Hans Christian Bruhn

 

 

MEIN STANDPUNKT: HANS CHRISTIAN BRUHN
ZUR KRISE IN DER VERWERTUNGSINDUSTRIE

Hans Christian Bruhn, Vorsitzender des BKV-Beirats betrachtet die aktuelle Lage in der Kunststoffverwertungsbranche aus verschiedenen Blickwinkeln und betont:

Wir brauchen ein stabiles Kunststoffrecycling

 

 

Auch die Kunststoff-Recycling-Branche bleibt von der Wirtschaftskrise nicht verschont. Sie ereilte das Schicksal ähnlich plötzlich wie große Teile der Kunststoffindustrie. Seit Ende letzten Jahres sind die Preise für Rezyklate ebenso eingebrochen wie  Preise und Nachfrage nach Kunststoffneuware. In der Kunststoff-Industrie sind vor allem die Erzeuger, Maschinenhersteller und Verarbeiter, die für die Automobil- und die Elektro- und Elektronikindustrie produzieren, betroffen. Die dort eingebrochene Nachfrage schlägt sich direkt auf die Kunststoff-Industrie nieder.

In der Verwertungsindustrie sind es in erster Linie die Regranulathersteller, die unter der Absatzkrise leiden. Auch hier sind die Preise dramatisch eingebrochen. Hier zeigt sich ? in diesem Fall leider auf eher betrübliche Weise ?, dass die Marktwirtschaft die Kunststoffverwertung endgültig erreicht hat. Dem Auf und Ab des Marktes sind also auch die Verwerter ausgeliefert. Zwar wagt niemand eine Prognose, doch können wir uns sicher sein: Auf einen Abschwung folgt immer auch wieder ein Aufschwung. Und damit wird es auch bei den Kunststoff-Recyclern wieder aufwärts gehen.

Doch was passiert bis dahin? Von ersten Unternehmen, die von Insolvenz bedroht oder zumindest von Liquiditätsengpässen geplagt seien, ist die Rede. Auch Verwertungsunternehmen fahren ihre Produktion herunter, greifen zur Kurzarbeit und verkaufen aus ihren Lagerbeständen. Darüber hinaus finde - so ist zumindest von Branchenkennern zu hören -  eher eine Marktbereinigung statt. Bei den von Insolvenz bedrohten Betrieben handele es sich um solche, die auch ohne Krise vermutlich in eine Schieflage geraten wären. Unternehmen, die auf Qualität ihrer Produkte ? wie  auch auf die Qualität ihrer Kundenbeziehungen ? setzen, haben offensichtlich auch in der aktuellen Lage den längeren Atem.

Um die Verwertung der anfallenden Kunststoffabfälle müssen wir uns aktuell kaum Sorgen machen. Denn mit der energetischen Verwertung, mit der aus Kunststoffabfällen Strom und Dampf gewonnen wird, steht ein weiterer ökoeffizienter Verwertungsweg zur Verfügung. Dieser nimmt nun vermehrt Mengen auf, denen die werkstoffliche Verwertung unter den aktuellen Bedingungen verwehrt ist. Auch das mag ein Zeichen für ein funktionierendes Marktgeschehen sein. Vielleicht bewirkt dies ja, dass der eine oder andere Skeptiker künftig diese Verwertungsoption etwas weniger kritisch sieht.

Trotzdem ist klar: der werkstoffliche Verwertungsweg muss sich erholen. Wir brauchen auch künftig das Recycling für einen nachhaltigen Verwertungsmix, der  Kunststoffabfälle auf eine ökoeffiziente und sichere Weise einer Verwertung zuführt und schließlich auch die vom Gesetzgeber geforderten Quoten erfüllt. Insofern sollten wir  bei aller Zuversicht, dass es wieder aufwärts geht, das Geschehen im Auge behalten. Denn auch in der Recyclingbranche heißt es, dass ein besseres zweites Halbjahr 2009 dringend gebraucht werde.

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