Nachgefragt![]() Die kürzlich erschienene Studie "Klimaschutzpotenziale der Abfallwirtschaft", erstellten das Öko- und das Ifeu-Institut im Auftrag von Umweltbundesamt (UBA), Bundesumweltministerium und dem Bundesverband der Deutschen Entsorgungs- Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE). Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die Abfallwirtschaft bereits erhebliche Beiträge zum Klimaschutz leistet. Darüber hinaus markiert die Studie Potenziale für weitere Beiträge. Dazu DREI FRAGENan Volker Weiss, Leiter des Fachgebiets "Abfalltechnik und Abfalltechniktransfer" im Umweltbundesamt (UBA) Herr Weiss, ein Ergebnis Ihrer Gemeinschaftsstudie mit BMU und BDE zum Klimaschutzpotenzial der Abfallwirtschaft ist, dass der Ausstieg aus der Deponierung unbehandelter Abfälle, wie in Deutschland bereits vollzogen, den entscheidenden Beitrag leistet. Welche Chancen sehen Sie, dieses Potenzial in allen EU-Staaten zu heben? Was kann oder muss aus Ihrer Sicht heute auf den Weg gebracht werden, um dies zu erreichen? Die konsequente Umsetzung bereits bestehender Regelungen der EU, z.B. der Deponierichtlinie, wäre schon ein großer Fortschritt. Hier ist auf europäischer Ebene teilweise ein Vollzugsdefizit zu verzeichnen. Die EU-Kommission sucht nach Wegen, die Anwendung und Durchsetzung des bereits geltenden Rechts zu verbessern, eventuell durch einen ?Umweltinspektionsdienst der Gemeinschaft? wie es vom Europäischen Parlament angeregt wurde. Die höher gesteckten Recyclingziele in der neuen Abfallrahmenrichtlinie und eine geplante Bioabfallrichtlinie können noch zusätzliches Potenzial zur Treibhausgasminderung erschließen. Die von Ihnen angesprochene Studie zeigt ja, welch enormen Beitrag die Abfallwirtschaft zum Klimaschutz leisten kann. Dazu muss man wissen, dass die Minderung der Methanemissionen eine der kosteneffizientesten Maßnahmen zur Treibhausgasminderung ist, also auch ökonomisch Sinn macht. Das rege internationale Interesse an unseren Studienergebnissen macht mich zuversichtlich, dass sich diese Erkenntnis durchsetzt und damit Akzeptanz schafft für hohe Umweltschutzstandards in der Abfallwirtschaft. Über eine Beendigung der Deponierung hinaus empfehlen die Autoren der Studie eine Optimierung des Recyclings und eine effizientere Nutzung der Energie aus Abfällen. Was muss geschehen, um etwa die Nutzung der thermischen Verwertung zu verbessern? Hier gilt es insbesondere die noch vorhandenen Potenziale zur Wärmenutzung auszuschöpfen. Dazu stehen seit Anfang 2009 mehrere Klimaschutzinstrumente zur Verfügung, deren Anwendungsbereich sich auch auf die Abfallverbrennung erstreckt: z.B. das Gesetz zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWKG 2008) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG 2008). Sie bieten finanzielle Anreize, um die Nutzung der Wärme aus Abfallverbrennungsanlagen zu optimieren. Im Marktanreizprogramm für Erneuerbare Energien (MAP) ist seit März 2009 die Errichtung und Erweiterung von Nahwärmenetzen für die Wärmenutzung aus Abfallverbrennung als neuer Fördertatbestand explizit erwähnt. Für neue Anlagen sollte schon bei der Standortwahl die effiziente Energienutzung ein wesentliches Kriterium sein. Deutschland nimmt bei Umwelttechnologie und ?dienstleistungen eine internationale Spitzenstellung ein. Wo liegt Ihrer Einschätzung nach noch technisches Innovationspotenzial in der deutschen Abfallwirtschaft? Wir sind in Deutschland bereits auf einem hohen technischen Standard in der Abfallwirtschaft angekommen. Technische Innovationen in Quantensprüngen sind wohl unwahrscheinlich. Aber z.B. lag bisher die Rückgewinnung von Edel- und Sondermetallen zu wenig im Fokus des Recyclings. Die zukünftige Verfügbarkeit dieser Metalle, die vor allem in Elektro- und Elektronikgeräten, z.B. der Informations- und Kommunikationstechnologie enthalten sind, und die Notwendigkeit, die Umweltauswirkungen des Rohstoffabbaus zu verringern, stehen bei diesem Thema im Mittelpunkt unserer Betrachtungen. Die Ausrichtung des Recyclings auf die Rückgewinnung der Rohstoffe im Abfall wird noch große Anstrengungen erfordern. Wir erwarten uns davon große Fortschritte zur Schonung natürlicher Ressourcen. Eine erhöhte Ressourceneffizienz ist essenziell für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft und zentrales Thema für unsere Gesellschaft. Das betrifft nicht nur die Abfallwirtschaft, sondern zielt auch auf Produktions- und Konsummuster. In diesen Bereichen sind grundlegende strukturelle Veränderungen notwendig und zu erwarten. Das wird auch Auswirkungen auf die Abfallwirtschaft haben als ein Glied in der Kette geschlossener Stoffkreisläufe. (8. März 2010) |
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