StandpunktAn dieser Stelle beziehen Einzelpersonen - oder auch Verbände - Position zu einem aktuellen Thema. ![]()
MEIN STANDPUNKT: BERNHARD BORGARDT Bernhard Borgardt, Präsident der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen und langjähriges Mitglied der Geschäftsleitung der RPC-Gruppe, ist für die BKV als Stellv. Vorsitzender des Beirats aktiv.
Für ein nachhaltiges AbfallmanagementIm laufenden Jahr könnte aller Voraussicht nach die Novellierung der EU-Abfallrahmenrichtlinie zum Abschluss gebracht werden. Erneut liegt der Ball beim Europäischen Parlament, das sich nun in Zweiter Lesung mit dem gemeinsamen Standpunkt des Rates und den Änderungsvorschlägen der Parlamentarier befasst. Nach Einschätzung des EuPC, des europäischen Zusammenschlusses der Kunststoffverarbeiter, will das Parlament ein Schlichtungsverfahren vermeiden und die Novellierung in seiner für Juni erwarteten Abstimmung zum Abschluss bringen. Allerdings vernehmen wir aus dem Parlament und von seiner Berichterstatterin Caroline Jackson das ein oder andere Signal, das aus Sicht der Kunststoffindustrie Anlass zur Sorge geben muss. Vor allem zwei Punkte, die mit der Novelle neu geregelt werden sollen, sind für die Kunststoffindustrie von hoher Bedeutung: Die viel diskutierte Abfallhierarchie ? Vermeidung, Wiederverwendung, Recycling (stoffliche Verwertung), andere Verwertungsverfahren, Beseitigung in absteigender Reihenfolge ? sowie die Definition des Recyclings. Abfallhierarchie flexibel handhaben Nachdem der Rat sich für eine flexible Handhabung der Abfallhierarchie ausgesprochen hatte, neigt das Parlament mit Argumenten des Umweltschutzes zu einer strikten Handhabung. Doch das wäre für Kunststoffprodukte untauglich. Kunststoffprodukte liefern gerade während ihrer Gebrauchsphase den größten Nutzen ? auch in Hinblick auf ihre Umweltbeiträge. Schauen wir uns beispielsweise Verpackungsfolien an: Durch intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeit ist es gelungen, heute hauchdünne Folien mit vielen Schutz- und Barrierefunktionen anbieten zu können, die nur noch einen Bruchteil an Material und Energieaufwand beanspruchen wie vor 10 Jahren. Erreicht wurde dies vor allem durch Kombination verschiedener Kunststoffarten. Für das Recycling hingegen wären dicke Folien aus nur einem Material nachgerade ideal. Keinerlei durch Recycling erreichbare Ressourceneinsparungen können wettmachen, was bereits in der Herstellungs- und Gebrauchsphase erreicht werden kann. Anders ausgedrückt, werden unsere Produkte auf ihre Energie- und Ressourceneffizienz beim Gebrauch optimiert; wir dürfen das Pferd nicht von hinten aufzäumen. Eine starre ?Abfallhierarchie?, die Recycling vor andere ressourcenschonende Verwertungsalternativen stellt, gefährdet diese Erfolge. Recyclingdefinition weit fassen Kunststoffprodukte leisten in fast allen Bereichen des Alltags wertvolle Dienste ? auch für den Umweltschutz: als ressourcenschonende Verpackung, als kraftstoffsparendes Autoteil, als Isoliermaterial beim Hausbau. Die komplexen Aufgaben, die Kunststoffe in elektronischen Geräten, im Auto und in Verpackungen erfüllen, resultieren am Lebensende dieser Produkte häufig in gemischten Kunststoffabfällen, deren werkstofflicher Verwertung aus ökologischer und ökonomischer Sicht Grenzen gesetzt sind. Es ist ja ein Vorzug der Kunststoffe gegenüber anderen Werkstoffen, dass für sie weitere für die Umwelt Gewinn bringende Verwertungsalternativen zur Verfügung stehen. Die Industrie hat viel Geld in Entwicklungen investiert, die den Einsatz von Kunststoffabfällen als Reduktionsmittel zur Erzeugung von Eisen im Hochofen anstelle von Koks oder Mineralöl ermöglichen. Der österreichische Stahlhersteller Voestalpine hat unlängst mitgeteilt, dass durch den geplanten Einsatz von 220.000 Jahrestonnen Kunststoffabfälle mehr als 400.000 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr eingespart werden können. In dieses rohstoffliche Recycling-Projekt hat das Unternehmen nach eigenen Angaben 25 Millionen Euro investiert. Einem solchen innovativen und ökoeffizienten Ansatz würde eine enge Recycling-Definition den Boden entziehen, die getätigten Investitionen wären abzuschreiben und jeglicher Anreiz für weitere Innovationen im Interesse der Umwelt wäre im Keim erstickt. Energetische Verwertung anerkennen Für die optimale Nutzung der Ressource Kunststoffabfall brauchen wir eine flexible Abfallhierarchie und eine weite Recycling-Definition sowie eine Anerkennung der energetischen Nutzung als Verwertung, wie es der gemeinsame Standpunkt des Rates vorsieht. Alle Verwertungsoptionen sollten wertfrei auf ihren ökologischen und ökonomischen Nutzen überprüft und genutzt werden. Der größte ökologische Schaden ist zweifelsfrei die Deponierung von Kunststoffabfällen. Derart wird Kunststoffabfall weder als Rohstoff, noch als Energieträger genutzt. Es käme einem Anachronismus gleich, vor dem Hintergrund dramatisch steigender Rohstoff- und Energiepreise, Müllverbrennungsanlagen mit ganzjähriger Energieauskoppelung, Ersatzbrennstoffanlagen oder Kraftwerke nur noch als Beseitigungsanlagen einzustufen. Deshalb definieren Kommission und Rat hier die Verbrennung richtigerweise als Verwertung, sofern bestimmte Standards eingehalten werden. Dabei muss es aus unserer Sicht auch bleiben, damit Kunststoffabfälle je nach Beschaffenheit den jeweils optimalen Beitrag im Verwertungsmix liefern können. Nachhaltiges Abfallmanagement ermöglichen Kunststoffprodukte leisten für unsere Gesellschaft in Europa eine ganze Menge: in der Medizin, beim Sport, als Verpackung ? kurz: überall im Alltag. Und schließlich liefern sie auch am Lebensende einen nachhaltigen ressourcenschonenden Beitrag. Wobei es darauf ankommt, nach Beschaffenheit des Abfalls und nach Marktlage den ökoeffizienten und nachhaltigen Weg zu finden. Die angebliche Sorge des EU-Parlamentes, die werkstoffliche Verwertung sei gefährdet, schützte man sie nicht, ist völlig unbegründet, wie der Blick auf die Marktdaten zeigt. Das Gegenteil ist der Fall: Im gesetzlichen Schutz liegt ein hohes Risiko für Unternehmen, die sich heute auch im Verwertungsbereich in zunehmend globalisierten Märkten behaupten müssen, auf der Strecke zu bleiben. Das wäre allerdings alles andere als nachhaltig. |
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