PresseschauWas schreibt die Presse rund um das Thema Kunststoff und Verwertung? 20. bis 26. Juli 2010
Mülltrennung und Verwertung: „Globaler Megatrend“ oder „Gelbe Revolution“? Die durch das Thema Wertstofftonne ausgelöste Diskussion darüber, wem der Abfall gehören sollte, erreicht allmählich auch die Tagespresse. So befasste sich das Handelsblatt unter dem Stichwort „Deutsches Gold“ mit dem Wert der Stoffe, deren Preise sich derzeit im Höhenrausch befänden. Bis zu 300 Prozent mehr gegenüber Januar seien derzeit für Altpapier, Kupfer wie auch Kunststoff zu erzielen. Der asiatische und lateinamerikanische Rohstoffhunger und die in Europa anziehende Konjunktur führten dazu. Ein alter Menschheitstraum ginge in Erfüllung, aus Dreck Gold zu machen, schreibt das Handelsblatt mit Verweis auf die Erfolge etwa des Berliner Entsorgungsunternehmens Alba. Einer der Chefs, Axel Schweizer, sieht seine Branche auch immer wichtiger als Rohstofflieferant der Industrie und zitiert Studien unter anderem von Roland Berger, die der Umweltbranche inklusive des Recycling goldene Zeiten voraussagen. Aktuelles Hindernis: Derzeit sei noch unklar, wem eigentlich die gesammelten Wertstoffe gehörten, dem Staat oder den Privatunternehmen. Bundesumweltminister Röttgen müsse auf Anstoß der EU-Kommission das Kreislaufwirtschaftsgetz anpassen, wobei die Kommission marktwirtschaftliche Verhältnisse auf dem Entsorgungsmarkt bevorzuge. Auf lange Sicht verspreche das Geschäft lohnend zu sein, zumal die Deutschen, einst dafür belächelt, heute führend in der Welt mit der meisten Erfahrung seien. Spätestens seit Jürgen Kluge, Vorstandschef der Hanielgruppe, Ende April das Recyclinggeschäft zum „globalen Megatrend“ erklärt habe, sehe sich die Branche im Aufwind. Städtische Müllsammler wie die Berliner Stadtreinigung streiten mitunter mit harten Bandagen um den Besitz. Überall in der Republik setzten sich nun Bürgermeister und kommunale Unternehmer dafür ein, dass im laufenden Änderungsprozess des Kreislauwirtschaftsgesetzes trotz der europäischen Wettbewerbsbedenken festgelegt werde, dass der wertvolle Müll ihnen gehöre. Und nach Einschätzung des Handelsblatts stehen die Chancen für sie gar nicht schlecht, da die Bundespolitik den Städten gern was gönne, was die Kassen fülle. Die ersten Privaten würden dies voraussehen und bereits geginnen, mit dem „Gegner“ zu kungeln. Wie etwa Veolia, die mit der Stadt Hamburg ein Gemeinschaftsunternehmen zur Sammlung und Vermarktung von Altpapier gegründet habe, am Ende werde der Gewinn geteilt. Spiegel-Online dagegen schaut sich vor dem Hintergrund des neuen (Kreislaufwirtschafts)Gesetzes in einem ausführlichen Beitrag eher nüchtern die Vor- und Nachteile der zur Verfügung stehenden Alternativen zur Trennung von Wertstoffen an. Von deutschem Sortierwahn ist dort die Rede, dessen Sinn man prüfen wolle, zumal das aktuelle System mehr als umstritten sei. Der Gelbe Sack, so Spiegel-online, habe sich überholt, weil viele Verbraucher nicht wüssten, was da hineingehöre, er nicht überall flächendeckend genutzt werde wie zum Beispiel in Bayern, die nicht gerade umweltfreundlich zu Wertstoffhöfen führen, und weil viel Wertstoffe im Restmüll ungenutzt verschwänden. Nicht viel besser kommt die Wertstofftonne weg, die zwar mehr Abfälle ins Recycling brächte, aber auch von der Bereitschaft der Bürger mitzumachen abhänge und deren Finanzierung weiterhin unklar bleibe. Ebenso hänge die Idee der zwei Tonnen – Trockene und nasse Tonne – wie sie in Kassel mit Unterstützung von Professor Wiemer getestet wurde, vom Verbraucher ab, auch wenn mehr Wertstoffe aus dem Restmüll gerettet und die Bürger weniger Tonnen im Garten hätten. Schließlich das Projekt Gelb in Grau, das Max Monzel, Geschäftsführer des kommunalen Entsorgers ART Trier, präferiere und zwei Monate lang getestet habe. Restmüll mit Inhalten des Gelben Sack wieder gemischt habe Monzels Versuchsanlage automatisch getrennt und daraus ein zu 97 Prozent reines Kunststoffgemisch gewonnen. "Es muss ein Umdenken stattfinden", sagt Monzel. "Abfallwirtschaft muss heißen, das Beste aus dem Abfall zu machen - unabhängig von den Interessen etwaiger Systeme“. Doch, so Spiegel-Online, stoße das Projekt bei Bundesämtern und anderen Entsorgern auf wenig Interesse. Die guten Wertstoffoffe nähmen möglicherweise den Restmüllgeruch an, auch die Kosten dieser Alternative seien zu hoch. Insofern sei fraglich, ob von Trier aus die „Revolution des Abfallsystems“ ausginge. Quellen: Handelsblatt (21.7.2010), SPIEGEL-online (21.7.2010)Müllkippe Meer Das Thema bleibt Thema in der Presse, doch geht es nicht gegen den Werkstoff Kunststoff, auch wenn der Müll in den Ozeanen zu einem Gutteil daraus besteht. Jüngstes Beispiel ist die Süddeutsche Zeitung, die in Form einer Reportage die Müllkippe Mittelmeer aus Sicht einer Fischerfamilie beschreibt. In deren Netze sammelt sich beim Fischfang immer mehr Kunststoff, Glas und Metall. Selbst halbgefüllte Farbeimer sind darunter, die den Fischfang schließlich ruinieren. Die beschriebene Familie entsorgt den gefischten Müll im Hafen in dafür vorgesehenen Containern, die in Kürze durch ein Trennsystem ersetzt werden sollen. Ihr Ärger richtet sich gegen Fischerkollegen und die Kreuzfahrtschiffe, die allein für 70 Prozent des Mülls auf dem Mittelmeerboden verantwortlich sein sollen. Laut Daten der Meeresschutzorganisation Oceana produzieren sie täglich 4.000 Kilogramm Abfall. Auch das Editorial der letzten Ausgabe des Fachmagazins Kunststoffe macht Plastikmüll in Ozeanen zum Thema. Allein im Nordpazifik habe der dort kreisende Müllstrudel ein Ausmaß in Größe Mitteleuropas, der nicht einfach von der Bildfläche verschwände. Das sei zwar nicht etwa der Sorglosigkeit der Kunststoffindustrie anzulasten, dennoch stünden in den nächsten Jahren drei Aufgaben auf der Agenda: Die Verbannung toxischer Inhaltsstoffe aus den Materialrezepturen, die Forcierung der Wiederverwertung von Kunststoffen vor allem in Regionen mit schwacher Recycling-Infrastruktur und die breitere Verankerung des Einsatzes biologisch abbaubarer Kunststoffe. Die Herausforderung sei, eine Tragetüte herzustellen, die sich nicht gerade in dem Moment auflöse, wenn man darin die Milchflasche nach Hause trage, heißt es am Ende des Editorials. Quellen: Süddeutsche Zeitung (21.7.2010), Kunststoffe 7/2010
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