Nachgefragt![]() Die Wirtschaftvereinigung Kunststoff (WVK) hat vor Kurzem das Positionspapier der deutschen Kunststoffindustrie in einer überarbeiteten Fassung vorgestellt. Darin finden sich auch Aussagen zu Themen der Verwertung von Kunststoffabfällen. Dazu DREI FRAGENan Dr. Peter Orth, Hauptgeschäftsführer von PlasticsEurope Deutschland, gleichzeitig Geschäftsführer der BKV und der Wirtschaftsvereinigung Kunststoff (WVK)
Die noch recht junge Wirtschaftvereinigung Kunststoff vertritt die gemeinsamen Interessen der deutschen Kunststoffindustrie, also der Erzeuger, Maschinenbauer und Verarbeiter. Ein ganz wesentliches Interesse dieser Industrie - mit insgesamt etwa 440 000 Beschäftigten in rund 7 200 Unternehmen und einem Umsatz von rund 90 Milliarden Euro im Jahr einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Deutschlands - ist ein starker und wettbewerbsfähiger Industriestandort Deutschland. Wer den Erhalt und Ausbau unseres gesellschaftlichen Wohlstands wünscht, sollte sich klar dazu bekennen, dass Deutschland Industrieland ist und bleiben muss. Um dies zu erreichen, müssen industriepolitische Aspekte im politischen Diskurs stärker gewichtet, die Bedeutung der Industrie für unseren Wohlstand in der Öffentlichkeit sichtbarer werden. Im Positionspapier der WVK, das wir der Landes- und Bundespolitik wie auch der Industrie zur Verfügung stellen, machen wir konkrete Vorschläge für mehr Wachstum und Wohlstand in Deutschland und Europa. Dies für zahlreiche Politikfelder, auf denen unsere Industrie engagiert und kompetent ist, von Rohstoffversorgung, Klimaschutz und Ressourceneffizienz bis hin zu Bildung und Wissenschaft, wozu die Kunststoffindustrie heute über die WVK mit einer Stimme spricht. Wenn wir die für die BKV-Themen interessanten Bereiche Kunststoffverwertung und Ressourceneffizienz herausgreifen, welche Positionen bezieht hier die deutsche Kunststoffindustrie? Kunststoffabfälle sind zu Rohstoffen geworden. Deutschland gehört zu den neun europäischen Ländern, in denen Kunststoffabfälle zu über 80 Prozent verwertet, das heißt als Rohstoff für neue Produkte oder zur Gewinnung von Energie und Wärme genutzt werden. In anderen europäischen Ländern haben wir hier noch Nachholbedarf, weist doch die Hälfte der EU-Mitgliedsstaaten nur Verwertungsraten von unter 30 Prozent auf. Bemerkenswert ist aus meiner Sicht, dass Länder mit hohen Verwertungsraten die Deponierung heizwertreicher organischer Abfälle ganz oder teilweise untersagt haben. Und interessanterweise beobachten wir in diesen Ländern, dass dort nicht nur die energetische, sondern auch die stoffliche Verwertung, also das Recycling, erfolgreich mit hohen Raten betrieben wird. Ich bin daher überzeugt, dass alle Verwertungswege gleichermaßen genutzt werden sollten und ökologisch vorteilhaft sind, was zahlreiche Studien mittlerweile belegen und auch vom Bundesumweltamt bestätigt wird. Deshalb vertreten wir in der aktuellen Diskussion um die Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetz auch die Meinung, dass wir es im Wesentlichen bei der Umsetzung der Vorgaben der EU-Abfallrahmenrichtlinie belassen und keine zusätzliche Detailausgestaltung vornehmen sollten. Ebenso in der Diskussion sind die so genannten Biokunststoffe, deren Marktanteil noch unter einem Prozent liegen, denen aber ein 20prozentiges jährliches Wachstum vorhergesagt werden. Wie steht die Kunststoffindustrie zu den „neuen“ Kunststoffen? Zunächst sollten wir klarstellen, worüber wir reden. Als Biokunststoffe werden zum einen biologisch abbaubare Kunststoffe bezeichnet, die konventionell aus fossilen Rohstoffen wie Öl oder Gas oder aber aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Als Biokunststoffe werden aber ganz allgemein auch Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen bezeichnet, unabhängig davon, ob sie bioabbaubar oder nicht sind. Insofern sollte der verwirrende Begriff ganz vermieden werden. Bei den Bioabbaubaren unterstützt die Kunststoffindustrie durchaus deren Entwicklung, soweit dies zusätzliche Funktionalität oder sonstige Vorteile bringt. Denken Sie etwa an die Chirurgie, wo bei der Operation benötigte Materialien vom Körper resorbiert werden und ein zusätzlicher Eingriff überflüssig wird. Auch in der Landwirtschaft können bioabbaubare Agrafolien einen zusätzlichen Nutzen bieten, wenn sie untergepflügt werden können und im Boden verrotten. Bioabbaubare Kunststoffe lösen allerdings nicht das Problem der Vermüllung der Landschaft, weil es für ihren Abbau bestimmte Bedingungen bedarf, die nicht überall gegeben sind. Was Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen betrifft, so befasst sich unsere Industrie prinzipiell mit allen Alternativen zur Herstellung von Kunststoffen, ob aus fossilen oder aus nachwachsenden Rohstoffen. Wichtige Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Nutzung solcher Rohstoffe sind allerdings deren konstante Qualität und Verfügbarkeit sowie wettbewerbsfähige Kosten. Das dauert bei den nachwachsenden Rohstoffen sicherlich noch etwas. Doch grundsätzlich halten wir deren Nutzung für die Kunststofferzeugung für sinnvoll und nachhaltig, sofern die Rohstoffbasis flexibel bleibt und nicht reglementiert wird. (21. Juni 2010)Das Positionspapier finden Sie auf der Website der Wirtschaftsvereinigung Kunststoff Kernaussagen des Positionspapiers
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