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„Ein Marathon, kein Sprint“

Das Verpackungsgesetz als Neustart: Im BKV-Workshop beim Altkunststofftag war die Aufbruchstimmung unter den Teilnehmern deutlich spürbar.

Dr. Gottlieb Jung, Moderator

Dr. Thomas Rummler, BMUB

Stefan Dierks, Tchibo GmbH

Dr. Siegfried Kreibe, bifa

Dr. Michael Heyde, DSD GmbH

Eric Rehbock, bvse

Einen konstruktiven Dialog auf fachlich hohem Niveau erlebten die über 100 Teilnehmer des BKV-Workshops im Rahmen des 20. Internationalen Altkunststofftags des bvse am Nachmittag des 30. Junis in Bad Neuenahr. Die Fragestellung, mit der sich die eingeladenen Referenten fachkundig auseinandersetzten, lautete: Das Verpackungsgesetz – ein Wegbereiter für die Kreislaufwirtschaft? Jedenfalls eine große Chance für die Zukunft, gab Moderator Dr. Gottlieb Jung den Referenten in seiner Einführung mit auf den Weg. Jung ist seit kurzem Ehrenvorsitzender des Politischen Ausschusses der BKV, wie BKV-Geschäftsführer Rainer Mantel bei seiner Begrüßung verkündete.

Dr. Thomas Rummler, Leiter der Unterabteilung Abfallwirtschaft im Bundesumweltministerium, machte den Anfang und dabei deutlich, inwieweit bereits die Verpackungsverordnung ein wesentlicher Treiber des Kunststoffrecyclings war. Das Verpackungsgesetz, so sei sicher zu erwarten, werde mit den deutlich erhöhten Recyclinganforderungen einen erneuten Schub bewirken und vor allem zu einer Verdoppelung der Menge an recycelten Kunststoffverpackungen aus den Haushalten führen.

Anschließend gab Stefan Dierks einen interessanten Einblick, wie ein global agierendes deutsches Handelshaus die Ziele einer Norm wie dem Verpackungsgesetz in sein Konzept des nachhaltigen Wirtschaftens integriert. Der Handel trage die Ziele der Kreislaufwirtschaft mit, betonte Dierks, der sich auch im Umweltausschuss des HDE engagiert.  Man werde allerdings unter Aspekten der ökologischen Sinnhaftigkeit und der gleichzeitigen Wirtschaftlichkeit globale Stoffströme in den Blick nehmen müssen. Kreislaufwirtschaft sein ein Marathon, kein Sprint, mahnte er am Ende zu langem Atem.

Dr. Siegfried Kreibe vom bifa aus Augsburg gab anschließend Hinweise aus der Forschung zur Nachhaltigkeit von Kunststoffverpackungen und befasste sich ausführlicher mit Zielkonflikten wie dem zwischen der Materialeinsparung und der Recyclingfähigkeit. An Beispielen machte er deutlich, wie Mengenreduzierungen je nach Verwendung von Materialien mal mehr, mal weniger zu Minderungen bei den Umweltlasten führen und im Idealfall sogar mit mehr Recyclingfähigkeit einhergehen. Kreibe gab zu Bedenken, dass Verpackungen in aller Regel wesentlich weniger bedeutend für den ökologischen Rucksack seien als das verpackte Gut. Information und Dialog zwischen Handel und Inverkehrbringer müssten angesichts der gesteigerten gesetzlichen Anforderungen intensiviert werden. Das Verpackungsgesetz werde vor allem auch zu mehr designgerechtem Recycling führen, zumal dieses in der Hand der Recycler liege, schloss Kreibe seine Betrachtungen.

Last but not least verdeutlichte Dr. Michael Heyde vom DSD, welche Kennzeichen für eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe aus Sicht der Praxis des Kunststoffrecyclings erforderlich seien. Seiner Überzeugung nach geht das nur über eine größere Nähe zum Endverbraucher, der durch eine wieder aufgenommene und intensivierte Kommunikation zu besserer Trennung für mehr Menge motiviert werden müsse. Dazu sei ein in Fachkreisen eher kritisch gesehenes Recycling „zurück zur Verpackung“ sehr hilfreich, vor allem, wenn es von Verpackungsherstellern selbst vorangetrieben würden. Beispiele wie das von Werner & Merz zeigten, dass dann der Dialog zwischen Herstellern und Recyclern sehr viel intensiver und konstruktiver sei und letztlich dem Hersteller die Ursachen, warum seine ursprüngliche Verpackungslösung etwa weniger recyclingfähig sei, begreiflich würden. Solche Closed-Loop-Leuchtturmprojekte und eine intensivierte Kooperation entlang der Wertschöpfungskette seien der Schlüssel für eine Erhöhung der Recyclingmenge und führten mittelfristig zu dem was Recyclingkunststoff sein sollte: ein Rohstoff für Kunststoffprodukte analog zu anderen Materialströmen wie Glas oder Papier. 

Für den abmoderierenden Dr. Gottlieb Jung zeigte die Runde der Vorträge wie auch die sich anschließende kurze Diskussion mit dem Plenum, dass dem Verpackungsgesetz, welches letztendlich erst zum 1. Januar 2019 wirksam wird, eines bereits jetzt gelungen sei: Es habe eine positive Aufbruchstimmung erzeugt.

Quelle: BKV GmbH (30.5.2017)