe.

Der Kunststoffverarbeitung habe auch die schwache Nachfrage aus der Automobilindustrie und dem Maschinenbau zu schaffen gemacht, habe GKV-Hauptgeschäftsführer Dr. Oliver Möllenstädt erläutert. Neben starken Rückgängen bei technischen Teilen seien hingegen die Erlöse bei Bauprodukten gestiegen. Der Umsatz mit Kunststoffverpackungen sei seit 2012 erstmals leicht gesunken, wobei sich hier mehr als die Zurückhaltung der privaten Kundschaft die konjunkturbedingt schwächere Nachfrage nach Industrieverpackungen ausgewirkt hätten. Für das laufende Jahr 2020 erwarte die Branche vor dem Hintergrund der allgemeinen Wirtschaftslage eine Seitswärtsbewegung.

Quellen:

  • plasticker.de, 320grad.de (26.2.2020)
  • FAZ, KI, recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu (27.2.2020)
Moderner Ablasshandel

Zum – bereits bekannten – Widerspruch zwischen Anspruch und tatsächlichem Verhalten berichtet die FAS über eine neue Studie, die zu dem Schluss kommt, dass Menschen es liebten, ein klein wenig Gutes zu tun, um anschließend von weiterem moralischen Verhalten befreit zu sein.

„Tue Gutes und werde ein Schuft“, betitelt der „Sonntagsökonom“ in der FAS seinen Beitrag zur Forschung der Karlsruher Ökonomin Nora Szech, nach der wir Menschen gern ein wenig Plastik vermeiden, Mehrwegbecher nutzen und einiges mehr, was zum nachhaltigen Konsum gezählt wird, um nach der verbuchten guten Tat frei von moralischen Ansprüchen zu sein. In Experimenten mit 200 Probanden habe sich dieser „Ablasseffekt“ gezeigt, der bereits in älteren Studien festgestellt worden sei. Das bedeute im Umkehrschluss aber nicht, dass überzeugte Rad- und Bahnfahrer oder Veganer sich durch eine moralisch wünschenswerte Tat von ihrem generellen Anspruch, sich nachhaltig zu verhalten, entbunden sähen, wie ebenfalls bereits wissenschaftlich belegt sei. Doch gerade bei Kleidung, deren Branche wie kaum eine andere in der Kritik stünde, gönnten sich Kunden gern einen „gedanklichen Freifahrtschein“, den sie sich durch zweifelhafte Siegel ausstellten wie etwa das „Concious Collection“, das auf einem Sortiment aus Biobaumwolle eines schwedischen Labels aufgebracht sei. Mit dem Achten auf das Siegel habe man schon etwas Gutes getan und könne etwa über die Arbeitsbedingungen der Näherinnen in Asien hinwegsehen. So habe auch die Forscherin Szech umfassendere Siegel, die Konsumenten beim nachhaltigen Verbrauch unterstützten, gefordert, um so dem „Ablasseffekt“ weniger Raum zu geben.

Quelle:

  • FAS (23.2.2020)
Ernüchternder Circularity-Gap-Report

Im aktuellen Heft des Recyclingmagazins befasst sich die Titelgeschichte mit dem neuen Circularity Gap-Report von Circle Economy. Demnach laufe der Trend in die falsche Richtung, die Lücke werde weltweit größer. Das Magazin setzt hinter die Kernbotschaft des Berichts allerdings ein Fragezeichen.

Mit Blick auf die Klimaziele im Pariser Abkommen sehen die Autoren in der Kreislaufwirtschaft, ohne die die Ziele nicht zu erreichen seien, eine wichtige Rolle. Dabei seien es die einzelnen Länder, die Wegbereiter seien und es auch sein müssten. Laut Bericht habe aber die Zirkularität der Weltwirtschaft abgenommen: Von 9,1 Prozent sei ihr Anteil auf 8,6 Prozent zurückgegangen. Das liege im Wesentlichen an der gestiegenen Entnahme von Primärrohstoffen, der zunehmenden Lagerbildung in Form von Gebäuden, Infrastruktur und schweren Maschinen und an dem immer noch niedrigen Niveau von Recycling und Zirkularität. Der aktuelle Mangel an Abfallbewirtschaftung und Recycling trage zur höheren Nachfrage an Primärrohstoffen bei. Nach Darstellung der einzelnen im Bericht behandelten Aspekte und der Bewertung von 176 Ländern kommt der Bericht im Recyclingmagazin am Ende zu einer kritischen Einschätzung: So klar seien die Aussagen am Ende doch nicht, die eigentliche Botschaft der zurückgehenden Zirkularität werde im Bericht selbst mit dem Hinweis auf gestiegenes Recycling infrage gestellt. Auch der im Bericht auf die Länder gerichtete Fokus – die Länder müssten es nun richten – sei irritierend. Es seien schon heute einzelne Länder oder auch die europäische Union, die an einem systematischen Übergang zur Kreislaufwirtschaft arbeiten. Das würde auch in Zukunft so bleiben.

Quelle:

  • Recyclingmagazin 2/2020 (26.2.2020)

14.02. - 20.02.2020

Reaktionen auf die KrWG-Novelle

Auf die im Bundeskabinett bereits beschlossene Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes gibt es aus betroffenen Kreisen eine kritische Anmerkungen, über die in der Fachpresse ausführlich berichtet wird. Die Recyclerverbände zeigen sich demnach enttäuscht vor allem über die Entschärfung der Pflicht der öffentlichen Hand, Recyclingprodukte zu bevorzugen. Den Umweltverbänden gehen die Neuregelungen nicht weit genug.

Grundsätzlich begrüße der bvse Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung die Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes. Insbesondere, dass ein gesondertes Klagerecht bei Anzeigeverfahren gewerblicher Sammlungen gestrichen worden sei, was andererseits die kommunale Seite beklage. Der bvse sehe aber ähnlich wie der Entsorgerverband BDE die ursprünglich mit der Novelle angestrebte Bevorzugung von Recyclingprodukten in der öffentlichen Beschaffung nunmehr nur noch als eine Mogelpackung, berichtet unter anderem Euwid, in dessen aktueller Ausgabe gleich mehrere Standpunkte betroffener Kreise zu lesen sind. So vermisse auch der BDE Ambition und Mut. Der ohnehin wenig ambitionierte Entwurf des Bundesumweltministeriums  sei wohl in den Beratungen mit den anderen Ressorts nochmals verwässert worden. Von einer Rohstoffwende sei nichts zu spüren, zumal die vom Umweltministerium initiierte Rezyklat-Initiative, mit der ein Rezyklatanteil in bestimmten Produkten verpflichtend geworden wäre, gestrichen worden sei. Den Umweltverbänden NABU, DUH und BUND gehe der Entwurf ebenfalls nicht weit genug. Demnach hätte sich der NABU eine Ausweitung der Herstellerverantwortung gewünscht, DUH sich für deutlich höhere Recyclingquoten ausgesprochen und der BUND neben verschärfter Vorschriften für die öffentliche Beschaffung ein Recht auf Reparatur gern verankert gesehen. Die Kritik des Handels beziehe sich vor allem auf die neu in das Gesetz aufgenommene „Obhutspflicht“ (s. dazu auch die letztwöchige Presseschau), die der Handelsverband Deutschland als überflüssig bezeichnet habe. Schon aus Kostengründen halte man die Zahl der Rücksendungen von Waren durch Kunden so gering wie möglich. Nun folgen weitere Beratungen des Gesetzes in Bundesrat und Bundestag, auf die etwa der BDE große Erwartungen setze.

Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 8/2020, recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu (19.2.2020)
EU-Parlament gegen Ausnahmen beim PVC-Recycling

Das EU-Parlament habe für einen Entschließungsantrag des Umweltausschusses (ENVI) gestimmt und damit die von der Kommission vorgesehene Ausnahmeregelung für das Recycling bleihaltiger PVC-Abfälle gestoppt. Industrieverbände monieren die Missachtung der entsprechenden Expertise und sehen das PVC-Recycling in Gefahr.

Die mehrheitliche Abstimmung des Parlaments gegen die von der EU-Kommission geplanten Ausnahmen für die Verwendung von bleihaltigem PVC-Rezyklat widerspreche der wissenschaftlichen Bewertung der eigenen Behörde, der ECHA Europäische Chemikalienagentur. Sie laufe zudem den Zielen der Kreislaufwirtschaft  zuwider und gefährde bereits getätigte wie auch künftige Investitionen in das PVC-Recycling, beklagen laut Fachberichten die Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt (AGPU) wie auch VinylPlus. Deren Geschäftsführerin Brigitte Dero erklärte darüber hinaus, dass die Konsequenz daraus, alte PVC-Produkte aus langlebigen Anwendungen aus Mangel an alternativen Lösungen zu deponieren oder energetisch zu verwerten,  zu einer wesentlich höheren Umweltlast für die zukünftigen Generationen führen würde. Außerdem verzögere dieses Abstimmungsergebnis das Einfuhrverbot von bleihaltigen PVC-Produkten nach Europa. Auch der Verband der Kunststoffverarbeiter EuPC halte das Ergebnis für ein schlechtes Signal, das die Errungenschaften der Circular Plastics Alliance gefährde, indem es mehr Unsicherheit für Investitionen in das Recycling schaffe.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu, plasticker.de (14.2.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 8/2020 (18.2.2020)
„Kunststoffsteuer“ wieder Thema

Wie unter anderem Focus und Kunststoff Information aufgrund einer dpa-Meldung berichten, hat der EU-Ratspräsident Charles Michel vorgeschlagen, eine solche Steuer auf nicht recycelte Einwegprodukte und Verpackungen aus Kunststoff ab 2021 einzuführen. Der Ansatz vom früheren EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger aus dem Jahr 2018 sei nunmehr aus dem Ideenstatus hinaus gediehen, habe eine Ratssprecherin erklärt.

In den derzeit laufenden Konsultationen zum EU-Finanzrahmen für die Jahre 2021 bis 2028, der 1,1 Billionen Euro umfassen könnte, stelle Michels Vorschlag einen Versuch dar, zumindest einen Teil der durch den „Brexit“ entstandenen Finanzierungslücke zu schließen. Innerhalb dieser Laufzeit könnten mit der Steuer rund 14 Milliarden Euro zusammenkommen. Dieser schon länger diskutierte Ansatz finde laut einer (ungenannten) Ratssprecherin „relativ viel Anklang“. Die öffentliche Meinung habe sich dahingehend geändert, dass er jetzt durchsetzbar erscheine, zitiert KI die Sprecherin. Laut Focus enthalte das Papier zum vorgeschlagenen EU-Haushalt ganz am Ende bereits eine konkrete Höhe der Steuer. Demnach sollten 80 Cent pro Kilogramm unrecyceltem Verpackungskunststoff fällig werden. Erste Reaktionen aus den Mitgliedsstaaten seien aber skeptisch gewesen.

Mehr Information: EU-Plastics Tax - The Dark Side (Einschätzung von Martin Engelmann, Hauptgeschäftsführer IK Industrievereinigung Kunststoffverpckungen auf LinkedIn)

Quellen:

  • focus.de (14.2.2020)
  • 320grad.de (17.2.2020)
  • Kunststoff Information (19.2.2020)

07.02. - 13.02.2020

KrWG-Novelle im Kabinett beschlossen

Ein „Prestigeprojekt der Bundesumweltministerin“ nennt sie die FAZ, „halbherzig“ die taz, „zu wenig ambitioniert“ und „vertane Chance“ die zitierten ersten Kritiker. Die Rede ist von der Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG), die vergangenen Mittwoch im Bundeskabinett beschlossen wurde. Eigentlich sollte es um die Anpassung an das veränderte EU-Recht gehen, doch die Novelle gehe deutlich darüber hinaus, schreibt die Tagespresse. Bundesumweltministerin Svenja Schulze will mit dem Gesetzesentwurf Abfallvermeidung verbessern und Recycling stärken und führt eine neue Pflicht ein: die „Obhutspflicht“.

Vor allem auf drei Dinge habe die Bundesumweltministerin hingewiesen, mit denen sie den Weg zu weniger Abfall und mehr Recycling ebnen wolle: Recycelte Produkte sollen in der öffentlichen Beschaffung Vorrang bekommen, Vernichtung von Retouren sollen über eine neue „Obhutspflicht“ verhindert und Hersteller von Einwegprodukten an den Beseitigungskosten beteiligt werden. Allerdings beziehe sich letzteres nur auf Produkte, die in der neuen Kunststoffrichtlinie der Europäischen Union vorkämen, wie etwa die Welt darauf hinweist und sowohl den VKU-Vizepräsident Patrick Hasenkamp als auch den bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock zitiert, die den Bezug auf einzelne Materialien kritisieren. Mit der neuen „Obhutspflicht“ befassen sich vor allem die Tagesmedien. Bislang werde damit lediglich eine gesetzliche Grundlage geschaffen, um deren Vernichtung einen Riegel vorzuschieben, wie unter anderem das Handelsblatt berichtet. Jede sechste Onlinebestellung werde wieder zurückgeschickt, das waren laut FAZ 487 Millionen Produkte im Vorjahr, wie die Bamberger Universität herausgefunden habe. Laut dieser Studie werden rund vier Prozent im Müll, wie das Manager-Magazin aus der Untersuchung zitiert. In der Fachpresse kommen Kritiker aus dem Branchenumfeld zu Wort: So nenne der BDE-Präsident Peter Kurth die Novelle einen „wenig ambitionierten Entwurf“, der in den Beratungen der verschiedenen Gremien nochmals verwässert worden sei. Eine vertane Chance sehen laut der Fachpresse auch die Umweltverbände wie der NABU und die Deutsche Umwelthilfe in dem neuen Gesetz. Die taz spricht in diesem Zusammenhang von „ein bisschen Recycling“, das mit einer „halbherzigen Neufassung“ erreicht werden könne. Die Umweltministerin profitiere noch von der mutigen Umweltpolitik vergangener Jahrzehnte, wie dem Deponieverbot, nun nutze sie nicht die aktuelle große Öffentlichkeit für Umweltthemen. Das Handelsblatt vermisst Regelungen, die das Aufkommen an Müll an der Wurzel packen, wie Strategien zur Abfallvermeidung und besseren Abfalltrennung sowie der Produktgestaltung. Die Süddeutsche Zeitung betont, dass die konkrete Umsetzung der neuen Auflagen noch völlig offen sei. Das Gesetz wimmele von Ermächtigungen, denen eigene Verordnungen folgen müssten.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu, manager-magazin.de (12.2.2020)
  • FAZ, taz, Süddeutsche Zeitung, Die Welt, Handelsblatt, euwid-recycling.de, KI (13.2.2020)
„Wir haben hier kein Plastikproblem“

Die FAZ interviewt Marc Honold, den Deutschlandchef der Nestlé-Marken Vittel, Perrier und San Pellegrino und konfrontiert ihn mit den Protesten von Umweltaktivisten gegen Einwegflaschen.

Die Deutsche Umwelthilfe hatte Nestlé einen „Goldenen Geier“ verliehen für den Einsatz von Einwegkunststoffflaschen, die zusätzlich in Folien eingeschweißt seien. Honold begrüßt das Engagement der Umwelthilfe, kritisiert aber, dass sie nicht immer richtig argumentiere. Im Fall der PET-Flaschen verschweige sie, dass diese zu 98 Prozent zurückgegeben werden und zu 100 Prozent recycelbar seien, auch wenn erst zu rund einem Viertel in neuen Flaschen zum Einsatz kämen. Sie landeten aber weder in der Umwelt noch auf Deponien. An Einwegflaschen kann Honold nichts Schlechtes finden, grundsätzlich sollte aber bei der Herstellung mehr recyceltes Material verwendet werden. Auch präferiere der Kunde Einweg. PET sei gerade für den Transport von Vittel nach Deutschland wesentlich ökologischer als Glas-Mehrweg, der immer zum Abfüllort zurückgeführt werden müsse. Zusammengepresst passten auf einen LKW 400.000 PET-Flaschen, für dieselbe Menge aus Glas bräuchte man 26 LKW. Zur Kritik an der Umverpackung führt Honold den hohen Rezyklatanteil von 50 Prozent ins Feld. Weder bei Nestlé noch bei anderen Unternehmen der Industrie gäbe es bislang eine Lösung, ohne Umverpackung auszukommen. Zur Frage, ob es denn nicht legitim sei, gegen die Vermüllung der Gewässer mit Plastik zu kämpfen, weist Honold darauf hin, dass keine Flasche aus Frankfurt im Ozean lande. Dort, wo 90 Prozent des weltweiten Mülls aus zwei Flüssen in Afrika und acht Flüssen aus Asien komme, werde sich Nestlé Waters noch mehr engagieren.

Quelle:

  • FAZ (11.2.2020)
Chemisches Recycling in der Verwertungshierarchie

Euwid berichtet über die Diskussionen im Rahmen der diesjährigen Abfallwirtschafts- und Energiekonferenz zur rechtlichen Einordnung der chemischen Recyclingverfahren. Diese seien in so gut wie allen Regelwerken als Recycling anerkannt, nur nicht im deutschen Verpackungsgesetz.

Ausführlich wird der Beitrag von Alexander Janz vom Bundesumweltministerium (BMU) referiert, der das chemische Recycling als Teilmenge der rohstofflichen Recyclingwege dargestellt habe. Die Verfahren Pyrolyse, Vergasung und Verölung würden nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz als stoffliche Verwertungsverfahren gelten, nach dem Verpackungsgesetz aber nicht als werkstoffliche, weil dabei nach Definition im Verpackungsgesetz die chemische Struktur des Polymers nicht erhalten bleibe. Ausnahmen stellten hier die lösemittelbasierten Verfahren dar. Das BMU wolle derzeit nach Darstellung in Euwid keine Gleichstellung des chemischen mit dem werkstofflichen Recyclings, um die Investitionen der Recycler nicht zu gefährden und den Druck auf den Handel, recyclingfähige Verpackungen auf den Markt zu bringen, nicht zu lockern. Dennoch gebe sich das BMU technologieoffen und beobachte die Entwicklung. Die Rechtslage sei nicht in Stein gemeißelt, Gesetze seien dazu da, um sie zu ändern, habe Janz vor den Tagungsteilnehmern gesagt.

Der Druck auf die Branche im Bereich des Recyclings sei auch hoch, da die Quoten des Verpackungsgesetzes derzeit kaum zu erreichen seien. Die Befürworter des chemischen Recyclings betonten auch, dass es sich bei den Verfahren um eine Ergänzung zum werkstofflichen Recycling und eine Alternative zur energetischen Verwertung handele. Zur künftigen Position der chemischen Verfahren in der Verwertungshierarchie habe Julia Vogel vom Umweltbundesamt entsprechende Studien angekündigt. Denn derzeit sei eine Einstufung nicht möglich, da dazu die ökologischen Vor- und Nachteile im Vergleich zum werkstofflichen Recycling sowie zur Verbrennung untersucht werden müssten. Zur ökologischen Bewertung lägen aber noch keine Informationen vor.

Quelle:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 7/2020 (11.2.2020)

31.01. - 06.02.2020

Umweltverbände fordern drastische Maßnahmen

Ein Bündnis von Umweltorganisationen fordere von der Bundesregierung drastische Maßnahmen um die „Plastikflut“ einzudämmen, berichten TV, Tages- und Fachpresse. Die 15 konkreten Forderungen reichten von Abgaben über Verbote bis hin zu Vorgaben für die Produktion von Kunststoffprodukten. Auch über die direkten Stellungnahmen von IK, GKV und PlasticsEurope Deutschland, die die Forderungen kritisieren, wird berichtet. Die Forderungen seien kontraproduktiv im Hinblick auf den bereits eingeschlagenen Weg zu mehr Nachhaltigkeit.

Plastik werde in dem umfangreichen Papier der Allianz aus einem Dutzend Umweltverbänden wie Greenpeace, BUND und Deutsche Umwelthilfe als eines der „sichtbarsten und größten ökologischen Probleme“ der heutigen Zeit bezeichnet. In einem 15 Punkte umfassenden Katalog forderten sie, Kunststoffproduktion und -verbrauch über strikte Regulierung und Verbote zu reduzieren. Einwegprodukte und -verpackungen müssten entlang der gesamten Lieferkette durch Mehrwegsysteme ersetzt werden, der Einsatz von sowohl fossilen als auch nachwachsenden Primärrohstoffen müsse rigoros eingeschränkt werden. Klare Vorgaben zu Langlebigkeit, Wiederverwendung, Reparaturfähigkeit und die Recyclingfähigkeit für alle Produktkategorien müssten verbindlich über gesetzliche Vorgaben geregelt werden. Weitere Forderungen betreffen unter anderem Abgaben auf Coffee-to-go-Becher, Pfand auf alle Einwegplastikflaschen und Getränkekartons oder aber deren Abschaffung, Geschwindigkeitsbegrenzungen und Gewichtsreduzierungen bei Autos bis hin zu einem SUV-Verbot, um Mikroplastik durch Reifenabrieb zu einzusparen. Eine Kernforderung der Verbände sei aber die drastische Reduzierung der Plastikproduktion, wie zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung schreibt.

In derselben Zeitung wird auch die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen zitiert, die die Forderungen als „Plastik-Bashing“ kritisiere. Sie würden der Kreislaufwirtschaft, die Planungssicherheit für die erforderlichen Investitionen brauche, einen Bärendienst erweisen. PlasticsEurope Deutschland weise laut Recyclingmagazin auf den Trugschluss hin, dass der alleinige und sofortige Ersatz von Kunststoffen zu weniger Umweltproblemen führe, zumal Kunststofflösungen oftmals umweltfreundlicher als ihre Alternativen seien. Auch der GKV Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie sehe in den Forderungen der Umweltverbände die Gefahr, den begonnenen Weg zum Ausbau der nachhaltigen Ressourcen- und Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen durch Verunsicherung und einen Mangel an Planungs- und Rechtssicherheit für die Wirtschaft zu gefährden. Laut Süddeutsche sähen aber auch die Umweltverbände die Lösung eher in einem Mit- als in einem Gegeneinander. Um die „Plastikkrise“ an der Wurzel zu packen, müssten Verpackungen idealerweise wiederverwendbar, zumindest aber vollständig recycelbar sein, meine Martin Kaiser von Greenpeace. Im Kommentar bestätigt die Süddeutsche die Umweltverbände, die „im Kern“ recht hätten, aber an vielen Stellen „überambitioniert“ seien. Auch dürfe die Verpackungsindustrie nicht unberücksichtigt bleiben, es sei nicht alles per se schlecht, was sie produziere. Was allerdings nach einmaligem Gebrauch im Restmüll oder in der Umwelt lande, werde dann doch zurecht verteufelt.

Mehr Information: Papier "Wege aus der Plastikkrise"

Quellen:

  • swr3.de, zdf.de, weser-kurier.de, recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu, 320grad.de (5.2.2020)
  • Süddeutsche Zeitung, badische-zeitung.de, lebensmittelzeitung.net (6.4.2020)
Verpackungssteuer in Tübingen

Als bundesweit erste Kommune wolle Tübingen ab Januar 2021 eine Steuer auf den Verkauf von Einwegverpackungen erheben, heißt es in einigen Berichten der Tages- und Fachpresse. Hintergrund sei die Vermüllung der Landschaft infolge der Wegwerfkultur, die für Städte einen Millionenaufwand für die Müllbeseitigung verursache. Angesichts einiger unsinniger Regulierungen auf nationaler wie europäischer Ebene findet auch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) Gefallen an der Idee, die „ausgerechnet Boris Palmer, Tübingens grüner Oberbürgermeister“ nun durchgesetzt habe.

Einwegverpackungen, Einweggeschirr sowie Einwegbesteck für Speisen und Getränke sollen in Tübingen ab Januar 2021 besteuert werden. Das betreffe nicht nur solche aus Kunststoff, sondern beispielsweise auch Coffee-to-go-Becher aus Karton oder Pizza-Verpackungen aus Wellpappe. Für ein Einwegbesteckset fallen dann 0,20 Euro an und für eine Getränke- oder Lebensmittelverpackung sowie für Einweggeschirr 0,50 Euro. Davon ausgenommen seien Verpackungen, die Verkäufer zurücknehmen und einer Verwertung außerhalb der städtischen Entsorgung zuführen, ebenso wie solche Produkte, die auf Märkten und Festen ausgegeben werden, sofern diese Veranstaltungen nicht länger als zehn Tage im Jahr dauern. Wer Müll produziere, müsse auch dafür zahlen, begründet Tübingens Oberbürgermeister den mit großer Mehrheit im Gemeinderat angenommen Beschluss und zeigt sich zuversichtlich, dass die Verpackungssteuer ein umweltfreundliches Verhalten befördern und für mehr Mehrweglösungen sorgen werde.

Beifall bekommt er von der FAS, die Plastik verteidigt gegen den allgemeinen Trend: „Wenn es um Plastik und Einwegverpackungen geht, setzt bei einigen Deutschen inzwischen der Verstand aus“. Plastik habe seinen ganz eigenen Nutzen, sei leicht, strapazierfähig, lasse sich mit wenig Energie herstellen und sei häufig die bessere Wahl als Papier- oder Glasverpackung. In der Natur sei Plastik allerdings ein Problem. Hier brauche man Regulierung, aber solche mit Augenmaß. Als schlechte Regulierungsbeispiele nennt die FAS das Plastiktütenverbot in Deutschland wie auch die EU-Kunststoffrichtlinie, die über das Ziel hinausgeschossen sei. Als zielgerichteter sieht das Blatt die Idee, die „ausgerechnet“ der grüne Oberbürgermeister der Stadt Tübingen durchsetze, die Verpackungssteuer. Man könne das als Bevormundung sehen, aber ignoriere dabei, dass durch das Wegwerfen Kosten entstünden. Richtig sei auch, Einwegverpackungen wie den Kaffeebecher nicht zu verbieten, sondern eben teurer zu machen und ihn so für Menschen, die nur selten unterwegs einen Kaffee trinken, zu erhalten. Ein Problem sei allerdings die damit verbundene Doppelbesteuerung durch Stadt und Europäische Union. Um zu vermeiden, dass nun überall Steuern wie in Tübingen eingeführt würden, sollte die EU lieber die Kunststoffrichtlinie überarbeiten und dabei bei Boris Palmer abgucken.

Quellen:

  • FAS (2.2.2020)
  • KI (3.2.2020)
  • recyclingportal.eu (4.2.2020)
was noch...

Ein Hinweis auf zwei interessante Interviews: In der Süddeutschen Zeitung gibt Alba-Chef Axel Schweitzer Einblicke in seine Sicht der (Abfall-)Dinge, die von seinem Leben in zwei Welten – in Berlin und in China – geprägt ist. Seine Vision: Eine Welt ohne Abfall. Das zweite Interview, das der Onlinedienst 320grad mit dem VKU-Geschäftsführer Holger Thärichen führt, fördert eine andere Sicht zum Tübinger Beschluss einer Verpackungssteuer zutage.

Axel Schweitzer, der mit seinem Bruder den Alba-Konzern führt, hat in Hongkong seinen Zweitwohnsitz und soll ab April in Singapur ein neues Recyclingsystem einführen, das sich auf Digitalisierung stützt: Neben Müllstandsmessern sollen auch Kameras eingesetzt werden, die den Inhalt identifizieren und sich bei Fehlwürfen melden. Laut Schweitzer hat in China Recycling derzeit Toppriorität. Allerdings warnt er vor der deutschen Haltung zu denken, man sei das Maß der Dinge und wisse, was für andere gut sei. China sei da anders. Im Interview wird auch die Veränderung seiner Einstellung zu Konsum deutlich. Inzwischen halte er eine Welt ohne Müll für möglich und zwar über Vermeidung und geschlossene logistische und stoffliche Kreisläufe.

Im Interview mit 320grad erläutert der Jurist und VKU-Geschäftsführer Holger Thärichen unter anderem, warum die Verpackungssteuer, wie sie für Tübingen geplant ist, auf rechtlich wackeligen Beinen stehen könnte. Die Steuer sei zwar grundsätzlich eine gute Maßnahme, weil sie sich des Problems des Literings annehme, habe aber unter anderem juristische Schwachstellen, weil Tübingen ab 2021 dann doppelte Einnahmen erzielen würde, über die dann geltende Kunststoffrichtlinie und über die Steuer.

Quellen:

  • Süddeutsche Zeitung (3.2.2020)
  • 320grad.de (5.2.2020)

24.01. - 30.01.2020

Ohne Recycling geht’s nicht

Kunststoffrecycling ist in dieser Woche vielfach Thema in den Medien gewesen. „Ohne Plastik-Recycling geht es nicht“, schreibt die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) und beklagt fehlende Sammel- und Recyclingstrukturen in der Schweiz. Über Ungarn berichtet Kunststoff Information (KI) von Plänen des Getränkeindustrieverbands, den Rezyklatanteil in PET-Gebinden auf 50 Prozent zu steigern. Dagegen berichtet Euwid über den langsameren Anstieg des weltweiten Sekundärstoffeinsatzes gegenüber dem Ressourcenverbrauch. Im NDR geht ein Feature der Frage nach, wie sinnvoll Recycling überhaupt sei und das ZDF befragt Henning Wilts vom Wuppertal-Institut, der für Deutschland eine klare Strategie für eine Transformation zur Kreislaufwirtschaft fordert.

Kunststoffe hätten trotz ihrer klaren Vorteile einen schlechten Ruf, berichtet die NZZ aus der Schweiz, die sich gern als „Weltmeister im Recycling“ rühme, aber wo immer noch weitgehend die Strukturen für das fachgerechte Einsammeln und Wiederverwerten von Kunststoffabfällen fehlten. Doch auch die Bereitschaft zur Mitwirkung eines großen Teils der Bevölkerung, der sammle und fachgerecht entsorge, werde benötigt. Ob denn Recycling überhaupt sinnvoll sei, um Plastik zu vermeiden, fragt der NDR, gibt aber keine rechte Antwort. Produktionsreste würden schon lange weiterverwendet, doch im Moment gehe es den führenden Konzernen laut Umfrage im Markt darum, gebrauchte Kunststoffverpackungen wiederzuverwerten. Den Einsatz von „Ozean-Plastik“ hielten Experten für nicht sinnvoll, die plakativ beworbenen Einsätze in Produkten mancher Hersteller basierten in der Regel auf Abfällen, die am Strand gesammelt worden seien. Im Interview mit dem ZDF macht Hennig Wilts, Recyclingexperte beim Wuppertal Institut, deutlich, dass kein Stoff, auch Plastik, an sich „böse“ sei, sondern es auf den Einsatz ankomme. Auf Kunststoffe könnte in fast keinem Bereich unseres Lebens verzichtet werden, ein Verzicht auf Kunststoff bedeute vermutlich keinen Schritt weiter in Richtung Nachhaltigkeit, auch hinsichtlich der Verpackung nicht, wenn Lebensmittelabfälle tatsächlich halbiert werden sollen. Probleme entstünden am Ende der Nutzungsphase. Deutschland habe zwar immer noch mit die beste Recyclinginfrastruktur der Welt, doch seien andere Länder strategisch in Richtung Kreislaufführung bereits besser aufgestellt. Deutschland benötige hinsichtlich der Transformation zur Kreislaufwirtschaft eine klare Strategie für Investitionen in eine langfristige Wettbewerbsfähigkeit sowie Standards für eine tatsächlich ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft. Wie es um den Sekundärrohstoffeinsatz in der Welt bestellt ist, lässt sich einem Bericht in Euwid zum „Circularity Gap Report 2020“ entnehmen. Laut des auf dem Wirtschaftsforum in Davos vorgestellten Reports wurden 8,65 Milliarden Tonnen Sekundärrohstoffe im Jahr 2017 eingesetzt, womit die Einsatzquote von 9,1 Prozent im Jahr 2015 auf nur noch 8,6 Prozent zurückgegangen sei. Beim Übergang zur Kreislaufwirtschaft seien alle noch Entwicklungsländer, habe Hauptautor Marc de Wit von der Circle-Economy-Initiative gesagt. In Ungarn haben die im Verband der Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeindustrie organisierten Hersteller von Mineralwasser- und Erfrischungsgetränkeflaschen aus PET laut eines Berichts in Kunststoff Information angekündigt, bis 2030 den Rezyklatanteil auf 50 Prozent steigern zu wollen.

Quellen:

  • Neue Zürcher Zeitung, ndr.de (24.1.2020)
  • zdf.de (25.1.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 5/2020 (28.1.2020)
  • KI (29.1.2020)
Marine Litter - Thema in Davos

Eines der großen Nachhaltigkeitsthemen in Davos sei der „Kampf gegen Plastikmüll“ schreibt die FAZ, die über Ansätze berichtet von Konzernen, Altkunststoffe wiederzuverwenden. Darunter auch über ein Projekt der „Plastikallianz" am Ganges, in dem jährlich jeweils 600.000 Tonnen Plastik hinzukommen sollen. Im Interview mit dem Spiegel bewertet Swati Singh Sambyal, Umweltwissenschaftlerin am Centre for Science and Environment in Delhi, die Lage hinsichtlich des Plastikmülls in Indien: „Wir haben es mit einer Überschwemmung zu tun, aber anstatt das Leck zu stopfen, wischen wir den Boden auf“.

Seit dem Treffen im Jahr 2017, als Procter & Gamble eine neue Flasche für sein Shampoo Head & Shoulders vorstellte, die zu einem großen Teil aus an Meeresstränden eingesammelten recycelten Plastikflaschen bestanden, habe sich inzwischen eine neue Dynamik entwickelt. Heute gehe es nicht mehr darum, ob etwas getan werden müsse, sondern was. Die Unternehmen arbeiteten inzwischen miteinander. Coca-Cola etwa hätte mit dem chinesischen Onlinehändler JD.com eine Initiative zur Wiederverwertung von Einwegflaschen in China gestartet. Die Allianz gegen Plastikmüll aus 30 Weltkonzernen, der neben P&G auch die deutschen Unternehmen BASF und Henkel angehören, habe 2019 ihr erstes Projekt am Ganges gestartet. Dabei gehe es darum, die Bevölkerung aufzuklären und den Kommunen zu helfen, den Abfall aus dem Fluss zu fischen und wieder zu verwerten. Unter dem Titel „Wie Indien im Plastik versinkt“ fragt der Spiegel die indische Umweltwissenschaftlerin Swati Singh Sambyal, warum sich ihr Land damit so schwer tue. Statt nur den „Boden aufzuwischen“ brauche Indien eine funktionierende Mülltrennung und einen Plan, vom Einwegkunststoff wegzukommen, sage sie. Es mangele auch noch an Bewusstsein in der Bevölkerung. Nach neuester Schätzung, die schon einige Jahre zurückliege, fallen in Indien jeden Tag rund 25.000 Tonnen Plastikmüll an, wovon 16.000 Tonnen wiederverwertet würden und 9.000 Tonnen unkontrolliert in der Landschaft oder in Gewässern landeten.

Quellen:

  • AZ (24.1.2020)
  • faz.net (25.1.2020)
  • spiegel.de (28.1.2020)
Kunststoffverpackungen unter Druck

Während sich in Japan Kunststoffverpackungen laut WirtschaftsWoche noch großer Beliebtheit erfreuen, gerät der Lebensmittelhandel hierzulande unter immer größeren Druck, Verbraucherwünschen nach weniger Plastik nachzukommen. Zumal Verbraucherwünsche widersprüchlich seien: ohne Verpackung, aber mikrobiologisch unbedenklich, makellos aber bio und am Ende immer preiswert – eine Gratwanderung, wie die Lebensmittel Zeitung einen großen deutschen Gemüsevermarkter zitiert.

„Plastik als Auslaufmodell“, betitelt die Lebensmittel Zeitung ihren Artikel zum Verpackungsthema im Lebensmitteleinzelhandel, der für alle möglichen Tests offen sei. Doch erscheine die Aufgabe, die Erwartungen des Handels, der sich nachhaltig profilieren wolle, und die widersprüchlichen der Verbraucher, unter einen Hut zu bringen, als „Quadratur des Kreises“. Das zum Einsatz kommende Spektrum an Alternativen zu Kunststofffolien sei groß: Von biologisch abbaubaren Folien über Karton- und Papierverpackungen, Pflanzenfasern bis hin zu Natural Branding werde alles ausprobiert. Die WirtschaftsWoche berichtet darüber hinaus von Tests bei Rewe und Edeka, Früchte mit einer direkt auf die Schale aufgetragenen essbaren Schutzschicht zu versehen, um die Früchte damit vor dem vorzeitigen Verderb zu schützen, wie es bislang Kunststoffverpackungen leisten. In einem weiteren Bericht der WiWo geht es um die in Japan noch weit verbreitete Liebe zur Kunststoffverpackungen – „doppelt hält besser“. Die hänge wohl mit einem speziellen Empfinden von Schönheit und Sauberkeit in Japan zusammen. Japan sei nach den USA pro Kopf der größte Produzent von Kunststoffabfällen. 86 Prozent der Abfälle würden nach Angaben der Regierung verwertet, 58 Prozent davon thermisch zur Stromerzeugung genutzt, 14 Prozent würden exportiert und 13 Prozent im eigenen Land wiederverwertet.

Quellen:

  • Lebensmittel Zeitung, wiwo.de (24.1.2020)
  • wiwo.de (27.1.2020)

17.01. - 23.01.2020

Asiatische Länder im Kampf gegen Plastikmüll

Meldungen zu Maßnahmen in Asien, gegen Plastikmüll vorzugehen, häuften sich in dieser Woche: Vor allem Chinas Verbot der Plastiktüten und weitere Einschränkungen bei Kunststoffwaren beschäftigten die Medien, die an andere Stelle auch über die Abkehr von Abfallimporten in Malaysia und Indien berichten.

China habe gewissermaßen einen „Fünf-Jahres-Plan gegen Einweg-Plastik“ (kunststoffe.de) verabschiedet. Der beinhaltet unter anderem ein Verbot der Kunststofftragetasche und Plastikstrohhalme in allen Großstädten bis Ende dieses Jahres und bis 2022 in kleineren Städten, wie auch zahlreiche Tagesmedien berichten. Im Kern gehe es beim dem Plan, bis 2025 die Kunststoffverschmutzung einzudämmen, um die Reduzierung der Deponierung von Kunststoffabfällen, der Einrichtung eines Kunststoffmanagementsystems sowie um Fortschritte bei der Entwicklung alternativer Produkte, fasst Euwid zusammen. Nach und nach sollen weitere Produkte verboten werden, auch sehr dünne Kunststofftüten und Agrarfolien sowie Kunststoffprodukte mit medizinischen Abfällen. Bis 2025 sollen das Gaststättengewerbe und Essenslieferdienste ihren Verbrauch von Kunststoffeinwegprodukten um 30 Prozent reduzieren. Einwegkunststoffwaren sollen bis 2025 aus Hotels und Pensionen verschwinden. Auch Malaysia und Indien verstärken laut Medienberichten ihren Kampf gegen Plastikmüll. So schicke Malaysia erneut große Mengen illegal eingeführten Abfalls in die Absenderländer zurück, war unter anderem der Tagesschau zu entnehmen. In Indien wurde bereits im September vergangenen Jahres die Einfuhr von Altplastik verboten, im Oktober auch die Einfuhr von „gehäckseltem Plastik“, wie die taz berichtet. Zwar bringe das den ein oder anderen Recycler in Schwierigkeiten, weil etwa die Kunststoffabfälle aus Deutschland von guter Qualität gewesen seien, doch verfüge Indien inzwischen über genügend eigenen Plastikabfall, was eine Umstellung erforderlich mache, die aber machbar sei.

Quellen:

  • Süddeutsche Zeitung, spiegel.de (19.1.2020)
  • taz, FAZ, tagesschau.de, deutschlandfunk.de, NWZonline.de, kunststoffe.de (21.1.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 4/2020 (21.01.2020)
  • kunststoffe.de, kunststoffweb.de (22.1.2020)
Gesetzliche Initiativen

Zum gesetzlichen Rahmen gab es in dieser (Presse-)Woche einige Berichte, die sich auf verschiedene gesetzliche Initiativen bezogen: vom Verpackungsgesetz über das Kreislaufwirtschaftsgesetz bis hin zu Maßnahmen der EU-Politik. Wir geben einen knappen Überblick.

Um auf europäischer Ebene zu beginnen, gab es in der Fachpresse Berichte über die Position des Europäischen Parlaments zum „Green Deal“. Die Parlamentarier unterstützten sehr stark den vorgestellten Plan der Kommissionspräsidentin, wünschten sich allerdings noch ehrgeizigere Klimaziele. In der ausführlichen Resolution, die nicht rechtsverbindlich sei, hätten die Parlamentarier dazu laut Euwid auch die Nutzung des Potenzials der Abfallgesetzgebung und nicht nur das der Klimaschutz- und Energiegesetzgebung gefordert. Dazu gehörten unter anderem ein ehrgeizigerer Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft, Ziele für die Getrenntsammlung, Abfallreduzierung, Wiederverwendung und Recycling sowie Maßnahmen zur Stützung des Marktes für recycelte Materialien.

Das Recyclingmagazin berichtet über den Entwurf eines ersten Gesetzes zur Änderung des Verpackungsgesetzes, das ein Verbot des Inverkehrbringens leichter Kunststofftragetaschen erwirken solle. Damit solle die positive Entwicklung der Reduktion aufgrund der Vereinbarung des Handelsverbands Deutschland mit dem Bundesumweltministerium von 2016 fortgeführt zu werden. In kommunalwirtschaft.eu findet sich ein Bericht zur Veröffentlichung des Referentenentwurfs für die Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG) vom August 2019. Darin werden die ehrgeizigeren Recyclingzeile und die Änderungen bei der Berechnung der Recyclingraten referiert.

Grundsätzliche Kritik an der Politik in der EU kommt unter anderem von Verbänden der Kunststoff verarbeitenden Industrie. Nach deutlicher Kritik unter anderem von IK wie auch von Tecpart an der Idee des neuen Umweltkommissars, über Verbote von Kunststoffverpackungen nachzudenken, nahm nun auch der europäische Verband EuPC Anstoß an der EU-Politik, deren Maßnahmen bislang nur Kunststoffprodukte und nicht das Verhalten bestraften, wie Euwid berichtet. Die Verbote würden vorschnell und ohne Berücksichtigung der Umweltauswirkungen von Alternativen getroffen.

Quellen:

  • kommunalwirtschaft.eu (16.1.2020)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 4/2020, euwid-recycling.de (21.01.2020)
  • recyclingmagazin.de (22.1.2010)
  • KI (23.1.2020)
Special Kreislaufwirtschaft

In der Januar-Ausgabe von Kunststoffe befasst sich ein Special mit verschiedenen Aspekten der Kreislaufwirtschaft. Zum Thema Nachhaltigkeit untersuchte ein Autorenteam die Frage, ob Folie aus Recyclingkunststoff zwangsläufig nachhaltig sei und kommt zu einer differenzierten Antwort.

Neben Artikeln zur K-Messe, die für einen Aufbruch ins Zeitalter der Kreislaufwirtschaft stand, und zur Steigerung der Nachhaltigkeit von Schrumpffolien sowie einem Interview zur notwendigen Weiterentwicklung von Folienverpackungen hinsichtlich ihrer Recyclingfähigkeit widmet sich ein ausführlicher Beitrag dem Thema, wie die Nachhaltigkeit von Kunststofffolien umfassend bewertet werden könnte. Die Autoren von der RWTH Aachen, der Reifenhäuser Group und dem Institut für Kunststoffverarbeitung (IKV) plädieren dabei für eine in ihren Häusern gemeinsam entwickelte Berechnungsmethode zur Erstellung einer LCA, die alle relevanten Energie- und Stoffströme entlang des Lebenszyklus von Kunststofffolien und -vliesen von der Herstellung des Rohstoffs bis zur Entsorgung inklusive aller Transporte enthalten soll. Damit wollen sie nach eigenen Angaben Produktdesigner bei der Entwicklung nachhaltiger Kunststoffprodukte unterstützen. Bei zwei Anwendungsbeispielen, bei denen verschiedene Folien verglichen werden, wurde das Berechnungskonzept angewandt: Beim ersten Beispiel werden Obst- und Gemüsebeutel aus petrochemischen sowie aus biobasierten Kunststoffen und beim zweiten Beispiel Verpackungsfolie aus Primärkunststoff mit solchen aus Rezyklat verglichen. Die Betrachtungen kommen zu einem differenzierenden Ergebnis, das verkürzt wie folgt lautet: Biobasierte Kunststoffe tragen gegenüber petrochemischen einerseits zur Ressourcenschonung bei, erhöhen aber andererseits die Human- und Ökotoxizität. Eine Kompostierung sei wenig sinnvoll, weil die Energie nicht zurückgewonnen werde. Auch eine Substitution von Kunststoff durch Papier sei wegen deutlich schlechterer Werte in der Human- und Ökotoxizität nicht unbedingt sinnvoll. Der Rezyklateinsatz sei grundsätzlich ein sinnvoller Ansatz zur Steigerung der Nachhaltigkeit, allerdings nur bei gleichem Materialaufwand und abhängig von der Polymerart.

Quelle:

  • Kunststoffe 1/2020

10.01. - 16.01.2020

Die EU denkt über Verbote und Steuern nach

Ein Interview in der Tageszeitung Die Welt mit dem neuen Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius hat in dieser Woche für Aufsehen gesorgt. Einige Fachblätter greifen die dort geäußerten Pläne auf, die Regeln für Einwegkunststoffe auszuweiten und dabei auch an Verbote von Kunststoffverpackungen zu denken, und geben teilweise die dazu bereits geäußerten kritischen Stimmen wieder. Dass die Union auf der Suche nach neuen Einnahmequellen unter der kroatischen Ratspräsidentschaft auch wieder über eine Steuer diskutiere, ist ebenfalls in der Presse der zu Ende gehenden Woche zu lesen.

Im Interview der Welt mit dem Kommissar für Umwelt, Meere und Fischerei, Virginijus Sinkevičius, der zuvor zwei Jahr lang Wirtschaftsminister in seinem Heimatland Litauen war, geht es auch um Kunststoff. Auf die Frage, ob er Verbote auf Einwegplastikprodukte ausweiten wolle, antwortet der mit 29 Jahren Jüngste im Kommissarskollegium von Frau von der Leyen, dass man die Regeln für Einwegkunststoffe definitiv ausweiten wolle. Dazu wäre beispielsweise ein wichtiger Schritt, „Verpackungen aus Plastik zu verbieten oder die Verwendung von Recycling-Plastik vorzuschreiben“, so der Kommissar. Auch über gesetzliche Regelungen, um die Freisetzung von Mikroplastik einzudämmen, denke man in Brüssel nach – womöglich über eine Richtlinie für Mikroplastik. Bis Ende des Jahres solle eine detaillierte Liste vorliegen mit allen Produkten, die Mikroplastik enthalten oder bei deren Verwendung sie entstehen.
Solche Überlegungen halte laut Recyclingmagazin und anderen die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen für kontraproduktiv und fordere, mehr für ein Ende der Deponierung von Kunststoffverpackungen in Europa und für Recycling zu tun. Der Kommissar stelle mit solchen Äußerungen die Zukunft der Kunststoffverpackungen in einer Kreislaufwirtschaft in Frage und verunsichere Akteure, die gerade über Investitionen in recyclingfähige Verpackungen oder Recyclinganlagen entscheiden wollen, kritisiere IK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Engelmann.   
Auch das Thema Einführung einer Plastiksteuer werde in der EU, die nach neuen Einnahmequellen suche, wieder diskutiert, berichtet etwa der Onlinedienst 360grad. Das habe die EU-Botschafterin Irena Andrassy als Vertreterin der neuen kroatischen EU-Präsidentschaft bestätigt. Kroatien wolle im ersten Halbjahr 2020 mit allen Mitgliedsstaaten darüber sprechen. In Italien wurde laut Euwid gerade eine Steuer für Einwegkunststoffe für Verpackungsanwendungen beschlossen. Ab 1. Juli 2020 solle demnach jedes Kilogramm mit 45 Cent besteuert werden. Damit sei die Regierung nach heftigen Debatten in den vergangenen Monaten in Italien deutlich abgerückt von der ursprünglichen Forderung, auf alle Kunststoffverpackungen eine Steuer von 1.000 Euro pro Tonne zu erheben.

Quellen:

  • Die Welt, 360grad.de (7./13.1.2020)
  • recyclingmagazin.de, Euwid Recycling und Entsorgung 3/2020, lebensmittelzeitung.net (14.1.2020)
  • recyclingportal.eu, neue-verpackung.de (15.1.2020)
Die Suche nach dem einfachen Schuldigen

Im Montagsinterview mit der Süddeutschen Zeitung hält Covestro-Chef Markus Steilemann dem „miesen Image von Plastik“ die Erfolge des Werkstoffs in Sachen Nachhaltigkeit entgegen. Gleichwohl sieht er enormen Handlungsbedarf, um das lineare Konsum- und Produktionsverhalten zu beenden, den Eintrag in die Meere und Deponien zu stoppen und endlich in Richtung Kreislaufwirtschaft zu gehen. Es sei hanebüchen zu glauben, dass wir so weitermachen könnten wie bisher, sagt der Dax-Konzernchef.

Der Müll müsse raus aus den Weltmeeren, das sei keine Frage. Doch lassen sich solche Probleme nur gemeinsam mit Gesellschaft und Politik lösen, sagt Steilemann. Kunststoffe stehen in der Kritik. Was mit Glas, Papier und Metallen geschehe, nehme kaum jemand wahr. Elektroautos würden trotz der Bedingungen, unter denen in der chilenischen Wüste Lithium abgebaut werde, gehypt. Doch suche man sich lieber einen einfachen Schuldigen, statt sich der Komplexität der Themen zu widmen. Kunststoffe seien das nachhaltigste Material, das etwa für energiearme Kühlschränke und gedämmte Häuser sowie medizinischen Fortschritt sorge. Dennoch schauten viele nur auf die Nachteile, die auf Fehlverhalten zurückzuführen seien. Kunststoffe seien ein wertvoller Rohstoff. Deshalb müssten Einträge ins Meer vermieden, mehr Kunststoffe recycelt und im Kreislauf geführt werden. Man müsse wegkommen von der Einwegverpackung, ganz gleich, ob aus Kunststoff, Glas oder Metall, fordert der Covestro-Chef, der auf die Frage nach den Kosten des Umbaus von linearer zu zirkularer Produktion bei Covestro sagt: „Dies wird nicht mehr kosten, als wir ohnehin investieren würden. Die lineare Produktion ist keine Alternative. Es ist hanebüchen zu glauben, dass wir so weitermachen könnten wie bisher. Die Frage ist, wie uns gemeinsam die Transformation gelingt“.

Quelle: Süddeutsche Zeitung (13.1.2020)

Plastik und Klimaschutz

Die FAZ (online) befasst sich mit der Frage, ob ein Verzicht auf Kunststofftüten dem Klima nütze, Kunststoffe die Umwelt verschmutzen oder gar helfen, die Umwelt zu schützen. Sie kommt zu differenzierenden Antworten.

Dass der Verzicht auf Plastiktüten den persönlichen CO2-Fußabdruck verkleinere, glauben laut einer Umfrage von A.T. Kearney rund ein Viertel der Deutschen. Tatsächlich käme am Ende nur eine Ersparnis von drei Kilogramm CO2 dabei heraus. Allein ein Flug nach Mallorca produziere 700 Kilogramm pro Kopf. Dass man zwischen Klimaschutz und Umweltschutz unterscheiden müsse, werde auch in der Debatte in den sozialen Medien immer deutlicher. Anders sehe es laut FAZ allerdings aus, wenn man den Verbrauch nicht nur auf die Plastiktüten, sondern auf alle Kunststoffprodukte beziehe. Mit Verweis auf den Plastikatlas der Böll-Stiftung, wo der durch Herstellung, Verarbeitung und Entsorgung von Kunststoffen verursachte CO2-Ausstoß für das Jahr 2015 mit 1,8 Milliarden Tonnen angegeben werde, ergäben sich dann fünf Prozent der weltweit ausgestoßenen Gesamtmenge. Hinzu kämen mögliche Auswirkungen etwa von Mikroplastik auf das Klima. Auch bei der Entsorgung entstünde viel CO2, wie der Plastikatlas errechnet habe. Andererseits leiste die Müllverbrennung laut Umweltbundesamt einen Beitrag zum Umweltschutz, wenn dabei Strom produziert werde, was zu einer Nettoentlastung führe. Plastik befördere auch den Klimaschutz, wenn es etwa im Leichtbau von Transportmitteln oder in Windrädern eingesetzt werde – oder auch in Kunststoffverpackungen, die Lebensmittel länger haltbar machen, was ebenfalls Energie einspare. Dennoch bestünden sowohl für die Industrie als auch für Privatpersonen Möglichkeiten und Anreize, den Verbrauch einzuschränken.

Quelle: faz.net (10.1.2020)

13.12.2019 - 09.01.2020

Viel Zustimmung, aber auch Kritik für den „Green Deal“

Der „Green Deal“ mit umfangreichem Maßnahmenpaket für ein klimaneutrales Europa bis 2050, dem die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union zugestimmt haben und der auch einen neuen Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft vorsieht, werde, wie die Fachpresse berichtet, von Verbänden der deutschen Entsorgungsbranche überwiegend positiv bewertet. So habe der BDE den „Green Deal“ als Basis für die ökologische Moder­nisierung Europas begrüßt und der Kommission die Unterstützung des Verbandes bei der Durchsetzung der Ziele zugesagt. Der bvse-Bundesverband Entsorgung und Sekundärroh­stoffe sehe im „Green Deal“ ein „starkes Signal“, auf das die Branche aber habe lange warten müssen.

Potenzial für eine „neue Dynamik“ berge das im „Green Deal“ genannte zentrale Ziel, die Entwicklung von Leitmärkten für klimaneutrale und kreislauforientierte Produkte voranzutreiben, wird bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock in einem Bericht von Euwid in der letzten Ausgabe des Jahres 2019 zitiert. Auch Pläne der Kommission, die Getrenntsammlung zu stärken und den Sekundärrohstoffmarkt zu fördern, bewerte Rehbock als „richtigen Ansatz“. Der bvse spreche sich zusätzlich für ein Mittelstands­programm für den Aufbau der Recyclingwirtschaft in Europa aus. Hinsichtlich des von der Europäischen Kommission befürworteten Verbots des Exports von Abfällen in Län­der außerhalb der EU fordere der bvse die Kommission auf, zuvor Sekundärrohstoffe aus dem Abfallbegriff herauszunehmen. Kritisch habe sich der Verband in Bezug auf die seiner Ansicht nach überlangen Fristen bis zum weitgehenden Ende der Deponierung von Hausmüll geäußert. Das Recycling habe es schwer und der Klimaschutz das Nach­sehen, solange es billigen Deponieraum gebe, berichtet Euwid aus der Stellungnah­me des bvse. Für den BDE, ist in einem Bericht des Recyclingmagazins zu lesen, zeige der „Green Deal“, in dem anders als im deutschen Klimaschutzpaket der Kreislauf­wirt­schaft zentrale Bedeutung zukomme, dass neue Impulse für eine Modernisierung der Wirtschaft, die geeignet seien, die großen Emissionseinsparungspotenziale zu heben, zurzeit vor allem aus Europa zu erwarten seien. Auch der Verband kommunaler Unter­nehmen (VKU) habe sich zum Green Deal positiv geäußert und gelobt, dass die Sek­toren Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft stärker und verbindlicher adressiert wür­den, um CO2 einzusparen. Dafür sei es laut VKU notwendig, zeitnah „einen sektorüber­greifenden CO2-Preis einzuführen“, wird VKU-Präsident Michael Ebling in dem Bericht zitiert. Zu weit gingen die Pläne der EU-Kommission dagegen dem Präsidenten des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, wie Euwid an anderer Stelle berichtet. Die ständige Verschärfung der Klimaziele führe zu einer Verunsiche­rung der Konsumenten und Unternehmen. Auf ein überwiegend negatives Echo stoße der „Green Deal“ laut einem weiteren Bericht von Euwid bei europäischen und deut­schen Umweltschutzverbänden. Für Friends of the Earth (FoE) und Greenpeace Deut­schland seien die Pläne der EU-Kommission keine echte Antwort auf die Klimakrise. Es drohe in vielen Bereichen ein grünlackiertes „Weiter so“, warne Olaf Bandt, der Vor­sitzende des BUND. Im Papier stecke viel Deal, aber viel zu wenig Green, wird NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger im Recyclingmagazin zitiert. Das Europäische Umwelt­büro (EEB) und der Deutsche Naturschutzring (DNR) sähen laut Bericht von Euwid dagegen im „Green Deal“ zwar einen guten Schritt in die richtige Richtung, doch die konkrete Umsetzung bleibe abzuwarten.

Quellen:

  • Mehrere Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 51/2019 (17.12.2019)
  • recyclingmagazin.de (12.12.2019)
ProgRess III: Kreislaufwirtschaft und Kunststoffrecycling im Fokus

Das Bundesumweltministerium startete, wie u.a. Euwid berichtet, die Länder- und Verbändebeteiligung zum Referentenentwurf für das Ressourceneffizienzpro­gramm ProgRess III. Ziel von ProgRess, zu dem laut Gesetz alle vier Jahre eine Fortschreibung erfolgen muss, ist es, Wirtschafts- und Produktionsweisen in Deutschland schrittwei­se von Primärrohstoffen unabhängiger zu machen. Insgesamt 118 Maßnah­men und Handlungsoptionen, davon 27 mit hoher Priorität, beschreibe ProgRess III. Mit 18 Einzelmaßnahmen komme der Kreislaufwirtschaft darin eine zentrale Rolle zu. Und Kunststoffrecycling stehe in mehreren Einzelmaßnahmen im Mittelpunkt.

Auch enthalte ProgRess III eine Vielzahl weiterer Maßnahmen mit Bezug zur Entsor­gungs- und Recyclingwirtschaft. Zu den in ProgRess III aufgeführten notwendigen Maßnahmen mit Bezug zum Kunststoffrecycling gehöre die Stärkung der Rezyklat­nach­frage im Rahmen einer vom Bundesumweltministerium (BMU) entwickelten Initiative, bei der unter anderem über die Machbarkeit von gesetzlichen Rezyklateinsatzquoten diskutiert werde. Auch in der öffentlichen Beschaffung wolle die Bundesregierung Rezyklate gezielt fördern. Im Dialog mit kunststoffverarbeitenden Branchen setze sie jedoch auf freiwillige Maßnahmen der Industrie. So laute auch die bei Euwid vorliegende Antwort des parlamentarischen Staatssekretärs im BMU, Florian Pronold, auf eine Anfrage der FDP-Abgeordneten Judith Skudelny, wie Euwid an anderer Stelle berichtet. Politisch vom Tisch seien die Quoten damit zwar nicht. Doch ob und wann es konkrete Rezyklat­ein­satzquoten geben werde, lasse der Parlamentarische Staatssekretär offen. Im Entwurf für ProgRess III heiße es laut Bericht von Euwid über die gestartete Anhörung, dass die Umweltsicherheit von Rezyklaten sichergestellt werden müsse und dazu laut BMU Standardisierungs- und Zertifizierungssysteme entwickelt werden sollten. Des weiteren plane die Bundesregierung die Einführung einer standardisierten Kennzeichnung von rezyklathaltigen Kunststoffprodukten. Mit der Fortschreibung des Ressourceneffi­zienzprogramms wolle das BMU auch die Abfallvermeidung ausbauen und intensivie­ren. Maßnahmen zur Vermeidung von Einwegprodukten aus Kunststoff, die Mehrwegsysteme fördern sollen, seien geplant. Weitere für die Entsorgungswirtschaft relevante Maßnahmen in ProgRess III beträfen die Förderung der Wertstoffrückgewinnung aus Klärschlammverbrennungsaschen sowie die Förderung des selektiven Gebäuderück­baus und des Einsatzes von zertifizierten Recycling-Materialien in öffentlichen Bauvor­haben. Für ihre Stellungnahmen hätten Länder und Verbände noch bis zum 17. Januar Zeit.

Quellen:

  • 2 Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 1/2020 (8.1.2020)
  • recyclingmagazin.de (12.12.2019)